Mehr Hubschrauber, Standortschließungen prüfen: SPD-Vorschläge zur Bundeswehrreform

Die Reform der Bundeswehr, offiziell die Neuausrichtung, soll nach dem Willen aller drei Parteien in der großen Koalition nicht gestoppt werden. Aber vor allem die Sozialdemokraten hatten schon länger Nachsteuerungen angemahnt, und die haben sie jetzt präzisiert: Die Arbeitsgruppe Sicherheits- und Verteidigungspolitik der SPD-Bundestagsfraktion beschloss ein Papier zu Sozialdemokratischen Vorstellungen zum Nachsteuerungsbedarf der Bundeswehrreform, das am (heutigen) Freitagvormittag offiziell vorgestellt werden soll. Der Beschluss, der Augen geradeaus! vorliegt, enthält etliche schwergewichtige Punkte, die schon ein wenig über die Nachsteuerung hinausgehen – zum Beispiel die Überlegung, die Zahl der Transporthubschrauber vom Typ NH90 gegenüber der Bestellung nicht zu reduzieren und damit ein zusätzliches Regiment aufzustellen, das als europäischer Verband betrieben werden sollte. Bei den teilweise umstrittenen Standortschließungen gebe es in einigen Fällen erneuten Überprüfungsbedarf.

Wir wollen die jetzige – bis voraussichtlich 2017 laufende – Neuausrichtung der Bundeswehr da nachjustieren, wo es notwendig ist, heißt es in dem SPD-Papier. Die von uns angestrebten Maßnahmen sind deshalb mit Augenmaß und unter Berücksichtigung der fiskalischen Notwendigkeiten gewählt. Eine komplett neue Reform ist nicht notwendig. Zur deutschen Rolle in der Welt gehörten auch militärische Mittel, betonen die Sozialdemokraten und erinnern an die Aussagen von Bundespräsident Joachim Gauck bei der Münchner Sicherheitskonferenz – der Anteil der Bundeswehr müsse in einer breien gesellschaftlichen Debatte kritisch und ergebnisoffen diskutiert werden.

Wie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen fordern auch die SPD-Verteidigungspolitiker ein Attraktivitätsprogramm für die Truppe, sehen aber ebenfalls keine Möglichkeit für eine Steigerung des Verteidigungshaushalts. Die derzeit und für die nächsten Jahre vorgesehenen 32 Milliarden Euro pro Jahr seien jedoch eine solide Basis zur Auftragserfüllung und zur Durchführung der Reform, wenn im Etat umgeschichtet werde. Dabei komme es auch darauf an, für die Attraktivität des Dienstes in den Streitkräften eine angemessene finanzielle Unterfütterung zu bekommen.

Auch wenn die weitgehende Kooperation in Europa, das Pooling und Sharing, keine Spardose sei, könne langfristig der Weg zu einer europäischen Armee die Streitkräfte in den beteiligten Ländern effektiver machen, argumentieren die Sozialdemokraten. Deutschland müsse dabei die Initiative ergreifen, zum Beispiel mit dem Vorschlag, die – bislang nicht eingesetzten – EU-Battlegroups zu Verbänden mit eindeutigen Fähigkeitsschwerpunkten der verschiedenen Nationen umzubauen. Mit einer weitergehenden Kooperation als bisher könnte auch ein technisches Problem (fast) aller Länder in NATO und EU, der Mangel an Hubschraubern, gelöst werden:

Die Bundeswehr sollte den Unterstützungshubschrauber Tiger in der verminderten Stückzahl abnehmen und alle betreiben, sowie die Gesamtmenge der geplanten NH90. Das dafür notwendige dritte Transporthubschrauberregiment des Heeres sollte die Bundeswehr gemeinsam mit anderen Nationen als echten europäischen Verband multinational betreiben und diese Hochwertfähigkeit bei Einsätzen zur Verfügung stellen.

