Umsätze der Rüstungsindustrie weltweit auf Rekordhoch – Massive Steigerung auch bei deutschen Firmen
Die Umsätze der 100 größten Rüstungsunternehmen weltweit sind im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent auf das neue Rekordhoch von 679 Milliarden US-Dollar gestiegen. Über das Jahrzehnt von 2015 bis 2024 wurde beim Verkauf von Militärgerät und Dienstleistungen eine Steigerung um mehr als ein Viertel verzeichnet, errechnete das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI. Die vier deutschen Firmen unter den 100 weltweit größten erhöhten im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 36 Prozent. Die höchste Steigerung verzeichnete dabei mit 53 Prozent Diehl, Lieferant unter anderem von Flugabwehrsystemen.
Nach der regelmäßigen Übersicht des schwedischen Instituts, deren jüngste Fassung am (heutigen) Montag veröffentlicht wurde, zeigte sich die weltweite Zunahme der Ausgaben für Rüstung und dazugehörige Dienstleistungen vor allem in den Umsatzsteigerungen der Unternehmen in den USA und in Europa. Allerdings seien in allen Weltregionen die Umsätze gestiegen – mit Ausnahme von Asien und Ozeanien, wo ein deutlicher Rückgang bei den Waffenverkäufen chinesischer Unternehmen die Umsätze insgesamt geringer ausfallen ließ.
Wie in den Vorjahren machten die Umsätze von US-Unternehmen den größten Anteil des Handels mit Waffen und militärischen Dienstleistungen aus. Die 39 Firmen unter den 100 weltweit größten steigerten ihren Umsatz um 3,8 Prozent auf 334 Milliarden US-Dollar und erreichten damit fast die Hälfte des weltweiten Geschäfts. Allerdings habe es in den Vorjahren bei den Lieferungen der großen US-Rüstungsfirmen Verzögerungen gegeben, erklärte SIPRI. So seien die Umsatzsteigerungen zum Beispiel bei Lockheed Martin, dem größten Waffenhersteller weltweit, zum Teil auf verspätete Auslieferungen des Kampfjets F-35 zurückzuführen. Auch andere Rüstungsprogramme wie die Beschaffung von U-Booten drohten angesichts von Verzögerungen und Kostenüberschreitungen die Haushaltsplanung zu beeinträchtigen.
Die gestiegene Nachfrage nach Waffensystemen führte nach Angaben des schwedischen Instituts dazu, dass die 26 europäischen Unternehmen – ohne Russland – unter den 100 größten weltweit ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 151 Milliarden US-Dollar steigerten. Die trans-europäischen Unternehmen Airbus, MBDA und vor allem der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS (ehemals Kraus-Maffei Wegmann aus Deutschland und Nexter aus Frankreich) hatten daran wesentlichen Anteil; so steigerte KNDS seinen Umsatz um 14 Prozent.
Unter den rein nationalen Unternehmen lagen die deutschen Rüstungsfirmen mit einem um 36 Prozent auf zusammen 14,9 Milliarden US-Dollar gesteigerten Umsatz an vierter Stelle in Europa hinter Großbritannien (52,2 Mrd), Frankreich (26,1 Mrd) und Italien (16,8 Mrd). Das Familienunternehmen Diehl, im weltweiten Ranking von Platz 80 auf Platz 67 aufgestiegen, verzeichnete mit 53 Prozent die höchste jährliche Steigerung und erhöhte den Umsatz auf 2,1 Milliarden US-Dollar. Grund dafür war nach Einschätzung von SIPRI vor allem die Lieferung von Flugabwehrsystemen und von Artilleriemunition, nicht zuletzt an die Ukraine.
Der größte deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall stieg mit einer Umsatzsteigerung um 47 Prozent auf 8,2 Milliarden US-Dollar von Platz 26 auf Platz 20 weltweit auf. Auch dieser Zuwachs war nach Angaben des schwedischen Instituts vor allem durch erhöhte Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen und Munition im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine bedingt. Der Umsatz, den Rheinmetall in der Ukraine selbst erzielte, verdoppelte sich im vergangenen Jahr auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Die anderen beiden deutschen Unternehmen auf der Liste der 100 größten weltweit sind ThyssenKrupp (allerdings im vergangenen Jahr noch vor der Abspaltung des Werftengeschäfts) auf Platz 61 mit knapp 2,3 Milliarden US-Dollar und Hensoldt auf Platz 62 mit 2,24 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Im Nahen Osten (zu dem SIPRI für seine Übersicht auch die Türkei zählt) waren im vergangenen Jahr neun Rüstungsfirmen unter den 100 weltweit größen – nach Angaben des Instituts die bislang höchste Zahl für die Region. An den Umsätzen von 31 Milliarden US-Dollar hatten drei israelische Firmen mit 16,2 Milliarden den größten Anteil. Fünf türkische Unternehmen trugen 10,1 Milliarden US-Dollar Umsatz bei.
