Sicherheitshalber der Podcast #103: Unsere Machtlosigkeit und die neue Weltordnung | Narzissmus in der internationalen Politik
Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 103 diskutieren Ulrike Franke, Frank Sauer, Carlo Masala und ich über Macht. Was ist Macht überhaupt? Inwiefern wird Macht bedeutsamer, jetzt, da die regelbasierte Weltordnung wie wir sie kannten aufgehört hat zu existieren? Und warum sind wir in Europa – oder fühlen uns? – im Vergleich zu anderen so machtlos?
Im zweiten Teil sprechen wir mit Sofie Stoffel und lassen uns von ihr erklären, warum die Politik der USA – aber auch anderer Staaten – durch die analytische Linse des Narzissmus erklärt werden kann. Welche Muster werden erkennbar? Welche Handlungsanweisungen lassen sich ableiten (Ride the chaos!)? Wer reagiert bisher am besten auf den US-Narzissmus der Trump Administration? Mexiko? Kanada? Die EU?
Abschließend wie immer der Sicherheitshinweis, der kurze Fingerzeig auf aktuelle, sicherheitspolitisch einschlägige Themen und Entwicklungen – diesmal mit der wieder aufgeflammten Diskussion um die deutsche Bombe, einem weiteren Satz zur Diskussion um die deutsche Bombe, serbischen Rüstungseinkäufen in China und südkoreanischen Rüstungsverkäufen in Europa.
Macht und Weltordnung: 00:01:40
Narzissmus: 01:00:11
Fazit: 01:43:25
Sicherheitshinweise: 01:44:40
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Thema 1: Macht und Weltordnung
Ulrike Franke: How companies go to war – Engelsberg ideas, September 2024 & Vortrag Ulrike Franke — Companies Go to War
Ulrike Franke: Privatsache Krieg, Handelsblatt, 16.02.2024
Alexandr Burilkov, Guntram B. Wolff, Defending Europe without the US: first estimates of what is needed, Bruegel, 21.01.2025
New York Times: Two Hours, Scores of Questions, 23,000 Words: Our Interview With President Trump, 11.01.2026
Oona A. Hathaway, Scott J. Shapiro: A World Without Rules: The Consequences of Trump’s Assault on International Law, Foreign Affairs, 13.01.2026
Robert Kagan: America vs. The World, The Atlantic, 18.01.2026
Ploum: Why there’s no European Google?, 22.01.2026
Helmut Philipp Aust, Claus Kreß, Heike Krieger: Das Ende einer Ära?, FAZ, 23.01.2026
US National Defense Strategy 2026
Thema 2: Narzissmus
Unser Gast: Sofie Lilli Stoffel, Research Fellow, GPPi
Sofie Lilli Stoffel, Philipp Yorck Herzberg: When Your Ally Turns Narcissistic: A Self-Help Manual for Europe Navigating Transatlantic Relations, GPPi, 12.10.2025
Sicherheitshinweise:
Carlo: Die Diskussion um die deutsche Bombe ist gekommen, um zu bleiben
Frank: Nuklearwaffen ≠ Abschreckung ≠ Sicherheit
Rike: Serbien kauft Militärgerät von China
Thomas: Südkorea wird zunehmend Rüstungslieferant für Europa, zuletzt für Norwegen
BlueSky:
Sicherheitspod: @sicherheitspod.de
Rike: @rikefranke.bsky.social
Frank: @drfranksauer.bsky.social
Carlo: @carlomasala1.bsky.social
Thomas: @wiegold.de
Hallo Herr Wiegold,
sehr interessante Folge. Womit das Stichwort schon gegeben ist. Interessen.
Wir, und damit meine ich die breite Bevölkerung, haben ganz viele davon, verstanden diese aber als Selbstverständlichkeiten.
Jetzt hat sich ganz viel geändert. Dann lass uns doch einfach wieder zu dem Zeitpunkt zurückkehren, an dem es funktioniert hat, Stichwort billiges russisches Gas.
Ich versteh, dass viele dieser Gedankengänge aus Unsicherheit entstehen, aber wie mache ich, und auch sie, unserem Umfeld klar, dass einfache Lösungen in der Regel nicht zum Wohle der Allgemeinheit sind.
Stichwort „Einer hat das Sagen, und die anderen dürfen die Schn… halten“. Sehr einfach, aber für die Masse nicht erstrebenswert.
Vielleicht brauchen wir eine Disruption der einfachen Lösungen, damit jedem einzelnen klar wird, dass er Teil einer Kette von Interessen ist, die von der Ukraine über Polen über Deutschland auch bis nach Portugal und Spanien reicht.
Fällt eine dieser Interessen weg, so wirkt sich das, mit zeitlichem Versatz, auf die weiteren Glieder der Kette aus.
Diejenigen, die meinen, aus dieser Interessens-Kette auszusteigen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie dann in eine andere Kette einsteigen, mit allen Konsequenzen. Dem sollten sie sich dann bitte bewusst sein.
Oder wir werden zu Robinson Deutschland. Ist halt ne Abenteuergeschichte.
Ach ne, Abenteuer wollten wir ja nicht.
Ich habe zwei Anmerkungen zum Beginn des Podcast.
Zum einen wurde gesagt Trump verliert durch den Bruch in der NATO. Aus meiner Sicht lässt sich noch nicht bewerten, wie der Bruch der USA mit der NATO für Trump wirkt, da mir seine Ziele noch nicht klar sind.
Das andere ist der starke Fokus auf Europa als Lösung. Ob Europa, die EU oder die wertewestlichen Mittelmächte dauerhaft aufeinander zu bewegen und füreinander und eine regelbasierte demokratische Gesellschaft einstehen, wird die Zeit zeigen. Die ein oder andere neue Regierung in einem europäischen Land könnte sich den aktuellen USA näher fühlen, als der EU. Le pen in Frankreich oder pis in Polen an der Macht und schon wirkt die EU ganz anders.
Daher, solange wir uns nicht Richtung Vereinigte Staaten von Europa bewegen, sehe ich die Gefahr, dass Europas Einheit nicht von Dauer sein wird.
Vielen Dank an den Sicherheitshalber Podcast und den tollen Gast dieser Folge, die wieder einmal sehr aufschlussreich war.
