Vormerken für 10. September: Streiche Hindenburg, setze Friederike Krüger
Erstmals in der Geschichte der Bundeswehr (und vermutlich in deutschen Streitkräften überhaupt) wird eine deutsche Kaserne nach einer Soldatin benannt. Am 10. September wird die derzeitige Hindenburg-Kaserne am größten Bundeswehrstandort Munster in Niedersachsen, benannt nach dem ehemaligen Reichspräsidenten, den Namen Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne erhalten.
Die geplante Umbenennung teilte die zuständige Panzerlehrbrigade 9 Niedersachsen am (heutigen) Mittwoch mit:
Munsteraner Hindenburg-Kaserne wird am 10. September 2025 in Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne umbenannt
Neue Namensgeberin der Kaserne ist die preußische Unteroffizierin Friederike Krüger (1789-1848), ein historisches Vorbild für Mut, Pflichterfüllung und Hingabe im Dienst. Im Rahmen der gelebten Traditionspflege der Bundeswehr führte ein mehrstufiges Verfahren unter Beteiligung der Munsteraner Soldatinnen und Soldaten sowie der Garnison zur Umbenennung der Kaserne.
Die Traditionswürdigkeit des bisherigen Namensgebers Paul von Hindenburg wurde im Rahmen eines regelmäßig angelegten wissenschaftlichen Gutachtens des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr neu bewertet. Ausschlagegebend hierfür waren Hindenburgs demokratiefeindliches Handeln, die bewusste Verbreitung falscher Tatsachen sowie seine zunehmend autoritäre Amtsführung als Reichspräsident und seine führende Rolle bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
Mehr zu Friederike Krüger, die als Mann verkleidet in der preußischen Armee an den Befreiungskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts teilnahm, findet sich bei Wikipedia. Es ist zwar zwar bereits die dritte Bundeswehrkaserne, die nach einer Frau benannt ist – allerdings waren es bislang keine Frauen mit direktem Bezug zu Streitkräften.
Die Koblenzer Augusta-Kaserne ist benannt nach der Ehefrau von Kaiser
Wilhelm I. – eine Namensgebung, über die der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Peter Tauber in der Zeit ätzte, das entspreche einem Fritz Walter seine Frau ihr Stadion-Namen. Die Gräfin-von-Maltzan-Kaserne in Ulmen, Sitz der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr, ehrt mit ihrem Namen eine Tierärztin im Widerstand während des Dritten Reichs, hat aber auch keine direkte Beziehung zu Streitkräften.
Die Benennung der Kaserne in Munster nach Friederike Krüger (die Tauber in seinem Zeit-Gastartikel 2018 schon vorgeschlagen hatte), ist damit zum Teil die Würdigung einer Frau als aktive Soldatin. Mindestens ebenso aber die deutliche Absage an einen Reichspräsidenten, dessen Rolle bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten zunehmend kritischer Gesehen wird.
„ein mehrstufiges Verfahren unter Beteiligung der Munsteraner Soldatinnen und Soldaten“ …
Ist dazu bekannt, wie Truppe beteiligt wurde?
Ich nutze dann einmal die Gelegenheit, um vorzuschlagen, eine Kaserne nach dem Generaloberst Kurt von Hammerstein-Equord, einem der früheren Hausherren des Bendler-Blocks und letztem Chef der Heeresleitung der Weimarer Republik zu benennen. Er steht für einen gradlinigen Typ militärischer Führungspersönlichkeiten, die für ihre Überzeugungen auch gegen den Zeitgeist eingestanden sind. Seine originellen Grundsätze der Beurteilung von Offizieren sind bis heute aktuell. Es ist sicher kein Zufall, dass es mit Enzensberger ein zeitgenössischer Schriftsteller war, der ihm mit seiner Biografie „Hammerstein oder der Eigensinn“ ein Denkmal setzte.
Kasernen nach Frauen zu benennen ist im Übrigen sicher eine gute Idee. Ich hätte mir hier allerdings auch gut eine der Mütter des Grundgesetzes als Namensgeberin vorstellen können..
Ganz großes Damentennis!
Als jemand, der in Hindenburg-Kaserne in Munster arbeitet, muss man zweifellos die Bundeswehr kritisch hinterfragen:
1. Die Umbenennung kostet min. ca. 70.000,- Euro. Aktuell wird eine neue Mauer errichtet, auf der der Schriftzug angebracht wird. Ist es das wert?
2. Die Hindenburg-Kaserne hat nichts mit dem Reichspräsidenten Hindenburg zu tun, den man kritisch sehen kann. Hindenburg war als Oberst und Regimentskommandeur in Munster. Das wurde aber m.E. nicht offensiv genug kommuniziert.
3. Für welchen zwanzigjährigen, jungen Panzergrenadier ist Frederike Krüger irgendwie intellektuell greifbar?
Man kann das machen, muss man aber nicht.
Nichts wäre für mich ehrenvoller gewesen, als eine Kaserne nach General Kiesling zu benennen. Diese Chance wurde vertan.
Niemand braucht ein Gutachten des Zentrum für Militärgeschichte, um zu Wissen, dass die Person Hindenburg umstritten ist. Hindenburg war schon vor 45 Jahren umstritten, dies ist nicht neu. Aber er ist der Sieger von Tannenberg usw., so dass es deshalb keinen Grund gibt, eine Hindenburg Kaserne nach Jahrzehnten umzubenennen! Dabei darf man nicht vergessen, dass die Wahl von Hitler zum Reichspräsidenten nur verhindert werden könnte, indem alle demokratischen Parteien die Wiederwahl von Hindenburg unterstützt haben. Die Ernennung von Hitler war kein Glanzstück, aber wir wissen, dass Hindenburg massiv beeinflusst wurde in diese Richtung & aus Altersgründen nicht mehr geistig auf der Höhe war.
Hat der Traditionserlass nicht klip und klar festgestellt das keine ehemalige Armee und deren Soldaten eines Vorgängerstaates der Bundesrepublik identitätsstiftend sein kann…
Kann ein Munsteraner mal etwas mehr Details zum Prozess bringen?
Mich würde mal interssieren, wieviel Soldatenbeteiligung nach der letzten Stufe noch in der Namenswahl enthalten war.
Ich durfte bereits einer Umbenennung beiweiwohnen und das damals angewendete, mehrstufige Verfahren sorgte schon dafür, dass die Wahl der Soldaten in die „richtige Richtigung“ gelenkt wurde.
Och die drei Sätze zu ihrem offensichtlich heroischen Gebaren bei Wikipedia erfasst auch noch ein zwanzigjähriger Panzergrenadier – andernfalls hätte ich große Zweifel, ob er auch noch mental in der Lage wäre, die Karte richtig herum zu halten … Das Eiserne Kreuz hat sie jedenfalls nicht für einen erfolgreichen Kaffeekranz erhalten.