Während die Nachfrage nach Waffen und militärischen Dienstleistungen weltweit stieg, fällt der Umsatzrückgang der chinesischen Rüstungsfirmen im vergangenen Jahr auf. Nach Angaben von SIPRI ging der Umsatz der acht Unternehmen aus der Volksrepublik unter den 100 weltweit größten um zehn Prozent auf 88,3 Milliarden US-Dollar zurück. Grund dafür waren zahlreiche Korruptionsvorwürfe und -verfahren gegen Verantwortliche der Rüstungsindustrie, die zu Verzögerungen bei Beschaffungen und zu Überprüfungen bestehender Lieferverträge geführt hätten.
Wie wäre der Titel „Deutsche Rüstungsindustrie auf der Überholspur“?
Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort und aufgrund der Auftragslage und der Investitionen der Firmen wird dies auch in den kommenden zwei Jahren so sein. Und das kommt der Bundeswehr und unser Verteidigungsfähigkeit zu Gute.
Mit den weiteren 25 Mio.€ Vorlagen auf dem Tisch sollte die Truppe dann endlich sehen, dass das Material der Zeitenwende ankommt.
Die eigentliche Frage ist doch, wieviel PS auf die Straße kommen. Rein rechnerisch hat allein die EU das fünffache finanzielle Volumen in der Rüstungsindustrie, im Vergleich zu Russland. Doch spiegelt sich das auch in einer „fünffachen Überlegenheit“ wieder? Dass dem augenscheinlich nicht so ist, hat nicht zuletzt die USA erst kürzlich wieder eindrucksvoll demonstriert, die offenbar weiterhin als absolut fundamental und unverzichtbar sowohl für die Unterstützung der Ukraine, als auch die Abgabe tragfähiger Sicherheitsgarantien gesehen wird. Wo würden wir also in einem imaginären Autonomie-Index stehen, sagen wir vor und nun im vierten Kriegsjahr der Ukraine? Wie sieht der „ramp up“ aus? Welche Kapazitäten sind neu und welche noch in Aufbau?
(FA Zeitung) TKMS-Chef Oliver Burkhard: „Wir werden keine atomaren U-Boote bauen“ Hmm… Bereits kurz nach der U-Boote „Dakar“-series ertigstellung, Israel könnte Bedarf an einer neuen Dakar-2 Serie haben… Vielleicht auch Deutschland, die Welt verändert sich so schnell. Regards…
Anmerkung zu den grössten Preissteigerungen eines Waffensystems ab dem Ukraine-Krieg.
Das wäre dann wohl die amerikanische ManPad-Flugabwehrrakte FIM 92 Stinger.
Bekannt schon seit Jahrzehnten aus Film ( „Rambo“ ) und Fernsehen ( „Miami Vice“ ).
Geschätzer Herstellungspreis pro Rakete ca. 100.000 bis 200.000 US Dollar.
Aktueller Verkaufspreis ausserhalb der US-Streitkräfte ca. 700.000 bis 1,5 Millionen US Dollar.
Die Preisgestaltung kann man sich leisten da der Ukraine-Krieg gezeigt hat wie wichtig eine grosse Anzahl dieser Systeme ist um feindliche Luftoperationen bis ca. 4 km Flughöhe zu verunmöglichen.
Zudem scheint es keine ernsthafte europäisch konstruierte Konkurrenz zu geben ( warum eigentlich ? )…
Im aktuellen youtube-Video des Panzermuseums gibt es übr. eine Buchbesprechung des Irakkriegs von 1991.
Damals gab es, trotz 4500 irakischen Panzern und kampferprobten Streitkräften, ein Verhältnis von Irakischen toten/verwundeten Soldaten zu der Allierten-Seite von etwa 100 zu 1.
Das ist kaum zu fassen und lag auch an überlegener Technik wie Wärmebildkameras und GPS in Panzern.
Diese überlegenen Zeiten ( von wem auch immer ) scheinen aber endgültig vorbei zu sein…
Keine Frage, wir müssen massiv aufrüsten, aber das sind Investitionen, die sich nicht amortisieren. Auf einem ganz anderen Blatt steht, wie die Anleihemärkte mittel- und langfristig auf die EU-weit steigende Staatsverschuldung reagieren werden. Das könnte ziemlich unangenehm werden und dabei ist ein Sieg Russlands noch gar nicht berücksichtigt.
[Verstehe ich nicht ganz. Nicht aufrüsten, damit Russland siegt und das ganze finanziell auskömmlich ist, oder was wollen Sie sagen? T.W.]
Lieber Herr Wiegold, wenn ich schreibe, wir müssen massiv aufrüsten, müssen Sie nicht vermuten, ich meinte das Gegenteil. Die rasant steigende Staatsverschuldung wird zu steigender Inflation und steigenden langfristigen Zinsen führen. Gewinnt Russland, wertet der Euro ab. Das ist ein worst case Szenario, aber ich sehe augenblicklich kaum etwas (eigentlich gar nichts), was uns das ersparen wird. Europa ist einfach zu schwach, das zu verhindern.
Man könnte diese Zahlen natürlich auch in Relation zu den Einsparungen der Jahre vor dem Ukraine-Krieg setzen, dann relativiert sich dieser „Rekord“ doch etwas.
