DroneWatch: GI mit dem Zwischenstand Loitering Munition (m. Nachträgen)
Kleines Video am Sonntag: Generalinspekteur Carsten Breuer lässt einen auf Instagram mal reinschauen, wie die Tests der Loitering Munition für die Bundeswehr laufen – bis Ende dieses Jahres soll ja so weit erprobt werden, dass eine erste Beschaffungsentscheidung fallen kann.
Das Instagram Reel zum ansehen hier (einbinden wie auf YouTube lässt es sich ja leider nicht, und auf YouTube hat es die Bundeswehr bislang nicht veröffentlicht, warum auch immer).
Nachtrag: Einen Tag später hat das Planungsamt der Bundeswehr dazu am (heutigen) Montag mehr Details mitgeteilt:
Die Bundeswehr hat Anfang Dezember im Gefechtsübungszentrum des Heeres auf dem Truppenübungsplatz Altmark bei Hillersleben einen wichtigen Meilenstein für die Gefechtsführung der Zukunft gesetzt: Erstmals wurde ein drohnenbasierter Aufklärungs- und Wirkverbund und dabei sogenannte Loitering Munition live miteinander zur Wirkung gebracht. Zur Realisierung dieses Meilensteins mussten verschiedene Technologien auf Grundlage Künstlicher Intelligenz eng miteinander verzahnt werden.
Dieser Aufklärungs- und Wirkungsverbund bestand im Experiment aus verschiedenen Aufklärungsdrohnen, einer KI-unterstützten Führungssoftware und sogenannter Loitering Munition von verschiedenen Herstellern. Als Loitering Munition wird Munition bezeichnet, die längere Zeit über einem Zielgebiet kreist, bis ihr per Datenlink ein Ziel zugewiesen und das Angriffskommando gegeben wird. Damit hat die Bundeswehr als eine der ersten Armeen weltweit den Einstieg in die Fähigkeit zum Einsatz unbemannter Schwarmverbünde begonnen. (…)
Eine etwas ausführlichere Darstellung gibt es inzwischen auch auf der Webseite der Bundeswehr.
(Foto: Screenshot aus dem Video; lt. Benennung der Bilddatei durch die Bundeswehr handelt es sich offensichtlich um Loitering Munition der Firma Stark)
Wer kein Instgram hat:
https://fastdl.app/en2
Einfach die InstaUrl kopieren.
Ich bin immernoch dafür, dass man den deutschen Begriff „herumlungernde Munition“ einführen sollte ;)
So, also sinngemäß konnte Software durch diesen Austausch zwischen Industrie und Truppe „direkt verbessert“ werden. Waren bei dieser „Trockenübung“ eigentlich auch Praktiker z.B. aus der Ukraine dabei? Hat man die Geräte gemütlich auf (stehende) Ziele krachen lassen oder gab es auch elektronische und anderweitige Störmaßnahmen? Die eigentliche „Erprobung“ unter Kampfbedingungen findet ja woanders statt … Siehe u.a. die „Lancet-Krise“ und wie sie überwunden wurde.
Was ganz allgemein zum Thema „Drohnenkrieg“ hinter vorgehaltener Hand in Militärkreisen immer diskutiert wird.
Gar nicht erst in die Lage zu kommen wie sie derzeit in der Ukraine besteht:
Grabenkrieg mit 20 bis 30 km Todeszone. Netze über Strassen. Panzer die durch Aufbauten stark verändert sind und kaum noch eingesetzt werden (können). Massive Anlage von Minensperren in seit dem Weltkrieg unbekanntem Ausmaß. Desgleichen dauerhafter Granatenverschuss in höchstem Ausmaß. Attacken von unstörbaren Glasfaserdrohnen auf alles und jeden incl. Jagd auf Zivilpersonen. Abwurf von Gleitbomben weit weg mit bis zu 3000 kg.
Abseits der „Kontaktzone“ Jagd auch auf die Infrastruktur, insbes. die Stromversorgung mit allem was technisch irgendwo möglich ist. Also von Köderdrohnen, Sprengstoffdrohnen über Marschflugkörper bis hin zu Kurz- , Mittel- und irgendwann wohl hoffentlich nicht auch ICBM’s ( Diese sehr grossen Langstreckenraketen hatten noch nie klassischen Sprengstoff an Bord, es waren immer ABC-Waffen ).
