Fürs Wochenende viel Lesestoff: „Frieden durch Stärke“ für Amerikas neues goldenes Zeitalter
Die neue Nationale Verteidigungsstrategie der USA war natürlich bereits erwartet worden, als Folgedokument der Nationalen Sicherheitsstrategie. Am gestrigen Freitagabend (Ortszeit) wurde sie dann doch etwas überraschend veröffentlicht, in ähnlicher Vorgesehensweise wie die Nationale Sicherheitssstrategie. Zunächst ohne große politische Begleitaussagen, die aber noch folgen dürften. Europa kann sich, nach erster Durchsicht, auf ein bisschen mehr, äh, Selbstverantwortung einstellen.
Den Text mit der Überschrift Restoring Peace Through Strenght through a New Golden Age for America gibt es vom War Department hier, und schon in der Einführung wird angesagt, wohin die Reise geht:
The fact is that President Trump took office in January 2025 to one of the most dangerous security environments in our nation’s history. At home, America’s borders were overrun, narco-terrorists and other enemies grew more powerful throughout the Western Hemisphere, and U.S. access to key terrain like the Panama Canal and Greenland was increasingly in doubt. Meanwhile in Europe, where President Trump had previously led North Atlantic Treaty Organization (NATO) allies to begin taking their defenses seriously, the last administration effectively encouraged them to free-ride, leaving the Alliance unable to deter or respond effectively to Russia’s invasion of Ukraine. In the Middle East, Israel showed that it was able and willing to
defend itself after the barbaric attacks of October 7th—in short, that it is a model ally. Yet rather than empower Israel, the last administration tied its hands. All the while, China and its military grew more powerful in the Indo-Pacific region, the world’s largest and most dynamic market area, with significant implications for Americans’ own security, freedom, and prosperity.
(…)
Under President Trump’s leadership, consistent with his vision and
direction as laid out in the National Security Strategy (NSS), the Department of War (DoW) is laser-focused on restoring peace through strength. As detailed in the NSS, the President’s approach is one of a flexible, practical realism that looks at the world in a clear-eyed way, which is essential for serving Americans’ interests.
(Mehr ggf. später, aus Zeitgründen)
„… peace through strengt…“
Man hätte auch gleich schreiben können „Peace by superior economic- or firepower“.
Damit ist das „Recht des Stärkeren“ endgültig als Nationale Verteidigungsstrategie verbrieft.
Eins hat doch Trump erreicht. Man hat doch endlich mal wieder ein europäisches Auge auf Grönland und will (etwas) mehr Verantwortung übernehmen. Das wäre ohne dieses Gepolter wohl immer noch nicht geschehen.
Das „Recht des Stärkeren“ ist allerdings eine Tatsache in den internationalen Beziehungen, die grundsätzlich gilt. Auch eine auf multilaterale Organisationen und völkerrechtliche Abkommen gestützte Ordnung ist nur dann real, wenn sie sich auf überlegene Macht stützt. Das Problem bzgl, des aktuellen Vorgehens der USA ist daher nicht, dass diese sich anders als früher auf das „Recht des Stärkeren“ beruft, sondern dass sie ihre Macht nicht mehr im gemeinsamen Interesse der von ihnen geführten Bündnisse ausüben. Kurzfristig kann dies für die USA von Vorteil sein, aber gegenüber gemeinsamen Herausforderern wie China werden am Ende alle dadurch verlieren. Was die USA tun, stellt daher eben keinen „practical realism“ dar, sondern ist Ausdruck von strategischer Kurzsichtigkeit.
Wer sich Tumps Rede in Davos angesehen hat, kann eigentlich nur entsetzt sein. Dem Mann fehlt alles, was ihn für das Amt eines Staatspräsidenten qualifiziert. Dem „Bauunternehner“ fehlen sogar mathematische Grundkenntnisse, wie seine Bemerkung belegt, er habe die Arzneimittelpreise um 800 Prozent gesenkt. Mehr als 100 Prozent (von X US-Dollar auf null US-Dollar) können Preise bekanntlich nicht fallen. Kein Wunder, dass er mehrfach Insolvenz anmelden musste. Entsprechend widersprüchlich fällt seine Bündnispolitik aus: Es ist absolut kontraproduktiv, das Völkerrecht und die Nato infrage zustellen, wenn man sich gegen den wachsenden Einfluss Chinas wehren möchte. „America allone“ wird im Konfliktfall vielleicht nicht ausreichen. Auch die Verbündeten ökonomisch durch eine erratische Zollpolitik zu schwächen, dürfte diesem Zweck abträglich sein. Die USA entfernen sich immer weiter von einer in sich schlüssigen Politik. Dass die notorisch uneinigen Europäer allzu lange untätig waren, steht auf einem anderen Blatt. Aber hat sich das grundlegend geändert? Ich fürchte, leider nicht. Soweit ich es beurteilen kann, mangelt es nach wie vor an der eigentlich notwendigen Zusammenarbeit.
Es hat leider Trump’s unberechenbares Verhalten und eine versuchte Vollinvasion der Ukraine durch Putin’s Russland gebraucht, damit Deutschland langsam(!) wach wurde was die eigene Verteidigung angeht.
Nach Georgien 2008 und der Krim/Ostukraine 2014 haben wir ja weiterhin die Augen und Ohren zugehalten und laut „LALALALA“ gesungen, überspitzt dargestellt.
Wenn ich die Perspektive „Deal“ darüber lege, fällt mir auf, dass wenn wir in unsere exorbitanten Verteidigungsbudgets in Europa nach Vorstellungen des Papiers noch eine europäische nukleare Triade bekommen, wären wir so gut wie auf den eigenen Beinen. General Freuding ( Danke @KPK ) listet die weiteren Baustellen auf.
Nochmal, bei dem ganzen Geld bieten die USA den Europäern keinen Vorteil mehr, ein Deal wäre obsolet.
P.S: Das gilt natürlich nur wenn man nicht die Perlen, also kritische militärische Logistik und Versorgungsnetzwerke ans Ausland verhökert.
Das fordert geradezu eine Antwort der Russen und Chinesen herraus, die Russen werden höchstwahrscheinlich sich auf Europa, Iran, den nördlichen Seeweg und Cuba konzentrieren und die Chinesen werden Asien von den Aleuten bis nach Australien kontrollieren wollen und die Seidenstrasse sichern. Die europäische NATO ist damit raus, wird aber weiter bestehen.