@Pham Nuwen 01.12.2025 um 16:27 Uhr
Das liegt daran, dass wir Europäer uns verzetteln und ineffizient sind. Wir haben zu viele unterschiedliche Hauptwaffensysteme, was die Stückkosten in die Höhe treibt. Vom Ausbildungsaufwand und der Ersatzteilversorgung ganz zu schweigen. Beispiel: Kampfflugzeug der 6. Generation. Da konkurrieren zwei europäische Projekte miteinander: GCAP (Großbritannien–Italien–Japan) und FCAS (Frankreich–Deutschland–Spanien). Wir bekommen es einfach nicht gebacken, uns auf ein gemeinsames System zu einigen. Konkurrenz gibt es auch beim Bau von U-Booten. Und Frankreich will den Leclerc-Panzer modernisieren, Großbritannien den Challenger, in Deutschland baut KNDS den neuen Leopard und Rheinmetall den Panther. Kein Wunder, wenn wir trotz erheblicher Haushaltsmittel nur vergleichsweise dürftige Ergebnisse erzielen.
@ Der Uhrmacher 01.12.2025 um 20:12 Uhr
Das liest sich so, als ob eine Abwertung des Euros der worst case sei. Vielleicht ist das nur unglücklich formuliert, vielleicht jedoch ist das Ihr zentrales Problem?
Ja, derzeit sieht es so aus, als ob RUS langsam gewinnen würde. Dies geschieht jedoch unter sehr hohen Verlusten, die RUS bereit ist zu „opfern“. Gleichzeitig betreibt RUS im Modus einer Kriegswirtschaft einen Überschuss an Waffen. Nehmen wir mal an, es käme zu einem nachhaltigen Waffenstillstand mit der UKR. RUS müsste aus wirtschaftlichen Gründen an der Kriegswirtschaft weiter festhalten, um nicht plötzlich zu kollabieren. Wo und wann werden diese Waffen eingesetzt werden? Wer sind die möglichen Handelspartner?
Was bedeutet das für die UKR und Europa?
Wenn Europa, und ich schreibe bewusst nicht die „EU“, weiteren Krieg in Zukunft verhindern will, so muss RUS mit vereinten Kräften aus der UKR gejagt werden, also RUS auf UKR Territorium besiegt werden, andernfalls ist eine kriegerische Auseinandersetzung auf dem Territorium der EU unausweichlich. Besser jetzt auf schon weitgehend zerstörtem Gebiet den Feind vertreiben, als andernorts „überrascht“ zu werden. RUS Kräfte sind jetzt in der UKR gebunden. Dort müssen sie aufgerieben werden. Was wäre jetzt dazu notwendig?
1. Die Einsicht, dass RUS jetzt geschwächt ist, aber durch einen Waffenstillstand richtig gefährlich wird.
2. Eine unverbrüchliche Einigkeit innerhalb der EU/NATO mit Personal und Waffeneinsatz in der UKR für die UKR zu kämpfen, in einer Koalition der Willigen.
3. Die Einsicht, dass die Verteidigung der UKR mit allen Mitteln jetzt die „günstigere“ Variante ist. Auf später verschoben würde alles schlimmer und teurer.
4. Die kriegerische Auseinandersetzung mit RUS ist in naher Zukunft unausweichlich, es sei denn das Kreml-Regime wird gestürzt.
@strato239
„Wenn Europa, und ich schreibe bewusst nicht die „EU“, weiteren Krieg in Zukunft verhindern will, so muss RUS mit vereinten Kräften aus der UKR gejagt werden, …“
Und wie wollen Sie das bewerkstelligen, auch mit viel Material, was eben auch nicht mehr kurzfristig verfügbar ist ? Und wenn Kapazität für die UKR eingeplant wird, wie soll dann der Aufwuchs der anderen europäischen SK erfolgen ?
@strato239:
Ich fürchte, Ihren Schlussfolgerungen muss aufgrund der Eigendynamik, die das russische Regime entwickelt hat, zugestimmt werden. Es ist vermutlich auch der Grund, weshalb Russland über jegliche Verluste hinweg weiter eigenes Menschenmaterial in der Ukraine in die Knochenmühlen wirft. Abgesehen davon, dass Menschenleben in Russland traditionell der herrschenden Klasse eher wenig wert sind, ist Putin nebst allen, die sein Regime treu ergeben stützen, eigentlich verdammt dazu, um jeden Preis siegen zu müssen, wenn man nicht irgendwann selbst untergehen will.
Und deshalb sehe ich es ähnlich wie Sie. Wenn nicht der Untergang des Regimes durch eine Niederlage in der Ukraine bedingt, stattfindet, wird Russland perspektivisch auch nach einem Waffenstillstand (Teilsieg) weiter angreifen, weil es muss.
Solange die Ukraine jetzt mit Langstreckenwaffen die russische Rohstoffindustrie lahmlegt, wird das perspektivisch aber immer schlimmer für die russische Bevölkerung, wenn es irgendwann dann doch zum wirtschaftlichen Zusammenbruch kommt. Die russische Zentralbank verkauft offenbar schon Goldreserven um den Kollaps des Rubel aufzuhalten… ganz abgesehen von nicht gezahlten Löhnen und Gehältern und einseitig verfügten Zahlungsaufschüben der öffentlichen Hand bis in den Rüstungssektor hinein.