Wie man genau diese Lage bei einer neuen „Spezialoperation“ vermeidet ohne vermeintlich zu sehr zu eskalieren, darüber wird wohl im Hintergrund verstärkt diskutiert.
Das Ergebniss dieser Diskussion bleibt abzuwarten…
@Apollo 11
Deswegen komme ich immer wieder auf die Lufthoheit zu sprechen. In der Ukraine verzichten die Russen darauf, obwohl sie kaum auf Gegenwehr treffen würden. Irre ich mich, wenn ich davon ausgehe, daß die NATO Luftstreitkräfte den russischen haushoch überlegen sind? Und wenn das so ist, haben wir dann Angst vor der eigenen Courage, den Vorteil konsequent zu nutzen? Das darf doch wohl nicht wahr sein.
#Der Uhrmacher:
Nimmt man die NATO, selbst ohne die USA, dann könnte man meinen das da eine Überlegenheit besteht.
Betrachtet man aber die ganzen Punkte in der Ukraine wie u.a. Grabenkämpfe, Gleitbomben, Drohnen-Kill-Zone oder Netze über Strassen, dann ist eines klar:
Die komplette Kontaktlinie liegt NICHT auf russischem Gebiet.
Vermint, gekämpft, vertrieben und gestorben wird im Grunde ausschliesslich auf dem Gebiet des Verteidigers.
Das ist ein Riesenvorteil des Angreifers, gerade bei einer Politik die das System über den einzelnen Menschen setzt.
Und das wird bei der nächsten „Spezialoperation“ genauso laufen. Einige behaupten das wäre Moldawien, andere Estland, die Suwalkilücke oder irgendwo in der Arktis.
Vorstösse und Luftschläge auf russ. Gebiet oder Einrichtung von No-fly-zones sind zwar möglich. In der heute zerstrittenen EU aber nicht einstimmig umsetzbar. Gerade auch da die russ. Atomdoktrin zu gefährlich erscheint. Und da hat man durchaus einen Punkt. Selbst hat man nichts dergleichen ( Frankreich kann ja atomar nur ganz oder gar nicht, England ist sogar von den USA abhängig bei den U-Boot-Raketen )
Wenn bspw. die Panzerbrigade 45 in Litauen angegriffen würde schiesst sie zurück, schon klar.
Aber wieder findet das Gefecht dann eben NICHT auf russ. Gebiet statt. Und den Schutz der Zivilbevölkerung trägt ausschliesslich der Angegriffene. Mit den üblichen Einschränkungen bsw. bei Luftschlägen.
Zur Luftüberlegenheit:
„Deswegen komme ich immer wieder auf die Lufthoheit zu sprechen. In der Ukraine verzichten die Russen darauf, obwohl sie kaum auf Gegenwehr treffen würden.“
Das würde ich so nicht unterschreiben.
Bis ca. 4 km Flughöhe gibt es in der Ukraine tausende von schultergestützten Manpads.
Über 4 km aus russ. Sicht gibts zu viele sehr potente Flugabwehrrakten incl. modernstem Radar.
Nach Lieferung völlig unabhängig von der EU oder den USA.
Fast alle der russ. Fluggeräte sind zudem auch noch das genaue Gegenteil von „stealth“.
Und ja, wäre dies nicht so, viele ukrainische Städte würden heute wahrscheinlich so aussehen wie dt. Städte nach dem 2. Weltkrieg…
Und bei alledem ( um wieder zum Thema des Artikels „DrohneWatch“ zurückzukommen ) spielt die Bewaffnung mit Drohnen zumindest zu Beginn nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Entscheidend wird sein den Ausbruch einer neuen „Spezialoperation“ zu verhindern.
Wie genau, darüber streiten die Gelehrten…
@ Der Uhrmacher: Sie meinen wahrscheinlich Luftüberlegenheit oder Luftherrschaft. Lufthoheit ist etwas anderes.
