Personalstärke Juni 2025: Weniger als im Mai (aber im Juli werden es mehr)
Eine Woche nach den Zahlen für Mai 2025 hat das Verteidigungsministerium die Zahl der aktiven Soldaten und Soldatinnen im Juni 2025 veröffentlicht. Im Vergleich zum Mai ging diese Zahl um rund 600 zurück – sie soll aber, hatte das Ministerium zwei Tage später bekanntgegeben, im Juli erneut um rund 1.500 auf dann 183.100 gestiegen sein (nein, die kompletten Juli-Zahlen gibt es noch nicht).
Die Statistik für Juni 2025, am 7. August wie üblich unter dem immer gleichen Link veröffentlicht (seit der Statistik für den Monat März 2023 wurde das Format der Darstellung verändert; der Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit halber bleibt es hier bei der Art der Darstellung vor den März-2023-Zahlen):
Insgesamt leisten 181.556 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst bei der Bundeswehr
Bundesministerium der Verteidigung 1.097
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 3.036
Heer 61.670
Luftwaffe 28.101
Marine 15.332
Cyber- und Informationsraum 13.795
Unterstützungsbereich 48.099
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 1.008
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 1.911
Bereich Personal 7.507
davon bis zu 5.400 Studierende an Bundeswehr-Universitäten
Berufssoldaten 57.716
Soldaten auf Zeit 112.661
Freiwillig Wehrdienstleistende 11.007
Freiwillig Wehrdienstleistende im Heimatschutz 172
Die Zahl der Frauen in den Streitkräften:
24.781 Soldatinnen sind aktuell bei der Bundeswehr; mehr als 13 Prozent (beträgt der) Anteil der Soldatinnen bei der Bundeswehr
Heer 4.808
Luftwaffe 2.899
Marine 1.742
Cyber- und Informationsraum 1.435
Unterstützungsbereich 11.694
Ministerium und andere Bereiche 2.203
Laufbahngruppe/Laufbahnen (auch Anwärterinnen)
Offizierinnen 7.047
Unteroffizierinnen mit Portepee 8.810
Unteroffizierinnen ohne Portepee 3.437
Mannschaften 5.487
Status
Berufssoldatin 5.526
Zeitsoldatin 17.344
Freiwillig Wehrdienstleistende 1.898
Freiwillig Wehrdienstleistende Heimatschutz 13
Die (wie immer von einem Leser zusammengestellte und aktualisierte, vielen Dank!) Übersicht dazu:
Juni_2025_BWPers
Die gesonderte Statistik zu den Zivilbeschäftigten – analog zu den Soldat*innen nach Teilstreitkräften und Organisationsbereichen aufgeschlüsselt; zusätzlich werden Militärseelsorge und Rechtspflege ausgewiesen.
Beschäftigt sind 80.743 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Bundesministerium der Verteidigung 1.886
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 1.683
Heer 2.441
Luftwaffe 4.727
Marine 1.836
Cyber- und Informationsraum 1.816
Unterstützungsbereich 11.074
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 32.757
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 11.521
Bereich Personal 10.431
Militärseelsorge 479
Rechtspflege 92
Der Anteil von Frauen am zivilen Personal wird nur nach Statusgruppen ausgewiesen:
Von den insgesamt 80.743 zivilen Beschäftigten sind 31.698 Frauen (rund 39 Prozent), die in allen Bereichen der Bundeswehr tätig sind.
Beamtinnen insgesamt 10.659
im höheren Dienst 2.211
im gehobenen Dienst 4.451
im mittleren Dienst 3.977
im einfachen Dienst 20
Arbeitnehmerinnen 19.125
im Vorbereitungsdienst, in einem Ausbildungs- oder Praktikantenverhältnis 1.824
(Stand 30. Juni 2025)
Die frühere ausführliche Statistik der Personalstärke in den Auslandseinsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen wurde durch die Gesamtzahl nur in den Auslandseinsätzen ersetzt. Der Stand vom 28. Juli 2025:
Insgesamt sind 886 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr unmittelbar bei Auslandseinsätzen eingesetzt.
Darüber hinaus gibt es noch die Anerkannten Missionen.
(Die diversen Anerkannten Missionen wie z.B. die NATO-Battlegroup oder auch die neue Panzerbrigade 45 Litauen sind eben damit nicht erfasst.)
Den Service von Augen geradeaus!, die Vergleichszahlen, gibt es auf einer gesonderten Übersichtsseite.
(Archivbild: Fallschirmjäger des Fallschirmjägerregiments 26 bei der Übung Talisman Sabre im australischen Buschland bei Townsville am 12.07.2025 – Marco Dorow/Bundeswehr)
Fakt ist und bleibt das eine Bundeswehr deren Personalstärke zwischen 180.000 und 182.000 pendelt, für die Aufgaben die in Zukunft warten nicht mal ansatzweise personell ausgerüstet ist. Eine dauerhafte Aufstockung wird man meiner Ansicht nach weder mit einem Wehrdienst light noch mit einer damit zusammenhängenden Wehrpflicht erreichen. Der Aufwuchs wird aus der Reserve (sowohl aktiv als auch allgemein) kommen müssen da führt überhaupt kein Weg daran vorbei, auch wenn das einige immer noch nicht wahrhaben wollen.
Denn wie sie Thomas Wiegold vor längerer Zeit mal geschrieben haben, was nützen die ganzen Materialbestellungen wenn es kein Personal dafür gibt? Und da liegt das Hauptproblem. Ich kann übrigens die Schließung der Kommentare Ende Juli nachvollziehen, manche sind wie so häufig über das Ziel hinausgeschossen.
Juni 2020 183.466
Juni 2021 183.131
Juni 2022 182.058
Juni 2023 180.770
Juni 2024 179.694
Juni 2025 181.556
Juli 2025 183.100
D.h. in der Rückschau ist kein Aufwuchs zu verzeichnen, wie für das Ziel 203.000 benötigt wird.
Und … der 01.07. jeden Jahres ist der Haupteinstellungsmonat für die Offz-Anwärter.
Schon dadurch wird die Statistik verzerrt, Beispiel 2024:
Juni 179.694
Juli 180.992 plus 1298 zu Juni
August 180.145 minus 847 zu Juli
Ganz kurz:
Ich bin gespannt wie ein Regenschirm auf die Personalsituation WENN denn die angekündigten 2000 € Netto kommen :-)))
Wie ist denn die Zeitlinie für den Aufwuchs ? Wenn 2029 RUS ante portas stehen kann – wie immer verlautbart – brauchen wir bis dahin aktiv 80.000 Sdt und ca. 60.000 Res zusätzlich (bei ca. 40.000 Beorderten derzeit, soweit ich weiß).
Wie sieht es denn mit der Grundbeorderung (GBO) aus, läuft das in die richtige Richtung ? Werden Feldersatzstrukturen in den Bataillonen aufgebaut ?
