Ab 4. August: Deutscher General wird Stabschef bei der US Army in Europa

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In diesen Zeiten von NSA-Abhöraffäre und -Untersuchungsausschuss, Rauswurf von CIA-Stationschefs aus Deutschland und überhaupt einem schwierigen deutsch-amerikanischen Verhältnis ist das schon eine bemerkenswerte Nachricht: Erstmals wird ein deutscher Brigadegeneral Stabschef der US Army Europe (USAREUR). Brigadegeneral Markus Laubenthal (Foto oben) wird seinen Dienst bei den US-Streitkräften in Wiesbaden am kommenden Montag antreten, wie die Bundeswehr mitteilte. Dass die US Army Europe einen deutschen Offizier zu ihrem Chef des Stabes machen will, war zwar seit Monaten bekannt; die letztendlichen Vereinbarungen zwischen beiden Staaten zogen sich aber in die Länge – unter anderem ging es um die Detailregelungen für den Zugang des deutschen Offiziers zu geheimem US-Material.

Laubenthal, geboren am 4. Dezember 1962,  war zuletzt Kommandeur der Panzerbrigade 12 in Amberg (allerdings hat die Bundeswehr auf ihrer Webseite seinen Lebenslauf schon durch den seines Nachfolgers ersetzt) . Im internationalen Umfeld sammelte der gebürtige Aachener zuletzt Erfahrung als Chef des Stabes im ISAF-Regionalkommando Nord. Vor Kommandoübernahme in Amberg war er Referatsleiter in der Politikabteilung des Verteidigungsministeriums.

Interessant aus deutscher Sicht wird der Posten auch deswegen, weil die US-Streitkräfte in Europa mit ihrem Anspruch As a U.S. Army Service Component Command, U.S. Army Europe is America’s strategic forward enabler in Einsätze gehen (können), die mit der deutschen Politik nicht direkt vereinbar sind. Da wird dann die Frage aufgeworfen werden, inwieweit ein deutscher Offizier an dieser Schaltstelle beteiligt sein kann und darf – auch wenn die Bundeswehr in ihrer Mitteilung (s. unten) vorsorglich darauf hinweist: Die Führung und Verantwortung der Auslandseinsätze der amerikanischen Landstreitkräfte obliegt hingegen anderen Dienststellen der U.S. Streitkräfte (CENTCOM / EUCOM / AFRICOM). Das ist richtig, aber nicht zwingend trennscharf. Übungen wie zum Beispiel die geplante Rapid Trident 2014 in der Ukraine, jetzt auf den Herbst verschoben, gehören in die USAREUR-Zuständigkeit.

Die offizielle Bundeswehr-Mitteilung zu dem neuen deutschen Posten:

Deutscher General in Führungsverantwortung bei der US-Army Europe:
Erstmalig wird ein deutscher General „Chef des Stabes“ in den U.S. Streitkräften
Am 4. August wird Brigadegeneral Markus Laubenthal seinen Dienst als „Chef des Stabes“ im Hauptquartier der U.S. amerikanischen Landstreitkräfte in Europa (USAREUR), mit Sitz in Wiesbaden, antreten.
Erstmalig wird ein deutscher General in einer herausragenden Führungsfunktion bei amerikanischen Streitkräften seinen Dienst verrichten. Brigadegeneral Laubenthal leitet in seiner neuen Funktion die Stabsabteilungen, die dem Kommandeur beim Erfüllen seiner Führungsaufgaben zur Seite stehen. Laubenthal wird somit die „rechte Hand“ des Kommandierenden Generals der US-Landstreitkräfte in Europa, Generalleutnant Donald Campbell Jr.
Durch das Kommando wird die Einsatzbereitschaft von mehr als 37.000 U.S.-amerikanischen Heeressoldaten sichergestellt, welche ihren Dienst in Deutschland und Italien leisten. Die Führung und Verantwortung der Auslandseinsätze der amerikanischen Landstreitkräfte obliegt hingegen anderen Dienststellen der U.S. Streitkräfte (CENTCOM / EUCOM / AFRICOM).
Brigadegeneral Laubenthal freut sich auf seine neue Verwendung und sagt:
„Ich blicke mit Respekt und Spannung auf die Aufgaben als Chef des Stabes im Hauptquartier der United States Army in Europe. Als Kommandeur der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ habe ich die gemeinsamen Übungen mit unserer Patenbrigade, dem 2nd U.S. Cavalry Regiment in Vilseck, sehr geschätzt. Es freut mich daher umso mehr, diese enge Zusammenarbeit nun auf eine neue und einzigartige Weise in Wiesbaden fortführen zu können. Ich bin mir sicher, meine bisher in der Bundeswehr gesammelten Erfahrungen in der Ausbildung von einsatzbereiten Heereskräften auch bei USAREUR einbringen zu können.
Sein zukünftiger Kommandeur, Generalleutnant Donald Campbell Jr., spricht von einem neuen wichtigen Schritt der deutsch amerikanischen Zusammenarbeit:
„Dies ist ein kühner, großer Schritt vorwärts im Engagement der US-Army in Europa, in einem multinationalen Umfeld mit unseren deutschen Verbündeten zusammenzuarbeiten.
Ranghohe US-amerikanische und deutsche Offiziere haben seit Jahren zusammen in der ISAF gedient. Die Bewahrung gemeinsamer Fähigkeiten aus dieser Erfahrung wird sowohl dem US-amerikanischen als auch dem Deutschen Heer nützen. Wie Sie wissen, sagen Taten mehr als Worte und diese Neuerung spricht sehr deutlich dafür, dass es uns mit einem multinationalen Team ernst ist. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Brigadegeneral Laubenthal und auf den enormen Einfluss, den seine Anwesenheit auf das Team haben wird.“

