„Smart Power“: Diplomaten und Kommandosoldaten Hand in Hand

Gerne greife ich den Hinweis in einem Kommentar hier auf: US-Außenministerin Hillary Clinton hat am vergangenen Mittwoch beim Special Operations Command Gala Dinner in Tampa, Florida eine interessante Rede gehalten. Smart Power nannte die Ministerin den Ansatz, die Arbeit von Militär, vor allem Spezialkräften, mit der Arbeit von Diplomaten und Entwicklungsexperten zu verzahnen – vor allem im Einsatz gegen Al-Qaida und andere, von den USA als terroristische Bedrohung angesehene Gruppierungen. Ein Ansatz übrigens, den Clinton offensichtlich nicht auf die USA beschränkt sehen will – ausdrücklich erwähnte sie in ihrer Rede das NATO Special Operations Forces Coordination Center bei der Notwendigkeit, to build an international counterterrorism network that is as nimble and adaptive as our adversaries.

Übrigens begrüßte die US-Außenministerin Vertreter von 90 Nationen bei diesem Ereignis (da sind dann mit Sicherheit auch Bundeswehr-Vertreter dabei gewesen – das NATO-Zentrum wird doch nach meiner Erinnerung von einem deutschen Oberst gemanagt?).

Aus Clintons Rede (hier in voller Länge nachzulesen):

For my part, first as a senator serving on the Armed Services Committee and now as Secretary of State, I have seen and admired the extraordinary service and sacrifice of our men and women in uniform. So we have made it a priority to have our soldiers, diplomats, and development experts work hand-in-hand across the globe. And we are getting better at coordinating budgets and bureaucracies in Washington as well.

To my mind, Special Operations Forces exemplify the ethic of smart power – fast and flexible, constantly adapting, learning new languages and cultures, dedicated to forming partnerships where we can work together. And we believe that we should work together wherever we can, and go it alone when we must. This model is delivering results.

Admiral McRaven talks about two mutually reinforcing strategies for Special Operations: the direct and the indirect. Well, we all know about the direct approach. Just ask the al-Qaida leaders who have been removed from the battlefield.

But not enough attention is paid to the quiet, persistent work Special Operations Forces are doing every single day along with many of you to build our joint capacity. You are forging relationships in key communities, and not just with other militaries, but also with civil society. You are responding to natural disasters and alleviating humanitarian suffering.

Now, some might ask what does all this have to do with your core mission of war fighting? Well, we’ve learned – and it’s been a hard lesson in the last decade – we’ve learned that to defeat a terror network, we need to attack its finances, recruitment, and safe havens. We also need to take on its ideology and diminish its appeal, particularly to young people. And we need effective international partners in both government and civil society who can extend this effort to all the places where terrorists hide and plot their attacks.

This is part of the smart power approach to our long fight against terrorism. And so we need Special Operations Forces who are as comfortable drinking tea with tribal leaders as raiding a terrorist compound. We also need diplomats and development experts who understand modern warfare and are up to the job of being your partners.

30 Kommentare zu „„Smart Power“: Diplomaten und Kommandosoldaten Hand in Hand“

  • klabautermann   |   26. Mai 2012 - 9:55

    @ T.W.

    In der NATO zirkuliert seit kurzem eine neue Konzeptinitiative: Counter Threat Network Concept, natürlich unter FF ACT. Das soll wohl der Smart Defence Anteil von Smart Power werden. Nun schlagen wir mal die Brücke zur EU und Ihren Counter Terrorist, Counter Piracy, Counter Crime …etc Initiativen, Programmen und Strukturen – wie z.Bsp. FRONTEX – und dann stellen wir fest, dass die Bundesregierung ihren Ansatz der Vernetzten Sicherheit langsam mal operationalisieren sollte. Wir wäre es denn mit einem Bundes-Sicherheitsministerium ??

  • tt.kreischwurst   |   26. Mai 2012 - 10:36

    Der Begriff „Smart Power“ wurde auch nicht erst da geprägt. Soweit ich weiß hat den das erste mal Suzanne Nossel in ihrem Foreign Affairs Artikel mit gleichem Titel benutzt (March/April 2004). Allerdings ist da natürlich ein geringfügig anderes Begriffsverständniss vorhanden. Smart Power meint traditionell die generelle Verknüpfung von Soft Power mit Hard Power. In sofern benutzt HRC den Begriff schon richtig weil Kommandosoldaten (Hard Power) und Diplomaten (Nicht wirklich der Inbegriff von Soft Power fällt aber schon drunter) zusammen schon smarte Anwendungen zulassen würden.

