Noch mal zur Erinnerung: Fast wären es „70 Jahre Wehrmacht“ geworden…
Ehe am (heutigen) Mittwoch die Grüdung der Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland vor 70 Jahren gewürdigt und gefeiert wird, eine kleine Erinnerung: Nein, es sind eben nicht 70 Jahre Bundeswehr. Als am 12. November 1955 die ersten Freiwilligen ihre Ernennungsurkunden erhielten, gab’s den Namen Bundeswehr noch gar nicht. Und fast hätte es auch der Name Wehrmacht werden können. Die Details hier.
(Foto: Bundesbildstelle – Verteidigungsminister Theodor Blank am Rednerpult bei der Übergabe der Ernennungsurkunden an die ersten Freiwilligen, via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA-Lizenz)
Wenn man sich für „“Wehrmacht“ entschieden hätte, würde man heute nicht den 70., sondern den 90. Gründungstag feiern, und das wurde aus naheliegenden Gründen durch die Namensentscheidung abgewendet.
Nur am Rande: Die noch heute verwendeten Teilstreitkraft-Bezeichnungen „Heer“ und „Luftwaffe“ wurden kurz nach der Umbenennung der „Reichswehr“ in „Wehrmacht“ 1935 eingeführt, und auch einige in den Folgejahren eingeführte Bezeichnungen für Truppengattungen (z.B. die 1942 eingeführten „Panzergrenadiere“) wurden durch die Bundesrepublik übernommen.
[Äh, hm, was war am 12. November 1935? Oder worauf nehmen Sie Bezug? T.W.]
@TW
Es ist wohl nicht der konkrete Tag gemeint sondern das Jahr der Umbenennungen, so auch „Reichswehr“ in „Wehrmacht“. In NLD heißt es ja heute noch „Landmacht“ und „Luchtmacht“.
Von der Wortbildung her paßt ja „Bundeswehr“ ganz gut zu „Reichswehr“ 😎😇
@Thomas Melber
Korrekt, ich bezog mich auf die Umbenennung der „Reichswehr“ zur „Wehrmacht“ 1935. Letzterer Begriff scheint allerdings im Sprachgebrauch der damaligen Zeit ein Synonym für den Begriff „Streitkräfte“ gewesen zu sein, denn die Reichswehr wurde u.a. im Wehrgesetz von 1921 als die „Wehrmacht der Deutschen Republik“ definiert. „Wehrmacht“ ist demnach kein für die NS-Herrschaft spezifischer Begriff, auch wenn es nach 1945 sehr naheliegende Gründe dafür gab, auf ihn zu verzichten.
Trotz aller historischen Präzsion zeigt sich leider an diesem Beitrag das nicht jedes Detail zum Verständnis beiträgt und der Sache in Gänze gerecht wird. Zweifelsohne versteht man in der Gesellschaft den 12. November 1955 als Geburtststunde der Bundeswehr, unabhängig davon wann der Begriff letztendlich politisch sanktioniert wurde.
Mit dem 20.08.1946 erfolgte die Auflösung der Wehrmacht per Alliierten Kontrollrats Gesetz und niemand hätte es 1955 verstanden, wenn an diesem Begriff festgehalten worden wäre. Mit dem 05.05.1955 erhielt die Bundesrepublik Deutschland ihre Souveränität auf der Grundlage der Pariser Verträge. Am 06.05.1955 erfolgte der NATO Beitritt der jungen Bundesrepublik Deutschland und die politische Weichenstellungen in Richtung Westbindung.
Dies war alles andere als unumstritten und führte zu erheblichen Gesellschaftlichen und politischen Kontroversen.
Nicht wenige Bürgerinnen und Bürger waren strikt gegen eine Wiederbewaffnung aufgrund der Erlebnisse aus der Vergangenheit.
Ich der parlamentarischen Debatte waren Adenauer und Brentano für diesen Schritt in Richtung Aufbau der Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland, unterstützt vom Gesamtdeutschen Block, Bund der Heimatvertriebenen. Dagegen waren Ollenhauer und Dehler, welche mit Blick auf die Westbindung der jungen Bundesrepublik um die Chance einer künftigen Wiedervereinigung Deutschlands fürchteten.
Für eine Parlaments Armee, die sich durch innere Führung und Verankerung in der rechtsstaatlichen Grundordnung auszeichnet, wäre weder Reichswehr noch Wehrmacht als Bezeichnung vertretbar oder auch nur in Ansätzen national oder international durchsetzbar gewesen.
Es darf nicht übersehen werden, dass diejenigen, die diese Zeit überhaupt haben überleben dürfen, mit ihrem Erlebten allein gelassen wurden und eine Traumatisierung in der Gesellschaft bestand, die durch Verdrängung überspielt und konsumiert wurde.
