Neuer Wehrdienst, militärische Sicherheit, Nationaler Sicherheitsrat: Kabinettsitzung im Bendlerblock (Nachtrag: Pk-Wortlaut)
Das Bundeskabinett hat bei seiner Sitzung im Bendlerblock, dem Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums, wie erwartet die Weichen für einen Neuen Wehrdienst gestellt – vorerst ohne Wehrpflicht. Die Ministerrunde billigte zudem den Gesetzentwurf für Neuregelungen zur militärischen Sicherheit und die Regelungen für den neuen Nationalen Sicherheitsrat. Der NATO-Oberbefehlshaber, US-General Alexus Grynkewich, trug dem gesamtem Kabinett als Gast seine Einschätzung der sicherheitspolitischen Lage vor; ebenso Generalinspekteur Carsten Breuer.
Das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes folgt, trotz der Kritik vom Koalitionspartner Union, den Vorstellungen von Verteidigungsminister Boris Pistorius: Um die Bundeswehr zu stärken, sollen zunächst alle Deutschen bei Erreichen des 18. Lebensjahres angeschrieben und zur Beantwortung eines Fragebogens aufgefordert werden. Die Antwort ist nur für Männer verpflichtend – abgeleitet von einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht, die nach dem Grundgesetz ausschließlich für Männer gelten würde.
Ab 2027 sollen dann die jungen Männer auch zur Musterung verpflichtet werden. Ob die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht wieder aktiviert wird, soll im Lichte der freiwilligen Meldungen für einen Dienst in der Bundeswehr in den kommenden Jahren entschieden werden – dann auf Beschluss der Bundesregierung und mit Zustimmung des Bundestages.
Gerade der letzte Punkt war in den Unionsparteien auf heftige Kritik gestoßen. Ihre Forderung richtete sich darauf, bei Verfehlen bestimmter Personalstärken in den nächsten Jahren die Wehrpflicht automatisch wieder in Kraft zu setzen, auch ohne gesonderten Parlamentsbeschluss. Ob im Gesetzgebungsverfahren im Bundestag eine solche Regelung eingeführt wird, die von Teilen des Koalitionspartners SPD abgelehnt wird, ist offen.
Für die Details die Gesetzentwürfe:
und zum Vergleich der Entwurf der vorangegangenen Regierungskoalition:
… und für die Kenner auf 130 Seiten:
Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Militärischen Sicherheit in der Bundeswehr
Zum Nationalen Sicherheitsrat gibt’s nur ne Pressemitteilung:
Deutschland bekommt einen Nationalen Sicherheitsrat
Aus der gemeinsamen Pressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz und Pistorius nach der Kabinettsitzung im Bendlerblock gibt’s bislang nur ein Audio von den Aussagen Pistorius‘:
Fürs Archiv das gesamte Kabinett samt NATO-Oberbefehlshaber und Generalinspekteur im Bendlerblock auf einem Bild:
Nachtrag 28. August: Nachdem das Verteidigungsministerium am Vortag ein Audio nur mit den Aussagen des eigenen Ministers veröffentlicht hatte und den Kanzler wegließ, hier das Transkript der kompletten Pressekonferenz sowohl mit Kanzler als auch Verteidigungsminister:
Merz: Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zunächst ein herzliches Wort des Dankes sagen an das Bundesministerium der Verteidigung und insbesondere an den Bundesminister der Verteidigung, den Kollegen Boris Pistorius, für die Gastfreundschaft, die wir heute hier im Haus in Anspruch nehmen durften. Der Bundesverteidigungsminister und ich haben schon relativ früh in dieser Bundesregierung verabredet, dass wir im Spätsommer eine Kabinettssitzung im Verteidigungsministerium anberaumen. Das ist eine alte Tradition, die es in der Bonner Republik in einer Zeit gegeben hat, in der über Sicherheits- und Verteidigungspolitik auch anders gesprochen werden musste, als wir es in den vergangenen Jahren tun durften. Mittlerweile hat sich die außenpolitische und sicherheitspolitische Lage erneut so zugespitzt, dass wir beide es für richtig und notwendig gehalten haben und unverändert halten, dass wir uns mit dem Bundeskabinett einmal im Jahr in diesem Hause treffen, um miteinander ausschließlich über verteidigungspolitische und sicherheitspolitische Fragen zu diskutieren und auch Entscheidungen zu treffen, so wie wir das heute getan haben.
Die sicherheitspolitische Lage in Deutschland und in Europa zwingt uns gerade dazu, diese Tradition wieder aufleben zu lassen. Zugleich setzen wir damit auch ein Zeichen: Sicherheit steht für diese Bundesregierung im Ganzen weit oben auf der politischen Agenda. Das ist unsere Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land. Das ist aber auch ein Signal an unsere Verbündeten in Deutschland, in der Europäischen Union und in der NATO, dass Deutschland ein handlungsfähiger Partner in Europa und in der neuen NATO ist.
Wir haben vor den Beschlussfassungen in dieser Kabinettssitzung den Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Alexus Grynkewich, getroffen und mit ihm über die militärische Lage gesprochen. Grynkewich ist seit dem 4. Juli dieses Jahres der neue SACEUR, also der oberste Befehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa. Sein Lagebericht war sehr eindeutig: Russland ist und bleibt auf lange Zeit die größte Bedrohung für Freiheit, Frieden und Stabilität in Europa. Darauf antwortet die Bundesregierung mit Entschlossenheit. Wir haben bereits auf dem NATO-Gipfel im Juli mit den Verbündeten den historischen Beschluss gefasst, unsere Fähigkeiten massiv zu stärken. Ich will das hier noch einmal sehr klar unterstreichen und auch die Bedeutung noch einmal hervorheben: Ohne das starke Signal aus Berlin, ohne die Beschlussfassung dieser Koalition, noch bevor sie ins Amt kam, mit einer Änderung des Grundgesetzes diese Verteidigungsausgaben zu ermöglichen, wäre der NATO-Gipfel in Den Haag anders verlaufen. Er wäre wahrscheinlich einer der letzten, wenn nicht der letzte NATO-Gipfel in dieser Form gewesen.
Wir setzen jetzt das um, was wir damit auch ermöglichen: Wir haben den Verteidigungshaushalt deutlich erhöht, wir haben in kurzer Zeit wichtige Gesetze auf den Weg gebracht, um die Bundeswehr zu stärken, und wir haben die Weichen für schnellere und bessere Beschaffungen von Waffen und Ausrüstung bereits gestellt. Gleichzeitig betreiben wir eine aktive Friedensdiplomatie, um das Töten in der Ukraine zu beenden und unsere Sicherheitsinteressen zu wahren. Wir leisten einen Beitrag zum Zusammenhalt in Europa, wir stehen fest an der Seite der Ukraine, und wir bemühen uns nach Kräften um eine Festigung der transatlantischen Partnerschaft.
Das alles ist notwendig, aber es ist nicht ausreichend. Denn Russland führt längst hybride Attacken gegen uns: durch Sabotage, Cyberangriffe und gezielte Desinformation. Wir erleben das, wenn Kabel in der Ostsee zerstört werden. Wir erleben das durch gezielte Angriffe auf unsere IT-Sicherheit. Wir erleben das durch massive Einmischung auch in unsere Demokratie. Hier ist die Bundesregierung im Ganzen gefragt, nicht nur einzelne Ressorts. Wir müssen schneller, kreativer und entschlossener werden, indem wir unsere Infrastruktur härten, unsere Abstimmung verdichten und unsere Gesellschaft insgesamt resilienter machen. Das betrifft das Kabinett ‑ ich habe es schon gesagt ‑ im Ganzen. Es betrifft uns alle.
Das Kabinett hat deshalb heute wichtige Vorhaben auf den Weg gebracht. Ein wichtiger Beschluss dieses Tages ist die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrats. Meine Damen und Herren, über dieses Thema wird in Deutschland seit 30 Jahren diskutiert. Diese Koalition hat das innerhalb von vier Monaten beschlossen und heute auch auf den parlamentarischen Weg gebracht. Seit 30 Jahren wird diskutiert – wir entscheiden nach vier Monaten. Dieses Gremium wird eine zentrale Plattform der Bundesregierung für übergreifende Fragen nationaler Sicherheit an der Schnittstelle zwischen innerer, äußerer, wirtschaftlicher und digitaler Sicherheit sein. Sicherheit ist auch nicht einem einzigen Ressort allein zuzuordnen. Sie betrifft uns alle. Gleichzeitig ermöglicht es die Einrichtung dieses Nationalen Sicherheitsrats, vorausschauende Strategiearbeit zu leisten, beispielsweise durch die Fortschreibung der Nationalen Sicherheitsstrategie. Der Nationale Sicherheitsrat wird ein wichtiger Baustein für unseren Ansatz einer Sicherheitspolitik aus einem Guss sein.
Darüber hinaus haben wir heute das Gesetz zur Stärkung des Militärischen Abschirmdienstes auf den Weg gebracht. Wir schützen damit unsere Soldatinnen und Soldaten und deren Familien noch besser, als wir das in der Vergangenheit getan haben.
Schließlich haben wir uns auf das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes geeinigt. Damit setzen wir ein zentrales Projekt des Koalitionsvertrages um. Dazu wird Boris Pistorius gleich noch ausführlicher etwas sagen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Bundeswehr personell so zu stärken, wie das heute erforderlich ist. Wir wollen den Wehrdienst attraktiver machen und mehr junge Menschen für den Dienst in der Bundeswehr gewinnen. Das ist ein wichtiger Schritt. Ich füge aber auch hinzu: Sollten wir feststellen, dass wir nachsteuern müssen, dann werden wir das tun. Auch das ist in diesem Gesetz bereits angelegt.
