Diskussion mit Ole Nymoen: Was ist mir dieses Land wert?
Im Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) habe ich fast eine Stunde lang mit dem Autor Ole Nymoen diskutiert – sein Buch Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde kommt nächste Woche heraus, und der programmatische Titel zeigt schon, wo die Diskussionslinien laufen.
Die Diskussion im RBB-Programm Radio3 gibt es hier zum Anhören:
Die Debatte mit Ann Kristin Schenten, Ole Nymoen und Thomas Wiegold
Aufrüsten in der neuen Weltordnung – mit Wehrpflicht?
Zur Erinnerung: ich selbst bin, das ist bekannt, anerkannter Kriegsdienstverweiger. Aber der Unterschied in den Ansichten von Nymoen und mir verläuft an einer ganz anderen Stelle. Deutlich wird das an einem Zitat aus seinem Buch:
Staaten sind für mich Herrschaftskonstrukte, deren Existenz für die Untertanen alles andere als funktional ist. Der Staat ist kein Dienstleister am Volk, der gnädigerweise Sicherheit und andere Wohltaten gewährt, sondern spannt umgekehrt seine Bürger für die eigenen Zwecke ein, von denen sie oftmals wenig haben.
Da habe ich halt ein anderes Staatsverständnis. Das wird auch beim Hören der Diskussion deutlich.
(Foto: Screenshot der Ankündigung auf der RBB-Webseite)
Die Position von Herrn Nymoen kann ich nicht verstehen oder nachvollziehen. Die erste erste Aufgabe eines Staates ist der Schutz vor äußeren Feinden. Dies sieht man gut im Alten Testament, wo zuerst die Richter die Anführer der Juden waren.und für den Schutz gesorgt haben. Damit waren die Israeliten nicht mehr Einverstanden, sie wollten einen König haben, wie die Nachbarvölker, trotz der Warnung vor Steuern & Militärdienst. Jahrelang im Bunkern sitzen zu müssen oder als Zivilist von Russen abgeschlachtet zu werden halte ich für viel schlimmer als eine Wehrpflicht! Ehrlicherweise muss ich sagen, ich habe nicht gedient, auch nicht verweigert, sondern ich wurde 1987 für untauglich befunden. Was ich nie gerecht fand, weil Zivildienst hätte ich leisten können. Ich war auch nie ein Fan der Wehrpflicht, erst Recht nicht mit komplizierter Kriegsdienstverweigerung. Die BW schöpft ihr Wehrpotenzial nicht aus. Das Freiwilligen Potenzial müsste erst Mal ausgeschöpft werden. Damit meine ich, jeder Deutsche ab 17 Jahren sollte die Möglichkeit haben, innerhalb von 24 Stunden in einem Anwerbebüro Soldat zu werden, ggf. auch mit Handgeld. Jeder EU oder Nato Bürger ,der deutsch kann, soll gleichfalls sofort in die Bundeswehr eintreten dürfen. Und für Dienste in Litauen oder Afrika sollten wir nach französischen Vorbild eine Fremdenlegion mit 10.000 Soldaten anwerben. Und als kleine Zwänge würde ich nach italienischem Vorbild bestimmen, dass nur Polizist werden darf, wer gedient hat in der Bundeswehr & die Bundespolizei würde ich wieder zum Bundesgrenzschutz umgliedern, mit Kombattanten Status , als Reservetruppe für den Kriegsfall, wie in Italien. Und nur wenn dies alles nicht reichen sollte, um genug Soldaten & Reservisten zu bekommen, würde ich die Wehrpflicht mit Postkartenkriegsdienstverweigerung oder als Dienstpflicht wieder einführen.
Wenigstens scheinen selbst die Linken mittlerweile die Notwendigkeit einer Verteidigungsfähigkeit nicht mehr infrage zu stellen. Es bleibt halt keine Spielwiese für ‚linke Spinner‘, wenn die europäische Gemeinschaft angegriffen wird. Ein Staatsverständnis wie das von Herrn Nymoen finde ich zutiefst verstörend. Kostenlose Bildung, Gesundheitsversorgung und andere Sozialleistungen nebst den allgemeinen Freiheiten bereitwillig annehmen und einfordern, aber nicht bereit sein, das Staatskonstrukt, das diese Leistungen verteilt, zu verteidigen?
Puh. Lese diese Blog schon seit vielen vielen Jahren aber noch nie hatte ich das große Bedürfnis einen Kommentar dazulassen. Heute ist es soweit.
Ohne mir die knapp 50 min angetan zu haben (Respekt, Herr Wiegold, dass sie mit so einem Gesprächspartner durchgehalten haben) – die allgemeine Haltung und auch die Art von diesem Jungjournalisten/Polit-Influencer (kurzes, aufschlussreiches Taz-Interview, wer einmal googelt), Inhalte zu besprechen – einfach nur zum Gruseln, und mit Blick auf die mediale Reichweite auch gefährlich, finde ich.
Ich bin von seinem Jahrgang nicht weit weg, und etwas so verqueres ist mir bisher nicht untergekommen in meiner Generation.
Wie viel klarer kann der Unterschied zwischen Gut und Böse noch sein?
Bei diesen hier veröffentlichten (und in besagtem Taz-Interview) Äußerungen kann auch keiner sagen, naja, der hat halt wirklich Angst, eingezogen zu werden und gleich kämpfen zu müssen nach einem bisher eher kurzen Leben auf dieser Erde.
Meine Erklärung ist: wir sind so lange im Wohlstand und Frieden gewesen, dass wir, und vielleicht grade einige jüngere (siehe Wahlergebnis Die Linke), trotz und vielleicht auch grade wegen des Kontrasts zu den unvorstellbar schlimmen Bildern und Ereignissen in der Ukraine den Realitätsabgleich einfach verweigern und uns weiter wohlfühlen wollen.
