Wachwechsel bei EADS-Verteidigungstochter Cassidian: Zoller geht, Gerwert steigt auf

Das ist erst mal nur eine erste schnelle Meldung, deren Bewertung noch interessant wird: Stefan Zoller, Chef der EADS-Rüstungstochter Cassidian, hat das Unternehmen verlassen. An seine Stelle rückt Bernhard Gerwert, der auch schon lange bei EADS tätig ist: Bernhard Gerwert appointed new CEO of Cassidian

Die Analysten werden bestimmt eine Meinung haben, warum jetzt dieser Wechsel (vorherige Hinweise darauf habe ich nicht gesehen, lasse mich aber gerne korrigieren). In einer Situation, die angesichts der erneuten Verzögerung beim Transportflieger A400M, der Diskussion über (bewaffnete) Drohnen und eine mögliche europäische Konstruktionskapazität und anderer Baustellen sicherlich nicht einfach ist.

19 Gedanken zu „Wachwechsel bei EADS-Verteidigungstochter Cassidian: Zoller geht, Gerwert steigt auf

  1. Vielleicht hat Herr Zoller beim Aufräumen auf dem Dachboden einen Spiegel gefunden und mal hineingesehen. Da wird er den Chef einer Firma entdeckt haben, die vieles gut kann. Aber am besten darin ist, leere Versprechungen zu machen und dem Streitkräftekunden Dinge aufzudrücken, die der nicht braucht und so auch nie bekommt.
    Da wachte er auf, merkte, dass 54 noch kein Alter für einen richtigen Beruf ist und verließ den Laden, um ein besseres Leben zu führen.
    *Ironie Ende*

  2. Interessant. Ein planmäßiger Übergang klingt anders.
    Enders schüttelt weiterhin die EADS-Führung durch.
    Das übergeordnete Ziel scheint wohl eine deutliche Verbesserung des EBIT der nicht-Airbus-Bereiche zu sein.

  3. @Memoria
    „Das übergeordnete Ziel scheint wohl eine deutliche Verbesserung des EBIT der nicht-Airbus-Bereiche zu sein.“

    Die höhe der Renditen des nicht Airbus (und zivilen EC) Bereiches legen die Staatlichen Kunden fest. Wenn die Staatlichen Kunden die EADS Preise nicht bezahlen wollen, und deren nicht Vertragskonformen Produkte nicht mehr abnehmen wollen, dann gibt es halt kein positives EBIT mehr.

  4. Und um diese Kunden wird es wohl bei diesem „Wachwechsel“ auch gehen, schließlich sieht es nicht nur dähmlich aus wenn die selbe Personen, welche unerfüllbare Vertäge in der Vergngenheit geschlossen haben, diese nun annulieren oder ersetzen.

  5. @memoria: „Interessant. Ein planmäßiger Übergang klingt anders. …“
    Man google mal unter >> Seemoz 13,5 Millionen Euro <<. Ich sehe da auch im politischen Bereich über kurz oder lang noch Köpfe rollen. "Die Revolution, gleich Saturn, frisst ihre eigenen Kinder."(Pierre Victurnien Vergniaud; 31.10.1793 in Paris hingerichtet)

  6. @Vtg-Amtmann

    Wegen den mickrigen 13,5 Mio rollen doch keine Köpfe, sonste gäbe es nach den Kostensteigerungen vom Teuerofighter bis zum A400 keinen mehr, den seinen Kopf hinhalten könnte. Suche mal nach dem Zoller Interview „FAZ Europäische Drohne steht vor dem Durchbruch“. Dann mal auf die Überheblichkeit von Zoller achten. Zoller dürfte es sich einfach mit den EADS Hauptsuventionsgeber, dem Bund verscherzt haben.

  7. Viel einfacher: Zoller und Enders sind seit jeher Intimfeinde. Und Letzterer ist nun am längeren Hebel.

  8. Der eigentliche Grund dürfte mehr sein, dass Zoller mit seiner Cassidian Strategie gescheitert ist. Cassidian einziger sehr großer Umsatz- und damit Gewinnbringer ist der Teurofighter, wo die Produktion stetig bis 2018 ausläuft. Zoller wollte dies Kompensieren, indem man groß nach Asien oder in Schwellenländer verkaufen sollte. Dafür hat Cassidian aber nicht die Kontakte und nicht die Produkte für diese Zielländer. Nachhaltige Geschäfte hat Zoller da nicht an Land gezogen.
    Mit den Zukäufe von der Rheinmetall und der Zeiss Sparte wollte Cassidian mehr den Status „too big to fail“ erkaufen. Also hat Zoller mehr auf Subventionen gesetzt, als auf Marktfähige Produkte.
    Jetzt hat Cassidian neben seiner eigenen Drohenabteilung (plus die EuroHawk Abteilung), noch die von Rheinmetall dazu gekauft. Beide gemeinsam haben, dass deren Zukunftdrohnen allenfalls in der Konzeptphase befinden, ohne gute Aussicht auf viel Bw Geld. Die KZO Drohnen dürfte auch wohl von die EMT LUNA NG ersetzt werden. Wenn die Rheinmetall Sparte wenigstens wenige eigenständige gute junge Produkte gehabt hätte, könnte man den Kauf verstehen. So hat man nur einen zukünftigen Sanierungsfall gekauft.
    Während Cassidian bei der Erschließung neuer Märkte nicht so recht voran kommt, wird sich das mit der Zeiss Sparte auch nicht viel bessern.