Ich will abschließend allen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundeskabinett noch einmal sehr herzlich für die intensive Vorarbeit danken, die wir alle geleistet hatten, damit diese Sitzung des Bundeskabinetts heute hier im Verteidigungsministerium so erfolgreich sein konnte. Lassen Sie mich das etwas salopp sagen: Ein Herbst von Reformen beginnt nicht mit der Wirtschaftspolitik und der Sozialpolitik, sondern ein Herbst der Reformen kann auch mit der Außenpolitik, mit der Sicherheitspolitik und mit der Verteidigungspolitik beginnen. Wir haben heute wirklich große Projekte dieser Koalition gemeinsam auf den Weg gebracht. Dafür bin ich den Ressorts insgesamt dankbar, aber ich bin insbesondere ‑ noch einmal ‑ dem Verteidigungsminister für die Gastfreundschaft und den guten Geist in diesem Haus dankbar. ‑ Herzlichen Dank!
Pistorius: Vielen Dank, Herr Bundeskanzler. ‑ Meine sehr geehrten Damen und Herren, herzlich willkommen auch von mir hier im Stauffenbergsaal im Bendlerblock! Ich freue mich, dass Sie da sind.
Ich freue mich vor allem, dass das Kabinett heute erstmals seit 19 Jahren wieder hier im Verteidigungsministerium eine Sitzung abgehalten hat. Zusammen mit den Inhalten, die wir mit dem SACEUR und mit unserem Generalinspekteur diskutiert haben, macht das deutlich, dass diese Bundesregierung voll auf dem Schirm hat und sich dessen voll bewusst ist, in welcher Sicherheits- und Bedrohungslage wir in Europa und in der Welt gerade leben und was das für die Verantwortung Deutschlands in Europa und in dieser Welt bedeutet. Deswegen stand die Kabinettssitzung auch ganz in diesem Zeichen.
Was Deutschland und unsere Sicherheitsarchitektur in Deutschland angeht, habe ich deutlich gemacht, dass eine funktionierende Bundeswehr voraussetzt, dass das Land funktioniert. Wir brauchen ein funktionierendes Land, das heißt, wir brauchen stabile Brücken, wir brauchen Gesundheitsversorgung, Lebensmittelsicherheit, Energiesicherheit und digitale Sicherheit. All das brauchen wir, damit die Bundeswehr ihren Auftrag am Ende auch erfüllen kann. Auch dieses Signal einer gemeinsamen Verantwortung der ganzen Bundesregierung haben wir heute noch einmal sehr klar ausgesendet.
Wir haben heute, wie der Bundeskanzler schon gesagt hat, zwei Gesetze auf den Weg gebracht.
Ich beginne einmal mit dem Gesetz zum neuen Wehrdienst. Große Ereignisse werfen bekanntermaßen ihre Schatten voraus. Das gilt gerade auch für den neuen Wehrdienst, der in den letzten Wochen und Monaten durchaus auch schon lebhaft diskutiert worden ist. Das ist eben auch nicht irgendein Gesetz, sondern es ist ein wirklicher Schritt, ein Riesenschritt nach vorne, weil er deutlich macht, dass wir einen Aufwuchs der Bundeswehr brauchen ‑ besser heute als morgen ‑, dass das aber langfristig angelegt werden muss und nachhaltig sein muss und dass es darum geht, gleichzeitig das Mindset in der Gesellschaft gerade auch bei jungen Männern und Frauen zu verändern und für Verantwortung für diesen Dienst am Land zu werben. Jeder und jede aus der jungen Generation wird sich also, anders als bislang, entscheiden müssen: Was kann ich und was will ich zur Sicherheit meines Landes, in dem ich lebe, beitragen? Ist mir das egal? Will ich Verantwortung übernehmen, und wenn ja, an welcher Stelle? Die jungen Frauen und Männer werden sich mit ihren Freunden und Familien dann Gedanken über diese Fragen machen, wenn der Brief da ist, der die alte Erfassung ersetzt ‑ der Fragebogen, der dann digital ausgefüllt werden muss. Die Debatten, die es in den Familien, an den Arbeitsplätzen, in den Schulen und in den Universitäten geben wird, sind gewollt. Sie sind notwendig, weil es darum geht, das Bewusstsein zu wecken und zu verstärken. Erst aus dieser Debatte heraus werden Männer und Frauen, die gerade 18 geworden sind, auch eine Haltung entwickeln und eine wohlüberlegte, individuelle, selbstbewusste Entscheidung treffen können. Genau das ist die Stärke dieses Gesetzes.
Warum brauchen wir einen neuen Wehrdienst? ‑ Bei all den öffentlichen Diskussionen der vergangenen Wochen und Monate ‑ auch heute Morgen und in den letzten Wochen ‑ ist eines unstrittig: Die Bundeswehr muss aufwachsen. Die internationale Sicherheitslage, vor allem das aggressive Auftreten Russlands, erfordert dies. Wir brauchen nicht nur eine gut ausgerüstete Truppe ‑ da sind wir im vollen Lauf; dafür sorgen wir seit zweieinhalb Jahren und hören nicht auf ‑, sondern wir brauchen eben auch eine personell stark aufgestellte Bundeswehr. Erst dann ist Abschreckung als Ganzes gegenüber Russland auch wirklich glaubhaft. Anders ausgedrückt: Eine starke Armee ‑ personell und materiell ‑ ist das effektivste Mittel, um Kriege zu verhindern. Genau darum geht es hier. Das ist unser Ziel. Dafür brauchen wir nicht nur aktive Soldatinnen und Soldaten ‑ hier steigen die Zahlen bereits in bislang nicht gekannten Kurven an; das ist sehr erfreulich ‑, sondern wir brauchen zudem vor allem auch eine gut aufgestellte Reserve für die Jahre, die vor uns liegen. Genau hier setzt der Wehrdienst an; denn nach der Ausbildung bei der Bundeswehr sind die jungen Männer und Frauen Teil der Reserve. Alle Reservisten stärken die Truppe, stärken den Heimatschutz und entlasten die kämpfende Truppe dann, wenn es ernst werden sollte.
Damit wir einen Überblick haben, wer überhaupt zur Verfügung steht und wer überhaupt dort draußen ist, müssen wir die Wehrerfassung, die es seit 2011 nicht mehr gibt, wieder neu erfinden, genauso wie die Wehrüberwachung. Das wird der Kernpunkt gleich am Anfang sein. Die Freiwilligkeit erreichen wir dann vor allem durch die Attraktivität des Dienstes. Wir optimieren die Ausbildung und wir bieten Qualifikationsmodule für all diejenigen an, die länger als sechs Monate bleiben. Ich habe mir in Germersheim vor einigen Wochen ansehen können, wie die Ausbildung funktioniert und wie die Fortschritte sichtbar werden. Wir integrieren zum Beispiel die Drohnenausbildung für jeden Soldaten und jede Soldatin. Wir binden die jungen Männer und Frauen noch enger in die aktive Truppe ein. Keiner läuft nebenher; alle sollen mittendrin sein. Wir bilden sie zu Wach- und Sicherungssoldaten aus und wir qualifizieren sie zum erweiterten Heimatschutz.
Und ganz wichtig: Wir verbessern die Bezahlung. Der Sold wird künftig bei 2300 Euro netto liegen. Das ist eine deutliche Steigerung. Es fallen keine Kosten für die Unterkunft an, und es gibt keine Kosten für die Krankenkasse. Das ist also insgesamt ein Paket, das die Attraktivität gegenüber dem heutigen Status quo deutlich erhöht. Wir bieten außerdem flexible Ausbildungszeiten an. Jeder und jede wählt selbst, wie lange er oder sie zu uns kommen will. Ich kürze das an dieser Stelle ab, weil Sie alle die einzelnen Module kennen. Aber eines ist klar: Wir ermöglichen eine bestmögliche Qualifikation gerade bei denjenigen, die länger bleiben. Das können Sprachkurse, Führerscheine, IT-Lehrgänge und vieles andere mehr sein.
Trotzdem ist nicht garantiert, dass die Freiwilligkeit ausreicht ‑ der Bundeskanzler hat es angesprochen. Aber das Ziel des Aufwuchses einer Reserve von 200.000 bis zum Ende des Jahrzehnts ‑ sich zusammensetzend aus 100.000 aus der heute schon vorhandenen Reserve, die nicht beordert ist, und 100.000 durch den neuen Wehrdienst bis zum Jahr 2029/2030 ‑ darf nicht gefährdet werden. Deswegen ist klar, dass wir einen Mechanismus im Gesetz haben, der sagt: Wenn die Zahlen sinken, wenn die Zahlen nicht reichen, um die steigenden Kapazitäten, die wir in den nächsten Jahren aufbauen werden, zu füllen, und damit das Ziel der 200 000 nicht erreicht zu werden droht, dann werden wir diesen Mechanismus in Gang setzen müssen, dann wird das Kabinett entscheiden müssen und dann wird es einen Parlamentsbeschluss geben müssen. Dieser ist schon deshalb notwendig ‑ das will ich noch einmal unterstreichen ‑, weil seinerzeit auch die Wehrpflicht durch Gesetz außer Kraft gesetzt worden ist. Es braucht für die Wiederinkraftsetzung also ein entsprechendes Äquivalent. ‑ Meine Damen und Herren, so viel zum Wehrdienst. Auf Fragen gehe ich gerne später noch ein.
In aller Kürze noch zum Artikelgesetz Militärische Sicherheit: Dazu hat es in der alten Wahlperiode schon einen Anlauf gegeben. Es geht dabei um die Vereinfachung, die Beschleunigung von Sicherheitsüberprüfungen und die Digitalisierung. Es geht aber vor allen Dingen auch um den Schutz der Soldatinnen und Soldaten und ihrer Familien in Litauen und darum, dafür die Voraussetzungen zu schaffen, die bisher im militärischen Sicherheitsgesetz fehlen. All das haben wir heute auf den Weg gebracht.