Frage zum ersten Teil der Folge:
Wenn die EU/Europa die „Sprache der Macht erlernen“ sollte, bedeutet das dann, dass Europa aktiv seine Macht auch projizieren muss, um als „mächtig“ wahrgenommen zu werden? Bislang spielte die EU ja immer nur den netten Handelspartner, der auf Augenhöhe die Win-win-Situation suchte. Brauchen wir also jetzt eine EU, die zur Not auch das Militär schickt? Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln? Gehört das zwangsläufig zum Thema „Sprache der Macht“?
Das Ende einer Ära.
Endlich zieht Europa die Konsequenzen und baut eigene Strukturen auf. Seit Jan. 2025 sind die USA faktisch kein Verbündeter mehr der Europäer und Europa muss nachhaltig sowie konsequent reagieren. Es beginnt mit dem Ausbau der E6 Initiative sowie den strategischen Ausbau der Europäischen Verteidigungfähigkeit.
@Thomas
Ja, Süd – Korea wird zunehmend zum neuen Lieferanten für Rüstungsindustrie und Rüstungsgüter. Weil die Kapazität derweil in der EU noch nicht ausreicht. Und weil Süd – Korea einfach schneller und insbesondere auch preiswerter produzieren kann bei guter bis sehr guter Qualität. Hätte Italien nicht naiverweise seine neuen Fregatten beim Amerikanischen Freund bestellt, hätte Italien viel Geld und sich weitere Probleme ersparen können. Allerdings kam dieser Kauf noch zu einer anderen Zeit und US Präsidentschaft zustande. Aber vielleicht setzt jetzt ein Prozess des Umdenkens auch in Italien ein.
@Carlo @Frank
Nuklearwaffen und Nukleare Abschreckung kann nur im Kontext der Europäischen Verteidigungfähigkeit und Verteidigungsgemeinschaft gedacht, geplant und realisiert werden.
Der ehemalige Nukleare Schutzschirm mit den USA ist längst Geschichte und nur noch ein Hirngespinnst. Mit dem Ende der Ära einer funktionierenden Verteidigungsgemeinschaft, welche ohnehin nicht auf Gleichberechtigung sondern US Leadership beruhte, sind die tragenden Säulen wie Glaubwürdigkeit sowie Entschlossenheit dieser Abschreckung nunmehr hinfällig, weil nicht mehr existent.
Mit den Statement und der Einschätzung von TW dürfte zunächst die erhebliche Aufstockung der Produktion von Marschflugkörpern absolute Priorität haben. Damit reduziert sich die Diskussion um die atomare Abschreckung.
Dessen ungeachtet glaubt weder Freund noch Feind um die Realität einer atomaren Teilhabe mit den USA. Allein der Begriff der TEILHABE ist völlig aus der Zeit gefallen und wird vom amtierenden US Präsidenten definitiv nicht benutzt.
Zudem kann mir niemand, absolut niemand ernsthaft und glaubhaft darlegen, wie ein konkretes Einsatz Szenario einer solchen Form der Abschreckung umsetzbar wäre. Damit ist ein solches Szenario hinfällt und nicht ‚Tiger Meet‘, sondern ein Papier Tiger.
Das Problem für uns in Europa ist nicht die Ablösung der ohnehin nur noch auf dem Papier existierenden militärischen Partnerschaft, sondern unsere Erpressbarkeit in Sachen Digitaler Abhängigkeit von den USA. Zahlreiche Sicherheitsexperten mahnen die Bundesregierung zur Förderung und Herstellung der Digitalen Souveränität
@Sandro Valecchi
Wenn die nukleare Teilhabe obsolet ist besteht auch kein rational für die Beschaffung der F-35, wobei das eh aus meiner Sicht schwach war („nukleare Freifallbomben“). Da hätte man auch weiterhin so tun können als ob und eine Handvoll TORNADO auf die nächsten Jahre flugfähig halten können.
Einen europäischen Nuklearschirm wird es nie geben – das ist und bleibt eine Chimäre. Wer sollte denn einen Einsatz, ggf. auf Gebiet der EU – anordnen können ? Gäbe es die Möglichkeit eines Vetos ? Welcher Art sollten denn die Wirkmittel und die Trägersysteme sein ? Und: taktisch und / oder strategisch ?
@Thomas Melber
„Wenn die nukleare Teilhabe obsolet ist…“
Bitte nicht beim Waffenträger ansetzen, ob F 35 oder Tornado ist für das Prinzip einer echten Nuklearen Teilnahme nicht primär relevant.
Gibt es überhaupt noch eine Möglichkeit der echten Nuklearen Teilhabe? Würde gerne Ihre Argumentation nachvollziehen wollen.
Hintergrund : Eingeführt im ehemaligen Kalten Krieg, sicherlich relevant bis zum Zeitpunkt der Deutschen Wiedervereinigung. Der ehemalige Osten wollte seine Rechts – und Werteordnung schützen. Die Welt des Sozialismus und Kommunismus der ehemaligen UdSSR. Die ehemalige Westliche Rechts – Werte – und Verteidigungsgemeinschaft wollte unsere Werte schützen und im Fall eines überlegenen Waffeneinsatzes der ehemaligen Streitkräfte des Warschauer Paktes effektiv zurückschlagen können.
Charakter der ehemaligen Deutschen Teilhabe: unterstützende Funktion.
Szenario : Worst Case, V – Fall, vormals Mutual Assured Destruction oder zumindest begrenzte, taktische Einsätze. Mehr ein Plan und „Brett – Spiel“ als Realität.
Wirkung dieser Waffe : begrenzt.
Einsatz Szenario : alleinige Kontrolle der USA, „gelbe Linie“
Waffenfreigabe : Präsident der USA und danach Weitergabe an die Kommando – Strukturen der NATO.
Träger : Deutsche Piloten unter dem Kommando des Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Dessen Zustimmung ist Zwingend.
Was benötigten wir also für ein solches Einsatz – Szenario? Unbedingtes Vertrauen und höchste Integrität in die Entscheidungsträger.
Besteht mit Blick auf Washington am 01.02.2026 dieses unbedingte Vertrauen und höchste Integrität der Entscheidungsträger in Washington?
Zum Thema „nukleare Teilhabe“:
Ich wäre jetzt nicht sicher ob die kolportiert 20 B61 Bomben der Amerikaner wieder zurückkommen.