(Das würde, ganz nebenbei, eine Absage an die im vergangenen Jahr getroffene Absprache mit damals EADS, heute Airbus bedeuten – und einen Neubeginn für die Suche nach einem Marinehubschrauber. Und damit plant die SPD 122 statt 82 Transporthubschrauber NH90 ein, sowie 57 Tiger in der Truppe, statt der vorgesehenen 40.)

National vorgehen sollte die Bundeswehr dagegen bei der Luftverteidigung, schlagen die Sozialdemokraten vor: Die Luftverteidigung als besondere deutsche Schwerpunktfähigkeit müsse mit einem neuen Waffensystem gesichert werden, dass unter Nutzung der Entwicklungsergebnisse des gestoppten MEADS-Systems zukunftsfähig sei: Dieses kann auch für andere Bündnispartner bei Bedarf bereitgestellt werden und muss daher verlegefähig sein. Zugleich müsse aber anhand der wahrscheinlicheren Einsätze geprüft werden, wie das Gesamtkonzept Luftverteidigung einschließlich der Eurofighter-Abfangjäger und modernisierter Fregatten (wohl der F124) gestaltet werden könne. Im Ergebnis, so heißt es in dem Papier, könnte das gegebenenfalls mittelfristig zu einer Ausphasung der Tranche 1 des Eurofighter führen.

(Allerdings ist mir nicht klar, was das unterm Strich für die Zahl der Eurofighter bedeutet – Verzicht auf einen Teil der Flugzeuge? Oder doch Ersatz durch moderne Versionen, Stichwort Tranche 3B?)

Darüber hinaus fordern die SPD-Verteidigungspolitiker eine Überprüfung und Verbesserung der Personalstrukturen – sowohl bei den Soldaten, die zum Teil eine unvertretbar hohe Einsatzbelastung hinnehmen müssten, als auch beim Zivilpersonal. Die Auslagerung von Zivilbeschäftigten solle gar nicht erst begonnen, gestoppt oder rückgängig gemacht werden.

Beim großen Komplex Rüstung und Beschaffung setzen die Sozialdemokraten vor allem auf multinationales Zusammengehen – aber in anderer Form als derzeit üblich: Bisher ist die Realisierung von gemeinsamen Projekten in der Regel daran gescheitert, dass sie durch die unterschiedlichen Spezifikationen für die einzelnen Länder zu lange brauchen und auch dadurch zu teuer wurden. Statt dessen müsse die Beschaffungs- und Ausrüstungsplanung einen multionational abgestimmten, fähigkeitsorientierten und streitkraftübergreifenden Gesamtansatz verfolgen – bis zu Einsparungen, wo andere Bündnispartner besser aufgestellt sind und diese Fähigkeitslücke effektiv und durchhaltefähig schließen können.

(Es steht zwar so nicht drin – aber wäre das nicht der Verzicht auf das Prinzip Breite vor Tiefe?)

Der Nachsteuerung der Stationierungsentscheidungen hat die SPD-Arbeitsgruppe ein eigenes Papier gewidmet. Zwar gehe es nicht darum, bereits vollzogene Entscheidungen rückgängig zu machen, weil damit die Planungssicherheit für die Betroffenen zunichte gemacht werde. Bei einigen Standortentscheidungen gebe es jedoch erneuten Überprüfungsbedarf, um Fehlentwicklungen für die Truppe und Motivationseinbußen für die betroffenen Soldaten zu vermeiden. Konkret nennen die Sozialdemokraten unter anderem

• Die Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt (Foto oben): Eine Verlegung … erscheint nicht unbedingt zweckmäßig, da es zu erheblichen Investitionen am neuen Stationierungsort in Norddeutschland kommen müsste.

• Die Verlegung der 1. Panzerdivision von Hannover nach Oldenburg

• Den Umzug der Panzergrenadierbrigade 41 von Torgelow nach Neubrandenburg und der Panzerbrigade 12 von Amberg nach Cham

• Die Donau-Schiene von Donaueschingen bis Ulm, unter anderem mit der geplanten Schließung des Standortes Meßstetten

Ob dieses ganze Paket – und ich habe noch nicht mal alle Details erwähnt – tatsächlich nur ein Nachjustieren ist, wie die Sozialdemokraten meinen: Das dürfte nun Gegenstand der politischen Diskussion in der Koalition werden. Die Erwiderung Stellungnahme der Ministerin würde mich schon interessieren.