@Thomas Wiegold
Das soll keine Kritik sein, aber ich verstehe nicht, warum Sie sich allmonatlich die Mühe machen und der Notwendigkeit aussetzen, die immer gleichen Diskussionen zu diesem Thema zu moderieren. Ich kann jetzt schon prophezeien, welche Kommentare Ihre Stammleser absetzen werden. Und in Anbetracht der Art und Weise, wie die Personalwerbung und -ausbildung ablaufen, genügen eigentlich halbjährliche Zahlen.
Wie soll ein Aufwuchs stattfinden wenn es keine Planstellen gibt?
Wenn sich morgen 100.000 Weltmeister im Schach und Boxen bei der Bundeswehr bewerben, wird man den größten Teil davon wieder nach Hause schicken müssen, weil es gar nicht genug mit Budget hinterlegte Posten gibt.
Auch wenn die Zahl 203.000 immer wieder genannt wird, so ist diese bis zum heutigen Tag verwaltungsrechtlich nicht existent.
[Das ist eine kühne Behauptung, die spätestens mit dem Haushaltsentwurf 2026 überholt scheint.
https://augengeradeaus.net/2025/07/haushaltsentwurf-fuers-kommende-jahr-vor-allem-mehr-personal/
T.W.]
Schaut man sich en detail die Statistik an, so ist festzustellen, dass der primäre Aufwuchs nur auf Grund der FWDLer seit Jan 2025 zu Stande gekommen ist.
Positiv ist, dass der Abwärtstrend bei den SaZ wohl (vorerst) gestoppt wurde.
Juni 2024: 112.644
Juni 2025: 112.661 (+17)
Weiterhin ist festzuhalten, dass die BS-Zahlen immer noch steigen.
Juni 2024: 57.352
Juni 2025: 57.716 (+364)
-> Damit ein neues Allzeithoch an BS in einem Juni erreicht.
Auf die Zahlen im Juli geb ich nicht viel. Das liegt hauptsächlich an den OAs und den FAs (Schulabgänger). Entscheidend wird sein, wie hoch die Abbrecherquote ausfallen wird. In spätestens sechs Monaten sind wir schlauer.
@Apollo 11, 07.08.2025, 18:14 Uhr:
„Ich bin gespannt wie ein Regenschirm auf die Personalsituation WENN denn die angekündigten 2000 € Netto kommen…“
Dann kann man sich auch gleich von einer Verpflichtung aus Überzeugung (Verteidigung der FDGO), Patriotiismus, Vaterlandsliebe usw. verabschieden.
Wenn der BM noch ein bißchen mehr zahlt, dann kann er auch gleich Söldnerbataiilone aufstellen.
Es stellt sich nur die Frage, ob dies politisch gewollt ist.
@Thomas Melber sagt:
07.08.2025 um 20:19 Uhr
„Wie ist denn die Zeitlinie für den Aufwuchs ? Wenn 2029 RUS ante portas stehen kann – wie immer
verlautbart – brauchen wir bis dahin aktiv 80.000 Sdt und ca. 60.000 Res zusätzlich (bei ca. 40.000
Beorderten derzeit, soweit ich weiß).“
Das sagt das BMVg dazu:
„Die Bedrohungslage für Europa und Deutschland hat sich seit 2022 signifikant verschärft.
Die NATO hat ihre Fähigkeitsziele an diese Bedrohungslage angepasst. (…)
Diese Entwicklungen führen zu einem höheren Personalbedarf bei der Bundeswehr.
Nach einer ersten Grobabschätzung wird ein Gesamtumfang von ca. 460.000 Soldatinnen und Soldaten
und damit ein personeller Aufwuchs auf mindestens ca. 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten und
rund 200.000 Reservistinnen und Reservisten benötigt.“
Quelle: BMVg Information für die Presse , „Grundzüge des neuen Wehrdienstes“ vom 24.07.2025
Bisher gilt ja Auswuchs auf 203.000 (198.500 Aktive + 4.500 Res-DP) bis 2031.
Die durch das BMVg nun genannten Zahlen müssten bis 2029 erreicht werden, da dann ja die
Möglichkeit/Wahrscheinlichkeit eines Angriffs RU auf die NATO vorhergesagt wird…
@Thomas Melber sagt:
07.08.2025 um 20:19 Uhr
„Wie sieht es denn mit der Grundbeorderung (GBO) aus, läuft das in die richtige Richtung ? Feldersatzstrukturen in den Bataillonen aufgebaut ?“
Alle wehrdiensttauglichen FWDL/SaZ/BS bis Alter 57 werden bei Dienstzeitende in die GBO eingeplant.
Ob dies aber in einer Art erfolgt, wie es eine kriegstüchtige (!) Bw benötigt… da bestehen doch große ?.
Z.B. fehlt es seit Jahren an der Ausbringung einer wirklich (!) kriegstüchtigen Verstärkungsreserve…
Die gemeldeten personellen Stärkezahlen sind nicht wirklich beruhigend!
Hinzu kommt das ein nicht geringer Teil der Soldaten nicht mehr effektiv für soldatische Aufgabe geeignet sind. Das ergibt sich durch die Altersstruktur und die Anzahl von Soldaten die nicht mehr „kriegstauglich“ sind, sowie die Soldaten die außerhalb der militärischen Kommandostruktur schon lange erfolgreich ihren Dienst auf Verwaltungsdienstposten in den oberen und obersten Bundesbehörden tun. Wären wir ehrlich zu Uns müssten wir die „Verwaltungssoldaten“ ebenso von der Kopfstärke abziehen.
@TW
Das ist natürlich richtig. Aber diese Aufstockung ist erst in jüngster Vergangenheit erfolgt, hingegen die Zahl von 203.000 schon seit Jahren durch Äther kreist, aber aufgrund fehlender Planstellen niemals hätte erreicht werden können.
Ich bin gespannt, wie sich die Zahlen mit diesem erweiterten Personalgerüst entwickeln werden.
@Felix2 @myself
Ich meinte natürlich: 200.000 Reservisten, wehrrechtlich verfügbar, ausgebildet und ausgestattet.
@Die Hoffnung stirbt zuletzt
Da muß der Dienstherr eben auch einmal die Daumenschrauben bei der „physical fitness“ ansetzen. Unfit wird man ja nicht von jetzt auf nachher, Unfälle und Krankheit außen vor gelassen.
