Kurz vor dem Ende meldet MEADS Erfolg

MEADS launch 3

Das gemeinsam von den USA, Deutschland und Italien entwickelte Luftverteidigungssystem MEADS (Medium Extended Air Defense System) wird zwar nie beschafft werden – aber kurz vor dem Ende der Entwicklungsphase haben die Hersteller einen Erfolg vermelden können: Das System konnte bei Testschüssen auf der White Sands Missile Range im US-Staat New Mexico am (heutigen) Mittwoch beweisen, dass es zwei Ziele gleichzeitig bekämpfen kann. Aus der Mitteilung des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin:

The Medium Extended Air Defense System (MEADS) intercepted and destroyed two simultaneous targets attacking from opposite directions during a stressing demonstration of its 360-degree air and missile defense (AMD) capabilities at White Sands Missile Range, N.M. The flight test achieved all criteria for success.
All elements of the MEADS system were tested, including the 360-degree MEADS Surveillance Radar, a networked MEADS battle manager, two lightweight launchers firing PAC-3 Missile Segment Enhancement (MSE) Missiles and a 360-degree MEADS Multifunction Fire Control Radar (MFCR). All system elements worked as planned.
MEADS is a next-generation, ground-mobile AMD system that incorporates 360-degree radars, netted and distributed battle management, easily transportable launchers and the hit-to-kill PAC-3 MSE Missile.
The first target, a QF-4 air-breathing target, approached from the south as a Lance missile, flying a tactical ballistic missile trajectory, attacked from the north. The Surveillance Radar acquired both targets and provided target cues to the MEADS battle manager, which generated cue commands for the MFCR. The MFCR tracked both targets successfully and guided missiles from launchers in the Italian and German configuration to successful intercepts.

Auch wenn es dieses System so nie geben wird, vor allem wegen des Ausstiegs der USA: Für die Hersteller und nicht zuletzt Deutschland und Italien ist wichtig, dass das System praktisch zu Ende entwickelt wurde und seine Fähigkeiten vorführen konnte – denn die Ergebnisse dieser Entwicklung sollen für neue Luftverteidigungssysteme genutzt werden, wenn das derzeitige Flugabwehr-Raketensystem Patriot in absehbarer Zeit das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat. Deshalb dürften sich alle Beteiligten gefreut haben, dass neben den unmittelbar Betroffenen auch Beobachter aus Polen bei den heutigen Testschüssen dabei waren, wie Reuters berichtet: Polen plant ein neues Luftverteidigungssystem und hat Interesse an der MEADS-Entwicklung.

Nachtrag: Mehr zu der polnischen Perspektive hat Defense News.

Nachtrag 2: Dazu lesenswert: The current state, problems and future of Germany’s air and missile defence

(Foto: Ein Testschuss des MEADS-Systems mit einer PAC3-Rakete Ende April in White Sands – Lockheed Martin)

 

26 Gedanken zu „Kurz vor dem Ende meldet MEADS Erfolg

  1. Ich verstehe da immer noch nicht ganz den großen technologischen Fortschritt. Die einzige offensichtliche Verbesserung ist die Erweiterung auf 360 Grad, die allerdings in den EInsatzszenarien, für die man die Patriot/Meads in Europa noch betrachtet eher nicht das Kriterium ist.

    Eine F-4 als Drohne, ist außerdem gerade was Zielgeschwindigkeit angeht, trotz ‚tactical ballistical missile trajectory‘ wohl kein ernsthafter Test.

    Die Experten mögen mich korrigieren, aber das größte Problem bei den 360 Grad- Radaren war doch die Refreshrate der Ziele, weswegen die großen amerikanischen ATBM Systeme alle keine drehenden Zielverfolger verwendeteten, oder?