(Archivbild 2008: Springerausbildung in Altenstadt)

 

Für ein

29 Gedanken zu „Mehr Hubschrauber, Standortschließungen prüfen: SPD-Vorschläge zur Bundeswehrreform

  1. Es war nur eine Frage der Zeit bis solche Ideen/Konzepte in der neuen Regierung auf den Tisch kommen.
    Im Bezug auf die Stationierungsentscheidungen argumentiert Frau vdL vielleicht so:
    „Mit Hinblick auf Vereinbarkeit von Familie und Dienst dürfen die Soldaten entscheiden wo sie in Zukunft im Stab der PzBrig 12 dienen möchten; Amberg (wie bisher) oder Cham (wie geplant, vielleicht schon umgezogen, abgefunden, drauf gefreut, etc…).“
    Auch mit solchen Entscheidungen macht man Planungssicherheit zu Nichte!
    Dann machen wir eben zwei Teilstäbe auf und jeder ist glücklich. Quasi ein kleines BMVg und eine kostenlosen Shuttle mit den neuen Hubschraubern gibt es obendrauf.

    Spaß beiseite: Wo soll das noch hinführen?

  2. Die Sicherheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft werden wohl auch in anderen Bereichen der Bundeswehr mehr als ein „Nachsteuern“ notwendig machen. Die in dem Papier formulierten Änderungen wären ein erster Schritt. Hoffen wir mal das nicht wieder alles zerredet wird, sondern das man sich jetzt im Sinne einer zukunftsfähigen Sicherheitsarchitektur zu praktikablen Änderungen entschließt und nicht wieder alles in einem endlosen reformieren der Reformbemühungen endet!

  3. Der Sack ist auf!

    Gestern TdM und seine GG-Änderung versenkt und heute konkrete Vorschläge zur Reform bringen (mit all den bekannten heißen Eisen). Da wird UvdL ganz schön rudern müssen, um die Deutungshoheit zu bekommen…..

    Die Sozialdemokraten bestimmen die Agenda der Bundesregierung – nicht nur auf diesem Themenfeld.

  4. 1. PzDiv bleibt in Hannover, wurde auch Zeit auf dieses teure und unnötige Prestigeprojekt des StS K. zu verzichten. Teuer, unnötig und mit der Einbindung und Verkehrsinfrastruktur in Hannover nicht zu vergleichen. Die Absicht , Infrastrukturpolitik auf Kosten der Soldaten zu machen muss vereitelt werden. Das gilt auch für Cham und die 12. Brigade aus Amberg. Entscheidungen, die nur zur Förderung der regionalen Strukturen getroffen werden, sind nicht aus EP 14 zu finanzieren!

  5. Mehr Ultra teures Spielzeug aus dem Hause Airbus kostet auch sehr viel mehr Geld. Die Kürzung des EP14 wird aber nicht mal von der SPD in Frage gestellt! Das mit den Standort Entscheidungen ist dummerweise so, dass die Bw nicht aufwächst. Sprich, wenn man den einen Standort nicht schließt oder verkleinert, muss dafür ein anderer Standort geschlossen oder verkleinert werden. Außerdem muss auf einer Regionalen Ausgewogenheit geachtet werden. Da bin ich mal auf ein richtiges SPD Konzept gespannt. Erwarte aber nur wieder heiße Luft von den Sozen.

