Tiefe statt Breite – Der Diskussionsthread

Die Diskussion über meine Rezension des Buches Damit der Staat den Menschen dient von Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist, ein bisschen vom eigentlichen Thema wegführend, hier im Blog zu einer Diskussion über (militärische) Führungsstrukturen geworden – bis hin zu der Insider-Frage, ob Crew Ressource Management (CRM) auch beim Heer anwendbar ist… und zu Vorschlägen für dazu passende Fachliteratur.

Um mal beiden Seiten gerecht zu werden – denjenigen, die über das Buch und den Verteidigungsminister reden wollen, und denjenigen, die über die Führungsstrukturen debattieren wollen – mache ich mal diesen Diskussions-Thread auf (und verschiebe die entsprechenden Kommentare unter der Buchbesprechung hierher).

(Foto: Befehlsausgabe der Quick Reaction Force im Camp Marmal, Afghanistan, Januar 2010 – Timo Vogt/Randbild)

104 Gedanken zu „Tiefe statt Breite – Der Diskussionsthread

  1. @Georg

    so ist es: „Eine Organisation, die das Wissen und die Kompentenz ihrer eigenen Angehörigen bewusst ignoriert, ist zum Untergang verurteilt.“

    …und deswegen ist „W.d..D“ einerseits, „Ich war’s“ oder „Team Luftwaffe“ andererseits und Tdm’s Märchenbuch über old governance Mythen off-sides eine einzige StratCom – Katastrophe, die an Ignoranz und Inkompetenz nicht mehr zu überbieten ist – wie ich an anderer Stelle schon mal geschrieben habe

  2. @ BausC

    Mag sein, dass CRM oder MRM „alter Wein in neuen Schläuchen“ ist, aber offensichtlich ist es notwendig um menschliche Fehler zu reduzieren.

    Zitat: „Letztlich kann man auch wieder, genau so, den Schuldigen festnageln. Da hat eben einer unter Stress arbeiten müssen oder das Team war nicht gut aufgestellt etc
    Zitat:“
    Meiner Meinung geht dies eben nicht so. Wenn ich weiß, das Menschen nach 24 Std ohne Schlaf eine Reaktionsfähigkeit wie mit einem Alkoholgehalt von 0,8 Promille haben, dann darf ich sie eben nicht in diesem Zustand zur Instandsetzung am Flugzeug einteilen.

    Zitat: „Wir neigen dazu, für das letzte Prozent Sicherheit, unverhältnismäßig viel aufzuwenden. Natürlich kann man immer sagen, für ein Menschenleben ist nichts zu teuer. Wenn das die Lösung ist, hätten wir in allen gesellschaftlichen Bereichen einen Lähmungszustand erreicht. Denn besser ich mache nichts denn dann komme ich mit dem Leben davon.“

    Nein, mit einem Bewusstmachen für die Ursachen von Katastrophen in einem breiten Umfeld, kann man zukünftige Fehler eventuell vermeiden. Ein Beispiel :

    Am 21.12.2002 stürzte im Großraum Kabul ein deutscher Hubschrauber CH-53 GS ab. Die siebenköpfige Besatzung kam dabei zu Tode.

    Nach einer langwierigen Untersuchung, wurde als letztendliche Ursache eine gebrochene Mutter ermittelt. Diese sicherte einen Bolzen an der Hauptgetriebewelle. Nach dem Bruch löste sich der Bolzen und die Hauptgetriebewelle durchschlug die Steuerstangen und brachte den Hubschrauber zum Absturz.
    Bei der metallurgischen Untersuchung der gebrochenen Mutter stellte sich heraus, dass der Stahl aufgrund einer sogenannten Wasserstoffversprödung brüchig geworden war. Der Grund für diese Versprödung war eine zu lange Lagerung der Mutter bei der Reinigung, Instandsetzung in einem Bad mit dem Reinigungsmittel Trichlorethylen, kurz „TRI“ genannt. Alles was der Mechaniker hätte tun müssen, wäre gewesen, die Mutter nach der Reinigung sofort aus dem Bad zu nehmen. Man kann es aber auch noch weiterausführen. Vielleicht waren diese Muttern als Ersatzteil knapp. Bei einer großzügigen Ersatzteil-Bevorratung wären auch Ersatzmuttern vorhanden gewesen. Diesen Umstand kenne ich nicht, dies ist nur eine Hypothese von mir. Also wenn die Organisation Ersatzteile großzüger bevorratet hätte, oder es Stand der Wartungsvorschriften gewesen wäre, grundsätzlich neue Muttern nach der Wartung zu nehmen, wäre die Katastrophe vermeidbar gewesen.

    Zitat:“ Auf die Fliegerei übertragen kann man feststellen, dass gefährlichste am Fliegen ist der Weg zum Flugzeug.“

    Dies ist die Beruhigungspille der fliegenden Besatzungen. Nicht jeder Flugzwischenfall führt gleich zu einer Katastrophe, aber die Gefährdungslage in einem Flugzeug, insbesondere in einem Kampfflugzeug ist schon höher als im Strassenverkehr.
    Jeder 16. deutsche Starfighterpilot kam im Rahmen seiner fliegerischen Laufbahn ums Leben, bzw. hatte einen Absturz.

  3. @Georg

    Super Beispiel: deswegen ist echtes Strategic Company Ressource Management in „Mangel-bzw. Systhemstresszeiten“ wie gegenwärtig bei der BW so unglaublich wichtig.
    Change Management kennt ja als zentrales Mittel die „Zielvereinbahrung“. Dieselbige muß aber konkret, aktuell und nachvollziehbar sein für das „team“ und darf nicht aus Phrasen, Slogans und Worthülsen bestehen wie „Breite vor Tiefe“, „Wir.dienen.Deutschland“, „Mein Vater war Soldat, also weiß ich alles über Soldaten“ blablabla

  4. @NMWC

    Rummms, da haben sie es mir aber nochmal ordentlich gegeben…..

    Es grüßt sie der „unwürdige“, „selbsternannte“, „eingeschnappte“ CRM-Moderator ohne „Grundqualifikationen“. Der sich mit „selbsterwählten Titel schmückt“, mit verbalen „Allgemeinplätzen“ umgibt und die Erklärungsarbeit „elegant“ anderen „überlässt“.

    Im Gegensatz zu ihnen, erwarte ich von ihnen übrigens nichts.

    P.S.: Hätte ich mal lieber nicht mehr rein geguckt. Obwohl, mit ein bisschen Humor gehts.

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