@ Bravo November
Betrifft ‚gemeinsame Herausforderer wie China‘:
Mit Blick auf Taiwan sind die USA gewiß viel stärker herausgefordert, als Europa. Die Gelegenheit für China wird vielleicht auch nie wieder so günstig sein, sich Taiwan einzuverleiben, wie 2026/27.
Eine denkbare Herausforderung für die USA könnte folgendes Szenario sein:
1. China veranlaßt Nordkorea zu großen Manövern, nur um es mit ins Spiel zu bringen.
2. China bringt auch Rußland mit ins Spiel, dessen Pazifikflotte jene Seewege freihält, die die US Navy blockieren könnte.
3. China neutralisiert die taiwanesischen Kinmen Inseln, errichtet eine totale Blockade gegen Taiwan und fordert dessen Kapitulation.
Schachmatt. Widerstand ist zwecklos. Niemand will einen Atomkrieg wegen Taiwan und Europa ist nicht relevant.
Mit der Implusion der rechtsstaatlichen, demokratischen Grundordnung in den Vereinigten Staaten mit der zweiten Amtszeit Trump sehen wir, hier in Europa, die USA auf dem Weg in die Autokratie. Offenbar war und ist die verfassungsmäßige Ordnung in den Vereinigten Staaten ein höchst fragiles Gebilde, angreifbar und manipulationsanfällig. Diese Gefahr ist nicht neu, wurde auch u. a. vom kritischen Hollywood mit der Verfilmungen ‚ 7 Days in May ‚ eindrucksvoll erkannt, benannt und galt als Mahnung. Der Film behandelt ein ‚ Take-Over ‚ durch das Militär unter Absetzung der legitimen US Regierung. Hollywood endet dieses Werk mit einem Happy End.
Unsere Realität ist wesentlich schlimmer, denn eine effektive und couragierte Medienwelt in den USA gibt es nicht wirklich mehr. Mit den sogenannten Alternativen Fakten und gezielter Manipulation der Wahrheit sowie der Wahrnehmung und insbesondere der eigenen Besetzung von Internet Foren und modernen Medien beherrscht die amtierende US Administration das Geschehen. Meinungsmache kommt jetzt aus Washington.
Europa war und ist darauf nicht vorbereitet gewesen und wollte sich offenbar dieser Situation leichtfertig nicht stellen. Wichtig Regeln, wie Good Governance, sind nicht mehr existent. Die USA haben sich davon offenkundig verabschiedet.
Wenn NATO noch weiter als Bündnis extieren soll, dann sollte dringend der NATO Vertrag überarbeitet und neu verhandelt werden. Im Zeitalter der totalitären Dominanz durch diese US Administration fehlt es an einer echten, respektvollen Partnerschaft. Auf den jüngsten Ausfall des US Präsidenten zum Afghanistan Einsatz wird nur kurz und Beispielhaft hingewiesen.
Der objektiv erkennbaren Bruch der Vertrauensbasis der ehemaligen Transatlantischen Gemeinschaft wurde in DAVOS 2026 offenkundig. Nicht das (vorläufige, sehr fragile) Ergebnis spielt hier eine Rolle, sondern die Bildsprache der Akteure.
Rutte wirkte extrem angespannt und angestrengt, wie an den Stuhl gefesselt. In späteren, kurzen Interviews gegenüber der Presse wirkte er nahezu ungehalten und extrem aufgeregt.
Trump wirkte verwirrt, überlegend, wie er mit diesem Resultat umgehen soll, schob sodann direkt gegenüber der Presse nach, ER habe alles bekommen, was er wollte.
Der MP von Grönland schob sofort über die Medien nach, dass Grönland nicht zum Verkauf stehen wird.
Die EU übernimmt dann auch noch diese unsinnigen Narrative, dass viel mehr für Grönland getan werden müsse und gibt (verzweifelt) der Legende von Trump Vorschub, es habe eine Benachteiligung von Grönland und den dortigen Einwohnern gegeben. Eine Bereitstellung von Finanziellen Mittel wurde in Aussicht gestellt. Die FAZ kommentiert : ‚das Ergebnis bleibt nebulös.‘
Stimme Bravo November zu: pracial realism ist das nicht.
Die Trump Regierung braucht die Europäer als Konsumenten, um Waffensysteme Made in USA zu kaufen und darüber hinaus zahlreiche Kosten-Lasten zu tragen, mag diese noch so unsinnig wie sinnlos zu sein. Die NATO braucht diese US Regierung nicht (der permanent wiederholt falsch erhobene Vorwurf aus Washington, dass die Europäer die USA nicht unterstützen wollen würden, schon gar nicht im Ernstfall, wurde von Trump aktuell erneut in die Medien gestreut)
Wenn man das ganze Klimbim einmal ignoriert (aka „wir haben den besten Präsidenten aller Zeiten“ …), ist es ein vernünftiges Dokument. Die USA haben verinnerlicht, dass die Zeiten der unipolaren Welt vorbei sind, und dass sich die USA auf zwei Dinge konzentrieren müssen: Die eigene Hemisphäre dominieren und den Indo-Pazifik gegen China sichern.
Uns Europäern wird ganz klar gesagt: Eigentlich seid ihr viel stärker als Russland (das die USA nicht bedroht, so sieht es Washington heute, aber so sah es ja auch schon Obama ….“regional power“….), wir werden Euch weiter helfen – aber die Hauptlast zur Verteidigung Europas müsst Ihr schon selber tragen.
Wenn wir auf Bush, Obama, Trump 1 und Biden gehört hätten und unsere Hausaufgaben erledigt hätten, könnten wir nun ganz cool bleiben. Leider haben wir (DE sowieso, aber genauso fast der ganze Rest der EU, mal viele osteuropäische Länder ausgenommen) 20 Jahre lang irrationale Politik betrieben und werden die kommenden 15 Jahre dafür bezahlen.
Hatte ich schon mal mein liebstes englisches Bonmot erwähnt? There is no such thing as a free lunch.
Wer Zeit hat, kann sich den heutigen Podcast von Ronzheimer anhören mit Ralf Fücks.