Herr Bundeskanzler, ich bin Ihnen und dem ganzen Kabinett sehr dankbar für die Anwesenheit hier, aber auch für die ausgezeichnete Kooperation in den vergangenen Monaten ‑ nicht nur dann, wenn es um den Haushalt ging, sondern insbesondere auch jetzt mit diesen beiden wichtigen Gesetzesvorhaben für die Bundeswehr und damit für die Sicherheit in unserem Land. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Frage: Herr Bundeskanzler, Sie haben gesagt, Sie wollen die Bundeswehr wieder zur stärksten konventionellen Armee Europas machen. Der Schwachpunkt ist das Personal. Es gibt kaum jemanden in der Bundeswehr, der sagt, dass das mit diesem Gesetzentwurf, der keinen Automatismus hin zu Verpflichtungen wie in anderen Ländern sieht, möglich ist. Sie haben gesagt, gegebenenfalls werde nachgesteuert. Wann würde denn nachgesteuert ‑ schon 2026, falls dann deutlich wird, dass die Zielvorgaben für das Jahr nicht erfüllt werden?
Herr Minister Pistorius, müssten nicht auch jetzt schon Frauen stärker mit eingebunden werden?
Merz: Herr Kollege, wir haben heute ein Gesetz beschlossen, das einen bestimmten Ablauf und auch eine bestimmte Mechanik in Gang setzt. Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir die Bundeswehr zunächst auf der Basis der Freiwilligkeit aufwachsen lassen wollen. Das erreichen wir jetzt mit diesem Gesetz. Das wird jetzt sofort beginnen, bereits mit dem Jahr 2026. Wenn wir im Laufe der nächsten ein, zwei, drei Jahre sehen, dass die Zielgrößen nicht erreicht werden, dann haben wir im Gesetz für diesen Fall einen Mechanismus angelegt, der zu einer höheren Verpflichtung führen wird. Das erfordert dann noch einmal einen gesonderten Kabinettsbeschluss und einen gesonderten Bundestagsbeschluss. Jedenfalls aus heutiger Sicht bin ich aber zuversichtlich, dass wir zunächst jedenfalls die Zahlen, die wir brauchen, erreichen.
Alles andere wird man dann im Lichte der Entwicklung zu beurteilen haben. Ich bin aber wirklich dankbar, dass wir diesen Schritt heute gehen. Wir sind damit wieder zurück auf dem Weg hin zu einer Wehrdienstarmee. Das ist eine gute Entwicklung, die ich ausdrücklich begrüße. Wie gesagt, alles andere wird man dann im Lichte der Lage zu bewerten und zu beurteilen haben.
Pistorius: Herr Kollege, es ist, wenn ich das so salopp sagen darf, eine steile These zu sagen, Sie hätten noch niemanden getroffen, der gesagt hat, dass man das erreichen könne. Wahrscheinlich sollte das zur Anschärfung Ihrer Frage dienen. Das ist natürlich zulässig, aber lassen Sie mich entsprechend freundlich darauf antworten: Ich bin sehr zuversichtlich, und ich bin da beileibe nicht der Einzige. Die Erfahrungen aus Schweden und anderen Ländern lehren uns, dass das funktionieren kann ‑ insbesondere dann, wenn man in der Bezahlung und Ausstattung, aber eben auch in der Ausbildung attraktiv wird.
Wir haben für dieses Jahr 15.000 angepeilt und sind jetzt, im August, schon bei knapp 13.000 angelangt. Das heißt, die Zahlen steigen eben auch für den freiwilligen Wehrdienst schon jetzt an, ohne dass die Attraktivitätsmerkmale, von denen ich gesprochen habe, schon da wären. Es gibt also guten Grund zu der Annahme, dass wir Jahr für Jahr einen Aufwuchs um mehrere Tausend haben werden, bis hin zu rund 30.000 im Jahre 2029. Aber wie gesagt, wenn das nicht funktioniert, werden wir nachsteuern müssen.
Zur Frage eines Automatismus: Was wäre denn ein Automatismus? Heißt das, wir legen einen Rechenschieber an und sagen: Wenn es 50 zu wenig sind, dann gibt es einen Automatismus und niemand trifft mehr eine Entscheidung? Das wäre sehr merkwürdig, weil wir ja immerhin über eine Wehrpflicht reden, die wieder in Kraft gesetzt werden müsste. Von daher braucht es in jedem Fall diese Befassung.
Was die Frauen angeht: Wir haben keine Wehrpflicht für Frauen in Deutschland. Wir können Frauen nicht verpflichten, Wehrdienst zu leisten oder diesen Fragebogen, der ja nichts anderes als die alte Erfassung ist, auszufüllen. Also muss es doch darum gehen, eine Diskussion zu führen, die Frauen ermuntert, ebenfalls zur Bundeswehr zu gehen. Wenn jemand sagt, er wolle die Wehrpflicht erweitern oder in Gänze wieder einführen, dann kommen wir zwangsläufig an den Punkt, dann auch über Frauen zu reden. Das versteht sich von selbst, allein schon wegen Artikel 3 unserer Verfassung. Aber zum jetzigen Zeitpunkt würde es bedeuten, eine Grundgesetzänderung herbeizuführen, und da wir in diesen Fragen gerade alle keine Zeit zu verlieren haben, wäre das der falsche Weg und zu viel Verzögerung.
Frage: Ich habe eine Frage mit Blick auf die Besucherin, die Sie, Herr Minister, morgen hier haben, und mit Blick auf Ihre Gespräche, Herr Merz, in Frankreich. FCAS lautet das Stichwort, und es sieht diesbezüglich gerade wieder einmal nicht gut aus. Was erhoffen Sie sich, was wird am Ende dieser Woche besser sein als heute?
Merz: Zu diesem Thema gar nichts; denn darüber wird bei den deutsch-französischen Regierungskonsultationen nicht gesprochen werden. Ich habe mit Präsident Macron verabredet, dass wir im letzten Quartal des Jahres, also zum Ende des Jahres 2025, gemeinsam eine Entscheidung treffen, wie es mit FCAS weitergeht. Wenn Sie sich mit dem Thema etwas intensiver beschäftigen, wissen Sie vermutlich, dass es zurzeit auf der französischen Seite den Wunsch gibt, ein weiteres Unternehmen sehr umfangreich an dem Projekt zu beteiligen. Das macht die Sache nicht einfacher. Ich hoffe aber, dass wir hier zu einer Lösung kommen; denn wir brauchen in Europa ein neues Kampfflugzeug, das entwickelt werden muss, und wir haben es zurzeit aus eigenen Beständen und aus eigener Produktion nicht. Deswegen möchte ich, dass wir zum Jahresende zu einer Entscheidung kommen, wie das Projekt weitergeht.
Frage: Herr Bundeskanzler, Herr Minister, ich habe auch eine Frage zu den Zielmarken bzw. zu der Kritik daran, dass es keine genauen Zielmarken gibt. Sind Sie im Kabinett übereingekommen, zu welchem Zeitpunkt Sie eine Bilanz ziehen wollen, wie und wann Sie entscheiden, ob dieser Weg ausreichend ist?
Merz: Der Bundesverteidigungsminister hat ja auf einen Sachverhalt aufmerksam gemacht, der von allen, die jetzt sehr schnell Aufwuchs haben wollen, offensichtlich nicht hinreichend berücksichtigt wird. Wir alle wollen sehr schnell den Aufwuchs sehen, aber es gibt eine Reihe von objektiven Kriterien, wie ein solcher Aufwuchs stattfinden kann. Die zwei wesentlichen Kriterien sind Standorte und Ausbilder, und wenn wir die nicht haben, dann können wir heute nicht 350.000 junge Männer in Deutschland zum Wehrdienst einberufen. Uns fehlen die Kasernen und uns fehlen die Ausbilder. Das heißt, das muss jetzt alles von unten wieder aufwachsen. Dieser Aufwuchs wird jetzt forciert. Wir gehen jetzt wirklich an diese Arbeit heran, mit dem erklärten Ziel ‑ Zielmarke Boris Pistorius ‑, 260.000 Soldatinnen und Soldaten in Deutschland zu haben. Diese Zielmarke wollen wir erreichen.
Was mein Ziel betrifft ‑ und ich wiederhole hier, was ich im Deutschen Bundestag und bei anderer Gelegenheit gesagt habe ‑, so ist Deutschland aufgrund seiner Größe und seiner wirtschaftlichen Stärke das Land, das in der NATO auf europäischer Seite die stärkste konventionelle Armee haben muss. Diesem Ziel ordnen wir die Entscheidungen unter, die wir gemeinsam treffen.
Pistorius: Ich würde das gerne um einen Gesichtspunkt ergänzen, den ich schon das ein oder andere Mal genannt habe.
Die Kasernen sind das eine ‑ etwa 130 Standorte sind in den letzten 25 Jahren verschwunden oder umgewidmet worden. Die ersetzt man nicht mal eben so, aber man bräuchte sie, um große Zahlen von wehrpflichtigen Wehrdienstleistenden dann entsprechend ausbilden zu können.
