RIP Anja Niedringhaus

Die Nachrichten aus Afghanistan sind (leider) inzwischen ziemlich eindeutig: Die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus, die für die Nachrichtenagentur Associated Press arbeitete, wurde am (heutigen) Freitagmorgen in Ost-Afghanistan erschossen. Ihre Text-Kollegin Kathy Gannon wurde bei dem Angriff, der sich in den Räumen einer Polizeistation ereignet haben soll, schwer verwundet.

Anja Niedringhaus ist hier im Blog keine Unbekannte, immer wieder habe ich auf ihre Bilder und ihre Arbeit hingewiesen. Nicht nur wegen ihrer – mehrfach ausgezeichneten – Arbeit, sondern auch wegen ihrer Haltung: I should never take war as normal, sagte sie 2011 der BBC.

Im Moment kann ich mit dieser Nachricht noch nicht rational umgehen; Anja und ich hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Kontakt und Informationen über Afghanistan ausgetauscht. Mehr dazu deshalb erst später.

RIP Anja.

34 Gedanken zu „RIP Anja Niedringhaus

  1. Oh man, so ein Sch…
    Ich war mit ihr in Afghanistan unterwegs und hatte einen enormen Respekt vor ihrem Mut und bewunderte ihr Gespür für außerordentliche Bilder.

    Kann es gerade gar nicht fassen…

  2. Die letzten beeindruckenden Arbeiten von ihr aus Afghanistan.

    http://www.anjaniedringhaus.com

    Wo Worte fehlen,
    das Unbeschreibliche zu beschreiben,
    wo die Augen versagen,
    das Unabwendbare zu sehen,
    wo die Hände das Unbegreifliche nicht fassen können,
    bleibt einzig die Gewissheit,
    dass Sie für immer in in unseren Gedanken weiterlebt.

  3. Vielleicht verstehen die deutschen Politiker am Tod einer deutschen Kriegsberichterstatterin, dass in Afghanistan wirklich Krieg stattfindet.

    Zwar Buergerkrieg, aber dennoch Krieg. (Obwohl die direkten Umstaende des Todes offenbar nicht in einem Taliban-Angriff zuzuordnen sind.)

  4. Den angehörigen und freunden mein beileid.

    Journalisten wie frau niedringhaus sorgen dafür das überhaupt noch unabhängige informationen aus konfliktgebieten existieren.

    Für diese arbeit meinen höchsten respekt!

  5. Details von AP:

    According to the freelancer, they had arrived in the heavily guarded district compound shortly before the incident.

    As they were sitting in the car waiting for the convoy to move, a unit commander named Naqibullah walked up to the car, yelled „Allahu Akbar“ — God is Great — and opened fire on them in the back seat with his AK-47. He then surrendered to the other police and was arrested.

    Dieser Anschalg scheint Teil einer Kampagne gegen ausländische Zivilisten zu sein: Elections and Foreigners: An analysis of recent Taleban violence

    RIP Anja

  6. @ Robert

    Diese zynische Einstellung ist leider immer wieder in diversen Kommentarspalten zu lesen. Ich frage mich, woher diese Kommentatoren ohne Leute wie Niedringhaus ihre Informationen beziehen würden? Ach ja, aus dem Internet!

    Kriegsberichterstatter leisten meiner Meinung nach unschätzbare Arbeit für den demokratischen Journalismus. Viele Vorfälle aus Kriegs- und Krisengebieten in aller Welt, die von den entsprechenden Regierungen am liebsten unter dem Radar gehalten worden wären, wurden nur dank der Hilfe unabhängiger Journalisten aufgedeckt. Insofern ist das ein schwerer Schlag für diesen in Deutschland ohnehin recht kleinen Bereich.

  7. @ Heinz: ein völlig überflüssiger Kommi von dir!

    Anja Niedringhaus hatte immer meinen höchsten Respekt. Möge sie in Frieden ruhen. Mein aufrichtiges Beileid auch allen Angehörigen und Freunden.

  8. Passt zur heimischen Ein- und Vorstellung, dass Soldaten ja „auch selber Schuld sein, wenn sie dann fallen.“ Ohne Worte *facepalm*

    Aber hier jetzt bitte nicht abschweifen, für T.W. ist der Thread schon schwer genug…

  9. Zitat von Zeit-Online : Ihr Leben war der Krieg – da fühle sie sich wie ein Fisch im Wasser, sagte sie einmal. Zitatende.

    Wir sollten uns von der Vorstellung befreien wir könnten in diesen Ländern, die das Ergebnis religiös verbrämter geronnener Männerwichse sind, etwas Positives bewirken.