@ Ferngärtner Wenn ich mich recht erinnere, hat Herr Saakaschwili mit dem dilletantischen und von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch, Südossetien zurückzuerobern, den Russen den Vorwand geliefert, da einzumarschieren. Es würde mich nicht wundern, wenn er sich da auf die Expertise amerikanischer Drei-Buchstaben-Organisationen verlassen hat. Trennung! Bei seinem neuen Friedensrat ist Herr Trump in guter Gesellschaft. Da sind Staaten drunter, die sollten sich erst mal um sich selber kümmern. Mal sehen, was dieser beste Präsident aller bisherigen und zukünftigen Zeiten noch so alles anrichtet in den verbleibenden 2 Jahren und knapp 11 Monaten.
Übrigens: Taiwan wird nirgends explizit genannt.
Thomas Becker
„Uns Europäern wird ganz klar gesagt… wir werden euch weiter helfen…“
Zunächst einmal vielen Dank an TW für das, was in Washington angerissen wurde und die Verteidigungsstrategie der Administration Trump umreisst.
Ich konnte nicht erkennen, dass den Europäern hier irgend etwas gesagt wird. Bei der zweiten Amtsübernahme Jan. 2025 durch Trump sei die USA in ‚most dangerous time in history‘ gewesen.
Europa musste geführt werden (lead und Trump Leadership), um den Verpflichtungen nachzukommen, so der Vorhalt aus Washington.
Wortwörtlich Lob an ISR als vorbildlicher Verbündeter. Nicht aber Europa.
Und von einer Unterstützung der Europäer finde ich jedenfalls gar nichts.
‚Wir werden euch weiter helfen…‘ finde ich jedenfalls nicht und kann mir das auch nicht wirklich vorstellen.
Grönland kommt selbstverständlich auch vor. Natürlich musste Trump augenblicklich handeln, weil den USA der Zugang verwehrt oder dieser in Frage gestellt wurde, so Washington. Aber war da nicht DAVOS 2026 und eine wie auch immer geartete Einigung?
Dann kommt noch China: military grew more powerful. Wer hätte das gedacht. Und wo ist jetzt die Strategie?
Und sehr sehr wichtig für die Trump Administration : die Wirtschaft, most dynamic market ever. Feststellung dürfe zutreffend sein. Und wo bleibt jetzt die Strategie?
Washington wollte doch den Rest der Welt gerade wissen lassen, wie deren Verteidigungsstrategie aussieht.
Aber ich lasse Ihnen natürlich Ihren Glauben, dass die USA den Europäern „geholfen“ werden wird oder werden könnte. Indes habe ich diesen Glauben als nun ehemaliger Transatlantiker verloren
Aus der überschaubaren Welt des Kalten Kriegs in 1982.
https://www.spiegel.de/politik/der-mythos-vom-frieden-durch-staerke-a-56baadd5-0002-0001-0000-000014335671
„Der überwältigende Sieg der Konservativen bei der Präsidentenwahl (****) war eine Genugtuung für all jene Amerikaner, die für eine Politik der Stärke eintreten und davon überzeugt sind, daß militärische Macht unsere Sicherheit garantieren kann. Es war eine neuerliche Bestätigung des Glaubens, der Frieden hänge davon ab, daß wir nationale Stärke zeigen und die übrige Welt unsere globale Überlegenheit anerkennt – die Amerikaner vertrauten erneut auf den Mythos vom Frieden durch Stärke“.
Der Text ist vom Januar 2025? Nein, vom Januar (****) = 1982, Präsident: Ronald Reagan.
Sofern Trump Ronald Reagan nachfolgen will, liegt er in Ziel und Strategie auf dem richtigen Weg, mit dem Unterschied, in den 80ern bestand Bipolarität, einziger strategischer Gegner war die Sowjetunion, die Reagan durch Überrüstung an den Rand des Überlebens brachte.
In 2026 hat sich Russlands Rolle gewandelt: Vom strategischen Gegner zum eher potenziellen wirtschaftlichen Partner positioniert.
Die RUS Rolle nimmt China ein: Die Strategie zielt auf ein Machtgleichgewicht und Abschreckung Chinas ab, nicht auf direkte Konfrontation. Aber, Beherrschung des Handelsraums Indo-Pazifik.
Und Europa: „Kümmert Euch um Euch selbst“ kann gelesen werden – baut stärkere konventionelle Verteidigung auf und tragt mehr finanzielle Eigenverantwortung.
Antworten liegen, da alles kaum unerwartet, in den Schubladen?
Interessant fand ich das Einverständnis Merz – Meloni, von Macron kommt nichts mehr.
@Ferngärtner
‚Es hat leider Trump’s unberechenbares Verhalten…‘
Der Mann handelt m. E. nach leider absolut berechenbar und ist dabei alles das umzusetzen, was seiner absolut skrupellosen Agenda entspringt. Das war auch nicht die letzte Attacke in Punkto Erpressung mittels exorbitanten ‚Zollgebühren‘ und Handelsschranken. Diese wären auch mit Wirkung zum 01.Feb.2026 in Kraft getreten, hier zulasten Deutschlands, weil die Bundeswehr eine abgestimmte Erkundungsmission mit dem Alliierten und NATO Partner Dänemark auf Grönland durchgeführt hatte.
Vom Tisch scheint erstmal die militärische Vollannektion von Grönland zu sein. Alles andere ist nach wie vor offen.
Er bleibt bei seinem Vorhalt, dass die Europäer und NATO Partner ihn und die USA übervorteilt hätten, gewissermaßen die Europäer und NATO Partner auf Kosten der USA gelebt hätten (= Vorhalt gewissermaßen als Schmarotzer) und er das jetzt ändern werden wird.
Er bleibt bei seinem berechenbaren Konfrontationskurs gegenüber den Europäern, welche sich mittlerweile wirklich wöchentlich um Beschwichtigung bemühen.
Es wird Deutschland abgeraten „zu diesem Zeitpunkt“ die Goldreserven der Bundesrepublik Deutschland aus den USA nach Deutschland zurück zu bringen. Die amtierende US Regierung Trump „könnte dies als falsches Signal missverstehen“
Wann wäre denn der „richtige Zeitpunkt?“ Angst essen Seele auf.