  6. Dies alles deutete sich schon in der ersten Debatte EP 14 am Mittwoch an. Alle Regierungsredner sprachen u.a. von der Wichtigkeit der Rüstungsindustrie DEU und den daran hängenden Arbeitsplätzen. Zunächst aber im Herbst erstmal die Beraterfirma, dann sieht man weiter.
    Für mich bleibt, die jetzigen Verhältnisse im BT lassen es zu, den Sack nochmal richtig aufzumachen und durchdachte Dinge wieder hinein zu tun. Eine europäische Armee, auch wenn immer von GVSP (gemeinsamer Verteidigungs- und Sicherheitspolitik) gesprochen wird, sehe ich persönlich in diesem Jahrhundert nicht mehr. Hier halte ich Befindlichkeiten, Kleinstaaterei und Misstrauen untereinander für viel zu groß. Eine Einigung ihr stellt Pioniere, ihr Scharfschützen, ihr Köche (am besten FRA oder ITA) halte ich für ausgeschlossen.
    Gut für die Marine das der olle Löwe nun vielleicht nicht kommt? Ja aber, was kommt dann und vor allem wann? Luftverteidigung für den Verband mit angepassten Fregatten 124, sehe ich nicht. Die können schon Luftverteidigung. Befürchte das zielt auf Anpassung F 125 oder schlimmer Mein Kleines Schiff 180. Soll AEGIS der USA tatsächlich integriert werden, wären Neubauten aus den USA wohl günstiger. Im herbst gibt es einen anderen Inspekteur Marine, der wird uns allen dann eine Antwort geben.

    Die Sozialdemokraten bestimmen die Agenda der Bundesregierung. BZ @ CRM-Moderator.

  7. Wenn man einfach mal den Rechenschieber oder Taschenrechner benutzt, muss man eigentlich zumindest zum Nachdenken kommen.
    Warum soll denn ein Infanteriebataillon nicht sinnigerweise in eine fast neu renovierte Kaserne einziehen, bei der ich direkt einen TrÜbPl vor der Haustür hab, also wirklich Haustür wie in Meßstetten. Statt dessen verbraten wir lieber zig – Millionen in den Umbau einer FRZ Liegenschaft auf unsere Standards und bauen eine neue Schiessanlage. Ebenso der sinnfreie Umzug von Stäben im Radius von 80 km wie im bayerischen Wald.
    Hannover arbeitet glücklicherweise auch schon daran, nicht in die „zentrale Lage“ umziehen zu müssen. Ich habs schon ein paar mal geschrieben, es ist offensichtlich nach wie vor zuviel Geld im EP14.

    Und irgendwann wirds auch zu europäischen Streitkräften kommen, vielleicht gehts ja schneller als mancher vermutet. Wer hätte denn vor 50 Jahren an eine gemeinsame Währung etc. geglaubt, auch das waren schon „heilige Kühe“ die allein in die nationale Verantwortung gehören.

  8. Der teuerste Spass kommt erst 2022 mit dem Neubau des MOC der Marine in Rostock. Der ganze spaß kostet mehr als 240 Millionen Euro. Warum prüft die SPD diesen Blödsinn nicht mal.

  9. Der Sack war nie wirklich zu man hat viele Maßnahmen nur auf dem Zeitstrahl geschoben (siehe OSLw, Altenstadt, Lechfeld, Glücksburg uvm).

    Bei vielen geplanten Verlegungen (z.B. IT Sektor Fürsty nach Schortens) hat man nie eine Vollkostenrechnung gemacht und somit war den Entscheidern nie bewußt, welche Kosten sie verursachen.

    Am Ende muss um Geld zu sparen Personal gestrichen werden und man muss sich entscheiden welche Fähigkeit man zusätzlich EU gemeinsam vorhält.
    An alle EU Skeptiker, wir machen schon so viel gemeinsam, dass die Mehrzahl der EU Staaten nicht mehr mili unabhängig sind.

  10. Richtiger Ansatz, das auch zu nehmen was man ohnehin bezahlt (NH90 und TIGER).

    Hallen gibts noch genug und der Betrieb der Hubschrauber ist allemal deutlich billiger als der des EF. Und wenn die Maschinen ohnehin bezahlt werden im Rahmen des Global Deals… mit oder ohne Abnahme, dann lieber mit Abnahme…
    Geld gegen Leistung!