    Interessant das sie das Konzept speziell im Zusmmanhang mit Spezialkräften sieht. Es ist aber gut dass sie diesem Konzept weiter auftrieb gibt damit sich diese Denkweise nachhaltig etabliert. Sie hat das schon mit ihren eigenen Artikeln in Foreign Affairs probiert (wen es interessiert und da vielleicht auch Zugang hat Nov/Dec 2007 und Nov/Dec 2010 besonders letzterer ist interessant weil sie da schon Secretary of State war).

    @T.W: Gerne mehr solche Posts die sich mit Sicherheitspolitik auch etwas ‚abstrakter‘ auseinandersetzen!

  • Memoria   |   26. Mai 2012 - 10:43

    Anderswo versteht man zumindest die Bedeutung von Spezialkraeften.
    Wir machen ja in dem Bereich mehr Rückschritte als Fortschritte.

    @klabautermann
    Bundessicherheitsministerium? Noch mehr Tatenlose B3 aufwärts?

  • klabautermann   |   26. Mai 2012 - 11:04

    @Memoria

    ;-)

  • smilee   |   26. Mai 2012 - 11:17

    Das unterstütze ich.

    >>@T.W: Gerne mehr solche Posts die sich mit Sicherheitspolitik auch etwas ‘abstrakter’ auseinandersetzen! (tt.kreischwurst)

  • JCR   |   26. Mai 2012 - 11:38

    Man könnte es auch anders sagen:
    Diplomatie im postwestfälischen Zeitalter besteht aus der Vor- und Nachbereitung militärischer Aktionen.
    Sozusagen der Botschafter als Zwischenstufe zwischen Propaganda und Kopfschuß im Dunkeln.
    Da man ja immer auf der guten Seite steht (wie Hillary so schön sagt) ist das Risiko das sowas nach hinten losgeht ja nicht gegeben ;)

    Für mich hört sich das Ganze an wie die entgültige Kapitulation des US-Außenministeriums vor dem Pentagon.

  • klabautermann   |   26. Mai 2012 - 12:01

    @JCR

    Ich glaube eher, dass die USA in der Sicherheitspolitik den gleichen Kräftebündelungsansatz fahren wie im Inneren (Homeland Security)
    Andererseits betreiben die USA konsequent und pragmatisch die Auflösung der völkerrechtlichen Trennung/Unterscheidung zwischen civil und military power.

  • Ops   |   26. Mai 2012 - 16:28

    Deutschland würde sich massiv schaden, eine solche Strategie aufzugreifen. Auch für die USA ist es an sich die falsche, aber die kennen es nicht anders und werden das auch diesem Fall nicht schmerzhafter merken als bei vergangenen Fehlplanungen. Die Bundesrepublik hat aber den unschätzbaren Vorteil, trotz einer gewissen Stärke diplomatisch Partnerschaften knüpfen zu können, die nicht unter dem Bias waffenstarrender globaler Präsenz stehen. Damit würde sie mit dieser Kombination mehr aus der Hand geben als die Amerikaner.

  • wacaffe   |   26. Mai 2012 - 16:41

    naja damit reihen sich clinton und das state departement auch nur in die riege der „smart als präfix“ inflationistas ein. (smart defence, diplomacy) irgendwie tautologisch sollte sämtliches regierungshandeln doch jederzeit möglichst intelligent/weise sein.

    Abgesehen davon ist enge und engste kooperation zwischen diplomaten DOD,CIA etc. doch nichts neues siehe Indochina/Südamerika usw. usw.

    Kernpunkt ist meiner Erkenntnis nach erher ein grundsätzlich anderes verständnis von Außenpolitik im sinne einer (auch robust) proaktiv gestaltenden gegenüber der deutschen primär kommunikativ ausgerichteten doktrin.

    Insofern typisch politische semantik innovation

  • b   |   26. Mai 2012 - 17:21

    @JCR – Zustimmung

    Das Kriegsministerium hat in den USA das Aussenministerium quasi ausgebotet.

    Dazu auch heute ein Stück im Boston Globe: The amazing expanding Pentagon
    After a decade of “mission creep” — into diplomacy, agriculture, even energy policy — the Department of Defense has become America’s default tool for dealing with the world. Where does this leave the next president?