Ein grosses Problem haben wohl viele mit der Einleitung und dem Bezug auf diese Narko-Terroristen-Venezuela-Geschichte.
Die USA haben zwar in der Tat ein Drogen-Problem, aber daraus eine solche Geschichte zu konstruieren ist natürlich sehr abenteuerlich.
Wenn das so weitergeht kann man im Grunde machen was man will, eine „Begründung“ wird sich nach dem neuen Papier mit den vielen Bedrohungen immer finden. Gerade mit dem Satz Frieden-durch-Stärke nach US-Definition.
Wirklich „stark“ sind heute nur noch die Atommächte. An der Spitze die USA & Russland.
Die haben eine mind. vierstellige Anzahl von Sprengköpfen, die volle Triade und alle Bomben-Grössenklassen.
China ist auf dem Weg dahin noch in diesem Jahrzehnt.
Erstaunlich finde ich immer den Umfang der russischen ( vor allem auch atomaren ) Bewaffnung bei ihrer Wirtschaftsleistung.
Den ersten Stärke-Move in der neuen Weltordnung hatte Russland ( Krim 2014, Grossangriff 2022 ), jetzt sind die USA dran ( in viel geringerem Umfang natürlich ).
Man darf gespannt sein wann China nachzieht…
Man hofft der grosse Knall bleibt aus. In der PC-Welt gab es ja mal den sarkastische Atom-Vergleich bei einem oft gehassten Betriebssystem:
– Hiroshima 45′
– Kuba 62′
– Tschernobyl 86′
– Windows 95′
:-)
@ Thomas Becker
+1. So ist es.
Generell störe ich mich an der negativen Bewertung von Trump hier und in Deutschland. Trump führt die USA in eine multipolare Welt und er versucht – schwierig, sehr schwierig – die USA zu re-industrialisieren und sich gegen China technologisch zu behaupten. Letzteres geht nur mit den Tec-Milliardären (die die USA im Gegensatz zu uns haben), ersteres nur durch knallharten Merkantilismus.
Das ist im Großen Bild alles vollständig konsistent. Wir sollten endlich aufhören, Trump zu kritisieren und uns an seiner Person abzuarbeiten, sondern uns fragen, wie wir selbst mir der Situation umgehen wollen.
Und dieser Schwachsinn von Carney, Kanada, (Bündnis der übrigbleibenden westlichen – aus ist mit dem Rest der Welt? – Mittelmächte) hilft da überhaupt nicht.
Meines Erachtens steht eine Re-Nationalisierung an. Und davon ausgehend klar zielgerichtete inter-nationale Kooperationen. Leider kämpfen die Beharrungskräfte in der EU und NATO dagegen an. Ich denke, wir müssen wieder lernen, national zu denken. EU und NATO müssen entweder aufgelöst werden oder sich in Rahmenorganisationen wandeln für die inter-nationale Kooperation. Letzteres ist die Zukunft, auch um die Anschlussfähigkeit an die neuen USA und (!) die BRICS zu finden.
@Der Uhrmacher
Ich bezweifle, dass Russland sich das zumutet. In Syrien, Venezuela, Iran, Aserbaidschan kam jedenfalls keine große, „brüderliche Hilfe“ von der Seite.
@Y-998201
Stimme zu, aber dass Russland so schnell darauf angesprungen ist, hätte eine Warnung für uns Europäer sein sollen. Unabhängig davon, ob und wie stark „triple letter agencies“ da mitgemischt haben.
@Thomas Becker, 24.01.2026 um 16:38 Uhr
„Wenn man das ganze Klimbim einmal ignoriert (aka „wir haben den besten Präsidenten aller Zeiten“ …), ist es ein vernünftiges Dokument.“
Ehrlich gesagt, wenn bereits der erste Satz dieses „vernünftigen Dokuments“ bereits so beginnt…:
„The fact is that President Trump took office in January 2025 to one of the most dangerous security environments in our nation’s history. At home, America’s borders were overrun, narco-terrorists and other enemies grew more powerful throughout the Western Hemisphere, and U.S. access to key terrain like the Panama Canal and Greenland was increasingly in doubt.“
Davon is mMn nur die Tatsache korrekt, dass Trump im Januar 25 sein Amt angetreten hat. Der Rest ist einfach Bullshit, jedenfalls kenne ich niemanden, der diese „Fakten“ objektiv so nachvollziehen kann.
@all
Bei allem Verständnis für starke Meinungen: Die Lobhudelei für Trump, wie toll er das alles macht („Generell störe ich mich an der negativen Bewertung von Trump hier und in Deutschland. Trump führt die USA in eine multipolare Welt und er versucht – schwierig, sehr schwierig – die USA zu re-industrialisieren und sich gegen China technologisch zu behaupten.“) scheint doch ein bisschen bizarr und den Fakten nicht wirklich standzuhalten. Natürlich kann man glauben, dass die USA ihren schwindenden Einfluss auf den Panama-Kanal retten mussten, aber dann sollte man nicht damit rechnen, hierzulande Ernst genommen zu werden.
Unterm Strich: Die Lobhudelei lassen wir hier mal, dafür habt ihr ja eure MAGA-Fansites.
@ T.W.
Mir ist schon klar, dass Sie das alles ganz schlimm finden, was in den USA passiert. Ist ja auch nicht schön für uns.
Sie machen es sich allerdings viel zu einfach, wenn Sie pauschal alles als „MAGA-Troll“ oder „MAGA – Fansite“ abtun, was sich inhaltlich anders mit den Positionen der amerikanischen (derzeit im Diskurs dominierenden) Seite auseinandersetzt, als diese Positionen abzulehnen und zu verurteilen. Immerhin wurde Trump von der Mehrheit der Wähler zum zweiten Mal gewählt; die kannten ihn und wählten in dennoch. Das allein schon zwingt zur inhaltlichen Auseinandersetzung.
