Jung&Naiv: Hangout zur Außen/Sicherheitspolitik

jungundnaiv_aussenpolitik

Nach dem Hangout, der Internet-Schaltkonferenz zum Kundus-Film gestern machen Tilo Jung und ich heute gleich weiter: Ab 18 Uhr gibt’s einen Hangout zur Außenpolitik (und ich vermute mal, da ich dabei bin, wird Sicherheitspolitik davon ein wichtiger Bestandteil sein). Mit Vertretern von Linkspartei und Piraten (vielleicht kommen noch andere, auch aus anderen Parteien, kurzfristig dazu?)

Fragen stellen geht hier.

17 Gedanken zu „Jung&Naiv: Hangout zur Außen/Sicherheitspolitik

  1. Oh je! Linkspartei und Piraten. Vielleicht bemühen sie sich noch mal um etwas mehr Vielfalt ansonsten wird die Veranstaltung wohl im Moralinsumpf versinken.

  2. Ich bin nicht der Veranstalter ;-) (so weit ich weiß, waren auch andere angefragt, warum die nicht dabei sind, weiß ich nicht.)

  3. Ich hab grad mal ganz kurz reingehört, und das erste was ich hörte war „Flugverbotszone“, deshalb mal eine persönliche Beobachtung zu diesem Begriff.

    „Flugverbotszonen“ werden immer gerne diskutiert, da sie so schön harmlos und so gar nicht nach Bombenangriffen und Cruise Missiles und Kollateralschaden klingen, sondern nach NATO, und Bosnien und nach AWACs-Flugzeugen, also eine Vorstellung von militärischer Invervention, die man z.B. auch als Grüner Parteigänger ganz gut mittragen kann, denn da geht es ja sehr friedlich zu und es werden keine Hochzeitsgesellschaften bombardiert.

    Tatsache ist aber, dass dieses Bild der Flugverbotszone nach dem Vorbild von Deny Flight, Southern & Northern Watch ausgedient hat. In den USA, die diese Operationen in den 90ern hauptsächlich getragen haben, ist dieses Konzept völlig erledigt, da man weder den politischen Willen noch die Finanzen hat, ohne klare Strategie permanent über irgendwelchen Ländern CAPs zu fliegen und dabei noch das Risiko von abgeschossenen Piloten zu tragen (Scott O’Grady).

    Wenn die USA heute von Flugverbotszone reden, dann sollte man sich das eher wie in Libyen vorstellen. Dort wurde die Flugverbotszone etwa eine Stunde lang aufrechterhalten, genau so lange bis die libysche Luftwaffe am Boden zerstört war. Wer wissen will wie, das dann aussieht, guckt sich mal den Flugplatz Ghardabiya nahe Sirte auf Google Maps an.

    Wenn man also jetzt am Beispiel Syrien von Flugverbotszonen redet, dann muss man sich im Klaren darüber sein, was das dann in der Praxis bedeutet. Nämlich einen massiven Angriff, um die Luftverteidigung und die Flugplätze des Landes in möglichst kurzer Zeit zu zerstören.

    Das hat mit den Flugverbotszonen über Bosnien und dem Irak nichts mehr zu tun, daher halte ich die Verwendung des Begriffs im Augenblick für ziemlich fahrlässig und irreführend!

  4. @Zeitgeist: “ Wer wissen will wie, das dann aussieht, guckt sich mal den Flugplatz Ghardabiya nahe Sirte auf Google Maps an.“

    das hat jetzt etwas gedauert bis ich gemerkt hab, dass alle tor der shelter jeweils 30 m – 150 m vom gebaeude weg liegen. Auesserlich ist kaum Schaden am Flugplatz zu sehen.

    Die Gebaeude sind jeweils 100 m voneinander entfernt. Ist das eine Vorkehrung aus der Zeit vor Praezisions-Munition?

  5. Zitat von Harmels Website:
    „Ich träume davon, dass wir einen Paradigmenwechsel zu einer präventiven und nachhaltigen Friedenspolitik durchführen, um eine glaubwürdige, werteorientierte und gewaltlose Politik zum Wohle aller Menschen verfolgen zu können.“

    Soviel Münzen passen gar nicht ins Phrasenschwein, als dass man dieser Ansammlung von Floskeln gerecht werden könnte, die sich so in fast jedem beliebigen Parteiprogramm finden. Ich habe mich immer gefragt, wie die „Piraten“ es geschafft haben, maximale Phrasendrescherei mit dem Image des angeblich Neuen zu verbinden. Da hätte man ruhig einmal ein bißchen kritischer nachbohren können.