Mit den Phrasen, die wir immer mal wieder hören und gerne übernehmen – von „Frieden schaffen ohne Waffen“ über „Wir müssen doch jetzt endlich mal verhandeln“ bis hin zu „Wie viele junge Ukrainer (und Russen) sollen denn noch sterben müssen“.
Vielleicht auch aus initialem, psychischem Selbstschutz, das könnte man ja noch ansatzweise verstehen, wenn das im Privaten so gelebt wird.
Aber das dann offensiv öffentlich vertreten auf YouTube, in Podcasts, in Büchern?
Vielleicht ist die öffentliche inhaltliche Auseinandersetzung mit ihm richtig, wahrscheinlich sogar – aber ich hoffe, dass er in Zukunft mit solchen abstrusen Randmeinungen kein Publikum mehr findet.
Seine pauschale Argumentation einmal pauschal auf die innere Sicherheit gespiegelt, die genauso eine staatliche Kernaufgabe darstellt – Polizisten spannt der Staat dann auch für seine eigenen Zwecke ein, ohne dass der Bürger oft was davon hat?
Wo ist Herr Nymoen falsch abgebogen??
So wie er denkt meine Generation (hoffentlich) nicht. Einfach erschreckend.
@AJA
Fast schlimmer ist, daß manche sagen: „Für DIESEN (!) Staat kämpfe ich nicht“, vulgo: für diese Politik bzw. diese Politiker.
Hier manifestiert sich die Entfremdung zwischen Politik und Wahlbürger, bzw. Politikverdrossenheit bei gleichzeitigem Rückzug ins Private.
Zum Glück ist das noch nicht bis zu den Blaulichtorganisationen (FFW, THW, DLRG, DRK, u.a.) durchgeschlagen.
Der Hausherr, als anerkannter Kriegsdienstverweigerer, moecht mir verzeihen, aber fuer mich sind Leute welche die Vorzuege eines Staates wahrnehmen ohne fuer diese unter persoenlicher Gefahr einzutreten, „Trittbrettfahrer“, wenn ihre Haltung nicht von ehrlichen, christlichen Motiven bestimmt sind.
Andererseits, in einem modernen Krieg findet vor dem Waffeneinsatz keine Untersuchung der Opfer statt, Zivilisten werden wie Soldaten getoetet. Eine Ueberlebesgarantie ist die Verweigerung nicht.
Das Selbstverstaendnis der modernen Soldaten wird damit begruendet, dass der wahlberechtigte Buerger der natuerliche Verteidiger seine Staates und dessen Bewohner ist.
Als Deutscher, der viele lange Jahre beruflich (und gerne) in drei Kontinenten gearbeitet hat, habe ich, bis auf Neuseeland, keine vergleichbare Ausgewogenheit zwischen Pflichten eine Buergers, Wohlstand und Rechtssicherheit erlebt.
Jemand der argumentiert wie Herr Nymoen sollte seine deutsche Staatsbuergerschaft aus Gewissensgruenden aufgeben.
Was glaubt Herr Nymoen denn, wieviele Menschen der Staat in dem er lebt täglich „einspannt“, um ihm das friedliche Leben zu ermöglichen, dass er gerade lebt? Ich frage mich, ob er sein Maß an Freiheit überhaupt realisiert!
Sicher kann er sich hinstellen und sagen, diese Staat tut mir nichts Gutes und so tue ich auch nichts für ihn. Aber das ist eine Erwartungshaltung an den „Staat“ – der bei ihm ja irgendwie auch weniger aus den Staatsbürgern besteht, sondern eine irgendwie im aufgedrückte Instanz zu sein scheint – die für mich befremdlich ist. Ihm scheint es jedenfalls gut zu gehen, in diesem Staat.
Ich würde Herrn Nymoen zwei Tipps geben. Auch wenn er meint, in einem schlechten Staat zu leben, für den er nicht mit Waffen eintreten mag, sollte er nicht nur auf den Unterschied zwischen „gut“ und „schlecht“ schauen, sondern insbesondere zwischen „schlecht“ und „schlechter“, „unzumutbar“, „unerträglich“ usw.. also auf die real existierenden Alternativen östlich und man muss ja leider sagen auch etwas weiter westlich von uns. Und dann vor allem auch auf den „Nichtstaat“.. wer schützt ihn denn in der Anarchie, der rechts- und prinzipienlosen Gesellschaft vor Gewalt?
Und zum zweiten vielleicht mal Hobbes „Leviathan“ lesen. Da entwirft einer einen geradezu notwendigerweise zu errichtenden Staat, ausgehend von den Gefahren denen Menschen in einem solchen rechts- und prinzipienlosen Naturzustand ausgesetzt sind. Ob Hobbes Staatsvorstellungen für ihn akzeptabel sind?
Vielleicht wächst ihm die Bundesrepublik dann doch ans Herz, und er mag eher im geringeren „Übel“ leben.
Auch ohne das Gespräch gehört zu haben hier mal eine Frage zum voraussichtlich kommenden „schwedischen Modell“ der Wehrpflicht:
Wenn ich das richtig verstanden habe ist man durch die Kreuze an der „richtigen“ Stelle im Fragebogen automatisch raus. Mit dem Kreuz an der „falschen“ Stelle automatisch zumindest in der Verlosung zum Wehrdienst.
Ich wage jetzt mal zu vermuten das sich die Quote Letzterer im einstelligen Prozentbereich, evtl. unter 5% bewegen wird.