    Auch die Beibehaltung LL/LTS in Altenstadt –> richtig, denn die Alternativen sind…na ja, fragwürdig in der Eignung… und in den zu erwartenden Kosten sinnfrei!

    Bin mal auf die Umsetzung bzw. Stellungnahme von UvdL gespannt…

  11. Da sind jetzt aber viele bürokratendeutsche Nebelkerzen hochgegangen. „Finanzielle Unterfütterung“ für mehr Attraktivität bei gleichbleibendem Etat durch Umschichtung? Plus mehr Großgerät? Und aus dem Eurofighter-Projekt nichts gelernt!?

    @T.W. Da haben Sie dann ja einige Fragen zu stellen. Vll hilft T.J. mit.

  12. Amberg ist aber noch zu sanieren und denkmalgeschützte Kaserne
    Cham ist top ausgestattet und liegt zentraler im Brigadebereich.

    Aber es ist doch gut, wenn wie im Führunhsprozess ehh festgelwgt wird, eine kontrolle und nachjustierung stattfindet.

    Und kein: iss so

  13. Nochmal zu der Standortenscheidung das Technische Ausbildungszentrum (TAZ) Lw Abt Süd von Kaufbeuren nach Lechfeld zu verlegen.
    Hier scheint ja mittlerweile allen Planern klar zu sein welche Herkulesaufgabe die Umsetzung darstellt und vorallem welche Unsummen das Projekt verschlingen wird.
    In Kaufbeuren ist alles bei guter Infrastruktur vohanden, in Lechfeld muß das Meiste neu gebaut werden! Zur Zeit nutzt das Neuburger Geschwader den Flugplatz. Hier lernet man schon die zum Teil schlechte Infrastruktur in Lechfeld kennen. Vorallem zeigt die Belegung auch das für das TAZ Süd gar kein Platzz vorhanden wäre.
    Es ist auch zu hören, das das BMVG selbste eine Überprüfung dieser Entscheidung angeordnet hat. Ich hoffe Herr Arnold von der SPD, der selbst in Kaufbeuren sich alles im letzten Jahr angeschaut hat, vergisst seine Eindrücke in dem Papier der SPD nicht!

  14. Das sind doch jetzt alles Wahlkampf-Themen für die Europawahl die hier angeschoben werden.

    Ich glaube nicht das der Sack wieder soweit auf gemacht wird und so einschneidende Veränderungen in Gang gesetzt werden. Denn wenn vdL sich jetzt vor den Karren spannen läßt wird sie Ihr eigene Partei und auch die CSU gegen sich auf bringen, denn jeder Bürgermeister eines betroffenen Ortes wird dann seine Forderungen wieder vorbringen.

    Des Weitern ist diese Diskusion eine Schlag ins Gesicht für alle Soldaten denn die Struktur ist doch schon seit 2011 bekannt und alle haben oder hatten doch genug Zeit sich auf diese Veränderungen einzustellen, aber nein es wird mehr Zeit und auch Geld damit verschwendet sich gegen die Entscheidungen zur Wehr zu setzen oder Medienwirksam in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

    Alle Entscheidungen die die Struktur mit sich bringt tut irgendjemanden weh. Also egal wie es kommt es sind immer Soldaten, Zivilangestellte und vor allem Familien davon betroffen und es sollte jetzt endlich mal eine Entscheidung auch bis zum Schluß durchgezogen werden.

  15. Mir fehlt bei den SPD-Vorschlägen die Einordnung in den Gesamtkontext (sicherheitspolitische Lage, deutscher Anspruch, Fähigkeitsprofil, etc.)

    Die Haushaltsdebatte in dieser Woche (http://tinyurl.com/kzb47ww) zeigte einmal mehr, dass die Ministerin Breite vor Tiefe vorallem mit „Nicht-Kampfeinsatz“ verbindet.
    Wenn lt. SPD andere Verbündete einige Dinge besser können (was denn?)kämpfen?), dann sieht man doch, dass eine große Koalition gegen „Breite vor Tiefe“ gibt.

    Die Planung läuft jedoch noch nach den LoA.

