Streit um Grönland: Niemand hat die Absicht, die NATO infrage zu stellen
Fürs Archiv: Die Aussagen verschiedener Sprecher der Bundesregierung zum Thema Grönland – von Regierungssprecher Stefan Kornelius über BMVg-Sprecher Oberst Mitko Müller bis zum AA-Sprecher Josef Hinterseher – in der Bundespressekonferenz am (heutigen) Montag zum Nachhören. Spoiler: Kornelius‘ Aussage Ich sehe kein Mitgliedsland, dass die NATO infrage stellt habe ich gegen Ende mal hinterfragt.
Das Audio mit dem Grönland-Teil der Regierungspressekonferenz, beginnen mit einer Frage an Oberst Müller zur Erkundungsmission der Bundeswehr:
Nachtrag: Das Transkript dazu:
Frage: Herr Müller, könnten Sie mitteilen, was für Erkenntnisse die Erkundungsmission in Grönland jetzt gebracht hat?
Müller (BMVg): Über die Erkenntnisse der Erkundung kann ich natürlich nicht sprechen. Das sind natürlich militärisch relevante Informationen, die wir dort eingesammelt haben.
Vielleicht nenne ich einmal einen Punkt, der mich am Wochenende ein bisschen umgetrieben hat: In der Berichterstattung habe ich so Wörter wie „heimlich“ oder „voreilig“ gelesen. Die Erkundung ist am Wochenende planmäßig beendet worden, und das Team ist auch planmäßig zurückgereist. Wir hatten ja nicht umsonst am Mittwochabend eine Pressemitteilung herausgegeben, laut der wir die Erkundung vom 15. bis zum 17. durchführen wollten. Wir haben dann mit den dänischen Partnern und mit den anderen Partnern, die dabei waren, noch vereinbart, dass wir uns vorher in Dänemark treffen, dort im Grunde schon ein gemeinsames Get-together haben, schon etwas vorab besprechen und dann nach Grönland fliegen. Dadurch hat sich der Zeitraum im Grunde auch um einen Tag verlängert. Der Zeitraum für die Erkundung liegt damit also total im Rahmen dessen, was eine Erkundung im Grunde ausmacht.
Es gab einen Punkt, den wir nicht vor Ort erkunden konnten. Das war wetterbedingt so. Deswegen war das der einzige Punkt, der nicht planmäßig war. Deswegen dies vielleicht noch einmal zur Einordnung. Wir waren von Anfang an, fand ich, sehr transparent, was die Zeiten anging, und haben die jetzt auch eingehalten, bis auf dass der zivile Flug gestern im Grunde weggefallen ist und das Team heute nach Deutschland zurückkehren wird.
Zusatzfrage: Könnten Sie vielleicht umreißen, was man dann Sinnvolles in der Arktis tun könnte und ob die Bundeswehr jetzt auch dafür ausgerüstet ist? Sie sagten ja, man konnte eine Sache nicht erkunden.
Müller (BMVg): Na ja, ich glaube, Herr Stempfle hat am Freitag hier schon einige Punkte angerissen. Es geht ja darum, dass wir die Sicherheit in der Region ‑ also Arktis, Nordatlantik, das „geo-gap“ zwischen Grönland, Island und UK, die Meerengen; so eng sind sie ja gar nicht ‑ im Grunde besser absichern, ein Lagebild haben, aufklären und bei Bedarf im Grunde auch Möglichkeiten und Mittel vor Ort haben. Herr Stempfle hat es, glaube ich, schon angerissen: Das kann natürlich vieles sein. Das könnten seegestützte Einheiten sein, das könnten luftgestützte Einheiten sein, Aufklärungseinheiten, P8-Fernaufklärer, Fregatten. Das könnten aber auch Kräfte an Land sein, die im Grunde einfach auch für ein Lagebild sorgen. Es könnte etwas im Bereich des Air Policing sein.
Es ist jetzt Aufgabe des Erkundungsteams, aufzuschreiben, welche Rahmenbedingungen vor Ort es vorgefunden hat. Dabei geht es ja um Hafenerkundung, logistische Möglichkeiten, Tankkapazitäten und um die Frage, wie viel Sprit man pro Tag erhält, wie viele Luftfahrzeuge man pro Tag enteisen kann usw. Das sind Dinge, die man sich am besten vor Ort anschaut. Das wird jetzt aufbereitet, und dann wird da im Grunde etwas ‑ das nennt sich dann operativer Ratschlag ‑ erarbeitet, was dann die Grundlage für weitere militärische oder politische Abstimmungen ist.
Frage: Herr Müller, nun ist Grönland eine Arktisinsel. Man hat eine Erkundungsmission dorthin geschickt, die dann aber wetterbedingt nicht ausrücken konnte. Mir erscheint das erst einmal ein Widerspruch zu sein. Wenn man in dieser unwirtlichen Umgebung stationiert sein will und es dann nicht schafft, herauszugehen, dann müssten Sie einmal sagen, wie das zusammenhängt.
Der zweite Punkt, der mich interessiert: Gab es denn seitens des amerikanischen Militärs oder des Pentagons eine Kontaktaufnahme nach Deutschland, die „Jetzt lasst das einmal mit eurer kleinen Mission!“ besagt hat?
Müller (BMVg): Vielleicht zum ersten Punkt, auch, weil ich Herrn Kollegen Frage nicht bis zum Ende beantwortet habe, was Fähigkeiten der Bundeswehr angeht: Natürlich ist die Bundeswehr in vielfältigen Bereichen befähigt und ausgebildet und für Operationen in den, sage ich einmal, nördlichen Polarregionen ausgestattet. Das beginnt natürlich bei den Gebirgsjägern, die spezielle Ausbildungen gemacht haben, die zum Beispiel auch oft nach Norwegen gehen und dort eine Kälteausbildung machen. Die Hochgebirgszüge zum Beispiel sind ein gutes Thema. Darüber haben wir auch online gut etwas stehen, wenn Sie daran interessiert sind.
Die Luftfahrzeuge und Schiffe haben dort keine Einschränkungen, die andere Nationen nicht auch hätten. Alles, zum Beispiel unser A400M, ist, was die Minusgrade angeht, für die Region ausgelegt. Natürlich gibt es natürliche, rein physikalische Grenzen. Unsere Schiffe werden nach dem deutschen Marinestandard gebaut. Die sind auch befähigt, bis zu einem gewissen Eislevel zu operieren, aber natürlich sind das keine Eisbrecher. Aber dort gibt es Möglichkeiten. Die Spezialkräfte machen regelmäßig Trainings, auch in der Region. Wir haben Teileinheiten, die speziell dafür befähigt sind. Das ist im Grunde also kein Geheimnis. Das haben wir auch online bei uns stehen. Da sehe ich die Bundeswehr wie andere Nationen auch für die weltweite Operation aufgestellt. Das betrifft dann die Sahara genauso wie die Arktis.
Der andere Punkt, das Wetter, ist ein guter Punkt. Ich kenne die Flugplätze in Grönland, um die es dabei geht, noch von meiner eigenen Fliegerei, wenn wir nach Amerika geflogen sind. Dabei waren nämlich die grönländischen Flugplätze oftmals Ausweichflugplätze, wenn über dem Atlantik irgendwas passiert wäre. Es ist so: Die Region ist wettermäßig anspruchsvoll, erst recht für die Fliegerei. Wenn man in der Region auf den Flugplatz fliegen will, gibt es dort vor allen Dingen Schnee, Eis, überfrierenden Nieselregen oder „freezing fog“, wie wir es nennen. Landebahnen sind gegebenenfalls nicht anfliegbar, weil sie erst geräumt werden müssen. Seitenwindkomponenten sind in der Seeregion immer sehr beliebt. Dann fliegt da in Friedenzeiten keine Maschine hin. Das sind einfach ganz normale Bedingungen. Wenn dort die Wettervorhersage ist, dass ein Platz „red“ ist, also rot, oder sogar „black“, dann ist der in dem Moment nicht nutzbar. Das ist also nicht unbedingt abhängig davon, mit welchem Luftfahrzeug man hinfliegt. Natürlich gilt das in Teilen, je nach Anflugverfahren. Aber das sind Limitationen, die man bei einer Erkundung einfach in Kauf nehmen muss, wenn man irgendwo hinfliegen will.
Im Fall eines Konfliktes haben wir natürlich andere flugbetriebliche Möglichkeiten, und man könnte dann entsprechend die Regeln heruntersetzen. Das betrifft jetzt aber nicht unbedingt den Fall Grönland, sondern das würde in Gänze weitere Möglichkeiten schaffen, die wir hier aber in einer Erkundungsmission in einem befreundeten Land überhaupt nicht nutzen müssen.
Zu dem anderen Punkt: Mir ist nicht bekannt, dass es diesbezügliche Kontakte gab. Natürlich stehen wir mit amerikanischen Partnern auf allen Ebenen gut im Austausch. Aber ansonsten kann ich zu Ihrer Frage nichts beitragen, tut mir leid.
Frage: Herr Müller, Sie haben ja gesagt, wetterbedingt konnte eine Station nicht angeflogen werden. In Kangerlussuaq steht ja nun ein wesentlicher Flughafen in der Region, und Sie haben die Bedeutung einer Vor-Ort-Inaugenscheinnahme betont. Heißt das, da muss nachgearbeitet werden? Muss da noch einmal ein Team hin, um sich diesen Flughafen anzuschauen?
Arctic Endurance ist ja eine Übung, die bereits läuft. Die dänischen Einheiten, die mitverlegt wurden, sind ja dann dortgeblieben. Gibt es von dänischer Seite einen Erwartungshorizont, ob und wann man „Wir machen da mit“ sagt?
Müller (BMVg): Vielleicht zum ersten Punkt: Ich habe bewusst keinen Ort genannt.
Zusatz: Deswegen habe ich das ja getan! Ich buchstabiere es nachher auch gerne für das Protokoll!
Müller (BMVg): Ich kann das natürlich weder bestätigen noch dementieren.
Aber allein, vor Ort zu sein, und auch, in Nuuk zu sein, bringt ja schon einmal den Vorteil, dass man mit den Leuten vor Ort redet, mit den Leuten, die sich vor Ort mit den Plätzen auskennen, und dass man Dinge in Erfahrung bringen kann, die eben nicht in den „publications“ stehen, die den Flugbetrieb oder auch den Seebetrieb betreffen. Ich glaube, der Platz, den Sie genannt haben, liegt ja auch am Ende eines Fjordes, ist also auch per Wasserstraße erreichbar. Ich weiß nicht, ob es dort noch Nachbearbeitungsbedarf gibt. Vor Ort zu sein, heißt auch, dass man Telefonnummern ‑ solch ganz einfache Dinge ‑ von Ansprechpartner vor Ort mitbringt, die sich wirklich gut auskennen, mit denen man also auch im Nachgang noch einmal Fragen klären kann. Diese Frage, ob man da noch einmal hinmuss, kann nur das Erkundungsteam beantworten, und sie muss sicherlich im Rahmen der weiteren Abstimmung, im Rahmen der weiteren Prüfung von möglichen Optionen, die jetzt kommen, beantwortet werden. Ich glaube aber, dass allein so ein Blick ins Land hinein und die Herstellung von Kontakten vor Ort auch mit den dänischen Partnern wahrscheinlich schon so einen Erkenntnisgewinn und so viele Information mitbringt, dass man dann auch aus dem „reachback“ heraus viel machen kann.
