RC N Watch: Australier jagen (und töten) afghanischen Innentäter im Norden

Australische Soldaten haben zusammen mit afghanischen Sicherheitskräften und ISAF-Truppen einen Afghanen, der australische Soldaten angeschossen hatte, in der Nord-Provinz Takhar gestellt und getötet. Die Australier hatten den Mann über fast zwei Jahre gesucht und aufgespürt, sagte Australiens Premierminister Kevin Rudd bei einem Truppenbesuch in Darwin, wie der britische Guardian berichtet:

Mohammed Roozi, a former member of the Afghan national army, was shot late on Tuesday evening in Takhar province, Afghanistan, in a combined cordon and search operation led by Afghan forces and supported by members of the Australian army and the International Security Assistance Force (ISAF).
Kevin Rudd announced the operation during a visit to Robertson barracks in Darwin on Thursday morning.

Der damalige Soldat der afghanischen Armee (ANA) hatte im November 2011 in der Provinz Uruzgan das Feuer auf seine afghanischen Kameraden und die australischen Ausbilder eröffnet. Drei Australier wurden dabei schwer verwundet, zwei afghanische Soldaten erlitten leichtere Verletzungen. Die Zahl der Angriffe durch Innentäter, also afghanische Polizisten und Soldaten, die ISAF-Soldaten zum Teil in ihren Camps angriffen, hatte den internationalen Truppen vor allem 2011 und 2012 erhebliche Sorgen bereitet.

Australian forces, in concert with ISAF, narrowed down his location and then worked with the ANSF  and ISAF elements responsible for the area to plan and conduct a focused mission. zitiert der Guardian den australischen Armeechef General David Hurley.

ISAF elements responsible for the area heißt übrigens für den Bereich des RC North, dass vermutlich deutsche Truppen in diese Operation eingebunden waren.

(ISAF Photo by U.S. Navy Petty Officer 2nd Class Aramis X. Ramirez via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

19 Gedanken zu „RC N Watch: Australier jagen (und töten) afghanischen Innentäter im Norden

  1. Wenn derutsche Truppen eingebunden waren, findet sich sicher bald ein deutscher Politiker um dies zu skandalisieren

  2. Frage mich, ob wir ebenso viel Engagement nach der Flucht eines green-on-blue-Schützen zeigen würden. Zudem die Verlegung von Kräften in ein anderes RC…

  3. Die theoretische Frage ist wohl, ob ein (damals) aktiver Angehöriger der ANA ein gegnerischer Kombatant der ANA oder doch nur ein Straftäter ist.

  4. Die Stellung der australischen Armee in der Down-Under Gesellschaft ist wohl das komplette Gegenteil zur hiesigen Armee, daher wird die (durchaus berechtigte) Frage nach dem Kombatantenstatus des Getöteten keine Diskussion in Australien nach sich ziehen. Die Signalwirkung für die „Digger“ ist hier wohl wichtiger als die völkerrechtliche Relevanz des Falles: Der Premierminister verkündet die als erfolgreich bewertete Operation mit einem Toten.
    Meine Vorstellungskraft lässt einen ähnlichen Vorgang mit deutschen Protagonisten nicht zu. Nur zum Vergleich, das Foto der jubelnden INS vor dem ausgebrannten Dingo vom 02. April auf den Titelblättern der Zeitungen war eine erschütternde Ohrfeige. Leute auf dem Foto sind uns namentlich bekannt (einer nennt sich jetzt sogar Milizionär). Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden, ich erwartete keine Aussagen politischer Entscheidungsträger à la G. Bush („lets smoke` em out“) aber zumindest den politischen Willen die Täter zu stellen und letztlich dafür zu sorgen, dass das afghanische Justizsystem (zumindest in diesem Fall) sauber und unter diplomatischem Druck agiert und die deutsche Öffentlichkeit davon unterrichtet wird.

  5. @Tom:
    So oder so: Es gab einen Zugriff von ANSF – mit Unterstützung der Australier.
    Die Zielperson widersetzte sich der Festnahme -> Notwehr.
    Daher sehe ich hier auch kein theoretisches Problem.

    Es erinnert mich jedoch an das unsägliche Verhalten von BMVg und EinsFüKdo nach dem Selbstmordanschlag auf dem Markt von Kunduz am 19. Mai 2007.
    Minister Jung versprach eine Verfolgung der Hintermänner, sah jedoch dann alleinig die afghanischen Behörden dazu in der Lage hier zu handeln („wir sind hier unterstützend tätig“). Die ANSF handelten jedoch sehr lange nicht. Wirklicher Druck wurde nicht aufgebaut, eigene Maßnahmen wurden – obwohl unzutreffend – als rechtlich nicht möglich dargestellt.

