Willkommen im neuen Jahr: Erster Piratenangriff vor Somalia

(Karte: OpenStreetMap)

Ein paar Tage hat’s gedauert, jetzt ist es passiert: Am (gestrigen) 5. Januar wurde der erste Angriff vermutlich somalischer Piraten auf ein Handelsschiff am Horn von Afrika im Jahr 2013 gemeldet. Die knappen Angaben des NATO Shipping Centre:

A merchant vessel was reported under attack by pirates/1 skiff. At 1130Z(UTC)05/01/2013. 0300N 05152E (approximately 460 miles ENE of Mogadishu) Skiff white hull, 6 POB, SP Fired small arms and RPG.
This vessel managed to evade hijack.
Pirate Action Group assumed still in the area.

Mehr Details dazu habe ich  bislang noch nicht – nach Angaben aus der Schiffahrtsindustrie soll der Angriff von Kriegsschiffen der EU-Antipirateriemission Atalanta und/oder der NATO-Antipirateriemission Ocean Shield beendet worden sein.

Übrigens gibt’s wieder Berichte über eine geplante private Marine zur Bekämpfung der Piraterie. In den vergangenen Jahren sind solche Projekte allerdings so oft angekündigt worden, dass man erst mal abwarten sollte, was daraus wird…

RC N Watch: Treffen der Ex-Warlords, Schießunfall in Baghlan

011215-F-3961R-018 Northern Alliance troops under General Dostum's command in Mazar-e SharifArchivbild aus dem Dezember 2001: Truppen unter dem Kommando von Rashid Dostum in Masar-i-Scharif (Foto: Staff Sergeant Cecilio Ricardo, U.S. Air Force via Wikimedia Commons)

Der Gouverneur der nordafghanischen Provinz Balkh, Mohammed Atta Noor, und der Usbeken-General und – formale – Stabschef der afghanischen Armee, Rashid Dostum, haben eine lange gemeinsame und vor allem feindliche Geschichte: Als Kriegsherren im Norden Afghanistans, die neben dem Kampf erst gegen die Sowjetunion und später gegen die Taliban auch erbittert gegeneinander kämpften. Deshalb erregt es natürlich Aufmerksamkeit, wenn sich diese beiden starken Männer im Norden zu einem politischen Gespräch treffen, wie die afghanische Online-Publikation Khaama Press am (gestrigen) Samstag meldete:

Ata Mohammad Noor provincial governor for northern Balkh province of Afghanistan and Gen. Abdul Rasheed Dosturm one of the prominent members of the main political opposition of the Afghan government — national coalition following a rare meeting on Saturday met in northern Mazar-e-Sharif city. (…)
Gen. Abdul Rasheed Dostum and Ata Mohammad Noor are the most powerful commanders in northern Afghanistan and the two leaders in the past had some issues which also led to armed clashes between the fighters of the two leaders. (…)
In the meantime Balkh government media office following the statement said Ata Mohammad Noor discussed the upcoming presidential election with Gen. Abdul Rasheed Dostum in today’s meeting however the source did not disclose further information regarding the talks between the two leaders.

Die beiden Ex-Warlords dürften die linke und rechte Grenze ihrer beanspruchten Zuständigkeit und die Zusammenarbeit im Hinblick auf die afghanische Präsidentenwahl im Frühjahr 2014 abgesprochen haben – nach dem weitgehenden (wenn auch nicht vollständigen) Abzug der internationalen Kampftruppen. Schließlich formiert sich offensichtlich eine Nordallianz gegen den amtierenden Präsidenten Hamid Karzai und voraussichtlich von ihm favorisierte Nachfolger.

Unterdessen gab es noch eine ISAF-Meldung aus dem Norden: Ebenfalls am gestrigen Samstag wurden südlich von Pol-e Khumri in der Provinz Baghlan zwei deutsche Soldaten, fünf US-Soldaten und ein afghanischer Dolmetscher bei einem Schießunfall verletzt. Mehr Klarheit über Auslöser und Hergang dieses Unfalls gab es am (heutigen) Sonntag von der Bundeswehr noch nicht.

Unter dem (Wahrnehmungs)Radar: Indien will Airbus-Tanker


Ein Airbus A330 MRTT bei der Luftbetankung einer F-16 (Foto: EADS via flickr)

Die Diskussion über Rüstungsexporte ist in Deutschland bisweilen schon etwas merkwürdig. Ein möglicher Export von rollenden Chemielaboren auf einem geschützten Transportfahrzeug nach Saudi-Arabien sorgt hier zu Lande für aufgeregte Debatten über die Frage Spürpanzer für die Saudis (obwohl Spür-Dingos mit dem Aufregerbegriff Panzer herzlich wenig zu tun haben und die Dinger für offensive Operationen ebenso wenig taugen wie zur Aufstandsbekämpfung) – Rüstungsdeals von weit reichender strategischer Bedeutung werden dagegen praktisch nicht wahrgenommen.

Zum Beispiel der Wunsch Indiens, vom europäischen (und signifikant deutschen) Luftfahrtkonzern EADS Airbus-Tanker des Typs A330 MRTT (Multi Role Transport Tanker) für seine Luftwaffe zu ordern, wie die Times of India Ende vergangener Woche berichtete:

India has selected the European Airbus-330 MRTT over the Russian Ilyushin-78 mid-air refuelling aircraft in an Rs 8,500-crore contract.
Defence ministry sources on Thursday said the European Aeronautics Defence and Space Company (EADS) „is now being called for the final commercial negotiations“ for acquisition of six Airbus-330 MRTT tankers.

Nun sind Tankflugzeuge in der Wahrnehmung vielleicht nicht so kriegerisch wie Kampfpanzer, das ist allerdings ziemliches Kalter-Kriegs-Denken. Fliegende Tankstellen geben der indischen Luftwaffe eine strategische Reichweite, die aus Sicht Neu Delhis insbesondere an einer sich entwickelnden Konfliktgrenze von Bedeutung wird: IAF’s Sukhoi-30MKI fighters, which have a cruising speed range of 3,200-km, for instance, can strike high-value targets deep inside China with in-flight refuelling.

Dazu passt auch der Blick von der anderen Seite:

In recent Chinese CCTV military news report, China has develop a new air combat simulation system for PLA Air Force. It is interesting that TV screen show that the single unit of simulation is marked with Chinese and Indian national flags. This may indicate that Chinese Air Force has eyed Indian air power as its main counterpart.