Die Frage, die sich stellt, ist also: Wie viel können wir in den nächsten Jahren ausbilden? Das richtet sich danach, wie schnell wir die Kapazitäten aufbauen können, also Unterkünfte in bestehenden Standorten oder Revitalisierung von alten Standorten. Dafür haben wir einen Plan entwickelt, auch mit durchaus unkonventionellen Mitteln, mit hoher Beschleunigung auch durch ein Infrastrukturgesetz, das noch kommt, aber auch bei der Beschaffung. Das Ziel ist, in den nächsten Jahren aufwachsend von 2025/26 bis 2029 dann auf 25.000 bis 30.000 pro Jahr zu kommen. Wenn Sie diese Jahre dann zusammenzählen, kommen Sie auf gut 110.000 Wehrdienstleistende, die in diesen Jahren ausgebildet werden konnten. Das ist dann der Teil der Reserve, der sofort über die Jahre aufwachsend zur Verfügung steht ‑ plus 100.000 aus der bisherigen Reserve macht das 200.000. Hinzu kommt der Aufwuchs der stehenden Streitkräfte, der auch noch eine Herausforderung sein wird. Dann sind wir bei den Zahlen, über die wir reden, und auch da geht es um Attraktivität.
Von daher haben wir einen Aufwuchspfad, der auch der Signalgeber dafür ist, dass wir handeln müssen, wenn etwas nicht so läuft, wie es laufen müsste ‑ und genau darum geht es.
Merz: Vielen Dank und frohes Schaffen allerseits!
(Foto oben: Bei der Kabinettsitzung im abhörsicheren Konferenzraum des Verteidigungsministeriums, dem so genannten U-Boot, v.l. Generalinspekteur Carsten Breuer, NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich, Bundeskanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius, Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt; Foto unten: Das Bundeskabinett mit NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich und Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer im Bendlerblock – Fotos Christoph Kassette/Bundeswehr. Wer alle Personen auf dem zweiten Foto benennen kann, bekommt Fleißpunkte)

Sehe ich das richtig, dass in dem aktuellen Gesetzentwurf keine Dauer des Grundwehrdienstes steht, oder habe ich da was überlesen?
Mal ehrlich, was ist das für ein gemurkse. Anstatt endlich die generelle Dienstpflicht für Frau/Mann einzuführen wird eine Luxus Wehrpflicht eingeführt 🙈. Ich habe den Eindruck das unsere Führungskräfte immer noch kneifen oder in einer Blase leben. Jetzt ist es doch so das ein paar arme Nasen unter Umständen für eine Wehrpflicht fürstlich entlohnt eingezogen werden, während alle anderen was mache? Party, das Leben genießen. Hab ich Verständnis aber ich empfinde das als absolut unfair, Falls ich was falsch verstanden haben sollte,so bitte ich das zu entschuldigen.
Passend zur Gesamtlage, Oberst Wüstner erwartet „Ausdünnung“ von U.S. Truppen in DEU und Europa in kommenden zwei Jahren mit ff wachsender Verantwortung für DEU und die Bw.
https://www.phoenix.de/sendungen/ereignisse/phoenix-vor-ort/ua-pressekonferenzmitfrie-a-5017697.html
[habe den Umweg über X und die englische Version mal durch den Link zur phoenix-Seite mit dem Originalinterview mit Wüstner ersetzt. T.W.]
Das Gen Alexus Grynkewich im Kabinett vorträgt werte ich als positives Zeichen der Zusammenarbeit mit den USA, denn sicherlich war Trump informiert.
Moin,
man könnte die zivile Bewachungserlaubnis gem. Paragraf 34 GewO und den Brandschutz- und Evakuierungshelfer in die nunmehr halbjährliche Grundausbildung integrieren.
Zivile Qualifikationen würden den Dienst für Arbeitgeber-/Nehmer attraktiver machen, die Bw gem. der Inneren Führung tiefer in die Gesellschaft integrieren und zur Qualitätssicherung beitragen.
Ferner könnten UA/FA/OA die Qualifikation zum Ausbilder gem. AEVO erhalten.
Entschuldigung ob der Polemik upfront: ich Danke dem Herrngott, dass auf dem Photo wenigstens nicht der *neue* Rüstungsstaatssekretär zu sehen ist. Hoffentlich bleibt es so. D A N K E / P.S: Cooler Move den SACEUR einzuladen – Bordesholm und Köln schreien sicherlich Zeter und Mordio. Gut so!
Moin,
man könnte perspektivisch auch die ohnehin bestehenden Gesundheitsämter mit der Musterung beauftragen.
Die Kommunen benötigen finanzielle Unterstützung, die nächste Pandemie kommt bestimmt und es entspräche den Grundsätzen von Subsidarität und Auftragstaktik.
Video zur Pressekonferenz Merz/Pistorius bei phoenix:
https://youtube.com/watch?v=GgCB70dHPjo
„Durch die Änderungen im SG zur Einrichtung des Neuen Wehrdienstes durch Abschaffung
des bisherigen FWDL werden alle befristet dienenden Soldatinnen und Soldaten künftig in
das Dienstverhältnis einer Soldatin auf Zeit oder eines Soldaten auf Zeit (SaZ) berufen.
Durch diese Berufung mit einer flexiblen Mindestverpflichtungsdauer des Wehrdienstes im
Status SaZ werden künftig für diese Gruppe der Soldatinnen und Soldaten ebenfalls das
Bundesumzugskostengesetz und die Trennungsgeldverordnung des Bundes unmittelbar
zur Anwendung kommen.“ <— Mehr finde ich auch nicht.
Hallo Herr Wiegold, danke für Ihre Arbeit.
Könnten Sie die Punkte bezüglich der militärischen Sicherheit, des NSR und der Einschätzung der sicherheitspolitischen Lage auch darstellen?
Gibt es mit Sicherheit irgendwo, aber nicht mit Ihrer Brille/ Bewertung
Glasklar, dass der dringende Aufwuchs so weder qualitativ noch quantitativ erreichbar sein wird. Aber der Herr Minister bleibt eben wie unser verflossener Bundeskanzler (was zweifellos seiner Partei geschuldet ist) hinter seinen markigen Worten und seinem entschlossenen Auftreten in der Praxis meilenweit zurück. Immerhin hat er Stellen für Parteifreunde im Ministerium geschaffen, auch ein Erfolg.
Es ist angesichts einer brisanten Sicherheitslage (und wie lange wir uns hinter der polnischen Panzertruppe noch verstecken können, dürfte nicht sicher sein) ein einziges Trauerspiel,
Ich bin jetzt 65 Jahre alt und meine Wehrdienstzeit hat meiner Biografie nicht im geringsten geschadet, auch wäre ich anders nicht zum LKW- und Kettenführerschein gekommen. Selbst meine 300 Tage KFOR und 400 Tage ISAF waren alles andere als verlorene Zeit. Als abgehalfterter Reservist kann ich ja nur noch aus der unsicheren bzw. nicht vorhandenen Deckung zuschauen, wie sich im schlimmsten Fall eine Katastrophe anbahnt.
Nationaler Sicherheitsrat:
„Unter Vorsitz des Bundeskanzlers besteht der Nationale Sicherheitsrat aus folgenden Mitgliedern:
– Bundesminister der Finanzen (Stellvertreter)“
Weshalb ist der Finanzminister Stellvertreter, weil Klingbeil derzeit BMF und „Vizekanzler“ ist, bei anderer Personalie wechselt dann die Funktion im Stellvertreter-Posten?
Das bedarf der Erläuterung, sollte neutraler ausformuliert werden.
War genau so zu erwarten.
Alleine dieses „Anschreiben“ aller 18jähigen deutschen Staatsbürger ist ja nichts was aller Wahrscheinlichkeit nach zu irgendwann wirklich grösseren Zahlen führen würde.
Die 2000 € Netto für Menschen völlig ohne Ausbildung für einen kurzen „Verpflichtungszeitraum“ aber sehr wohl. Gab es meines Wissens in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht… erst recht wenn man dies auf eine evtl. kommende Wehrpflicht mit hohen Personenzahlen anwendet.
Da kann keiner sicher sagen „das klappt nie“ oder aber „das ist jetzt wirklich der gamechanger“.
Dies ermöglicht der Regierung aber eine gesichtswahrende Lösung für alle Flügel aller beteiligten Parteien. Im Falle bspw. einer festgeschrieben „Pflicht“ wäre das wohl nicht der Fall gewesen…
Man kann recht sicher davon ausgehen das die aktuelle Regierung das Thema Wehrpflicht in ihrer Legislaturperiode nicht mehr anfassen wird.
Denn dann würde es u.a. extrem unangenehme Begleitprobleme geben wie die Verwendung in Auslandseinsätzen von zwangsverpflichteten „Zeitsoldaten“.
Da gab es eine echte Evolution:
– Im kalten Krieg in Friedenszeiten waren Auslandseinsätze der BW gesetzlich verboten
– Nach dem kalten Krieg mit der Gesetztes-Reform erlaubt, aber mit Ausnahme von Wehrpflichtigen
– Derzeit in der BW grundsätzlich möglich da es ja keine Wehrpflicht mehr gibt
@LuckySailor: In Para 2a steht, der Wehrdienst dauert 6 bis 12 Mon. Die exakte Dauer wird in einer RVO festgelegt, der der BT zustimmen muss. Eine Rechtsverordung ist eine Rechtsnorm, die durch die Exekutive
erlassen wird, auf Basis einer gesetzlichen Ermächtigung. Das soll eine schnelle Anpassung außerhalb eines förmlichen Gesetzgebungsverfahrens ermöglichen. Warum der BT dann noch einmal der RVO zustimmen muss, obwohl sie bereits den Rahmen dafür gesteckt haben, erschließt sich mir nicht. Also je nach Bedarf 6 bis 12 Monate. Da würde ich doch mal mit 12 anfangen. Mal sehen was der BT dazu sagt.
@Berlinerratte, weil eine allgemeine Dienstpflicht für alle so nicht im Grundgesetz steht und die nötige Mehrheit für eine Änderung nur mit den „falschen“ Parteien möglich wäre.
Und dann ist da noch EMRK die einen Pflichtdienst nur zu wenigen, eng definierten Zwecken erlaubt.