Die zweite Sache: Wie die Beteiligung jetzt genau aussehen wird und wie man sich in bestehende laufende Übungen einpflegt ‑ dazu gab es gestern gemeinsam mit den anderen Partnern auch eine Pressemitteilung der Bundesregierung, in der Arctic Endurance ja genannt wurde ‑ oder ob das gegebenenfalls später noch einmal in ein anderes Format umklappt, wird jetzt erst die weitere Abstimmung, sowohl militärisch als auch politisch, erbringen.
Frage: Ich hätte eine Frage an Herrn Kornelius. Vielleicht können Sie uns noch einmal weiterhelfen. Es gab, wie Herr Müller gerade schon gesagt hat, am Wochenende offenbar eine Fehlinterpretation. Wozu diente diese Erkundungsmission nun? War das, wie ja viele geschrieben haben, auch ein Symbol der deutschen Bereitschaft, sich stärker in der Arktis zu engagieren, oder war es nur ein Zufall, dass diese Erkundungsmission am Mittwoch losging?
Vielleicht stelle ich noch eine Frage an Herrn Müller. Es gab ja schon Diskussionen auf NATO-Ebene darüber, eine gemeinsame Mission zu machen. Es gab, wenn man das richtig nachlesen konnte, eine, sagen wir einmal, sehr verhaltene Reaktion der USA auf diese Idee. Wird sich Deutschland weiter dafür einsetzen, dass es unter dem, wie man so schön sagt, NATO-Helm eine stärkere Präsenz in der Arktis geben wird?
Kornelius: Sie wissen, dass die Regierung in Washington in den letzten Tagen mit großem Nachdruck mehr Einfluss auf Grönland eingefordert hat. Sie hat dies mit der Sicherheit der NATO im hohen Norden begründet, zuletzt vergangene Nacht. Wir teilen die Einschätzung, dass die Sicherheit im hohen Norden für alle europäischen NATO-Partner ein wichtiges Elemente der gemeinsamen Verteidigung und Abschreckung sein wird und ist. Insofern teilen wir dieses Interesse transatlantisch. Wir engagieren uns deswegen gemeinsam mit unseren europäischen Partnern, dieses Thema zu adressieren.
Zur Erkundung hat Herr Müller, denke ich, alles gesagt. Es war der erste Schritt, dies zu dokumentieren, und es wird nicht der letzte Schritt sein.
Zusatzfrage: Noch einmal die Frage: War es ein Zufall, dass das am Mittwochabend plötzlich entschieden wurde?
Kornelius: Die Bundesregierung handelt nie zufällig.
Müller (BMVg): Ich möchte hinzufügen: Es ist eine konsequente Fortführung der Entwicklungen und Maßnahmen der letzten Monate. Wir hatten zum Beispiel im August Einsatzgruppenversorger auf Grönland. Wir hatten verschiedene Vorhaben im hohen Norden, etwa das Flugkörperschießen im Rahmen von Andøya. Wir hatten verschiedene andere Übungen in der Region. Der Minister war, meine ich, im Oktober in der Region, Stichwort „maritime Sicherheitspartnerschaft“. Dass wir uns in der Region stärker engagieren wollen, hat sich wie ein roter Faden durch das Jahr 2025 gezogen und mündet jetzt in diese weitere Maßnahme.
Frage: Herr Müller, wäre es eine Option, die Übung Cold Response von Nordnorwegen nach Grönland zu verlegen?
Müller (BMVg): Über einzelne Möglichkeiten möchte ich nicht spekulieren. Cold Response ist eine sehr wichtige Übung. Sie bietet seit vielen Jahren die Möglichkeit, dass unsere Luftfahrzeugbesatzungen, aber auch unsere Heereskräfte im Speziellen in der Kaltwetterregion geschult und ausgebildet werden und sich dort weiterentwickeln, sich austauschen und, übertrieben gesagt, Interoperabilität auch im Eis herstellen.
Ob es eine Möglichkeit wäre, das zu verknüpfen, müssten andere entscheiden. Dann geht es sicherlich auch um die gleiche Frage, wie es jetzt weitergeht. Die Erkundung jetzt war unter dänischer Führung mit uns erst einmal als Grundlage für dänisch geführte Maßnahmen. Die Frage, inwiefern das gegebenenfalls umklappt und weiter ausgebaut werden kann und inwiefern dann andere Übungen einfließen, wird Teil der weiteren Abstimmung sein.
Zusatzfrage: Herr Kornelius, diese Woche finden die deutsch-italienischen Regierungskonsultationen statt. Wird das Thema, inwieweit Italien sich an diesen Übungen beteiligt, dort angesprochen werden?
Kornelius: Es liegt natürlich im Ermessen der italienischen Regierung, inwieweit sie sich beteiligt. Die sieben europäischen Staaten, die jetzt die Solidarität mit Dänemark gezeigt haben, sind natürlich für jede weitere Teilnahme offen. Aber das liegt am Ende im italienischen Ermessen. Insgesamt wird das Thema, weil es europäische Sicherheit betrifft, selbstverständlich auch Gegenstand der Gespräche sein.
Frage: Herr Hinterseher, ich habe eine Frage zur Reise des Außenministers in der vergangenen Woche. Er hat sehr lange mit seinem amerikanischen Amtskollegen gesprochen. Da war unter anderem schon angesprochen, auch von Herrn Wadephul, dass man gemeinsam mit den USA solch eine NATO-Mission machen könnte.
Ist in dem Gespräch mit Rubio damals auch schon als Option genannt worden, dass man erst einmal diese sehr kurzfristig zusammengestellte Mission machen könnte? Denn in der Tat scheint es ja eine Art Misskommunikation mit den Amerikanern gegeben zu haben, die das eher als Provokation denn als gemeinsame Mission wahrgenommen haben. War das damals Thema?
Hinterseher (AA): Ich denke, der Außenminister hat dazu in Washington bei der Reise mehrfach Stellung genommen. Sie wissen, dass das übergeordnete Interesse, das wir in der NATO und mit den Bündnispartnern besprechen wollen, die arktische Sicherheit ist. Diesbezüglich gibt es ein gemeinsames Interesse und auch eine Lage mit neuen und alten Rivalitäten. Sie wurde adressiert. Das hat der Minister auch gesagt. Aber ansonsten würde ich es gern so halten, wie wir es bei vertraulichen Gesprächen auch sonst handhaben, und mich hier nicht zu Einzelinhalten verhalten.
Frage: Herr Kornelius, Herr Costa hat für diese Woche einen Sondergipfel zu Grönland angekündigt. Möglicher Termin: Donnerstag. ‑ Wird der Kanzler dorthin reisen ‑ ich nehme es an ‑, und wird eine solche NATO- oder EU-Mission für Grönland dort eine Rolle spielen?
Kornelius: Der Bundeskanzler wird selbstverständlich an einer Sondersitzung des Europäischen Rates teilnehmen. Sie ist noch nicht final terminiert, aber das befindet sich momentan in der letzten Abstimmung. Das Thema insgesamt steht auf der Tagesordnung. Die Form der Mission oder der militärischen Unterstützung Dänemarks oder insgesamt der Stärkung des Bündnisbeitrages für den hohen Norden wird permanent auch im Bündnis diskutiert. Das ist kein allein europäisches Thema. Das ist ein transatlantisches Bündnis. Insofern hat der amerikanische Präsident eine inhaltlich valide Thematik angesprochen, die wir aufnehmen und im Bündnisrahmen beantworten.
Zusatzfrage: Wird das Thema Grönlands und auch der NATO-Mission bei einem möglichen Treffen des Kanzlers mit dem US-Präsidenten beim WEF in Davos eine Rolle spielen?
Kornelius: Sie können davon ausgehen, dass die beiden, wenn sie sich treffen, alle aktuellen Themen ansprechen werden, ja.
Zusatzfrage: Ist dafür schon ein Termin verifiziert?
Kornelius: Nein.
Frage: Es gab jetzt ein Jahr lang den Versuch, Herrn Trump irgendwie einzuhegen, indem man ihn gelobt und sich Kritik verkniffen hat. Deswegen die etwas größere Frage an Herrn Kornelius: Ist diese Strategie gescheitert? Muss sich Europa vielleicht eine neue Strategie zurechtlegen?
Kornelius: Das ist eine sehr kommentierende Frage, die ich hier gar nicht beantworten kann. Ich denke, dass wir einen permanenten, sehr direkten und auch auf Verständnis und Ausgleich setzenden Austausch mit den USA haben, sowohl im Bündnisrahmen als auch in verschiedenen Formen der Zusammenarbeit und im direkten Gespräch. Der Bundeskanzler ist regelmäßig mit dem amerikanischen Präsidenten im Austausch.
Zu bewerten, welche Strategie dabei verfolgt wird, überlasse ich Ihnen. Uns geht es darum, dass wir die sicherheitspolitischen Bedenken teilen, was das Grönlandthema angeht, dass wir allerdings auch klar sagen, dass diese sicherheitspolitischen Bedenken im Bündnisrahmen adressiert werden müssen und dass sich dieses Engagement nicht gegen die USA richtet, sondern am transatlantischen Interesse ausgerichtet ist. Das haben übrigens die acht beteiligten Staaten gestern in ihrem Statement auch deutlich gemacht.
Wir machen gleichzeitig deutlich ‑ auch das können Sie dem Statement entnehmen ‑, dass Dänemark und die Bevölkerung Grönlands auf unsere Solidarität zählen können. Wir sind bereit, sie im Gespräch mit den USA zu unterstützen. Ich habe vorhin beim Bord of Peace schon klargemacht, dass die Grundlagen der Bundesregierung für den Umgang im internationalen Rahmen die Prinzipien der Souveränität und der territorialen Integrität sind. Eines der Hauptprinzipien des Völkerrechts ist die Unverletzlichkeit von Grenzen. Das respektieren wir und erwarten von unseren Partnern, dass sie es auch respektieren.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch sagen, dass Zolldrohungen die transatlantischen Beziehungen untergraben und immer mit dem Risiko einer Eskalation verbunden sind. Wir werden deswegen mit unseren europäischen Partnern, was den Drohanteil betrifft, besonnen und sehr angemessen reagieren. Wir bleiben bei unserem Ziel, dass Europa dabei geeint bleibt und dass die NATO gestärkt daraus hervorgeht.
All diese Themen werden nun in den diversen Gremien und auch mit dem amerikanischen Präsidenten besprochen.
Frage: Herr Müller, Sie sprachen von einer planmäßigen Rückreise der Bundeswehrangehörigen aus Grönland. Am Samstagabend hieß es noch, es sei nicht absehbar, wie lange der Aufenthalt dauern werde. Schließen Sie einen Zusammenhang mit Trumps Ankündigung zusätzlicher Zölle wenige Stunden davor aus?
War Trumps Reaktion auf die Mission für die Bundesregierung nicht absehbar?
Wurde Washington vorab über die Erkundungsmission informiert?
Müller (BMVg): Ich dachte, ich hätte eben ganz klar dargestellt, dass die Erkundungsmission planmäßig beendet war. Das Team hat vor Ort alle Daten gesammelt, die zu sammeln sind, und dann wurde das Team nach Hause verlegt. Eine weitere kausale Kette ist mir nicht bekannt.
Zusatzfrage: Wurde Washington vorab informiert? Gab es irgendeinen Kontakt?
Müller (BMVg): Können Sie Ihre Teilfrage zur Information Washingtons bitte wiederholen? Was meinen Sie genau?
Zusatz: Zu der Erkundungsmission: Gab es vorab irgendeine Kontaktaufnahme mit Washington oder Gespräche dazu?