Man braucht die Leute nicht für dümmer halten, als sie sind. Und es gibt wahrlich Schlimmeres als eine Namenspatronin, die sich gegen die Widerstände ihrer Zeit, bei der kämpfenden(!) Truppe verdient gemacht hat.
@all
Ich hätte nicht gedacht, dass wir bei diesem Thema so schnell an die Grenzen des Trollens kommen.
Wer hier ernsthaft meint schreiben zu müssen
Da ist wohl das Zentrum…der Bundeswehr Herrn Putin gefolgt, der sich sicher darüber freut.
ist raus.
Es ist klar, dass mal wieder keine aussagekräftige Beteiligung und Mitbestimmung stattgefunden hat. Darum wird das auch nur in den Raum gestellt ohne die genaue Form zu erklären.
Unteroffizier Friederike Krüger ist ein gutes Beispiel. Ihr Name hätte aber eine andere Kaserne schmücken sollen. Die HibuKa wird für mich immer die HibuKa sein. Lieber hätte man der Uckermark-Kaserne den neuen Namen gegeben und Munster seinen ersten oldenburgischen Kommandeur gelassen.
[Hm, „Es ist klar, dass mal wieder keine aussagekräftige Beteiligung und Mitbestimmung stattgefunden hat“ – das stellen Sie in den Raum, ohne zu sagen, ob Sie es vor Ort mitbekommen haben etc. Bleibt also erstmal nur eine Behauptung. T.W.]
Befreiungskriege, ergo auch die preußische Armee zu dieser Zeit, sind mW „zulässig“- siehe Scharnhorst etc. Insofern wäre diese Umbenennung dann eine konsequente Umsetzung des Erlasses.
Unteroffizier Friederike Krüger entspricht dem Kriegerethos, den wir in anderen Fäden umrissen hatten. Die Idee die sie verteidigte: Freiheit
Eine würdevolle Wahl!
Dann ist man halt in der UffzFrieKrüKa statt in der HibuKa stationiert…
Es ist in keiner Weise zu beanstanden, dass Namensgeber von Kasernen aufgrund von neuen Erkenntnissen und deren Bewertungen ausgetauscht werden. Der Mensch muss sich kontinuierlich hinterfragen und korrigieren.
Bedenklich wird es dann, wenn ein General G. aus dem Kommando Heer festlegt, dass die Hindenburg-Kaserne umzubenennen ist. Es kam zu keinem Zeitpunkt aus dem Kreis der Nutzer der Hindenburg-Kaserne. Der konkrete Vorschlag „Frederike Krüger“ kam aus dem Kreis des ArtLehrBtl 325. Man hat wohl sehr gut argumentiert.
Wir werden uns daran gewöhnen müssen.
Immer diese Sache mit der „Tradition“ und den Kasernennamen, wie mich das müht. Vor allem, wenn viele Kommentaren, und diejenigen, die bar wirklicher Sachkenntnis, von der Seite „reinhupen“ …
Deswegen im Einzelnen ein paar Hinweise (ohne Anspruch auf Vollzähligkeit):
1. @Florian Staudte: Dass Paul von Beneckendorff und von Hindenburg als Oberst in Munster Kommandeur eines Regiments war, dass doch tatsächlich in Oldenburg stationiert war (nur ein wenig enfernt), ist mir völlig neu.
2. Die aktuellste und bislang beste Biographie aus der Feder von Prof. Dr. Wolfram Pyta, Uni Stuttgart, legt sehr nahe, dass er als Reichspräsident zwar nach den Buchstaben der Verfassung Hitler zum Reichskanzler machte, aber dabei nicht als seniler Mann von Strippenziehern angeschoben wurde. Er wusste was er tat und er konnte zuvor genug beobachten, was die Nazis wollten. Siehe: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-10780
3. @Closius Der Held von Tannenberg hat, wie die historische Forschung nun wirklich schon lange weiß, bei der Schlacht eigentlich wenig bis keinen Einfluss auf das Ergebnis. Als er kam, war alles eingeleitet. Er musste nur noch abwarten. Lesetipp: https://www.portal-militaergeschichte.de/mueller_zu_zimmermann_tannenberg
4. Als Chef der 3. Obersten Heeresleitung war er nichts anderes als ein Diktator im Krieg. Das muss man einfach mal zur Kenntnis nehmen und nicht abtun nach dem Motto „es gab ja noch den Kaiser ….“
5. @AoR: Zustimmung.
6. Das ZMSBw-Bashing hört ja nicht auf, gerade offensichtlich von solchen Leuten, die deren Arbeit nicht schätzen (wollen). Seien wir doch froh, dass es den Laden gibt und nicht wie in den USA oder in UK die applikatorische Methode der Militärgeschichte, sorry: „Kriegsgeschichte“, um sich greift. Beide Forschungsvertändnisse haben ihre Berechtigung. Aber hier geht es nicht um Heldentaten eines greisen Feldmarschall-Reichspräsidenten, der Hitler trotz der Reichspräsidentenwahl 1932 eben nicht verhindert hat und der gar nicht zur Bundeswehr als Armee in der Demokratie passt, und so weit wie kaum irgendetwas anderes vom Staatsbürger in Uniform entfernt ist.
Woher kommt dieser neue Name eigentlich? Das wirkt wieder wie eine Entscheidung, die irgendwo weit weg vom Truppenalltag getroffen wurde Hauptsache es passt ins politische Narrativ.
Wir brauchen Rückhalt, klare Strukturen und Respekt, keine Namensänderungen, die keiner nachvollziehen kann und die nur für Schlagzeilen taugen. Für viele ist das einfach frustrierend.
Typisch, statt sich um Einsatzbereitschaft und echte Probleme zu kümmern, lieber Symbolpolitik für Quote & Zeitgeist.
Die Truppe braucht Respekt, Soldaten und Ausrüstung, keine ideologischen Spielchen.
Das wohl Beste an der Umbenennung ist, daß die Kaserne nun endlich nicht mehr inkorrekt benannt ist, denn sie hätte ohnehin „Von-Hindenburg-Kaserne“ heißen müssen (analog etwa zur Von-Hardenberg-Kaserne).
@ Theobald Tiger
Ich habe nicht geschrieben, dass Hindenburg in Munster stationiert war. Er war auf einer Übung mit dem Regiment in Munster.
Zu „ein mehrstufiges Verfahren unter Beteiligung der Munsteraner Soldatinnen und Soldaten“ …
Habe dazu am Vormittag mündlich/persönlich in Munster mit einem Hptm (FD) gesprochen, der Dienst leistet bei PzTrS/Schulstab/Vorzimmer Kdr:
Befragt zur Beteiligung von Munsteraner Soldatinnen und Soldaten wegen Umbenennung der Hindenburg-Kaserne
– dazu ging kein Vorgang über meinen Tisch
auf Nachfrage
– Vertrauenspersonen, Gleichstellungsbeauftragte wurden nicht gehört, ist mir zumindest nicht bekannt, andere Schulangehörige meines Wissens auch nicht
– Kdr PzGren(L)Btl 92 (L 92 Stationierung in der Hindenburg-Kaserne) hat den Vorgang begonnen.