Derzeit wird Büschel ja umgebaut und die zwanzig A-Bomben sind mit grosser Sicherheit nicht mehr im Lande…
Nachtrag zum Sicherheitshinweis von Carlo Massla: In der Tat, die deutsche Bombe wird wieder von allen Seiten diskutiert incl. der grossen Zeitungsblätter.
Das letzte Mal gab es eine solche Diskussion zu den Zeiten von Franz-Josef ( Strauss ) in den 1950er/60ern.
Der Hinweis auf die Unzulänglichkeit der Engländer ( U-Boot-Atom-Raketen-Technik von den USA abhängig ) und Franzosen ( die machen zwar alles selbst, haben taktisch aber zu wenig für eine glaubhafte Abschreckung ) ist vielen arglosen Bürgern nicht so bekannt, gleichwohl aber völlig korrekt.
Dummerweise gilt:
Will man die gleiche Abschreckungswirkung erzielen die im kalten Krieg herrschte ( da waren die Machtblöcke ja noch glasklar positioniert ), geht es wohl nicht ohne die eigene Bombe, deshalb ja die Diskussion.
Eine europäische Lösung die funktioniert ist real nicht wirklich umsetzbar ( klingt natürlich aber gut ), die USA sind derzeit völlig unberechenbar bis unglaubwürdig und ein Schutzschirm gestellt von F oder UK ist, naja, eher zweifelhaft in der Aussenwirkung.
Die Komplikationen die eine deutsche Bombe mit sich brächten sind aber dermassen gross das der heute sehr wackelige US-Schutz erst mal reichen muss. So sieht das ( nicht zu unrecht ) die Politik.
Durch die Technik/Wissenschaft/Industrie hierzulande wäre ein Bombenprogramm gleichwohl „a piece of cake“, zumindest bei Priorisierung ala‘ „LNG-Terminal Ostsee“.
Und der Erhöhung des Verteidigungs-Etats um weitere geschätzt ein bis zwei Prozent-Punkte…
Das wird aber keiner wollen. Und es gelten die Aussagen „not going to happen“, „over my dead body“ oder „are you nuts“ zu diesem Thema.
Mit der heute sehr begrenzten Abschreckungswirkung wird man leben müssen.
( wobei die Situation im kalten Krieg mit über tausend stationierten Atomsprengköpfen alleine in der BRD viel gruseliger war… )
@Apollo 11
„Die Komplikationen die eine deutsche Bombe mit sich brächten …“
Die aber nicht unlösbar sind, abseits vom politischen Willen hierzu;
– NPT
– 2+4 Vertrag
– Wirkung auf europäische Verbündete (insb. Polen)
– Trägersysteme
Gut, „testen“ könnte man nur mittels Simulation.
Das ist ein interessanter Hinweis zu Serbien: Im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen hat man Serbien zu verstehen gegeben, dass die Teilnahme an gemeinsamen Übungen mit China der EU-Außenpolitik zuwiderlaufe und den Beitritt gefährde.
@Apollo 11
„In der Tat, die deutsche Bombe wird wieder von allen Seiten diskutiert…“
Korrekt. Denn es darf keine Denkverbote geben, insbesondere wenn die USA als ehemaliger verlässlicher, strategischer Partner „den Dienst quittiert“ hat.
War nicht unser Wunsch. War nicht unsere Entscheidung. Das Offenkundige, was da täglich aus Washington kommt und alle fassungslos macht, bekommen wir tagesaktuell über die Medien.
‚Deutsche A-Bombe‘ ist meines Erachtens etwas too much, es geht in der Sache weiter um die Nukleare Teilhabe. Mit Großbritannien und oder Frankreich. Bitte vielleicht jetzt nicht unbedingt auf den ‚Zustand‘ der atomaren Waffensysteme in Europa abstellen, was wäre vielleicht etwas zu kurz gegriffen.
Lassen wir einmal den totalen Zusammenbruch der Vertrauensfrage zwischen Deutschland und den USA in Sachen atomare Teilhabe weg, bitte ich einmal die Fakten wie folgt durchzudeklinieren :
ETSB Büchel im Umbau, mindestens bis 2027. Magazine tote Hose (nennen wir es einfach mal Life Extension Program im Rahmen der Modernisierung.
Selbst wenn ein integeres Vertrauensverhältnis noch bestehen würde, was nicht der Fall ist, nachdem Trump seine ehemaligen Verbündeten als Stay Beyond (Feiglinge) abqualifiziert hatte, wie wäre denn das ultimative Einsatzziel zu benennen?
Als Bunker – Buster. Kommen alle verfügbaren 20 Bomben ins Ziel (sehr unwahrscheinlich) können damit bis zu 20 Tief – Bunker pulverisiert werden.
Ob der potentielle Gegner darauf hin kapituliert, müssten Sie mir freundlicher erklären.
Wenn denn die ‚Wunderwaffen‘ wieder von der US Air Force an Europa ausgeliefert werden würden, müsste dies im Haushaltsplan des Pentagon hinterlegt sein oder aufgeführt werden.
Wer die Quellen hierzu ganz konkret hat, bitte her damit. Ansonsten bleibt die offenkundig bereits ausgelaufe Vereinbarung mit den USA obsolet
@Thomas Melber
„Einen europäischen Nuklearschirm wird es nie geben…“
Sagt bitte wer? Als Europäer sollten Sie vielleicht den Europäerinnen und Europäern etwas mehr Entschlußkraft zutrauen. Die bisherige Situation hat uns jetzt dahin gebracht, wo wir in Europa gerade nicht sein wollen : nämlich in der Falle und im Kreuzfeuer der Erpresser in Washington und Moskau. Kein schönes Gefühl. Wenn man das ändern möchte, muss man proaktiv handeln.
Was dabei heraus kommt, ist und bleibt Ergebnisoffen.
Gar nichts tun, ist indes keine Option.
Die Abhängigkeit von den USA hat die Europäer in den letzten Jahren geschwächt.
Eine „Überhöhung“ hat dieses Thema nicht verdient. Wer hat denn in den letzten Jahren einen atomaren Waffeneinsatz veranlasst?
Indien? Nein. Israel. Nein. Pakistan? Nein. China? Nein. Russland? Nein, aber damit gedroht. Nord-Korea? Nein.
Unser Amerikanischer Freund? Nein.
Deshalb : ist ein wichtiges und ebenso gewichtiges Thema, welches nicht künstlich Überhöht werden darf.
Die deutschen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler setzen für die erste Bestellung der F 35 bis zu 10 Milliarden Euro ein inklusive Service und Betrieb.