@Die Hoffnung stirbt zuletzt
+1
Und Zusatz: durch den stetigen Anstieg an BS (um kurzzeitig die Gesamt-IST-Stärke zu halten) wird sich dies noch weiter auf Jahre und Jahrzehnte verschärfen, da dadurch immer mehr Personal generiert wird, welches im Vergleich zum SaZ auch im höheren Lebensalter mit naturbedingt nachlassender körperlicher Leistungsfähigkeit mit zunehmenden gesundheitlichen Einschränkungen aber gestiegener Besoldungsstufe noch 20 – 30 Jahre „untergebracht und beschäftigt“ werden muss…. darum kommen wir auch von unserer Anzahl an Stäben und Kommandobehörden nie runter. Diese werden als „Elefantenfriedhöfe“ nur regelmäßig umbenannt, umgegliedert, umorganisiert und umunterstellt (dabei meist „wegen neuer Aufgaben und Schnittstellen“ zudem aufgeblasen)
@Thomas Melber
Sie meinen, der selbe „Dienstherr“, welche in Form diverser Zwischenvorgesetzter regelmäßig zum Ende des Jahres besonders in den Stäben und Kommandobehörden die aktuelle Erfüllungsqoute an IGF, BFT usw. bemängelt, aber im Jahresverlauf stets verlauten lässt: „Wie, sie haben Zeit für Sport??? .. Also neee heute können Sie nicht mit zum Schießen auf die 100km entfernte Standortschießanlage mitfahren, da sind Sie ja nen ganzen Tag nicht im Büro und Vorlage xyz muss ganz dringend fertig werden… eine ganze Woche Abwesenheit für infanteristische Ausbildung/ Inübunghaltung xyz??? .. Schwimmhalle? Seit Jahren geschlossen und Kleiderschwimmen in einer zivilen städtischen nicht gestattet… Auffrischung Einsatzersthelfer? Nur 20 Plätze und die sind schon voll, außerdem machen wir dieses Jahr nur Modul 3, das haben Sie aber ja in Ihrem vorherigen Verband letztes Jahr schon gemacht.. u.s.w. .. derer Beispiele kennt vermutlich jeder zur Genüge, welcher als „Verwaltungssoldat“ im höheren Lebensalter seinen Dienst verrichtet.
Daumenschrauben kann man immer nur ansetzen, wenn man als Dienstherr bei aller propagierter „Kriegstüchtigkeit“ auch die notwendigen Rahmenbedingungen für deren Erlangung schafft… und das nicht erst in 5 oder 10 oder 15 Jahren.
Dass bei begrenzten personellen, finanziellen und infrastrukturellen Kapazitäten die Kampftruppenverbände Priorität bekommen ist gut und richtig. Mit den Konsequenzen an anderer Stelle muss man dann aber halt leben.
Ich denke es macht schon Sinn, daß Herr Wiegold hier die BW Zahlen seit Jahren dokumentiert. Könnte die BW ja selbst tun, aber macht diese gerade nicht Und Behauptungen der BW zu den Truppenzahlen entsprechen oft nicht der Realität. Durch die monatliche Aufstellung kann hier jeder sich, kostenfrei über die BW Stärke im Vergleich informieren. Und wir wissen durch diese Zahlen, daß ein Truppenanstieg im Juli an Offiziersanwärtern liegt meistens und nicht unbedingt, an einer besseren Personalwerbung.
So fällt auch auf, wenn man z.B die Bundeswehrhöchststärke seit 2013, also den Juli 2020 nimmt, und mit jetzt vergleicht, daß die BW altert, weil damals hatte die BW nur 54.000 Berufssoldanten, jetzt sind es 57.000 Berufssoldaten, die Zahlt der Soldaten auf Zeit ist seit dem von 122.000 auf 112.000 gefallen, die Zahlt der FWDL um 3.000 gestiegen. Immer mehr Berufssoldaten, wenn die BW Stärke ansteigt, liegt es meist an FWDL, aber bei Zeitsoldaten hat die BW offensichtlich große Schwierigkeiten, wenn trotz Dienstzeitverlängerungen die Zahl der Zeitsoldaten in den letzten 5 Jahren um 10.000 Zeitsoldaten gefallen ist.
Natürlich sind mache Diskussionen hier sehr ähnlich. Aber wir können ja nichts dafür, daß die BW die vielen Vorschläge in AG für mehr Soldaten seit Jahren meist ignoriert!
Ich denke die BW wird mit dem sog. Freiwilligen Wehrpflicht nicht über 185.000 Soldaten dauerhaft hinaus kommen. 1.000 Soldaten mehr wegen mehr Sold & 1.000 Soldaten mehr durch die Auskunftsbögen der Wehrpflichtigen.
Laut dem aktuellen Entwurf zum Wehrpflichtgesetz soll der FWD abgeschafft werden. Die neuen Wehrpflichtigen sollen alle Zeitsoldaten werden und als solche wie Zeitsoldaten besoldet werden. Mit der Abschaffung des FWD soll aber auch die Probezeit von 6 Monaten im Gesetz abgeschafft werden. Zwar gibt es auch für Zeitsoldaten eine Probezeit von 6 Monaten bis jetzt, aber diese beruht nur auf einer Verwaltungsvorschrift, nicht wie bei FWDL auf dem Soldatengesetz. Die Verwaltungsvorschrift kann jederzeit geändert oder aufgehoben werden.
Die totale Abschaffung der Probezeit halte ich für keine gute Idee. Denn dadurch könnten der BW wieder Bewerber entgehen, die sich nicht ohne Probezeit verpflichten wollen. Ich würde zwar die Probezeit für Zeitsoldaten abschaffen und für FWDL auf 4 Monat kürzen, aber einen Probedienst nicht ganz abschaffen. Sinnvoller würde ich es finden, Wehrdienstmodell von 12 oder 18 Monaten anzubieten, mit mehr Geld, aber dafür Verzicht auf Probezeit. Außerdem wird befürchtet, daß die Abschaffung der FWDL zu mehr Bürokratie führt, weil schon mehr Beamtenstellen geplant werden, weil wenn die Wehrdienstleistenden nicht mehr Wehrpflichtige, sondern Zeitsoldaten sind, haben diese Anspruch auf Beihilfen, deren Bearbeitung mehr Beamte erfordert! Bürokratischer Unsinn!
Thomas Melber schreibt…“Wie sieht es denn mit der Grundbeorderung (GBO) aus, läuft das in die richtige Richtung ? Werden Feldersatzstrukturen in den Bataillonen aufgebaut ?“
Nein, läuft nicht. Die meisten in die GBO eingeplanten Reservisten üben nämlich nicht bzw werden auch nicht animiert zu üben. Stehen nur auf Papier. Diejenigen die üben wollen stehen vor einem anderen Dilemma. Nämlich dass es bis heute eigentlich keinen Plan gibt was man denn mit der GBO machen will. Die Willensbekundungen gehen dahin die Einen zu Sicherungskräften umzuschulen obwohl sie anders fertig ausgebildet sind, bis zur Willensbekundung das Erlernte zu erhalten um bei Bedarf zu ergänzen. Mir ist kein Ziel der GBO bekannt das nachhaltig ist. Auch von diversen Stabsoffizieren auf Podiumsdiskussionen kommt dazu herzlichst wenig.
@Closius: Ihre Aussage, die (ab 01.01.2026) ausschließlich Zeitsoldaten in der Laufbahngrppe Msch hätten Anspruch auf Beihilfe(n), weshalb „mehr“ Beamte notwendig seien, ist nebulös für mich. Welche „Beihilfen“ könnten / sollten das sein?