Prognosen sind ja bekanntlich immer mit Vorsicht zu treffen, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen, aber allzu lange kann Russland nicht mehr so weitermachen. Ich würde der NATO jedenfalls zur erhöhten Wachsamkeit über die Weihnachtstage raten.
@Thomas Melber: „Und wie wollen Sie das bewerkstelligen, auch mit viel Material, was eben auch nicht mehr kurzfristig verfügbar ist ? Und wenn Kapazität für die UKR eingeplant wird, wie soll dann der Aufwuchs der anderen europäischen SK erfolgen ?“
Mit einer harten Frage der Priorisierung. Bis jetzt hat „der Westen“ vielfach veraltetes Material, aufgefrischt für den Fronteinsatz, in die Ukraine geschickt. Den „heißen“ Scheiss haben wir in vielen Bereichen noch gar nichts ausgepackt und geschickt, siehe Taurus-Diskussion. Das kann man noch deutlich fortführen mit vielen anderen Systemen. Meteor, Leopard 2A7,…
Letztlich müssen wir uns die Frage stellen, was sinnvoller ist: den Einsatz von Systemen JETZT in der Ukraine um einen Sieg Russlands mit all den für Europa negativen Folgen (u.a. auch der Aspekt zusätzliche Flüchtlinge), oder ein „in den Arsenalen halten für den Tag X“. Was heute wirkt, kann uns morgen nicht gefährlich werden. Oder wie es anders heißt: Triff den Schützen, nicht den Pfeil.
Und ja, die Frage für Russland „wie zurück aus einer Kriegswirtschaft“ wird eine ganz elementare Frage für das Land sein. Ohne erkennbaren Weg und ohne Perspektive, zumindest auf ein gleiches wirtschaftliches Niveau zu kommen, wird es zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch kommen. Die russische Wirtschaft war außerhalb des Rohstoffsektors schon vor 2022 nicht wettbewerbsfähig, jetzt ist sie es erst recht nicht mehr. Und wenn keine Perspektive erkennbar ist, dann ist alleine aus dem Trieb der Machterhaltung ein Weiterführen des Krieges für die handelnden Personen sinnvoller als ein Waffenstillstand.
Ich bin kein Ökonom aber ich kann noch nicht nachvollziehen, warum Russland nicht aus der Kriegswirtschaft austeigen kann, wenn es das denn will. Also nach einem Friedensvertrag keine weiteren neuen Beschaffungsverträge für Rüstungsgüter schließen sondern frisches Geld in andere Investitionen stecken. Und bei den laufenden Rüstungsverträgen einen „vernünftigen“ Ausstieg auf Raten finden. Vielleicht auch noch einen Teil der überschüssigen Rüstungsgütern verkaufen.
Warum soll dies schlechter funktionieren als weiter in die Rüstungsindustrie zu investieren?
Bei all dem bin ich mir natürlich bewusst, dass die eigentliche Logik hinter der russischen Kriegswirtschaft natürlich ist, Geländegewinne zu erzielen und anschließend damit die Rendite zu erzielen, Eine unumkehrbare Dynamik ist das damit aber noch lange nicht. Aus meiner Sicht fehlt vor allem der Wille der politischen Führung zu diesem Schritt.
https://defence-industry.eu/denmark-declares-atmos-artillery-systems-combat-ready-after-successful-live-fire-testing/ Beschaffung und praktische Schlussfolgerungen:- das Geld arbeitet für uns in beide Richtungen.
Klartext erforderlich : ein Umsatz-Plus von 5,9 Prozent ist m. E. nicht wirklich besonders Bemerkenswert. Denn in der Welt unserer Hightech – Industrie liegen diese Werte nicht im überragen Bereich.
Wichtig dürfte die gezielte Einbindung der Industrie innerhalb von Europa sein und die damit verbundene Wertschöpfung hieraus. Bedeutet : alles auf den Prüfstand, was zum Teil überaus kostenintensiv in der Welt außerhalb Europas beschafft werden soll. Beispiel Lockheed Martin F 35.
Keiner braucht eine F 35 hatte der deutsche CEO von Airbus Industries bereits vor Monaten gesagt.
EU Spanien sagte: Nein, keine F 35 und bitte bis zu 80 Prozent der Verteidigungsausgaben an Spanischen Unternehmen oder Joint Venture in der EU.
EU Belgien, kleiner als die Schweiz, kauf F 35 und offenbar in der Stückzahl der ersten deutschen Tranche. 4 Maschinen wurden ausgeliefert, 3 kamen Nagelneu beim Auslieferungsflug in Belgien an. Eine Maschine hatte es gerade noch für eine Notlandung auf die Azoren geschafft. Nach 10 Tagen erreichte dann auch diese F 35 ihren Stützpunkt in Belgien. Im Ernstfall wäre das bereits ein Verlust von 25 Prozent. Ohne Feindeinwirkung.
Die Bundesregierung geht daher mit dem heutigen Rüstungsgipfel und den beiden Fachressort Ministerien den m. E. nach folgerichtigen, höchstens überfällige Weg unter startet Lenkungsinstrumente zur Verknüpfung von Akteuren aus der Wirtschaft mit den Auftraggeber Bund und dem Verteidigungsressort.