    Den größten Schwachsinn der letzten Stationierungsentscheidungen zurück zunehzmen ist wichtig, aber eben nur ein Mosaikstück.

    Man könnte jetzt noch viel ansprechen (Fehlerkultur, Kriegstüchtigkeit, Ausbildung, MatErh, etc.) – aber auch mit diesem Papier werden diese Probleme ausgesessen.
    Die materielle und personelle Substanz schwindet derweil immer mehr.
    Insbesondere in der Ausbildung ist die Untergrenze in weiten Teilen bereits unterlaufen.

    Geld ist eigentlich kein Problem (siehe Rückgabe von 1 Mrd. 2013).
    Die „Ich-bin-nichtzuständig-Kultur“, statt „Freude an der Verantwortung“ wächst in der Bundeswehr (wie in in jeder Großorganisation) wie ein Krebsgeschwür.
    Diese organisierte Selbstblockade verhindert, dass die Dinge voran gehen.
    Jedoch eines steigt damit erheblich (!) an: Die Demotivation an der Basis.

    Attraktivität ist eben weitaus mehr als Familie und Dienst.

  16. Der Sack ist zu? NeNe, der Sack ist weg, triffts wohl eher.

    Und dazu kommt noch, dass der Oldenburger StS nun auch weg ist.
    Ein Schelm wer Böses dabei denkt, dass die Hannoveraner IBuK eben jene (Nicht)Verlegung von Oldenburg nach Hannover forciert.

    Oh ja, wer da nicht den globalen SichhPol Kontext sieht, der muss wohl auf einem Auge blöd sein.
    Regional, National, Global. Alles eine Frage der Perspektive.

  17. @Memoria
    Ich kann Ihnen zu 100 Prozent zustimmen. Die stark rückläufige personelle Substanz ist unverkennbar schwerwiegend. Breite vor Tiefe ist in allen Bereichen gescheitert. Wirtschaftlich nicht zu verantworten. Ein Umdenken hinsichtlich halb leerstehende Kasernen dringend erforderlich.

  18. Seit zweieinhalb Jahren weisen wir auf allen Ebenen unermüdlich darauf hin, dass der Umzug der technischen Ausbildungseinrichtungen von Kaufbeuren nach Untermeitingen wirtschaftlich nicht zu vertreten ist. Natürlich müsste auch in KF einiges investiert werden, jedoch kann dies auf der Zeitachse gestreckt werden. Den ersten Schritt hat man mit der Änderung im Realisierungsplan (RP) gemacht. Nicht mehr das letzte Quartal 2017 ist das Ende, sondern der Umzug soll nach Vorliegen der infrastrukturellen Voraussetzungen vollzogen werden. Als Zeithorizont schätzen die Experten das Jahr 2019, da man auch zweieinhalb Jahre nach der Entscheidung noch keinen einzigen „Pflock“ in Untermeitingen eingeschlagen hat und das ganze mindesten 5 Jahre braucht (wie immer, wenn die Bundeswehr große Infraprojekte machen will), bis alles bezugsfertig ist.
    Bis dahin wird nur auch Status Quo in KF investiert – und das auch nur nach zähem Ringen für jedes Einzelprojekt – damit die Ausbildung gewährleistet werden kann.

    Ob die Flugsicherungsausbildung, wie angedacht, ab Anfang 2017 durch eine Inhouse-Vergabe an die DFS wirklich am Standort Kaufbeuren für die bisher geplanten 20 Jahre weiterläuft, soll bis Ende des Jahres entschieden werden. Durch den immensen Vertrauensverlust in eine unausgereifte Entscheidung den Standort zu schließen, glauben viele Betroffene, dass die DFS das Projekt in Langen (bei Frankfurt) umsetzen wird.
    Als Fazit bleibt, dass die Unruhe und Unsicherheit nicht geringer wird, da ja auch noch eine Abgabe der technisch-logistischen Ausbildung an die Industrie in aller Munde ist.
    in diesem Sinne…
    WE