    Ausserdem steht da nur, das zwei simultan anfliegende Ziele bekämpft wurden – nicht, dass sie gleichzeitig bekämpft wurden… wäre aber mal eine spannende Frage, wenn ich im Szenario Türkei so eine Kiste an die Grenze stellen würde und zwei TBMs aus mehr oder weniger entgegengesetzten Richtungen gleichzeitig ankämen…

  2. Das ist schlechte Rüstungspropaganda. MEADS ist von einer einstmals guten Idee für eine nötige Fähigkeit zu einem politischen Windbeutel geworden, der nur noch Luftwaffengoldträger sowie die MBDA begeistert. Und eigentlich nicht mal mehr die.
    Patriot ist entgegen aller Behauptungen noch über Jahre nutzbar und bekommt beim Hauptnutzer USA eine Lebensdauerverlängerung. MEADS ist keine Waffe, denn dafür nutzt es ohnehin den PAC3-Flugkörper von Patriot. Was ist es dann? Eine Architektur und zwei Radare. Letztere gibt es größer und besser schon lange, etwa zusammen mit der STANDARD MISSILE 2 oder bald 3 auf den Fregatten 124.
    Entscheidender Unterschied ist nur, dass SM auch außerhalb der Atmosphäre wirkt und daher wirklich große Raketenabwehr kann. MEADS ist eine kleine Käseglocke ohne großen Sinn.
    Warum die Polen dabei waren? Die wollen überall dabei sein, schauen nach Osten und Westen und haben nebenbei noch viele andere Dinge auf ihrer Wunschliste. Aber haben Sie auch Geld?
    MEADS? Das ist versenktes Forschungsgeld zur Förderung der EADS. Viel mehr nicht.

  3. @ Kerveros

    Beide Ziele sollen gleichzeitig und aus entgegengesetzten Richtungen in den Luftraum eindringen, also ein Flugzeug und eine Drohne. Es sollten wohl drei Flugkörper gestartet werden. Für mehr Tests und komplexere Szenarien war kein Geld mehr da. Wohl auch, weil keiner das System anschaffen will.

    @ Germanobserver

    Allerdings ist es durchaus sinnvoll, unterschiedliche Systeme parat zu haben, zumal uns das komplette System zur Verfügung steht. Was der Bundesrechnungshof aber zu Recht bemängelt hat: Es wurde nie geplant, das Kernstück auch anders einsetzen zu können, also bspw. auf Schiffen. Es ist also eine Insellösung für eine TSK.

    Ob es bessere Radare gibt? Keine Ahnung, jedoch wird die Halbwertszeit neuerer Radare relativ gering sein und selten im Verhältnis zu ihren Kosten liegen. Solange es aber aufklären kann, ist der Zweck doch erfüllt.

  4. @ Kerveros

    Die technologischen Fortschritt von Meads im Vergleich zu aktuellen Systemen (insbesondere Patriot):
    – Offene Systemarchitektur zur Anbindung weiterer Sensoren und Effektoren
    – schnellere taktische und strategische Verlegbarkeit im Vergleich zu Patriot
    – Moderne Materialerhaltung um Kosten im Betrieb zu senken
    – Weniger Personaleinsatz um Kosten zu senken
    – Aufwuchsfähigkeit in Richtung Ballistic Missile Defence („Upper Tier“)
    – Ein Radar für 360-Grad-Abdeckung (dafür benötigt Patriot 3 Radare da 120 Grad-Abdeckung und kann dann noch immer nicht zwei gleichzeitig angreifende Ziele abwehren)
    – Einfachere und schnellere Bedienung der Gefechtsstand-Instrumente (Touchscreen, digitalisiert)
    – Der Schutzbereich eines MEADS-Systems soll dem bis zu achtfachen eines Patriot-Systems entsprechen
    – Deutschland hat 100% Zugriff auf alle Technologien vs. Patriot (amerikanische Black Box)

    Übrigens möchten Deutschland, Polen und Italien die Technologien weiter nutzen, um ihre Luftverteidigung zu modernisieren. Deutschland hätte wohl auch beschafft, wenn die USA nicht ausgestiegen wäre. Raytheon/Patriot hat in den USA eine gute Lobby. Es geht um einen riesigen Exportmarkt.

  5. Das DEU ein PATRIOT Nachfolgesystem benötigt ist eine Tatsache. Die Frage ist wann soll es verfügbar sein und welches System kommt in Frage. Diese Entscheidung soll möglicherweise in 2014 erfolgen.

    Die Optionen:
    – das WaSys PATRIOT einer Laufzeitverlägerung zu unterziehen und es bis 2025
    weiter nutzen. Kostet vermutlich ca. 1 Milliarde
    – ein komplett neues System beschaffen. Kosten unbekannt.
    – die wesentlichen Bestandteile und Technik aus MEADS nutzen und daruf aufbauend
    ein System beschaffen. Kosten unbekannt

    Welches System es auch wird, es werden relative hohe Kosten entstehen.