Tja, nun weiß ich auch nicht mehr.
Mit mehreren Verwendungen in der Lehrbrigade und an der PzTrS ist mir eine Nichtbefassung der Schulführung in der Umbenennung einer Kaserne im Standort, obendrein noch mit dem Namen „Hindenburg-Kaserne“, nicht vorstellbar.
Weiterer Spekulationen enthalte ich mich.
@ KPK
Also eine Wiederholung des Vorgangs vergleichbar. FJgS, die nun in der Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne liegt. Von der damals angeblich gelaufenen Beteiligung wusste auch lange niemand und als man Kenntnis erlangte, wurden Argumente gegen die Umbenennung ignoriert. Gelebte InFü halt… /sarc
„Krüger-Kaserne“ reicht nicht aus? Egal, Namen sind Schall und Rauch und Umbenennungen kommen und gehen.
Die Gründe für die Entfernung des Hindenburg-Bezugs sind m.E. schlüssig und die Biographie der Soldatin ist beeindruckend, aber handelt es sich hier tatsächlich um „ein historisches Vorbild für Mut, Pflichterfüllung und Hingabe im Dienst“ im Sinne eines im historischen Vergleich herausragendes Vorbild? Das darf bezweifelt werden. Wohl eher ging es darum, dass eine Kaserne nach einer Frau benannt werden sollte. Das sollte dann aber auch offen sagen, wenn man den Eindruck von Unaufrichtigkeit vermeiden möchte.
Die Umbenennung der Hindenburg-Kaserne in „Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne“ mag symbolisch gut gemeint sein, doch ich betrachte sie als einen politisch motivierten und gesellschaftlich unnötigen Schritt. Gerade jetzt, wo die Bundeswehr vor großen Herausforderungen steht – wie Personalnot, Ausstattungslücken und notwendiger Modernisierung –, empfinde ich die Umbenennung als Ablenkung von den wirklich wichtigen Problemen.
Aus meiner Sicht zeigt sich besonders deutlich, dass es in der Bundeswehr vor allem auf Haltung und praktisches Handeln ankommt und weniger auf symbolische Gesten, die vor allem Debatten über Traditionen befeuern. Statt Kasernennamen umzubenennen, sollten die Verantwortlichen meiner Meinung nach lieber die Rahmenbedingungen für die Soldatinnen und Soldaten verbessern – also mehr Unterstützung, bessere Ausrüstung und klare strategische Ausrichtungen bieten.
Ich finde, Traditionspflege darf nicht zum Selbstzweck werden, sondern sollte ehrlich und sachlich die komplexe Geschichte widerspiegeln und dabei die Identifikation der Truppe stärken, nicht schwächen. Auch wenn historische Personen wie Friederike Krüger würdig sind, ersetzt eine Nachbenennung nicht die praktischen Erfordernisse, mit denen die Bundeswehr aktuell konfrontiert ist.
Insgesamt sehe ich die Umbenennung als ein Symbol, das meiner Ansicht nach von der notwendigen Substanz ablenkt und die Bundeswehr eher schwächt, anstatt sie zu stärken. Die Priorität muss klar auf Maßnahmen liegen, die die Einsatzfähigkeit und den Zusammenhalt fördern – daran muss in der Realität gearbeitet werden. So empfinde ich die gesamte Entwicklung um die Kasernenumbenennung als wenig zielführend und eher kritisch.
@ Florian Staudte
„Bedenklich wird es dann, wenn ein General G. aus dem Kommando Heer festlegt, dass die Hindenburg-Kaserne umzubenennen ist.“
General G. Aus dem Kommando Heer hat das nicht festgelegt. Er hat dem Standortältesten empfohlen eine Umbenennung der Kaserne ergebnisoffen zu prüfen.
Ich sehe das Vorhaben zur Umbenennung der Hindenburg-Kaserne erneut als ein typisches Projekt des BMvg, das eigenständig und losgelöst ohne ausreichende Abstimmung mit allen Beteiligten initiiert wird. Die Tendenz, Vorgaben zu setzen, ohne alle beteiligten Ebenen einzubeziehen, ist bekannt und wiederholt sich gerade. Dabei wird nicht selten eine einzelne Initiative, etwa die eines neuen Bataillonskommandeurs, als treibende Kraft angenommen, ohne dass dies breit getragen oder abgestimmt ist. Vermutlich war sogar die Führung des Heeres über diese Entscheidung überrascht. Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen frage ich mich, ob solche symbolischen Maßnahmen wirklich die Priorität sein sollten.
Außerdem wird in der öffentlichen Diskussion zu wenig klar kommuniziert, dass die Hindenburg-Kaserne historisch gesehen gar nicht primär mit dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in Verbindung steht, sondern mit seiner früheren Funktion als Oberst und Regimentskommandeur in Munster. Diese wichtige Differenzierung bleibt meiner Meinung nach zu sehr unberücksichtigt und wird zu selten hervorgehoben.
Zudem frage ich mich, welchen Bezug ein junger, zwanzigjähriger Panzergrenadier heute zu Friederike Krüger überhaupt erhalten soll. Die historische Figur ist für viele intellektuell und emotional kaum greifbar, zu weit entfernt in Zeit und Kontext. Damit fehlt meiner Ansicht nach eine Identifikationsfigur, die für die heutige Truppe wirklich relevant und motivierend ist.
Insgesamt empfinde ich dieses Projekt als wenig durchdacht und nicht zielführend. Statt symbolische Akzente zu setzen, sollten klare, praxisnahe Maßnahmen im Vordergrund stehen, die die Soldatinnen und Soldaten praxisnah motivieren und den aktuellen Herausforderungen gerecht werden. Die Umbenennung wirkt in meinen Augen eher wie eine Symbolpolitik, die von den wirklich entscheidenden Problemen ablenkt.
Die Umbenennung der Hindenburg-Kaserne in „Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne“ ist für mich ein typisches Symbolprojekt der Bundeswehrführung, das häufig ohne breite Abstimmung und überraschend für die Führungsebene umgesetzt wird. Angesichts der massiven Herausforderungen bei Personal, Ausrüstung und Modernisierung der Bundeswehr ist so eine Aktion völlig fehl am Platz und lenkt von den wirklich wichtigen Problemen ab.
Zudem wird viel zu wenig darauf hingewiesen, dass die Kaserne historisch nicht vorrangig nach dem Reichspräsidenten benannt wurde, sondern nach seinem Dienst als Oberst in Munster – eine entscheidende Differenzierung, die im öffentlichen Diskurs einfach untergeht.
