Nah dran: Russischer U-Boot-Jäger in Sichtweite von britischem Träger
Die Fotos, die die Royal Navy veröffentlicht hat, sind schon… beeindruckend: Ein russischer Seefernaufklärer, ausgerüstet für die U-Boot-Jagd, hat sich vor Norwegen auf Sichtweite dem britischen Flugzeugträger Prince of Wales genähert – und dann auch noch Sonarbojen abgeworfen. Die Briten starteten F-35-Jets von Bord des Trägers, um die russische Maschine abzufangen.
Die Fotos des Vorfalls am vergangenen Donnerstag (2. Juli) veröffentlichten die britischen Streitkräfte am (heutigen) Montag, offensichtlich aus Anlass des Besuches des neuen britischen Verteidigungsministers Dan Jarvis und der isländischen Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir auf dem Flugzeugträger. Beide Politiker wollten demonstrativ darauf hinweisen, wie die Aktivitäten der NATO im hohen Norden aussehen.
Eines der veröffentlichten Bilder (s. oben) zeigt die russische Tupolew Tu-142, NATO-Codename Bear, beim Abwurf einer Sonarboje. Von der Royal Navy als Erläuterung:
Royal Navy F-35B fighters of UK Carrier Strike Group launched from HMS Prince of Wales to intercept a Russian Tupolev Tu-142 maritime reconnaissance and anti-submarine warfare (ASW) aircraft, NATO name ‚Bear‘. The 809NAS pilots launched F-35B fighters to intercept the Russian long-range maritime patrol bomber on the afternoon of the 2 July as it transited close to the Strike Group, north west of Norway in the Norwegian Sea.
Image shows a Sonobuoy being deployed from the Russian Aircraft by parachute. When it hits the water it deploys an underwater microphone which listens for propeller and engine sounds. This information is then relayed back to the Aircraft.
Ein anderes Foto macht deutlich, wie nahe die russische Maschine dem Träger kam – sie war von Bord deutlich zu erkennen:
Die Frage, die sich für mich stellt: hätte ein Trägerverband der U.S. Navy eine russische Maschine so nah herankommen lassen?
(Fotos: 02 Jul 2026 – F-35B fighters launching from HMS Prince of Wales to intercept a Russian military aircraft – Royal Navy/UK MOD/Crown Copyright/News / Editorial Licence)

Ich denke mal auch die USN hätten die Tu-142 herankommen lassen müssen. Wenn sie einfach weiterfliegt bliebe nur der Beschuss, mit schwer zu überschauenden Konsequenzen. Immerhin fand das ganze in internationalen Gewässern stand und eine Sonarboje ist in der Form keine Angriffswaffe. Es zeugt allerdings nicht gerade von rspektvollem Verhalten und lässt Böses für die Zukunft erahnen.
Ich wußte gar nicht daß die noch Bear Foxtrot im Einsatz haben. Ich dachte nur noch Il-38
Naja, das ganze folgt dem einfachen Plan Informationen (Frequenzen, Zeiten, Verfahren, Geräusche, etc.) zu sammeln und gleichzeitig zu provozieren.
Irgendwann wird es nicht mehr bei einem „Near Miss“ bleiben. Hoffen wir, dass dann alle sehr besonnen reagieren.
Die Bear wurde garantiert bereits dutzende bis hunderte Kilometer vor dem Träger angefangen und eskortiert.
So wie bereits im ersten kalten Krieg geschehen.
Damals (1986) gab es sogar mal einen fatalen crash einer Bear direkt bei einem Träger (ich hoffe, der Link ist erlaubt)
https://theaviationist.com/2016/04/14/that-time-a-tu-16-crashed-into-the-sea-after-buzzing-a-u-s-aircraft-carrier/
In Internationalen Gewässern darf die Bear prinzipiell hinfliegen wohin sie will… Allerdings nur mit Transponder Signal! Und IATA bekannter Flug Route !
Alles auf dem Radar, ohne Transponder, ohne NATO IFF und mit Militär Maschinen Reflexion und Verhalten positiv, ist grundsätzlich rot = feindlich. (Neutral gibt es in Atlantik, Nord und Ostsee seit dem NATO Beitritt Finnland und Schweden nicht mehr)
Wenn die US Navy ein unbekanntes IFF negativ Flugzeug (das NICHT bereits hunderte Seemeilen vorher entdeckt und angefangen und eskortiert wurde)und dass sich nsh auf Kollision kurs mit dem Träger befindet, entdeckt, wird es garantiert ohne weitere Warnung von Long range Standard SM-6 von F-18/F-35 oder SM-6 von Zerstörern eliniminiert.
Das wissen (hoffentlich) auch die Ruzzen und lassen sich rechtzeitig entdecken und eskortieren, wenn sie nicht Selbstmord begehen wollen.