Kornelius: Vielleicht kann ich das beantworten. Es gibt keinen Grund, dass wir, wenn wir uns für den dänischen Bündnispartner an einer Erkundung für eine von Dänemark geleitete Übung beteiligen, dies im Bündnisrahmen über die üblichen Kanäle der NATO hinaus abstimmen. In der NATO wird das adressiert. Es ist ein völlig normaler Vorgang, dass man im Bündnisrahmen mit Partnern Übungen erkundet und durchführt.
Frage: Herr Kornelius, der Bundeskanzler hat im Zusammenhang mit dem NATO-Gipfel im vergangenen Jahr mehrfach gesagt, dass es ohne die deutsche Bereitschaft, die Verfassung zu ändern und viel Geld in die Hand zu nehmen, die NATO möglicherweise nicht mehr gäbe. Für wie gefährdet hält die Bundesregierung die NATO im Augenblick angesichts der aktuellen Grönlandauseinandersetzung bzw. ‑krise, wie auch immer man es nennen will? Vor einem halben Jahr hat man noch eine Art Bestandsgarantie bekommen.
Viele Menschen im Land ‑ zumindest hört man es in Gesprächen ‑ wünschen sich ein bisschen klare Kante gegen die doch krassen Ansagen in Richtung Grönlands und des europäischen Bündnisgebiets, wenn man so sagen will. Wie kann die Bundesregierung erklären, dass man weiterhin im Tonfall doch sehr konziliant und verständlich gegenüber den Amerikanern ist und zu sein versucht?
Kornelius: Die NATO ist ein starkes Bündnis. Sie ist in keiner Weise gefährdet. Ich sehe kein Mitgliedsland, das die NATO infrage stellt. Die Bundesregierung betrachtet die NATO als einen der Grundpfeiler ihrer internationalen Bündnisstruktur, die für unsere Verteidigung und unsere Sicherheit zentral ist.
Was Ton und Umgang angeht, müssen wir, denke ich, sehr genau unterscheiden. Die Bundesregierung hat ein inhaltliches Ziel. Das kommt in den diversen Äußerungen zum Ausdruck. Ich kann auch gern noch einmal wiederholen, was die Bundesregierung inhaltlich anstrebt. Die Erfahrung lehrt, dass Ziele leichter zu erreichen sind, wenn sie bestimmt in der Sache und zurückhaltend im Ton vorgetragen werden. Wir führen solche Auseinandersetzungen nicht öffentlich, sondern im direkten Austausch.
Zusatzfrage: Die gesamte Sicherheitspolitik der vergangenen Jahre besteht daraus, dass man sagt: Wir müssen die europäische Säule stärken, um eine größere europäische Unabhängigkeit zu erreichen. ‑ Das Stichwort der europäischen Souveränität ist wahrlich nicht neu.
Ist die Abhängigkeit nach wie vor zu groß? Ist man auf dem Weg noch nicht weit genug gekommen, sodass man sich gegenüber den Amerikanern sozusagen nicht klarer Äußern kann?
Kornelius: Ich denke nicht, dass der Tonfall über den Inhalt entscheidet. Daraus leitet sich auch ab, dass sich der Tonfall nicht an eigene Fähigkeiten oder „Nichtfähigkeiten“ anpasst. Ich denke, die Bundesregierung und auch die Öffentlichkeit haben erkannt, dass die neuen Kräfteverhältnisse auf der Welt erzwingen, dass sich Deutschland stärker auf seine eigenen Fähigkeiten besinnt. Die Politik der Bundesregierung, auch mit dem Sondervermögen, zielt darauf ab ‑ das trifft auch auf die Politik der Vorgängerregierung zu ‑, dass diese Eigenstärkung verbessert wird. Dabei wurden enorme Fortschritte gemacht. Die Bundesregierung hat von sich aus keinen Anlass, das öffentlich zu thematisieren. Die Fakten sprechen für sich. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind.
Frage: Der Tonfall auf der anderen Seite wiederum ist recht drastisch. Wir lesen, dass Donald Trump in einer Nachricht an den norwegischen Ministerpräsidenten auch bestimmt hat, dass das mehrere europäische Botschaften in Washington bekommen sollen. Darin ist dann zu lesen ‑ ich fasse zusammen ‑: Ich bekam nicht den Nobelpreis, und deshalb fühle ich mich nicht länger daran gebunden, nur klar auf Frieden zu setzen.
Herr Hinterseher, ist dieser Brief, diese Botschaft auch in der Botschaft in Washington eingegangen? Falls das der Fall ist, hätte ich gern eine Reaktion darauf.
Hinterseher (AA): Dazu, ob dieser Brief vorliegt, kann ich Ihnen nichts sagen, weil mir das schlicht nicht bekannt ist; das müsste ich in Erfahrung bringen. Aber natürlich gilt die VN-Charta und das Prinzip von Frieden und Sicherheit für alle VN-Mitgliedstaaten. Das ist die Reaktion darauf.
Zusatzfrage: Möchten Sie auch etwas sagen, Herr Kornelius?
Kornelius: Wenn Sie mich fragen.
Zusatz: Ja, ich frage Sie.
Kornelius: Die Authentizität dieses Tweets oder dieser Botschaft kann ich Ihnen nicht bestätigen. Ich glaube, sie ist inzwischen in jedem Postfach gelandet, auch bei Ihnen. Insofern ist der Verteiler, glaube ich, sehr groß. Es ist auch uns nicht entgangen, dass so etwas in Umlauf ist. Ich werde dazu keine Stellung nehmen.
Weil Sie nach dem Ton gefragt haben: Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir mit der Grönlandkommunikation drei Ziele verfolgen.
Das erste Ziel habe ich jetzt ausführlich geschildert: Das ist, dass wir die sicherheitspolitischen Bedenken teilen und dass wir sie im Bündnisrahmen adressieren und bereit sind, unseren Beitrag zu leisten. Diesem Ziel dienen die Erkundungsmission und die Solidarität mit Dänemark.
Das Thema Solidarität mit Dänemark bezieht sich auch auf das Thema territoriale Integrität. Auch dazu habe ich ausführlich Stellung genommen. Diese Androhungen sind nicht akzeptabel; das ist für die Bundesregierung eindeutig. Wir bleiben bei unseren Prinzipien, die völkerrechtlich fundiert sind, und darauf bestehen wir.
Der dritte Teil bezieht sich auf Zollandrohungen. Ich habe gesagt, dass Zollandrohungen nicht förderlich sind und immer die Gefahr einer Eskalation in sich tragen. Eine Eskalation beim Thema Zölle geht in der Regel zu Lasten der Bevölkerung, auf welcher Seite auch immer. Ich glaube, dass keine Seite ein Interesse daran hat, die wirtschaftliche Leistungskraft zu schmälern und die allemal angespannten öffentlichen Haushalte sowie auch die wirtschaftliche Leistungskraft eines Landes weiter zu belasten.
Insofern sind die Zollandrohungen auch durch den US-Präsidenten nicht akzeptabel. Er eskaliert mit diesen Androhungen einen Handelskonflikt, bei dem es, wie gesagt, keinen Gewinner geben kann. Wir sind jedenfalls entschlossen, mit wirksamen Gegenmaßnahmen inklusive Gegenzöllen zu reagieren. Wir werden auch weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen vorbereiten, wenn das nötig ist, und wenn es nötig ist auch schon ab Februar. Darüber gibt es unter den Mitgliedstaaten der Europäischen Union eine große Einigkeit.
Es ist wichtig, dass die Europäische Union in dieser Angelegenheit nun sehr geschlossen auftritt. Diesem Ziel dient der Europäische Sonderrat, der nun in dieser Woche einberufen ist. Dort werden auch die entsprechenden Botschaften formuliert werden und eine Demonstration der Geschlossenheit stattfinden. Ich denke, die Kommission wird die Sprache, die Kommissionspräsidentin Frau von der Leyen bereits am Samstag angeschlagen hat, weiterführen. Sie wird auch mit den USA in einen intensiven Dialog treten. Wir alle bauen in diesem Prozess auf die Vernunft der Vereinigten Staaten, um eine solche Eskalation zu verhindern.
Hinterseher (AA): Weil Sie explizit danach fragten: Das Schreiben liegt uns vor. Ansonsten würden wir uns hier zu Inhalten der internen Kommunikation mit Partnern natürlich nicht weiter verhalten.
Frage: Noch einmal zu den möglichen Gegenmaßnahmen: Sie haben jetzt gesagt, Sie seien bereit zu reagieren, auch mit Gegenzöllen. Es gibt auch schon Diskussionen über das sogenannte Anti-Coercion Instrument. Ist die Bundesregierung wie die französische Regierung auch dafür, dieses Instrument jetzt zu aktivieren?
Kornelius: Den Gesprächen dieser Woche kann ich nicht vorgreifen, deswegen werde ich das nicht weiter kommentieren.
Zusatzfrage: Gestern gab es ja schon eine erste Diskussion der ständigen Vertreter in Brüssel. Können Sie sagen, ob das da schon Thema war?
Kornelius: Wie gesagt, das sind interne Beratungen, die ich nicht weiter kommentieren kann.
Frage: Herr Kornelius, Sie haben gerade den regen bzw. intensiven Austausch zwischen dem Kanzler und Herrn Trump erwähnt. Gab es neben den öffentlichen Erklärungen, also neben der Zollandrohung von US-Seite, auch schon einen direkten Kontakt, bei dem man einmal die Frage besprochen hat: Was soll das eigentlich bzw. wie finden wir das eigentlich?
Kornelius: Auch hier gilt, dass ich die internen Gespräche des Kanzlers mit anderen Partnern nicht öffentlich kommentieren kann. Der Bundeskanzler ist regelmäßig mit dem amerikanischen Präsidenten im Austausch.
Frage: Finanzminister Klingbeil hat heute Vormittag nach einem Gespräch mit dem französischen Amtskollegen Lescure gesagt: „Deutschland und Frankreich sind sich einig: Wir lassen uns nicht erpressen.“ Herr Kornelius, hat er damit die Position der gesamten Bundesregierung inklusive des Kanzlers zum Ausdruck gebracht?
Kornelius: Ja.
Zusatzfrage: Das heißt, auch Bundeskanzler Merz geht davon aus, dass es sich bei Trumps Strafzollandrohungen um Erpressung handelt?
Kornelius: Der Bundeskanzler kann dem Finanzminister nicht widersprechen.
Außerdem hat der Finanzminister nicht gesagt, dass er erpresst wird, sondern er sagt: Wir lassen uns nicht erpressen. Ob das jetzt eine Erpressung ist, das ist eine semantische Frage.
Frage: Herr Kornelius, der Vizekanzler hat auch gesagt, dass eine rote Linie erreicht sei. Letzte Woche hat er gesagt, dass das transatlantische Verhältnis sich aufgelöst habe oder sich in Auflösung befinde. Sind das alles Äußerungen, die der Kanzler in dieser Art und Weise teilen würde?
Kornelius: Wir müssen jetzt hier kein Spiel machen, ob der Kanzler jedes Wort des Finanzministers vorher mit dem Haken versieht. Sie können sich aber sicher sein, dass die beiden in einem sehr engen Austausch stehen und dass der Finanzminister seine Worte wohl wägt.
Frage: Herr Kornelius, von den angedrohten Sanktionen der Amerikaner wären ja auch Nicht-EU-Länder betroffen. Deswegen hätte ich ganz gerne gewusst: Würde der Kanzler unterstützen, dass auch Großbritannien und Norwegen an dem EU-Gipfel teilnehmen?
Kornelius: Ich glaube, ein EU-Gipfel ist der Gipfel der europäischen Staaten. Da der Austausch und die Abstimmung mit den beiden Nichtmitgliedern allemal eng ist, besteht dafür momentan keine Notwendigkeit.