  6. Ja und nein. Zum durchschlagen der Shelter wird eine Bombe mit einem bestimmten Gewicht benötigt. Je unpräziser die Munition, desto mehr Bomben brauche ich, um einen Shelter zu zerstören. Um alle zu knacken, brauche ich mehr Bomben, die man in unterschiedlicher Art und Weise ins Ziel bringen kann. Entweder mehr Angriffe, mehr Bomben an kleineren Flugzeugen (die dadurch langsamer sind und nicht soweit fliegen können oder in größerer Anzahl vorhanden sein müssen) oder ich brauche größere Flugzuege, die aber einfacher zu bekämpfen sind. Der andere Aspekt ist sicherlich in der Eigensicherung zu finden. Die Flugzeuge stehen ja aufgetankt und tlw. aufmunitioniert in den Sheltern. Gelegentlich geht da mal schief und die Auswirkungen werden so minimiert. Auch bei Flugzeugabstürzen auf dem Platz.

  7. Ich habe den Traum, dass uns eines Tages die Talkrunde ausgengeradeaus! mit TW, jeden Mittwoch um 23:11 im Ersten geschenkt wird – denn sie sollten wissen was sie tun, doch sie wissen es leider nicht.

    Von dem Film, Anne Will, dem Hangout von gestern und heute nehme ich mit, dass wir einen ganz enormen(s) Informationsbedarf/(defizit) zum Thema Sicherheitspolitik/Streitkräfte im öffentlichen Raum haben. Eigentlich müsste der Öffentlich-rechtliche Rundfunk hier seinem Bildungsauftrag nachkommen und unserem renommierten Fachjournalisten und Militärexperten Thomas Wiegold ein Traumsalär für seine eigene Sendung anbieten – also so mit eigenem VIP Bereich wo diverse Annehmlichkeiten und Köstlichkeiten warten ;-)

    … aber wahrscheinlich geht dieser Traum genauso wenig in Erfüllung, wie Harmels Traum von einer Politik ohne Ultima Ratio.

  8. @ Bang50

    ;-))

    @ DerZeitgeist

    Danke für die Erläuterung. BTW, das Ganze beruhte auf einem Missverständnis – Harmel wollte Überflugrechte ansprechen, sagte aber Flugverbotszone, und darauf bin ich dann eingestiegen…

    @all

    Ich hab‘ auch sehr bedauert, dass die anderen Parteien nicht vertreten waren. Es mag ein wenig damit zusammenhängen, dass (gerade in Wahlkampfzeiten) eine Anfrage vom Fernsehen sehr gerne angenommen, eine Anfrage von diesem Internet dagegen eher mit Skepsis betrachtet wird…

  9. sd | 05. September 2013 – 19:40
    „das hat jetzt etwas gedauert bis ich gemerkt hab, dass alle tor der shelter jeweils 30 m – 150 m vom gebaeude weg liegen. Auesserlich ist kaum Schaden am Flugplatz zu sehen.“

    Wenn man genau hinschaut sieht man auch die Löcher in den Dächern. Bemerkenswert ist auch, dass der Flugplatz in nur einer Nacht so zugerichtet wurde. Man konnte das damals ganz gut rekonstruieren, da die USA recht viele Informationen über die Zahl der abgefeuerten Tomahawks und eingesetzten Flugzeuge veröffentlicht haben. In diesem Fall waren es 2 B-2 (jeweils 16 JDAM) und wohl fast die halbe Ladung Cruise Missiles der USS Florida.

    „Die Gebaeude sind jeweils 100 m voneinander entfernt. Ist das eine Vorkehrung aus der Zeit vor Praezisions-Munition?“

    Diese ganzen Flugplätze wurden im Grunde nach den Erfahrungen der Nahostkriege (vor allem 1967) konzipiert, als die arabischen Luftwaffen durch Israel am Boden zerstört wurden. Es gibt möglichst wenig gerade Linien, damit man mit ungelenkten Waffen keine Ziele in Reihe treffen kann, und die Rollwege sind durch Schleifen etc. möglichst redundant angelegt, falls sie unterbrochen werden. Ist spätestens seit 1991 natürlich alles ziemlich nutzlos geworden. Wenn Assad halbwegs vorausschauend plant, ist seine Luftwaffe gerade dabei, die Flugzeuge und Hubschrauber neben Schulen und Krankenhäusern zu parken oder sie in der Wüste zu vergraben.