Zunächst einmal: „Politik ist die Kunst des Möglichen“. Vieles was wünschenswert oder erforderlich wäre läßt sich kurzfristig nicht umsetzen:
– allgemeine Wehrpflicht „alter Art“: fehlende Wehrgerechtigkeit und Zivildienstplätze
– Einberufung von Männern und Frauen: Grundgesetz
– allgemeine Dienstpflicht: Europarecht, u.a.
– Automatismus bei Verfehlung der Ziele: dem stimmt kein Parlament zu
Zudem müßte dann geregelt werden wie denn die Personen zum Auffüllen des Fehl ausgewählt würden.
Zum Thema Vergütung: der Abstand zu jungen Uffz / Fw / Offz wäre bei EUR 2.000 (netto) eindeutig zu gering.
Eine Art NSR haben wir bereits, das Sicherheitskabinett sowie den Bundessicherheitsrat. Nur daß es jetzt eben formalisiert ist mit eigenem Stab:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheitskabinett
https://de.wikipedia.org/wiki/Bundessicherheitsrat
Davon ab: könnte man die RWDV nicht auch in ein SaZ-Verhältnis umwandeln ? Die Berufung erfolgt ja ebenfalls zeitlich befristet (auf drei bzw. fünf Jahre).
Wichtiger Nachtrag:
Warum wird die Regierungskoalition (2025 bis 2029) keine Wehrpflicht einführen ?
…
Es würde wahrscheinlich Diskussionen geben die zumindest an den Rand einer Zerreißprobe führen.
Warum ?
Ganz früher ( 1950er bis 1980er Jahre ) gab es im Vorfeld der Diskussion um eine Wehrpflicht die „Sorge“ es könnzen zuviele verweigern.
Das „Problem“ wurde mit einer „Gewissensprüfung“ ( bis 1983 ) in Tateinheit mit deutlich längerem Zivildienst „gelöst“.
( Die vielen Anführungszeichen verdeutlichen das Problem ).
Exakt die gleiche Diskussion gäbe es dann wieder. Erschwerend käme hinzu die Wiedereinfühung eines Zivildienstes. Aber nur für die Verweigerer. Wobei lange nicht alle Jungs eines Jahrgangs eingezogen würden Das würde wahrscheinlich juristische Anfechtungen nach sich ziehen zumal wenn der Ersatzdienst dann noch deutlich geringer bezahlt würde…
Formaljuristisch wäre das vermutlich alles lösbar ( war es ja früher auch ).
Aber heute gibt es eben Parteien die es in dieser Form früher nicht gab. Und die die Klaviatur der sozialen Netzwerke ( die es früher auch nicht gab ) perfekt zu bedienen wissen.
Den vorraussehbaren Shitstorm wird sich keine Partei die noch bei Verstand ist vor den nächsten Wahlen geben…
Ich fürchte, das Verteidigungsministerium hat seinen eigenen Gesetzesentwurf nicht gelesen! Das neue Gesetz hebt den FWD völlig auf, welcher bisher einen Wehrdienst von 6 – 23 Monaten Freiwillig vorsah, wobei 6 Monate Probezeit waren und man um 17 Monate maximal verlängern konnte und minimal um einen Monat auf 7 Monate verlängern musste. Auch der Paragraph zur Probezeit wird vollständig aufgehoben.
Im neuen Gesetz steht aber nur noch ein möglicher Wehrdienst von 6 – 12 Monate(je nach Rechtsverordnung) und eine Verlängerungsmöglichkeit nur noch um 1 – 5 Monate maximal! Der Werhrdienst wird also von maximal 23 Monaten auf maximal 17 Monate verkürzt. Auf welche Dauer jetzt Soldaten auf Zeit minimal berufen werden können oder sollen, steht nicht im Gesetz.
Wir haben jetzt was von Soldaten auf Zeit bis 11 Monate bzw. Soldaten auf Zeit bis 23 Monate gelesen bei Generalleutnant Sieger, aber davon steht nichts im neuen Gesetz!! Soll dies durch eine Rechtsverordnung oder einen Erlass geregelt werden?
Ob der neue Wehrdienst eine Probezeit hat, steht ebenfalls nicht im Gesetz. Da der alte Wehrdienst keine Probezeit hatte, ist zu vermuten, daß auch der neue Wehrdienst keine Probezeit enthält.
Aber haben die neuen SaZ kurz und lang jetzt eine Probezeit oder nicht? Es war neulich nur zur Probezeit bei Zeitsoldaten zu lesen, daß für diese eine Probezeit per Vorordnung von 6 Monaten bestehen solle, diese aber jederzeit gekürzt oder abgeschafft werden könnte, weil diese Probezeit(im Gegensatz zum FWD, wo die Probezeit im Gesetzt ausdrücklich stand). Aber im neuen Gesetz steht zu dieser wichtigen Frage wieder nichts.
Neu ist, daß die BW es nach 14 Jahren Diskussion geschafft hat, eine Führerscheinregelung ins Gesetz zu schreiben. Demnach soll es einen Zuschuß zum PKW Führerschein von bis zu 3.500 EUR geben! Ich verstehe allerdings nicht, warum keine Zuschüsse zum Motorrad oder LKW Führerschein vorgesehen sind oder warum die BW nicht einfach kostenlose Führerscheine durch die BW selbst anbietet? Allerdings war zuletzt zu lesen, daß eine Führerschein in Deutschland im Moment durchschnittlich 4.500 EUR kosten würde. Der Zuschuß deckt also nicht die tatsächlichen Kosten und es ist zu besorgen, daß die Bearbeitung dieses Zuschußes, für welchen viele Unterlagen verlangt werden, viele Monate dauern wird. Jeder Soldat wird den Führerschein also aus eigener Tasche vorfinanzieren müssen und dann eine Ewigkeit auf den Zuschuss warten müssen. Warum so ein Bürokratiemonster, anstatt jedem Soldaten, der seinen Führerschein macht , gleich einen Gutschein über 3.500 EUR in die Hand zu drücken?
Was die Wehrpflicht selbst angeht, so ist dieses Gesetz bereits die Ermächtigung für einen neuen, verpflichtenden Wehrpflicht! Das BVerfG verlangt für jeden Grundrechtseingriff ein Gesetz und dies erfüllt das neue Gesetz schon. Die echte Wehrpflicht soll ohne neues Gesetz, nur durch Rechtsverordnung der Regierung mit Zustimmung des Bundestages in Kraft gesetzt werden dürfen. Nicht automatisch leider, aber es braucht kein Gesetz mehr, d.h. der Bundesrat wird nicht mehr gefragt & könnte keinen Einspruch mehr gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht erheben, wie sonst gegen Gesetze(die nicht der Zustimmung des Bundesrates unterliegen).
@Thomas Melber, fehlende Plätze für den Zivildienst sehe ich jetzt nicht unbedingt als Hindernis für eine Reaktivierung der Wehrpflicht. Die dürften sehr zügig geschaffen sein. Einfach auf die vorhandenen Plätze für FSJ und Bufdi ein anderes Label kleben.
@all
Oben im Nachtrag der Wortlaut der kompletten Pressekonferenz von Kanzler und Verteidigungsminister (und da wird auch die hier immer wieder gestellte Frage angesprochen, warum für Frauen keine Verpflichtung vorgesehen ist).
Ansonsten noch die dringende Bitte, bei den Formulierungen nicht in die unterste Schublade zu greifen. Einige Kommentare finden nicht statt, weil da ein Ton angelegt wird, der keinem gut tut.
Closius sagt:
28.08.2025 um 0:24 Uhr
Bitte beachten das durch das WDmodG drei Sachverhalte geregelt werden sollen:
+ Wegfall des Dienstverhältnis als FWDL zum 31.12.2025
+ freiwilliger Wehrdienst ab 01.01.2026 im Dienstverhältnis SaZ
+ ggf. verpflichtender Wehrdienst als Wehrpflichtiger 6 bis 12 Monate (+ggf. freiwillige Verlängerung)
Das Dienstverhältnis als SaZ wird anhand der aktuell bestehenden Vorgaben aus
Soldatengesetz und SLV gestaltet. Die Mindestdienstdauer wird dabei vom BMVg festgelegt.
Planungen sehen dabei vor
+ SaZ-kurz 6 – 12 Monate
+ SaZ-lang 12 – 23 Monate
Das es diese zeitliche Begrenzung auf weniger als 2 Jahre geben soll, kann man an der im Gesetz
stehenden Ergänzung zum BBesG ersehen:
„§ 27 Absatz 2 wird wie folgt geändert:
a) Nach Satz 1 wird der folgende Satz eingefügt:
„Ausgenommen von dieser Anerkennung sind Soldaten auf Zeit mit einem Dienstverhältnis von weniger als zwei Jahren.“
D.h. für diese Soldaten bleibt es bei der Besoldung bei Erfahrungsstufe 1.
Es werden keine Erfahrungszeiten anerkannt, wie bei den länger dienenden SaZ-Mannschaften.
Auch hier ist damit zu rechnen, dass die bestehenden Regeln für SaZ Anwendung finden werden.
Hier ist es die Regel, dass die Soldaten eine sog. „Widerrufliche Verpflichtungserklärung“ unterschreiben.
Diese beinhaltet die 6-monatige Widerrufsmöglichkeit.
Sollte es dazu kommen das Wehrpflichtige einberufen werden, gibt es logischerweise diese Möglichkeit nicht.
Es ist dann ja ein gesetzlich normierter Pflichtdienst.
Die Ausrede mit der Grundgesetzänderung, damit auch Frauen der Wehrpflicht unterliegen, höre ich jetzt seit Jahren. Währenddessen tobt in der Ukraine weiter der Krieg. Wie viele Jahre soll Russland noch in einem europäischen Land wüten bevor man die rosa/rote Brille absetzt und begreift, dass man nicht einfach so auf 50% aller möglichen Wehrpflichtigen verzichten kann, nur weil es unbequem ist eine Änderung des Grundgesetzes zugunsten der Gleichberechtigung anzustreben? Es ist nicht „5 vor 12“, das war es bereits 2014 bei der Annexion der Krim.