    Ich kann mit dem Elend in Afghanistan leben. Und der liebe Gott anscheinend auch. Statt die dortige Barbarei auf Zivilisation zu schminken sollten wir unsere Zivilisation vor der Barbarei schützen.

  10. Ich war gerade für 4 Monate da unten…. Wenn ich dann höre, das eine deutsche Fotografin von einem sie begleitenden und zu ihrem Schutz abgestellten Polizisten erschossen wurde, der wahrscheinlich auch noch von uns ausgebildet wurde, entfacht das in mir eine unfassbare ohnmächtige Wut auf dieses Volk, gepaart mit der Frage: Was haben wir in über einem Jahrzehnt da unten wirklich bewirkt??

  11. @no jokes

    Das dürfte sie als landeskundigen eigentlich nicht wundern.

    Eine infiltration der sicherheits- organe zwecks insider angriffen ist erklärte taktik des gegners

  12. Mit Anja Niedringhaus verlieren wir nicht nur eine bedeutende Fotografin sondern einen großartigen Menschen. Ich hatte das Glück sie vor Jahren persönlich kennen lernen zu dürfen: sie war als Mensch wie als Fotografin vornehmlich eines: menschlich im Umfassenden Sinne: nachdenklich, warmherzig, einfühlsam und respektvoll. Keine Kriegs-Fotografin sondern eine Menschen-Fotografin!

  13. @Heinz
    Frau Niedringhaus scheint sicherlich nicht jene zivilistische Einstellung geteilt zu haben, die die eigene Sicherheit über alles stellt, und deren Anhänger mit ihren kleinen Herzen nicht nachvollziehen können, warum manche Menschen mehr vom Leben verlangen als einen Status als passiver Versorgungsempfänger in einem risikofreien, betreuten Umfeld. Sie ist deshalb nicht im hohen Alter am eigenen Siechtum zugrunde gegangen, wie es das zivilistische Denken als Ideal wahrnimmt, sondern an einem Ort gestorben, an den sich sonst die wenigen Menschen aus unserer erbärmlichen Gesellschaft überhaupt hintrauen würden. Hier wurde ein respektables Leben angemessen mit einem respektablen Tod abgeschlossen.

    „Das Licht, das doppelt so hell brennt, brennt eben nur halb so lang.“

  14. Mein Beileid an die Angehörigen.

    In unserer absurden Welt hat nur das Beachtung und Bedeutung, was als Bild und Text in die Medien gebracht wird. Anja Niedringhaus hat hier viel geleistet.

    Sie gehörte gerade nicht zu den Journalisten, die im sicheren Sterne- Hotel verweilen und von dort die wildesten oft frei erfunden Geschichten erzählen oder Bilder inszenieren. Leider hat sie nun den höchsten Preis für ihre Nähe zum Geschehen bezahlen müssen. Oder wurde sie gezielt ermordet?

    R.I.P.

    Aber dieser Mord ist in der Logik der Aufständischen konsistent. Mit dem Abzug der Nato kommt jetzt der schmutzige Teil der Wiederherstellung des status quo ante bellum. Afghanische Anhänger der Nato werden öffentlichkeitswirksam dahingemetzelt werden, Mädchenschulen wird man „umwidmen“, aufgeklärte junge Frauen werden unterworfen und/oder ins Dorfbordell gezwungen werden. Dabei will man keine internationale Öffentlichkeit. Schließlich soll im Westen das Bild vom edlen Afghanen, der von bösen Nato-Soldaten drangsaliert wurde, beibehalten werden.
    Also werden jetzt singuläre Ereignisse produziert, die Reporter und Redaktionen zukünftig davon abhalten, in der Fläche zu recherchieren. Gezielte Morde an prominenten Journalisten gehören nun mal logischerweise zu dieser Strategie. Und unsere Medien werden vermutlich brav über die Stöckchen springen, die ihnen die afghanischen Islamisten hinhalten und „den ungläubigen Westen“ zum Universalschuldigen erklären …

  15. Schlimme Nachricht. Wir waren ein Jahrzehnt beim selben Laden, und Anja war alles andere als eine Thrill-Sucherin. Sie betrachtete die Information der Öffentlichkeit als eine dringend notwendige Aufgabe, die jemand erfüllen muss … auch damit Menschen wie der Zyniker von oben (vielleicht) nicht dumm sterben müssen.