Zusatzfrage: An das Wirtschaftsministerium: Eben wurde auch erwähnt, was für ein Risiko in diesen Zollerhöhungen oder auch einem Zollkonflikt steckt. Wie besorgt ist die Wirtschaftsministerin über die negativen Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur, die jetzt gerade wieder etwas Fahrt aufnehmen sollte?
Greve (BMWE): Ich glaube, das ist im spekulativen Bereich, insofern können wir uns dazu jetzt nicht äußern. Wir sind in intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten, und diesen Gesprächen kann ich nicht vorgreifen. Hier über etwaige Effekte auf die Wirtschaft zu spekulieren wäre voreilig.
Frage: Unmittelbar daran anschließend: Gerade bei der ersten großen Zolldiskussion wurden auch die beiden Argumente erwähnt, dass Zollkonflikte letztlich allen schaden und dass man keine Eskalation will, sich aber auch nicht erpressen lassen will. Nach meiner Wahrnehmung hat dieses „Wir wollen es nicht erpressen lassen“ im Moment ein stärkeres Gewicht. Wird die Wirtschaftsministerin da womöglich gegenhalten und sagen: Wir müssen aber auch an die Interessen der deutschen Wirtschaft denken?
Greve (BMWE): Gesprächen kann ich da nicht vorgreifen. Es ist natürlich richtig, dass Zölle Unsicherheit in der Wirtschaft befördern. Daher sind die Bemühungen, die hier geschildert wurden, so klar und werden europäisch abgestimmt. In dieser Woche wird es dazu entsprechende Besprechungen geben. Es ist aber zu früh, um hier jetzt schon über mögliche wirtschaftliche Folgen zu diskutieren.
Zusatzfrage: Herr Kornelius, wirtschaftliche Folgen sind, wie Sie selbst erwähnt haben, ja auch ein Argument in der gesamten Diskussion. Welche wirtschaftlichen Folgen ist die Bundesregierung bereit in Kauf zu nehmen?
Kornelius: Das ist eine spekulative Frage. Es geht darum, jetzt einen Handelskonflikt abzuwehren, es geht aber auch darum, das oberste Prinzip einzuhalten, nämlich die Unverletzbarkeit von Grenzen und die territoriale Integrität eines EU-Mitgliedsstaates nicht infrage zu stellen. Da kann man nicht zwei Rechtsprinzipien oder zwei Güter gegeneinander abwägen. Das oberste Ziel in der politischen Arbeit ist jetzt, diesen Konflikt nicht eskalieren zu lassen.
Frage: Die eine Frage ist ja die nach Gegenzöllen. Die andere Frage, die jetzt auch schon aus dem parlamentarischen Raum kommt, ist die der Digitalsteuer. Ist das eine Option, die auch die Bundesregierung sieht?
Kornelius: Das sind Detailfragen, die momentan nicht zur Debatte stehen.
Zusatzfrage: Eine zweite Frage, wenn ich darf: Italien hat sich als Vermittlerin angeboten. Ist das eine Rolle, die Deutschland für Italien sieht und die man begrüßt?
Kornelius: Ich glaube, dass im Moment sehr viele Staaten in diese Debatte eingebunden sind. Die italienische Ministerpräsidentin hat auch mit dem US-Präsidenten telefoniert. Das ist immer sehr hilfreich. Insofern trägt jeder, glaube ich, dazu bei, dass diese Lage deeskaliert wird.
Frage: Herr Kornelius, ich hätte eine Frage zum Zollabkommen, das von Ursula von der Leyen mit Donald Trump vereinbart wurde, das aber noch nicht beschlossen ist. Hat dieses Zollabkommen mit 15 Prozent Zoll als Basiswert aus Sicht des Bundeskanzlers eine Zukunft? Geht der Bundeskanzler davon aus, dass dieser Zollabkommen, das noch in der Ausarbeitung ist, noch beschlossen wird?
Zweitens: Können Sie uns sagen, wie der Bundeskanzler auf Amerika in der jetzigen Verfassung blickt? Ist das noch ein Partner für Deutschland? Ist es eher ein Gegner? Ist es etwas dazwischen? Wie blickt der Bundeskanzler auf die Beziehung zu Amerika?
Kornelius: Der Bundeskanzler ist ein rational denkender Mensch, der keine Stempel auf Beziehungen drückt und auch keine Kategorisierungen vornimmt. Diese Beziehung ist für Deutschland wichtig. Die USA waren über viele Jahrzehnte hinweg ein verlässlicher Partner und sollen es auch weiterhin bleiben. Als sicherheitspolitischer Bündnispartner sind die USA eine Kategorie, eine Größe, die für Deutschland wichtig ist. Deswegen sind wir sehr darum bemüht, dass solche Konflikte nicht entstehen bzw. dass sie abgemildert werden. Es gibt auch ein umgekehrtes Interesse; denn auch das sicherheitspolitische Interesse der USA ist eng verzahnt mit den Partnern in Europa. Die amerikanische Projektionsfähigkeit seiner eigenen Macht wird durch einen verlässlichen Bündnispartner in Europa erweitert. Ich glaube, diese Logik gilt es weiter fortzuschreiben.
Zu Ihrer ersten Frage: Ich glaube, wir alle haben die Nachrichten aus dem Europäischen Parlament zur Kenntnis genommen. Demnach werden, glaube ich, die Abstimmungen über die Verordnungsvorschläge zur Umsetzung der Zollvereinbarung zunächst nicht stattfinden.
Frage: Herr Kornelius, zu Ihren Ausführungen zum Verhältnis Merz-Klingbeil bzw. zu deren Absprachen: Wenn Lescure und Klingbeil nachher ‑ ich glaube, um 15 Uhr ‑ gemeinsam ein Statement abgeben werde, dann ist das auch mit dem Kanzler abgesprochen?
Kornelius: Ich werde Ihnen jetzt nicht erzählen, wer mit wem welche Kommasetzung abstimmt. Das ist doch nicht die Arbeitsweise der Bundesregierung.
Der Kanzler und der Vizekanzler haben ein sehr enges Verhältnis. Sie haben gestern miteinander einige Zeit verbracht und haben intensiv die Lage diskutiert. Sie können sich sicher sein, dass auch die Häuser miteinander im engen Austausch sind.
Das ist also alles im Einvernehmen, aber es wird jetzt keine Kommasetzung überprüft.
Frage: Ich möchte auch nicht nach Kommasetzung fragen, aber noch einmal: Sie sagten, es gebe nicht notwendigerweise schon eine Erpressung, wenn man sagt „Wir lassen uns nicht erpressen“. Tatsächlich hat Herr Klingbeil in einem weiteren Punkt aber noch auf den europäischen Instrumentenkasten verwiesen, mit dem man wirtschaftlicher Erpressung widersprechen könne oder etwas entgegensetzen könne, und hat gesagt, der Einsatz dieser Mittel solle nun geprüft werden. Das bedeutet doch, dass Lars Klingbeil tatsächlich davon ausgeht, dass Trumps Versuche, Strafzölle zu erheben, Erpressungsversuche sind. Oder haben Sie da eine andere Auffassung?
Kornelius: Ich verstehe Ihr Bemühen, verschiedene Vokabeln aus mir herauszupressen, aber ich kann Ihnen da jetzt nicht weiter entgegenkommen. Ich habe Ihnen gesagt, dass die territoriale Integrität Dänemarks nicht zur Disposition steht und dass die Zollandrohungen durch den US-Präsidenten nicht akzeptabel sind. Ich glaube, das ist eine klare Sprache, die der Bundeskanzler genauso auch öffentlich wiederholt hat. Deswegen müssen wir es, glaube ich, dabei belassen.
Zusatzfrage: Der britische Premierminister Keir Starmer hat ‑ ich glaube gestern ‑ mit Donald Trump telefoniert. Hat in ähnlicher Weise zeitnah ein direktes Gespräch des Kanzlers mit Donald Trump stattgefunden oder strebt er ein solches Gespräch an?
Kornelius: Ich hatte vorhin schon einmal zu der Telefonfrequenz des Bundeskanzlers gesprochen und auch darüber, wann wir dazu Auskunft geben und wann nicht.
Frage: Herr Kornelius, ich bin ja manchmal etwas simpel gestrickt und kriege zwei Aussagen von Ihnen nicht übereinander. Die eine, die territoriale Integrität stehe nicht zur Disposition, verstehe ich. Dann sagen Sie: Ich sehe kein Mitgliedsland, das die NATO in Frage stellt. ‑ Wenn aber ein NATO-Mitgliedsland die territoriale Integrität in Frage stellt, sehe ich einen gewissen Gegensatz in diesen beiden Aussagen.
Kornelius: Ich würde Ihrer Prämisse auf jeden Fall widersprechen, dass Sie simpel gestrickt sind; das würde ich nicht so stehen lassen.
Ich glaube, da vermischen Sie die zwei Aussagen. Ich glaube, dass die beiden Bezugsebenen falsch sind. Die territoriale Integrität ist eine nationale Frage, die das Bündnisthema noch lange nicht betrifft. Ich sehe nicht, dass von den USA die NATO infrage gestellt wird. Aber unsere Ebene ist auch die Frage der nationalen Souveränität und der territorialen Integrität, und dazu habe ich Klarstellung genommen. Sie schließen, dass bei einer Verletzung des einen das andere kaputtgeht. Diesen Schluss ziehe ich nicht.
Frage: Herr Kornelius, noch einmal zu den Folgewirkungen dieses Konflikts: Wirtschaftswissenschaftler haben jetzt gefordert, dass die deutschen Goldreserven aus New York zurückgeholt werden sollten, weil die US-Regierung einfach nicht berechenbar ist, wie wir das in den letzten Wochen gesehen haben.
Aus der Union kommt auch schon der Hinweis, dass man einen WM-Boykott als letztes Mittel in Betracht ziehen sollte. Ich hätte ganz gerne gewusst, ob für die Bundesregierung diese beiden Punkte im Moment in den Abwägungen eine Rolle spielen.
Kornelius: Nein, sie spielen keine Rolle.
Zusatzfrage: Beide nicht?
Kornelius: Nein.
Macron hat augenscheinlich genug von der Bückerei:.
During his speech in Davos, Switzerland, President Emmanuel Macron of France described “a shift towards a world without rules where international law is trampled” and “imperial ambitions are resurfacing.” The United States, he said, had openly aimed to “weaken and subordinate Europe.”
……
“We need more growth, we need more stability in this world, but we do prefer respect to bullies,” he said. “We do prefer science to plotism, and we do prefer rule of law to brutality.”
Per NYT
Das war deutlich.
Rede von Macron:
https://www.youtube.com/watch?v=b-V96yUFJK0
@Brainstormer
Ich sehe überhaupt nichts positives in dieser Rede von Macron. In der Welt und den USA wird das ankommen als Moralgedöns, Euro-Gedöns der machtlosen Euro-Looser. Die Europäer reden viel zu viel. Taten sind gefragt. Ernsthaftigkeit. Schweigen.
Macron, das muss man sich klarmachen, ist Präsident eines Staates der technisch pleite ist mit einer hoch wackeligen Regierung, enormen sozialen Spannungen. Es ist doch nur noch lächerlich, wenn so jemand große Reden schwingt. Offensichtliches Kompensationsverhalten.
Grönland entwickelt sich zum Fanal für ein Europa, das nicht mal ansatzweise strategisch handeln kann, ja nicht einmal mehr gesichtswahrend den Ausgang findet. Es ist nur noch Objekt. Die USA nehmen nicht nur Grönland, sie wickeln die Nato ab, so oder so.