  19. Nun ist die Büchse der Pandora also wieder offen…
    Wenn das die SPD unter Planungssicherheit für die Schlüsselressource Mensch in den Streitkräften versteht, sollte sie an den Grundsatz „Eine klare Befehlsgebung ist ein Segen für die Truppe“ erinnert werden.
    Die von Steve in der Eingangsstellungnahme aufgezeigten Aspekte finden sich auch in anderen „Großvorhaben“ dieser Republik wieder: Kaum hat die NRW-Regierung (?) die Verkleinerung von Garzweiler über die Köpfe der Menschen hinweg bekannt gegeben, äußern sich nun die, die sich mit den Entscheidungen der Vergangenheit abgefunden hatten, enttäuscht. In den Familien abgestimmte Planungen, Arbeitsvereinbarungen, Schulwechsel, Kita-Plätze Arrangements werden mit einem Federstrich obsolet.
    Dabei ist davon auszugehen, dass selbst ein Kassieren dieses Papiers soviel Vertrauensverlust geschaffen hat, dass die Stimmung und Berufszufriedenheit in der Truppe weiter absinkt.
    Es grenzt an Dilettantismus zu glauben, dieses profilneurotische Rein und Raus aus den Kartoffeln läge im Interesse der Soldaten. Es schürt vielmehr die Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit noch im Sinne des Dienstherren mitzudenken, zu handeln und zu verantworten.
    Frau Bundeskanzlerin, nehmen Sie endlich Ihre Richtlinienkompetenz in der Sicherheitspolitik wahr!

  20. Das ganze ist eine tolle ideen. finde ich wirklich.
    Aber die entscheidende frage muss auch lauten wie wird das finanziert?
    Teure hubschrauber und raketenabwehrsysteme auf kosten der soldaten zu kaufen ist nicht die beste art die leute bei der bundswehr zu halten.

  21. Memoria, volle Zustimmung….

    Aber auch alle anderen haben Recht mit ihrer jeweiligen Sichtweise, das allerschlimmste aber ist wirklich der Umgang mit dem Menschen im System Bundeswehr….
    Leider kann ich nur aus dem luftfahrzeugtechnischen Bereich, auch aus dem eines „modernen“ Drehflüglers sprechen: Die fähigen Könner in diesem System sind zum Großteil schon jetzt weg!!! Zukunftsfähigkeit sieht jedenfalls anders aus, dabei hätte man nur mal zuhören gemußt, was wo und wie notwendig gewesen wäre, um z.B.den NH 90 in gesamter Bandbreite vor zu bereiten.

    Dieses dritte HFlgRgt NH90 ist an Absurdität nicht zu übertreffen, kein Bezug zur Realität mehr vorhanden. Oh, sorry, vielleicht ab 2050…dann auch FOC, durchhaltefähig und einsatzfähig!

  22. @all

    Gibt einen neuen Thread dazu, wo auch die SPD-Papiere im Original eingestellt sind.

  23. Ich weiss nicht woher Sie die Zahlen über den Neubau des MOC in Rostock nehmen.
    Ich kann Ihnen sagen das der Investitionsbedarf inklusiver Hardware weit über den 240 Millionen Euro liegen wird. Mann hätte Glücksburg nicht sterben lassen dürfen. Aber hierfür gab es zu dieser Zeit zu wenig Fürsprecher.

  24. Offensichtlich hat die bw zu viel geld für unsinnive verlegungen und nicht für helis (seegestuetzt) von der stange (= sikorsky) uam.. Generell besteht offensichtlich in politik und bmvg ein mangel an selbstkritik und die angst vor dem parteicreund, wenn man argumente der anderen aufgreifen sollte, weil sie plausibel oder gar richtig sind. Unfassbar, was herr otte sagt. Unglaublich, was die reform punktuell aus der bw macht.

