Die Neujahrsansprache der Taliban

Nein, die Überschrift ist nicht ironisch oder abwertend gemeint. Zum heutigen Ende des Fastenmonats Ramadan, dem Eid-Fest, hat Taliban-Führer Mullah Omar eine lange Mitteilung verfasst – und sie erfüllt einen ähnlichen Zweck wie hier zu Lande die Neujahrsansprache eines Politikers: Die Gefolgschaft auf Kurs bringen.

Eine englische Übersetzung der Eid-Nachricht des Islamischen Emirats Afghanistan können Interessierte hier nachlesen. Und eine erste Einschätzung des Taliban-Kenners Ahmed Rashid hier. Kernbotschaft: Es kann Gespräche mit dem Westen – konkret heißt das vor allem: mit den Amerikanern – geben.

4 Gedanken zu „Die Neujahrsansprache der Taliban

  1. „Gefolgschaft“ ist ein seltsamer Begriff geworden, wo es um die Wulff-Merkel-Republik geht. Man sieht in sich immer den Gotenkönig und wehende Banner dazu.

  2. „Neujahrsansprache“ ist hier falsch. Nowruz, also Neujahr, wird zur Tag und Nachtgleiche im März gefeiert. Eid ul-Fitr ist am ehesten mit einem zeitlichen variabelen Ostern zu vergleichen da es das Ende der Fastenzeit besiegelt. Eid-al Adha ist dann 70 Tage später und kann daher mit Pfingsten verglichen werden.

    Zu den Versionen – die von Flashpoint ist leicht abgeändert vom Original. Jihadology, die ich in dem anderen Thread verlinkt hatte, hatte das Original. Inzwischen ist die offizielle Englisch Übersetzung der Taliban wie andere offiziellen Taliban Erklärungen, bei The Unjust Media verfügbar.

    Interessant sind n.m.E. vier Punkte an der Mullah Omar Erklärung:
    – Bereitschaft zu einer inklusiven afghanischen Regierung (kein Alleinvertretungsanspruch des afgh. Volkes durch die Taliban)
    – Die Erklärung das Verhandlungen mit den Amerikanern stattgefunden haben und legitim sind
    – Die Feststellung das die Verhandlenden physischen Bedrohungen ausgesetzt sind (Wer bedroht die warum? Ich vermute Verhandlungen mit dem U.S. Aussenministerium während das U.S. Verteidigungsministerium die Verhandlungspartner jagd. -> Typischer Washingtonkonflikt da DepState und DepDef unterschiedliche Ziele in Afghanistan haben.)
    – Die Aussage zur Sinnlosigkeit der Bonn II Veranstaltung da die USA die Teilnahme der Taliban daran ausgeschlossen haben.

  3. @b

    (Geht hier nicht um die Vergleichbarkeit der Festtage, sondern um Vergleichbarkeit einer Eid message mit einem deutschen Gegenstück. Und eine Pfingstrede hätte schon eine andere Bedeutung.)

  4. @b
    Solche öffentlichen Ansprachen sollen doch nicht interne strategische Überlegungen widergeben, sondern Einfluss auf verschiedene Zielgruppen nehmen. Daraus kann man dann vielleicht indirekte Schlussfolgerungen über die eigentliche Absicht ziehen.
    Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, wie er auf die Zielgruppe der afghanischen Unterstützer der afghanischen Regierung eingeht. Früher trat man diesen gegenüber rhetorisch wesentlich konfrontativer auf. Offenbar will man Zweifel unter Afghanen an der Durchhaltefähigkeit der Regierung dazu nutzen, potentielle Überläufer v.a. unter Paschtunen anzusprechen.

    Die erklärte Position zu Verhandlungen ist ansonsten im Kern unverändert (man erklärt Verhandlungsbereichtschaft, knüpft diese aber einen einen vorhergehenden Rückzug der NATO) und deutet darauf hin, dass man sich weiterhin als stark genug wahrnimmt, um sich auch ohne Verhandlungen durchzusetzen. Man erklärt laufend, dass die Amerikaner und die NATO kurz vor dem Zusammenbruch stehen, siehe auch hier: https://www.ansar1.info/showthread.php?t=35422
    Auch wenn die Rhetorik nicht mehr so absolut ist wie in früheren Erklärungen, würde eine propagandistische Begleitung bzw. Vorbereitung von Verhandlungen anders aussehen und z.B. erklären, dass man den Feind zu Kompromissen gezwungen habe und dieser eigenen Forderungen zugestimmt habe etc.

    Interessant ist dennoch der Satz „The contacts which have been made with some parties for the release of prisoners can’t be called as a comprehensive negotiation for the solution of the current imbroglio of the country.“ Das hört sich eher so an, als würde sich die oberste Führung von Verhandlungsversuchen nachgeordneter Führer distanzieren bzw. versuchen diese zu relativieren. Konflikte zwischen unterschiedlichen Führungsebenen der Taliban bzw. zwischen einzelnen nachgeordneten Führern und der Spitze sind aber nichts neues.

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