Wer wird hierzulande schon völlig freiwillig auf die freie Gestaltung seiner Lebensplanung verzichten ? Mit nur einem Kreuz ;-)
Ich gebe zu ich hätte das in den 1980ern auch nicht getan.
Gehen wir einmal von 400.000 potentiellen männlichen Wehrpflichtigen im Jahr aus wären das weniger als 20.000. Selbst ohne Abzüge wie Untauglichkeit.
@Mike Molto sagt:
„06.03.2025 um 16:52 Uhr
Der Hausherr, als anerkannter Kriegsdienstverweigerer, moecht mir verzeihen, aber fuer mich sind Leute welche die Vorzuege eines Staates wahrnehmen ohne fuer diese unter persoenlicher Gefahr einzutreten, „Trittbrettfahrer“, wenn ihre Haltung nicht von ehrlichen, christlichen Motiven bestimmt sind.“
Dann sind Sie aber aktuell nicht in der Mehrheit…
Aktuelles Ergebnis einer Forsa-Umfrage:
Nur jeder sechste Deutsche würde sein Land im Ernstfall mit der Waffe verteidigen.
Nur 17 (!!) Prozent der Bundesbürger wären „auf jeden Fall“ bereit, Deutschland im Falle eines militärischen Angriffs selbst mit der Waffe zu verteidigen. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv. (entsprechende Veröffentlichung heute auf diversen Medien-Seiten)
D.h. die deutliche Mehrheit der Bürger in diesem Land will nicht „kriegstüchtig“ werden. Dies sollte in einer Demokratie die Minderheit zumindest respektieren.
Was die zukünftige Regierung daraus macht bleibt abzuwarten.
Diesen Fakt zu ignorieren, auf der anderen Seite aber den kommenden Generationen hunderte Milliarden an Schulden für militärische Ausgaben aufzubürden, könnte schon bei der nächsten Wahl gravierende Folgen haben.
Denn die 400-500 Milliarden aus dem ggf. kommen Infrastruktur(Schulden)Vermögen und die ab 2028 zu tilgenden Corana-Schulden, kommen ja noch on Top…
Der aktuell gültige Corona-Tilgungsplan sieht eine Tilgung dieser Notlagenschulden im Zeitraum von 2028 bis 2058 (!!) vor.
2028 – 2030 ca. 9 Mrd/pro Jahr
2031 – 2058 ca. 11 Mrd/pro Jahr
Das sind dann nochmal ca. 300 Mrd.
Also
400-500 Mrd Verteidigung
400-500 Mrd Infrastruktur
300 Mrd Corana-Schulden
ca. 1,1 bis 1,3 Billionen Schulden…
…für die kommenden Generationen.
@ Mike Molto 06.03.2025 um 16:52 Uhr
> fuer mich sind Leute welche die Vorzuege eines Staates wahrnehmen ohne fuer diese unter persoenlicher Gefahr einzutreten, „Trittbrettfahrer“, wenn ihre Haltung nicht von ehrlichen, christlichen Motiven bestimmt sind.
Ein so schlichtes Weltbild kann man nur mitleidig zur Kenntnis nehmen.
Es ist in einem Rechtsstaat kein „Vorzug“ sein Recht wahrzunehmen.
Zudem waren die Verhältnisse in den 70er-Jahren gravierend andere als heute.
Mit Begriffen wie „Trittbrettfahrer“ in diesem Zusammenhang zu schwadronieren, ist intellektuell nicht satisfaktionsfähig. Geschenkt!
Ziemlich angestaubt ist es auch, „christliche Motive“ vorauszusetzen. Schon damals war das keine valide Voraussetzung. Aufrichtige ethischen Motive scheinen ihnen wohl nicht zu genügen.
Grobe Klötze in der Bundeswehr haben seit jeher dem Ansehen der Truppe geschadet, und von Innerer Führung hat man damals noch geträumt.
Was diese jungen Menschen aufgrund ihrer Unerfahrenheit halt noch nicht verstehen, ist, dass sich immer Machtstrukturen herausbilden. Entfällt der Staat nimmt der Clan oder andere Gruppierungen, ggf. ein anderer staatlicher Player die Macht. Kann man in jedem failed State beobachten. Ob man so gerne vom Schwiegervater seines Schwippschwagers abhängig sein will, ist die Frage…
Ich grag mich nur, warum? Schade um die Zeit des Hausherren. Ausser….
Ansonsten Zitat Kalkofe (angepasst): „80 Jahre Frieden sind zuviel“
Tu ich mir nicht an.
@Mike Molto
Wehrdienstverweigerer können durchaus zum Zivilschutz o.ä. verpflichtet werden, ebenso die holde Weiblichkeit zum (nicht frontnahen) Sanitätsdienst.
Dazu paßt, daß man nun wohl tatsächlich dran ist, Reserveübungen wieder verpflichtend zu machen:
„Vorgeschlagen wird nun laut Bericht, dass Reservisten, die für bestimmte Verbände eingeplant sind, alle zwei Jahre verpflichtend für zwei Wochen eingezogen werden können.“
Auf WELT Online, Original wohl im SPIEGEL.
Spannend, das werde ich mir anhören. Viele staats- und machtkritische Leute, die ich so höre, machen meiner Ansicht nach den Fehler, dass sie sich statt des Staats eine utopische alternative Ordnung vorstellen und nicht die Vielfalt realer Staaten. In einem (relativ) demokratischen Staat und einer (relativ) offenen Gesellschaft kann man ja für Verbesseungen arbeiten. Im realen Putinismus nicht so. Was aber auch typisch für die deutsche Erfahrung ist, ist a) dass wir lange nicht mehr erfolgreich für irgendwas gekämpft haben, so wie die Freiheit von Besatzung, dass wir zweimal besiegt werden mussten, um Fortschritt einzuleiten und b) dass wir die Besatzung als ziemlich positive Zeit erlebt haben. Da ist natürlich das Selbstverständnis ein anderes.