Außerdem ist Friederike Krüger für viele junge Soldaten kaum greifbar. Ihre historische Distanz macht es schwer, eine echte Verbindung zu ihr herzustellen. Solche Umbenennungen schaffen keine Identifikation mit der Truppe und sind vor allem teure Symbolpolitik.
Mir fehlt ein klarer Fokus auf praktische Verbesserungen, denn was die Bundeswehr dringend braucht, sind bessere Ausrüstung, mehr Personal und klare Strategien – nicht Aktionen mit Kasernennamen. Diese Umbenennung schwächt vermutlich mehr, als dass sie stärkt. Was der Bundeswehrführung wirklich wichtig ist, bleibt für mich angesichts solcher Aktionen unklar.
@Voodoo
„Also eine Wiederholung des Vorgangs vergleichbar. FJgS, die nun in der Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne liegt. Von der damals angeblich gelaufenen Beteiligung wusste auch lange niemand und als man Kenntnis erlangte, wurden Argumente gegen die Umbenennung ignoriert. Gelebte InFü halt…“
Bitte beachten Sie die Rede der damaligen Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen anlässlich der Umbenennung der „Emmich-Cambrai-Kaserne“ in „Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne“ am 28. März 2018 in Hannover.
Ebenso die Ansprache von Oberst Dirk Waldau! Auszug: „Ich habe die Bedeutung des alten Namens – zurückgehend auf den Weltkriegsgeneral Otto von Emmich und die Schlacht von Cambrai – als Kommandeur der Schule gerne erläutert“, so Waldau, „damit konnte ich die meisten Soldaten aber nicht erreichen, weil sie keinen Bezug dazu hatten.“ Gesucht wurde eine Alternative mit höherem Identifikationsgrad. Vorschläge wurden gemacht. Schnell fiel der Name Lagenstein.“
https://www.bmvg.de/de/aktuelles/ministerin-benennt-kaserne-in-hannover-um-23320
Am 28. Mai 2011 begleiteten Major Thomas Tholi (* 15. November 1967 in Koblenz) und Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein den damaligen Generalmajor Markus Kneip (* 23. Mai 1956 in Koblenz), seinerzeit deutscher Kontingentführer und Kommandeur des ISAF Regional Command North in Masar e Sharif in Afghanistan, bei einem Besuch im Gouverneurspalast in Taloqan. Dort nahm Kneip an einem Gespräch mit dem nord-afghanischen Polizeichef Mohammed Daoud Daoud teil. Als die Delegation den Gouverneurssitz wieder verließ, zündete ein Selbstmordattentäter eine Bombe und riss Thomas Tholi und Tobias Lagenstein mit in den Tod. Generalmajor Markus Kneip überlebte den Anschlag schwer verwundet.
Am 28. März 2018 wurde – in Anwesenheit von General Kneip – die Emmich-Cambrai-Kaserne Hannover in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne umbenannt. An jenem Tag fand Major Tholi keinerlei Beachtung.
@ Stadie Sie wissen doch, Müllers gibt es viele, GGM nur einen. So ist klar, wer gemeint ist. Vielleicht wird Eleonore Prochaska demnächst auch Namenspatin. Die hat ihr Leben gegeben. Oder Ferdinande von Schmettau. Die hatte nichts ausser ihren Haaren.
Ich finde es überfällig auch mal einen Namen einer Frau für eine Kaserne zu nehmen, somit mehr als in Ordnung.
Ich hoffe nur, dass nicht noch irgendetwas in der Biografie der Dame auftaucht, die den Kritikern Munition gibt.
Ehrlich gesagt, würde mir persönlich, die Bezeichnung von den Landstrich oder der nächstgelegen Stadt am besten gefallen.
Würde zumindest einen Großteil dieser Umbenennungen aufgrund neuer Erkenntnisse / Ansichten vermeiden.
Ggf. Sogar die lokale Verbundenheit stärken.
Werde mal schauen, ob ich mir zu Weihnachten eine Biografie der Dame gönne, um mir ein besseres Bild zu machen, was die konkret geleistet hat, um Ihre Auszeichnungen zu erhalten.
Klingt auf Wikipedia sehr eindrucksvoll….
Die Umbenennung der Hindenburg-Kaserne in „Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne“ sorgt bei mir vor allem für großes Unverständnis – nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen Mannschaftsdienstgraden, Unteroffizieren und sogar manchen Offizieren. Während die BW mit Personal- und Ausrüstungsmangel sowie Reform- und Modernisierungsstau kämpft, wird hier aus meiner Sicht Energie in eine teure Geste ohne Substanz gesteckt, die von den echten Problemen ablenkt und einen Nebenkriegsschauplatz eröffnet.
Friederike Krüger ist für viele junge Soldaten kaum greifbar, und die historische Bedeutung der Kaserne mit jetzigem Namen Hindenburg wird leider oft falsch dargestellt. Die Umbenennung schafft vermutlich wenig oder gar keine Identifikation und führt gerade bei den Unteroffizieren und Mannschaften zu Frust (ausgesprochen im Mannschaftsheim vglb) da ihnen wichtige praktische Anliegen wie bessere Ausstattung und oft sogar Wertschätzung fehlen.
Interessanterweise finden höhere Offiziere, die an ihre Karriere denken, solche symbolischen Projekte oft großartig – denn sie können darauf geschickt aufbauen und sich prima profilieren. Für die breite Truppe hingegen sind das regelmäßig nur teure Gesten ohne Substanz.
Solche Aktionen wirken eher wie eine teure Geste ohne Substanz statt hilfreiche Stärkung der Truppe. Stattdessen eröffnet die Umbenennung einen Nebenkriegsschauplatz, der wertvolle Ressourcen und Aufmerksamkeit von den dringend notwendigen praktischen Maßnahmen abzieht.
Die BW braucht klare Prioritäten: bessere Ausstattung, mehr Personal und mehr Einsatzfähigkeit – keine Namensänderungen als Ersatz dafür. P.S. wieviel Jahre war der Name gut genug? Wieviele Prüfungen hat es überstanden? Warum gerade jetzt?
@ KPK
Nichts für ungut, aber die PzLehrBrig 9 und die SgepKpfTr haben seit Jahren (organisatorisch) nichts (mehr) miteinander zu tun, außer, dass ihre Stäbe in derselben Kaserne untergebracht sind – dazu gehorchen sie unterschiedlichen Herren (auch und gerade in letzter Konsequenz im KdoH).
Man muss wenig Phantasie haben, dass, wenn ein Kasernenname der „Obrigkeit“ nicht mehr genehm ist, sich „in der Linie“ jemand findet, der den Stein dann ins Rollen bringt.
Als jemand, der selbst viele Jahre in der HiBuKa gedient hat, habe ich zu dem Ganzen meine eigene Meinung, die aber völlig unerheblich (geworden) ist.
