Jung&Naiv: Krieg in Afrika

Es ist Krieg in Afrika, Hunderttausende haben keine Wahl, als dort hinzugehen (oder wegzulaufen), aber in Europa wird es kaum wahrgenommen. Über Krisen und Konflikte im Herzen des Kontinents, vor allem im Osten des Kongo, hat Tilo Jung für Jung und naiv mit Simone Schlindwein gesprochen, der Zentralfrika-Korrespondentin der taz:

(Direktlink: http://youtu.be/Oj-WjFHnEDU)

Am Ende des Gesprächs zwischen Tilo und Simone bin ich dazugekommen, und wir haben gleich danach eine weitere Folge aufgenommen, in der es vor allem um die Rolle der UN-Blauhelme im Kongo geht, um Kampftruppen mit Kampfauftrag unterm Blauhelm –  und ihren deutschen Chef. Der zweite Teil kommt am (morgigen) Montag.

11 Gedanken zu „Jung&Naiv: Krieg in Afrika

  1. Gute Journalistin, diese Frau Schlindwein. Leider erreichen ihre Berichte und Reportagen meines Wissens nur in der TAZ und der Deutschen Welle ein „Nieschenpublikum“. Aber aufgrund fehlender, bzw. nicht mehr präsenter Kolonialgeschichte Deutschlands interessiert Afrika hier in Deutschland keinen Menschen, ganz im Gegensatz z.B. zu BEL, GBR oder FRA. Dieser Umstand wird uns in den sicherheitspolitischen Debatten der Zukunft irgendwann einmal schmerzich auf die Füße fallen. Ich hoffe es wird in naher Zukunft mehr Journalisten dieses Formates geben….und vor allem ein afrikainteressiertes Publikum in Deutschland.

  2. @tex
    Na, ein afrikainteressiertes Publik gibt es in Deutschland schon. Man denke nur an die Entwicklungszusammenarbeits-Szene, die Kirchen oder die Umbenenner von nach deutschen Kolonialfiguren benannten Straßen.
    Der wesentliche Unterschied zwischen dem deutschen und z.B. dem französischen Afrikainteresse ist aber, dass man den Kontinent in Deutschland als Projektionsfläche für eigene Weltverbesserungsphantasien und Spielplatz für Menschen mit Helferkomplex benutzt, während die Franzosen ihn als Schauplatz von Geopolitik verstehen. So wie übrigens auch zunehmend die Chinesen.

  3. @K. Müller:

    Wobei die Chinesen interessanterweise in weniger als 10 Jahren in Afrika mehr Verbesserungen für die Menschen erreicht haben als 50 Jahre „Menschen mit Helferkomplex“ und europäische Entwicklungshilfe.

    Gleichzeitig konnten Sie Ihre eigene Postion bzgl. Rohstoffen stark verbessern, und damit die Interessen Ihres Landes wahren.

    Aber Selbstreflektion war für Menschen mit Messiaskomplex schon immer ein Buch mit sieben Siegeln.

  4. Die Beschreibung der UN-Stützpunkte im Kongo erinnert irgendwie fatal an deutsche Feldlager in Afghanistan.
    Man sitzt in seinem Bunker, traut sich kaum raus und weiß überhaupt nicht, was in großen Teilen des eigenen Verantwortungsgebietes überhaupt vor sich geht.

  5. Sehr interessant.
    Die Analogie mit dem Schachspiel mit nem Spuieler für jede Figur, sollte man sich merken. Denn derlei vergessen ja nicht wenige, wenn es um R2P und „mehr Verantwortung in den VN übernehmen“ geht.

    Und nicht nur mit Blick auf Afrika hierzu passend:
    http://warontherocks.com/2013/10/the-lost-lessons-of-black-hawk-down/

    Sollte man sich auch in Berlin, Potsdam, Strausberg, Grafstdadt, Ulm, Münster, etc. aufmerksam durchlesen…

  6. @Ghost Bear:
    Kann man das irgendwo nachlesen, wie die Chinesen mehr Verbesserungen (und welche?) erreicht haben als 50 Jahre europaeische Entwicklungshilfe?
    An welchen Parametern wird das gemessen?

  7. @Florian
    Gemeint sind womöglich die vielen Wohnbauten, die in manch einem Land wie Angola wie Pilze aus dem Boden schießen, und die dazugehörige Infrastruktur. Doof nur, dass sich viele eine derartige Unterkunft überhaupt nicht leisten können. Geschweige denn so ein Luxusgut wie ein Auto. Unter’m Strich haben sich also die Beziehungen und Vermögenslagen mancher Regierungsbeamter verbessert, während die Chinesen sehr lukrative Aufträge (Bodenschätze, Großprojekte, etc.) zurück nach Hause bringen.

  8. @ Hans
    Der Artikel, wie viele seiner Art, betrachtet aber nur den reinen Kapitalfluss, nicht die Wohlstandsentwicklung.

    Ein anschauliches Beispiel für die Schwächen dieses Ansatzes sind beispielsweise die Gold-Minen in Mali (Sadiola und Morila). Deren Produktion hat sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht, aber vom Ertrag bleiben weniger als 20% im Land, und versickern dort auf den Konten einer korrupten Elite. Die Bevölkerung vor Ort wird mit enormen Umweltschäden allein gelassen (und den damit einhergehenden Landwirtschaftsausfällen), und ist dank Hungerlöhnen praktisch schlechter dran als andernfalls. (Ausführlicher beleuchtet wird das mit anderen Beispielen in Fluchtursache Reichtum – Migration und Rohstoffhandel in Westafrika, S. 12f.)

    Und in das selbe Schema fallen eben auch viele chinesische Projekte, wo ja nicht selten auch noch die ungelernten Arbeiter eingeflogen werden.

  9. @J.R.

    Stimmt – das ist das Problem mit den Chinesen: Wenn sie einheimische Arbeiter einstellen, dann als Hilfsarbeiter zu Hungerlöhnen und oftmals gerade in den Minen zu lebensgefährlichen Bedingungen. Good Governance ist hier das allgemeine Problem.

    Das Problem liegt mE allerdings mehr als 50 Jahre zurück:
    Die Länder waren strukturell (vor allem in Fragen von Regierung und Verwaltung) nicht auf die Unabhängigkeit vorbereitet, viele Staaten deren Bevölkerung heute hungert waren früher die Kornkammer ihrer Kolonialmächte. Medizinische Hilfe bringt gar nichts wenn die Kindersterblichkeit gesenkt wird aber immer noch nichts auf dem Tisch steht.

    Für einige Staaten wäre es wohl besser gewesen wären sie einige Jahre länger Kolonie geblieben. Auch wenn dieses Beispiel noch einmal einige Jahrzehnte zurückliegt:
    https://www.youtube.com/watch?v=I4lju6ORU9c
    (ab 31:24)

  10. Nachtrag: GoodGovernance bezieht sich natürlich auf den Kapitalfluss ins Ausland und die korrupten Regierungen die in die eigene Tasche wirtschaften.

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