Bei uns hängt noch ein FDP- Wahlplakat, welches meiner Meinung nach auf den Herrn gut passt: „Der Staat ist nicht dein Erziehungsberechtigter“.
Da wird bei jedem querliegenden Furz nach „dem Staat“ gerufen aber selber was für „den Staat“ – also für die Gesellschaft – tun passt nicht in das kleinliche Weltbild.
@StMarc 06.03.2025 um 17:46 Uhr
Dem möchte ich zustimmend hinzufügen, dass unter staatsfernen Machtstrukturen und Diktaturen Zustände von Gewalt entstehen, die idealer Nährboden für Korruption sind. Korruption gedeiht unter Gewalt, weil sie eine Form von unterwürfigem Überleben unter solchen Zuständen ist. Eine verderbliche und ausbeuterische Abwärtsspirale für jeden, der nicht zur oberen Hierarchie zählt..
Für Ole Nymoen wäre der Dienst an der Waffe eine seelische Zerreißprobe, damit hat er das Recht den Kriegsdienst zu verweigern und dass seine Entscheidung anerkannt und respektiert wird.
Viele Andere – mich eingeschlossen – haben einen Eid geschworen sein (Menschen-)Recht auf eben diese Freiheit (tapfer) zu verteidigen.
@StMarc:
„diese jungen Leute“ ist eine Verallgemeinerung, die so natürlich auch nicht stimmt und bei der ich mir wünschte, man wäre etwas vorsichtiger damit. Nymoen ist Jahrgang ’98, aber auch ihm wird (sogar in der taz) widersprochen: https://taz.de/Kaempfen-fuer-Deutschland/!6028014/ Der Autor des Artikels ist Jahrgang ’96, dürfte also vmtl auch unter ihre „jungen Leute“ fallen, hat aber eine (aus meiner Sicht) deutlich realistischere Sicht auf das Ganze.
Das ist keinesfalls eine Frage des Alters, sondern deutlich komplexer und eben wohl eher eine der politischen Ausrichtung, Erziehung, Sozialisation usw.
Es ist schon klar, dass man mit höherem Lebensalter die Einlassungen von Ole Nymoen als naiv beiseite wischen muss. Aber ihn hier in Bausch und Bogen zu verdammen, ist doch ein wenig zu einfach. Wenn ich ihn durchaus als Repräsentant seiner Generation lese und mich in Herrn Nymoen hineinzuversetzen versuche, komme ich zu folgendem Ergebnis:
Geburtsjahr 1998. In dem Jahr kam Gerd Schröder an die Macht, und damit auch der „Dritte Weg“ in der sozialdemokratischen Gesellschaftspolitik, was hieß: Privat vor Staat, Shareholder Value vor sozialer Verantwortung, ökonomische Wettbewerbsfähigkeit des Landes vor Teilhabe aller am Wohlstand des Landes. Was daran sozialdemokratisch sein sollte, weiß ich nicht mehr. Ach doch: „Chancengerechtigkeit“, nicht Umverteilung, sondern knallharter Wettbewerb in Bildung und auf dem Arbeitsmarkt. Um der unteren Mittelschicht Beine zu machen, wurde diese in Sachen Transferleistungsabsicherung für die Wechselfälle des Lebens enteignet (Hartz IV, Rentenreform, etc.). Kindern und Jugendlichen aus dem Jahrgang des Herrn Nymoen aus der Mittelschicht wurde vermittelt: Auf euch und eure Zukunft gibt keiner was, ihr müsst euch selber kümmern, in maroden Schulen mit zu wenig Lehrenden. Zu deutsch: Der Staat schützt „Leistungsträger“ und „Investoren“ (Vulgo: Die Reichen), Schwache und Bedürftige werden als Schmarotzer gegängelt. „Wer arbeitet, soll auch nicht essen“, ließ sich Franz Müntefering, von der Presse zum Sozi-Urgestein hochgeschrieben, von eben jener zitieren.
Von diesem Staat hast Du nichts zu erwarten, lernte Ole Nymoen und seine Alterskohorte. Das Lebensglück vieler einfach einem Broterwerb nachgehenden Leute wurde auf dem Altar der ökonomischen Indizes geopfert.
Und jetzt kommen wir um die Ecke und sagen: „Nun, Normalos wie euch haben wir gerne herumgeschubst, jetzt heißt es aber zu den Fahnen, Landesverteidigung.“ Das ist aus Sicht der in den 2000ern und 2010erb aufgewachsenen MitbürgerInnen einfach nur als dreist zu betrachten. Das sollte man in Betracht ziehen, ehe man hier selbstgerecht den Stab über diese Alterskohorte bricht.
Ich finde die Genese des Buches, die Herr Nymoen im Beitrag berichtet, so bemerkenswert wie entlarvend: „Ich wurde von der Redakteurin der Zeit, die mit mir vor ein paar Jahren zu was völlig anderem zusammenarbeiten wollte, ob ich irgendetwas dazu zu sagen hätte zu dieser Debatte über Wehrpflicht bzw. überhaupt Kriegstüchtigkeit“ Nun gut, wir haben glücklicherweise Meinungsfreiheit in Deutschland. Ob jede noch so unbedarfte Meinung, ohne Ansehen der Qualifikation des Äußernden, ein Rundfunkforum braucht, sei dahingestellt…
Indem er die Freiheit nutzt, die unser Staat, unsere Bundesrepublik Deutschland auf der Basis unseres Grundgesetz bietet, zu sagen was er denkt, tritt er den besten Gegenbeweis seiner eigenen Thesen an.