@Heiko Kania
@Closius hat wohl eine Aussage im Artikel der WELT zu diesem Thema einfließen lassen – aber die ist eben nicht korrekt. Davon abgesehen kann ich mir nicht vorstellen, dass alle Freiwilligen sofort SaZ 4 werden, da wird man schön mit SaZ 2 anfangen, auf SaZ 3 steigern und dann eventuell nach SaZ 3+6 mal einen SaZ 4 anbieten. Der hat dann allerdings tatsächlich Ansprüche nach dem Soldatenversorgungsgesetz (SVG). Wobei der Flurfunk zu berichten weiß, dass der BFD personell und aufgabenbezogen verkleinert werden soll: bis 2026/2027 sollen rund 1500 (?) Stellen im Bereich Wehrersatz / Karriereberatung geschaffen werden und die müssen irgendwie besetzt werden. Das wird spaßig!
@Nico: Durch die laufenden Umstrukturierungen und die Grundbeorderung steigt aktuell die Anzahl „völlig losgelöster“ Reservisten, die zwar „irgendwo und irgendwie“ beordert sind, aber deren fachliches Potential niemanden mehr interessiert. Trotz rasanter Beförderungen des verantwortlichen Spitzenpersonales fehlen hier seit Jahren jegliche Planungen oder Konzepte der Personalführung. Einzelne Verbände scheinen sich auf eigene Faust zu behelfen, zentral passiert hier nix. Die Inspekteure haben keine Idee, was sie mit Ihren Reservisten anfangen sollen, das BAPersBw begnügt sich mit dem Füllen von Papier, fühlt sich aber für den Qualifikationserhalt nicht zuständig und hat unglaublich langwierige Prozesse… In diesem Zusammenhang muss man auch die nahezu irrationale Kritik des GenLt Mais an der Gewinnung ungedienter Reservisten für den Heimatschutz sehen. Teile des Systems Bundeswehr sind systemisch verkalkt und nicht mehr reformfähig.
@HeikoKania: Es geht um die Heilfürsorge. Zeitsoldaten erhalten Beihilfeleistungen für Krankenversicherung. Und zwar nicht nur für sich, sondern auch für Ehepartner & Kinder. FWDL haben dagegen keine Ansprüche auf Beihilfe oder Familienversicherung. Laut einem Artikel in Welt Plus soll eine dreistellige Beamtenzahl neu notwendig sein, um die Ansprüche zu bearbeiten.
@Windlicht
Wahrscheinlich habe ich eine stark vereinfachte Sichtweise auf das Thema GBO: ich würde ganz einfach den ausscheidenden Kameraden auf seinem letzten DP beordern bzw. einplanen und ihn dann in-Übung-halten.
Falls der Kamerad andere Vorstellungen hat (DP / Verwendung hat ihm nicht gefallen, nicht heimatnah, u.a.) kann er ja einen Gegenvorschlag machen. Und falls alle Stricke reißen geht er in den Heimatschutz oder in die TerrVbdgOrg (BVK, KVK).
@Closius
So weit ich weiß gibt es Beihilfe nur für ausgeschiedene BS (Anwartschaft !) im Dienst gibt es kostenfreie Heilfürsorge. In wie weit diese auch Familienmitglieder absichert weiß ich allerdings nicht.
@Closius @ThomasMelber
Ein Zeitsoldat erhält AFAIK keine Beihilfeleistung zur Krankenversicherung: er hat unentgeltliche truppenärztliche Versorgung und wird im Fall der Fälle zu einem zivilen Arzt geschickt, der dann mit der Heilfürsorge im SanBereich abrechnet. Sollte ein SaZ verheiratet sein und seine Frau nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, dann kann sie Beihilfe beantragen und muss eine private Restkostenversicherung abschließen. Das sollte aber die Beihilfestelle Strausberg nicht über Gebühr belasten.
Sie können aber auf der anderen Seite feststellen, daß SaZ anders als FWDL, für Truppenverpflegung bezahlen müssen und – da bin ich allerdings nicht mehr fit – auch für die Unterkunft. Weiß aber der Sozialdienst – so, genug Off-Topic …
Zum Thema Beihilfe, auch wenn es ziemlich OT wird:
ALLE Soldaten, egal welche Statusgrupoe, haben Anspruch auf unentgeltliche truppenärztliche Versorgung. Beihilfe kann BS und SaZ für Ehepartner und Kinder gewährt werden, wenn sie nicht anderweitig krankenversichert sind. Der Beihilfesatz beträgt bei Ehepartner, glaube ich, 50% und bei Kindern 70%. Der Rest muss privat abgesichert werden. Ausgeschiedene SaZ haben während der Zeit des Bezugs von Übergangsgebührnissen Anspruch auf Beihilfe in Höhe von 70%, pensionierte BS ebenfalls. Auch hier müssen die restlichen 30% privat abgesichert werden.
@Thomas Melber sagt:
09.08.2025 um 10:16 Uhr
„So weit ich weiß gibt es Beihilfe nur für ausgeschiedene BS (Anwartschaft !) im Dienst gibt es kostenfreie Heilfürsorge. In wie weit diese auch Familienmitglieder absichert weiß ich allerdings nicht.“
Während der aktiven Dienstzeit sind SaZ und BS, wie richtig genannt, über die freie Heilfürsorge im Form der
unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung abgesichert (BwHFV).
Somit kein eigener Anspruch auf Beihilfeleistungen.
Es besteht aber ein Beihilfeanspruch für bestimmte Angehörige, unter bestimmten Voraussetzungen (!) über
den § 31 Soldatengesetz.
https://www.bva.bund.de/DE/Services/Bundesbedienstete/Gesundheit-Vorsorge/Beihilfe/4_Beihilfeanspruch/41_Beihilfeberechtigte/1_Beamte_Anwaerter/11_Beihilfeberechtigung/11_beihilfeberechtigung.html
@Marmorklippe sagt:
08.08.2025 um 21:23 Uhr
„Davon abgesehen kann ich mir nicht vorstellen, dass alle Freiwilligen sofort SaZ 4 werden, da wird man schön mit SaZ 2 anfangen, auf SaZ 3 steigern und dann eventuell nach SaZ 3+6 mal einen SaZ 4 anbieten.“
Wie Herr Wiegold in einem Post zum Haushalt 2026 dargestellt hat, plant dass BMVg für den neuen Wehrdienst mit 20.000 eigenenbPlanstellen in 2026.
Dienstzeit 6 Monate bis 23 Monate als „SaZ-kurz“.
Wer sich dann für einen längeren Dienst als SaZ entscheidet, wird anders „verbucht“.
Das ist wie beim noch laufenden Projekt „FWD-Hsch“.
Wer hier auch nur um 1 Monat verlängert… über die regulären 7 Monate bei Einstellung… wird aus dem Projekt herausgelöst.