Wofür? Um bis zu 20 A – Bunker-Buster einzusetzen. Und natürlich den Gegner ganz dolle zu erschrecken oder abzustrecken. Wenn das denn so klappt.
Vielleicht ist es jetzt einfach an der Zeit für eine Offensive der Europäer. Schlimmer als jetzt kann es nicht mehr kommen.
Ein EU-Schirm ist komplett unmöglich, aber eine Teilhabe mit Frankreich und UK wäre realistischer.
@Ferngärtner
Wie realistisch ist es denn, daß FRA oder GBR die Verfügungsgewalt über ihre Nuklearwaffen mit einem Dritten teilt ? FRA hat das zwar bereits DEU einige Male angeboten aber immer, wenn es von unserer Seite aus konkreter wurde, einen Rückzieher gemacht. Kurz: deren Nuklearwaffen dienen deren sicherheitspolitischen Interessen. Und ausschließlich deren Interessen.
Insofern tauschen wir nur die USA gegen einen anderen Partner, der allerdings deutlich ehrlicher ist.
Im Augenblick bin ich der Auffassung, dass sich Deutschland nicht um den Bau einer eigenen Bombe bemühen sollte. Die Politik in den USA ist so volatil, dass in einigen Jahren eine ganz andere US-Administration ganz andere Zuverlässigkeit bieten könnte. Deshalb sollte sich Deutschland zunächst darauf konzentrieren, seine konventionellen Fähigkeit – durchaus auch im Deep Strike und Hyperschallbereich – auszubauen.
Es gibt übrigens auch noch eine Variante zwischen einem eigenen Bombenbau und einer nuklearen Teilhabe: Den Kauf von Kernsprengköpfen und die Integration in ein eigenes Trägersystem. Mit dem Ausbau seiner Deep-Strike Fähigkeiten wäre Deutschland durchaus in der Lage dann zügig eine glaubwürdige Abschreckung – zumindest von der technischen Seite her – aufzustellen.
Wie könnte das aussehen?
Nukleare Abschreckung funktioniert nur bei entsprechender Reichweite tief hinter der gesamten Ost-Flanke der NATO. Aus diesem Grund reichen bodengestütze Raketen mittlerer Reichweite nicht aus. Marschflugkörper haben für meinen Geschmack für diesen Anwendungszwecke nicht genügend Durchsetzungsfähigkeit. Flugzeuge mit weitreichenden und schnellen Raketen sind eine Möglichkeit. Allerdings müssten auch diese nah genug an das Zielgebiet heran geführt werden.
Wie wäre es denn mit der Weiterentwicklung mit dem wiederverwendbaren Hyperschallflugzeug von Polaris als Träger und Startplattform? Eine von einem Hyperschallflugzeug gestartete Hyperschallrakete. Wenn wir als Deutsche diese Technologie beherrschen würden und eine Kleinserie dafür bauen würden…..
Zunächst konventiell und wenn dies für die Abschreckung nicht reichen sollte, nuklear bestückbar.
1. Natürlich ist die nukleare Teilhabe im Sinne der praktischen Verwendung der nuklearen Freifallbomben tot. Das war sie aber vermutlich auch unter freundlicheren US-Administrationen schon (evtl. schon seit Abschaffung der Pershing IA bei der Luftwaffe). Nach meinem Verständnis war eigentlicher Hauptzweck dieses politischen Konstrukts vor allen Dingen das „Ticket“ für den Zugang zu den entsprechenden NATO-Gremien, um bei Einsatz von Atomwaffen auf Deutschem Boden zumindest etwas Einblick und Mitsprache zu haben. Ob aber Trump-Amerika auch nur irgendwas auf die Feinheiten der NATO-Führungsstruktur gibt, wenn es a.) um Atomwaffen und b.) um den Einsatz und den Befehl über US-Amerikanische Truppen geht, muss sich jeder selbst beantworten.
2. Bei den F 35 für die Luftwaffe sehe ich vor allem die Möglichkeit, konventionelle Erfahrungen mit der Technologie eines Flugzeuges dieser Generation „Stealth“, „Vernetzt“ etc., zu erlangen, die wir bisher nicht hatten. Ich hoffe sehr, dass man einige dieser Flieger bis zur letzten Schraube auseinandernimmt und untersucht. Ebenso alle „Blackboxen“ nebst Software etc.. Zusätzlich natürlich Versuche mit den Radarsignaturen in allen Bereichen etc. – wäre ja sinnvoll, wenn Hensoldt und Co. künftig besser in der Lage sind F35 und Co. mit dem Radar zu erfassen. Fraglich ist dabei natürlich, wie abgespeckt und repräsentativ die Fähigkeiten von Export-F35 tatsächlich sind.
Wenn dann am Ende – wenn alle „Phone Home“ Probleme im Griff sind noch praktischer konventioneller Nutzen für die Luftwaffe entsteht (Seezielbekämpfung, ggf. SEAD im Verbund mit dem tollen ECR EF etc.), ist es ggf. gut angelegtes Geld. Auch um einen Benchmark (Preis+Leistung) für den tollen französischen Stealthflieger zu erhalten, dessen Entwicklung wir (möglichst ohne Mitsprache) bezahlen sollen.
3. Der „Atomschirm“ der Amerikaner besteht nur noch auf dem Papier. Sobald auch keine nennenswerten konventionellen US-Truppen in Deutschland und an der „Ost-Front“ betroffen sind, sinkt die Glaubwürdigkeit und Wahrscheinlichkeit dieses Schutzes noch weiter ab. Daher muss eigentlich klar sein: Spätestens wenn die Amerikaner keine relevanten konventionellen Truppen mehr für die NATO in Europa stellen. Müssen sie aus den Befehlsstrukturen und Stützpunkten entfernt werden. Denn dann wäre die Chimäre des „Amerikanischen Schutzschirms“ nur noch Vehikel um die Europäer weiterhin militärisch unmündig zu halten und um US-Stützpunkte für deren Machtprojektion zu sichern.
4. Die Europäische Union ist für eine atomare Bewaffnung strukturell ungeeignet. Zu groß, zu divers, Verfassungsrechtlich zu unausgereift (im Grunde ein loser Staatenbund, dem alle wesentlichen Merkmale für eine einheitliche Führung fehlen.). Die nötigen Reformen, um die strukturellen Demokratiedefizite zu beseitigen und „Vereinigte Staaten von Europa“ zu schaffen halte ich für unrealistisch.