    Man beachte den Schlusssatz:

    So in the next several months, we should be on the lookout for specific ideas from candidates about what do with this excess power—at the least, an acknowledgment that it exists. Domestically, the Pentagon has the opportunity to shape university research priorities; it influences White House policy planning anytime a crisis erupts in a new place. Abroad, the military can do considerable good by using its money and expertise to improve quality of life, burnishing America’s reputation as a font of positive development rather than just counter-terrorism and counter-insurgency.
    .
    But while it lasts, the breadth of the current military presents grave challenges, not least for a democratic country that in principle, if not always in policy, opposes military dictatorships around the world. Even Pentagon insiders worry about this dissonance. Whatever good our deployments can do, it will be harder to promote civilian ideals so long as our foreign policy wears a uniform.

  • markus   |   26. Mai 2012 - 18:16

    mhh die SF fahren dieses Konzept doch schon seit 50 Jahren. Ob die so begeistert davon sind, dass die SOF das nun auch praktizieren ?

  • Sun Tzu   |   26. Mai 2012 - 19:07

    Ich würde das als Rückkehr zu den Methoden früherer Zeiten bezeichnen. Nachdem man den kalten Krieg gewonnen hatte, sah man sich nun in der Lage, all die „kleinen“ Brandherde anzugehen, die bisher unter der Decke des kalten Krieges verdeckt wurden.
    Hierbei hat man sich dann in totaler Verkennung der eigenen Möglichkeiten zu einem Nations-Building Ansatz entschlossen, der ja theoretisch sehr reizvoll ist, praktisch aber an der Komplexität der Welt scheitern muss. Eigentlich hätte man das nach dem Somalia- Debakel Anfang der 1990iger Jahre erkennen können. Die Zeiten offener Interventionen mit einem Nation-Building Anspruch scheinen endgültig vorbei zu sein.
    Da man aber erkannt hat, dass Isolationismus auch nicht funktioniert, weil die Probleme irgendwann zu groß werden, kommt nun offenbar wieder die Zeit der Schattenkrieger. Man wird seine Interessen wieder mit indirekten Methoden durchsetzen, bei denen man primär auf Verhandlungen, Schaffung von Abhängigkeiten und Geld setzt, sich aber im Zweifelsfall auch kinetisch durchsetzen kann.
    Der Vorteil dieser Methode ist gleichzeitig ihr größter Nachteil. Weil man sehr effizient agieren kann und keine Rücksicht auf Dummschwätzer, Öffentlichkeit, Claudia Roth etc. nehmen muss, erreicht man schneller und billiger seine Ziele. Nur wie bei all solchen Systemen mit schwachen Kontrollmöglichkeiten sind sie sehr missbrauchsanfällig. Zudem braucht man dafür keine Bürokraten, sondern top ausgebildete Profis mit einwandfreiem Normen- und Wertekonzept.
    Man muss als Staat also die Entscheidung fällen, zum Schutz von Recht und Freiheit und der Verteidigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung eben gegen elementare rechtsstaatliche Prinzipien ggf. zu verstoßen. Man sagt dem eigenen Staatsvolk nicht (mehr) die Wahrheit, weil man glaubt, dieses könne die Wahrheit nicht vertragen.

  • Bang50   |   26. Mai 2012 - 21:02

    @Sun Tzu – Da fällt mir dieser Ausschnitt aus dem Film „Eine Frage der Ehre“ ein:

    http://www.youtube.com/watch?v=4_LfaoMZm1E

  • Peter   |   26. Mai 2012 - 21:14

    Könnte bitte einer der BW-Generäle (kurz vorm Ruhestand vllt) unter uns so eine Rede im Bundestag halten?

    Das wäre ganz großes Popcorn-Kino

  • Orontes   |   26. Mai 2012 - 21:37

    In Deutschland scheiterten bereits Ansätze so solcher Integration am Verhalten aller Beteiligten. Auf militärischer Seite findet man so etwas meist „zu heikel“ und behinderte diesbezügliche Initiativen aus den eigenen Reihen nach Kräften, während Diplomaten und Entwicklungshelfer dem mit einer Mischung aus Arroganz (man weiß ja anders als die tumben Soldaten dass Gewalt keine Lösung ist etc.) und organisationsbezogenem Egoismus (Sorge um die eigenen Pfründe) begegneten. Ein Vertreter einer zivilen Behörde erklärte in meiner Anwesenheit z.B. stolz gegenüber anderen Zivilisten, dass er persönlich Versuche sabotiert habe, seine Behörde für Counterinsurgency zu „instrumentalisieren“.