Aber bei den Orks weiß man ja nie…
Also da wir (NATO) das Gleiche auch regelmäßig machen können die Mitkommentatoren welche schon den Säbel gezogen haben selbigen beruhigt wieder wegstecken. Das Ganze fällt unter Aufklärung und klar geht die russische Seite davon aus das bei einem Trägerverband sich wertvolle Daten (Akustik) sammeln lassen, nicht ungewöhnlich nicht schlimm, ruhig bleiben. Ob ein US-Verband die hätte so nah kommen lassen…gute Frage aber internationale Gewässer, internationaler Luftraum, schwierig da eine mehrere hundert Meilen große „self-defence Zone“ zu etablieren und auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Zumindest haben die ASWler jetzt genug Schraubengeräusche zu auswerten….also die in Murmansk oder Moskau.
@ Der Picard
„ wird es garantiert ohne weitere Warnung…“
Nix derartiges passiert da, siehe zB IL-38N in Kurzdistanz zu USS Carl Vinson in 2025
(z.B. https://theaviationist.com/2025/03/28/russian-il-38-buzzes-uss-carl-vinson/)
Es ist auch nicht bei Strafe verboten ohne Signal fremde Schiffe in internationalen Gewässern zu überfliegen.
Haben Nato-Streitkräfte inkl DEU Marinefliegern insb im Kalten Krieg auch gerne mal gemacht. Man testet Reaktionen/klärt auf und „flext“ etwas, wie man neudeutsch sagt.
@T.W.
„…Die Frage, die sich für mich stellt: hätte ein Trägerverband der U.S. Navy eine russische Maschine so nah herankommen lassen?“
Das ist eine gute Frage.
Früher im kalten Krieg eher nicht. Auf jeden Fall nicht in Spannungsgebieten.
Wer zuviel Top Gun gesehen hat kennt den mind. 200 Meilen-Sicherheitsradius um eine Trägergruppe. Eifrig überwacht von mitgeführten Überwachungsflugzeugen von denen immer eines in grosser Höhe in der Luft ist.
Das Hauptproblem der russischen Militärflieger ist nun die (ich nenne es mal so) Nichtbenutzung des Transponders ( Flugzeugtyp, Position, Flughöhe und Geschwindigkeit ).
Das ist insbesondere für den zivilen (Passagier-) Luftverkehr wichtig damit die Radarlotsen genau im Bilde sind die ja den zivilen Instrumentenflug staffeln müssen.
Und das ist auch immer wieder der Grund warum diese Flieger „abgefangen“ werden. Eben damit die Flugsicherung dann Transponderinfos von den Abfangflugzeugen bekommt die ja die konsequent signallosen Militärkisten begleiten.
Das hat erst mal nichts mit militärischer Bedrohung zu tun.
Eine US-Trägergruppe würde mit Sicherheit versuchen die Eindringlinge irgendwie dazu auffordern abzudrehen.
Sollte das nicht klappen kommt es auf die Befehle von ganz oben an.
Das war schon 1986 in Top Gun so:
„Don’t fire, until fired upon“
( Schießen nur wenn man selbst beschossen wird )
Das wird auch heute so sein.
Aber Befehle können sich ändern…
Apollo 11 sagt:
06.07.2026 um 22:28 Uhr
„Das ist eine gute Frage.
Früher im kalten Krieg eher nicht. Auf jeden Fall nicht in Spannungsgebieten.“
Passierte auch im Kalten Krieg oft. Spektakulär ist das Beispiel einer sowjet. TU-16, die 1968 noch viel näher als die Bear diesmal an der USS Essex vorbeigeflogen ist. Dabei ist der sowjet. Pilot praktisch bis auf Höhe des Flugdecks der Essex runtergegangen – was dazu geführt hat, dass das Flugzeug in kürzester Distanz zum US-Träger abgestürzt ist.
https://theaviationgeekclub.com/that-time-a-soviet-tu-16-crashed-into-sea-after-buzzing-uss-essex-aircraft-carrier/
Einige Kommentatoren verwechseln die echte US Navy mit der US Navy aus dem „I’m a lighthouse, your call“ Witz.
Die US Navy hat auch im kalten Krieg ziemlich zurückhaltend auf Überflüge sowjetischer Aufklärer reagiert. Und mit der heutigen Sensorik kann man viel schneller erkennen, um wen und was es sich bei anfliegenden Kontakten handelt.
Nachtrag zum Tu-16-Absturz 1968: Spannend ist, dass die sowjetische Seite damals, 1968 (!), spekulierte, dass ihr Flugzeug von den Amerikanern mittels eines unbemannten (!!) U-Jagd-Hubschraubers abgedrängt worden ist und nur deswegen ins Meer gestürzt ist.