5. Eine denkbare Lösung wäre ggf. eine „Koalition der Willigen“ in Kooperation mit dem UK. Gebildet aus den nordischen Front-Staaten (DE, NL, SWE, DEN, NOR, FIN, POL). Zusammenschluss um gemeinsam mit UK moderne Nuklearwaffen- und Träger zu entwickeln + finanzielle Hilfe für UK beim Betrieb und Einsatz der vorhandenen Atomwaffen und U-Boote. Im Gegenzug: „Leasing Verträge“ für 99 Jahre, die den Teilnehmerländern jeweils eine bestimmte (ausreichende) Anzahl von UK-Atomwaffen unter nationalem Kommando sichert. (Nukleare Teilhabe 4.0 – nur neu und ganz toll und wirklich gleichberechtigt. Denn wer bezahlt schafft an. Und UK kann seine klammen Kassen in diesem Bereich aufbessern.)
Mit FRA sehe ich keine gangbare und verlässliche Lösung. Schon gar keine „Gleichberechtigung“ (unser Geld würden sie natürlich nehmen. Ohne uns dabei auch nur irgendeine Kontrolle zu ermöglichen).
@ Sandro Valecchi
Eine „europäische nukleare Teilhabe“ scheitert schon als Idee einem unwiderlegbaren Fakt:
Weder Frankreich noch UK werden einen Teil der Verfügungsgewalt über ihre nationalen Sprengköpfe an andere „abgeben“. Das britische Arsenal ist zahlenmäßig viel zu begrenzt für sowas und rein strategisch, das französische hat auch keine „lupenreinen“ taktischen Sprengköpfe. Darüber hinaus stellt die force de frappe das höchste Mittel der französischen Souveränität dar und da ist die französische strategische Kultur klar und eindeutig: Es wird keine wie auch immer geartete „Einschränkung“ derselben geben. Daher ist die Idee eines „european nuclear sharing“ toter als ein Türnagel.
Obendrein könnte man noch argumentieren, daß die NPT das aktuelle nuclear sharing ignoriert, weil dieses vor Inkrafttreten der NPT schon existierte. Jedes neue Arrangement würde der NPT zuwider laufen …
Und als letzter Abschlußgedanke meinerseits: Angesichts der Erfolge von Farages „Reform UK“ und RN in Frankreich verbietet sich eigentlich der Gedanke eine nukleare Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen, bei der die selben politischen Probleme dann erneut auftreten können. Hier erlaubt eine ehrliche und realistische Betrachtung eigentlich keine „Stuhlkreise“ zur Entscheidungsfindung, de facto ist aktuell nur die rein nationale Ebene als Basis für solche strategischen Überlegungen auch nur halbwegs „verläßlich“. Daß ich trotztdem nicht an eine „deutsche Bombe“ glaube hat vornehmlich heimisch-politische Ursachen.
@Nachhaltig (google) Das ist eine Aeroballistische Raketen… Sollte die Lage tatsächlich kritisch werden und Sie mit nuklearer Erpressung bedroht und zur „Rückgabe der DDR“ aufgefordert werden, dann wäre es meiner Meinung nach ratsam, Zeit zu gewinnen und alles Notwendige zu beschaffen. IMO… Shalom aus Israel.
@ Oleg Olkha:
Der Begriff „Aeroballistische Raketen“ ist mir noch nicht untergekommen. „Air launched ballistic missile“ (ALBM) scheint ein festgestehender Begriff für luftgestützte ballistische Raketen zu sein. Das ist aber nicht das wovon ich rede. Ich rede von einer Hyperschallwaffe, die ich – zumindest im deutschen Sprachgebrauch – nicht als ballistisch – bezeichnen würde. Laut Wikipedia ein „hyperschallschneller, manövrierbarer Gefechtsflugkörper, der die Erdatmosphäre zum Auftrieb nutzt.“ Diese Gefechtsflugkörper sind nach heutigem Stand wohl am schwierigsten abzufangen. Sie sind sehr schnell, werden später als ballistische Raketen detektiert und sind aufgrund ihrer Manövrierbarkeit auch unberechenbarer vom Flugprofil und -ziel her.
Gestartet von einem unbemannten Flugzeug, das mit Hyperschallgeschwindigkeit ebenfalls noch in der Athmosphäre fliegt.
Das Pendant aus Sicht der Verteidigung wäre in die Technologie-Entwicklung der Arrow 4 Rakete mit einzusteigen. dort eine entsprechende Beschaffung auszulösen und uns eine gewisse Autonomie erarbeiten. Diese Rakete soll halt das Mittel der Wahl zum Abfang von Hyperschallgleitern werden.
Die Entwicklung dieser High-Tech- und High-End Lösungen für die konventionalle Kriegsführung wären meiner Ansicht nach genau das, was Deutschland als wirtschaftsstärkste Nation in Europa leisten kann. Das sollten wir demnach auch tun und speziell in diesem Bereich schrittweise Europa von den US-amerikanischen Entwicklungen unabhängig machen.
Ein ganz herzlicher Dank an Frau Sofie Lilli Stoffel.
Ihre anschauliche, verständliche Darstellung der Merkmale von (politischem) Narzismus überzeugt außerordentlich.
Mit ihren Ausführungen über zusätzliche Variablen bei Verwendung des Narzismus-Begriffs in Beurteilung von Trumpismus UND Putinismus sollte sie nicht „nur“ bei AG zu Wort kommen.
In gleicher Klarheit wünsche ich ihr eine Bühne auf qualifizierter Ebene im TV.
@Nachhaltig (google) Ok, ALBM, von 300 bis 2000 km. Rampage, Rocks, LORA (5M) Golden Gorizon (5M+) etc. Sprengkopf mit programmierbarer Flugbahn in der Endphase. Im Gegensatz zu Wikipedia ist dies bereits in Gebrauch. Deutschland kann alles schaffen, die Hauptsache ist die Zeit! Regards…
@csThor
Verfügungsgewalt über ihre nationalen Sprengköpfe
Aktuell mag das durchaus so sein, wie Sie das Einschätzen. Aktuell gibt es auch noch die NATO, zumindest auf dem Papier. Und aktuell gibt es einen Herrn Trump in den Vereinigten Staaten, der die USA gerade vor den Augen der Weltöffentlichkeit in eine Diktatur umwandelt.