Frei nach den BW Slogan, wir kämpfen auch dafür, dass Du gegen uns sein kannst.
Ansonsten reflektiere ich gerne meine Sichtweisen gegenüber anderen Positionen. Das bestärkt mich nur mehr darin auf der richtigen Seite zu stehen. Also danke, dass man dem Herrn eine Bühne beim RRB bietet, unterstützt mit Rundfunkgebühren.
Und ja, 80 Jahre Frieden, sponsored by Uncle Sam, scheinen vielen zu Kopf gestiegen.
PS: Am Ende beruht die Debatte auf der Frage, wer Recht hat: Thomas Hobbes oder John Locke. Die menschlich-solidarische Welt, die sich Herr Nymoen erträumt, ist bestimmt wünschenswert – sie braucht nicht nur keine Wehrpflicht, sondern vermutlich auch weder Polizei noch Justiz. Sie verkennt aber, dass Menschen Interessengegensätze haben, und manche Menschen bereit sind, ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen, und man diesen Menschen etwas entgegensetzen muss, weil sonst das Faustrecht regiert.
@ Felix2 Wenn 17 Prozent der wehrfähigen und wehrwilligen Bürger in den europäischen NATO-Staaten bereit wären, zu kämpfen, sollte das reichen, die Russen in Schach zu halten. Wir haben jetzt schon mehr Soldaten.
Gegen Feigheit, Egoismus und ideologische Verblendung helfen keine Argumente, weil es sich dabei um charakterliche Probleme handelt. Solche Konsumenten von Sicherheit, die ganz vom Schutz verantwortlich handelnder Bürger abhängig sind, muss eine Gesellschaft aushalten können, aber positive Anerkennung irgendeiner Art sollten sie nicht erwarten.
Das wir hier in diesem Blog inhaltlich mehrheitlich der Argumentation von T.W. folgen und nicht der von Herrn Nymoen überrascht nicht. Ich möchte deshalb schreiben, dass mir Ihre Argumentation, Herr Wiegold, rhetorisch und sprachlich riesige Freude bereitet hat. Insofern sollte sich m.E. niemand über Sendezeit, vergeudete Lebenszeit, Rundfunkgebühren etc. beklagen, denn rational betrachtet sehe ich keinen Zweifel, wer die besseren Argumente und die bessere Argumentation geboten hat. Jeder, der sich ohne viel Vorwissen über das Thema Wehrpflicht informieren will, bekommt eine starke Argumentation pro Wehrpflicht bzw. pro militärische Landesverteidigung präsentiert, ohne dass der Vorwurf einer einseitigen Darstellung des Themas erhoben werden kann. Ich empfehle auch allen, die sich den Beitrag „nicht antun wollen“, ihn dennoch anzuhören, es lohnt sich.
Obwohl ich und nahezu mein gesamter Freundeskreis zu den oben genannten 17% der unbedingt verteidigungswilligen gehören, stören mich manche pauschale Aussagen über Kriegsdienstverweigerer. Im modernen Krieg zweier Staaten, sei es der Zweite Weltkrieg oder jetzt der Ukraine-Krieg, konnte man das Todesrisiko nur bedingt am Status Soldat/Zivilist/Verweigerer festmachen. Feuerwehrleute in Bombennächten des 2WK wurden zugweise „ausgelöscht“ oder heute in der Ukraine – mit redundanten Angriffen – haben sie ein massiv höhreres Risiko, als der Soldat in der tiefen Etappe. Jeder der länger gedient hat kennt Fälle, in denen man von „KDV in Uniform dank Vitamin B“ gesprochen hat. Das höchste Risiko tragen natürlich Kampfeinheiten oder Sanitäter an der Front. Aber nicht jeder Soldat dient dort. Und in frontnahen Städten in der Ukraine werden Rettungsdienste gezielt beschossen… Die echte Trennung zwischen Feigheit und Gewissensentscheidung wäre also die Frage nach der Wahl der Form des Zivildienstes.
Verweigert er denn auch staatliche Leistungen?
Landesverteidigung ist am Ende keine Sache von Worten, sondern von individuellen Entscheidungen und Handlungen. Es reicht im Ernstfall nicht, klug für Landesverteidigung zu argumentieren, sondern man muss hier ganz praktisch eine Waffe in die Hand nehmen und Feinde töten. Alles, was unterhalb dieser Schwelle bleibt, ist letztlich unzureichend, auch wenn es gut gemeint ist. Deutschland hat noch einen langen Weg vor sich, bis es wirklich in der neuen sicherheitspolitischen Realität angekommen ist.
@Spatengänger
Genau, da bin ich etwa nicht bei ihnen. Was spricht dagegen, dass man etwas für sein Land tun möchte, aber nicht töten möchte? Wie bereits von anderen Kommentatoren in anderen Themen erwähnt, kann man genauso gut in der Sanität tätig sein und verwundete versorgen oder lapidar einfach den Lkw fahren, der benötigte Güter wie Munition von A nach B bringt. Oder in der Feuerwehr, ähnlich wie in der Ukraine, die nach Raketenangriffen ausrücken und auch hier in Gefahr sind.
Das hier viele Mitleser die Position von Herr Nymoen nicht teilen, ist mir bewusst. Genauso denke ich, ist es ein hohes Gut/Privileg, dass Positionen wie die von Herr Nymoen überhaupt eingenommen und geteilt werden können. Das ist in meinen Augen ein sehr wertvolles Gut, was man heutzutage sehr wertschätzen sollte.