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/hindenburg-kaserne-munster-bekommt-neuen-namen,kaserne-106.html
Im NDR Beitrag ist zusätzlich zur Beteiligung der Truppe vom Rahmen „der Traditionspflege der Bundeswehr“ gesprochen, der zur Umbenennung führte.
„Der aktuelle Kasernenkommandant, Oberstleutnant Woyth Sanchez, hat diesen Prozess (Die Auseinandersetzung mit dem Namen der Hindenburg–Kaserne als fortlaufender Prozess) 2024 aufgegriffen und strukturiert“.
Die (angebliche) Beteiligung der Soldaten in der Garnison wird auch vom NDR ins Feld geführt.
M. E. stand der Entschluss zur Umbenennung lange fest, allein der Name blieb zunächst einem Mitwirkungsprozess überlassen.
Eine Beteiligung der betroffenen Soldaten, also vom PzGrenLBtl 92 und vom ArtLBtl 325, im Wortsinn war nicht gegeben.
Als UmP verfolge ich die Entwicklung rund um die Umbenennung der Hindenburg-Kaserne mit großer Sorge. Für mich ist das mehr als nur eine Namensänderung – es steht beispielhaft dafür, wie sich unsere BW immer weiter vom Kern des Auftrages Verteidigung des Landes und Bündnisses entfernt und stattdessen von „modernen“ politischen Trends beeinflussen lässt.
Ich finde, dass solche Entscheidungen transparenter getroffen werden sollten und nicht meist „im kleinen Kreis“ und ohne echte Mitbestimmung passieren dürfen. Gerade in unsicheren Zeiten braucht die Truppe Halt, Identität und Verlässlichkeit statt Parteipolitik.
Mir ist wichtig, dass wir Soldaten uns nicht verlieren zwischen ständig neuen gesellschaftlichen Modethemen, sondern dass unser Auftrag gemäß GG, unsere Werte gemäß GG und auch die ehrliche aber nicht weltfremde Auseinandersetzung mit unserer Geschichte wieder mehr zählen.
Die Verantwortlichen sollten sich um Ausrüstung und Ausbildung der Truppe kümmern. Nicht nachvollziehbare und teure Umbenennungen von Kasernen machen uns nicht verteidigungsfähig!
In regelmäßigen Abständen erlebt die Bundeswehr eine Art modernen „Bildersturm“ – vor allem dann, wenn offensichtlich wird, dass die wirklich wichtigen Aufgaben in Sachen Personal, Ausstattung, Modernisierung und Einsatzbereitschaft nicht vorankommen. Ob das an Unvermögen der Führung oder anderen Ursachen liegt, ist nur zu vermuten. Fakt ist aber: Statt die dringenden Probleme anzugehen, werden teure symbolische Aktionen wie die Umbenennung von Kasernen inszeniert.
So wurde 2018 die Emmich-Cambrai-Kaserne in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne umbenannt – als Ehrung für einen gefallenen Soldaten bei einem Anschlag in Afghanistan. Respekt für diesen Einsatz ist wichtig und richtig. Doch gleichzeitig werden andere Gefallene weniger beachtet, und die Geschichte des alten Kasernennamens selbst findet kaum Würdigung.
Ähnliches gilt für die Umbenennung der Hindenburg-Kaserne in „Unteroffizier Friederike Krüger-Kaserne“. Für viele Soldaten ist diese historische Figur zu weit entfernt, um echte Identifikation zu schaffen. Und der Name Hindenburg wird oft missverstanden oder falsch dargestellt. Gerade in Zeiten massiver Personalengpässe, fehlender Ausrüstung und einem Modernisierungsstau sind solche Symbolprojekte nicht die Antwort, sondern lenken von den wirklich wichtigen Aufgaben ab.
Es scheint, als würden das BMVg, die BW-Führung und der Minister mit seinen Getreuen vor allem dem gesellschaftlichen Mainstream folgen – ohne darauf zu achten, wie die Stimmung in der Truppe tatsächlich ist. Die Basis denkt oft anders, traut sich aber nicht mehr, das laut zu sagen. Die Folge: Ein wachsender Graben zwischen Führung und Basis.
Diese symbolischen Umbenennungen sind teils reine Showveranstaltungen, die viel Geld, Zeit und Energie kosten, ohne die Einsatzbereitschaft oder gar den Zusammenhalt der Truppe zu stärken. Die BW braucht keine Schönfärberei, sondern praktische Lösungen: bessere Ausrüstung, mehr Personal und echte Wertschätzung.
Solange sich daran nichts ändert, sind solche Umbenennungen nichts weiter als teure Nebenkriegsschauplätze – mehr Schein als Sein.
[Langsam irritieren mich die zunehmenden Behauptungen der Art „Und der Name Hindenburg wird oft missverstanden oder falsch dargestellt“ – was soll das eigentlich, dieses Hindenburg-Fandom, das sich jetzt so massiv hier rauskristallisiert? Ich hätte da ’ne Vermutung, die allerdings in eine sehr unschöne Richtung weist… T.W.]
Naiv wie ich bin, dachte bei „Unteroffizier-Friederike-Krüger“ natürlich zuerst an eine Soldatin der Bundeswehr. Ich war dann nicht schlecht vom Bezug auf Zeit der Freiheitskriege überrascht, Das wird wohl vielen so gehen.
Ich würde übrigens die Dienstgrade in den Kasernennamen weglassen. Es geht ja wohl um die Würdigung der Persönlichkeit, die nach meiner Lebenserfahrung so gut wie unabhängig vom zuletzt erreichten Dienstgrad ist.
Moin allerseits!
Als jemand, der seine „Karriere“ auch in einer HiBuKa (NMS) begonnen hat, kann ich sicher sagen, dass damals die Sinnstiftung eines „Hindeburg“ auch nicht sehr groß war.
Abgesehen davon gab es damals HiBuKas wie Sand am Meer, da her ist ihr weiger von Sinnstiftung, denn von Phantasielosigkeit die Rede.
Und – rein persönliche Meinung – ich mag „umstrittene“ Personen, denn die sind geschichtlich viel interessanter.
Ob die Umbenennung jetzt sein musste oder nicht – geschenkt. Dass das neudeutsche „Nudging“ überall Einzug gehalten hat und auch vor der Bw nicht Halt gemacht hat, lässt mich für die Teilhabe am Auswahlverfahren vieles lauben, aber auch das ist im Grunde egal.
Viel wichtiger finde ich den Einwand von @Florian Staudte:
Abgesehen von ein oder zwei Fällen handelt es sich bei den Neu-Namensgebern um Personen, die heute keinerlei Zeitzeugen mehr aufbieten können.
Gerade vor dem Hintergrund der „Sinnstiftung“ kann jemand mit einer hinlänglich ähnlichen Lebenswirklichkeit mehr Sinn stiften, als ein Figur aus dem 19Jhd..