Was in den nächsten 3 Jahren passieren wird, können wir hier in Europa nur vermuten. Aber niemand glaubt ernsthaft, dass Trump seine Macht abgibt, wie dies in der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika vorgehen ist.
Und das bedeutet, dass GB möglicherweise umdenken werden wird, weil United Kingdom dies einfach muss. Es wird Ihnen ganz sicher nicht entgangen sein, dass Trump die offene Konfrontationen mit Kanada sucht. Staatsoberhaupt ist König Charles III. Und es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass Trump auch die Konfrontationen mit Australien will. Staatsoberhaupt ist König Charles III.
Möglicherweise möchte auch die stolze, Grande Nation Frankreich, nicht permanent von einem Herrn Trump beleidigt werden.
Aktuell schreiben wir Geschichte und ich freue mich über jeden Europäer, der den gebotenen Patriotismus jetzt hier – und gerade jetzt – aufbringen kann und will, um unsere Werte zu verteidigen. Möglicherweise ist dies auch ein Lern – und Gewöhnungsprozess. Aber die Zeit mit Amerika dürfte vorbei sein.
Meines Wissens gab es bereits in jüngster Vergangenheit von Seiten Frankreichs die Offerte oder den Vorschlag, Deutschland in den Teilaspekt der atomaren Verteilung mit einzubinden. Das wollte allerdings die Deutsche Vorgänger – Regierung nicht. Allerdings war dies noch im Zeitalter vor Trump gewesen.
Wir werden sehen, wie in den nächsten Monaten und Jahren die Europäische Verteidigungsbereitschaft und Europäische Sicherheitsarchitektur neu geordnet werden wird. Und das wird zwangsläufig geschehen, denn auf Trump ist verlass (im negativen Sinne).
Indes lässt sich dieser Einzelaspekt der nuklearen Teilhabe, welcher nicht unterschätzt, aber auch nicht überbewertet werden sollte, durch andere Waffensysteme wie die Beschaffung von Marschflugkörpern im großen Stil in Europa durchaus kompensieren. Unter anderem TW hatte dies vor einigen Tagen im Rahmen einer Analyse dargestellt.
Meine Damen und Herren, wir dürfen Zeitzeugen einer neuen Geschichtsschreibung in Europa sein. Wünsche sie uns Glück und Erfolg für eine erfolgreiche Zukunft Europas
@Thelamon
Zu Punkt 1 Ihrer Analyse zum Hintergrund sowie faktische Einordnung der nuklearen Teilhabe gehe ich gerne mit
Zu Punkt 2, dem Reiz – Thema, F35, sehe ich nur Konfliktpotential ohne wirklichen Nutzwert. Leider wird uns dieses Thema ungewollt noch sehr lange verfolgen, nicht weil ich das Vermute oder will, sondern weil es in der Natur der Sache liegt. Nur kurz:
US Beschaffungsprogramm I’m Umfang von 2 Billionen Euro (= größte Beschaffungsprogramm US Verteidigungsministerium oder heute offenbar Kriegsministerium). Technische Ausfälle in US Wartung bis zu 50%. Bei neuem Gerät. Pentagon beklagt, keinen Zugriff auf die Bestandsdaten vom bekannten Hersteller zu bekommen, trotz Anforderung und Anfrage und trotz Vertraglicher Vereinbarung.
Aber mir ist bewußt, dass es in Europa, nicht nur in Deutschland, eine mir unerklärliche Obsession für die F35 gibt. Und Ihr konkretes Argument der „Vernetzung“ ist zugleich die Achillesferse. Sie werden wissen um die Warnungen unserer Sicherheitsbehörden, dass die Monopolstellung der US Technologie und US Tech Industry unsere europäischen Strukturen (wortwörtlich) SYSTEMATISCH aushebeln kann. Und die Regierung Trump keine Sekunde davon zurückschrecken wird.
@Thelamon:
Über die Detektion der F-35 durch das Hensoldt-Radar sollten Sie sich keine allzu großen Sorgen machen. Mehr darf ich dazu im Augenblick nicht sagen.
@Thelamon:
„…wäre ja sinnvoll, wenn Hensoldt und Co. künftig besser in der Lage sind F35 und Co. mit dem Radar zu erfassen. Fraglich ist dabei natürlich, wie abgespeckt und repräsentativ die Fähigkeiten von Export-F35 tatsächlich sind…“
@OFA d.Res.:
„Über die Detektion der F-35 durch das Hensoldt-Radar sollten Sie sich keine allzu großen Sorgen machen. Mehr darf ich dazu im Augenblick nicht sagen.“
Was man aber sagen kann ( und das betrifft grundsätzlich alle neuen und neuesten Stealth-Flieger );
Den größten Effekt auf die Radartarnung hat die grundsätzliche Formgebung. Die ändert sich auch nicht bei Exportversionen.
Was sich aber ändern kann ist die Beschichtung / Lackierung mit radaraborbierenden Eigenschaften. Das dürften aber keine Riesensprünge sein.
Mit teils alten, unter Ersatzteil-Lieferungs-Problemen leidenden Radar-Systemen, noch dazu mit schlecht ausgebildetem Personal und verschleiertem Zustand des Gesamtsystems u.a. durch Korruption hat man ein im Grunde unlösbares Problem.
Genau deshalb ist es relativ sicher mit F 35 / B 2 über Ländern wie Iran / Venezuela zu operieren. Zumindest kurzzeitig.
Alleine das ist schon ein Grund für solche Systeme in Weltmacht-Hand.
Operiert man aber über Ländern mit Top-Ausstattung wie Russland / Ukraine / China sieht das völlig anders aus ! Fluoperationen der Russen mit bspw. Bomberverbänden ( wie im zweiten Weltkrieg ) über der Ukraine gibt es nicht.
Was immer bleibt ist eine deutliche Verringerung der Vorwarnzeit.
Das bringt aber nur sehr bedingt etwas wenn man denn wirklich gutgeschützte Ziele erreichen will. Dann wird es knallen. Auf beiden Seiten.
Auch aus diesem Grunde geht die Tendenz immer mehr zu den günstigeren Drohnen, noch dazu ohne Piloten-Ausbildungsaufwand.
Man darf gespannt sein wann die ersten wirklich grossen Stealth-Dronen / Marschflugkörper einen Teil der Piloten-Flieger ersetzen. .