Die EU sind aktuell mit Abstand die größten Unterstützer der UA geworden und bezahlen für Waffenlieferungen aus den USA an die UA.
Selbstverständlich soll aus dem Nicht – EU Ausland auch weiter das beschafft werden, was qualitativ hochwertiger und für die Verteilung notwendig ist.
@ strato239 02.12.2025 um 11:01 Uhr
Sie zielen darauf ab, ggf. einen Präventivkrieg führen zu wollen und begründen das mit strategischem Zeitfenster- Vorteil und Erfolgsaussichten.
– Sie sollten doch gut wissen, dass dies politischer Selbstmord für viele europäische und Nato- Regierungen wäre, historisch gefährlicher Sprengstoff bedeutet und vmtl. in die nukleare Katastrophe führt. Warum schreiben Sie sowas? Wen soll das zu was provozieren?
Zum Beitrag:
Vmtl. hat SIPRI die zahlreichen US- und europ. Start- ups nicht erfasst. Hier kämen dann noch Mrd.- Beträge hinzu. Mglw. fehlen auch „dual-use“- Anbieter wie Palantir und Musk’s Starlink- Produkte, die erheblich zu „Software Defined Defense“ beitragen und hohe Wachstumszahlen generieren. Auch in DEU beteiligen sich Start- ups zunehmend und erhalten entsprechende Aufträge.
@Nachhaltig
… warum Russland nicht aus der Kriegswirtschaft aussteigen kann, wenn es das nicht will.
Als Weltanschauungskrieger sieht Putin sich auf einer selbst auferlegten historischen Mission als Reichsverweser die Restauration der totalitären untergegangenen UdSSR / CCCP und des absolutistischen untergegangenen Gross – Russischen – Reichs anzustreben. Leider nicht mit friedlichen Mitteln.
Und die Bürgerinnen und Bürger in Russland werden auch nicht gefragt, was sie davon halten und wollen.
Vielleicht wollen sogar viele Menschen in Russland aus der Kriegswirtschaft aussteigen.
Indes ‚Gross-Fürst Vlad‘ im Kreml möchte das nicht.
In jüngster Vergangenheit hat es wohl auch in den eigenen Reihen Versuche gegeben, den Herrscher im Kreml umzustimmen. Leider ohne Erfolg
@Eric Hagen:
Nein, einen Präventivkrieg sollten wir nicht führen. Denn den Präventivkrieg führt bereits die Ukraine. Auf eigenem Territorium. Was wir vielleicht einmal tun sollten, ist nicht ständig vom konzertierten Chor der nach Moskaus Dirigentenstab sausenden Muffen in hiesigen Internet-Kommentarspalten abgelenkt werden und der Ukraine halt die notwendigen Mittel in die Hand geben, um den auf tönernen Füßen wankenden Riesen Russland endgültig unter dem Gewicht der eigenen Fehlentscheidungen umfallen zu lassen, indem ihm der Öl- und Raffinerieteppich endgültig weggezogen wird.
Diejenigen, die auf einen raschen Zusammenbruch der Ukraine gesetzt hatten, wurden von russischen Stockfehlern und ukrainischem Einfallsreichtum überrascht. Hinzu kam die Innenpolitisch entgleisende Situation in Russland, bis hin zum Fast-Putsch von Wagner-Chef Prigoschin und die diversen Säuberungswellen im näheren Kreml-Umfeld.
Russland droht praktisch seit der ersten Stunde dieses Krieges mit seinen Atomwaffen und passiert ist – nichts. Hören Sie doch also bitte auf, ständig von der „nuklearen Katastrophe“ zu erzählen. Überhaupt will doch niemand ernstlich Russland erobern. Wozu? Russland ist voll mit Russen, und die zu regieren, ist traditionell notorisch (über-)fordernd.
Die Russen werden von alleine zurück in die Gemeinde der Völker zurückkehren, sobald sie erkennen, dass es sich eher lohnt, mit den EU und NATO-Staaten Handel zu treiben, als sich ständig auf den Schlips getreten zu fühlen. Deshalb ist es auch wichtig, zu unterscheiden, zwischen dem russischen Staatsapparat und der Bevölkerung.
Machen wir uns nichts vor. Ein russischer Wirtschaftskollaps wäre für die Bevölkerung natürlich schlimm. Nur haben sie das 1:1 Ihrem Господин Президент zu verdanken, und seinen Schranzen, die sich von der Großmannssucht haben anstecken lassen. Mafiöse und diktatorische Strukturen sind im Kleinen vielleicht erst einmal effizienter, als Rechtsstaatlichkeit und demokratische Konsensfindung, aber sie erdrücken sich selbst unter ihrem eigenen Gewicht, früher oder später.
[Die Ukraine führt einen Präventivkrieg? Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben, aber im Februar 2022 hatte Russland mit der Vollinvasion der Ukraine begonnen. Vielleicht lesen Sie noch mal nach. T.W.]
„Keiner braucht eine F 35“
Doch man braucht sie für die atomare Teilhabe. Deswegen kann Spanien auch auf auf die F-35 verzichten, weil Spanien eh daran nicht beteiligt ist.