    Tatsache ist jedoch, dass fast jede deutsche Außen- und Sicherheitspolitik der Vergangenheit wesentlich „vernetzter“ und integrierter war als die der Gegenwart. Ein Zusammenwirken zwischen Diplomatie, Militär und zivilen Organisationen (von den Kirchen bis zur Wirtschaft), wie es z.B. bei der deutschen Präsenz in Subsahara-Afrika bis 1918 zu beobachten war, ist im Deutschland der Gegenwart schon aus kulturellen Gründen unmöglich geworden. Man sollte sich vom Gedanken verabschieden, dass Deutschland mittelfristig irgendwo „nimble and adaptive“ agieren können wird.

  • klabautermann   |   27. Mai 2012 - 9:33

    @Orontes

    Tja, im Kolonialismus war alles besser ;-)

    „Die Mutter aller asymmetrischen Kriege ist der Algerienkrieg. Am 7. Mai 1954 verlor die französische Armee die Schlacht von Điện Biên Phủ und musste vor dem Việt Minh kapitulieren, der vietnamesischen Unabhängigkeitsbewegung. Das war das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina (und das Vorspiel zum nächsten Vietnamkrieg, in dem sich die Amerikaner eine blutige Nase holten). Für die algerische Unabhängigkeitsbewegung FLN war das die Gelegenheit, nun auch die Fremdherrschaft abzuschütteln, weil sie sich nicht vorstellen konnte, dass sich die Franzosen so bald nach Điện Biên Phủ in ein weiteres koloniales Abenteuer stürzen würden.
    Der „Schlacht um Algier“ genannte Teil des Krieges begann am 7. Januar 1957. An diesem Tag erteilte die Regierung dem Haudegen Jacques Massu, der nach dem Ersten Weltkrieg in jedem größeren Konflikt für Frankreich gekämpft hatte, die volle „Polizeigewalt“ und den Auftrag, der FLN den Garaus zu machen. Anders wusste sich Generalgouverneur Lacoste nicht mehr zu helfen, weil alle Versuche, den Aufstand zu unterdrücken, das Gegenteil bewirkt hatten (die Zahl der Anschläge stieg von 50 im Juli 1956 auf 120 im Dezember). Bei Militärexperten gilt die General Massu unterstellte 10. Luftlandedivision als die härteste Truppe, die es damals gab. Viele von den Fallschirmjägern hatten Điện Biên Phủ miterlebt und kamen nicht mit dem Gefühl „Nie wieder Krieg“ nach Nordafrika, sondern mit dem festen Vorsatz, nie wieder einen Krieg zu verlieren. Die Schlacht um Algier musste unbedingt gewonnen werden. Dafür war Massu auch bereit, Foltermethoden anzuwenden (euphemistisch verbrämt als „eindringliche Befragung“). Botschaft des Generals an seine Männer: „Das sine qua non unseres Einsatzes in Algerien ist es, dass wir diese Methoden in unseren Herzen und unserem Verstand als notwendig und moralisch begründet akzeptieren.“ Der Mann, der dieses Konzept umsetzte war der (heute General im Ruhestand) Paul Aussaresses (Bücher: 2001 Pour la France : Services spéciaux 1942-1954; Services spéciaux, Algérie 1955-1957: Mon témoignage sur la torture und 2008 ein drittes Je n’ai pas tout dit. Ultimes révélations au service de la France).

    Paul Aussaresses besuchte 1941 als Offiziersanwärter eine Kadettenschule in Algerien, sprang im August 1944 als Mitglied einer Spezialeinheit mit dem Fallschirm über dem besetzten Frankreich ab, um die Résistance zu unterstützen und deren Aktionen mit denen der Alliierten zu koordinieren, diente in Indochina und nahm nur deshalb nicht am Suezkrieg teil, weil er sich bei einem Trainingssprung mit dem Fallschirm die Wirbelsäule verletzt hatte. 1961 wurde er Militärattaché der französischen Botschaft in Washington. In Fort Bragg, wo die US-Armee den Anti-Guerilla-Kampf trainierte, gab er seine Erfahrungen aus dem Algerienkrieg weiter. Roger Trinquier, Aussaresses’ früherer Vorgesetzter, veröffentlichte 1961 das Buch La Guerre moderne. Einer der von Aussaresses ausgebildeten US-Soldaten soll das Buch an den CIA-Agenten Robert Komer geschickt haben, der es bei der Ausgestaltung des von ihm geleiteten „Phoenix-Programms“ konsultierte (Bekämpfung des Vietcong mit Foltermethoden und Liquidierungen). Aussaresses ging 1973 nach Brasilien, wo er Trainingsprogramme für die Killer und Folterknechte südamerikanischer Militärdiktaturen geleitet haben soll. General Massu wurde durch die Brutalität auf den damals im Rang eines Commandant dienenden Aussaresses aufmerksam, mit der dieser 1955 den FLN-Aufstand in Philippeville niederschlug und holte ihn im Januar 1957 nach Algier, wo er dasselbe tun sollte. Aussaressses war Massus Mann für schmutzige Aufträge und der Chef der Todesschwadron, die unliebsame Personen eliminierte (der Begriff „Todesschwadron“ geht auf Aussaresses zurück, der ihn zum Beispiel in Escadrons de la mort, l’école française verwendet, einer 2003 vom Sender Canal+ ausgestrahlten Dokumentation von Marie-Monique Robin).“