„Man hat sich bemüht …“
Aber immer noch nichts begriffen. Aus Angst vor der Bevölkerung. oder dem eigenen Wähler, wird rumgeeiert,
obwohl man weiß, dass es nichts werden wird mit dieser „Freiwilligkeit“. Kriegstüchtig oder verteidigungsfähig, egal wie man das nennt, es ist nicht bei der Bevölkerung angekommen, dass es vorbei ist mit Friede, Freude, Eierkuchen. Wehrpflicht jetzt, für alle! Auch wenn es beim Deutschlandtempo Jahre brauchen wird, bis wir davon auch nur die Hälfe zum Dienst heranziehen können. Aber man muss mal anfangen. Planungs und Vergabeverfahren radikal verschlanken. Bei den Flüssigkeitsterminal gings das ja auch.
Wie soll man in der Truppe den Gruppenführen in die Augen schauen und sagen. Das was ihr auf euch nimmt ist richtig.
Machen wir die Rechnung auf. (SaZ)
A3 JG Stufe 1 StK 1: 2364.49€ Netto dazu evtl. noch die 150€ pro Monat für die Verlängerung.
A6 SU Stufe 2 Stk 1: 2524.34 € Netto.
A7 OFw Stufe 3 StK 1: 2731.91€ Netto.
Was ist das für ein Witz? Es ist kein wunder, dass länger gediente Soldaten sich nicht wertgeschätzt fühlen und die Nase voll habe. Der Monetäre Ansatz passiert immer nur auf der untersten Ebene, kaum perspektiven zur Steigerung, damit keine SaZ Gewinnung Richtung mit und ohne Portepee.
Unsere Soldaten bilden sich weiter machen eine ZaW + militärische Ausbildung und sind Jahre lang unterwegs für mehr Verantwortung Materiell und Personell für am Ende 200-300€ mehr. Also ich bitte ich euch.
Ich kann meine Kameraden verstehen, das sie nicht mehr länger bei der Bundeswehr dienen möchten.
Wir brauchen dringend mehr Abstand zwischen den Dienstgraden von Jg-Lt.
16 Dienstgrade Stufe 1:
JG:2364.49 € Netto
Lt: 2820.60 € Netto
Ich weiß, dass die Dienstzeit da auch ein Aspekt ist. Ich finde die Verdeutlichung der Stufe 1 aber interessant.
Die nötige Zeit für eine GG-Änderung als Grund zu nehmen, warum man die Diskussion über Wehrpflicht für Frauen gar nicht führt, ist ja wohl absurd. Als sei es nicht möglich, diese Entscheidung wie sie jetzt getroffen wurde zu treffen und parallel dazu darüber zu sprechen, wie man das in Zukunft halten wird. Stattdessen ruht man sich drauf aus, dass ja auch Frauen sich mit dem Thema auseinandersetzen werden, weil ein Brief kommt, den sie nicht beantworten müssen und watscht die ganze Thematik in einem Satz ab. Kann doch wahrlich nicht so schwer sein, sich mal hinzustellen und zu sagen, dass das eine Diskussion ist, die man führen will und muss und diese dann auch selbst anzuregen.
@closius
„oder warum die BW nicht einfach kostenlose Führerscheine durch die BW selbst anbietet? “
Ja, das ist mir auch unverständlich. Es wäre natürlich nicht trivial, das von heute auf morgen aufzuziehen, aber grundlegend sollten Soldaten ja Kraftfahrzeuge bedienen können, also warum wird das nicht generell Teil der Ausbildung?
Und die von Stubenvieh angedachte 34GewO usw auch? Umso mehr praktisch nützliches Wissen man beim Bund erwerben kann, umso höher wäre dann auch generell die Attraktivität.
„(…) in den nächsten Jahren die Wehrpflicht automatisch wieder in Kraft zu setzen,(…)“
*Grundwehrdienst
Die Wehrpflicht ist in Kraft.
@Ferngärtner: „Die Ausrede mit der Grundgesetzänderung … höre ich jetzt seit Jahren.“ Das ist keine Ausrede, sondern Teil der Situation. Art. 12 a Abs. 1 GG besagt, dass Männer zum Dienst „in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband“ herangezogen werden können. Art. 12 a Abs. 4 Satz 1 GG begründet die Möglichkeit, Frauen zu Dienstleistungen im zivilen oder auch militärischen Sanitäts- und Heilwesen herangezogen werden können, wenn der Bedarf auf freiwilliger Grundlage nicht gedeckt werden kann. Vor diesem Hintergrund sind die berühmten Worte „Sie dürfen auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden“ (Art. 12 a Abs. 4 Satz 2 GG) , mit Nietzsche zu sprechen, nur noch die Verzückungsspitze auf einem Bau, den der Verfassungsgeber, die Lehren aus der Geschichte ziehend oder ziehen wollend, felsenfest und nahezu uneinnehmbar gegründet hat – denn jede Änderung bedarf der Zweidrittelmehrheit (Art. 79 Abs. 2 GG). Die Entscheidung EuGH, Urt. v. 11.01.2000 (Tanja Kreil) hat daran nichts geändert, weil sie nur den freiwilligen Dienst von Frauen in den Streitkräften betraf. All das mag wenig zufriedenstellend sein, aber so ist es nun einmal – eine Ausrede ist es jedenfalls nicht; eher eine Problemanzeige.
Was noch nachzutragen wäre: Die Attraktivitätsoffensive über 2000€ netto als Gamechanger und der gleichzeitige Verzicht auf die Wehrpflicht macht aus einer Volksarmee eine Söldnerarmee. Abgesehen, dass sich Herr Scharnhorst (der den Bürger als naturgemäßen Verteidiger seiner Heimat gesehen hatte) im Grabe umdreht, zeigt die Geschichte, dass Söldnerarmeen durchaus unzuverlässige und problematische Werkzeuge in der Kriegsführung waren. Nach meinem Eindruck fehlt der aktuellen Entwicklung sehr viel Philosophie und Geschichtskenntnis. Außerdem fehlt völlig eine politische Transparenzoffensive, die die Notwendigkeit der Verteidigungsbereitschaft und den Blick auf den potenziellen Gegner verständlich macht. Aber hier rotiert auch Helmut Schmidt in seinem Grabe, der klar dafür plädiert hatte, unbequeme Entscheidungen durchzuziehen aber auch seriös und transparent zu erklären. Das Ganze macht einen sehr unprofessionellen und nur auf Umfragewerte schielenden Eindruck.
Für mich hat Oberst Wüstner gestern in vielen Interviews die richtigen Punkte gemacht und nun werden wir sehen, ob der Verteidigungsminister mit seiner „Wette auf die Zukunft“ richtig liegt. Dieser war am Abend bei den Tagesthemen voller Optimismus mit Blick auf den Aufwuchs. Im BMVg wird dieser Optimismus auf Referentenebene (wie in den Kommandos) nicht wirklich geteilt. Auch nicht in der Truppe oder im BAPers, wobei letzteres bei Bedarf schuldig gesprochen wird. Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Einerseits wird die Bedrohungslage mehr als nur düster beschrieben und andererseits setzen wir beim Personal auf das Prinzip Hoffnung.
Auf eine Frage ging das BMVg noch überhaupt nicht ein. Wie will man bei den längerdienenden Zeit- und Berufssoldaten schnell in den Aufwuchs kommen, wo wir doch heute schon in allen OrgBer überplant (im Minus) sind?
Ach ja, und wer verantwortet nun eigentlich den Prozess und die Synchronisierung des Aufwuchses in den unterschiedlichen Planungskategorien? Ach so, aktuell keiner. Aufgrund der ReOrg BMVg kann man das vermutlich erst Mitte 2026 beantworten.
Zum SACEUR: gut, dass er da war. Ob damit verbunden ein Commitment zur Präsenz von US-SK in Europa steht, bezweifle ich. Vermutlich ging es vielmehr darum, welche Risiken man in der Verteidigungsplanung zu Gunsten etwaiger Sicherheitsgarantien in Kauf nehmen könnte. Und natürlich seine grundsätzlichen Anmerkungen zur Lage.
Abschließend: Gut, dass gestern und heute das Thema überhaupt derartigen medialen Niederschlag fand. Die Debatte ist schon ein Wert an sich. Lasst uns in unserem Umfeld einen Beitrag dazu leisten.
@Andreas Maase
Danke für die Erklärung.
Es frustriert mich einfach, dass wir nach Tschetschenien 1/2, Georgien, den Syrien-Abenteuern und der Krim weiterhin blind und naiv gegenüber Russland waren und den Zug quasi auf uns haben zurollen lassen. Und jetzt, 3 1/2 Jahre nach Beginn der Vollinvasion steht dann endlich mal ein Beschluss bezüglich der Wehrpflicht.
@sakrileg, die nötige Änderung des Grundgesetzes für eine geschlechtsneutral Wehrpflicht ist keine Frage der Zeit sondern eine des wollen. Aktuell wäre die dafür nötige 2/3 Mehrheit im Bundestag nur zu bekommen wenn die „falschen“ Parteien mit zustimmen. Bzw in diesem Fall nur die eine weil die andere eher für eine Abschaffung der Wehrpflicht zu begeistern wäre.
