Angriff in Uruzgan – eine „komplexe Operation“?

In den vergangenen Wochen ist von ISAF-Verantwortlichen immer wieder die Einschätzung zu hören, die Aufständischen in Afghanistan würden sich zunehmend auf Anschläge mit Sprengfallen (Improvised Explosive Devices, IED) verlegen, weil sie zu komplexen Operationen nicht mehr wirklich in der Lage seien. Da frage ich mich natürlich, wie der heutige Angriff auf Regierungsgebäude – samt Radio/TV-Station – in der südafghanischen Provinz Uruzgan einzuordnen ist?

Nachtrag: Gerade geht eine Pressemitteilung der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) ein:

Gefechte in Tarin Kowt: GIZ-Mitarbeiter wohlauf

Bonn/Eschborn/Tarin Kowt, 28. Juli 2011. Die Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH sind während den gewaltsamen Auseinandersetzungen in der südafghanischen Provinzhauptstadt Tarin Kowt nicht zu Schaden gekommen. Alle Mitarbeiter sind wohlauf und befinden sich in Sicherheit. Eine Evakuierung ist derzeit nicht geplant. Es kam zu Sachschäden an den örtlichen Bürogebäuden.

Die GIZ ist in Uruzgan mit neun entsandten und 20 lokalen Ortskräften tätig. Diese realisieren dort Projekte im Auftrag des Auswärtigen Amts sowie der Regierungen der Niederlande und Australiens.

9 Gedanken zu „Angriff in Uruzgan – eine „komplexe Operation“?

  1. 2006 offensive reloaded?

    Da arbeitet sich jemand vom Südosten Richtung Norden, nur diesmal nicht in der Fläche, sondern mit gezielten Tötungen und Himmelfahrtkommandos auf Hochwertziele. Und das recht erfolgreich.

  2. http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-07/afghanistan-truppen-abzug
    ….reloaded

    Wenn man aus politischen Gründen abziehen muß, dann muß man die Sicherheitslage gerade mit Blick auf die Gegnerfähigkeiten ‚hinlänglich sicher‘ reden und schreiben….am besten natürlich mit 4-Sterne-Expertise.
    Das bietet dann dem Gegner die Möglichkeit, schwerpunktsetzungsmäßig und relativ trivial (=Gegenteil von komplex ;-)) in das entstehende gap zwischen perceived truth und ground truth zu stoßen, insbesondere weil auch die ’sich im Stich gelassen‘ fühlenden nationalen Sicherheitsstrukturen sich entscheiden müssen in Sachen Überleben.
    Das sich nun bereits abzeichnende Schema ist uralt….

  3. Die Angaben von BetteDam wage ich ja zu bezweifeln, da gab es das ein oder andere größere Gefecht, so z. B. im Mai 06 oder im September und Oktober 08. Mai 06 sogar auch in Tarin Kowt, zumindest im Distrikt. Oder auch das sog. Battle of Chora: http://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Chora

    Letzter Stand war 17 Tote, Aufteilung nicht bekannt.

  4. Wenn ISAF sagt dass die Aufständischen nicht mehr zu komplexen Operationen in der Lage sind dann folgt nach militärischen Regeln daraus das es keine komplexe Operation gewesen sein kann.

    Laut Xinhua 25 Tote, 6 davon Taliban, und 35 Verletzte darunter 10 Kinder und zwei Frauen.

  5. Nicht sicher was eine „komplexe Operation“ ist, eine complex attack ist auf jeden Fall „Any engagement involving a combination of weapon deployment systems, such as direct fire following an IED attack or a direct attack following a mortar attack.“
    (http://csis.org/files/publication/110617_AfghanMetrics.pdf)
    Ob das in Uruzgan der Fall war, oder ob es sich nur um den Einsatz von mehreren PBIEDs gleichzeitig handelte wird sich wohl erst noch herausstellen.

    Und es wurde von ISAF Seiten auch nie die Behauptung aufgestellt, die INS haette die Faehigkeit zu komplexen Angriffen vollstaendig verloren; complex attacks sind jedoch signifikant zurueckgegangen. Die entsprechenden Daten bis 2011 hinein finden sich auf: http://www.economist.com/node/18681871

  6. Der Angriff passt doch in das „Angriffe auf Hochwertziele“-Schema. Zurzeit scheint man sich da verstärkt auf medienwirksame Angriffe zu verlegen. Siehe die Angriffe auf Regierungsvertreter bzw. -einrichtungen. Meistens dann eher mit mehr Aufwand.

    Gerade auch beim BW-Feed gelesen:
    – bei Pol-E-Khomri wurde eine deutsche Patrouille beschossen (nachdem dort ein ANP-Posten angegriffen wurde)
    – in Hazrat-e Sultan hat sich ein Soldat selbst in den Fuß geschossen

  7. @Sun Tsu – das einzige „Verdächtige“ was die zwei da bei sich hatten war wohl die erste elektronische Ausgabe des Magazins „Inspire“ mit einer dummen Anleitung zum Bau von Knallkörpern und einem Aufsatz von Anwar al-Awlaki.

    Ich habe alle sechs Ausgaben von „Inspire“ auf meinem Laptop. Für Interessierte: Die gibt es zum Beispiel bei Public Intelligence zum herunterladen.

    Gehöre ich jetzt zum „gezüchteten islamistischer Nachwuchs?“

    Wenn man allein aus dem Besitz solcher Schriften ein kriminelles Vergehen machen will dann muss die Polizei als erstes ihre eigenen „Terrorfahnder“ festnehmen, dann jede Menge Forscher zu dem Thema und dann viele Tausende die sich gerne selbst ein Bild machen statt solchen Unsinn in der Springerpresse zu lesen.

  8. „Wenn man allein aus dem Besitz solcher Schriften ein kriminelles Vergehen machen will dann muss die Polizei als erstes ihre eigenen “Terrorfahnder” festnehmen“

    Machen Sie sich doch bitte, bitte nicht so lächerlich.

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