    Will man die entstehende Fähigkeitslücke schliessen muss man Geld in die Hand nehmen und alte System modernisieren oder eben was neues beschaffen. Wenn nicht wird das Ergebnis so aussehen wie zumm Ende des WaSys HAWK, das über einen Zeitraum von 10-15 Jahren nicht mehr modernisiert wurde. Das Ende ist bekannt, es wurde, weil total veraltet, ohne Altenative entsorgt.

  6. Die Schlüsseltechnologien für MEADS besitzen die USA bzw. US Unternehmen. Ohne Erheblichen Technologietransfer von USA nach Europa wird Europa MEADS nicht weiter entwickeln können. Beim EuroHawk haben wir doch erfahren, dass die USA kein Technologietransfer zulassen, und dass die schon eine Kontrolle von Einspritzpumpen verweigern.

    Patriot ist auch ein US only Black Box System. Hier können auch nur die USA Technologien von MEADS integrieren.

  7. Da DEU zu einen erheblichen Teil an der Finazierung von MEADS beteiligt war gehe ich davon aus das auch entsprechendes Wissen über die genutzte Technologie vorhanden ist. Zumal ja IRIS-T als Zweit-LFK entwickelt worden ist.

    Im Gegensatz zu PATRIOT ist MEADS keine alleinige USA Entwicklung. Das ist wichtig um aus den bisherigen Ergebnissen ein entsprechendes WaSys zu entwickeln. Vereinfacht gesagt benötigt man ein RADAR, einen Launcher, einen Gefechtsstand und natürlich einen LFK. Theoretisch natürlich, für einen erfolgreichen Einsatz benötigt es noch etwas mehr, aber all diese Technologien sind verfügbar. Auch in DEU.

    Bei der Weiterentwicklung von PATRIOT begibt man sich wieder in die Abhängigkeit unserer Verbündeten aus Übersee. Deren System wird zwar in 12 Nationen weltweit genutzt, aber meine Erfahrungen mit diesem Black Box System waren bisher nicht die besten.

  8. @GC:

    „Die technologischen Fortschritt von Meads im Vergleich zu aktuellen Systemen (insbesondere Patriot):
    – Offene Systemarchitektur zur Anbindung weiterer Sensoren und Effektoren“

    Sensoren wären wohl auch bei einem Patriot-Upgrade kein Problem, Effektoren je nach Abhängigkeit vom Sensor prinzipiell wohl auch nicht.
    Mir stellt sich dann da noch die Frage, wie man ‚offen‘ definiert… jedenfalls nicht im Sinne der Definition, die in vergleichbaren Bereichen regelmäßig zur Anwendung kommt.

    „- schnellere taktische und strategische Verlegbarkeit im Vergleich zu Patriot“

    Das glaube ich genau dann, wenn ich sehe, dass der A400M die Dinger bewegt… bis dahin ist das eine nette Absicht. Wir erinnern uns an den luftverlastbaren Roland und das Ende dieses Dramas…

    „- Moderne Materialerhaltung um Kosten im Betrieb zu senken“

    Gleiches versprach man auch im Hinblick auf gewissen fliegende Systeme und war es nicht gerade hier in Bezug auf Hubschrauber Thematik, dass eben dieses praktisch nicht eingetroffen ist? -> Glauben wir, wenn wir es sehen…

    „- Weniger Personaleinsatz um Kosten zu senken“

    Wie hoch würde die Einsparung denn effektiv ausfallen? So prozentual gesehen?

    „- Aufwuchsfähigkeit in Richtung Ballistic Missile Defence (“Upper Tier”)“

    Seit wann denn das? Das ‚Upper Tier‘ System ist THAADS und von MEADS unabhängig.

    „- Ein Radar für 360-Grad-Abdeckung (dafür benötigt Patriot 3 Radare da 120 Grad-Abdeckung und kann dann noch immer nicht zwei gleichzeitig angreifende Ziele abwehren)“

    Spannende Thesen.
    Durch Anbindung kann auch Patriot 360 abdecken… entscheidend ist, was man bekämpfen kann. Grade gegen TBM ist 360 Grad eher unwahrscheinlich. Was ist die primäre Rakete von MEADS? Richtig: PAC-3. Wogegen ist PAC-3 optimiert? Richtig: TBM.
    Ob man Wiki glaubt, das besagt das Patriot bis zu 9 Flugkörper gleichzeitig im Endanflug steuern kann sei mal dahingestellt… zwei Ziele gleichzeitig bekämpfen sollte damit in jedem Fall kein Problem sein…

    Ergo: wo war jetzt nochmal der Fortschritt mit MEADS?