Auch merkwürdig finde ich die Beurteilung einer historischen Persönlichkeit vor dem „heutigen“ Spiegel der Erkenntinsse und Befindlichkeiten.
Weniger die militärische Leistung, als die jetztige moralische Bewertung der Person in der Zeit sind Richtschnur.
So wurde die „Lent-Kaserne“ in ROW umbenannt, weil Herr Lent offenbar ein „Durchschnitts-Nazi“ war, was in der Gesellschaft der 1930er Jahre in Deutschland nicht soooo ungewöhnlich war.
Viel weniger wird gesehen, dass der Junge 1936, als er zur Wehrmacht ging, gerade mal 18 Jahre alt war, aus einfacherern Verhältnissen kam und nur fliegen wollte, was er 8 Jahre auch sehr gut machte, bis er 1944 – mit gerade mal 26 Jahren – starb.
In dieser Zeit ist er shr erfolgreich als Jagdflieger gewesen, was ihm natürlich einen heroischen Ruhm einbrachte, der von der Propaganda nur zu gern ausgeschlachtet wurde.
Jemanden in dieser Zeit und mit diesem Alter vorzuwerfen, dass er im Mainstream mitgeschwommen ist, dass er die Annehmlichkeiten genossen hat erscheint gewagt. Hier werden gerne Maßstäbe an die Namensgeber angelegt, die schier unrealistisch sind und unter denen die Bewertenden zumeist hüpfend drunter her tanzen.
Man nehme nur das Verhalten einer Vielzahl von Fußballern, die auch viel zu jung zu zuviel Geld und Ruhm gekommen sind.
Ob es dieser Neubenennung wirklich bedurft hätte….???
Leider wird uns diese Thematik noch so lange beschäftigen, wie die Form wichtiger ist, als der Inhalt.
Sollten wir – und da möge alles davor sein, was geht! – Deutschland doch in eine militärische Aueinandersetzung größeren Ausmaßes verwickelt werden, hoffe ich nur, dass das Material vorhanden, ausreichend und einsatzbereit ist und die Besatzungen und kämpfenden Einheiten maximal gut ausgebildet sind, egal aus welcher Kaserne sie ausrücken müss(t)en!
Ich finde diese neue Ideologie schrecklich. Der Name passt dazu und wird viele abschrecken.
Ich habe den Eindruck, dass der deutliche Verweis auf „Ich hätte da ’ne Vermutung, die allerdings in eine sehr unschöne Richtung weist…“ als Erklärung für abweichende Meinungen die Offenheit für unterschiedliche Auffassungen einschränken kann. Diese Formulierung wird für mich, also in meiner Wahrnehmung, wie eine Bremse eingesetzt, mit der implizit nahegelegt wird, die kritischen Beiträge kämen aus besonders radikalen oder politisch auffälligen Ecken, was eine Auseinandersetzung mit den eigentlichen Inhalten erschwert.
Dadurch entsteht dann doch ein Klima, in dem es für mich schwer fällt, meine Standpunkte frei und ehrlich zu äußern, ohne befürchten zu müssen, vorschnell in eine Schublade gesteckt zu werden. Diese Art der Kommunikation kann eine offene und konstruktive Debattenkultur behindern, die gerade bei komplexen Themen wie der Umbenennung von Kasernen wichtig wäre.
Ich bin der Ansicht, dass Kritik und Meinungen am besten auf konkreten Argumenten beruhen sollten. Nur so kann ein fairer und ehrlicher Austausch ermöglicht werden, der verschiedenen Perspektiven Raum gibt, ohne sie schnell auszuschließen.
[Fein, dann machen wir es direkt: Es gab hier Hinweise auf die neueren Erkenntnisse zum Thema Hindenburg, u.a. in der hier genannten Biographie. Der angebliche Sieger von Tannenberg war er nicht, und seine Ernennung von Hitler zum Reichskanzler geschah danach sehr bewusst. Vor dem Hintergrund so zu tun, als sei er die Super Figur, ist ziemlich merkwürdig. Deutlich genug? T.W.]
Es gab Umbenennungen, die zweifelsohne berechtigt waren, wenn z.B. Kasernen nach anerkannten Kriegsverbrechern benannt waren (z.B. GenOberst Dietl).
Wenn aber jetzt (!) die Hindenburg-Kaserne umbenannt wird, oder auch vor einigen Jahren die Lent-Kaserne, dann werden diese Menschen im Ergebnis auf eine Ebene mit solchen Verbrechern gestellt.
Daran ist dann nichts ehrschonend, weder gegenüber den Personen selbst noch den Nachfahren gegenüber.
Epochale neue Erkenntnisse über Hindenburg können es jedenfalls nicht gewesen sein, die zur Umbenennung führten. Was wohl eher handlungsleitend war, ist ja offensichtlich – dann soll man das aber auch ehrlich sagen statt so zu tun, als sei hier dem drängenden Wunsch der Truppe entsprochen worden.
Dann sind wohl bald die Rommel-Kasernen dran, deren Umbenennung angeregt wird.
Ich bin mittlerweile so müde von diesem Quatsch mit den Umbennenungen.
Nebenan ist die Örtzetalkaserne (ehem. Schulz-Lutz-Kaserne). Dieser hätte man den Namen auch geben können. Eine Kaserne nach irgend einer Landschaftlichen Begebenheit zu benennen ist ja sowieso die unkreativste und am wenigsten traditionsstiftende Lösung.
Sehr geehrter Herr T.W.,
ich antworte Ihnen wie folgt:
Die von Ihnen geäußerte Kritik an Paul von Hindenburg, insbesondere bezüglich seiner Rolle als angeblicher „Sieger von Tannenberg“ und der bewussten Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, verdient zweifellos eine differenzierte Betrachtung. Dennoch greift die Darstellung aus meiner Sicht zu kurz und stellt die komplexen historischen Zusammenhänge zu einseitig dar.
Zwar ist es richtig, dass Hindenburgs militärischer Erfolg bei Tannenberg von der Propaganda überhöht wurde und die operative Führung vor allem bei General Ludendorff lag. Dennoch war Hindenburg als Oberbefehlshaber eine prägende Persönlichkeit, deren Führung und Symbolkraft für das deutsche Heer eine wichtige Rolle spielten – auch im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Moral und der strategischen Ausrichtung der Truppen.
Die Entscheidung zur Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler ist zweifellos ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte und mit enormen politischen Spannungen verbunden. Es ist jedoch angemessen zu betonen, dass Hindenburg in einem hochgradig instabilen politischen System handelte, das von vielen Kräften und Interessen geprägt war, die weit über seine alleinige Einflussnahme hinausgingen. Sein konservativ-monarchistisches Weltbild sowie das Misstrauen gegenüber der parlamentarischen Demokratie erhöhten den Druck auf ihn, doch die Verantwortung für den Aufstieg Hitlers sollte nicht allein auf seine Person reduziert werden, sondern als Ergebnis eines komplexen Geflechts von politischen und gesellschaftlichen Faktoren verstanden werden.