Ich sehe in der ganzen Geschichte nicht den kleinsten Hoffnungsschimmer außer dem Verhalten der Dänen. Das Minivolk der Dänen zeigt mehr Format als der ganze Euro-Rest. Mir selbst war klar, dass unsere Lage schlecht ist. Aber so katastrophal unfähig und machtlos? So vollkommen und gänzlich „enteier*“? Unfassbar.
Canada rückt von den USA ab,
eine sehr inspirierende Rede von PM Carney bezogen auf mittlere Mächte und ihr Verhältnis zu Supermächten in Davos
https://www.youtube.com/watch?v=dTvFnC-oFGw
@ LuckySailor:
…
Dann finden sich hoffentlich auch couragierte Leute aus seinem inneren Zirkel, die diesem irrlichternden Schwachkopf Einhalt gebieten.
Wir brauchen Amerika, aber keinen König Donald!„
Ich glaube es täte gut, zu beachten, wer Vize-Präsident ist. Neulich wurde hier auch schon von einem Verschwinden (um es vorsichtiger auszudrücken) DT‘s geträumt.
Ein großer Fehler – wie nach der ersten Amtszeit Trump‘s – wäre es jetzt wieder, nur darauf zu hoffen, dass bald alles anders ist. Unabhängig von Trump gibt es globale Entwicklungen, den relativen Machtverlust der USA, die aus meiner Sicht unausweichlich sind. Und die jetzt – allerdings durch DT stark beschleunigt – zu turbulentem Verhalten der USA beitragen.
Ich hoffe, es wird bald wieder mehr auf Leite wie Klaus von Dohnanyi gehört, die ja schon lange vor der einseitigen Abhängigkeit von den USA gewarnt haben.
In dem Zusammenhang: Sätze wie „die Russen und Chinesen werden das ausnutzen“ sind doch nur wieder eine Aufwallung der Transatlantiker, die es immer noch nicht verstanden haben. Die Welt wird multipolar, wir müssen damit „spielen“. Dir Hoffnung sollten im Gegenteil sein, dass Russland jetzt einen Ausweg aus der Einbahnstraße findet. China geht sowieso seinen Weg und ist aus meiner Sicht unstoppbar. Trotz – und teilweise sogar wegen (das gab Zeit) – der stäbdigen Untergangsprophezeiungen von The Economist und co. der letzten zwei Dekaden.
In einem demokratisch geprägten US-Internet-Forum las ich aktuell folgenden Ausdruck:
„NATO is deader than a Texas salad bar“
( Die NATO ist toter als eine texanische Salatbar )
Wer die Kultur der Fleischlastigkeit im Bundesstaat Texas kennt macht sich da Sorgen :-)
@Brainstormer
Kanada geht sogar noch weiter:
„Military models Canadian response to hypothetical American invasion
Armed Forces envision insurgency tactics like those used by Afghan mujahedeen, sources say. But officials and experts stress a U.S. operation is unlikely, and the scenarios are conceptual“ (Globe and Mail, leider Zahlschranke)
https://english.news.cn/northamerica/20260120/1030f4ae9a1f45a7a2f022e52c3f5de6/c.html (da ohne)
https://www.facebook.com/novaramedia/posts/canadas-military-has-modelled-what-it-would-do-in-the-event-of-a-hypothetical-at/1404462491051892/
also ähnlich wie das Konzept von Major von Dach („Der totale Widerstand“). Es bleibt spannend. WELT Online berichtet ebenfalls.
Und noch eine Ergänzung: Neben den globalen Entwicklungen (hin zur Multi- oder erstmal mindestens Duo-Polarität) gibt es auch grundlegende Probleme in den USA (aber auch anderen Ländern), die zum Aufstieg des (Rechts-)Populismus führen. Aus meiner Sicht ist eine wichtige Ursache ein für viele immer dysfunktionalerer Spät-Kapitalismus. Den ja insbesondere die USA in die Welt getragen haben. Warum wählen so viele Trump, warum nehmen so viele Fenthanyl? Nicht weil letzteres irgendwie verfügbar ist…. Aber das sprengt dann den Rahmen hier.
LNG ist kein größeres Problem – es ist nur was teurer in der Lösung.
Was viele nicht sehen, ist der Mexican-Standoff, den die EU mit den USA hat. Die Länder der EU halten rund 8 Billionen USD-Anleihen.
Davon nur 1//16 auf den Markt zu werfen, würde die USA schneller in den nächsten Lockdown führen, als wir alle NATO aussprechen könnten. Von den Konsequenzen auf die Preise in den USA gar nicht zu reden.
China hält nochmals rund 6 Billionen USD-Anleihen und hat das auch schon mal angedroht. Das wurde nur dadurch ein wenig gebremst, dass die US-„Rentenkassen“ ihrerseits chinesische Staatsanleihen in nicht unbeträchtlichem Wert halten.
Weiter „Hoffnung“ in dem kleptokratisch oligarchischen US-Politsystem:
Endlich Meta & CO. ordentlich zu besteuern, dürfte in Delaware und/oder dem Valley schon eine gewisse Panik auslösen…
Man muss es nur wollen!
Malcolm Nance ( https://de.wikipedia.org/wiki/Malcolm_Nance ) über die Frage, warum er die offiziell für MN alarmierten Bataillone der 11th Airborne aus Alaska, wahrscheinlicher für Grönland alarmiert sieht (ab 11:30)
https://m.youtube.com/watch?v=LgiN02_TLv8
[Yep, sorry, war am Nachmittag schon mal als Hinweis in einem Kommentar, der im Spam gelandet war. Empfehle das mal anzuhören, ist schon sehr interessant in der Deduktion. T.W.]
In den USA geht eine tiefe Spaltung durch die Gesellschaft. Auf öffentlichen und teils auch privaten Versammlungen, Partys, Events meidet man politische Diskussionen…
Vorteil: Gute Atmosphäre trotz der aktuellen Weltlage. Machmal gibt es aber sehr unterschwellige Kommentare wie „have a glass of champagne before it’s too late“.
( Bin gerade auf einer Dienstreise, L. A. California )
Der Grönland-Kurs von Trump wird auch innerhalb des Kongress von Republikanischen Abgeordneten und auch Senatoren teils offen kritisiert.
Es scheint, als gäbe es noch ein paar Leute, die über die nächste Schlagzeile hinaus denken. Dasselbe gilt auch für den plötzlichen Kurswechsel betreffend die Chagos-Inseln im Indischen Ozean. Diese werden in einem länger vorbereiteten Deal von UK an Mauritius zurückübergeben und dafür die gemeinsame UK/US-Basis auf Diego Garcia für 99 Jahre zurückgeleast. Der Deal war – offenbar auch von Trump – noch vor gar nicht langer Zeit ausdrücklich willkommen geheißen worden:
Quelle: https://www.bbc.com/news/articles/c0mkp021rvro
Aktuell poltert Trump mal wieder dagegen, nennt es einen „Akt großer Dummheit“ und „Schwäche“. Heute hier, morgen dort…
Dass Trump Grönland unbedingt als Staatsgebiet der USA haben will, liegt natürlich an den Rohstoffen der Arktis, die ansonsten nur auf vertraglichem Wege ausgebeutet werden könnten. Das Gefasel von der strategischen Bedeutung ist offenkundiger Mumpitz, denn schon heute könnte Trump ja die US-Truppenpräsenz auf Grönland aufstocken und Basen (wieder-)eröffnen, um die Insel gegen Übergriffe aus Moskau zu sichern.
Aber das wäre ja für ihn wieder de facto ein Fremdengagement für einen Verbündeten, nämlich Dänemark. Und außerdem wäre er eingeknickt.
Ich fürchte deshalb, dass wir künftig noch weitere solche Volten sehen werden, die primär dem Ego des GröPaZ dienen, und daher sehe ich auch einen US-Militäreinsatz nicht als vollkommen unwahrscheinlich an, wenn der „Fuchs“ nicht eine Möglichkeit sieht, lautstark zu verkünden, die grönländischen Trauben seien ihm zu sauer.
@Bow, ja die US-Staatsanleihen sind ein potenziell wirksames Mittel.
Wobei wir da meiner Meinung nach noch nicht einmal zum äußersten greifen müssen und verkaufen.
Auch die haben Laufzeiten an deren Ende eine Rückzahlung fällig wird und dafür neue Anleihen am Markt platziert werden. Einfach 2, 3 Runden keine neuen kaufen dürfte schon Wirkung haben auf die Zinsen.
Ist das dieser Gavin Newsom, der uns in Davos als erbärmlich bezeichnet, auf den wir unsere Hoffnung setzen sollen? Der mit dem kostenlosen „Get off your knees and grow a spine,”-Populismus und den ganzen Tech-Riesen in dem Bundesstaat den er regiert? Dessen Bundesstaat von hier wir dort ruinösen Maßnahmen betroffen wäre, und die deshalb ja nicht ergriffen werden, was er auch ganz genau weiß? Ah ja, verstehe. Das ist „unser Mann“ mit dem wir dann nach Trump wieder so richtig transatlantisch durchstarten. /scnr
Meanwhile: Greenland PM tells people to prepare for possible invasion (Bloomberg).
Ob Herr Newsom da noch weitere Tipps von der Seitenlinie geben kann?
Nachtrag: den Aspekt von Diego Garcia habe ich vor allem deshalb angeführt, weil ich gleichermaßen für möglich halte, dass Trump auch dort mittelfristig militärisch Fakten schaffen wollen könnte, um Amerika den „unsinkbaren Flugzeugträger“ im indischen Ozean zu erhalten.
Und es zeigt natürlich mal wieder die Flatterhaftigkeit des Trump-Regimes. Wenn ein F… akut quer sitzt, gilt früher Gesagtes im Zweifel sowieso nicht mehr. Das ist praktisch schon ein Wechsel in die Willkürherrschaft und es sollte den Amerikanern eigentlich innenpolitisch Angst und Bange sein, wenn ein Präsident so agiert.
Und einigen wird bereits mulmig. Senator Rand Paul (R, KY) zum Beispiel nannte es „lächerlich“, dass die Trump-Administration angebliche Notstände verkünde, um die Verfassung zu umgehen. Es gebe keinen Notstand bezüglich Grönland.
Man darf gespannt sein, wie intern mit diesen Kritikern umgegangen werden wird und ob das System Trump diese Nagelprobe besteht. Wenn ja, können wir uns noch auf viel mehr von diesem Unsinn einstellen.
Für alle „Aber Grönland hat doch DIE Rohstoffe…“-Fans sei mal der Lesetipp bei Z+ nahegelegt:
Geologie Grönlands – „Es gibt Gründe, warum bislang niemand investiert hat“
Ansonsten hier noch ein freier Link aus dem Sommer 2025:
https://www.gtai.de/de/trade/groenland/branchen/abbau-rohstoffe-1908274
„Branchen | Grönland | Kritische Rohstoffe – Abbau kritischer Rohstoffe bisher kaum wettbewerbsfähig“
Es bleibt dabei: Deutschland will vom Primat des „Geld, Geld, Geld!“ nicht lassen. Abgesehen davon, dass der deutsche Regierungssprecher wohl allen Ernstes vermeint, Abwägungen zwischen Erhalt/Verteidigung territorialer Integrität und Vermeidung Handelskonflikt zum Erhalt von Prosperität seien nicht geboten (S.o.), sind die Gasspeicher in Deutschland aktuell nicht besonders üppig befüllt, weil letztes Jahr der damalige Bundeswirtschaftsminister, ein Herr Dr. Habeck, vor Ende der Amtszeit noch verfügte, dass Mindestfüllstände in Gasspeicher zu senken sind, um die Kosten für den Gassektor der deutschen Wirtschaft zu reduzieren . Kann mal eng werden mit warm und hell, wenn Dunkelflaute herrscht und die Temperaturen niedrig sind. Dr. Habeck ist nun ganz patriotisch ein Irgendwas in nem Thinktank der dänischen Krone, Zusammen mit dem Umstand, dass man ggüb deutschen Regierungen nur was ankündigen muss, was ggf negative Auswirkungen auf die kurzfristige Wachstumserwartung des „Standort Deutschland“ hätte – schon sind Flagg- und Stabsoffiziere (Anzug: Wilde Wolke) wieder daheim, die man symbolisch kurzfristig zu einem Partner geschickt hatte, um zuhause und anderswo zu vermitteln: Wir tun was.