„Das ist keine Ausrede, sondern Teil der Situation. Art. 12 a Abs. 1 GG besagt, dass Männer zum Dienst „in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband“ herangezogen werden können. “
Ja und? Kann man doch ändern. Der Satz stammt von den Vätern des Grundgesetzes, die ums Haar den Frauen im GG die Gleichberechtigung verwehrt hätten. Allerhöchste Zeit also, dass die letzte Bastion in Sachen Gleichberechtigung fällt. Das Grundgesetz muss geändert, muss man halt mit den Linken reden, und bitte namentlich abstimmen, damit man sehen kann, wer Frauen und Vaterland verraten will.
Was meiner Beobachtung nach bislang keine Rolle in den Planungen spielt: Wo sollen denn die ganzen Reserveoffiziere herkommen, die dann Teileinheiten und Einheiten der neuen Reservisten führen sollen? Die Finnen sichten systematisch Talente unter den Wehrpflichtigen. USA und GB haben traditionell starke Reserve Officer Trainings Corps in vielen Universitäten und bilden eigentlich seit einhundert Jahren „immer über den Tagesbedarf hinaus“ aus. Und in Deutschland? Neulich sprach ich mit einem Kommmandeur B3, der mit der Abkürzung adW bei ROA adW nichts anfangen konnte… Ohne zusätzliche ROA adW – Programme für die Altergruppe 25 – 40 wird man das nötige Fach- und Führungspersonal nicht bekommen.
Eine allgemeine Wehrpflicht per 01.01.2026 wäre organisatorisch nicht umzusetzen.
Ich sehe die aktuelle Regelung als Zwischenlösung, die wahrscheinlich langfristig zu einem allgemeinen Wehrdienst führt. Eventuell nach dem dänischen Modell (Losverfahren).
Der fehlende Erfolg der Bundeswehr seit über 10 Jahren ausreichend Freiwillige zu gewinnen, reicht als Entscheidungsgrundlage aus, zu entscheiden, dass ohne Wehrpflicht Deutschland seinen eigenen Sicherheitsinteressen und Verpflichtungen gegenüber den NATO-Partnern nicht nachkommt. Das wird uns teuer zu stehen bekommen.
Die Wiedereinführung der Wehrpflicht nun wieder Jahre zu verzögern, spricht für den fehlenden Mut der Politik endlich die Wahrheit zu akzeptieren. Stattdessen wir d weiter so getan, als ob wir Zeit hätten. Und wenn dann die Wehrpflichtigen irgendwann doch kämen, fehlt es an Infrastruktur. Also das funktioniert doch hinten und vorne nicht. Man kann nur den Kopf schütteln.
Ohne Wehrpflicht und zwar für alle Geschlechter, wird es auf Dauer nicht gehen. Da helfen keine Fragebögen oder mögliche Führerscheinzuschüsse.
Ob die 2/3 Mehrheit dafür dann mit den „falschen“ Stimmen zustande kommt ist unerheblich. Gerade da würde es sich zeigen wer die zukünftige Verteidigungsfähigkeit Deutschlands politisch unterstützt und es ernst meint.
Interne Lagebeurteilung eines Oldtimers:
Die deutschen Politiker vertrauen auf die Motivation und Einsatzbereitschaft der polnischen Armee und hoffen darauf, dass diese waehrend ihrer Legilaturperiode stand haelt.
Polen hatte 1939 auch Sicherheitsgarantien seiner europaeischen Buendnispartner. Die Historie hat notiert wie das ausgegangen ist.
Cheers
@Christian-Jürgrn Bühring
„spricht für den fehlenden Mut der Politik endlich die Wahrheit zu akzeptieren“
Der SPD fehlt der Mut zur Positionierung gegen den Mützenich-Flügel und die Basis.
Dabei waren es doch gerade Sozialdemokraten, die den Mut hatten, als richtig Erkanntes gegen die Partei durchzusetzen:
Schmidt mit dem Doppelbeschluss und Schröder mit seiner Agenda 2010.
Beide wurden allerdings auch nachhaltig abgestraft.
Ein Klingbeil will Kanzler werden, die Entschlossenheit gegen die Partei zu entscheiden fehlt somit. In der Folge kann die Union ihre Absicht zur WPfl nicht umsetzen.
Die Fakten werden beiden in ’29 helfen, pünktlich zur nächsten Wahl.
@Windlicht
Die Reserveoffiziere (außerhalb des Wehrdienstes adW und innerhalb des Wehrdienstes iW) werden anhand jährlich festgelegter Bedarfe der Teilstreitkräfte eingestellt. Die Trendwende Personal (Beschlusslage aus 2016) hat dahingehend von einer „deutlichen Stärkung der Reserve“ gesprochen. Ich selbst habe allerhöchstes Vertrauen in die Personalstrategen im Kommando Heer (als größter Bedarfsträger) sowie die für die Reserve/ Heimatschutz wichtigsten Bereiche Logistik und Sanität. Von daher ist davon auszugehen, dass die dortigen hoch besoldeten Kollegen für die Bedarfsdeckung innerhalb der vergangenen neun Jahre gesorgt haben – ist ja schließlich deren Job.
„spricht für den fehlenden Mut der Politik endlich die Wahrheit zu akzeptieren. “
Die Politik hat die Wahrheit längst akzeptiert, nur hat sie vergessen, das auch der Bevölkerung zu erklären.
Sie haben Angst davor, dass der Wähler sie an der Wahlurne für den Mut abstrafen wird, und den rechten
und linken Rattenfängern auf den Leim gehen wird.
@OFA d.Res. Volksarmee versus Söldnerarmee
Wenn Sie die gesamte geschriebene Geschichte betrachten, war die Söldnerarmee das Normal. Nur dann, wenn relativ zum BIP die Waffen billig herzustellen waren und ein kurzes Training reichte, konnte man Massenheere aufstellen. In der alten Welt zum ersten Mal deutlich erkennbar im Übergang vom bronzezeitlichen Ritter zur mit der Eisenlanze bewaffneten Phalanx und dann wieder zurück zum Söldner mit dem gladius usw. Der verlustreichste Krieg auf deutschem Boden, der Dreißigjährige Krieg, wurde (mit Teilausnahme Schweden) von Söldnern ausgefochten.
Die Feststellung führt mich zur Frage: könnte heute ein Millionenheer wie im WKII mit Drohnen und all den anderen aktuellen Waffen ausgerüstet werden und könnten alle Soldaten eine adäquate Ausbildung erhalten?
Ich gebe Ihnen recht, Söldnerarmeen sind innenpolitisch fragwürdige Werkzeuge. Eine Wehrpflichtarmee ist kaum gegen die eigene Bevölkerung einsetzbar. Die DDR- Führung hat es im Oktober 1989 auch bei zaghaften Versuchen belassen, die dann in der Einsicht der Sinnlosigkeit schnell abgebrochen wurden.
@Überragend: Genau. Wir haben allen Grund, in die vorausschauende Planungsfähigkeit unserer Generalität zu vertrauen. Fun Fact. Im Jahre 2004 (!) war ich an mehreren Gesprächen im BMVg, auch persönlich mit dem Stv GI GenLt Hans – Heinrich Dieter, beteiligt, in denen es um die Schaffung eines deutschen ROTC an Universitäten ging… Ewig lange Gesprächsketten, aber nie ein Ergebnis… Meiner Einschätzung nach sind die meisten – nicht alle – deutschen Generale nur deshalb Generale, weil sie die perfekten Opportunisten sind. Ausnahmen sicherlich v. Sandrart oder Trull und wenige andere.
@TomCat sagt:
28.08.2025 um 18:44 Uhr
„Die Politik hat die Wahrheit längst akzeptiert, nur hat sie vergessen, das auch der Bevölkerung zu erklären.
Sie haben Angst davor, dass der Wähler sie an der Wahlurne für den Mut abstrafen wird, und den rechten
und linken Rattenfängern auf den Leim gehen wird.“
Dies ist in einer Demokratie nun einmal so. Auch z.B. bei unseren östlichen Nachbarn.
Und dies war auch z.B. bei Helmut Schmidt so, der ja oft als Beispiel genannt wird wie man es machen sollte.
Ja, er hat den NATO-Doppelbeschluss gegen den Wiederstand eines großen Anteils der Bevölkerung
durchgesetzt, aber dies war nicht der überwiegende (!) Anteil der Wählerschaft. Wäre dies anders gewesen,
wäre seine Entscheidung ggf. auch anders ausgefallen…
Und heute ist die Bevölkerung weit entfernt davon der Politik auf dem Weg zur „Kriegstüchtigkeit“ zu folgen.
Genauso ist es bei der Wehrpflicht. Die Altersgruppe, die davon betroffen wäre, lehnt sie in der Masse ab.
Insbesondere wenn es um die Wehrpflicht nur für die Männer geht. Und dies sind auch Wähler… altersbedingt
noch viele Jahrzehnte…
Zitat von Zeit.de , 04.08.2025:
„Nur 16 Prozent würden auf jeden Fall für Deutschland kämpfen
Weniger als die Hälfte der wehrfähigen Deutschen würde sicher oder wahrscheinlich kämpfen wollen.
Dabei rechnen 27 Prozent in den nächsten fünf Jahren mit einem Krieg.“
Im Jahr 3 der Zeitenwende und einem prognostizierten Angriff von RU auf die NATO in 2029…
… rechnen nur 27 % mit einem RU Angriff bis 2030…
Vor diesem Hintergrund wird kein Politiker den restlichen 70 % schmerzhafte Entscheidungen abverlangen…
Politiker sind Politiker … und wie richtig festgestellt … wollen wiedergewählt werden…
Man sieht doch wie Herr Wadephul von seinem Kanzler „zurückgepfiffen“ wurde…
Es gab noch nicht mal eine formale Protokollnotiz das die CDU mit der Freiwilligkeit nicht einverstanden ist…
Vor diesem Hintergründen ist nicht ansatzweise zu erwarten, das es zu einer schnellen Anwendung
des verpflichtenden Wehrdienst kommen wird, ggf. bis zur nächsten BT-Wahl gar nicht… 2029…
@Segestes
„und könnten alle Soldaten eine adäquate Ausbildung erhalten?“
Die Frage ist: was ist eine adäquate Ausbildung ? Ich denke, die UKR Rekruten lernen zwei Dinge: Fitness und Bewegen im Gelände, schießen und Selbst- und Kameradenhilfe und ggf. Schutz vor Drohnen. Und das bei 60h/Woche über 10-12 Wochen.