Davon uabgesehen sollte man in meinen Augen davon weggehen, Menschen Leistungen durch den Staat absprechen zu wollen, nur weil diese nicht den Staat verteidigen wollen. Das könnte sich ansonsten in eine andere, nicht gewünschte Richtung entwickeln.
@S4 Offz
Dann hatte ich Sie missverstanden.
Die Position von Herrn Nymoen halte ich aus den folgenden Gründen für unethisch und unverantwortlich:
– Seine Position ist unsolidarisch. Herr Nymoen könnte sich offenbar an der Verteidigung des Landes und der Übernahme der damit verbundenen Risiken beteiligen, will dies aber nicht. Zugleich nimmt er die Vorteile in Anspruch, die ihm das Leben in Deutschland bietet, sowie den Schutz derer, die sich aktiv an der Verteidigung des Landes beteiligen.
– Seine Position ist im Sinne des kategorischen Imperativs nicht verallgemeinerbar. Würden alle Menschen so handeln wie er, wäre Deutschland wehrlos gegenüber äußeren Feinden und politischer Erpressung ausgeliefert.
– Herr Nymoen versteht zudem die Prinzipien freiheitlicher politischer Ordnungen nicht. Sie beruht auf freien Bürgern, die sich aktiv an der Gestaltung des Staates beteiligen, auch und gerade im Bereich Verteidigung. Hier gibt es keine „Untertanen“, zumindest solange nicht, wie diese Ordnung verteidigt wird.
– Es entsteht der Eindruck, dass er die FDGO so wie jede staatliche Ordnung ablehnt. Da wäre es konsequent, wenn er ihren Schutz nicht länger in Anspruch nähme, was er aber offensichtlich nicht tut. Sein Verhalten ist daher ethisch inkonsistent.
Toleranz ist definiert als die Duldung eines Problems. Herr Nymoens Positionen sind aus den beschriebenen Gründen in höchstem Maße problematisch und unverantwortlich und können in einem freiheitlichen Staat toleriert, aber nicht bejaht oder wertgeschätzt werden, weil sie die Grundlagen der FDGO schwächen. Sollte sich dieses Denken ausbreiten, hätte Deutschland im Fall russischer Aggression ein ernsthaftes Problem, weshalb man ihm als Staatsbürger entschieden und konsequent entgegentreten sollte.
Insgesamt erschließt es sich angesichts der fundamentalen Mängel seiner Position nicht, warum man ihn überhaupt als ernstzunehmenden Gesprächspartner wahrnimmt.
@ Spatengänger 06.03.2025 um 23:36 Uhr
> Landesverteidigung ist am Ende keine Sache von Worten, …, sondern man muss hier ganz praktisch eine Waffe in die Hand nehmen und Feinde töten.
Jeder nach seinen Fähigkeiten, ganz im Sinne von maximierter Effektivität.
Nicht jeder schafft es, sein Gegenüber mit dem Spaten zu erschlagen.
Und damit einer kräftig zuschlagen kann mit seinem Spaten braucht es andere, die diesen herstellen und den Spatengänger fit halten, nicht wahr?
Ohne Worte aber funktioniert Landesverteidigung überhaupt nicht. Darüber mal in Ruhe nachdenken, ohne Spaten.
Es ist bei diesem Thema wichtig zu verstehen, in welchem Maße die Identität der FDGO auf der Abstützung ihrer Verteidigung auf den Bürger beruht. Es gehört zu den Errungenschaften der Aufklärung, Menschen nicht als Untertanen zu betrachten, sondern als freie Individuen. Nymoen hat dieses Staats- und Menschenbild nicht einmal im Ansatz verstanden. Mit dieser Vorstellung ist untrennbar verbunden, Bürgern unter bestimmten Voraussetzungen die Existenz des Staates anzuvertrauen und sie zu Waffenträgern zu machen. In Deutschland bzw. seinen Vorgängerstaaten wurde dies erstmals im Rahmen der preußischen Heeresreform verwirklicht, in deren Tradition die Bundeswehr steht.
Vom Stein betonte in diesem Zusammenhang, dass es von existenzieller Bedeutung sei, dass ein Staat sich auf Bürger mit einem „kriegerischen Geist“ stützen könne und nicht nur auf eine Verbindung von Adligen und Söldnern. Es sei daher wichtig, dass das Bürgertum seine Neigung „zu unkriegerischen und feigen Gesinnungen“ überwinde. Der weniger bekannte Friedrich Wilhelm von Ellrodt betrachtete das Tragen von Waffen zur Verteidigung des Gemeinwesens sogar als das Hauptattribut des freien Bürgers. Wer dies nicht könne oder wolle, „der hat Sclavensinn.“ Wer wie Nymoen nicht für sein Land kämpfen will, muss eben damit leben, dass er von anderen beherrscht wird. Zuletzt mussten dies jene Afghanen erfahren, die nicht gegen die Taliban kämpfen wollten und nun mit den Früchten ihrer Verweigerungshaltung leben müssen. Kein verantwortungsbewusst denkender und handelnder Mensch kann so etwas im Angesicht der Bedrohung durch Russland für Deutschland wollen; und niemand, der ernst genommen will, kann behaupten, dass es keinen Unterschied macht ob man in einer freiheitlichen Ordnung oder in einer Diktatur lebt. Auch Nymoen lebt ja offensichtlich lieber in Deutschland als in Russland.