  10. @TW @Bang50
    Ein Anfang waren ja da schon mal die wöchentlichen Jung & Naiv Peng & Bumm Folgen. Nur irgendwie hab ich das Gefühl die sind leider ein wenig eingeschlafen.

  11. T.Wiegold | 05. September 2013 – 21:07
    „Danke für die Erläuterung. BTW, das Ganze beruhte auf einem Missverständnis – Harmel wollte Überflugrechte ansprechen, sagte aber Flugverbotszone, und darauf bin ich dann eingestiegen…“

    Mein Erguss bezog sich auch eher allgemein auf Medienberichte der letzten Wochen, nicht ausschließlich auf den Hangout. :-)

    Ich glaube vor allem in Deutschland hat man da in sicherheitspolitisch durchaus versierten Kreisen noch so eine romantische Vorstellung von den humanitären Interventionen in den 90ern. Daher kramt man wohl jetzt auch so gern in der Schublade der Werkzeuge, die damals scheinbar so gut funktioniert haben, und redet von Flugverbot- und Schutzzonen. Vielleicht sollte man mal Oberst Karremans fragen, wie gut das damals alles gelaufen ist…

    Das ist historisch schon wirklich interessant, wie sich Geschichte wiederholen kann. In den USA sind nun wieder die liberalen Interventionisten an der Regierung, und die Republikaner fragen, wo dabei überhaupt die nationalen Interessen bleiben. Ganz genauso wie in den 90ern unter Clinton über Jugoslawien. Fehlt eigentlich nur noch Richard Holbrooke, der leider nicht mehr unter uns weilt.

    Man kann eigentlich nur froh sein, dass die USA gerade kein Geld für allzu umfangreiche militärische Abenteuer haben. Das ist auch so ein Aspekt, der in der Debatte in Europa im Moment völlig unter den Tisch fällt, nämlich dass die gesamten US-Streitkräfte durch den Sequester in ungeheuren finanziellen Schwierigkeiten sind. Wenn man sich fragt, wo eigentlich die 2-3 Flugzeugträger sind, die eigentlich schon längst im Mittelmeer kreuzen sollten, findet man den Grund auch darin. Auch sind im Moment die US-Luftstreitkräfte staffelweise regelrecht stillgelegt, um Betriebskosten zu sparen.

    Ich denke das wird auch massiv die Art der Intervention in Syrien bestimmen. Auch um die finanziellen Kosten gering zu halten, wird man wohl versuchen, das ganze zeitlich extrem stark zu komprimieren, und in einigen wenigen Nächten die Luftwaffe und Heeresflieger der syrischen Streitkräfte aus dem Spiel zu nehmen.

  12. Das mit der Nimitz hatte ich schon auf dem Schirm, aber ich glaube nicht dass man im Moment mehr als den einen Träger (und vielleicht ein LHA/LHD) zusammenkratzen könnte. Wenn man jetzt ein Szenario hätte, wo man wirklich viele Träger braucht, dürfte das schon einige Schwierigkeiten bereiten.

  13. @Zeitgeist
    Gut. Mir ging es dabei auch nur um den Sachverhalt, dass die Nimitz vom Rücktransit zurückbeordert wurde.
    Truman und Nimitz werden unter 5th Fleet geführt. Also sind es schon mal zwei.
    Unabhängig von den weiteren Vermutungen über Szenarien und Sequestration und die USN kann ja eigentlich gar nicht mehr, weil eh alles zusammengekratzt.
    Das sehe ich etwas anders als Sie. Es sind dort jetzt einige Kräfte vor Ort. Unabhängig von möglichen Einsatzszenarien. Es sind nicht zu unterschätzende Fähigkeiten die sich nunmal jetzt ein wenig konzentrieren.
    Nicht mehr aber auch nicht weniger. Die Entscheidung über den Einsatz unter welchen Voraussetzungen auch immer treffen andere.

Kommentare sind geschlossen.