    „- Einfachere und schnellere Bedienung der Gefechtsstand-Instrumente (Touchscreen, digitalisiert)“

    Und warum sollte dies nicht durch ein günstigeres Upgrade von Patriot gewährleistet werden können?
    Ich meine es war Tschechien, dass digitale Upgrades von russischer prähistorische Flugabwehr anbot, was Bedienung und Signalverarbeitung angeht.

    „- Der Schutzbereich eines MEADS-Systems soll dem bis zu achtfachen eines Patriot-Systems entsprechen“

    Die sich durch zwei Faktoren begründen.
    (1) 360 Grad -> Siehe oben
    (2) erhöhte Reichweite (Backport der PAC-3 MSE durch Upgrade auf Patriot? )

    apropos 360 Grad, da wäre sinnvoll ja vertical launch (der ja mal versprochen war) notwendig… liegt das an meiner verschobenen Optik oder ist da bei dem Startgerät auf dem Photo ein Abschusswinkel… ?

    „- Deutschland hat 100% Zugriff auf alle Technologien vs. Patriot (amerikanische Black Box)“

    Und auch das in MEADS keinerlei Black-Boxes vorhanden wären werde ich glauben,
    wenn ich es seh ;)

    „Übrigens möchten Deutschland, Polen und Italien die Technologien weiter nutzen, um ihre Luftverteidigung zu modernisieren. Deutschland hätte wohl auch beschafft, wenn die USA nicht ausgestiegen wäre. Raytheon/Patriot hat in den USA eine gute Lobby. Es geht um einen riesigen Exportmarkt.“

    Anscheind war die Lobby nicht gut genug. Und auch hier gilt: Pläne vs. Haushaltsrealitäten.

    Aus der Erfahrung heraus lohnt es abzuwarten, was von diesen Werbeversprechungen am Ende übrig bleibt.

  9. „MBDA Deutschland ist vor allem zuständig für Elemente der Gefechtstands-Software BMC4I, des Startgeräts und des Multifunktions-/Feuerleitradars (MFCR); die Arbeiten werden am Standort Schrobenhausen durchgeführt.“

    Laut dem Ausschnitt aus einer MBDA DE Pressemeldung war DE Zuständig für die Software. Die Sensible Hardware dürfte komplett aus den USA stammen. Die US Hersteller der Hardware werden EADS Schnittstellen zu Verfügung gegeben haben, damit EADS Software die Daten der US Hardware weiter verarbeiten kann.

    Beim EuroHawk hat die Industrie und der EADS Verteidigungsminister auch immer groß von wieder Verwendbarkeit des ISIS Modul gesprochen. Das man das ISIS Modul dafür teuer komplett Umbauen muss haben die verschwiegen. Die gleiche Täuschung läuft doch beim MEADS ab. Was und wie man MEADS Komponenten weiter verwenden will, wird komplett verschwiegen.

    Eigentliches Herzstück der Raketenabwehr ist der PAC3 LFK, und den oder ein Französisches Konkurrenzmodell wird es nur als Black Box System geben. Die Franzosen sind auch nicht weniger Aggressiv, wie die Amis. MEADS als Offenes System zu bewerben war auch eine Täuschung.

  10. @Kerveros | 07. November 2013 – 7:27

    „The first target, a QF-4 air-breathing target, approached from the south as a Lance missile, flying a tactical ballistic missile trajectory, attacked from the north.“

    Die QF-4 ist vom Süden angeflogen, während („as“) die Lance als TBM von Norden kam.

    GC hat den interessanten Aspekt der inneramerikanischen Positionen eingebracht. Auf der einen Seite erhält man sich mit Patriot eine gewisse Monopol-Stellung, auch wenn diverse andere westliche, russische sowie mittlerweile chinesische Systeme auf dem Markt sind.
    Auf der anderen Seite macht man sich dadurch in den USA selbst fast vollständig von Raytheon abhängig. Mit MEADS hätte man im Luftabwehr-Bereich wieder etwas Konkurrenz hereingebracht.