Die Russen verzichten nicht darauf sondern sie können diese nicht erlangen, da die UKR Verteidigung den Einsatz von Bombern, Jagdbombern und Jägern über Ukrainischem Boden nahezu unmöglich macht ( „kaum auf Gegenwehr…“ haben Sie schon mal versucht mit russischen Kampfflugzeugen Patriot und IRIS-T niederzukämpfen?). Lediglich Sättigungsangriffe mit unbemannten Flugkörpern aller Art können Erfolge erzielen.
Früher sahen RUS/UDSSR Pläne vor, mittels der mobilen Ground-Based-Air-Defense z.B. S-300 praktisch einen Schutzschirm über die eigenen Bodentruppen zu legen und so, ggf. auch gegen überlegene NATO-Luftstreitkräfte bestehen zu können. Seit Kleinstdrohnen jagd auf große GBAD machen und diese nicht geschützt werden können (z.B. weil die Pantsir erbärmlich schlechte Systeme sind) funktioniert das aber auch nicht mehr. Deshalb haben sie eine nahezu unbewegliche Front.
Abgesehen davon teile ich Ihre Meinung dass nur eine starke Luftwaffe (mit bemannten und unbemannten Systemen) einen Krieg beweglich hält, daher abschreckend wirkt und ja, wenn die Russen bei Verstand sind, bleiben sie auf ihrer Seite der NATO-Grenze.
Ich finde den Bericht der Bundeswehr interessant. Positiv finde ich, dass man gleich einen Schritt weiter gegangen ist und in der Kategorie Aufklärungs- und Wirkungsverbund denkt. Ich denke, dass man beides braucht: Einfach die Munition der Truppe zum Ausprobieren samt Feedback an die Hand zu geben und zudem systematisch die Kampftaktik weiterzuentwickeln.
Kleiner Nebenschauplatz: Die neuen Materialien und Ausstattungen im Heer sollen ja fast immer zuerst an die Brigade Litauen gehen. Damit einhergehend vermute ich, dass sie dort dann auch zum ersten Mal wirklich Eingang in die Übungen (Iron Wolf oder so) finden werden. Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass sich die Brigade Litauen in den kommenden fünf Jahren auch faktisch zur „Panzerlehrbrigade“ der Bundeswehr entwickeln wird.
@Apollo11:
„Betrachtet man aber die ganzen Punkte in der Ukraine wie u.a. Grabenkämpfe, Gleitbomben, Drohnen-Kill-Zone oder Netze über Strassen, dann ist eines klar:
Die komplette Kontaktlinie liegt NICHT auf russischem Gebiet.
Vermint, gekämpft, vertrieben und gestorben wird im Grunde ausschliesslich auf dem Gebiet des Verteidigers.“
Das ist zweifellos zutreffend auf die aktuelle Situation der Ukraine. Das muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein bei einem Angriff Russlands auf die NATO: Estland, Lettland, Litauen und Polen bauen ja an ihren Grenzen die „Baltic Defense Line“, mit Panzergräben, Drachenzähnen, Minenfeldern, Bunkern etc. direkt an der Grenze, und auf voller Länge (mit Integration natürlicher Hindernisse wie Seen und Sümpfen). Ein Einmarsch mit mechanisierten Kräften wird da nicht mehr so leicht möglich sein. Diese Verteidigungsanlagen eröffnen die Chance, die Masse gegnerischer Kräfte bereits auf deren Territorium bekämpfen zu können, mittels Luftwaffe, weitreichender Artillerie, Drohnen und Raketen.
@TW
Beide Lenkflugkörper sind im Videomaterial zu sehen. Man kann sie einerseits am Startverfahren auseinander halten. Das eine ist ein Tail Seater, der ohne Startsystem senkrecht abheben ( und wieder landen) kann, das zweite System wird über Katapult gestartet und dadurch auf Startgeschwindigkeit gebracht. Bei dem einen sind die Antriebe am vorderen x-Wing, bei dem anderen am hinteren x-Wing angebracht. Dieses AA UAS (Aviation Attack) ist auch kleiner und leichter.
Bei den Einschlägen handelt es sich um Cold Strikes, also ohne scharfen Gefechtskopf. Kleiner Fun Fact: der GI hat ein System selbst ins Ziel gebracht. General Proof.
@Apollo11
„Vorneverteidigung“ ick hör dir trapsen?