Wir müssen schlichtweg anerkennen, dass es aus Sicht der USA (und das geht sehr weit über die Republikaner und die MAGA-Bewegung hinaus) sehr gute, objektive Gründe gibt, die europäischen Entscheidungen der letzten 2 Jahrzehnte hart zu kritisieren. Das geht über die Sicherheitspolitik weit hinaus. Schauen Sie sich die makroökonomischen Entwicklungen USA/Europa an, schauen Sie sich an, in welchem Land Innovationen stattfinden und Durchbrüche erzielen (forschen können wir hier fast genauso gut, nur leider versagen wir aus auch strukturellen und ideologischen Gründen fast immer bei der Umsetzung), schauen Sie sich an, wie sehr die EU in den innereuropäischen und innerstaatlichen Institutionen permanent im Krisenmodus ist – und was die Themen dieses Blogs angeht … nun ja, es ist hier wohl allen bekannt, wie sehr DE und die meisten EU-Staaten seit Putins Machtantritt versagt haben.
Deswegen sollten wir trennen von den narzisstischen Aberrationen von Mr. Trump, jedoch sehr genau darauf sehen, welche Logiken die amerikanischen Freunde in der MAGA-Bewegung (denn die wird die kommenden Jahre politisch prägen), aber auch in den eher den Demokraten nahestehenden Think-Tanks sehen. Das ist alles nicht lustig für uns, wir werden aber mit den Konsequenzen zu leben haben.
Wenn wir das nicht tun, sondern uns auf die allzeit über den Atlantik strömenden Einfälle und Polemiken Trumps stürzen, die jeweils mit dem Abscheu der Empörung schnell abtun und uns ansonsten in den alten Gewissheiten weiter suhlen, dann werden wir den Herausforderungen wieder nicht gerecht.
Die Diskussion vieler Argumente der USA (und explizit der MAGA-Protagonisten) ist notwendig. In vielen Dingen haben diese Leute einfach recht – es hat ja schliesslich Gründe, weshalb Europa 2026 so schlecht dasteht.
Trump hat ein paar Dinge ganz gut hinbekommen, besser als Biden (was nicht so schwer war). Ob andere Teile seiner Politik (insbes. seine wirtschaftliche Agenda, so etwa die Re-Industrialisierung mittels Zöllen) mittel- und langfristig funktionieren werden, denke ich eher nicht. Aber er tut das aus Gründen, und diese Gründe müssen wir anders diskutieren als „der ist nicht ganz dicht und ausserdem sowieso ein ganz furchtbarer Mensch und jeder der Verständnis zeigt ist ein Troll“.
[Och nö, nicht diese typische Propaganda-Masche „in wichtigen Teilen haben die doch einfach recht“. Die Gründe müssen wir sicherlich anders diskutieren, aber so zu tun, als bedeute Empörung über die faschistischen Vorstöße, dass man inhaltlich nicht auf das Verhalten reagieren wolle, ist doch arg kurz gedacht. Nicht umsonst fangen Sie ja mit den ökonomischen MAGA-Argumenten an, dann eher im Nachsatz die Sicherheitspolitik. Noch mal: Diese Art der Propaganda läuft hier nicht. T.W.]
@KPK: Aber war es nicht auch Reagan der die Säulen amerikanischer Macht verstand ( Soft Power, Global Reach, Exeptional Power, Statecraft). Bei Maga kommt es mir zunehmend vor als wollten die das unmöglich geglaubte möglich machen: Die multipolare Weltordnung.
Dies erreich man zum einen durch brüskieren und verschrecken ganzer strategischer Regionen, die sich politisch-ökonomisch-militärisch straffen und zum Pol aufwachsen. Zum anderen schwächt Maga zentrale Säulen der Macht und relativiert die USA nach unten.
Also bisher war mein Verhältnis zu den USA im Wertebündnis, egal was wir gehören und halten als Zivilisation zusammen. Jetzt unterstützen die unter gar den Nazi bei mir um die Ecke, der mir an die Gurgel will.
@Thomas Becker
Ich frag mich bei solchen Aussagen immer wieder, ob Menschen sich die Pressekonferenzen von Trump so generell gar nicht anschauen oder der Meinung sind, so schlimm wäre das alles gar nicht. Vergliche man diese mit ähnlichen Pressekonferenzen von einem Bundeskanzler etwa wäre hier die „Hölle“ los.
Das Europa eher als „Feind“ betrachtet wird seitens der USA, dass ist mittlerweile nichts Neues und da sollte diesbezüglich bei uns schleunigst ein Umdenken stattfinden.
Mal unabhängig davon, dass die Folgen seiner wirtschaftlichen Politik in Form von Zöllen momentan eher die eigene Bevölkerung tragen muss, aber das ist wahrscheinlich sehr Off-Topic.
@Thomas Becker, 25.01.2026, 14:25 Uhr:
„…Trump hat ein paar Dinge ganz gut hinbekommen,….“
Da fällt mir spontan aber nicht so furchtbar viel ein.
Von einem der mächtigsten Staatsmänner, der Welt, erwarte ich eine deutlich demokratischere und rechtstaatlichere Haltung. Wer Gesetze ignoriert bzw. mit Dekreten in bester Autokratenmanier regiert, ist in meinen Augen in einer Demokratie nicht tragbar.
100% Zustimmung zu der Aussage, dass die amerikanischen Wahlberechtigten ihn gewählt haben und wir nun mit ihm zurecht kommen müssen.
@all
Leider wieder der übliche Ablauf: Jemand hält ein Stöckchen hin, um zu provozieren, und zu viele fallen drauf rein. Es wäre gut, wenn das nicht mehr so liefe.
Also, erst einmal finde ich es schade, wenn hier der Nationalsozialismus so verharmlost wird. „Faschistische Vorstöße“ aus den USA – ok, wenn das denn begründbar ist? Ein kleiner geschichtlicher Exkurs zum Faschismus würde zeigen, dass es um alles mögliche geht, aber nicht um Faschismus. Der war um Größenordnungen übler, und vor allem Dingen vollkommen anderer Natur, insbesondere unsere Spielart. Da wäre ich doch lieber vorsichtig mit Analogien.
„Ein paar Dinge ganz gut hinbekommen? Doch, schon. Beispiele:
Zolleinigung mit der EU und UK (die noch vertraglich zu fixieren ist) … das ging sehr zu unseren Ungunsten aus, ist aber für die USA eindeutig ein Gewinn.