Davon abgesehen scheint die F-35 bei den Israelis ja ganz gut zu funktionieren, auch wenn die Israelis ihre eigenen Anpassungen dran haben.
Um das mal klar zu stellen (obwohl ich mich in dem hoch lauchtigem Gremium hier frage, warum ich das tun muss, wo es doch logisch auf der Hand liegt :
Die „5 mal so große“ Rüstung Industrie West Europas nagte 25 Jahre am staatlichen Hunger Tuch!
80% der NATO EU Streitkräfte sind… bürokratisch durch politisch dumme Regierungen… Vernichtet (!) worden. Strukturen vernichtet, Fachwissen vernichtet, Truppen Kontingente vernichtet…. Nur Gross China, RUS und USA rüsteten weiter auf oder blieben (USA) in diesem Industrie Sektor gleich groß.
USA hat quasi allein dje Verteidigung Europas bezahlt… DAS WAHRHAFT UNBESTREITBARE TRUMP ARGUMENT!
Um diesen Wahnsinn an Kahl Schlag der eigenen Verteidigungs Fähigkeit aufzuholen, braucht es eine echte Zeitenwende. Nicht nur finanziell, sondern insbesondere in den Bürger und Beamtenköpfen.
Und genau dort kommt es in ganz Westeuropa nirgends an…. Außer in Skandinavien, Polen und im Baltikum.
Der europäische Stier ist fett und eingepennt vor lauter fressen…. Und RUS wird das bitter bestrafen in 2029.
Denn ein Frieden in der Ukraine, so wie es jetzt ist, wird zu 100% Krieg in 2029 gegen PL, oder Baltikum oder Skandinavien oder Rumänien führen (Karpaten Zugang erobern als natürliches Bollwerk gegen den Westen), denn Russland Wirtschaft kennt kein zivil mehr unter Putin., da ist Volks Wirtschaftlich KEIN ANDERER WEG MÖGLICH!
Diese Dummheit von 25 (und jetzt immer noch) Jahren Schlafen kann nicht in 5 Jahren aufgeholt werden!
Im übrigen sind nur 4(!) Deutsche Rüstung Unternehmen in den top 100 der Welt.
Das ist… Lächerlich!
Lockheed Martin allein ist 4 mal so groß wie Rheinmetall , TKMS, KNDS, Hensoldt und Diehl zusammen!
…. Es ist also völlig egal was jetzt aktuell aktuell abgeht… Die Politik verstand und versteht den Schuss vor den Bug nicht.
Sonst hätten wir spätestens seit 2014 Aufrüstung, Großkonzerne als Rüstungs Monopol in Europa (EIN Panzer produzent, EIN Kampfflugzeug,, EIN EU Werften Konsortium! Wehrpflicht überall, und in D ein stehendes Heer von 500.000 Mann und 2 Millionen Reservisten…. Wie 1985!
Zusätzlich… Nukleare Bewaffnung von D, PL und SWE!
@ Eric Hagen 02.12.2025 um 18:22 Uhr
Wie kommen Sie auf „Präventivkrieg“? Haben Sie seit 2014 geschlafen, und ich habe Sie aufgeweckt?
Faktisch wäre ein Engagement einer Koalition der Willigen in der UKR auf UKR-Territorium eher so etwas wie ein Last-Minute-Schnäppchen, bevor es noch teurer wird.
Wenn Nord-Koreaner für RUS auf RUS-Boden kämpfen dann wäre „unser“ Engagement noch nicht mal eine Eskalation sondern ein gleichziehen. Und Sie, ausgerechnet Sie bemühen das angestaubte nukleare Drohen der Russen? Lächerlich, wie schnell die Hosen voll sind.
[So, mit den Pöbeleien machen wir jetzt mal Schluss und beenden zudem diesen OT. T.W.]
Jenseits von Annahmen wie Größenwahn und ähnlichem: Warum sollte die Russische Föderation die Nato angreifen? Rational bitte, aus Sicht der russischen Nation, keine Dinge wie „sind halt korrupt, böse“ u.ä.
Ein solcher Angriff bedeutet WK3.
WK1 wurde um die Dominanz in Europa und (damals gleichbedeutend) in der Welt geführt. Schlimm, aber nachvollziehbar.
WK2 wollte „Lebensraum“ im Osten plus Weltmachtanspruch (neben dem ganzen Wahnsinn, aber Lebensraum war soweit die rational nachvollziehbare Motivation) geführt. Noch schlimmer, aber auch noch nachvollziehbar.
Also: Was soll Russland von uns wollen? „Lebensraum“? haben sie genug. Technologien? Bekommen sie von China, EU-Europa geht da eh den Bach runter und ein besetztes Westeuropa wäre ungefähr so innovativ wie Vichy-Frankreich: Gar nicht. Sicherheit? Wird sowieso durch die nukleare Abschreckung gewährleistet. Weltdominanz? RU spielt da jetzt schon an den oberen Grenze seiner objektiven Möglichkeiten.