Felix2
Die Dienstzeit „23 Monate“ gab / gibt es ja bereits und ist für den Dienstherrn deutlich preiswerter da keine Übergangsgelder u.a. anfallen, im Gegensatz zum SaZ 2 (24 Monate).
Kompaniefeldwebeln wurde dringend geraten den Interessenten bzw. Bewerbern den 23 Monate dauernden Dienst zu empfehlen statt den SaZ 2, was natürlich dem Gedanken der Fürsorgepflicht widerspricht und wohl auch nicht all zu oft geschah.
[Hinweis: Inzwischen ist geklärt, dass es sich beim Autor dieses Kommentars tatsächlich um Generalleutnant Robert Sieger, den Präsidenten des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw), handelt. T.W.]
Ich versuche, alle Kommentare respektierend, mich hier ab jetzt gelegentlich aus meiner Perspektive zu beteiligen. Damit die Bundeswehr +1 wachsen kann, ist jedes Jahr die Summe aus stetig steigenden Abgängen (Ende der Dienst-/Verpflichtungszeit) und Abbrüchen zu regenerieren. In Summe derzeit rund 30.000 Menschen. Bis 2024 fallender Trend, derzeit im Stichtagsvergleich rund +2.000. Die jährliche Wellenbewegung zwischen Haupteinstellungsterminen und monatlichem Dienstzeitende setze ich als bekannt voraus. Ebenso das bis in dieses Jahre reichende Aufwuchshemmnis „fehlende Planstellen“. Das betrifft Weiterverpflichtung, Seiteneinstieg, Wiedereinsteller und natürlich Beförderungsstau. Darüber hinaus verhindern fehlende Infrastruktur sowie ein Fehl an regional und zeitlich an den Bewerbendenwünschen orientierte Ausbildungsplätze einen schnelleren Aufwuchs. Dies betrifft mehrere Tausden nicht einzustellende Frauen und Männer. Die Aufwuchsforderung in 2026 mit Blick auf FWDL/ zukünftig SaZ (kurz): 20.000.
Zusätzlich benötigte Ressourcen im zivilen Personalkörper richten sich auf den zweiten Auftrag im derzeitigen Gesetzesentwurf: Aufbau einer (derzeit nicht vorhandenen) Wehrerfassung- und überwachung bis Juli 2027 mit der Fähigkeit, einen gesamten männlichen Geburtsjahrgang zu mustern. Thema GBO: eine ganze Reihe von Hemmnissen, die von fehlenden Untersuchungen am Dienstzeitende, Dienstunfähigkeit und fehlende Strukturen etc reichen.
Das Durchschnittsalter im militärischen Personalkörper liegt derzeit bei 33,X Jahren und würde pro Jahr perspektivisch um 3 Monate ansteigen. Durch steigende Einstellungen FWDL/SaZ (kurz) über den neuen Wehrdienst wird das Durchschnittsalter auch bei moderater Erhöhung der Übernahmen zum Berufssoldaten und Weiterverfplichtungen perspektivisch realiter jedoch sinken.
Ergo: Die Herausforderungen sind riesig, kneifen gilt nicht.
Marmorklippe sagt: 09.08.2025 um 11:00 Uhr
„Sie können aber auf der anderen Seite feststellen, daß SaZ anders als FWDL, für Truppenverpflegung bezahlen müssen und – da bin ich allerdings nicht mehr fit – auch für die Unterkunft.“
Verpflegung bezahlt mittlerweile jeder selbst. egal welcher Status. Nur Unterkunft ist noch unterschiedlich geregelt. Aber meine Stube habe ich schon in den 90ern als Zeitsoldat selber bezahlt, zumindest den geforderten Satz.
@Robert Sieger sagt:
09.08.2025 um 16:58 Uhr
„Ergo: Die Herausforderungen sind riesig, kneifen gilt nicht.“
Solche hohlen Worte aus den Reihen der B-besoldeten kann ich nach über
3 Jahrzehnten und über einem dutzend
gescheiterten größeren „Reformen“ nicht mehr hören….
Die „Trendwende Personal“ und auch die Maßnahmen der „Taskforce Personal“ haben nicht mal Ansatzweise zum benötigten Aufwuchs bei den langdienenden Zeitsoldaten geführt.
Und jetzt legt man den Fokus auf das Projekt „neuer Wehrdienst“ … als wenn dies, noch dazu vor dem Hintergrund der (noch) Freiwilligkeit, dieses (!)Problem lösen könnte… Nein (!), wird es nicht!
2029 soll die gesamte (!) Bundeswehr kriegstüchtig sein… Auch im Personalbereich ist sie aber Lichtjahre davon entfernt… und neben dem VM trägt u.a. Generalleutnant Sieger dafür die Verantwortung.
(Egal ob Herr Wiegold bestätigen kann das der Verfasser der ist, für den er sich ausgibt…)
@Felix2 sagt:
10.08.2025 um 21:22 Uhr
„Solche hohlen Worte aus den Reihen der B-besoldeten kann ich nach über 3 Jahrzehnten und über einem dutzend gescheiterten größeren „Reformen“ nicht mehr hören….“
+1
Aus der Praxis/Froschperspektive:
-Letztes Jahr wurde das EVE Formular 4mal geändert. Mal wurde ein Satz umgestellt, mal die viereckigen Kästchen durch Kringel ersetzt, mal ein Komma neu gesetzt (überspitzt dargestellt),
-neuerdings werden qual. digitale Signaturen (damit ist nicht die PKI-Signatur gemeint sondern eine qual. elektr. Signatur eines akkreditierten Trusted Provider) nicht mehr anerkannt. Die Schreiben kommen zurück und müssen im Original gezeichnet werden (BWDLZ),
-das ewige Märchen vom Datenschutz, nach der keine EMA-Abfragen erfolgen dürfen (habe ich hier schon angesprochen),
– … und und und … ich könnte hier nur aus eigener Erfahrung Absätze schreiben und es wurde hier von Kameraden auch schon getan.
Naja … die wirklich wichtigen Dinge in der BWVerwaltung halt …
Wir werden es mit diesem Personalkörper im BAPersBW niemals schaffen, einen männlichen Geburtsjahrgang zu mustern. Anfang der Neunziger hätte es die Hälfte schon geschafft. Prof. Neitzel hat es ja vor Kurzem schon gesagt: „(Der VM) … noch nicht an das Grundproblem der Bundeswehr herangegangen, nicht an die überbordende Bürokratie und die übergroßen Behörden und Ämter“. Weiter sagt er: „Ich erkenne nicht, dass das Problembewusstsein überhaupt vorhanden ist.“ Gleiches gilt nmM für die B-Soldaten und deren Durchhalteparolen.