@daswerkzeug
„Nicht jeder schafft es, sein Gegenüber mit dem Spaten zu erschlagen. […] Ohne Worte aber funktioniert Landesverteidigung überhaupt nicht. “
Schon klar, deshalb habe ich meine Antwort auf Nymoen ja auch ausführlich aus ethischer und demokratietheoretischer Sicht hergeleitet. Wenn als Ergebnis aller Worte aber nicht genügend Menschen dazu bereit sind, Angreifern physisch entgegenzutreten, hat ein demokratischer Staat, der in einer gefährlichen Nachbarschaft lebt, ein Problem. Man muss diesen weltanschaulichen Konflikt daher austragen, anstatt ihm passiv zu begegnen und sich auf einen Toleranzstandpunkt zurückzuziehen.
@Spatengänger
Sie können es nicht aushalten, dass einer sein verfassungsrechtlich verbrieftes Recht ausübt, wenn er/sie den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert.
Sie haben Schwierigkeiten damit, dass andere „Errungenschaften der Aufklärung“ anders interpretieren.
Sie neigen dazu, Preußens Gloria zu verherrlichen. Ist das nicht ein wenig angestaubt?
Sie gehen auch einem auf das Stöckchen, der mit provokativen Mitteln ein Buch verkaufen will, dass er angeblich gar nicht schreiben wollte. Irgendwie beflügeln Sie das Marketing des Autors. Ignoranz in diesem Fall hätte ihn abgestraft.
@Buchhändler
Wie kommen Sie denn darauf, dass ich irgendetwas nicht „aushalten“ würde? Ich beteilige mich mit Argumenten an einer von Nymoen angestoßenen Debatte. Solche Argumente vermisse ich bei Ihnen.
Dass Sie den in den preußischen Reformen angelegten Übergang vom Absolutismus zum demokratischen Verfassungsstaat und zur FDGO für „angestaubt“ halten, ist im Übrigen nur eine Meinung, aber kein Argument, und angesichts Ihrer Begriffswahl vermute ich, dass Sie schlicht nicht wissen, worauf ich mich hier bezogen habe.
Ich hatte noch keine Gelegenheit, das Streitgespräch zu hören, werde das aber sicher nachholen.
Vorab: Nymoens Position scheint mir stark von einer anarchistischen Utopie geprägt zu sein. Eine in sich zwar schlüssige gedankliche Position, jedoch an den Umständen der Realität eben vollständig vorbei.
Anarchisten, die den Staat auf ein „Herrschaftskonstrukt“ reduzieren, schmeißen damit alles aus dem Fenster, was ein Staat Positives leistet. Eigentlich müsste dann auch die familiäre Struktur von Menschen für Nymoen eine „Herrschaftsstruktur“ darstellen, denn auch eine Mutter und ein Vater, die ihr Kind erziehen, üben in diesem Sinne „Herrschaft“ aus. Das Kind ist von ihnen vollständig abhängig und bleibt dies, wenn es nicht zur Selbständigkeit heranreift. Und dieses Heranreifen ist von den Regeln und ggf. auch Konsequenzen der elterlichen Erziehung geprägt.
Da endet dann aber auch die Analogie, denn in der Tat ist der Spruch auf dem FDP-Plakat zutreffend. Der Staat ist nicht primär mein Erziehungsberechtigter! Er darf zwar die Regeln durchsetzen, auf die wir uns gesamtgesellschaftlich geeinigt haben, aber es ist nicht seine Aufgabe, aus seinen Einwohnern mittels staatlicher Ressourcen einen „neuen Menschen“ zu formen und dessen Denken zu verändern. Dieses Selbstverständnis findet sich historisch hauptsächlich in kommunistisch/sozialistisch geprägten oder zumindest doch ideologisch-autokratischen Ländern mit einem ausgeprägten Kollektivismus.
Und die sind in aller Regel näher an den von Herrn Nymoen so vehement abgelehnten „Herrschaftsstrukturen“, als die doch recht freiheitlichen Staaten der westlichen Hemisphäre…
Dass zunächst mal keiner derjenige sein will, der in den Kampf geschickt wird, um dort mit einiger Wahrscheinlichkeit auf dem Feld liegenzubleiben, ist doch sonnenklar. Alles andere wäre pathologisch. Aber nicht minder pathologisch wäre es, von allen anderen zu erwarten, dass sie für einen selbst zu sterben haben,
Eine Bevölkerung, in der höchstens jeder für sich bereit ist, seine eigene Person und sein unmittelbares Umfeld gegen Aggression zu verteidigen, ist gegenüber jedem auch nur bandenmäßig organisierten Aggressor nichts als eine Ansammlung willkommener Opfer.
@Spatengänger:
Ja, der Staatsbürger sollte gerade in Krisenzeiten dem Staat was zurückgeben.
Und ja, ein gewisser Anteil wird zum Dienst an der Waffe (Armee, Polizei, Knast) benötigt.
Anders als im 19. Jh. stehen heute sehr viel mehr „zivile“ Leistungen hinter einer Streitmacht: Sanität, Logistik u.ä. sind das Rückgrat für die kämpfenden. Dementsprechend kann man seinem Land dienen ohne eine Waffe auszulösen.
Dies fehlt in ihren Ausführungen völlig.
Manche Positionen sind so utopisch, dass es sich eigentlich gar nicht lohnt, darauf einzugehen. Aber ja, es braucht gelegentlich doch der Gegenrede, damit die Diskussionshoheit nicht dorthin übergeht. Mit fallen spontan wenige ein, die so gut geeignet wären wie der Hausherr hier. Insofern ein herzliches Dankeschön für das gekonnte Argumentieren. Danke!