Ich denke, eine Wehrmacht wollte der ganz überwiegende Teil der Gesellschaft der jungen Bundesrepublik Deutschland in den 50iger Jahren nicht mehr haben
Wehrmacht ist ein historischer Begriff
Und hat nichts mit der NS Zeit zu tun.
Übrigens gab und gibt es in allen
Streitkräften immer auch straftäter
@Thomas Melber „Von der Wortbildung her paßt ja ‚Bundeswehr‘ ganz gut zu ‚Reichswehr‘ …“: Ich habe vor Jahren einmal gelesen , dass Hasso von Manteuffel, früherer Wehrmachtsgeneral und in den fünfziger Jahren zeitweise Mitglied des Bundestages, die Bezeichnung „Bundeswehr“ eben deshalb vorschlug, um die Bezeichnung als „Wehrmacht“ zu vermeiden und semantisch an die „Reichswehr“ der Weimarer Republik als erster Demokratie anzuschließen. Nachweisen kann ich das Zitat leider nicht mehr.
„Wehrmacht“ war nur ein Terminus Technicus bis man es in Abgrenzung zur Bundeswehr benutzte, bzw ich glaube der Begriff wurde sogar als bestimmter Begriff zuerst von der NS-Propaganda geprägt um in Berichten das reguläre Heer von der Waffen-SS abzugrenzen (obwohl diese administrativ ab 1941 Teil des Heeres war).
In älteren Veröffentlichungen (z.B. Rohwer, Chronik des Seekrieges 1939-45) liest man durchaus noch „General Eisenhower, Oberbefehlshaber der US-Wehrmacht“.
Was die Teilstreitkräfte angeht, es gab immer eine Reichsmarine zu Zeiten der Reichswehr, das Heer hieß aber einfach Heer. Und eine Luftwaffe gab es ja aufgrund des Versailler Vertrages nicht.
Kurzum, 1955 war der Begriff „Wehrmacht“ nicht so aufgeladen wie heute, man wollte eher bewußt an die Weimarer Republik anknüpfen
@Petersen: Das ist korrekt. In den damaligen Medien waren auch Begriffe wie „die britische/amerikanische Wehrmacht“ zu lesen, da die Bezeichnung nahezu synonym zu Streitkräften im allgemeinen verwendet wurde.
#Bundeswehr Germany 70.Jahre Gründung, siehe alles Beste diese Welt, das ist was zählt in Frieden Freiheit. Daaaaaaankeeeeeeeeee.
Gratulation BRD
@Thomas Melber
Ein Vergleich im Sinn von Kongruenz lässt sich bezüglich der NLD Begriffe nicht herleiten. Es kann eine Ähnlichkeit bezüglich der Ursachen dergestalt festgestellt werden, dass in 1813 eine Wendejahr sowohl in den Niederlanden als auch in Preußen war.
Der Begriff „landmacht“ (Landstreitkräfte) wird seit der Modernisierung der niederländischen Armee um 1813 verwendet. Die Verwendung des Begriffs ist in der Geschichte der Organisation der niederländischen Armee verankert.
Der 9. Januar 1814 ist der offizielle Gründungstag der „landmacht“, zunächst noch unter der Bezeichnung „Staande Armee“ (Stehendes Heer).
Dass der Begriff landmacht ff bis heute durchgehend Verwendung findet, liegt ursächlich in der ungebrochenen Geschichte des niederländischen Staates als parlamentarische Monarchie.
@all
In der aktuellen https://www.reservistenverband.de/magazin-loyal/weniger-verwaltung-weniger-regeln/ nimmt Prof. Neitzel Stellung zu derzeitigen Reformbemühungen, kann nichts Positives abgewinnen, kurz, er übt scharfe Kritik.
„Die Bundeswehr ist in ihren 70 Jahren zu einer Verwaltungsarmee geworden. Die Hälfte ihrer Soldaten wird nicht zur Auftragserfüllung gebraucht. Wasserköpfe in der Verwaltung und Vorschriftenfluten verhindern die Kriegstüchtigkeit. Die deutschen Streitkräfte brauchen eine Reform „out of the box. … Dabei liegen die Lösungen auf der Hand: Nur wenn der Wasserkopf mittels Frühpensionierungen deutlich verkleinert, die Personalstruktur einer kriegsfähigen Armee angepasst wird sowie die Flut an Gesetzen und Verordnungen reduziert werden, kann die Bundeswehr ihren Auftrag erfüllen“.
Recht hat er.