  25. Bei aller Begeisterung des Meßstettener Bürgermeisters am heutigen Tage über die jetzige Chance auf das Jägerbataillon 292 zu hoffen wird eines Vergessen, am selbigen Standort befindet sich die Brigadeinstandsetzungskompanie der Deutsch Französischen Brigade. Diese ist eine der letzten Instandsetzungskompanien, die reale Materialerhaltung durchführen. Diese Kompanie erwirtschaftet circa 40% des Materialerhaltungsbedarfes im süddeutschen Raum (…und nein wir sollten keine Rechenschieber zu Hand nehmen, da eh keiner mehr damit umgehen kann. ) Denn einen Übungsplatz von 170ha gibt es auch in Donaueschingen, gemietet bis 202? und gerade mit einen aufwendigen Stellungssystem ausgebaut. Ein Verlegen der Instandsetzungskompanie würde einen aufwendigen Neubau von Instandsetzungsanlagen nach sich ziehen und die Dislozierung der vorgesetzten Dienststelle in Müllheim eine erhebliche Mehrbelastung des noch immer nicht genehmigten EP14 durch eine zivile Vergabe von Materialerhaltung verursachen. Zumal der Standort Donaueschingen als BOXER Kompetenzzentrum gilt, da aus beiden Infanteriebataillonen (Illkirch,Donaueschingen) diese Geräte am Standort instandgesetzt werden. Jetzt heißt es wirklich mit einem Taschenrechner zu rechnen, denn ein Verlagern des Jägerbataillon 292 ist der geringste Anteil an der Geschichte, schwerwiegender ist vielleicht die Verlegung der Instandsetzungskompanie und deren Umgliederung in eine Versorgungskompanie oder Staffel, da damit auch unmittelbar der Standort Müllheim betroffen währe, da nach Einnahme der neuen Gliederung ab 2015 ein erheblicher Anteil der Soldaten aus Müllheim in dieser Staffel oder Versorgungskompanie aufgehen würde. Und noch zur Attraktivität, welcher potenzieller Bundeswehrsoldat reist (Reisen deswegen, da mit Sicherheit die Masse der Soldaten nicht aus Baden Württemberg sind)denn in die bäuerliche Einöde Meßstettens ohne mobile Internetanbindung, Kindergärten, höheren Schulen, Beschäftigung des Lebenspartners, Bahn- und Straßenanbindung und vieler andere Dinge, wo er doch in Donaueschingen oder Müllheim bequem von der Autobahn oder Bahnhof direkt in die Glasfaserinternetangeschlossene Kaserne fahren kann und nach des Internetsurfens müde, zu Fuss in der Innenstadt Shoppen und Relaxen kann? Seit über zwanzig Jahren hausen deutsche Soldaten am Standort Donaueschingen, kein deutscher Politiker hat sich jemals dafür interessiert, jetzt bekommen wir die Chance und schon wird sie uns genommen…

  26. @wacaffe:
    Natürlich ist es ein politisch-militärisches Thema.
    Auch wenn es einige Male Skandalisierungen gab, gab es jedoch auch Freiräume (COIN-Debatte ab 2009), die in Ermangelung an intellektuellen Kapazitäten, Interesse am Thema und geeigneten Plattformen nicht genutzt wurden. Es gibt Freiräume und es gibt unnötige Aufgeregtheiten. In den Freiräumen wäre bereits heute Platz u.a. für die Ausbildung – aber es ist nichts da, um diese Räume zu füllen.
    Die Debatte um die Rolle von Gewalt müssen nicht nur die Abgeordneten führen, sondern auch die Ministerin.
    Die duckt sich jedoch laufend weg (siehe Drohnen).
    Die Generalität – aber auch Offiziere und Unteroffiziere – müssen ihre Perspektive einbringen.

    Denn ersten Stein sollte die Politik ins Wasser werfen. Die Drohnendebatte wäre der richtige Aufhänger – da versagen vdL und die Fraktionen jedoch derzeit.

    Wenn jedoch weiterhin jeder nur auf den Anderen zeigt, bewegt sich weiterhin nichts. Wie halt auch sonst bei der Bundeswehr.
    Bisschen wenig für den Auftrag und die 33 Mrd €.

    Verantwortung?

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