Migration in die USA: Kann man nicht mögen, aber diesmal hat Trump die illegale Migration tatsächlich weitgehend unterbunden. Dass er ICE als Kettenhunde losschickt um sehr viele schon lange in den USA lebende illegale (und z.T. auch legale) Migranten mit mehr als zweifelhaften Methoden zurückzuschicken, wird ihm allerdings in den Midterms wahrscheinlich auf die Füße fallen. Dennoch, ihm ist bei der Migration ein Punkt gelungen.
„Überzeugung“ der Europäer, endlich einen angemessenen Beitrag zur Verteidigung zu leisten. Daran sind alle seine Vorgänger gescheitert. Die Methoden Trumps waren unfein, aber da sind wir selber dran schuld.
Gaza – Waffenstillstand. Ist nur ein Scheinfriede, aber immerhin erst mal Deckel drauf. Die EU hat da gar nichts erreicht.
Nukleare Entwaffnung des Iran … auch das ist erst einmal nur Zeitgewinn, aber immerhin. Die EU hat ausser vielen warmen Worten nichts erreicht.
Die Eindämmung des überbordenden „DEI“ – Aktivismus in staatlichen Institutionen
Wirtschaftspolitisch ist es noch zu früh, um Erfolge oder Misserfolge zu postulieren. Ganz sicher wird Trump das Defizit noch übler werden lassen, ziemlich wahrscheinlich wird er finanzpolitisch weiter einen schlechten Kurs einschlagen. Die Inflation konnte er nicht wirklich bremsen, auch das wird ihm in den Midterms einige Sitze im Kongress kosten.
Wenn man viele Zeilen vollschreiben will, kann man zeigen, in welchen Belangen MAGA uns zu recht kritisiert (und nochmal: Die Kritikpunkte kommen ja nicht vom Himmel, sondern werden schon seit vielen Jahren von Thinktanks kritisiert, die beiden Parteien nahestehen. Nur weil MAGA massiv unsere Energiepolitik angreift, werden die Argumente ja nicht schlechter als sie vorher waren). Die auseinanderlaufenden wirtschaftlichen Indikatoren (Produktivität, BIP, Jahresarbeitsleistung, Investitionsquote in den Kapitalstock etc etc) hat auch weder Trump noch Vance erfunden – die sind sichtbar seit vielen Jahren, und die werden von sehr vielen Ökonomen aus vielen Denkrichtungen kritisch gesehen
Das sind keine „Stöckchen“ um zu provozieren. Das kann man tatsächlich so sehen, vor allem weil sehr vieles davon einfach faktuell ist. Das mag nicht gefallen, aber wer sich nicht mit fremden Sichtweisen auseinandersetzen will, bleibt unter seinen Möglichkeiten. Man sollte immer bedenken, dass andere Menschen auch berechtigte Argumente haben könnten. Vor allem dann, wenn der eigene Laden seit vielen Jahren auf so vielen Gebieten so schlecht performt wie der unsere.
[Bis zum Beispiel DEI dachte ich tatsächlich einen Moment, Sie wollten sachlich argumentieren. Und dann Energie – Kohle gut, Windkraft böse? Tatsächlich geht es Ihnen um Ideologie. Tja, dann gilt erst recht: wer sich nicht mit fremden Sichtweisen auseinandersetzen will, bleibt unter seinen Möglichkeiten. Ich habe Sie mehrfach aufgefordert, diese OT-Propaganda zu lassen. T.W.]
Allen, die behaupten, die NATO sei am Ende, ist zu entgegnen: Vielleicht haben sie recht – doch gebraucht wird sie weiterhin. Solange Europa nicht auf eigenen Beinen steht, bleibt uns nichts anderes übrig, als mit den Wölfen zu heulen.
Jenen jedoch, die versichern, die NATO werde noch auf lange Sicht bestehen, muss man widersprechen: Wir können nicht mehr darauf vertrauen, dass diese Garantie ewig gilt. Schon heute ist fraglich, ob sie noch das Papier wert ist, auf dem sie steht.
Wer jetzt noch fordert, Europa dürfe keine doppelstrukturen neben der NATO aufbauen, verkennt die Realität. Und wer glaubt, Europa brauche keine eigene Armee, übersieht, dass ohne eine einheitliche Organisation die notwendigen Mittel kaum aufzubringen sind. Die amerikanischen Sicherheitsstrukturen werden auf absehbare Zeit nicht mehr verlässlich zur Verfügung stehen.
Es ist unrealistisch, dass jedes europäische Land die Fähigkeiten für sich allein ersetzt, die bislang von den USA bereitgestellt wurden. Diese Lücken lassen sich nur gemeinsam schließen. Unterlassen wir das, steuern wir auf düstere Zeiten zu.
In der medialen Diskussion des Wochenendes zu dem Thema, fand ich zwei Aussagen am interessantesten:
„Auf der Suche nach einer „Trump-Doktrin“, die es vielleicht gar nicht gibt“ von Christian Fahrenbach, https://www.derstandard.at/story/3000000305462/auf-der-suche-nach-einer-trump-doktrin-die-es-vielleicht-gar-nicht-gibt
mit der Feststellung zur Methodik von Donald Trump, Strategien zu entwickeln:
„Da waren sie möglicherweise, alle wichtigen Grundlagen: Unkenntnis wichtiger Entwicklungen stößt auf zufällige Einwürfe und führt zu einer aus dem Ärmel geschüttelten Idee auf Basis von Hörensagen, die so etwas wie Praktikabilität außer Acht lässt (…) und kaum durchdachte Konsequenzen auslöst.“
und in der Welt+: “ Schwer zu bestreiten, dass Trump den meisten seiner Gegner überlegen ist“ von Harald Martenstein (Link bekanntermaßen nicht):
mit der Feststellung: „Trump gehört zu einem Typus,(…), in dessen Augen Politik wie ein Pokerspiel funktioniert. (…) Trumps Spiel heißt Chicken Game.“
Nun ist die vorgelegte Nationale Verteidigungsstrategie der USA kaum (alleine) von ihm. Aber sie wird nunmehr von ihm maßgeblich (mit) provided.
Er ist, wie Wladimir Putin und Xi Jinping auch, ein Rationalplayer im politikwissenschaftlicher Definition – ganz gleich wie oft und intensiv er die madman theory bespielt.
Das ist weder ein Lob, noch Bewunderung. Es ist eine Feststellung.
