Nächste Woche Bescherung: Das neue Standard-Sturmgewehr kommt in die Truppe

Gut zehn Jahre nach der Entscheidung des Verteidigungsministeriums, das Sturmgewehr G36 von Heckler&Koch durch eine neue Standardwaffe abzulösen, kommt die neue Waffe in die Truppe. Am 4. Dezember sollen die ersten Exemplare des HK416 von Heckler&Koch, in der Bundeswehr G95 genannt, als Standard-Sturmgewehr an das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach übergeben werden.

Aus der am (heutigen) Freitag veröffentlichten Einladung für die Übergabe:

Als erster Verband des Heeres wird das Panzergrenadierbataillon 122 mit dem neuen Sturmgewehr G95 ausgestattet. Insgesamt erhält das Bataillon rund 300 Exemplare der neuen Waffe. Die symbolische Übergabe der ersten Waffen erfolgt am 4. Dezember 2025 auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr.
An der Veranstaltung nehmen der Abteilungsleiter Rüstung des Bundesministeriums der Verteidigung, Vizeadmiral Carsten Stawitzki, der Abteilungsleiter Kampf im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, Brigadegeneral Stefan Wind und der Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Heico Hübner, teil.
„Das Deutsche Heer erhält mit dem neuen Sturmgewehr eine Waffe, die Maßstäbe setzt. In Präzision, Zuverlässigkeit und Modularität“, betont Generalleutnant Heico Hübner die Bedeutung dieser Einführung.

Genau genommen hat das Heer diese Waffe schon, und zwar bei seinen Spezialkräften – ebenso wie die Marine (Foto oben). Aber obwohl die Waffe bereits seit Jahren in Gebrauch ist, musste sie für die Einführung als Standard-Gewehr der Bundeswehr noch ein wenig angepasst und dann natürlich überprüft werden.

Das Nachweismuster des neuen Sturmgewehrs G95A1 liegt neben einem G36A2 auf einem Tisch in Koblenz, am 31.03.2025.<br /> Jörg Hüttenhölscher/Bundeswehr

Nicht dass es so einen großen Unterschied gemacht hätte. Bereits im September 2015 (kein Tippfehler) hatte das Ministerium unter der damaligen Ressortchefin Ursula von der Leyen entschieden, dass die bisherige Standardwaffe G36 keine Zukunft in der Bundeswehr habe:

Das BMVg hat sich zur langfristigen Lösung der Präzisionsproblematik für eine neue Generation des Systems Sturmgewehr Bundeswehr entschieden.
Zwei Gründe waren für die Entscheidung ausschlaggebend:
1. Ursprünglich war das Gewehr G36 für eine Nutzungsdauer von 20 Jahren ausgelegt. Diese Frist wird im Jahr 2016 für die zuerst beschafften Waffen des Konstruktionsstandes A0 erreicht sein.
2. Die Forderungen der Truppe an ein zukünftiges System Sturmgewehr, so wie sie Anfang August als Priorisierter Forderungskatatalog (PFK) gebilligt wurden, gehen weit über eine PV [Produktverbesserung, T.W.] des bestehenden Systems G36 hinaus. (…)
Nach erster Abschätzung könnte, bei Marktverfügbarkeit einer Lösung, ab 2019 mit einer Ablösung der ersten Gewehre G36 begonnen werden.

Ganz so schnell ging es dann doch nicht. Nach der Grundsatzentscheidung 2017 folgte ein sieben Jahre langer Beschaffungs-Hürdenlauf mit etlichen Gerichtsverfahren – in denen es nicht nur um die Vergabe für das Gewehr selbst ging, sondern auch noch um diverse Patentstreitigkeiten. Die lange Geschichte hatte ich bereits 2022 hier zusammengefasst.

Bis zur tasächlichen Bestellung im Mai dieses Jahres dauerte es dann noch mal ein bisschen. Danach ging es aber ratzfatz, und kommende Woche steht dann der ersten Lieferung einer neuen Generation infanteristischer Bewaffnung für die Bundeswehr (O-Ton Hersteller) nichts mehr im Wege.

(Foto oben: Kampfschwimmer der Deutschen Marine mit dem G95 im September 2025 auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr – U.S. Army photo by Spc. Thomas Dixon; Foto unten: ein G36A2 und das Nachweismuster des G95A1 im März 2025 im BAAINBw in Koblenz – Jörg Hüttenhölscher/Bundeswehr)