  11. Warum hat sich wohl die Türkei für ein chinesisches System entschieden, welches wiederum als gute Kopie eines älteren russischen Systems gilt?;-)

  12. @Sgt. Thrash | 07. November 2013 – 15:16
    Eher wegen dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Also vor allem bessere Leistung für weniger Geld, gegenüber den westlichen Bietern. Die Russen haben auch geboten, waren aber etwas teurer, als die Chinesen. Darum haben sie sich für „russische Technik“ Made in China für weniger Geld entschieden. Geiz ist geil.

  13. Ich habe ja darauf gewartet, bis unsere „Russia Strong“ Vertretung zuschlägt.

    Für welches Szenario überhaupt noch eine bodengestützte, strategische Luftverteidigung notwendig sein soll, die nicht durch das teuerste Waffensystem der BW abgedeckt wird, will anscheinend bei Luftwaffe etc.. niemand so richtig erklären. –> rent seeking ist geil?

  14. @ Kevereos

    Warum Patriot teuer und mit hohem Zeitaufwand upgraden, wenn bei Meads die Technologien bereits vorhanden und sogar erfolgreich getestet worden sind? Von einem Patriot-Uprgrade würde einzig und allein der US-Konzern Raytheon profitieren. Laut einem Hardthöhenkurier-Artikel würde mit einem Uprgrade erst 2040 der technologische Stand von Meads erreicht werden.

    @ Bang 50

    Schauen Sie mal wie der BND die aktuelle und zukünftige Bedrohungslage einschätzt:

    http://www.bnd.bund.de/DE/_Home/Startseite/Wissenswertes/_Proliferation/Proliferation.html

    Raketenabwehr ist traditionell eine deutsche Kernfähigkeit im NATO-Bündnis. Die Deutschen können in diesem Bereich etwas leisten, was andere europäische NATO-Partner so nicht leisten können – ein nicht unwichtiger Aspekt, um Bündnissolidarität zu zeigen und die NATO im Sinne des burden sharing zu stärken. Das wird man ohne die Modernisierung der deutschen Flugkörperabwehr bald nicht mehr leisten können.

  15. Ja ich weiss, Geiz ist Geil.
    Die Frage ist, wie teuer wird die Anpassung und die Integration in bestehende LV Systeme.
    Da ist die eingesparte Mrd schnell wieder ausgegeben.

    @Bang 50

    Genau die Frage, „brauchen wird überhaut noch ein LV-System, wir sind doch von Freunden umgeben“, hat doch erst zu der jetztigen Situation geführt. Die paar Systeme die noch vorhanden sind dienen allenfalls noch Alibizwecken.

    Ich bin überzeugt das DEU ein modernes LV System benötigt. Auch wie schon angesprochen um im Bündnis eine Fähigkeit bereit stellen zu können die andere Nationen nicht haben. Ausa meiner Sicht sind die noch verbleibenen PATRIOT verbände deutlich zu wenig für einen effektive LV.

  16. Laut Artikel im Handelsblatt -Ausgabe 07.11.2013 („Totgesagte leben länger“) – „feiert das Raketenabwehrsystem Meads eine überraschende Auferstehung“.

    -> Union und SPD sehen „offene Tür“ für das Projekt
    -> Ältere Systeme sollen bis 2020 ausgemustert werden

    Gruß
    Michael

  17. @GC u. Sgt. Thrash – Aus dem Link (zu dem BND) kann ich keine Forderung nach einer strategischen Luftverteidigung ableiten. Das Problem der Proliferation verdeutlicht für mich eher die Asymmetrie dieses Problems. Somit kann man den Artikel auch als ein Plädoyer für bessere nachrichtendienstliche Arbeit lesen.

    Das Deutschland traditionell den Schwerpunkt Raketenabwehr innerhalb der NATO besetzt hat, ist ein Fakt. Jedoch wurde dieser Schwerpunkt wegen einer realen Bedrohung gesetzt (der “Rote Riese“ wartete an der Grenze mit einem gewaltigen Arsenal an taktischen/strategischen Nuklearwaffen, Kampfflugzeugen etc…) Diese Bedrohung besteht jedoch heute nicht mehr. Daher halte ich es für problematisch, die Beschaffung von Waffensystemen für mehrere Milliarden mit Tradition zu rechtfertigen.