In den Augen eines Germanisten lesen sich die Kommentare über Bedeutung und Herkunft der genannten Worte und Begriffe eher als habe der eine oder andere Journalist etwas Langeweile oder Lücken zu füllen.
Bundeswehr oder Wehrmacht ??
Die Bundeswehr befindet sich seit 70 Jahren, in von den Amis gegründeten Nato. Und diese Nato dient ausschließlich US-Amerikanischen Welteroberungsplänen. Der schon lange, von den Amis ausgemachte Feind Russland/China, beide werden bald dran glauben müssen.
[Nix gegen Meinung, aber Satire bitte kennzeichnen. T.W.]
„Wehrmacht“ lag im Übrigen auch als Anschlussbegriff zur „Wehrgewalt“ (also der vierten Staatsgewalt) auf der Hand.
„Bundeswehr“ passt aber hübscher zu „Bundesrepublik“.
@Kurt Kaim
Die Aufgabe der NATO ist gem. Lord Ismay, deren erster GenSec (wird ihm zugeschrieben):
„Keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“
Der erste Teil ist noch heute gültig, wobei RUS bereits einmal beim PfP Programm dabei war. Ob die USA weiterhin dabei bleiben werden ? Und „down“ ist die Bw ja nun von alleine gekommen wobei wir im Vergleich zu anderen NATO Partnern in Teilbereichen noch gut dastehen.
leider müssen wir diesen Jahrestag feiern, weil uns Machtbesesse dazu zwingen, der der Name „Wehrmacht“ hat zwar einen guten wörtlichen Inhalt, ist aber von der deutschen Vergangenheit extrem negativ belastet, leider gibt es heute wieder extreme Kräfte welche an diese Vergangenheit anknüpfen wollen, hoffen wir das die Bundeswehr eine gute, belastbare und vertrauenswürdige Wehr für unsere Demokratie bleibt und teilweise erst wird.
@KPK
…zu einer Verwaltungsarmee geworden.
Prof. Neitzel, Jahrgang 1968, verdient sicherlich große Wertschätzung und sein Ruf sowie seine Kompetenz darf unbestritten bleiben, dennoch scheint er mir mit seiner Bewertung der Bundeswehr der 70iger Jahre nicht richtig zu liegen : die Bundeswehr war auch in den 70iger Jahren keine „Verwaltungsarmee“, sondern eine schlagkräftige Truppe.
Sowohl die Verteidigungsdoktrin der späten 60iger als auch der 70iger Jahre war so angelegt, daß auch ein kräftemäßig breit aufgestellter Gegner gestoppt, bekämpft und zurückgedrängt hätte werden können.
Friedenssicherung war der Hauptauftrag. Diesen Auftrag hat die Bundeswehr angenommen und erfüllt.
Übrigens eine Streitmacht, die überwiegend aus der kämpfenden Truppen besteht, verliert Logistik, Verwaltungskompetenz und verhungert letztlich im Nirgendwo. Sehr gut, dass die BW diesen schrecklichen Fehler nie gemacht. Wie lautete nochmal die Bezeichnung einer Armee, welche 1945 an allen Fronten kapitulierte?
Ich finde es sind nicht die Schlechtesten, die sich einsetzen für die freiheitliche demokratische Grundordnung und die diese auch verteidigen wollen und auch können und nicht nur darüber reden. Und es wäre mir auch fast egal wie belastet alles klingt. Ob Landmacht, Reichswehr, Wehrmacht oder trallala hopsassa.
Hauptsache sie steht für Art. 1-19 GG und Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Herzlichen Glückwunsch zum 70’en liebe Bundeswehr
@ Dagobert janitschke Finden Sie nicht auch, dass Ihr letzter Satz etwas verharmlosend ist?
@Kurt Kaim 12.11.2025, 15:16 Uhr:
Uiuiui, gewagte Theorie, oder gewollte Provokation?
Ich fand das feierliche Gelöbnis anlässlich des Jubiläums heute toll.
Die Reden des Ministers und des Bundespräsidenten waren auch gut.
Besonders gefallen hat mir der Szenenapplaus als er sich für eine allgemeine Dienstpflicht für alle ausgesprochen hat.
Habe ich gerade zufällig gefunden, finde ich echt gut, insbesondere #45.
https://www.bundeswehrkarriere.de/entdecker/karriere-infos/70-jahre-bundeswehr?
@all
Das Thema und vor allem der Begriff „Wehrmacht“ scheint einige in recht merkwürdiger Weise zu triggern (etliche Kommentare habe ich nicht freigeschaltet).
Ich mache die Kommentare zu, das wirkt so recht sinnbefreit.