  16. @ No Jokes | 04. April 2014 – 12:10

    Man kann nicht erwarten, in einem Jahrzehnt ein Volk von mittelalterlichem Denken in eine aufgeklärte Neuzeit transformieren zu können. 30 bis 50 Jahre sind da eher ein realistischer Zeithorizont, so für den Anfang. Wer nach so ein paar Jahren ein solches Entwicklungsprojekt, wie das auf dem Petersberg in Bonn beschlossen wurde, wieder einstellt, der muss wissen, dass er damit mit dem Gesamtengagement mehr Schaden anrichtet als Nutzen stiftet. Nach lächerlichen ca. 10 Jahren eher sanftem „aufzwingen“ einer anderen Lebensweise hat man nur etwas gesellschaftliche Unruhe verursacht, jedoch keinerlei nachhaltige Veränderung.

    Weil unserer eigenen Gesellschaft und Werteordnung die Willenskraft für nachhaltiges Nation-building fehlt, sollten wir lieber ganz die Finger davon lassen. Wir gehören nun mal nicht zum Kreis der strategisch denkenden Nationen bzw. Werteordnungen.

    So traurig das ist: Frau Niedringhaus ist wohl nur ein weiteres Opfer einer gesellschaftspolitischen Denkschule, die als Petersberg-Tiger gestartet ist und nun als Bettvorleger der Islamisten landet.

  17. Alle Achtung vor Anja Niedringhaus, die Ihren Mut und Ihren Einsatz mit ihrem Leben bezahlt hat. Höre ich nun wieder Politiker erzählen, dass „unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt“ werde kommt mir mehr denn je das Kotzen. Was hat der Einsatz der westlichen Truppen in Afghanistan denn außer noch mehr Leid gebracht? Karsais korruptes Theater bricht zusammen und das Land versinkt weiter im Elend des Krieges. Die Steinzeitislamisten werden die Macht wieder an sich reißen. Das hätten wir auch einfacher haben können.

  18. Beeindruckende Frau, beeindruckende Bilder. Immerhin hat sie noch die Würdigung ihrer Arbeit erlebt und hoffentlich auch ein wenig genießen können. Eine starke Stimme ist erloschen, ihr Vermächtnis bleibt – möge sie mit ihrem Werk die Menschen ein klein wenig schlauer gemacht haben.

  19. Nehme den tragischen Tod mit tiefer Bestürzung und Trauer zur Kenntnis.

    Ihre beeindruckenden Bilder haben eine andere Seite der Konflikte sehr anschaulich und beeindruckend dargestellt. Sie war eine äußerst tiefsinnige Bildreporterin.

    Ihr Vermächtnis wird in mir weiterleben.

    Hoffentlich erfährt der feige Mörder eine gerechte Strafe für dieses Verbrechen.

    R.I.P

  20. Ich kannte A. Niedringhaus bisher (leider) nicht mal dem Namen nach.

    Habe nun einmal einige ihrer eindrucksvollen Bilder durchgesehen. Auch wenn ich hier etwas schon geschriebenes wiederhole: Selbst wenn Ihr Tod sowas von sinnlos erscheint, gilt das nicht für ihr Leben und ihre Arbeit. Gut, dass sie tat, was sie tat – es war und es bleibt wertvoll!

    Die Bilder bleiben.

    R.I.P.

  21. Ich kann Charles weiter oben nur zustimmen. Diesen Religiösen und ihren hiesigen Vertretern und Apologeten gehört meine ganze Verachtung.

  22. Ruhe in Frieden und den Angehörigen viel Kraft in dieser für sie schwersten Zeit.

    Anja Niedringhaus kannte ich vom Namen her nicht, sehr wohl ihrer Bilder. Aber das gilt wohl für ziemlich viele Reporter die uns die ungeschwärtzte Wahrheit zeigen.

    Froh kann man sein das dieser feige Angriff nicht im Norden passiert ist. Das wäre unerklärlich grotesk geworden.
    Wer RC North und die Bundeswehr bei Facebook verfolgt kommt aus dem staunen nicht mehr raus. Mit Realität hat saß zumindest nix zu tun. Aber ich habe noch die wage Hoffnung das es die Politik ist die einem deutschen General die Worte in den Mund legt das Afghanistan ein sicherer Ort ist und das das nicht die Meinung der Bundeswehr ist.

  23. R.I.P.
    Es wäre wirklich ein Gewinn, wenn ihre Einstellung und ihr Mut hier auf diesem Blog eine dauerhafte Heimat finden würde…

  24. Ihren Angehörigen und Freunden mein herzliches Beileid – und der verstorbenen Frau Niedrinhaus meinen Respekt, das Risiko eines wiederholten Aufenthaltes in Krisenregionen auf sich zu nehmen, um die Weltöffentlichkeit mit ihren Bildern und den Nachrichten, in denen diese Bilder Verwendung gefunden haben, zu informieren.

    So Gott will, wird hoffentlich die angeschossene Kollegin wieder gesunden…

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