@Sandro Valecchi
Zur F-35 gibt es einen Artikel bei Heise / Telepolis:
https://www.telepolis.de/article/F-35-Zwei-Billionen-US-Dollar-fuer-ein-Flugzeug-das-nicht-fliegt-11157050.html
Wie Sie sagen, es ist eine Obsession („auch haben wollen“). Nun, der Antreiber bei uns hat jetzt seinen vierten Stern und seinen Stuhl in BRUNSSUM.
Nachtrag zum Hinweis im aktuellen Sicherheitshalber Podcast das die deutsche Bombe schon einmal ( in Folge Nr. 2 vom 09.08.2018 ) Thema war. Zudem wurde ein Spiegel-Artikel mit teilweiser Autoren-schaft der Podcast-Besetzung verlinkt.
Zitat:
„…Zum anderen sorgen die französischen und britischen Nukleararsenale – im Sinne einer „minimalen Abschreckung“, wie auch China sie erfolgreich praktiziert – nach wie vor für eine verlässliche Abschreckung gegenüber Russland.“
Das war damals in der Tat eine weitverbreitete Sichtweise.
Hat sich geändert:
– China rüstet nuklear massiv auf
– Von verlässlicher Abschreckung gegen Russland durch die Arsenale von F & GB redet keiner mehr
– Es werden vielmehr Bestseller geschrieben “ Wenn Russland gewinnt… “ ;-)
Im damaligen Podcast erwähnt wird zudem die Inittiative zu einer atomfreien Welt ( hat sich leider erledigt ) und das man mit Entwicklung der deutschen Bombe aus gewissen Verträgen aussteigen müsse und sich dann auf dem Niveau von Nordkorea befinde.
Das ist man in Teilen bereits, Stichwort ( nicht existierendes ) Tempolimit.
In diesem Sinne:
“ Im Übrigen bin ich der Meinung freie-Fahrt-für-freie-Bürger “ ;-)))
Die neue Abschreckung muss bei der angesprochenen Geisteshaltung anfangen. Wollen wir in der Lage sein, Moskau jederzeit zerstören zu können und wollen wir mit dieser Haltung gegenüber Russlands Herrschern auftreten? Ohne diese Geisteshaltung bleibt jede nukleare Bewaffnung nur Symbolik ohne abschreckende Bedeutung. Genau wie Variationen von „Tu mir nichts, sonst rufe ich nach Hilfe“. Die Briten haben ein klares Moskau-Kriterium und tun gut daran es nicht durch unsere Willenlosigkeit verwässern zu lassen. Merz sollte lieber eine Zusammenarbeit bei Trägersystemen forcieren als die Teilhabe an einem „Schutzschirm“ (unsere Sprache verrät unsere Zahmheit).
Ergänzung:
In einem aktuellen Spiegelartikel über die nukleare Rüstungsbegrenzung steht als letzter Satz ( incl. der üblichen russ. Tiraden über die westliche nukleare Bedrohung ):
„…Der 2010 geschlossene Nachfolgevertrag New Start beinhaltet dabei eine Begrenzung der Sprengköpfe auf je 1550 Stück und der Trägerraketen auf 800 Stück.“
Das ist wahrscheinlich genau die Grenze wo China hinwill bis 203X.
Wirklich cool wäre es übrigens die tatsächlich MÖGLICHE Anzahl von Nuklearsprengköpfen zu begrenzen, sprich bombenfähiges Uran und vor allem Plutonium im Lager, zumindest zum grossen Teil, mitzuzählen.
Derzeit läuft die „Abrüstung“ bei überzähligen Sprengköpfen aber immer so:
– Zerlegung der Sprengköpfe
– Darin verwendetes Uran & Plutonium ab ins Lager
– Vermutlich werden auch die hochkomplexen Zündsysteme und Sprengstofflinsen eingelagert und nicht etwa zerstört
– Evtl. verwendet die jeweilige Regierung auch eine besondere „Zählweise“ für Mehrfach-Sprengköpfe
New-Start ist natürlich besser als kein Abkommen, keine Frage.
In erster Linie macht es aber den Weltmächten das nukleare Abenteuer billiger und nicht in gleichem Maße sicherer…
@Thomas Melber
Artikel bei Heise / Telepolis zu F 35
Vielen Dank für die Info und den Hinweis auf den vorgenannten Artikel. Immerhin haben die Streitkräfte in Israel für ihre F 35 Version zahlreiche Modifikationen durchgeführt und diese vom Hersteller absegnen lassen. Es ging u. a. um Reichweitenverbesserung, Modifikationen an den Tanks und den zeitweiligen Verlust der Trankappen- Befähigung.
Scheint ein Projekt für Tüftler und Schrauber zu sein.
Eine Befähigung scheint die F 35 Fan-Gemeinde schon zu haben : den Spaß – Faktor. Jawohl, auch Luftwaffenpiloten haben ein Recht auf Spaß. Ist halt ein teurer Spaß
Bin einfach beeindruckt.
Dennoch, Profiling und Personas gabs schon immer, dennoch erklärungsmächtiger Ansatz. Und nein, Strategen der Aussenpolitik konsultieren nicht Lehrbücher der Psychiater um abzuschreiben. Da sind sicher system- und individualimmanente Ursachen und Dynamiken gegeben. Höre ich da zuvorkommenden politischen Gehorsam und befürchtungen aus der Debatte?
Lockheed eben. Der Starfighter wiederholt sich. Vielleicht nicht in allen Facetten, aber dort wurde auch auf dem Weltmarkt ein Flugzeug gepusht, das die eigene Luftwaffe schon gar nicht mehr haben wollte.
Vielleicht sollte man diesbezüglich auch mal aufwachen und wenn der Donald das nächste Mal wieder irgendwo rumpoltert, kann man ihm ja geräuschvoll den Vertrag über die F-35 zerreißen und dann einstweilen Gripen kaufen. Das ist ja die Sprache, die er versteht.
@csThor:
Frankreich ist aber arm, bzw knapp bei Kasse ggf könnte man statt Teilhabe an deren A-Waffen dort schlicht z.B. 100 taktische französische für die EU/NATO kaufen, incl Wartungsvertrag.
