FCAS-Vorstoß: Industrie und Gewerkschaft in Deutschland wollen zwei Flugzeugmuster

Es ist formal gesehen nur eine Meinungsäußerung von interessierten Lobbygruppen – aber in der Debatte über den weiteren Weg des deutsch-französisch-spanischen Luftkampfsystems FCAS (Future Combat Air System) eine gewichtige Stimme: Gemeinsam rufen die deutsche Luftfahrtindustrie und die Gewerkschaft IG Metall dazu auf, von der bisherigen Arbeitsteilung abzugehen und dafür nicht wie bisher geplant ein, sondern zwei Flugzeugmuster als Teil des Systems zu bauen.

Ihren gemeinsamen Aufruf veröffentlichten der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und die Gewerkschaft am (heutigen) Montag:

Der Bundesverband der Deutschen Luft‑ und Raumfahrtindustrie (BDLI) und die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) befürworten, innerhalb des europäischen Luftkampfsystems FCAS (Future Combat Air System) künftig auf eine Zwei‑Flugzeuge‑Lösung zu setzen. FCAS sieht die Entwicklung einer Neuen Flugzeuggeneration, Begleitdrohnen und einer vernetzenden „Combat Cloud“ vor. Industrie und Gewerkschaft sind der Überzeugung, dass die Zwei‑Flugzeuge‑Lösung den Weg für klare Verhältnisse und Perspektiven freimacht: Damit würden nicht nur der aktuelle Dissens, sondern auch Planungsunsicherheiten beseitigt. Gerade für Deutschland eröffnen sich neue industriepolitische Chancen.

Hintergrund ist ein Stillstand der weiteren Entwicklung des Systems – denn zum einen bleiben die Forderungen, wie ein neues Kampfflugzeug als Teil des Gesamtsystems aussehen soll, zwischen den beiden Hauptbeteiligten Frankreich und Deutschland umstritten. Vor allem der franzöische Dassault-Konzern pocht da auf seine Führerschaft und hatte mehr oder weniger deutlich erklärt, das Flugzeug könne Frankreich durchaus alleine entwickeln.

Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die französischen Streitkräfte in wesentlichen Punkten andere Bedürfnisse haben: für Deutschland ist die Fähigkeit eines Kampfjets, von Flugzeugträgern zu starten und eigene Atomwaffen zu tragen, nicht entscheidend – für Frankreich dagegen schon.

Außerdem gibt es sehr unterschiedliche Ansichten über den Zeitrahmen, zu dem ein neues bemanntes Kampfflugzeug einsatzbereit sein soll. Dazu gehört aber auch, dass ein neues, leistungsfähiges Triebwerk für den Kampfjet entwickelt wird – und allein dafür gibt es auf französischer und deutscher Seite unterschiedliche Zeitvorstellungen.

Die deutsche Industrie, mit Airbus der wesentliche deutsche Anteil an FCAS, hat bislang vor allem die so genannte Combat Cloud, die Vernetzung der Waffensysteme, als Auftrag; außerdem unbemannte Systeme. Die Frage, ob ein Zusammengehen mit Frankreich und damit eine Fortführung des symbolträchtigen europäischen Rüstungsprojekts überhaupt noch funktionieren kann, hatte sich in jüngster Zeit immer drängender gestellt.

Die Entscheidung, ob FCAS noch eine Zukunft hat, können letztlich nur Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz treffen. Und sie müssen das in absehbarer Zeit tun.

(wird ggf. im Laufe des Tages ergänzt)