Und da wiederum sollte man mit umgehen lernen.
Es gilt für die EU/für DEU, eigene Ziele zu haben und Antworten für den Fall, es crasht, weil man nicht ausweichen will oder kann.
@AoR
Zzt von Reagan war die globale Machtverteilung zweigeteilt, mit ökonomisch eindeutig überlegenen USA.
Trump denkt in Imperien und dabei multipolar.
Er sieht das U.S. Imperium und ansonsten allein noch ein künftiges chinesisches, dass es zu verhindern gilt. Unterhalb, teils überlappend zur imperialen Schwelle anerkennen die USA unterschiedliche Machtpole: Den U.S. Pol des westlichen Hemisphäre samt Regionen strategischer Ölreserven, den RUS begrenzt auf die eurasische Landmasse, den chinesischen, einen künftigen indischen.
Die EU/Europa rechnet nicht dazu, da weder Wille noch Fähigkeit zu Power Projection gegeben sind. Europa betrachtet er u.U. lediglich als „Spielwiese“ der Russen.
Wer in Multipolarität denkt, diese damit anerkennt, verzichtet parallel auf den Anspruch die Machtzentren zu dominieren und die Regeln globaler machtpolitischer Ordnung zu bestimmen.
Kleiner, aber deutlicher Hinweis: Hier längliche pseudo-rationale Abhandlungen reinschreiben, nur um dann dezent den Hinweis unterzubringen „Ohnehin ist die EU nun wirklich kein Erfolgsmodell,“ ist ein bisschen billig. Schon klar, was erreicht werden soll, aber es fällt halt auf.
Der Präsident hat Recht von den NATO-Partnern mehr zu fordern. Das haben seine Vorgänger bereits getan, allerdings war die Reaktion zu schwach. Dass Russland die Ukraine überfällt, hat mit dieser Schwäche zu tun. Es ist zu hoffen, dass insbesondere Deutschland nunmehr voran geht, Verantwortung übernimmt und sich nicht mehr am Präsidenten abzuarbeiten, was ohnehin wenig erfolgreich sein dürfte.
Der Unterschied zwischen Trump und Reagan ist der, dass Reagan auf Berater gehört hat, nicht alle Wochen was gegenteiliges vertrat, je nach Laune und politischer Windrichtung und dass keinerlei Zweifel daran bestand, dass er tatsächlich amerikanische Interessen vertreten wollte.
All das ist bei Trump zumindest zweifelhaft. Vielleicht ist Trump nur eine große Shownummer, aber dann sollte der nächste Blödmannsgehilfe, der für die GOP den Vortänzer im Weißen Haus geben soll, aber ziemlich bald bereit stehen und aufgebaut werden. Mit Trump, der bekanntlich kaum in der Lage ist, andere Menschen wirklich ernst zu nehmen, wird das schwierig.
Der Backlash in Amerika ist eindeutig nicht nur auf ein Wiedererlangen amerikanischer Machtvorrangstellung gerichtet, sondern ausdrücklich und mit Ansage auch auf die demokratischen staatlichen Institutionen, Bürgerrechte usw.. Es ist ein feuchter Traum für Reaktionäre in den Staaten. Nervige Checks and Balances werden gezielt unterminiert oder SCOTUS mit willfährigen konservativen Figuren besetzt. Ob hier im Fall der Fälle der Partei vor der Verfassung Vorrang eingeräumt werden wird, bleibt abzuwarten.
Da nicht von Faschismus zu sprechen, ist fahrlässig. Die jetzt veröffentlichte Strategie passt hierzu nur allzu gut, ist aber eben nur eine Facette von mehreren. Dass Außenpolitik immer auch Machtpolitik ist, geschenkt. Aber es ist freilich die Erfahrung gewesen, dass diese Machtpolitik in der Vergangenheit auch immer an eine gewisse Zurückhaltung gekoppelt war, die immerhin den Anschein der Zugehörigkeit und des Eintretens für eine werte- und an Recht orientierte globale Politik zu wahren versucht hat.
[Ich möchte an dieser Stelle dringend darum bitten, die Debatte über die innen- und gesamtpolitische Perspektive wieder auf die sicherheitspolitische Perspektive zurückzoomen. Allein schon deshalb, weil sonst den MAGA-Trollen zu viel Raum geboten wird. T.W.]
Die „National Defense Strategy“ auf einen Blick.
https://x.com/kaylahaas/status/2015552840295469396/photo/1
Auffällig ist LOE -3 [Handlungsfeld] „Burden Sharing with Allies“: Allies Lead, mit critical but limited U.S. support.
U.a. Europe: NATO leads on Russia, Ukraine. Ergänzt um den Hinweis „The New Global Standard for Defense Spending“ unter Verweis auf den Haager Gipfel 2025.
Ein „NATO leads“ kann von der Aufgabendarstellung als Militärbündniss kaum als strategische politische Führung begriffen werden, das wird DC Marc Rutte kaum überantworten, er hat auch nicht den politischen Stab dafür?
Das „Security Environment“ kann analog zu „Imperien und Multipolarität“ meines Eintrags von 11:08 erkannt werden.
Für uns Europäer sind doch jetzt grundsätzlich zwei Szenarien bedeutend:
1. Das worst-case Szenario: Die MAGA-Bewegung übersteht die Midterms in den USA diesen November, kann seine Macht konsolidieren und gewinnt auch die nächsten Wahlen 2029 (oder setzt sogar Trumps Ankündigung um, dass die US-Bürger bald gar nicht mehr wählen „müssen“ – Originalzitat Trump).
In diesem Fall müssen wir Europäer komplett allein für unsere Verteidigung sorgen. Punkt.
2. Das „better case“ Szenario: Entweder a) die Republikaner verlieren die Midterms, die traditionellen Republikaner (Reagan, Bush sen. Anhänger – Transatlantiker) nehmen den MAGA-Flügel in die Verantwortung, drängen deren Macht zurück oder drängen sie gar ganz aus der Partei. Die US-Politik wird wieder NATO und Europa freundlicher, weniger konfrontativ und berechenbarer.
b) Die Demokraten gewinnen die Midterms und die nächsten Wahlen zur Präsidentschaft.
