16 Gedanken zu „Lesen!

  1. Der Artikel ist gut, im Gegensatz zu seinen Kommentaren darunter. Aber das lässt sich wohl nicht vermeiden. Ich bin Frau Meyer dennoch sehr dankbar dafür!

  2. Gelesen. Aber: Menetekel u pharsim.
    Ja, ich fühle mit den Familien wie auch mit denen die mit PTSS an ihren Erlebnissen leiden und denen, die fürs Leben anders gezeichnet zurück kommen. Allerdings habe ich die Struck’sche Maxime von der Freiheit und dem Hindukusch nie geteilt. Berufsstreitkräfte (die wir schon vor 20 Jahren hätten einführen sollen) können vom Parlament noch viel mehr als politisches Instrument eingesetzt werden. Wer mitmacht, so wie ich vor einigen Jahrzehnten, weiß dann, worauf er sich einlässt., Sie sind aber, anders als etwa in den USA, wegen unserer spezifischen Geschichte noch lange keine „Volks“armee, mit der sich viele oder gar alle solidarisch fühlen müssten. Kritische Distanz, auch zum Parlament und seinen Entscheidungen und damit auch zur BW, gehört zum Wesen unserer Demokratie. Die wird am Hindukusch nicht bedroht.

  3. In der repräsentativen Demokratie tragen eigentlich die Abgeordneten des Bundestages die direkte Verantwortung für den Einsatz. Spricht man mit einigen von ihnen, so stellt man rasch fest, dass nähere Kenntnis oder auch nur Interesse an den Einsätzen auch im Verteidigungsausschuss eher Sache einer kleinen Minderheit ist. Ihr Verständnis der Lage vor Ort beruht meist auf den Meinungen und fachfremden Darstellungen der Aktivisten in den Redaktionen von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ etc. Entscheidungen trifft aber ohnehin nicht mehr der einzelne Abgeordnete, der in der Regel nur noch Vorgaben umsetzt, die Ergebnis sehr intransparenter Abläufe sind. Wo es noch Strategie gibt, findet diese auch bzgl. Afghanistan eher mit Schwerpunkt im Bereich PR statt.

    „Verantwortung“ im eigentlichen Sinne sehe ich nirgendswo mehr. Selbst die Regierung will diese ja nicht mehr übernehmen und beruft sich zunehmend auf Wieselwörter wie „internationale Verpflichtungen“, die alles und nichts bedeuten können. Minister de Maiziere hat ja jüngst einen weiteren Schritt vollzogen, um Verantwortung im Sinne der Bindung der Politik an nationale Interessen weiter aufzulösen.

    Dieses System gleicht m.E. immer mehr einem steuerlosen Öltanker und hat weitgehend verselbstständigt. Ob und warum die Bundeswehr in irgendwelche Einsätze geht, scheint größtenteils dem Zufall überlassen zu sein. Einen politischen Sinn kann ich daher im Tod der Kameraden daher nicht mehr entdecken. Mich erfüllt mit Trauer, dass einige der Besten unserer Gesellschaft ihr Leben für nichts opfern bzw. für einen blind gewordenen Apparat, der solche Opfer nicht mehr verdient.

  4. @Orontes: Der Sinn des Einsatzes bemisst sich nicht am Schicksal des Einzelnen, sondern folgt der Logik kollektiver Akteure, in der einzelne auch immer systematisch zerrieben werden. Ich heiße das nicht gut, im Gegenteil. Worauf die Politik aber nicht vorbereitet ist, ist das in einer vernetzten Mediengesellschaft, die „Reibungsverluste“ publik werden. Insofern ist die systematische PR des Schönredens und Verschweigens folgerichtig, kann sie doch in einer weitestgehend desinteressierten Gesellschaft, die öffentliche Debatte maßgeblich prägen. Auch, weil sich das kleine Häuflein Interessierter gerne mal fundamental auseinandersetzt. Divide et impera.

  5. @Sascha Stoltenow
    „Insofern ist die systematische PR des Schönredens und Verschweigens folgerichtig, kann sie doch in einer weitestgehend desinteressierten Gesellschaft, die öffentliche Debatte maßgeblich prägen.“

    Wie kann eine desinteressierte demokratische Gesellschaft mit einer „folgerichtig“ auch sich selbst gegenüber unehrlichen politischen Führung (deren beratende Organe ebenso folgerichtig Informationen kräftig filtern, damit sie die Entscheidungsträger nicht zusehr verstimmen) erfolgreich Krieg führen?

  6. Schöner u selbstkritischer Artikel. Welcher normale Bürger möchte denn dafür verantwortlich sein Soldaten in den Tot zu schicken? Wer möchte denn die politischen Spielchen der Welt? Wer aber ist denn bereit sich von seiner ja doch bequemen Welt zu lösen u die richtigen Fragen an die Politik zu stellen? Da können wir nur Kommentare schreiben und “die unterstützen“, die das ausbaden was die Politik in Jahrzehnten im Namen des Volkes falsch gemacht haben. Unsere Soldaten! Auch wenn keiner von uns persönlich. Wir sind alle ein Teil des Ganzen. Also, sollten wir unseren Männern u Frauen in Uniform auch den Rücken stärken!!