  • Elahan   |   27. Mai 2012 - 9:58

    All das erlebt Russland nun auch! Im ganzen Reich bemerken die indigene Ethnien die sich nicht zu den Russen zählen, dass sie von den Russen ausgebeutet werden.
    Das heutige Russland, dass sich aus dem Großfürstentum Moskau, einem Teilfürstentum des früheren ostslawischen Reiches Kiewer Rus, zu einem Kolonialreich stahl wird sehr mit sich selbst beschäftigt sein. Die Regionen werden ausgebeutet und es fließt fast nichts an die ansässige Bevölkerung. Das Staatsvolk der Russen wird es in Zukunft schwerer haben. Den gleichen Prozess wir die Rote Elite in China erleben.
    Die Frage wird sein ob sie sich einen Feind und wenn ja, welchen sie von außen suchen um die Bevölkerung zusammen zu schweißen! So geht das immer, siehe Reichseinigungskriege.

  • klabautermann   |   27. Mai 2012 - 10:05

    @Elahan

    seit Chikago ist das doch klar: die Russen haben wieder die NATO als Feindbild, und die Chinesen die USA und deren enge Verbündete im pazifischen Raum (Japan, S-Korea, Philipinen, Australien).
    ,-)

    Das große Spiel 2.0 ist eröffnet

  • klabautermann   |   27. Mai 2012 - 10:14

    Phönix-Programm (aus Wikipedia):

    „In Südvietnam bestand während der 1960er und der frühen 1970er ein geheimes Netzwerk zur militärischen und politischen Unterstützung der Nationalen Befreiungsfront. Die so genannte Viet Cong Infrastructure (VCI) (so von den USA benannt) legte Essens- und Ausrüstungsvorräte für Zuflucht suchende nordvietnamesische Streitkräfte und Guerillagruppen an, stellte Führer und Nachrichten für Nordvietnamesen bereit und kontrollierte viele Dörfer Südvietnams.
    Dieser kommunistische Apparat hatte viele Jahre in Vietnam gearbeitet und war deshalb in Geheimaktionen geübt. Um den Krieg auf dieser Ebene zu führen, entwickelte die südvietnamesische Regierung ein Spezialprogramm. Dieses nannte sie Phung Hoang, also das Phoenix-Programm. Die Regierung veröffentlichte das Programm mit der Begründung, dass dieses nötig sei, um die Bevölkerung gegen den Terrorismus zu schützen, und forderte die Bürger dazu auf, bei der Informationsbeschaffung zu helfen. Da die FNL ein hoch entwickelter und erfahrener Gegner war, wurden Experten gebraucht, um ihn zu bekämpfen. Vor 1968 wurden die Geheimdienstaktionen gegen die Guerrilleros vom Commander der United States Military Assistance Command, Vietnam (COMUSMACV) in einer zivilen und militärischen Beraterfunktion mit dem Namen Intelligence Coordination and Exploitation (ICEX) koordiniert. Insbesondere als Helfer und Unterstützer der Regierung in einem koordinierten Angriff gegen die FNL. Anfangs erhielt dieses Programm offiziell nur wenig Beachtung und Unterstützung durch die Regierung. Das Phoenix-Programm wurde von offizieller Seite seit Mitte 1968 unterstützt, um so die Polizei, das Militär und andere staatliche Organisationen zusammenzubringen, damit diese ihr Wissen austauschen und gegen die feindlichen Einrichtungen vorgehen können. Das Ergebnis dieses Programms war, dass Mitglieder des feindlichen Apparates gefangen wurden, sich freiwillig ergaben, in Gruppen exekutiert oder in Feuergefechten getötet wurden.“

    Ich bin sowas von gespannt auf diesen (smarten) post-ISAF Oplan

  • Orontes   |   27. Mai 2012 - 10:22

    @klabautermann
    Das Buch „The Battle of the Casbah“ von Paul Aussaresses wurde auf einem internationalen Counterinsurgency-Lehrgang als Referenz erwähnt. Ich habe es später gelesen und war beeindruckt.