    Seither hat sich sicherlich einiges geändert, aber ein Rückfall in diese Denkweise vermag ich – gerade bei der derzeitigen politischen Leitung – nicht ausschließen.

  6. Die Parlamentswahl in Australien 2013 ist am 7. September . Es stehen sich in der Hauptsache der amtierende Labor (ALP)-Parteivorsitzende Kevin Rudd und sein Herausforderer Tony Abbott gegenüber.

  7. @Memoria

    Danke für den Flashback – diese meine Geschichte von 2007 hatte ich selbst nicht mehr auf dem Schirm…

  8. Auch nach mehrmaligem Lesen ist mir als „Heimatfrontler“ immer noch nicht ganz klar, was den Mann zum Hochwertziel gemacht hat.

    Zwei Jahre Jagd, mehrmonatige Geheimdienstarbeit, Einsatz von ANSF um jemanden zu erlegen, der in einem Lager eigene Truppen angeschossen hat. Scheint so, als ob es keinerlei andere Probleme mehr gibt (IED-Bauer z.B. oder hochkarätige Anführer), dass man sich vor lauter Langeweile schon am „Fußvolk“ austoben muss.

    Zitat aus dem von Memoria verlinkten Text: „Until yesterday he had not been heard of since.“

  9. Der australische CHOD, Gen Hurley, betonte die enge Zusammenarbeit mit den örtlich verantwortlichen ISAF-Partnern:

    „Australian forces, in concert with ISAF, narrowed down his location and then worked with the ANSF and ISAF elements responsible for the area to plan and conduct a focused mission,“

    http://www.smh.com.au/federal-politics/federal-election-2013/afghan-soldier-who-turned-on-diggers-killed-in-shootout-20130815-2ry5h.html#ixzz2c2QpE7H2

    Wenn das die Oberbedenkenträger in Berlin lesen.
    Die SOTG wird sich jedoch wohl vor allem an den großen Bruder gewandt haben (allein schon für den Lufttransport, ISR, QRF, etc).

  10. @FTD

    Solche Innentäter sind ein sehr wirksames PR-Instrument für die Aufständischen weit über ihre faktische Wirkung hinaus:

    1.) Sie wirken ISAF Soldaten im Partnering mit ANSF (Wem kann ich trauen, wem nicht?).
    2.) Sie wirken gegen die ISAF-„Heimatfront“, da sich der Wähler denkt, man könne da sowieso niemandem trauen.
    3.) Sie wirken in AFG, da sie der Bevölkerung zeigen, das die Aufständischen ANSF unterwandern können.

    Auch wenn hier kräftig Tatsachen verzerrt werden – als PR-Tool taugt es allemal.

    Die ANZAC Botschaft lautet jetzt – wir kriegen auch die Innentäter. Das beruhigt die eigenen Soldaten, demonstriert Kompetenz gegenüber der eigenen Bevölkerung und sendet eine klare Botschaft an Nachahmer in AFG.
    Der Wahlkampf in Canberra ist ja schon thematisiert worden.

    Mein 50 Cent daher: Well done, diggers!

  11. Sehe ich genauso, Wahlkampf hin oder her. Das innenpolitische Signal an die eigenen Streitkräfte sollte nicht unterschätzt werden. Ich weiß, man sollte bei Bibelzitaten im afghanischen Kontext zurückhaltend sein, aber: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

  12. Es wäre doch ein fatales Signal, wenn auch nur ein einziger Innentäter ungeschoren davonkommen würde.

  13. Warum sollten wir deutschen denn Innentäter dort verfolgen, wisst ihr wieviele Muslime in Deutschland leben was meint ihr was hier los wäre es ist jetzt ja schon schlimm genug.
    Die stimmung hier zulande ist auch nicht so stabil wie es die medien berichten könnt euch ja mal nen helm aufsetzen und mit runter kommen dann wieder zurück ma guggen was ihr dann so alles schöne in eurem briefkasten findet.
    komisch ist nur woher bekommen diese kleinen gruppen die namen das macht mich nur etwas nachdenklich.

  14. @Firststrike

    Wenn Sie wirklich in eine Diskussion eintreten wollen wäre es hilfreich, wenn Sie so formulieren, dass man ihre Texte zumindest im Ansatz verstehen kann.

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