  7. Pfft! Wir haben da unten schlichtweg NICHTS verloren. Und wenn sich Frau Meyer dazu veranlasst fühlt, von strategischen Unwägbarkeiten zu reden, dann sollte sie evtl. auch mal darüber nachdenken, was für diese Unwägbarkeiten ursächlich ist.
    Und Herr de Maizière hat sehr wohl deutlich gemacht, wohin die Reise gehen soll. Nämlich dorthin, wo wirtschaftliche Interessen mit Militärgewalt durchgesetzt werden sollen – ein Satz für den BP a.D. Köhler seinerzeit seinen Hut nehmen musste.

    Ich frage mich, wie man so kurzsichtig sein kann und keine Ursachen-Wirkung-Analyse vollziehen kann. Der „Krieg gegen den Terror“ hat nichts anderes bewirkt, als Tod und Leid unter die dortige Bevölkerung zu bringen und den Terroristen* nur mehr Zulauf zu verschaffen. Ich empfehle, sich als Gegengewicht zu Frau Meyers Kommentar, noch einmal Georg Schramms Trauerrede in seiner Rolle als OTL Sanftleben zu Gemüte zu führen (Neues aus der Anstalt).

    *Früher hießen Menschen, die ihr Land gegen Invasoren verteidigten noch Partisanen.

    Herzlichst, Olt d.R.

  8. Der Artikel von Frau Meyer ist ja nur peinlich.

    Weil ich in der Bundestagswahl meine Stimme abgebe bin ich verantwortlich für den Einsatz in Afghanistan?

    So ein Blödsinn. Das steht selbst im Grundgesetz anders.

    Und dann „vor dem Fernsehschirm“ seine „Trauer ausdrücken“?

    Die Frau spinnt doch.

  9. Allen Deutschen mit Pathos eine Verantwortung zu unterschieben, die ganz konkret bei einer Gruppe von Entscheidungsträger liegt, halte ich für kontraproduktiv. Wenn alle verantwortlich sind, ist es letztlich niemand.

    Auch halte ich „Mitgefühl“ für letztlich irrelevant, weil es ins Leere geht. Kein Problem wird dadurch gelöst, dass sich jemand mit dem Vorsatz zur Traurigkeit vor den Fernseher setzt.

    Anstatt einer weiteren Verkäßmannisierung der Diskussion würde ich mir wünschen, was die Berufsempathiker „kalt kalkulierende Interessenpolitik“ nennen: Eine saubere strategische Analyse deutscher Interessen in Afghanistan durch die Entscheidungsträger und die Schlußfolgerung relevanter Maßnahmen, ganz ohne Gefühlskitsch und sonstiges Theater.

  10. Denoch bin ich Frau Meyer dankbar für den Artikel.

    Hier sprechen doch viele Leute von Dingen, die sie in Gänze selbst noch nicht erfasst haben. Wer einmal selbst in solchen Reihen am Rand der Feldlagerstrasse stand oder gar hindurchschreiten musste, der kann nachvollziehen, was sie auszudrücken versucht.
    Eine rein „technische“ Debatte, wie sie hier im Großteil geführt wird, erfasst nicht im Ansatz das Gesamtproblem.

  11. @Vodoo
    „Wer einmal selbst in solchen Reihen am Rand der Feldlagerstrasse stand oder gar hindurchschreiten musste, der kann nachvollziehen, was sie auszudrücken versucht.“

    Es ist leider beim Versuch geblieben.

    Ich kenne in diesem Zusammenhang ganz andere Emotionen. Mir wurde bewusst, an einer absoluten Sache teilzuhaben, bei der es nicht um leere Worte oder Floskeln geht, sondern um Grundfragen der Existenz. Mit dieser Sache meine ich nicht austauschbare politische Anliegen, sondern den Krieg als solchen. Da gab es offenbar jemanden, dem seine Sache so wichtig ist, dass er mich und andere dafür zu töten bereit ist. Keine salbungsvollen Worte konnten das in diesem Moment aus der Welt schaffen. Ich hatte das Gefühl, einer größeren Wahrheit ein Stück weit näher zu sein; einer Wahrheit, die die Bundeswehr und unsere Gesellschaft den Menschen verschweigt und vermutlich auch gegenüber sich selbst leugnet.

    Mir wurde klar, an einem Ort zu sein, an dem die Halbheit und die fromme Lüge keinen Bestand haben. Ich war weder traurig noch betroffen, sondern fühlte mich frei. Trauer und Mitgefühl kamen später, aber nur wegen der Angehörigen. Was die Kameraden anging, spürte ich in mir am Anfang nur Respekt (so intensiv, dass ich weinen musste, was anderen vielleicht auch so ging und von Beobachtern als Trauer missverstanden wurde), weil sie in der absoluten Sache, die ich nur erahnte, vollständig aufgegangen waren. Ich kenne andere, die sich insgeheim wünschten, ihr Leben nicht alt und krank auf einem Sterbebett zu beenden, sondern auf dem Höhepunkt ihres Lebens mit einem Akt vollkommener Tapferkeit. Wiederum andere begannen eine vorläufig stille Heldenverehrung, damit das Gedenken an die Gefallenen und ihre Tapferkeit nicht vergessen wird. So entsteht übrigens Tradition, und nicht per Dekret.

    Die gutgemeinte Traurigkeit vor dem heimischen Fernseher kommt mir demgegenüber all dem bedeutungslos und irgendwie arm vor. Aber etwas anderes würde eine deutsche Zeitung wohl auch nicht abdrucken.

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