Ergo wirkt dieses Brett vorm Kopf, das suggeriert: Ohne kontinuierliches Bereitstellen von Bereicherungsmöglichkeiten für eh schon Wohlhabende, ohne das Pflegen von irgendwelchen Kennzahlen kurzfristigen ökonomischen Erfolgs, egal was das für mittel- und langfristige Folgen für Resilienz und Effektivität der Nation hat, ist deutsche Politik wertlos – es wirkt dahingehend, dass wir, anstatt als das größte Land in Europa ein Fels in der Brandung für kleinere Partner zu sein, bei dem man Schutz und Hilfe bekommt, wenn „rogue nations“ durchdrehen, uns klein machen, um ja nicht auch aufs Korn genommen genommen zu werden. Bei „Geld oder Leben?“ ruft der Deutsche reflexhaft „Geld!“ und opfert das nationale Ansehen auf dem Altar der Wettbewerbsfähigkeit. Was hier allein an langfristiger Glaubwürdigkeit verspielt wird, um kurzfristig irgendein Fresschen im Napf zu haben, in dem man diesen „nothing-Burger“ von „Es geht um arktische Sicherheit für die NATO!“ kauft und damit paradiert… Dabei gibt es doch genug Indikatoren/Statements von Kanzler und Kabinettsmitgliedern, die zeigen, dass man es checkt! Ich glaube ja weiterhin, dass es leider auch bei uns in Deutschland an namhafter Stelle bereits zu viele Personen gibt, die den US-Plutokraten-Plan „EU weg durch oligarchie-freundliche Regierungen in allen Mitgliedsstaaten“ leidenschaftlich unterstützen. Auch in den Parteien der aktuellen Koalition.
[Meinung und Argumentation gerne, der dümmliche Beißreflex „die Grünen sind unser Untergang!“ mit dreist gelogenen Aussagen machen wir hier nicht, ist ja nicht die Propagandaschleuder der Rechtsextremisten. Hoffe das ist verstanden. T.W.]
Ein kleines Gedankenspiel:
Haben die Dänen nicht eine PzGr-Einheit, welche „zu Übungszwecken“ auf den TrÜbPl Baumholder verlegen könnte? Der Platz wird zudem ja auch für Artillerieschießen und Luft-Boden-Übungen genutzt.
Sollte Trump tatsächlich Grönland militärisch überfallen, wäre es jedenfalls für die 8-9.000 US-Militärs in Ramstein ungemütlich, wenn größere alliierte Truppenverbände von Ländern, die betroffen sind, in unmittelbarer Nähe wären. Und die in Ramstein belegenen Einrichtungen sind für das US-Militär von elementarer Bedeutung. Es ist mit dem Air Mobility Command die logistische Drehscheibe für strategischen Lufttransport, mit dem Landstuhl Regional Medical Center ist das größte US-Lazarett außerhalb der Staaten in unmittelbarer Nähe befindlich und die HQs der United States Air Force in Europe – Air Forces Africa sowie das Allied Air Command und das 603d Air and Space Operations Center, für den globalen Drohneneinsatz sind dort.
Kampfhandlungen auf deutschem Boden sollten selbstredend vermieden werden, aber vielleicht wäre schon die potenzielle Gefährdung des strategischen Standorts Ramstein für einige vernünftig gebliebene US-Militärs ein Zeichen, ihren egomanischen Clown in Chief mal einzubremsen…
@Metallkopf, also das die Dänen dann hier in D aktiv werden kann ich mir nicht vorstellen.
Aber die Idee das spontan größere Bauarbeiten an / auf / unter den Zufahrtsstraßen anstehen kam ja schon auf. Und wenn ich lese das für die laufende Übung von Norad auf Grönland Dänemark entsprechende Flugrechte erteilt, die könnte man dann doch sicher für Ramstein auch verweigern…..
@Flo, u.a.
Bzgl. der amerikanischen Staatsanleihen gab es ja bereits das Gedankenspiel, diese in „Ewigkeitsanleihen“ mit sehr langer Laufzeit und niedrigerer Verzinsung zwangsweise umzutauschen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mar-a-Lago_Accord
@Thomas Melber, stimmt die Idee gab es ja auch noch. Wobei um die wurde es ja eher still in letzter Zeit. Zumal afair schon früh der Hinweis kam das das zumindest in Europa mit einem Zwangsumtausch eher schwer wird weil die meisten Anleihen in privater Hand liegen.
@ J10
Hr. Habeck ist nicht für den aktuell niedrigen Stand verantwortlich.
Seine Nachfolgerin ist nun 10 Monate im Amt und hatte mehr als genug Zeit, gegenzusteuern, als sie sah, dass der Verbrauch durch den kalten Winter höher war, als gedacht.
Sie hat aber nicht gegengesteuert, weil sie für ihre Gaslobby im Hintergrund so die Preise erhöhen konnte.
[Ich bitte darum, dass wir diesen OT damit als abgeschlossen betrachten. T.W.]
Metallkopf :“Sollte Trump tatsächlich Grönland militärisch überfallen, wäre es jedenfalls für die 8-9.000 US-Militärs in Ramstein ungemütlich, wenn größere alliierte Truppenverbände von Ländern, die betroffen sind, in unmittelbarer Nähe wären. Und die in Ramstein belegenen Einrichtungen sind für das US-Militär von elementarer Bedeutung. Es ist mit dem Air Mobility Command die logistische Drehscheibe für strategischen Lufttransport, mit dem Landstuhl Regional Medical Center ist das größte US-Lazarett außerhalb der Staaten in unmittelbarer Nähe befindlich und die HQs der United States Air Force in Europe – Air Forces Africa sowie das Allied Air Command und das 603d Air and Space Operations Center, für den globalen Drohneneinsatz sind dort.
Kampfhandlungen auf deutschem Boden sollten selbstredend vermieden werden, aber vielleicht wäre schon die potenzielle Gefährdung des strategischen Standorts Ramstein für einige vernünftig gebliebene US-Militärs ein Zeichen, ihren egomanischen Clown in Chief mal einzubremsen…“
Leute ….. es ist ja schon krass, was hier hinsichtlich der vermuteten Motivation Trumps zu lesen ist („aber die Rohstoffe“ und ähnliche noch nicht annähernd von Halbwissen geprägte Einlassungen), aber dann so etwas zu schreiben????
Ich habe das schon die Tage geschrieben: So richtig im Westen sind nicht alle angekommen bei uns.
@Thomas Becker
Bitte erläutern was hinsichtlich des Themas „im Westen angekommen sein“ bedeuten soll. Sich ohne zu zögern zu bücken hat für mich wenig mit Himmelsrichtungen zu tun. Sicherlich ist der eine tiefer gesunken als der andere, wenn Sie das meinen.
Bezüglich der hier Stationierten US Soldaten hätte ich eine Frage an die Juristisch etwas Kenntnissreicheren: Was für rechtliche Möglichkeiten hätten wir da? Können wir einfach einen Poller hinstellen und sagen ihr bleibt jetzt drinnen? Können wir mehr Machen? Wird das aufwändig? Wie lange dauert es das ein zu leiten?
Danke im Voraus.
zum dem Disput Brodersen vs. T.W. zur LNG-Abhängigkeit Europas von den USA gibt es aktuell diese Kalkulation
https://ieefa.org/resources/eu-risks-new-energy-dependence-us-could-supply-80-its-lng-imports-2030
Stichwort: 80% Abhängigkeit in 2030.
Methodisch gilt eben: Fakten sind Vergangenheit. An die hat man sich bei zukünftigen Gefahren nicht zwangsläufig zu halten, es geht um Antizipation
Rede von Trump, Grönland ab 24:30.
https://www.youtube.com/watch?v=qo2-q4AFh_g
Er hält den Fuß auf dem Gas, Europa sollte sich nicht zurücklehnen.
An der Wand sind m.E. zwei Drohkulissen, die man seitens der Europäer und Canada einplanen sollte:
A) Er nimmt den Ukraine-Rohstoff-Deal mit Selenskyi mit, aber lässt das Thema Sicherheitsgarantien platzen wenn er Grönland nicht bekommt, , weil die EU nichts für die US-Sicherheit täte und er sich EU/UKR daher auch nicht verpflichtet fühlt.
B) Verlassen der NATO (siehe geplantes Budget von 1,5 Billionen $)
Insbesondere A hätte den Vorteil für ihn, dass er (gegenüber z.B. Zollmaßnahmen wie aktuell) keine Vergeltung seitens Europa riskiert.
@Teetrinker: Was ich meine ist folgendes:
Es gehen hier sehr viele Kommentare in Richtung Vergeltung ( die Intention ist klar: „es den Amerikanern / Trump mal so richtig zeigen“) und sehr viele träumen wohl auch von einer irgendwie gearteten „Unabhängigkeit von Amerika“.
Wer in Kategorien von Vergeltung gegen die USA denkt, bewegt sich in den Denkmustern von 1890. Europa ist seit 1945 deswegen frei (bis 1989 jedenfalls Westeuropa), weil die amerikanische Hegemonie uns das erlaubt und ermöglicht hat. „Vergeltung“ ist keine aussenpolitische Kategorie für uns. Es ist übrigens hier noch nicht einmal eine theoretische Option. Weil Selbstmord, sofern es sich gegen die USA richten sollte. Und es widerspricht allem aussenpolitischen Denken „im Westen“.
„Unabhängigkeit von Amerika“ (mal ohne die Möglichkeiten zur Umsetzung zu betrachten) entspricht dem politischen Denken eines Deutschlands, das für sich selbst steht, weder „zum Westen“ ( letztendlich zu den USA) noch „zum Osten“ letztendlich zu Russland) gehören will. In der Frühzeit der Bundesrepublik wurde diese Diskussion zum Glück beantwortet: Wir gehören zum Westen. Und damit auch zum „US-Kapitalismus“, der im Denken vieler anscheinend eine Kategorie des Bösen zu sein scheint.
Es ist natürlich vollkommen legitim, so zu denken. Nur ist das eben eine Denkart, die nicht in der Tradition „des Westens“ steht, so wie wir ihn seit 80 Jahren kennen.
@Thomas Becker
Deutschland gehört zu Europa.
Das Handeln der US-Regierung erschüttert die ökonomischen und sicherheitspolitischen Fundamente von denen Sie reden und gefährdet unsere Sicherheit und unseren Wohlstand unmittelbar. Die Märkte sehen das ganz ähnlich (und dürften Trump heute etwas abgekühlt haben).
Es hat nichts mit Grönland oder der diskutierten Abschreckung (niemand redet von Vergeltung) gegen den Angriff der USA auf Verbündete zu tun, was Sie schreiben.
Die selbsterfüllenden Prophezeiungen der Transatlantiker zu Abhängigkeiten (die gibt es immer) und zur Unmöglichkeit einer strategischen Souveränität (die brauchen wir) sind ansonsten bekannt.