Darüber hinaus halte ich es für wichtig, Hindenburg nicht als „Superfigur“ oder bewussten Wegbereiter der NS-Diktatur zu dämonisieren, sondern seine historische Rolle ambivalent zu sehen. Er steht gleichermaßen für militärische Führungstraditionen und zugleich für die Grenzen der Weimarer Republik. Eine sachgerechte historische Bewertung muss diese Ambivalenz einbeziehen und darf nicht in einfache Urteile verfallen.
Vor diesem Hintergrund erscheint mir die jahrzehntelange Benennung von Kasernen nach Hindenburg als Ausdruck einer historischen Einordnung verständlich, auch wenn heute eine kritischere Haltung gerechtfertigt ist und die Umbenennung diskutiert wird. Die historische Auseinandersetzung mit seiner Person sollte stets differenziert erfolgen und sowohl Leistungen als auch Fehler berücksichtigen.
Ich hoffe, meine Darlegung trägt zu einer ausgewogenen Sichtweise bei und fördert einen sachlichen Dialog.
Die Debatten über die Umbenennung von Kasernen, wie etwa der „Hindenburg-Kaserne“, wirken für mich zunehmend überzogen und wenig zielführend. Es scheint, als würde man sich in einer Endlosschleife verhaken, in der Begriffe und Persönlichkeiten der Vergangenheit pauschal bewertet und auf Symbole reduziert werden – ohne Berücksichtigung des historischen Kontexts oder der tatsächlichen Bedeutung für die Soldatinnen und Soldaten vor Ort.
Mir erscheint diese Fixierung auf Namen vor allem als Symbolpolitik, die reale Herausforderungen und alltägliche Leistungen der Bundeswehr in den Hintergrund drängt. Die Menschen in den Kasernen leisten ihren Dienst, unabhängig davon, wie das Gebäude heißt. Statt sich auf solche Details zu versteifen, sollte man lieber dafür sorgen, dass die Bedingungen für die Truppe stimmen – von der Ausrüstung bis zum gesellschaftlichen Rückhalt.
Zudem wird in solchen Debatten oft vergessen, dass Geschichte komplex ist und historische Persönlichkeiten selten eindimensional zu bewerten sind. Kasernennamen spiegeln Traditionen und Erinnerungen wider, ohne automatisch deren alles Gute oder Schlechte zu idealisieren. Eine Umbenennung hilft nicht zwangsläufig, die Gesellschaft besser zu machen oder die Streitkultur zu verbessern.
Meiner Meinung nach sollten wir uns also fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, Energie und Ressourcen in zukunftsweisende Projekte zu investieren, anstatt sich in immer neuen Namensdebatten zu verzetteln, die am Ende vor allem Spaltung und Missverständnisse fördern.
@ wrm9 sagt:
31.07.2025 um 16:39 Uhr
> So empfinde ich die gesamte Entwicklung um die Kasernenumbenennung als wenig zielführend
Sie haben offenbar andere Ziele. Das ist bedauerlich!
Die Namenspatin aus den Befreiungskriegen ist für die heutige Soldaten also nicht greifbar (warum eigentlich nicht? Die Behauptung haben hier manche aufgestellt, aber nicht begründet). Der vor 180 Jahren geborene und vor 90 Jahren gestorbene ostpreußische Adlige, der mit 12 Jahren in die Kadettenanstalt kam, Leibpage der Königswitwe war usw. usf., dessen Lebensgeschichte soll im Gegensatz dazu identitätsstiftend und greifbar sein? Wie soll das denn passen?
Die Umbenennung der Hindenburg-Kaserne zeigt einmal mehr, wie das BMVg in Fragen der Traditionspflege besonders eifrig agiert – eine Rolle, die dem Ministerium schon seit Jahren zugeschrieben wird. Während die Bundeswehr bei grundlegenden Herausforderungen wie Einsatzbereitschaft, Ausrüstung und Ausbildung oft nicht ausreichend vorankommt, rücken solche symbolpolitischen Themen verstärkt ins Rampenlicht.
Es entsteht der Eindruck, dass das BMVg gerade dann auf Traditionsfragen fokussiert, wenn das „große Ganze“ – eine einsatzfähige und gut ausgestattete Bundeswehr – stockt. Solche Debatten wirken wie politisch gewollte Problemanzeigen, die Schlagzeilen bringen, aber von den eigentlichen Baustellen ablenken. Die lange Tradition des BMVg, gerade bei diesen Symbolthemen besonders engagiert zu sein, lässt vermuten, dass diese Themen als sicherer politischer Spielraum dienen, während harte und oft unbequemere Aufgaben im Hintergrund bleiben.
Die kritische Frage bleibt also: Führt diese aktuelle Fokussierung auf Traditionspflege tatsächlich zu einer stärkeren, zukunftsfähigen Bundeswehr – oder ersetzt sie nur den Blick auf die drängenden realen Probleme? Die Hindenburg-Kaserne in Munster wurde über Jahrzehnte hinweg von zahlreichen Parlamentariern und Politikern besucht – darunter auch mehrfach Lars Klingbeil –, ohne dass der Standort oder sein Namensgeber bezüglich der Kasernenbenennung infrage gestellt wurden. Warum wird ausgerechnet jetzt, nach dieser langen Zeit der Akzeptanz und intensiven politischen Präsenz, die Umbenennung plötzlich so vehement vorangetrieben? Was hat diesen plötzlichen Sinneswandel in der Wahrnehmung oder den politischen Prioritäten ausgelöst?“
Gestern haben wir im Kreis aktiver und ehemaliger Soldaten die Umbenennung der Hindenburg-Kaserne diskutiert. Viele haben dort gedient und sind mit der Kaserne verbunden.
Ein ehemaliger Fachdienstoffizier fragte: Warum bekommen Vorgesetzte bei Themen vom Zentrum für Militärgeschichte oder Innere Führung immer sofort Schweiß auf die Stirn? Aus meiner Erfahrung kann ich das gut verstehen.
Diese Einrichtungen geben wichtige Impulse, doch ihre Empfehlungen führen oft zu aufwändigen, „von oben“ kommenden Veränderungen, die Führungskräfte vor Ort neben den ohnehin großen Herausforderungen für Einsatzbereitschaft und Ausbildung stemmen müssen.
Das BMVg betreibt bei Traditionsfragen zunehmend Aktionismus – es wirkt etwas wie Showpolitik, die Probleme nur oberflächlich behandelt, während echte Baustellen weiter vernachlässigt werden. Namen wie „Hindenburg“ werden plötzlich, ja plötzlich, zu Sündenböcken, was bei vielen mehr Verwirrung als Verständnis erzeugt. Allein der Umstand, dass über viel Jahre niemand störte. Mir ist keine Initiative aus vergangenen Jahren bekannt.