    Die Vernetzung und Integration von Diplomatie, Militär und nichtstaatlichen Akteuren ist davon abgesehen tatsächlich bei diversen kolonialen und imperialen Unternehmungen am stärksten ausgeprägt gewesen. Je vollständiger die Einheit von Politik und Gesellschaft war, desto entschlossener und koordinierter das Handeln im Einsatzland und desto weniger Probleme zu Hause. Die Franzosen konnten in den 50ern und 60ern aber schon nicht mehr die Methoden anwenden, die z.B. die US-Amerikaner bei der Eroberung Nordamerikas oder die Briten bei der Eroberung Australiens noch anwenden konnten. Egebnisorientiert handelnde Soldaten wie Aussaresses hatten trotz ihrer taktischen und operativen Erfolge schon aus demographischen Gründen keine reale Chance, aber sie konnten wenigstens noch von sich behaupten, im Rahmen eines nationalen Interesses gehandelt zu haben. Als deutscher Soldat in Afghanistan hätte noch so viel „smart power“ nichts daran geändert, dass es für Deutschland keinerlei Unterschied macht ob man dort erfolgreich ist oder nicht. So gesehen finde ich es auch nicht weiter schlimm, wenn Deutschland solche Vernetzung vorläufig auch im Ansatz nicht hinbekommt.

    Das Phoenix-Programm wurde zu meiner aktiven Zeit übrigens von den Amerikanern aufmerksam studiert und mag für manche amerikanische Initiative in Afghanistan Vorbild gewesen sein. Bei den Amerikanern sind z.T. noch Personen im Einsatz, die damals dabei waren und sich positiv über die Wirkung äußerten. Vielleicht interessant dazu:
    http://www.rand.org/pubs/occasional_papers/OP258.html

  • Memoria   |   27. Mai 2012 - 10:36

    @ Klabautermann:
    Die Erfahrungen in Vietnam sollte man sich mit Blick auf post-Isaf wirklich gut anschauen. Viele der Themen, die angeblich ganz neu sind, gab es bereits damals – und noch weitaus früher.
    Ein Beispiel:
    http://m.youtube.com/#/watch?v=Xp95PQqzJIo.

    Auf den OPlan bin ich auch sehr gespannt – wobei ich nichts Innovatives erwarte. Hoffe wir führen diese Diskussion in letzten post ISAF Thread fort.

  • klabautermann   |   27. Mai 2012 - 10:51

    @Orontes

    Was Sie zu Deutschland und bewaffneter vernetzter Ansatz sagen, trifft mittlerweile auch auf Frankreich zu. Gerade mit Blick auf die innenpolitischen Folgen des Vietnam- und des Algerienkrieg-Desasters unter den konservativen Regierungen in Paris (von OAS bis Banlieu). Deswegen meint es Hollande verdammt ernst mit dem Abzug seiner kampffähigen Einheiten bis Ende 2012.

    @Memoria

    Sie haben Recht, die beiden threads sind ziemlich miteinander verwurschtelt.
    Liegt wohl an der Gesamtproblematik ;-)

  • Memoria   |   27. Mai 2012 - 11:29

    @Klabautermann:
    Frankreich bleibt nach dem Abzug mit einer Personalstaerke von über nach 1000 im Land.

    Aufgabe: Ausbildung, Beratung, Unterstützung.
    Siehe auch http://augengeradeaus.net/2012/05/afghanistan-abzug-bis-ende-2014-na-ja/#comment-36001

    Ab 2015 sind mehr denn je „smart boots on the ground“ notwendig.
    Das Verständnis hierfür fehlt aber noch auf fast allen Ebenen.
    Der schwerste Teil des Einsatzes kommt erst noch.
    Und die Zeit läuft mal wieder davon.