Die Art der Pressemitteilung mit Laubenthal sagt…. sein Kommandeur sagt… ist schon sehr angelsächsisch… Und hier die fast, aber eben nur fast wortgleiche Pressemitteilung von USAREUR:

German general assigned as USAREUR’s new chief of staff
WIESBADEN, Germany – As announced by the German Ministry of Defense, U.S. Army Europe’s next chief of staff will be a general officer from the Bundeswehr, Brig. Gen.Markus Laubenthal. In this capacity, Laubenthal will synchronize the activities of the USAREUR staff in much the same manner as his American predecessors have done. Laubenthal has already been receiving initial briefings from the USAREUR staff and is expected to report to duty full time on or about 4 August.
„This is a bold and major step forward in USAREUR’s commitment to operating in a multinational environment with our German allies. U.S. and German senior military leaders have been serving together in NATO’s International Security Assistance Force in Afghanistan for years. Sustaining the shared capability from this experience will benefit both U.S. and German armies. As you know, actions speak louder than words, and this innovation carries a very strong message regarding our seriousness about a multinational team. I look forward to working with Brig. Gen. Laubenthal and seeing the tremendous impact his presence will have on the team,“ said Lt. Gen. Donald Campbell Jr., USAREUR commanding general.
Laubenthal is looking forward to his new assignment. “I view my new duties as chief of staff with interest and respect. As the commander of Panzerbrigade 12 (12th Armored Brigade) ‘Oberpfalz’, I have always valued the joint exercises with our partnership unit, the 2nd Cavalry Regiment in Vilseck. I am therefore even more pleased to continue this close cooperation in a new and unique way in Wiesbaden. I am sure that I can use the experience I gained in the German Army supporting the training of ready army forces, in my new position with USAREUR.”
Immediately prior to this assignment, Laubenthal served as the commander of the 12th Armored Brigade in Amberg and the chief of staff for ISAF Regional Command North in Afghanistan. Among several command and staff assignments in Germany, he also served as military assistant to the deputy commander of operations and assistant chief of staff for operations for the Kosovo Force.

Nachtrag: Wer dazu mal einen richtig üblen Shitstorm aus US-Sicht sehen möchte, schaue sich die Kommentare unter diesem Bericht der Army Times an.

 

(Foto ©Thomas Wiegold, bei Bedarf an redaktioneller Verwendung verfügbar bei der Fotoagentur photothek)

10 Kommentare zu „Ab 4. August: Deutscher General wird Stabschef bei der US Army in Europa“

  • Robert A. Hohmann   |   31. Juli 2014 - 11:10
  • Felix   |   31. Juli 2014 - 11:41

    Haben andere Nationen eigentlich ähnliche Abkommen mit den USA? Etwa Großbritannien oder Australien?

  • MG   |   31. Juli 2014 - 12:49

    Fast, aber eben nur fast wortgleich:

    „Laubenthal will synchronize the activities of the USAREUR staff IN MUCH THE SAME MANNER as his American predecessors have done.“

    Das ist m.E. die zentrale Passage, die in der Bw-Fassung fehlt.

  • Sachlicher   |   31. Juli 2014 - 14:25

    Ich wünsche ihm viel Soldatenglück in seiner neuen Verwendung.

    MG stellt in seinem Zitat es klar,was bzgl. Aufgabenbereich des CoS unstrittig scheint aufgrund der deutschen Übersetzung.

    Ich sehe,abgeleitet vom Aufgabenbereich des USAREURs keine Konfliktpotentiale. Sollten sie sich dennoch ergeben,wird er sie zu lösen im Stande sein.

    Und sollten sich diese nur mit einem Wegfall des Dienstpostens für einen deutschen General lösen lassen,so ist das auch kein Problem.Da ist nichts kritisch.

  • Kommentator   |   31. Juli 2014 - 15:47

    Guter Mann.
    Glückwunsch zu einer herausragenden Verwendung, Herr General.

  • Tuk   |   31. Juli 2014 - 16:47

    Blöde Frage vielleicht, aber:
    Mit Army ist nur das Heer gemeint, nicht Air Force, Navy, Marines…oder?

  • klabautermann   |   31. Juli 2014 - 16:57

    @Tuk

    nur Army.

    Alle Streitkräfte der USA in Europa stehen unter EUCOM:
    http://www.eucom.mil/organization

  • Sailor1995   |   31. Juli 2014 - 20:25

    ….und dann werden wir sehen wie er mit dem neuen COMUSAREUR ab dem 25. Oktober klar kommt, der an seiner Auswahl nicht beteiligt war, aber den Schritt seines Vorgängers Campbell, der in den Ruhestand geht, ausdrücklich gut heisst. Das „Blessing der Congress (ab ** erforderlich) soll am 01. September erfolgen

  • Wanderer   |   31. Juli 2014 - 20:44

    @Sailor1995: Jetzt machen Sie es nicht so spannend. Ich bin neugierig. Wer soll es denn werden?

  • Beatrix67   |   06. August 2014 - 17:01

    zum Nachtrag bezueglich shit storm folgend dem article in der Army Times; ich vermute mal da stecken Fox News dahinter. Schade dass so ein erster richtiger Schritt in Richtung Zusammenarbeit auf der anderen Seite des Teiches nicht nur vollkommen missverstanden, sondern auch noch als zusaetzliche Munition in der Schlammschlacht gegen den derzeitigen Presidenten genutzt wird. Wirklich schade…

    BG Laubenthal wuensche ich alles Gute in seiner neuen Position und hoffe dass er fuer die Deutsch-Amerikanische Zusammenarbeit viel beitragen kann und somit vielleicht wenigstens ein paar der Conspiracy Theoristen ueberzeugt dass die Bundeswehr zu den „good guys“ gehoert.