Piraten machen Sonderangebote

Der Markt wird’s schon richten, das haben auch Somalias Piraten gelernt: Weil sie derzeit zu viele gekaperte Handelsschiffe in ihrer Gewalt haben, lassen sie sich jetzt auf Nachlässe beim Lösegeld ein. Somali pirates cut ransoms to clear hijacked ships, berichtet Reuters aus Mogadischu. So eine Art Schlussverkauf, damit im Lager wieder Platz ist.

Das ganze hat schon länger die Züge Organisierter Kriminalität, und die Piraten brüsten sich jetzt auch damit: We want to free ships within a short period of time instead of keeping them for a long time and incurring more expenses in guarding them. We have to free them at a lower ransom so that we can hijack more ships.

Ein Ende dieses Wahnsinns scheint übrigens nicht absehbar.

Vorwürfe gegen „Gorch-Fock“-Kapitän „nicht haltbar“ (Update)

Es ist faktisch die Rehabilitierung des Gorch-Fock-Kapitäns Norbert Schatz, die die Untersuchungskommission der Deutschen Marine als ihr Ergebnis verkündet. Unter dem Kommando des Amtchefs des Marineamtes, Horst-Dieter Kolletschke, war die Kommission den Vorwürfen zu den Vorfällen an Bord des Segelschulschiffes nachgegangen – von schikanöser Behandlung der Offizieranwärter an Bord bis zu sexueller Nötigung. Die Vorwürfe seien, so heisst es in dem 98 Seiten starken Papier, zum großen Teil  nicht haltbar. Und wo sie doch berechtigt gewesen seien, seien sie übertrieben gewesen: Soweit Vorwürfe in Teilen bestätigt werden konnten, besaßen diese hingegen bei Weitem nicht die Qualität, die ihnen ursprünglich beigemessen worden ist.

(Der Bericht liegt mir jetzt vor; allerdings werde ich aus Gründen des Quellenschutzes nicht daraus zitieren. Zitate entnehme ich dem Bericht der Kollegen von der Financial Times Deutschland – die hatten auch das Kommissionsergebnis als erste und zuerst darüber berichtet: Ermittler nehmen „Gorch Fock“-Kapitän in Schutz)

Detailliert haben die Marine-Ermittler die verschiedenen Äußerungen gegeneinander gestellt – sowohl die Vorwürfe aus der Offizieranwärter-Crew als auch die Gegenäußerungen aus der Stammbesatzung. In ihrer zusammenfassenden Bewertung kommen sie zu dem Ergebnis, dass es an Bord eines Schiffes und erst recht unter den Einschränkungen an Bord eines Segelschiffes zu Spannungen und Problemen kommt (was auch gewollt sei, um den künftigen Offizieren der Marine die Grenzen der Belastbarkeit aufzuzeigen). Normalerweise würden sich diese Spannungen und Probleme durch die gemeinsame Fahrt- und Segelzeit abbauen. Doch bei dem Törn, der Auslöser der Vorwürfe war, passierte gerade zu Beginn der tödliche Unfall der Offizieranwärterin Sarah Lena Seele. Und dadurch seien die negativen Eindrücke der ersten Tage nicht nur nicht abgebaut worden – sondern im Gegenteil noch verstärkt.

Schieflage: Die Gorch Fock vor Kap Hoorn (Foto: (Foto: Yvonne Knoll/PIZ Marine)

Allerdings, auch zu dem Ergebnis kommt die Kommission, seien die wesentlichen Vorwürfe nur Einzeläußerungen gewesen und nicht von der ganzen Crew geteilt worden. Das könnte, so vermuten sie, auch eine Erklärung für einige Schilderungen sein, die sich im Lauf der Untersuchung als nicht zutreffend heraus gestellt hätten. weiterlesen