Aber auch in diesen beiden Fällen wird es keine völlige Rückkehr „in die alten Zeiten“ geben. Parteiübergreifend sieht man in den USA – zu Recht – China als die größte sicherheitspolitische Herausforderung an. Und die USA haben nicht genügend Kapazitäten, zusätzlich zu China auch noch die Hauptlasten in Europa zu tragen. Deswegen wird auch in diesen beiden Fällen von den Europäern sicherheitspolitisch viel mehr Engagement gefordert werden als früher. Und auch das zu Recht.
Europa kann die (Haupt)Last seiner Verteidigung durchaus selbst übernehmen. Wir haben sowohl die wirtschaftliche Stärke, als auch die technologischen Fähigkeiten. Wir sind Russland wirtschaftlich und technologisch deutlich überlegen.
Es ist eine Frage des Willens und der strategischen Weitsicht. Zur strategischen Weitsicht gehört z.B., nicht erneut den katastrophalen Fehler zu machen, und durch eine völlig naive, ideologisch bornierte „Wandel durch Handel“ Politik dem Feind Russland finanzielle Ressourcen zuzuführen, die er dann mit seinem Krieg gegen die Ukraine und das demokratische Europa eben gegen uns einsetzt.
Ein wirtschaftlich schwaches Russland muss daher eine der Top-Prioritäten der zukünftigen europ. Sicherheitsstrategie sein.
@KPK: Und das von ihnen ausgeführte liegt glasklar vor mir. Die Wahrnehmung eines Menschen – auch Präsidenten – ist das was er für als Wahr erachtet und handelt entsprechend. Und was der Wähler in den USA entscheidet ist dessen Freiheit und souveräne Entscheidung. Mir kommt es nur so vor, als würde man aus Sicht der USA einfach „das Feld räumen“.
Meine Interpretation/Analyse: Wir Europäer stehen vor der Wahl, entweder als Pol (politisch-ökonomisch-militärisch) aufzuwachsen und uns zu behaupten, oder in eine geopolitische Welt auf unserem Kontinent zurückzufallen, welcher eher an das 17-18 JH n.Chr erinnert. Mit allen verheerenden Konsequenzen für Wohlstand und Sicherheit…
Eines der Ziele aus der Sicherheitsstrategie hat bei mir besonders Fragezeichen hervorgerufen, vielleicht kann hier jemand aushelfen? „Deter China in the Indo-Pacific Through Strength, Not Confrontation.“ (Also „Schrecke China im Indopazifik durch Stärke, nicht Konfrontation ab.“)
Ich kann mir darauf einfach keinen Reim machen. Wie soll Stärke irgendwas abschrecken, wenn bei Konfrontationen zurückgegangen werden soll?
Bin ich hier zu blind oder macht das ernst genommen keinen Sinn?
@T.W.:
Ich nehme den Hinweis durchaus ernst, allerdings ist ja die Sicherheitspolitik im besonderen immer auch in Wechselwirkung mit anderen Politikfeldern. Innere Sicherheit ist bekanntlich auch ein großes Thema in den Vereinigten Staaten, siehe ICE und den Einsatz von Streitkräften jenseits der Nationalgarde.
Das ist auch nicht als globalgalaktisch-expansive Betrachtung gedacht, sondern als Überlegung zur Unterfütterung sicherheitspolitischer Entwicklungen der USA von einem (vergleichsweise) gutmütigen und auf Containment gerichteten hin zu einem expansionistisch-bellizistischen Hegemon. Das funktioniert nicht ohne strukturelle Umwälzungen im Innern und eine entsprechend mit „Winning“-Märchen gefütterte Bevölkerung.
Tiefgreifende innenpolitische Analysen benötigt man aber auch nicht. Die Entwicklungen und die Prosa der Verantwortlichen sind ja deutlich genug. Und sie verheißen eben auch außen- und sicherheitspolitisch nichts wirklich Gutes.
Militärisch waren die USA ja immer schon in der Lage, gegen mehrere kleinere Länder auf einmal konventionell Krieg zu führen. Aber ein Präsident hatte bislang weder das politische Selbstverständnis, noch den inneren Rückhalt, noch die uneingeschränkte Möglichkeit hierzu. Mit Mister „Ich mach‘ was ich will!“-Trump ist das (jedenfalls für die mittelfristige Zukunft) zweifelhaft.
@mergele:
Im Prinzip ist es eine ähnliche Strategie, die Reagan gegenüber der Sowjetunion wählte. Stark genug sein, um abzuschrecken, aber nicht offen konfrontativ agieren, also keine Warnungen, Drohungen, unprovozierten offenen Eskalationen, wenn die roten Linien ansonsten gewahrt bleiben.
Das bedeutet nicht, dass man Konfrontationen einseitig immer aus dem Weg geht. Aber man strebt sie eben gerade nicht gewollt an.
Wenn Sie und Ihr Nachbar Ärger miteinander haben, weil er sich in seinem Garten von Ihnen gestört fühlt, dann ist der Weg der Stärke, dass Sie einfach einen höheren Zaun auf ihrem Grundstück bauen oder im Rahmen des Zulässigen dokumentieren, was er seinerseits tut. Der Weg der Konfrontation wäre, wenn Sie ganz bewusst immer wieder den Rasen genau dann mähen, wenn er im Garten ist, wenn Sie „zufällig“ alle Ihre Freunde zu einer lauten Gartenparty einladen oder mit den Kindern der Nachbarschaft ein Rasenfussballturnier veranstalten; Konfrontativ wäre auch, heimlich nachts eimerweise Löwenzahnfallschirmjägersamen mit dem Ventilator zu ihm rüberpusten, damit sein Rasen verhunzt wird…
@Metallkopf Danke für die Erklärung. Ich kann die Intention nachvollziehen. Über die Anwendbarkeit bin ich immer noch unsicher. Wenn jeder seinen Garten hat ist es ja noch einfach sich aus dem Weg zu gehen, aber wenn der Nachbar anfängt die gemeinsam genutzte Auffahrt vollzustellen (z.B. Stichwort Südchinesisches Meer) muss man sich entscheiden ob man entweder das wegräumt oder auf die zu verzichtet. Aber letztlich bin ich auch nich für US Außenpolitik verantwortlich, also mal schaun.