Käufer Luxemburg! Luxemburg bietet dann die Teilhabe den anderen EU/NATO Staaten an. Die haben Geld und Probleme die 2% bzw 5% BSP zu erreichen da die Truppe so klein ist. Teure A-Waffen könnten da helfen das „Ziel“ zu erreichen.
Und Frankreich füllt die klamme Staatskasse und behält die Kontrolle über FDF und kann die fixen Kosten auf mehrere Systeme umlegen.
Sehr bedauerlich, dass die MSC einen der reichweitenstärksten Journalisten nicht dabei haben will. Gerade in den aktuellen Zeiten ist es doch so wichtig, die Allgemeinheit noch stärker zu informieren. Unverständlich….
@Ex_Inst: Lëtzebuerger Atoumwaffen… D’Imperium schléit zréck! >😜
@Ex_ Inst
Frankreich/Force de Dissuassion besitzt keine „klassischen“ taktischen Atomwaffen (Gefechtsfeldwaffen) wie die USA oder Russland, weder im erforderlichen niedrigen KT-Bereich von 0,3 bis 50 KT noch bei Trägermitteln. Es konzentriert sich auf eine rein strategische Abschreckung mit knapp 300 Sprengköpfen.
Die seegestützten Atom-U-Booten (SNLE) der Triomphant-Klasse und die luftgestützten Waffen auf Rafale-Kampfflugzeugen bilden nur strategische Fähigkeiten bis hin zu begrenzter 2. Schlagfähigkeit ab. Für anderes hat Paris keine Fähigkeiten, offenbar auch keine Absichten.
Nebenbei ist daher auch mit neu aufgeflammter Debatte um einen FRA nuklearen Schutzschirm bei evtl Ausfall der U.S. Fähigkeiten kein Staat zu machen.
Es ist überflüssiges Gerede.
Die Einlassung zu Luxemburg soll ein seriöser Beitrag sein?
Die nukleare Teilhabe wie auch der Status eines europäischen Superstaats und dessen Status als Nuklearwaffenstaat (NWS) als Erbe eines oder mehrerer europäischer NWS (oder eben nicht – nNWS) gehörte zu der Anzahl von Vorbehalten (Caveats), die Deutschland seinerzeit bezüglich des NVV hatte. Bei der Frage, was Deutschland an der Entwicklung eigener Atomwaffen hindert, kann man sagen: grundsätzlich nichts. Der 2+4 Vertrag stellt die volle innere und äußere Souveränität Deutschlands fest. Das ist wichtig, weil der Artkel X des NVV auf genau eine solche Souveränität abstellt. Ohne den 2+4 Vertrag wäre der Versuch einer ‚legalen‘ Deutschen Bombe über einen formalen Austritt aus dem NVV schwierig gewesen. Das Ende des INF (und des ganzen restlichen nuklearen Rüstungskontrollsystems) auch in Verbindung mit B-61 die nicht zurückkommen oder F-35 vielleicht einst ohne PAL(upgrades), eine negative Beantwortung der Frage nach einem adäquaten Schirm und last but not least die äußerst aggressive Rhetorik und Habdlungsweise Russlands könnten durchaus geeignet sein, den supreme interests Deutschlands entgegenzusetzen. Deutschland gehört zu den führenden Köpfen in der Ausgestaltung des NVV und hat so das Wissen, wie man den NVV ‚richtig‘ verlässt. Den zivilen Sündenfall zum NVV hat die Nuclear Suppliers Group mit Indien bereits vollzogen. Es gibt also einen Präzedenzfall für ein ähnliches System für die zivile deutsche Nuklearindustrie. Deutschland hat sich in Bezug auf den NVV stets richtig und glaubwürdig verhalten. Dieses Verhalten ist gleichzeitig auch das einzig solide Ticket für das sanktionsarme oder -freie Verlassen des NVV. Natürlich gelten alle zuvor genannten Argumente auch für die anderen Nuklear Teilhaber in der NATO. Die haben anders als Deutschland jedoch keine geeignete materielle Basis für eine eigene nukleare Fähigkeit. Auch Polen und andere europäische Staaten könnten angesichts der Lage ähnliche Gründe anführen. Ihnen fehlen die materiellen Grundlagen und das „end of shareholdership“ Argument. In dem Augenblick, wo Deutschland das Austrittsticket zieht kann es die Status Änderung zum NWS fordern. Das könnte die Tür zu einer legalen Kooperation mit FR und UK öffnen. Selbst Aufrüstung könnte man nur schwer vorwerfen, da China ja hier seit Jahrzehnten vormacht, wie elastisch der Begriff der nuklearen Abrüstung ist. Deutschland ist in der (un?)glücklichen Lage, souverän entscheiden zu können und nach einer Entscheidung auch materiell handeln zu können.
Der letzte Atomwaffen-Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland lief gestern ( am 05.02.2026 ) aus. Das sogenannte „New START“-Abkommen war 2010 von US-Präsident Obama und dem damaligen russischen Präsidenten Medwedew unterzeichnet worden.
All bets are off ? ( Geht jetzt alles wieder von vorne los… ? )
Nun ja, im Vertrag war die Rede von stationierten und einsatzberereiten Atomsprengköpfen ( im engl. Text „deploy“ ).
Früher, im tiefsten kalten Krieg, las man öfter von bis zu 70.000 Sprengköpfen
die beide Supermächte USA und UDSSR hatten.
Das bezog sich aber wohl eher auf die mögliche Bombenanzahl wenn alles verfügbare nukleare Material ( Uran & Plutonium ) in Bomben gesteckt worden wäre.
Also nicht im Sinne von „deployed“ des bis gestern geltenden New-Start-Vertrags.
Wieviele Bomben damals wirklich einsatzbereit UND stationiert waren ist nicht ganz klar. In jedem Fall aber trotzdem viel zu viele.
Absolut nicht hilfreich ist aktuell diese Golden-Dome-Prahlerei von Herrn Trump.
Das führt zwangsläufig zu mehr einsatzbereiten UND auch stationierten ICBMs ( Langstrecken-Raketen ) in Russland.
Aus den Lagerbeständen zusätzliche, einsatzbereite Nuklear-Bomben zu fertigen sollte nicht weiter schwer und vor allem unauffällig sein.
Was aber in den nächsten Jahren mit Sicherheit auffallen würde sind zusätzliche ICBM-Standorte.
In China war das bereits in den letzten Jahren der Fall.
Einigt man sich nicht schlägt ( wieder mal ) die Stunde der Satellitenüberwachung…