Die Name war Jahrzehnte unstrittig und die Kaserne wurde regelmäßig von Politikern und Generalen aus dem In- und Ausland besucht. Es gab auch Fotos mit genau diesem Namenszug. Warum also gerade jetzt der Sinneswandel? Was steckt hinter der plötzlichen Umbenennung?
Für viele Soldaten sind solche Initiativen eben auch Belastung und Ablenkung zugleich. Es braucht einen offenen Dialog, der die Sicht der Truppe ernst nimmt – dann wird Traditionspflege zur notwendigen Stütze statt zur „von oben“ verordneten Last. Haben wir echt nichts wichtigeres zu tun?
@Voodoo
„sagt:
31.07.2025 um 15:23 Uhr
@ KPK
Also eine Wiederholung des Vorgangs vergleichbar. FJgS, die nun in der Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne liegt. Von der damals angeblich gelaufenen Beteiligung wusste auch lange niemand und als man Kenntnis erlangte, wurden Argumente gegen die Umbenennung ignoriert. Gelebte InFü halt… /sarc“
Ihre Darstellung ist schlichtweg falsch!
Als Beteiligter kann ich Ihnen bei Bedarf ganz genau schildern, warum, mit wem und wie oft hier eine Beteiligung stattgefunden hat. Und zwar mit allen Vertretern von Dienststellen und Einheiten in der gesamten Kaserne, die übrigens korrekt mit SFJg/StDstBw abgekürzt wird. Allerdings wurde keine Vollversammlung eines imaginären Soldatenrats einberufen, es gab kein Thing unter den Eichen im Eingangsbereich und es wurde bei der Diskussion Wert auf Fakten und historische Einordnung gelegt.
Der Vorschlag für den Namen kam übrigens aus dem Schulstab, wurde im Gebäude 21 für gut befunden und dann in der Runde zur Diskussion gestellt. Aus meiner Sicht eine ehrenvolle, würdige und um den Faden aufzugreifen: “ auch für den 20 jährigen Panzergrenadier“ verständliche Namensgebung“
@T.W. , tut mir leid aber das ist mir zu flach.
@aki5111
„So wurde 2018 die Emmich-Cambrai-Kaserne in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne umbenannt – als Ehrung für einen gefallenen Soldaten bei einem Anschlag in Afghanistan. Respekt für diesen Einsatz ist wichtig und richtig. Doch gleichzeitig werden andere Gefallene weniger beachtet, und die Geschichte des alten Kasernennamens selbst findet kaum Würdigung.“
Hauptfeldwebel Lagenstein war Kommandoführer im Personenschutz, eine herausgehobene Funktion und natürlich Feldjägerfeldwebel. Spätestens hier ist doch für jedem klar, dass eine „Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr“, an die er übrigens als Ausbilder nach seinem Einsatz in Afghanistan versetzt werden sollte, einen besonderen Bezug zu dieser Namensgebung hat. Die am meisten diskutierte Frage bei der Entscheidung war, ob damit auch der Anteil Stabsdienst dieser Schule sich genügend repräsentiert fühlt.
Natürlich waren damit nicht alle glücklich, aber in aus meiner Sicht fairer und kameradschaftlicher Weise wurde zugestimmt. Auf das Beibehalten des Namens von General Emmich , den „Löwen von Lüttich“ und die Erinnerung an die Schlacht bei Cambrai, legte übrigens keiner gesteigerten Wert…
Wenn wir als Bundeswehr nun wirklich auf eigene Traditionen setzen wollen, folge ich ihrem Beitrag, dass auch andere gefallene Soldaten betrachtet werden sollten, aber nochmals so einen exemplarischen Bezug zu den dort auszubildenden Soldaten wie bei dieser Umbenennung herzustellen, ist wahrscheinlich schwierig…
Die NVA-Kasernen wurden 1990 „von einem Tag auf den anderen“ umbenannt – konsequent und ohne Diskussion. Bei Kasernen mit Reichswehr, Wehrmachts- oder NS-Bezug hingegen zögerte man jahrzehntelang. Das zeigt eine eklatante Doppelmoral: Gegen die „rote“ Vergangenheit war man schnell und einig, bei der „braunen“ Geschichte wurde viel zu lange hingenommen und beschönigt. Kriegsvorbilder aus verbrecherischen Kriegen bestimmten den Alltag. Viele Wehrmachtoffiziere und Reichswehroffiziere spielten eine zentrale, tragende Rolle bei den verbrecherischen Angriffskriegen ihrer Zeit. Sie waren nicht nur Befehlsempfänger, sondern maßgebliche Mitgestalter von Planung und Durchführung von Angriffskriegen, die systematisch Kriegsverbrechen, Massenmorde und Vernichtung umfassten. Die militärische Führungsebene war intensiv in die Umsetzung von Verbrechen eingebunden, darunter Befehle wie den Kommissarbefehl, der zur Ermordung politischer Gegner führte. Trotz dieser Beteiligung versuchte man lange, persönliche Schuld zu relativieren oder zu verschleiern, was eine aufrichtige und werteorientierte Traditionspflege erschwert
So durfte die Hindenburgkaserne, benannt nach dem „Steigbügelhalter“ Hitlers, Jahrzehnte ohne echten Widerspruch bleiben – weder Besucher noch SPD-Politiker reagierten ernsthaft. Der Traditionserlass 2018 fordert längst, dass militärische Vorbilder sittliche Ideale verkörpern, nicht nur militärischen Erfolg. Doch daran hielt man sich bei belasteten Namen von Reichswehr und Wehrmacht kaum.
Die Bundeswehr muss bei der „braunen“ Vergangenheit genauso schnell und konsequent handeln wie einst bei der „roten“. Nur dann kann sie glaubwürdig und demokratisch sein.
Fazit:
Bei „roten“ Traditionen herrschte von Anfang an schnelle Einigkeit – bei „braunen“ Verstrickungen dauerte es ewig. Diese Doppelmoral muss beendet werden, indem belastete NS-Namen zügig verschwinden. Das ist der einzige Weg, die demokratische Identität der Bundeswehr zu sichern.
Auch Symbole wie die Palme im Wappen des Panzerbataillons 33 zeigen, wie schwer der konsequente Bruch mit Wehrmachtstraditionen fällt. Optische Nähe zu NS-Vergangenheit wird leider immer wieder mal bagatellisiert, statt entschieden abgelehnt. Da gibt es sicher noch mehr, ich empfehle nicht nur auf das Heer zu schauen. Möglichwerweise ist auch bei Luftwaffe und Marine noch ähnliches zu finden. Wenn nicht als Verbandsabzeichen, dann schauen wir mal in diverse Casinos oder Messen, nun ganz sicher ist da nichts zu finden, oder? Entweder ganz oder gar nicht? Also ganz und dann für alle.