“The old order is not coming back. We should not mourn it. Nostalgia is not a strategy.”
— Mark Carney, Prmierminister Kanadas und ehemaliger Goldman-Banker
Trump in Davos: Es gibt irre Reden, wirre Reden und Trumps Version.
Aber, alles zurück auf Null.
NATO lebt weiter, und Grönland?
„US-Präsident Donald Trump zufolge ist ein Rahmenabkommen zu einer zukünftigen Vereinbarung zu Grönland erzielt worden. Daher würden die für den 1. Februar angedachten US-Zölle nicht erhoben“.
Auf die angekündigten Zölle zum 01. Februar/01. Juni will er verzichten.
(n-tv, RND, weitere)
[Dann mal gleich das Original – Trump via „Truth Social“:
Based upon a very productive meeting that I have had with the Secretary General of NATO, Mark Rutte, we have formed the framework of a future deal with respect to Greenland and, in fact, the entire Arctic Region. This solution, if consummated, will be a great one for the United States of America, and all NATO Nations. Based upon this understanding, I will not be imposing the Tariffs that were scheduled to go into effect on February 1st. Additional discussions are being held concerning The Golden Dome as it pertains to Greenland. Further information will be made available as discussions progress. Vice President JD Vance, Secretary of State Marco Rubio, Special Envoy Steve Witkoff, and various others, as needed, will be responsible for the negotiations — They will report directly to me. Thank you for your attention to this matter!
DONALD J. TRUMP
PRESIDENT OF THE UNITED STATES OF AMERICA
T.W.]
Der Paradigmenwechsel den der kanadische PM anspricht sollte alle Mittelmächte inspirieren. Was wäre der nächste logische Schritt? EU-Mitgliedschaft Kanadas?
Es liegt harte Interessenspolitik vor uns, die Interessen der USA unter Trump und der EU kollidieren. Lessons learned:
A) Widerstand und für seine Interessen eintreten wirkt und lohnt
B) Beginnt auch die Ära der „Smart Middle Powers“?
LOL.
I told you so.
Die liebe Gemeinde muss nun noch ein bisschen warten, ehe der altböse Feind in Washington diesmal aber so richtig in die Schranken gewiesen werden kann….der nächste Aufreger kommt bestimmt
Bonne nuit.
[Ich sag’s gerne noch mal: MAGA-Trolle laufen genausogut wie Putin-Trolle hier. T.W.]
@Thomas Becker
Aber das ist doch genau die Lehre aus dem Geschehen: Weist man Trump entschlossen in die Schranken, dann laufen Verhandlungen mit ihm deutlich besser. Dafür muss man natürlich auch die zum Aufzeigen von Grenzen erforderlichen Mittel haben, und ich vermute, dass diesmal die Abhängigkeit der USA vom Kauf amerikanischer Staatsanleihen durch europäische Investoren war. Da man nun die Achillesferse der Amerikaner gefunden zu haben scheint, sind weitere größere Probleme mit ihnen vielleicht erst einmal abgewendet, aber es ist schade, dass es soweit kommen musste, weil durch dieses kleine Spielchen die Reste des Westens im größeren Spiel insgesamt verloren haben.
Zum vorläufigen Abschluss der Grönland-Saga:
So wie es aussieht, bekommen die USA mehr oder weniger große Teile Grönlands als Staatsgebiet in welcher Form auch immer. Dazu wahrscheinlich noch weitergehende Rechte in verschiedener Richtung.
Die USA haben gewonnen. Sie bekommen die Teile von Grönland, die sie haben wollen, müssen dafür vermutlich keinen nennenswerten „Preis“ bezahlen und behalten die Oberherrschaft über Europa. Den Verzicht auf die unmittelbare Übernahme von ganz Grönland muss man als taktischen Zug der Nutzenmaximierung bewerten.
DK-D-Europa hat verloren, Man kann sich darüber streiten, ob das eine totale Niederlage war oder nur eine bedingte (Erhalt der Souveränität DKs über den größeren oder größten Teil Grönlands).
Persönlich bewerte ich es als totale Niederlage, denn:
a) Langfristig dürfte Grönland insgesamt an die USA fallen. Die Grönländer werden durch die US-Teile mental noch näher an die USA geführt. Die US-Teile werden durch Militär und Industrie relativ große wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik entfalten. Die mangelhafte Dynamik der Europäer könnte auch dazu führen, dass der Übergang Grönlands relativ schnell eintritt.
b) Die Europäer wurden als machtlos, irrelevant vorgeführt bzw. haben sich selbst als machtlos vorgeführt. Ansehen ist wichtig. In der Sache sind wir schon lange auf dem absteigenden Ast. Aber das war ein weiterer Schritt, es global offiziell zu machen, was den Abstiegsprozess weiter beschleunigt.
c) Durch die schnelle Eskalation und Deeskalation dürfte ein nennenswerter „Grönland-Schock“ ausbleiben. In Europa werden die Dinge so weiterlaufen wie bisher – und das ist vermutlich die schlechteste Nachricht von allen.
Letztlich haben die USA ein Prinzip angewendet, das mir mal ein ehemaliger Chef sagte: Wie mache ich einem Hund eine Freude? Erst schlage ich ihn. Dann höre ich auf. Das ist so ziemlich genau das, was da geschehen ist: Die europäischen Regierungen dürfen sich freuen, dass sie nicht mehr geschlagen werden. But I have news for them: Das geht so weiter, auch von anderer Seite. Das Beispiel macht Schule. Schwäche gebiert Schwäche. Und ist auch nicht das erste Mal (man denke zurück an den Türkei-Deal zur Flüchtlingsabwehr damals, genau das gleiche Muster).
@BS sagt:
22.01.2026 um 9:34 Uhr
„Zum vorläufigen Abschluss der Grönland-Saga:
So wie es aussieht, bekommen die USA mehr oder weniger große Teile Grönlands als Staatsgebiet in welcher Form auch immer. Dazu wahrscheinlich noch weitergehende Rechte in verschiedener Richtung.
Die USA haben gewonnen. Sie bekommen die Teile von Grönland, die sie haben wollen, müssen dafür vermutlich keinen nennenswerten „Preis“ bezahlen und behalten die Oberherrschaft über Europa. Den Verzicht auf die unmittelbare Übernahme von ganz Grönland muss man als taktischen Zug der Nutzenmaximierung bewerten.[….]“
Die USA bekommen Teile von Grönland als Staatsgebiet?
Wo haben Sie das denn her? Ebenso mit der „Oberherrschaft über Europa“.
Ich empfehlen Ihnen – und jedem – sich auch abseits des tagesaktuellen Geschwurbels seitens des GröPraZ mal umzuschauen. „The last word“ mit Lawrence O’Donnell ist da ein ganz interessanter Anlaufpunkt. Seit die Grönlanddebatte wieder hochkochte wies er darauf hin, dass exakt nichts passieren wird. Das Donald Trump die Aufmerksamkeit liebt und das er das Spiel spielen wird solange es ihm nutzt. Also Aufmerksamkeit von Epstein, ICE oder der strauchelnden US-Wirtschaft ablenkt. Kaum knickte die Börse dann ein, knickte auch Donald ein.
Nochmal die Frage: Woher haben Sie ihre Information, dass die USA „mehr oder weniger große Teile Grönlands als Staatsgebiet“ bekommen. Das behauptet nicht mal mehr die größte Orange aller Zeiten selbst.
@BS: Aus Dänemark heißt es klar, dass der von DJT erwähnt „Rahmen für einen zukünftigen Deal“ nicht existieren würde. Sicherheitspolitische Fragen könnten diskutiert werden, Fragen der staatlichen Souveränität Grönlands nicht. Möglicherweise ist der Stationierungsvertrag für US-Truppen von 1951 von Herrn Rutte gegenüber DJT auch schlicht nur in einem anderen Format verkauft worden, aka: Alter Wein in neuen Schläuchen. Wir werden wohl noch etwas warten müssen, bis sich der Nebel um diesen Vorgang lichtet. Geschafft hat DJT vor allem wieder, von den Eppstein-Akten abzulenken.
Trotzdem werden die Folgen des US-Gebarens weitreichend sein. Sie werden nicht sofort sichtbar sein, sie werden aber kommen. Ich weiß z.B., dass bei uns derzeit USD-nominierte Geschäfte geprüft werden hinsichtlich einer Umstellung auf EUR-Denominierung. Die erratische US-Politik lässt den USD deutlich fluktuieren, dass macht gerade bei längerlaufenden Geschäften keinen Spaß hinsichtlich FX-Effekte und Planbarkeit. Ein einzelnes Geschäft macht keinen Unterschied, eine Vielzahl von kleineren Aktivitäten schon. Auf Sicht schwächt es den USD-Raum und stärkt den EUR-Raum. Vieles von den derzeitigen „wirtschaftlichen Errungenschaften der USA“ werden sich mittelfristig als Strohfeuer entpuppen.
Wir haben hier gar nicht über „The Golden Dome“ gesprochen.
Was, wenn die Amerikaner das transaktionale Konzept von „Deterrence as a Service“ der NATO unter Trump zu „Missile Defense as a Service“ ändern wollen? Würde uns das nicht zum Objekt einer nuklearen Good-Cop/Bad-Cop-Strategie machen?
Könnte es sein, dass die „Grönland-Saga“ Ablenkung war, damit wir nun noch weiter in unsere Erpressbarkeit investieren? Mir war schon immer Unwohl bei Begriffen wie „atomarer Schutzschirm“ als Synonym für nukleare Abschreckung, aber das wäre katastrophal für uns, wenn der Angriff Russlands in einen Atompoker mündet und Russland sich mit den USA zu unserem Nachteil ausgleicht. @T.W. wäre es ggf. eine Frage wert, ob unser künftiges Engagement dort auch Partizipation an „The Golden Dome“ beinhaltet?
Es kommt mir selbst abgedreht vor, da der Einsatz von Nuklearwaffen als Druckmittel unglaubwürdig erscheint. Bloß geht mir dieser Sound nicht mehr aus dem Ohr (Trump an Kanadas PM Carney in seiner Rede in Davos):
„Canada lives because of the United States. Remember that, Mark, the next time you make your statements.”
@Bravo November: Nein, die Europäer können über den Markt für US-Treasuries keinen nennenswerten Druck aufbauen. Das wäre (theoretisch) eher ein Druckmittel Chinas, aber selbst die Chinesen sind so schlau und machen das nur sehr dosiert und langfristig (was man so aus langfristigen Analysen lesen kann – genau weiss das niemand). „Boykott“ der Emissionen oder der Verkauf länger laufender Treasuries ist mindestens ein gewaltiger Schuss ins eigene Knie, weil damit ja eben die eigenen Finanzanlagen deutlich an (Handels) Wert verlören.
Nein, in der Causa Grönland hatte sich Trump einfach die falschen Gegner zum falschen Zeitpunkt ausgesucht. Populär war die Sache nie wirklich in den USA, niemand konnte konkret darlegen, wo genau der Vorteil eines Erwerbs für die USA denn nun wirklich liegen würde (mal abgesehen von den schöner anzusehenden Landkarten), und wirkliche Hebel hatte er damit nie. In diesem Setting stößt seine Methode an Grenzen, wenn die anderen die Nerven behalten.
Zeigte Nordkorea in seiner ersten Amtszeit auf, und im letzten Jahr taten das die Chinesen im Zollstreit.
Nur springt unsere Aufmerksamkeitsökonomie jedesmal zuverlässig an, sobald DJT wieder einen Ballon in die Luft wirft.