  • klabautermann   |   27. Mai 2012 - 12:01

    @memoria

    Wir sind da völlig einer Meinung. Das Problem wird sein (wie bei US EBO versus NATO EBAO) den sehr komplexen US Smart Power Ansatz mit dem deutschen und/oder französischen effektiv zu verheiraten…..ääääh, zu vernetzen. ISAF und OEF hat schon nicht so richtig gefluchtet (gerade im Falle deutsche ISAF Beteiligung). Und damit bin ich bei meinem Lieblingstheorem:
    Aus gesellschaftlichen und verfassungsrechtlichen Gründen, sind die deutschen Streitkräfte in einem internationalen smart power nexus – Ansatz nicht so richtig kompatibel und interoperabel. Vor dem Hintergrund der BW-Reform und der NATO Reform imho künftig sogar noch weniger als gestern. Das wissen die großen Drei (US, UK, FR) und deshalb wird ja schon jetzt mit unseren Jungs im Bündnis bei operativen Planungen kaum noch so richtig kommuniziert und kooperiert.
    Hinzu kommt, dass Berlin immer nur sagt, was es nicht will, und – ausser Allgemeinplätzen – niemals sagt, was es will.
    Weiterhin ist der US amerikanische, strategische Planungsansatz ein anderer als der der NATO, wie ich oben bereits beispielhaft ausführte. Und Allen wird amerikanisch planen, weil er NATO nicht kann, darf und will.

  • Memoria   |   27. Mai 2012 - 12:15

    @Klabautermann:
    Wenn ich TdM richtig verstanden habe, soll nicht Allen planen, sondern SACEUR. Besser wird es dadurch sicher nicht.
    Aber das ist dann hier wirklich OT.
    Die Diskussion hat dann hier wirklich nichts zu suchen, aber umso mehr bei http://augengeradeaus.net/2012/05/afghanistan-abzug-bis-ende-2014-na-ja/

    Wäre hilfreich, wenn wir dort weiter darüber diskutieren könnten.

  • T.Wiegold   |   27. Mai 2012 - 13:10

    @Orontes

    Auch Sie sollten wissen, dass es eine feine Grenze zwischen erzreaktionär und menschenverachtend gibt…

    Ein Zusammenwirken zwischen Diplomatie, Militär und zivilen Organisationen (von den Kirchen bis zur Wirtschaft), wie es z.B. bei der deutschen Präsenz in Subsahara-Afrika bis 1918 zu beobachten war, ist im Deutschland der Gegenwart schon aus kulturellen Gründen unmöglich geworden. – wir sollten froh sein, dass Völkermord nicht mehr von den Genannten gerne als Mittel (kolonialer) Politik genutzt wird. Und Begriffe wie verwahrloste Gelöbnisstörer, auch wenn Sie Ihrer Haltung entsprechen mögen, sind nicht das, was ich hier lesen möchte.

  • Soenke Marahrens   |   27. Mai 2012 - 14:37

    „Egebnisorientiert handelnde Soldaten wie Aussaresses hatten trotz ihrer taktischen und operativen Erfolge schon aus demographischen Gründen keine reale Chance, aber sie konnten wenigstens noch von sich behaupten, im Rahmen eines nationalen Interesses gehandelt zu haben. “

    Mit Verlaub, bei dem Satz dreht es mir den Magen um….. das ist der Zweck heiligt die Mittel pur!

    Diese sogenannten Erfolge waren am Ende keinen Pfifferling wert, weil sie eben nur taktisch/operativ waren, a la die Schlacht gewonnen, den Krieg verloren, aber wir waren Helden und wehe wenn man uns so nicht sieht, dann ist man ein Verraeter….wer nicht fuer uns ist, ist … etc…..

    ….Und wenn ich seine Lebensgeschichte zusammenfasse, scheinen ihm die Begriffe echte Ehre eines Soldaten und Moralische Vorstellungen irgendwann zwischen durch voellig abhanden gekommen sein!

    Afghanistan scheitert doch nicht am Militaer, Afghanistan scheitert doch, genauso wie damals Somalia, daran, dass niemand weiss, wie eine stabiles Land aussehen soll….
    weil die vielen unterschiedlichen zivilen Forderungen …. keine Korruption, Bildung und Rechte fuer Frauen, Aufbau demokratischer Strukturen an den Aeltesten vorbei usw, die Menschen dort nicht mitnimmt….
    Originalzitat Gen Mattis (von mir geschaetzt) „Die Taliban sind die duemmsten Gegner, den man haben kann……“ soviel zum militaerischen Problem,

    es waere m.E derzeit sinnvoller, den Arabischen Fruehling vom Westen konstruktiv ZIVIL (und wo noetig Syrien auch militaerisch zu schuetzen) zu begleiten, um zu verhindern, das entweder die Reaktion (Militaer- oder andere Diktatoren) oder der Fundamentalismus (die Muslimbruederschaften) durchschlaegt, und diese dann entstehenden Gesellschaftsformen auf die bisherigen Krisenbereiche zu uebertragen….