Leben im Felde u.a. erfährt man dann vor Ort wobei es in der Ausbildung natürlich Tipps gibt bzw. diese sowieso teilweise im Biwak durchgeführt wird.
Formaldienst, PolBil, ABCAbw – derzeit dort alles vernachlässigbar oder nur rudimentär auszubilden.
@Segestes – Nachtrag
Die Frage ist auch in wie weit die Rekruten angebrütet oder „grundfit“ sind, quasi der Abholpunkt. Schulsport z.B. wird bei uns ja nicht mehr sehr hoch gehangen, z.T. kann die Jugend nicht mehr (brauchbar) schwimmen.
In anderen Ländern gibt es vormilitärischen Unterricht (nicht nur in RUS sondern z.B. auch in POL), in der DDR gab es die GST ( https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_Sport_und_Technik ) und in West-Deutschland war – zumindest auf dem Land – die Pfadfinderei weit verbreitet.
Übrigens: RUS führt schon die Jugend mit Wettbewerben an die Drohnerei heran:
https://fgdr.ru/partnership
https://mezha.media/en/oboronka/rosiya-gotuye-ditey-ta-molod-do-viyni-droniv-304201/
LTU übrigens auch:
https://www.theguardian.com/world/2025/aug/13/lithuania-children-drone-training-russia-threat
„Jeder politischen Entscheidung mus ein mehrheitsbeschaffender Prozess voraus gehen“. sagte bereits Helmut Schmidt.
Das ist nicht passiert und wird nicht passieren.
Die, die eine Wehrpflicht betrifft, sehen die Bundeswehr als SaaS (Security as a Service) und die voranschreitende Individualisierung der Gesellschaft hat die Werte Solidarität, Gemeinschaft, Loyalität in den Hintergrund treten lassen. Und Land, Volk, Nation sind nur noch Begriffe der gaaaanz Rechten, weil man über Jahrzehnte versäumt hat, diese Worte neu zu definieren.
Soldarisch soll man mit „mir“ sein, aber „ich“ habe doch keinen Grund, mich zu engagieren.
Wir sehen das bei der Feuerwehr, der Polizei, den Vereinen, den gemeinnützigen Organisationen.
Alle diese gesellschaftlichen „Stakeholder“ haben immense Sorgen qualifizierten Nachwuchs zu finden und der Mitgliederschwund in den besagten Vereinen etc. ist nicht nur durch die Sterbe- und Geburtstafeln erklärbar.
Diejenigen, die sich vehement für eine Wehrpflicht aussprechen, sind die, die es nicht mehr betrifft.
Die ihren Wehrdienst entweder vor 30 Jahren abgeleistet aben und deren realistische Erfahrungen hinter dem Schleier der Geschichte und den wenigen „Heldensagen“ verblasst und die selbst in einer Zeit aufgewachsen sind, in der das Thema „Schutz der Familie und Gesellschaft“ als klare männliche (!) Aufgabe in einer Zeit der direkten Konfrontation mit dem „Ost-Block“ selbstverständlich in einer „klassisch patriarchalen“ Gesellschaft galt.
Gleichzeitig ist es die Generation, die erst zu dieser Individualisierung der Gesellschaft geführt hat. Denen kollektive Aufgaben zu sehr nach „männlich toxischer Blündlerei“ aussah und für die Soldaten „anachronistische Halbaffen“ waren, die ihren Francis Fukuyama nicht gelesen haben. Wie sonst ließe sich erklären, warum man/Mann sich einem hierarchischen System unterordnet, das in Zeiten des ewigen Friedens noch sinnloser war, als ein Kropf?! Wohl nur Menschen, die aus ihrer „Sandkiste“ nie wirklich raus wollten, Spaß daran hatten im Wald zu campieren und auch sonst wenig zur Wertschöpfung an sich beitrugen – Stichwort: Zivilversager.
Unsere Gesellschaft als Ganze gibt es so nicht mehr. Es gibt Interessengruppen, die unter dem Mantel „BRD“ ihre Pfründe sichern will und ihre Individualinteressen verfolgt.
Es ist wie nach Naturkatastrophen: Alle wollen Hilfe vom Statt, weil sie vorher verabsäumt haben, sich selber um ihre Absicherung zu kümmern oder selber etwas dafür zu tun.
Diese Versorgungsmentalität gepaart mit der grundsätzlichen Risikoaversion der Deutschen, verstärkt durch eine immer gravierendere Alterstruktur, lässt mich allgemein eher skeptisch in die Zukunft gucken.
Solange die Rechte und Ansprüche in und an die Gesellschaft nicht mehr mit den Forderungen durch die Gesellschaft ausbalanciert sind, ist diese Gesellschaft nichts anderes mehr, als ein Selbstbedienungsladen in dem solange alle nehmen was geht, bis er selbst politisch, wirtschaftlich und intelektuell bankrott ist.
Wir fühlen uns als Weltbürger, übersehen aber, dass wir das nur solange sind, wie wir zahlen können. Ich bezweifele stark, dass es auf der Welt einen Ort gibt, der – einen Krieg auf deutschem Boden angenommen und eine ähnliche Fluchtwelle vorausgesetzt, wie wir sie von jungen Menschen in der Ukraine beobachten können und konnten – deutsche Kriegsflüchtlinge mit ähnlich offenen Armen und ähnlich freier Alimentierung aufnimmt, wie wir das weiland tun.
Und diese Massen wird es dennoch geben, denn Volk, Nation und Vaterland sind nur noch Werte der Rechten. Diese Werte braucht es aber, um ein Land irgendwie verteidigungsfähig zu halten.
Meine Prognose: Auch in 20 Jahren wird die BW keine 200.000 Soldaten jedweden Geschlechts mehr aufbieten können und das ganze schöne Gerät vergammelt, weil es weder gewartet werden kann, noch genug qualifizierte Bediener verfügbar sind.
Die Zwei-Drittel-Mehrheit zur Änderung des Grundgesetzes existiert ja nicht ohne Grund, denn die Regeln der Verfassung sollen möglichst von vielen akzeptiert werden. In einer pluralistischen Gesellschaft (= Demokratie) ist das nicht bloß hinzunehmen, sondern sogar wünschenswert. Das GG ist das Fundament der Gesellschaft. Was den Wehrdienst für Männer und Frauen angeht muss man realistisch bleiben, dafür gibt es momentan keine parlamentarischen Mehrheiten. Und wenn einige glauben, mit Zustimmung der AfD sei diese leicht zu bekommen, sollte das Grundsatzprogramm dieser Partei lesen: „Die AfD tritt dafür ein, für alle männlichen deutschen Staatsbürger im Alter zwischen 18 und 25 Jahren den Grundwehrdienst wieder einzusetzen.“ Die Betonung liegt auf „männlich“. Zwar gibt es in manchen Parteien einzelne Politikerstimmen für eine „Wehrpflicht für alle“, aber soweit ich weiß bislang keine entsprechenden Parteitagsbeschlüsse – weder bei der Union noch bei der SPD oder den Grünen.
Von einzelnen Politikern wird außerdem ein „soziales Pflichtjahr“ gefordert, dem steht aber laut den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages, die sich in den letzten Jahren mehrfach mit den juristischen Aspekten befasst haben, nicht bloß die ebenfalls notwendige Grundgesetzänderung entgegen, sondern darüber hinaus auch völkerrechtliche und europarechtliche Hinderungsgründe (z.B. Artikel 4 Abs. 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention).
Ich weiß nicht, warum man sich für unrealistische Ziele verkämpft anstatt dafür zu sorgen, dass eine Wehrpflicht im herkömmlichen Rahmen (eben nur für Männer) rasch und sorgfältig umgesetzt wird. Kasernen bauen/renovieren und Ausbilder rekrutieren kann man auch ohne Zwei-Drittel-Mehrheit.
OFA d.Res. sagt: 28.08.2025 um 12:08 Uhr
Ja ja, alle drehen sich „im Grabe um“. Ganz schlimm.
Und was soll Ihr Beitrag sonst noch nahelegen?
Wehrpflichtige dürfen nicht gutbezahlt werden, sonst kommen sie in die anrüchige Nähe des „Söldnertums“?
Nur wer einen „Hungerlohn“ akzeptiert, beweist durch den „Verzicht“, dass er wahrhaftig etwas für sein Land tut und nicht des Geldes wegen?
Wenn Soldaten gut bezahlt werden, werden sie „unzuverlässige und problematische Werkzeuge in der Kriegsführung“ und das zeigt Ihnen die „Geschichte“?
Da die BRD ja seit 2011 auf die Wehrpflicht „verzichtet“ (bzw ausgesetzt) hat und ihre FWDLer in diesem Zeitraum schon immer besser bezahlt hat, waren ich und der Rest der Bw nun mal eben 14 Jahre lang „Soldat“ in einer Söldnerarmee?
Ihr Beitrag lässt diese (und weitere) problematische Fragen durchaus offen.
@Thomas Melber:
Die eher katholisch (!) geprägte Pfadfinderei als „vormilitärischen Unterricht“ zu definieren….mutig!
@Bow
Nicht vormilitärisch i.e.S. aber Leben im Felde und in der Gemeinschaft so wie Grundzüge in „Bushcraft“ bekommt man da schon mit.