Es gibt nichts Neues unter der Sonne, alles schon mal dagewesen …
1968 gab es den Gyrodyne QH-50 DASH (Drone Anti Submarine Helicopter).
Es war allerdings eher ein ferngesteuerter Hubschrauber, Start und Landung mußten manuell erfolgen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gyrodyne_QH-50.
Die umgebauten 2. Weltkrieg-Zerstörer der Sumner- und Gearing-Klasse waren damit ausgerüstet.
Interessanterweise war die Dornier SEAMOS-Drohne, vor Urzeiten als Drohne für die K130 geplant, eine Weiterentwicklung davon.
Zur Frage:
Niemals, der Trägerverband hätte weit vorher schon Abfangjäger gestartet und die Baer „begleitet“.
Wie die Amerikaner auf den Abwurf von Sonarbojen reagiert hätten, weiß ich nicht.
Zum Thema:
Die Russen fassen immer wieder auf die Herdplatte, bis eine irgendwann mal heiß ist…
Nachtrag:
In „Friedens“-Zeiten wird da wenig passieren. Man beobachtet sich, man meckert bei Annäherungen und Überflügen. Aber wirklichen Munitionseinsatz wird es nicht geben.
Grenzfälle sind bspw. das schwarze Meer ( Ukrainekrieg ) und bestimmte Gebiete im chinesischen Meer ( „Küstenwache“ China ).
Da existiert dann doch ein stark erhöhtes Eskalationsrisiko.
Eine Ausnahme gibt es aber schon. Wenn bspw. eine kleine zivile Cessna auf eine Trägergrupoe zufliegt und sich auch von Kampfjets direkt daneben nicht davon abbringen lassen würde, dann …
Da passen neben dem Pilot auch 500 kg Sprengstoff rein und die Agenda von mögl. Terroristen ist halt eine andere als von Militärpiloten…
Seit dem Anschlag auf die USS Cole:
https://de.wikipedia.org/wiki/Cole_(Schiff,_1996)
mit einem kleinen, zivilen Boot werden die USA in solchen Fällen aggressivere Befehle haben.
Auf hoher See spielten die Supermächte schon immer ihre Spielchen, jeder überflog jeden mal…
Und diese Abstandsglocke ist ja auch nicht in Stein gemeisselt. Bei der Durchfahrt von bspw. dem Suez-Kanal dürfen keine Flugzeuge der Trägergruppe in der Luft sein. Das funktioniert ja auch.
Diese Spielchen sind bekannt. Neu ist (für mich jedenfalls) aber das aktive Absetzen einer Sonarboje zur Ausforschung und Aufzeichnung der Maschinengeräusche anwesender Oberflächenkombattanten und ggf. mitlaufenden U-Booten unmittelbar neben dem Schiff. Wenn das schon vorher praktiziert wurde, lasse ich mich gern eines Besseren belehren, aber zumindest die NATO hat das tendenziell immer eher gemacht, indem Flottenverbände von U-Booten beschattet wurden, die eifrig gehorcht haben, damit man die Daten für die Sonarcomputer verbessern kann.
Es scheint ein bisschen, als wäre auf russischer Seite die Absicht vorhanden, dass vielleicht die NATO den ersten Schuss im nächsten großen vaterländischen Krieg abgibt, damit man gegenüber der eigenen Bevölkerung so tun kann, als sei man nicht in der Ukraine konventionell abgemeiert worden und endlich die nukleare Option ziehen kann.
Den Gefallen sollte man ihnen nicht tun. Warum auch. derartige Aktionen sagen mehr über Russland als über die NATO.
@Metallkopf 07.2026 um 8:28 Uhr
> Diese Spielchen sind bekannt. Neu ist (für mich jedenfalls) aber das aktive Absetzen einer Sonarboje zur Ausforschung und Aufzeichnung …
Lassen sich diese Sonarbojen denn nicht orten und unschädlich machen?
Man kann sie sicherlich bergen. Unschädlich zu machen ist da nichts.
Allerdings sind heutige Sonarbojen nicht mehr einfache Zylinder mit Mikrophonen drin sondern können teilweise regenschirmartig aufklappen und recht sonderbare Formen bilden, die ein Laie fast schon für Aliens unter Wasser halten könnte.
@Hänschen (klein): Klar kann man das, aber was brächte es? Bis man hingeschippert (oder geflogen) ist und dem Ding eine Wasserbombe draufgelegt oder es geborgen hat, zeichnet es ja munter weiter auf und sendet die Daten nach St. Petersburg. Man betreibt also bestenfalls Schadensbegrenzung.
Interessant könnte höchstens sein, die Boje zu bergen, um sie zu studieren und ggf. eine Störmöglichkeit zu entwickeln.