    Die PR Meldung von EADS liest sich auch mehr, dass man mit den Hobbys von Zoller aufhören will, und sich auf das Kerngeschäft mit der Bw konzentrieren will. Die Renditen von 7% und mehr, werden in der nächsten Zeit eh nicht mehr zu erreichen sein, weil das Geld dafür einfach nicht mehr da ist.

  9. Das Zoller gegangen wurde, war wohl nur der Anfange bei Cassidian. Manager Magazin berichtet unter der Überschrift „EADS räumt in Militärsparte auf“, dass die restliche Führungsetage auch gefeuert werden soll. Nur Gerwert und der Personalvorstand sollen bleiben. Bei Cassidian dürfte es sehr große Probleme geben, sonst machte man so etwas nicht.

  10. Aufgrund massiver Probleme bei Cassidian, kann es auch ein Versuch von Major Enders sein, ins Amnestie – Programm von Compliance -Untresuchungen aufgenommen zu werden. Hauptbeschuldigte wurden hochgelobt – versetzt – z. Bsp. nach Rheinmetall Bremen, oder Daimler Stuttgart, bzw. Selbstständigkeit in München. Dr. Zoller hatte seit Monaten Kenntnis, bestraft wurden nur die Mitarbeiter die Missstände aufgedeckt haben. Üble Mobbing- Attacken auch Seitens der Personal-Führung , Kündigungen usw. Auch Major Enders ist seit Monaten informiert. Als Mann der Ehre ( Offizier der Reserve ) hätte er Ungerechtigkeiten ausräumen können. Sein Rundschreiben vom 02.06.2012″ Melde mich zum Dienst “ scheint etwas verfrüht. In der Realität scheint er noch nicht angekommen zu sein. Kann den Medien umfangreiche Belege aushändigen, die das gesamte Ausmaß erst aufzeigen. Auch die Politik sollte sich mit mit dieser Thematik auseinandersetzen. Ich werde ab Ende Oktober den Medien und der Politik alle Beweise zugänglich machen.

  11. @dickeberta

    Das sind ja kräftige Behauptungen… Wenn Sie Belege haben: meine E-Mail-Adresse steht im Impressum.

  12. @ dickeberta:
    Davon hörte ich schon im Berliner Raum, allerdings ohne Belege. Somit bin ich auf ihre Belege gespannt. Nur Mut!

  13. Sehr geehrter Herr Wiegold,

    habe Ihnen soeben per E-Mail mitgeteilt, warum ich noch keine Details herausgeben kann. Es ist der Arbeitsgerichts-Prozess im Okt. 2012 in München abzuwarten.

  14. Eine Amnesie für Führungskräfte ganz oben, für eigene Verfehlungen oder als Mitwisser kann es nicht geben. Die sind ihren Job los, weil die ihr Unternehmen nach außen präsentieren. Wenn Enders von unsauberen Dingen Monatelang gewusst hatte, und nicht aktiv wurde, wäre er bei einer vollen Aufdeckung auch weg.

    Ich denke Cassidian hat große Operative Probleme durch die Geldprobleme der Europäischen Kunden. Man sitzt zwar noch auf dicken Verträgen, die Die Kunden wollen das teure Wehrmaterial zur Zeit nicht abnehmen. Jetzt gibt es Stress, wodurch die unterdrückten Probleme zum Vorschein kommen.

    In GB laufen auch Ermittlungen wegen einen Saudi Deal http://uk.reuters.com/article/2012/08/09/uk-eads-bribery-idUKBRE8781A120120809. Beginn der Ermittlungen war wohl Mai 2011, aber erst vor ein paar Wochen ist es an die Öffentlichkeit geraten. Vorher wollte man das wohl aus Industrie Politischen Gründen nicht an die Große Glocke hängen. Enders hat in den letzten Monaten keine Gelegenheit ausgelassen, den Deutschen vors Schienenbein zu treten. Jetzt dürfte die Politische Rückendeckung aus Deutschland fehlen.

  15. @Ben

    Ich hoffe doch sehr, dass das Problem eine Amnestie für Führungskräfte ist und nicht eine Amnesie der Führungskräfte ;-)
    (SCNR)

  16. Anmerkung: Wie soeben erfahren ist der Arbeitsgerichts-Termin am 05.10.2012, 09:30 Uhr , EADS gegen……….. Arbeitsgericht München, öffentlich. Dort werden Details bekannt.

  17. Laut Donaukurier.de (Überschrift „EADS-Chef droht mit Ausstieg aus Militärgeschäft“) dürfte sich Cassidian in Zukunft mehr auf die Heimatmärkte DE, FR und ESP konzentrierren, statt sein Heil im Export zu suchen. Jedes Land bekommt bei C. seinen Vorstand als Ansprechpartner.

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