Ich stelle hier die Frage nicht, um zu provozieren. Aber mich würde wirklich interessieren, was in der Vorstellungswelt mancher hier der rationale Grund für einen Angriff auf die Nato sein soll, der den Eintritt von WK3 rechtfertigt. Und man komme mir nicht mit Spitzbergen oder russischen Minderheiten im Baltikum: Dafür führt ein rationaler Akteur keinen potenziell nuklearen Weltkrieg – weder die einen, noch die anderen.
@JoH
F 35 und die nukleare Teilhabe
Für die aktuelle US-Adminitration ist der Kreml kein Gegner. Und umgekehrt gilt offenbar dasselbe : „Wenn Europa kämpfen will…“ kam gestern das Statement von Putin. Ich zumindest habe nicht vernommen, dass Putin vom Westen oder etwa die Vereinigten Staaten gesprochen hatte, deshalb nochmal :“Wenn Europa kämpfen will…“
Die propagandistischen Attacken gehen allein in Richtung EU. Und es gibt kein Einschreiten der USA und nichteinmal einen Widerspruch.
„Der Kontakt mit dem US-Militär ist abgebrochen, wirklich abgebrochen“, hat gestern der Inspekteur des Heeres mitteilen lassen. Was ich auch glaube und ihm großen Respekt zolle für diesen Mut zur Wahrheit.
Ich respektiere ihre Ansichten zur nuklearen Teilnahme, sehe aber unter dieser weltpolitischen Lage keine Wahrscheinlichkeit, dass diese Teilhabe je stattfindet noch diese Teilhabe faktisch überhaupt noch besteht
@ Sandro Valecchi 03.12.2025 um 12:23 Uhr
Vielen Dank für den Hinweis. Hier der Kontext dazu:
Source: https://www.theatlantic.com/magazine/2026/01/german-militarism-european-security/684951/
@Sandro Valecchi
@JoH
Zum Thema nukleare Teilhabe der BW im Laufe der Zeit:
In den 1970ern:
Zwei deutsche F 104 Starfighter standen in Büchel immer startbereit in Sheltern mit bereits montierten US-Atombomben. Die dazugehörigen BW-Piloten hatten jeweils 24h Bereitschaft. Es gab eine gelbe Linie auf dem Taxiway hinter der es nicht lustig wurde bei unbefugtem Betreten…
( Quelle: Ex-Starfighterpiloten in ihren Memoiren, damals streng geheim )
Bis vor dem Umbau von Büchel ( ab Sommer 2022 ) waren dies dann Tornados. Auch in Bereitschaft, auch mit BW-Piloten. Aber die Bomben blieben immer in den Spezialbunkern. Im Luftbild von Büchel auf Google-Maps abgesetzt vom Flugplatz im Norden.
Die Shelteranlagen auf dem Luftbild im Süden waren genau die in denen damals die F 104 mit untergehängten Atombomben in Bereitschaft standen.
Seit dem Umbau von Büchel (2022) sind die deutschen Tornados in Nörvenich. Da gab es bis vor ca. 20 Jahren auch aktive Spezialbunker für Atombomben.
Wenn die gefüllt waren gab es eine Sperrzone mit einer entsprechenden US-Wacheinheit der Marines. Sehr auffällig.
Diese gibt es derzeit nicht.
Es ist also davon auszugehen das die Bomben alle ausgeflogen wurden.
D.h. derzeit keine nukleare Teilhabe. Man könnte auch sagen Deutschland ist seit 2022 atomwaffenfrei.
Alle offiziellen Stellen geben dazu selbstverständlich keinen Kommentar ab. Also natürlich alles unbestätigt.
Nichtsdestotrotz sehr wahrscheinlich aufgrund langer Indizien-Kette.
Im kalten Krieg war die nukleare Teilhabe vor allem Ausdruck des damals geplant wahrscheinlichen nuklearen Schlachtfelds. Extrem gruselige Vorstellung.
Vor allem aber das „icing on the cake“ um allen zu zeigen „we really mean it“.
Zumindest bei der aktuellen US-Administration glauben das aktuell nur die Wenigsten.
Mangels Alternative ist die offizielle Darstellung aber eine andere…
@ Sandro Valecchi 03.12.2025 um 12:23 Uhr
Nachtrag zum Freuding-Interview mit dem US-Magazin The Atlantic>/em>
Die Worte wurden also (noch) nicht als Inspekteur des Heers gesprochen und liegen bereits mehrere Wochen zurück. Dies ist wichtig zu erwähnen, weil das also nichts aktuell Neues darstellt. Allerdings dürfte sich indes kaum etwas zum Besseren gewendet haben.
https://www.timesofisrael.com/israel-delivers-arrow-3-to-germany-in-largest-defense-export-deal-ever/ Arrow-3… Nun, das ist beeindruckend.
@BS:
„Jenseits von Annahmen wie Größenwahn und ähnlichem: Warum sollte die Russische Föderation die Nato angreifen? Rational bitte, aus Sicht der russischen Nation, keine Dinge wie „sind halt korrupt, böse“ u.ä.“
Die Gründe sind weitgehend die gleichen wie für den – aus russischer Sicht rationalen – völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine:
1. Imperiale Expansion.
2. Beseitigung der als existenziell angesehenen Gefahr einer freiheitlich-liberalen Demokratie vor der eigenen Haustür. Wo jedem Russen vor Augen geführt wird, dass man auch als Osteuropäer nicht de-facto versklavt in einer totalitären Diktatur leben muss.