The Times reported NATO members “discussed a compromise in which Denmark would give the United States sovereignty over small pockets of Greenlandic land where the United States could build military bases, according to three senior officials familiar with the discussion.”
Link zum Artikel der NYT im Text, ist aber hinter der Bezahlschranke: https://www.yahoo.com/news/articles/trump-greenland-deals-reportedly-includes-215512696.html
[Na, denn mal den NYT-Text komplett:
https://www.nytimes.com/live/2026/01/21/us/trump-davos-greenland-news?unlocked_article_code=1.GVA.yXOM.YzUYKCXk_XWf&smid=url-share
T.W.]
Aus dem verlinkten NY Times Artikel:
„Aaja Chemnitz, a Greenlandic member of the Danish parliament, rejected what Mr. Trump said about his potential deal with NATO.
“What we are witnessing these days in statements from Trump is completely absurd. NATO has absolutely no mandate to negotiate anything whatsoever without us in Greenland,” she said in a post on social media.
“Nothing about us, without us,” she added, saying, “There is total confusion being created.”“
Tja, klingt nicht so, als hätten Trump und Rutte da alle relevanten Akteure mit einbezogen. Ich weiß leider nicht, ob und wie das dänische Parlament einem Deal bzgl. der Übertragung von Souveränität an die USA zustimmen müsste, aber vielleicht gibts hier ja Experten für die dänische Verfassung?
Vom grönländischen Parlement ganz zu schweigen. Eigene Verfassung hat man dort ja nicht, aber die kurze Wikipedierecherche zur Selvstyre sagt „Laut § 11 kann Grönland in außenpolitischen Fragen mitverhandeln und es soll eine Zusammenarbeit zwischen Grönland und Dänemark bestehen, um beider Seiten Interessen zu wahren. Dabei muss jedoch Dänemarks verfassungsrechtliche Rolle als Vertreter der Rigsfællesskabet (Gemeinschaft des Königreichs Dänemark) beachtet werden. In § 12 heißt es, dass Grönland selbstständig als Vertreter der Rigsfællesskabet handeln kann in außenpolitischen Angelegenheiten, die ausschließlich Grönland und vollständig übernommene Verantwortungsbereiche betreffen. Wenn sie auch die Färöer betreffen, sollen beide gemeinsam verhandeln. Dänemark ist bei sämtlichen Verhandlungen zu unterrichten. Für außenpolitische Fragen, die verfassungsgemäß unter dänischer Verantwortung liegen, kann Grönland laut § 13 bei besonderem Interesse mitwirken. Dabei kann die Verhandlungsführung in Angelegenheiten, die ausschließlich Grönland betreffen, so weit wie möglich an Grönland übertragen werden. Grönland hat ein Mitspracherecht bei Angelegenheiten mit besonderer Bedeutung für Grönland und Dänemark sollte ein Übergehen der grönländischen Meinung in größtmöglichem Umfang vermeiden.“
Als Laie würde ich da ja vermuten, dass §12 oder 13 greifen würden und das grönländische Parlament Mitsprache- oder gar Vetorecht hätte.
Bin gespannt, ob die Sache tatsächlich durch ist oder in 2-3 Monaten wieder akut wird.
@Thomas Becker
Vielen Dank, hatte ich falsch verstanden bzw. einen nicht vorhandenen Zusammenhang zwischen der Entscheidung des dänischen Pensionsfonds und der Entscheidung Trump vermutet.
Epstein, Epstein, alles muß versteckt sein. Mal sehen, was Donald der Erste als Nächstes aus dem Hut zaubert, um von den Problemen in den USA abzulenken.
@Niemand hat die Absicht, die NATO infrage zu stellen
MdB Roderich Kiesewetter: Das Transatlantische Bündnis ist einseitig durch die USA (unter der Regierung Trump) aufgekündigt worden (Statement in WELT, 22.01.2026);
Prof. Monika Schnitzer (Beraterin der Bundesregierung in wirtschaftspolitischen Fragen): Trumps Drohungen stellten die Weltordnung und die NATO in Frage. „Es ist die Stunde gekommen, wo man sagen muss: So geht es nicht weiter.“
Donald Trump (US Präsident) sprach am 21.01.2026 in DAVOS der NATO die Kompetenz ab, bestimmte Massnahmen der Verteidigung überhaupt durchführen zu können: „Ich habe großen Respekt für die Menschen in Grönland und in Dänemark, aber jeder NATO-Verbündete muss in der Lage sein, das eigene Territorium zu verteidigen.“ Er fügte hinzu, die Vereinigten Staaten hätten Grönland nach Ende WWII „dummerweise“ an Dänemark zurückgegeben.
Dänemark und die Regierung in Dänemark (sowohl auch in Grönland) seien zwar „wunderbare Menschen“, allerdings nicht in der Lage, Grönland schützen zu können. Aufgrund der großen, strategischen Bedeutung, sei ER jetzt dazu berufen Grönland übernehmen zu müssen („Wir brauchen Grönland“). Das die NATO Grönland braucht, davon war und ist keine Rede. Die Formulierung „die NATO braucht Grönland“ kommt nicht in der Welt- und Wertevorstellung der amtierenden US Administration vor.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte: Um die Souveränität von Grönland sei es (nach seiner Erinnerung) angeblich nicht gegangen, so der NATO-Generalsekretär gegenüber Fox News. Dieses „Thema kam in meinen Gesprächen mit dem Präsidenten heute Nacht nicht mehr auf“. Es mag durchaus sein das im Rahmen der langatmigen Reden des „Führers des Freien Welt“ der beabsichtigte „Take-Over“ nicht mehr explizit angesprochen wurde:
Eine Abkehr der verbindlichen Absichten des US Präsidenten Trump zum „Take-Over“ gibt es meiner Ansicht nach nicht; es existieren hierzu keine Quellen; aktuell werden in Washington nur die Wahl der Mittel hierfür durchdekliniert. ER revidiert seine einmal, bereits getroffene Entscheidung nicht.
Und die NATO? Nun ja, es gibt noch das Vertragswerk und die Institution. Formal. Ob es überhaupt noch wirkliche, belastbare Entscheidungen treffen kann, steht auf einem anderen Blatt.
Einen Ausblick gab es in DAVOS im Forum: „Kann Europa sich selbst verteidigen?“
Finnland und Polen sagen: JA
@sakrileg
Tja, klingt nicht so, als hätten Trump und Rutte da alle relevanten Akteure mit einbezogen
NIEMAND wurde hier in die Essentials mit einbezogen (und nur für sehr wenige relevante Persönlichkeiten hatte Trump etwas Zeit). Dies ergibt sich bereits aus dem historischen Kontext, nachdem Trump das „Take-Over“ verkündet und neue Zölle in Aussicht gestellt hatte.
Von der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Minister Lund Poulsen kommt heute, 26.Jan.2026, folgende Positionierung: „Wir haben eine klare rote Linie und wir werden die Souveränität über Teile des Königreichs nicht abtreten.“
@Teetrinker
… ggf. eine Frage wert, ob unser künftiges Engagement dort auch Partizipation an „The Golden Dome“ beinhaltet?
Bitte nicht, auf keinen Fall: die Schnaps-Idee soll die US Administration gerne weiter verfolgen und soviele „Golden Dome“ dort stationieren und gefälligst auch bezahlen.
Europa und Deutschland zahlt regelmäßig für 80.000 US Soldaten in Europa. Insbesondere in die Infrastruktur.
Europa und Deutschland zahlt für die Unterstützung der UA (und bezahlt insbesondere Waffen Made in USA, soweit diese freigegeben und ausgeliefert werden).
Europa und Deutschland zahlt (leider) für die Beschaffung von US Rüstungstechnik (und vernachlässigt die EU Rüstungsinsdustrie). Nur EIN Thema von vielen: F 35 Lightning II, Die teure „Hangar-Queen“, vgl. Bericht Tschechiens Air Chief Generalmajor Petr Cepelka vom 02.Jan.2026 mit Fazit: Weiterhin mangelnde Einsatzbereitschaft.
Ein dauerhafter Einsatz unter extremen, arktischen Bedingungen ist ausserordentlich kostenintensiv. Gerne zitiere ich Dr. Joachim Weber (Senior Fellow für Strategische Vorausschau & Risikoanalyse am CASSIS) zur Gefahrenprognose bzgl. Grönland: „Ein fixe Idee, ein Hirngespinst“ unter Bezugnahme auf die „Gefährdungsanalyse“ von Trump
@Sakrileg: Der einfachste Weg wäre, wenn Grönland eine Volksabstimmung zur Unabhängigkeit macht.
Dänemark hat vor einigen Jahren mit den Grönländern vereinbart, daß diese immer so ein Referendum machen dürfen.
Das unabhängige Grönland kann dann der USA beitreten.
@Thomas Becker, ja ein koordinierter Verkauf von US Staatsanleihen im großen Stil wäre tatsächlich ein Schuss ins eigene Knie weil das den Preis massiv drückt und alles was nicht verkauft wird rapide Wert verliert.
Aber warum sollte uns ein Boykott der Zeichnung bei Neuausgaben schaden? Alte Anleihen werden fällig, die Anlagesumme wird ausgeschüttet und dann halt nicht in neue US Anleihen investiert sondern anderswo. Wo soll da ein Schaden für uns sein?
Zumal es ja durchaus Stimmen gibt die die Kombination in den USA aus den vorhandenen Schulden, Steuersenkungen, Mehrausgaben und der Hoffnung das das Ausland das alles mit Zöllen finanziert, kritisch sehen. Da verliert dann halt schon mal der eine oder andere Investor den Glauben das er in 10 Jahren sein Geld wiedersehen wird.
@Sandro Valecchi:
Ich bin nicht der Fan der F-35, schon gar nicht vor dem aktuellen Hintergrund, aber Ihre Aussage bezüglich des angeblichen tschechischen Urteils über die Einsatzbereitschaft dieses Flugzeugs wundert mich, laufen die Flugzeuge dort doch erst in 2031 zu.
„ Vereinfacht gesagt richten wir derzeit alles darauf aus, dass im Oktober 2031 die ersten F-35A in Čáslav auf dem neu errichteten Campus landen – mit tschechischen Piloten in den Cockpits und von tschechischen Technikern am Boden übernommen.“
Ein ausführliches Interview dazu mit Cepelka hier
https://militaeraktuell.at/tschechien-air-chief-generalmajor-petr-cepelka-2/
Gibt es irgendwo eine Einlassung der Dänen/Grönländer zu einem „Deal“ der die aufgabe territorialer Ansprüche und Abtretung an USA meldet/bestätigt. Alles andere wäre ja ein SOFA (Status of Forces Ageement), welches die USA ja in Maximalform seit 195x schon haben?
NATO-Generalsekretär Rutte, der die Vereinbarung mit Trump getroffen hatte, erklärte, die Mitgliedsländer der Allianz müssten ihre Anstrengungen für die Sicherheit in der Arktis verstärken. Es sei nun an den NATO-Kommandeuren, Einzelheiten festzulegen (DLF).
Ziffer 4. der Vereinbarung
„Europäische NATO-Staaten verpflichten sich zu einem stärkeren Engagement in der gesamten Arktis“.
Hinsichtlich der Einsatzfähigkeit in arktischen Gewässern ist die „Eisfähigkeit“ Deutsche Marine gefragt. Brauchen wir also eisfähige Fregatten, Korvetten, welche Auswirkung auf bestehende Beschaffungsprogramme? Welche Häfen auf der Insel kommen als Stützpunkte infrage? Dauerstationierung dort?
Ergänzung.
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Das liegt ganz in der Auffassung des Kanzlers, der unverändert auf das transatlantische Verhältnis setzt,