@Robert Sieger: Das zentrale Versagen der Führung der Bundeswehr in der personellen Zeitenwende ist das weitgehende Scheitern an der Entbürokratisierung, der Weiterentwicklung von Wehrdienstformaten und im Kennen des eigenen Ladens, d.h. Personalkörpers. Wie kann es sein, dass niemals jemand Verantwortung übernehmen musste, wenn großflächig Werdegänge und Qualifikationen von Reservisten digital verloren gehen und z.B. Abfragen nach früheren Chefverwendungen, Lehrgängen, etc. bei ganzen Kohorten ins Nichts laufen, weil die Akten weg sind und die Daten nicht sauber gespeichert wurden? Warum kommt seit Jahren keine gezielte Ausweitung des ResWDV auf dringend gebrauchte Fachkräfte / Führungskräfte in Stäben, damit Aufgaben mit sehr langer Laufzeit sinnvoll unter Einbindung der Expertise von Reservisten bearbeitet werden können? Zum Beispiel ein SGLtr oder AbtLtr auch kurzfristig kaltstartfähig sein aktives Gegenüber vertreten könnte. Kompetenzaufwuchs durch Kontinuität? Warum dauern Beorderungen und Umplanungen bis zu einem Jahr und länger? Wir müssen vor die Lage kommen und sie nicht nur beschreiben.
Also ganz ehrlich finde ich, dass Einige hier mal kurz die Luft anhalten sollten… Jeder darf gerne seinen Frust auf das BAPersBw oder dessen Vorgängerorganisationen haben. Für alles gibt es Gründe und wie immer auch mindestens zwei Seiten. Hier und heute jedoch geht es darum, den personellen Aufwuchs der Bundeswehr zu stemmen – und das mit einem Instrumentarium, dessen Zustand und Weiterentwicklung in den letzten Jahren aus guten Gründen nicht im Fokus der politischen Leitung lag.
Wir haben ein überkomplexes System aus (An-)Forderungen, gesetzlichen und untergesetzlichen Bestimmungen, Auflagen, teilweise Bw-immanenten Hindernissen wie einer überbordenden Bürokratie, , die es jetzt schnell den Erfordernissen für eine schnellen Aufwuchs anzupassen gilt. Daran arbeiten wir mit voller Kraft Tag und Nacht! Optimierungspotenzial und -bedarf gibt es reichlich. Das ist erkannt und es wird bereits wo immer möglich an konkreten und schnellen Lösungen gearbeitet.
@GP701 Wann hat der Krieg in der Ukraine angefangen und wo stehen wir jetzt? Wir haben übrigens 500 Millionen Einwohner in den europäischen NATO-Staaten ohne die Türkei und 1,4 Millionen Soldaten, aber wir kriegen die PS nicht auf die Strasse.
@GP701 sagt:
„Also ganz ehrlich finde ich, dass Einige hier mal kurz die Luft anhalten sollten… “
Habe ich gemacht. Ging aber nicht so lange, das Luft anhalten meine ich. Ich musste aufgrund der von Ihnen abgesondert heißen Luft und leeren Worthülsen lachen.
Das glaubt doch keiner mehr, das an der Petsonalsituation mit Hochdruck gearbeitet wird, Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Und die lügen nicht bekanntermaßen.
@GP701
+1
BAPersBw oder früher das PSABw war immer ein Personalmoloch, in dem die Wege noch unergründlicher sind und waren, als das Labyrinth von Knossos.
Sei es wie es sei und sei @Robert Sieger der Veranwortliche selbst oder nicht, aber hier in die Vergangenheit zu schauen, ergibt keinen Sinn.
Man muss jetzt nach vorne wegarbeiten, die richtigen (!) Schwerpunkte setzen (das ist schon schwierig genug) und dabei rund 7000 (!) Mitarbeiter (zivil oder militärisch) „mitnehmen“:
Kurz, es gibt also auch 7000 potentielle Bremsklötze, die es zu identifizieren und zu entfernen gilt, damit das „neue“ System laufen kann.
Ob man als „Drei Stern, Gold“ und einer Standzeit von maximal 3 Jahren hier den gordischen Knoten zerschlagen kann – schwierig.
Wenn aber noch der letzte Funken Hoffnung aud Besserung direkt im Keim erstickt wird, dann wird das ganz sicher nix werden..
Da gibt es jetzt Hunderte Baustellen, die es abzuarbeiten gilt und dazu wünsche ich allen viel (Soldaten)Glück!
Sehen wir es positiv:
Schlimmer kann es eh nicht mehr werden!
@Fux:
Danke!
„„Wie, sie haben Zeit für Sport???“
Genau das Problem erlebe ich immer wieder.
Sowohl in meinem alten Verband (Truppe) als auch (und vor allem) in meiner jetzigen Verwendung.
Wir haben Gleitzeit. Nett, wenn ich die Dienstzeiten nach meinen Befindlichkeiten legen kann, klappt aber nicht immer. Oft heißt es stattdessen, dass ich eher im Sinne des Dienstherrn flexibel bin. Serverwartungen führt man am besten dann aus, wenn ein Großteil der Nutzer nicht mehr arbeitet.
Bis 16:30 bin ich oft durchgehend gebunden. Sport müsste also danach kommen.
Mir wollte nicht nur ein Vorgesetzter erzählen, dass das nach 16:30 ja „Überstunden“ wären und man für Sport keine Überstunden aufbauen darf.
Mein Ersthelfer ist abgelaufen, weil der reine Theorie-Ersthelfer, der wegen Corona gemacht wurde, nicht in SASPF eingetragen wurde. Demnach brauche ich jetzt die Vollausbildung. Und tatsächlich ist die für mich bereits zwei Mal ausgefallen. Einmal war ich in IAMS (Ressourcenverwaltung ins SASPF) geblockt und einmal war der Lehrgang überbucht.
Ob alle Daten in SASPF eingetragen wurden, kann ich selbst nicht überprüfen.
Ich hatte schon Beruteilungen, in denen das Kreuz für IGF erfüllt gesetzt war, aber die Daten (die ich tatsächlich abgeleistet und gemeldet hatte) nicht in SASPF eingetragen waren.
IGF-Schießen hieß für mich in den letzten Jahren, im Einzelmarsch mit Klein-KFZ schnell raus, ein bis zwei mal schießen und wieder rein. Das entspricht nicht den offiziellen (aber nicht in Meldeorgien abgeprüften) Anforderungen, das gefällt mir nicht und das ist gegenüber dem Funktionspersonal nicht gerecht.
Trotzdem hatte und habe ich Vorgesetzte, die das so wollen, damit keine Arbeit liegen bleibt.
Bei allen IGF-Schießen, die für meinen Bereich dieses Jahr angeboten wurden, war ich dienstlich abwesend. Entsprechend sieht das Konto bei Urlaubstagen, Stunden, ATB (Ausnahmetatbestand) aus.
Gerne würde ich die 2x45min + 1x90min Sport pro Woche machen, die Pflicht sind. Und dazu eine BGM-Maßnahme, die der Dienstherr laut Regelungslage auch ermöglichen soll.
Den Großteil meines Sportes (den der Dienstherr zurecht von mir verlangt) mache ich in der Freizeit.
Klar betrifft das nicht jeden. Manchen sehe ich morgens im Raucherbereich und ich sehe den selben Soldaten noch, wenn ich eine Stunde später wieder da lang laufe.
Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich viele Kameraden, die mit ihrem Hund spazieren gehen. Ich bin froh, nicht zu sehen, ob die sich für diese extra-Pause auch in der Zeiterfassung ausbuchen.
Fazit: Mangelnde körperlicher Fitness (und erst Recht der Nachweis) liegt oft nicht in der Faulheit des einzelnen Soldaten, sondern in ungleichmäßiger, ungeregelter Auftragsverteilung und bei Vorgesetzten, die nicht bereit sind, dem Soldaten Zeit einzuräumen.
@ funker07:
Mir kommen die Tränen aufgrund der mitleiderregenden Geschichte.
Zweifelsfrei gibt es bei Soldaten Wochen, in denen IGF/KLF nicht im befohlenen Maß erfolgen kann. Nur wer hindert Sie eigentlich, auch mal am Wochenende die Laufschuhe anzuziehen?
Alle militärischen Dienstposten sind so konzipiert, dass ausreichend Zeit für IGF und KLF vorhanden sein sollte.
Es ist aber sehr oft viel leichter, sich auf
„kann nicht, will nicht, darf nicht“ zu berufen.
Es ist doch ein immer wider vertuschter Bundeswehr Skandal: Ein Drittel rackert – der Rest chillt sich durch den Dienst!
In Kasernen und Stäben das gleiche Bild:
Ein kleiner Kreis hochbelasteter Soldaten stemmt den Betrieb – während die Mehrheit im Windschatten segelt.
Ein Drittel arbeitet bis zur Erschöpfung, ein Drittel tickt stumpf nach Vorschrift, und ein Drittel hat jede Effizienz längst abgeworfen.
Dienstsport? Laut Vorschrift Pflicht – in der Realität oft gestrichen oder in die Freizeit verbannt.
IGF-Übungen? Manchmal nur der „Schnell-raus-und-wieder-rein“-Modus, Hauptsache abgehakt.
Leistungen verschwinden in IT-Systemen, Beurteilungen basieren auf lückenhaften Daten – und wer die Wahrheit kennt, soll lieber den Mund halten.
Das Ergebnis: Auf dem Papier ist die Truppe einsatzbereit, in Wirklichkeit trägt sie sich auf dem Rücken weniger Leistungsträger.
Die Bundeswehr lebt im Dauer-Notbetrieb – und fördert damit nicht Disziplin und Fitness, sondern Bequemlichkeit und Dienstflucht.
@Florian Staudte sagt:
11.08.2025 um 22:02 Uhr
@ funker07:
„Nur wer hindert Sie eigentlich, auch mal am Wochenende die Laufschuhe anzuziehen?“
Macht @ funker07 doch:
„Alle militärischen Dienstposten sind so konzipiert, dass ausreichend Zeit für IGF und KLF vorhanden sein sollte.“
Was nützt die graue Theorie wenn die Praxis anders aussieht…
„Sollte“ hat da noch nie weitergeholfen…
Hinzu tritt das es nicht Aufgabe des einzelnen Soldaten ist systemische Defizite regelmäßig in seiner Freizeit auszugleichen…
Zumal z.B. der Dienstsport aktuell kein „Freizeitsport“ sein soll, sondern den Soldaten befähigen soll:
Florian Staudte sagt: 11.08.2025 um 22:02 Uhr
„Alle militärischen Dienstposten sind so konzipiert, dass ausreichend Zeit für IGF und KLF vorhanden sein sollte.“
Die Vorschriften bzw. Regelungen (A-540/3) sind so konzipiert. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis halt. Sie schreiben es ja selbst auch nur im Konjunktiv („sollte“).
Übrigens, wenn Sie Zugriff auf die Regelung haben, sollten Sie mal die Unterschiede in den Netto-Arbeitstagen vergleichen und wie sich diese rechnerisch ergeben. Wer hat die meisten? Spoiler: die Soldaten.
Da steht als Summenzug auch drin, wieviel der Jahresarbeitszeit bei Soldaten rechnerisch für Fachtätigkeiten aufzuwenden ist und wieviel für „Allgemein militärischen Dienst“. Aufschlussreich!
@ Bow Pessimist: „Es kann nicht schlimmer kommen!“ Optimist: „Doch, doch!“
Trickserei, Manipulation und das „Schönrechnen“ von Leistungen bei den Individuellen Grundfertigkeiten (IGF) sind in der BW leider eine anerkannte Realität. Die IGF sollen sicherstellen, dass jeder Soldat körperlich und mental in der Lage ist, im Einsatz (im Krieg) zu bestehen, und werden regelmäßig in standardisierten Prüfungen überprüft. Es gibt klare Weisungen und Regelungen, die das Beherrschen und den Erhalt der IGF vorschreiben, darunter körperliche Fitness, Schießfertigkeiten, Selbst- und Kameradenhilfe sowie ABC-Schutz.
Allerdings berichten Soldaten und Insider immer wieder von Manipulationen und unkorrektem Verhalten bei der Erfüllung der IGF. Diese beinhalten oft das Fälschen oder „Schönrechnen“ von Prüfungsleistungen, um den Anforderungen formal zu genügen, ohne die tatsächliche Leistungsfähigkeit zu erbringen. Dies wird häufig durch den hohen Leistungsdruck und die Notwendigkeit, die IGF regelmäßig zu bestehen, getrieben, um Dienstgradaufstiege oder weitere Verwendungsmöglichkeiten zu sichern.
Die Bundeswehr hat zwar strenge Regelungen, wie die „Weisung zur Ausbildung, zum Erhalt der Individuellen Grundfertigkeiten und zur Körperlichen Leistungsfähigkeit“ (IGF/KLF), sowie Kontrollmechanismen, doch sind Berichte über unzulängliche Kontrollen und Tricksereien Teil öffentlicher und interner Diskussionen. So sind Fälle von Manipulationen bei IGF-Leistungen, die auch rechtlich verfolgt wurden, dokumentiert. Heer versucht mit Pilotprojekten und transparenten Regelbegutachtungen gegenzusteuern, doch bleibt das Problem relevant und wird von vielen Betroffenen als übliche Alltagserfahrung beschrieben.
Hierbei handelt es sich um ein bekanntes, strukturelles Problem in der Bundeswehr, das regelmäßige Diskussionen auslöst und zeigt, dass der Anspruch an Leistungsqualität und Realitätsbezug mit der praktischen Umsetzung nicht immer im Einklang steht.
Wir müssten massenhaft Altpersonallasten abwerfen und diese ganzen Tätigkeiten die von zivilen MA erledigt werden können und den Großteil der Ämter und Stäbe institutionell aus dem Militärischen, sprich der Bundeswehr, herauslösen, wenn die Entscheider es ernst meinten mit der Kriegstüchtugkeit. Dann gesund aufwachsen, aber ohne aus Selbstzweck Dienstgrade und Bespaßungsmöglichkeiten zur Überbrückung bis zur Pensionierung zu züchten.