  • klabautermann   |   27. Mai 2012 - 15:02

    @Soenke

    Es ist unendlich schwieriger, eine alte Idee aus militärischen Köpfen zu entfernen, als eine neue zu pflanzen (Liddel-Heart ?) Viel einfacher ist es, die alte Idee in neue, smarte Sprache zu kleiden. Die Reflexion der strategischen Reflexe findet nicht statt in Washington.

  • Orontes   |   27. Mai 2012 - 15:45

    @T. Wiegold
    „…wir sollten froh sein, dass Völkermord nicht mehr von den Genannten gerne als Mittel (kolonialer) Politik genutzt wird.“

    Das Gegenteil habe ich doch auch nirgendwo behauptet.

    „Und Begriffe wie verwahrloste Gelöbnisstörer, auch wenn Sie Ihrer Haltung entsprechen mögen, sind nicht das, was ich hier lesen möchte.“

    Haben Sie einen Vorschlag für eine passendere Beschreibung für Personen, die z.B. noch vor kurzem Grundwehrdienstleistende dafür, dass sie ihrer Pflicht für die Gesellschaft nachkommen und dies öffentlich geloben, als „Mörder“ bezeichnen und für Polizisten so üble Bezeichnungen verwenden, dass ich sie hier nicht widergeben möchte?

    @Sönke Marahrens
    „…das ist der Zweck heiligt die Mittel pur! Diese sogenannten Erfolge waren am Ende keinen Pfifferling wert, weil sie eben nur taktisch/operativ waren, a la die Schlacht gewonnen, den Krieg verloren…“

    Dass die eingesetzten Mittel aus dem zu erreichenden Ziel geschlussfolgert werden und man sich umgekehrt keine Ziele setzen sollte zu denen die eigenen Mittel nicht ausreichen, ist ein Grundprinzip jeder sinnvollen Strategie. Männer wie Aussaresses haben m.E. in Algerien Fehler einer Politik ausbaden müssen, die nicht strategisch dachte und dem Militär Aufgaben zuwies, die mit konventionellen bzw. in der modernen Demokratie akzeptierten Methoden nicht mehr zu erreichen waren. Nicht die Soldaten haben daher m.E. falsch gehandelt, sondern die Politik in der Zeit bis De Gaulles Rückzugsentscheidung.

    „Afghanistan scheitert doch nicht am Militaer, Afghanistan scheitert doch, genauso wie damals Somalia, daran, dass niemand weiss, wie eine stabiles Land aussehen soll….“

    Ich würde noch früher ansetzen: Afghanistan ist m.E. aus einer Mischung aus überholtem weil durch die eigene Stärke nicht mehr gedeckten Sendungsbewusstsein, daraus resultierender Selbstüberschätzung und irrationalem Universalismus (Annahme, dass die Afghanen so leben wollen wie wir und nur auf ihre „Befreiung“ gewartet haben) sowie aus Mangel an strategischem Denken (man hat nie Interessen definiert, die der Einsatz sicherstellen sollte) gescheitert.

    Man mag meinen allgemeinen Pessismus wie Herr Wiegold für „menschenverachtend“ halten, aber ich will auf dessen Grundlage doch nur für etwas mehr politische Bescheidenheit plädieren.

    „es waere m.E derzeit sinnvoller, den Arabischen Fruehling vom Westen konstruktiv ZIVIL (und wo noetig Syrien auch militaerisch zu schuetzen) zu begleiten, um zu verhindern, das entweder die Reaktion (Militaer- oder andere Diktatoren) oder der Fundamentalismus (die Muslimbruederschaften) durchschlaegt“

    Auch das übersteigt die verbliebenen Fähigkeiten des Westens. Auf das, was dort gerade passiert, hat man praktisch keinen Einfluss mehr, und das Ergebnis von Freiheit und Demokratie im Nahen Osten trägt hoffentlich dazu bei, manch westlichen Beobachter von seinen Illusionen zu befreien. Es gibt in dieser Region nicht viel zwischen den beiden von Ihnen genannten politischen Polen, und wer politisch dort agieren will, kommt mit westlichen Idealen nicht weit. Die Zeit der Militärdiktaturen scheint abgelaufen zu sein, und künftig wird man sich mit den populären Islamisten, von denen man sich jahrelang eingeredet hat dass es sich bei diesen nur um eine „winzige Minderheit“ gehandelt habe, auseinandersetzen müssen. Wer dies aus einer Perspektive nationaler Interessen tut, findet bestimmt einen Weg, sich auch mit diesen Kräften zu arrangieren.