Dies war der Hauptgrund für die Invasion der Ukraine: Die Angst des russ. Regimes, dass der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung die Grenze nach Russland überquert und die Herrschaft des bestehenden korrupten und mafiösen Regimes in Frage stellt.
Und diese Gefahr sieht Russland eben auch durch Staaten wie Finnland, die baltischen Staaten, Polen, Moldau, Rumänien etc.
Unmittelbar vor der Vollinvasion ist eine russ. Delegation bei der NATO gewesen, und hat ganz klar und explizit die Ziele und Forderungen Russlands vorgestellt:
1. Rückabwicklung der gesamten NATO Osterweiterung (ein nicht NATO Staat ist eben eine viel leichtere Beute für das imperiale Russland – das (!!) ist der zentrale Grund warum Ru. so gegen die NATO hetzt).
2. Kompletter Rückzug – militärisch, politisch, wirtschaftlich – der USA aus ganz Europa.
3. Europa als alleinige Einflusssphäre Russlands.
Man braucht über die wahren Ziele Russlands überhaupt keine Mutmaßungen anzustellen: Denn die Russen sagen es seit Jahren immer und immer wieder ganz klar – in offiziellen Erklärungen, in Putins Einlassungen zur russ. Geschichte, in Regierungsdokumenten, im staatl. Fernsehen etc..
Dass Problem ist, dass hier bei uns leider die meisten (auch Entscheidungsträger), dass einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen.
Zum Thema „Rationalität“: Sie machen leider auch den bei uns weitverbreiteten Fehler zu unterstellen, dass Rationalität universell sei, und dass die Russen unter den gleichen rationalen Prämissen agieren wie wir.
Dem ist aber nicht so.
Rationalität unterscheidet sich allein schon von Individuum zu Individuum. Was für mich persönlich rational erscheinen mag, muss für Sie beispielsweise noch lange nicht rational sein. Vice versa.
Und die Rationalität eines totalitären, imperialistischen Regimes ist eben nun einmal eine völlig andere als die einer freiheitlich-liberalen Demokratie. Punkt.
Für Russland war aus deren Sicht die Vollinvasion 2022 rational:
– man war der Ansicht, der Westen würde genau so extrem schwach und feige reagieren wie schon 2014 bei ersten Invasion auf der Krim und dem Donbass
– man war der Meinung, man hätte Europa durch seine Energieabhängigkeit strategisch bereits geschlagen und „in der Tasche“
– wie vor einigen Tagen ein russ. General in einem Interview ganz offen zugab, waren die russ. Geheimdienste der Ansicht, dass 70% der Ukrainer auf russ. Seite stünden und die Invasion begrüßen würden, man also nur wenige Tage für die Unterwerfung der Ukraine benötigen würde.
Außerdem ist die russ. Mentalität eine völlig andere als die westeuropäische oder US-amerikanische. Das wird hier auch ständig übersehen, weil hier die überwiegende Mehrheit noch nie in Russland war, die Menschen und Geschichte nicht kennt, und die Sprache nicht spricht. Das führt dann zu einem völlig naiven, die harten Realitäten verkennenden Russland-Bild. Die Russen ticken völlig anders als wir, und ihre „Rationalität“ ist dementsprechend eine völlig andere (merkt man extrem schnell, wenn man mal Russland bereist).
Auch täglich auf dem Schlachtfeld in der Ukraine zu sehen, wo hunderte Russen in sinnlosen Angriffen in den „Fleischwolf“ geworfen werden. Ohne das es Protest in der Heimat gibt.
Außerdem kann ein Angriff Russlands auf die NATO ja auch so aussehen (übrigens ein sehr realistisches Szenario, welches von der NATO analysiert wird):
– begrenzter Angriff auf eine kleines NATO-Territorium, „herausbrechen“ und besetzen eines begrenzten Gebiets
– Aktivierung der Propaganda-Maschine und aller russ. Einflussagenten /Appeasement-Ideologen und „Pazifisten“ in Europa und den USA: „Für einen kleinen Teil eines NATO-Staats wollen wir doch keinen Krieg mit Russland riskieren, lasst Russland dieses Gebiet.“ Genau das wäre der Tenor von AFD, BSW, SED/Linkspartei und dem linken Flügel der SPD (Stegner, Mützenich) z.B. hier in Deutschland.
Und wenn sich das durchsetzen würde, wäre Artikel 5 tot, und damit wäre die NATO politisch tot! Und Russland würde sich ein paar Jahre später dann das nächste Stück Beute holen. Und ein freiheitliches Europa wäre Geschichte.
Wehret den Anfängen. Und genau deshalb muss die Ukraine jetzt noch viel stärker unterstützt werden. Aus unserem ur-eigenen Sicherheitsinteresse. Damit Europa noch viel schlimmeres erspart bleiben möge (das Leiden unserer ukrainischen Freunde ist schon fürchterlich genug).
@all
Mit dem vorangegangenen Kommentar ist der OT „Warum sollte Russland was Böses tun“ erledigt. Danke.