    Die Argumentation über die Bündnissolidarität erscheint mir noch als stärkstes Argument. Mit Blick auf eine zunehmende Spezialisierung und Arbeitsteilung innerhalb Europas und der NATO. Doch existiert innerhalb der EU schon ein Konzept welches die jeweiligen Fähigkeiten zuteilt? Im Rahmen der NATO fokussiert man sich auf die Abwehr von ballistischen Bedrohungen. Für dieses Szenario ist MEADS jedoch nur bedingt geeignet.

    Als Laie stellt sich für mich deshalb folgende Frage: Was bietet MEADS in heutigen Szenarien und über die Fähigkeiten des Eurofighter hinaus, das die Investition von mehreren Milliarden Steuergeldern rechtfertigen würde?

  18. Im letzten Absatz des Handelsblatt Artikels steht, Raytheon ist zuversichtlich das EADS keine notwendigen MEADS Partner findet, um die MEADS Entwicklung fortzusetzen. So dass DE nichts anderes übrig bleibt, als Patriot zu Modernisieren.

    Die Polen wollen wegen fehlenden Geld für neue Fregatten ihre US Fregatten, die 1978 und 1979 im Dienst gegangen sind, noch bis 2025 weiter nutzen. Das mit MEADS dürfte schnell sehr viel teurer kommen, als zwei billige Fregatten zu beschaffen. Für Mitmachen bei MEADS fehlt den Polen das Geld.

    EADS zieht bei den Werben um weiteres DE Staatskohle alle Register, scheitert aber komplett an der Formung eines neuen MEADS Konsortium. Aus den gleichen Grund ist auch die Talarion Drohne gescheitert. So wird das eher nichts mit MEADS.

  19. Zwei Wiki-Zitate:

    „Beteiligt an dem Unternehmen MEADS International Inc. mit Sitz in Orlando (Florida) sind die Firmen Lockheed Martin (USA), MBDA Deutschland GmbH und MBDA-Italien (Italien).“

    „Anteilseigner der MBDA sind seit dem Februar 2006 die EADS (37,5 %), die BAE Systems (37,5 %) und der italienische Konzern Finmeccanica (25 %).“

    Trennung.

    Was, wenn wir Patriot nicht modernisieren? Wie lange halten die durch?

    Wir sollten uns in jedem Fall entscheiden, welche Wege wir in der Luftverteidigung weiter gehen wollen.
    1. Die Null-Lösung à la GB nach Auslaufen von Patriot.
    2. Weiter wie bisher mit modernisierten Patriots oder Systemen ähnlicher Leistungsfähigkeit.
    (Eine Möglichkeit: Wir verkaufen den Polen unsere Patriots und investieren die 3 Euro fuffzig in neue MEADS-Systeme, statt unsere Patriots zu modernisieren. Das überzeugt mich allerdings weder sicherheits- noch rüstungspolitisch.)
    3. Konzentration auf´s obere Höhenband. Wir machen BMD, während wir die unteren Höhenbänder den Franzosen/Italienern mit SAMP-T bzw. Holländern etc. mit NASAMS überlassen werden.
    4. Wir gehen den revolutionären Weg und setzen auf Passivradar gekoppelt mit Laserwaffen o.ä..

  20. Damit die Polen das Patriot System bis 2025+ Nutzen können, müssen die auch 1 Mrd. für die Modernisierung locker machen. Dürfte für die Polen zu viel Geld für einen sehr geringen Beschäftigungseffekt sein.

    MEADS soll MBDA DE größtes Programm sein. Vielleicht bekommt EADS MEADS im Koalitionsvertrag unter. Das durch den Haushaltsausschuss zu bekommen ist aber eine ganz andere Nummer. EADS DE hat sich sicherlich auch sehr viel mehr von der Großen Koalition versprochen… Die Positiven MEADS Nachrichten dürften wohl auch mehr oder minder schnell untergehen.

  21. Wenn man Benedikts Posts so liest könnte man glatt glauben, MEADS sei ein EADS-only Projekt. Das muss man nur oft genug wiederholen und irgendwer wird es schon glauben. Gell? So läuft’s doch. „Danke, EADS!“ Ein Meme wird geboren..

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