Jeder Konzern hätte schon längst ein großangelegtes Abfindungsprogramm durchgedrückt, zu attraktiven Konditionen und mit glaubhaften Entwicklungsmöglichkeiten neueingestellt und Leistungsträger in freiwerdende Verantwortungsbereiche befördert oder noch besser und in unserem Fall notwendig, Verantwortung wieder nach weiter „unten“ deligiert.
Entkrustung ist wichtiger als zahlenmäßiger Aufwuchs.
@ Bernd Klonet
Volle Zustimmung. Die Bundeswehr ist so weit von der Kriegstüchtigkeit entfernt wie „der Vatikan vom Swingerclub“ (Zitat von Henryk M. Broder).
Hätten wir so viel Munition und einsatzbereite Soldaten wie Präsentationen, Dienstvorschriften und Vorlagen, dann wären wir im „Fire Power Index“ knapp hinter den USA.
@ GP701 11.08.2025 um 19:06 Uhr:
„Also ganz ehrlich finde ich, dass Einige hier mal kurz die Luft anhalten sollten…“
Also ganz ehrlich finde ich, dass man vielleicht mal in die Historie schauen sollte. Es gibt ja einen guten Grund, warum hier so viele Kommentatoren so negativ eingestellt sind. Wenn Sie dreißig oder mehr Jahre lang immer wieder die gleichen Durchhalteparolen hören:“Männer, nach vorn schauen….;Die Talsohle ist durchschritten, es geht wieder bergauf…; Nicht über Gräber schießen…; Wir gestalten jetzt die Zukunft…etc. und es passierte mit Ausnahme von einigen Karrieristen nichts, dann glaubt man den neuen Parolen eben nicht mehr. Das Vertrauen wurde aktiv verspielt.
Die Einzigen, die immer ganz vorn waren, waren die Damen und Herren, die über P „gelaufen“ sind.
Es kommt halt nun darauf an, das verspielte Vertrauen wiederzugewinnen. Die „Neukunden“ fördern und anziehen ist das Eine, das Andere ist die alten „Bestandskunden“ nicht noch mehr zu vergraulen.
Das ist wie beim Material. Solange der supermoderne SPz Puma noch nicht in der Anzahl und mit den Fähigkeiten verfügbar ist, wie geplant, muss die „Bank“, der „alternde“ SPz Marder eben im Dienst gehalten werden.
@Bernd Klonet hat schlichtweg Recht.
In meiner jetzigen Einheit ~40 Soldaten und in meiner vorigen ~120 Soldaten das gleiche Bild. 1/3 der Soldaten Leistungsträger und der Rest segelt mit oder schneidet im Home Office Buchsbäume zu Figuren und postet es bei WhatsApp. Vorgesetzte die sich da nicht rantrauen, da nicht gefördert wird wer sich um den Auftrag kümmert und eventuell Arbeit erzeugt sondern wer grün meldet.
Mir ist es schleierhaft weshalb Dauerkranke Soldaten, weiterhin voll bezahlt werden anstatt nach 6 Wochen Krankengeld zu bekommen wie im zivilen auch. Das fördert erschreckend gut den Genesungswillen. Ausgenommen davon sollten natürlich Einsatz- und Dienstversehrte sein.
Mir dreht es den Magen um wenn ich davon höre, dass wir ein Personalmangel haben.
Wir haben das Problem, dass mehr Leute vom System getragen werden als es zu stützen, das Leistung von Vorgesetzten vom Oberbau beurteilt wird nicht vom Unterbau und die übermäßige selbst geschaffene Bürokratie welche Oasen der Ruhe in Form von Dienstposten schaffen. (siehe LufABw, CamoBw uvm.)
@Bernd Klonet: Die von Ihnen beschriebene Drittel – Einteilung kann ich nur bestätigen. Leider hat auch krasse Minderleistung keine Auswirkungen, wenn man seine Ruhe haben will und keine Beförderung mehr anstrebt. Viele Vorgesetzte scheuen die harte Ansage, weil danach bei diesen Leuten die Flucht in Krankmeldungen den Personalbestand noch mehr ausdünnt. Mir hat mein damaliger Kommandeur vor etlichen Jahren sinngemäß ins Gesicht gesagt: Wollen Sie einen Stellvertreter mit 20% Leistung oder gar keinen Stellvertreter? Erst in diesen Tagen wieder erlebt, dass nach mehreren Wochen vergeblicher Versuche einen Termin „mit dem Zuständigen“ zu finden, die betroffene Dienststelle mir einen anderen – „eigentlich nicht zuständigen“ Ansprechpartner benannt hat – der sich jetzt engagiert kümmert… Meiner Erfahrung nach haben Teile der Bundeswehr ein Haltungsproblem. Zu Lasten der engagierten und tollen Kameradinnen und Kameraden. Und mit abschreckender Wirkung auf leistungswillige Bewerber!
Weniger Ballast, mehr Auftrag!!
Die Bundeswehr leidet nicht nur unter fehlendem Personal, sondern unter falscher Personalkultur.
Zu viele Posten sind mit Menschen besetzt, die keinen Beitrag zur Einsatzbereitschaft leisten – geschützt durch Strukturen, die Leistung weder konsequent fordern noch belohnen.
Statt immer neue Stellen zu schaffen, braucht es:
Konsequentes Trennen von dauerhaft nicht einsatzfähigen Kräften – sozialverträglich, aber entschlossen.
Zielgerichtete Einstellung von Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen.
Mehr Entscheidungsfreiheit auf unteren Ebenen, wo der Auftrag tatsächlich erfüllt wird.
Beförderungen, die sich nach Leistung und Einsatzbereitschaft richten – nicht nach Bequemlichkeit.
Nur wenn Ballast abgeworfen wird, kann die Truppe motiviert und kriegstauglich werden.
@ Windlicht, benandjerry, Berndt Klonet, Florian Staudte, ORR und Co.
Tja Leute, dann müssen wir vom Berufssoldaten und vom Beamten weg.
Dann braucht die Bundeswehr ein vernünftiges Kündigungsrecht und kein Dienstunfähigkeitsverfahren.
Dann sollten die Bundeswehr auch die Verpflichtungszeiten für Zeitsoldaten anders gestalten. Z.B. jeweils 4 Jahre, mit der Option dann immer je 4 weitere Jahre ranzuhängen, wenn das Leistungsbild (wie z.B. IGF) stimmt.
Die Bundeswehr sollte dann auch wesentlich mehr den Fokus auf den Ausbau und Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit legen.
Keinen Individualsport a la persönliches Marathontraining oder Tennis oder „Pumpen“ mehr sondern angeleitete Sportgruppen, die an den militärischen Erfordernissen ausgerichtet sind. MilFit, Schwimmtraining, ausgewogenes Kraft/Ausdauertraining, mil Fünfkampf von der ersten bis zur letzten Woche an.
Mir fällt da noch mehr ein.