@ Felix2 sagt: 06.03.2025 um 17:31 Uhr zu Mike Molto sagt:„06.03.2025 um 16:52 Uhr
1. Es war noch nie mein Ehrgeiz und/oder Intention mich einer mehrheitlichen Meinung anzuschliessen, die nicht meiner Ansicht entspricht.
2. Ihre Zahlen und die Konsequenzen daraus sind nachvollziebar – und sicherlich belastend, aber haben Sie eine Alternative anzubieten ? Etwa einen Neu-Warschauer Pakt beitreten?
Cheers
Ich kenne Herrn Nymoen aus seinen Podcast seit Jahren. Mit seiner Kapitalismuskritik ist er dort sehr eindeutig, wie auch in diesem Gespräch. Ich nehme ihm sein Unbehagen darüber ab. Es wird natürlich schwierig, nur die Gesellschaft verteidigen zu wollen, die man in seinem Kopf hat. Diese Gesellschaft wird niemand bekommen. Darum wird jede andere Gesellschaft untergehen, weil sie nicht perfekt ist. Doch welche kommt dann? Eine in der man sich nicht mehr aussuchen kann, ob man eine Waffe in die Hand nimmt!
Ich habe die sozialistische Gesellschaft auch mitgemacht. Ich kann sagen, sie war schlechter als diese. Darum glaube ich, eine perfekte Gesellschaft wird es nie geben. Deshalb also die gegenwärtige verteidigen.
Closius sagt…. Und für Dienste in Litauen oder Afrika sollten wir nach französischen Vorbild eine Fremdenlegion mit 10.000 Soldaten anwerben. ***
Den Göttern sei Dank sind wir keine Söldnerarmee und werden hoffentlich auch keine.
***„Für DIESEN (!) Staat kämpfe ich nicht“,***
Wer das sagt hat keine Heimat, keine Ehre und keine Würde. Ein Staat definiert sich nicht nur durch seine Politik.
S4 Offz sagt….Genauso denke ich, ist es ein hohes Gut/Privileg, dass Positionen wie die von Herr Nymoen überhaupt eingenommen und geteilt werden können. ***
Auch wenn es schwer fällt.
Sehr geehrte Herr Wiegold,
seien sie ehrlich. Nachdem Gespräch haben sie mehr als eine Zigarette geraucht.
Ich fasse Mal die Meinung von Herrn Nymoen zusammen mit naiver Egoismus.
Im Prinzip sagt er doch mit seinem letzten Satz, dass er selbst einen, in seinen Augen idealen Staat, nicht verteidigen würde, wenn dieser bedroht wäre.
Hat dann aber die Erwartung an den nicht so idealen Staat, dass er er ihn als Flüchtling aufnimmt. Übrigens, die Welt ist rund. Dann kommt man zwangsläufig irgendwann wieder da raus, wo man eigentlich nicht mehr sein wollte.
Kleiner Punkt zum Schluss. Einen kleinen Herrn Nymoen haben wir fast alle in uns, der wohnt Tür an Tür mit dem inneren Schweinehund. Hier hilft nur Überwindung.
[Erstens bin ich immer ehrlich, und zweitens rauche ich seit einem halben Jahr nicht mehr… ;-) T.W.]
wann wurden zuletzt ein Krieg gegen Vatikanstaat, Lichtenstein, Andorra, Monaco oder die Cayman Islands geführt?
Alle jetzt nicht bekannt für ihre mächtigen Streitkräfte und trotzdem bestehen sie ohne sich äußerem Diktat gebeugt zu haben.
Es scheint also Möglichkeiten zu geben, ohne Gewalt, Konflikte zu lösen.
@Alfred Maynard
Der einzige Weg, der in der Geschichte zuverlässig Sicherheit garantiert hat, ist überlegene militärische Macht, die sich u.a. auf wirtschaftliche, technologische und demographische Macht stützt. Die Ukraine hat auf die harte Tour lernen müssen, dass es unklug war, ihre Nuklearwaffen Anfang der 1990er ohne Not aus der Hand zu geben.
Die erwähnten Mikrostaaten sind nicht repräsentativ Sie profitieren davon, dass sie zum Einem mangels Rohstoffen oder geostrategischer Lagevorteile als Ziel militärischer Aggression uninteressant und zum Anderen von militärisch hinreichend mächtigen demokratischen Staaten geschützt werden bzw. von diesen umgeben sind. Unter anderen Bedingungen sind Kleinstaaten immer besonders verwundbar, z.B. im Baltikum.
Alfred Maynard sagt: 08.03.2025 um 10:58 Uhr
Eigentlich ist Ihre schlichte Darstellung keiner Erwiderung beduerftig, dennoch:
Gilbt es, bis auch evtl Geldwaesche, international einen Konfliktpunkt mit denen von Ihnen genannten Staaten, die uebrigens alle unter dem Schirm eines oder mehrerer Umliegerstaates leben. ?
Cheers
@ Spatengänger sagt: 08.03.2025 um 12:42 Uhr
> Die Ukraine hat auf die harte Tour lernen müssen, dass es unklug war, ihre Anfang der 1990er ohne Not aus der Hand zu geben.
Das kann man hinterher leicht sagen. Ich würde behaupten wollen, dass es damals eine hinreichend gute Entscheidung war, denn niemand könnte – auch im nachhinein – sagen, welche Wendungen die ukrainische Geschichte mit (unbenutzbaren?) Nuklearwaffen genommen hätte.
Eine militärische Auseinandersetzung um diese Waffen wäre eine wahrscheinliche gewesen, und ich wage es zu behaupten, dass RUS die UKR schon bei dieser Gelegenheit unterworfen hätte.
Es könnte aber auch sein, dass die UKR sich mit Nuklearwaffen nicht zu einer Demokratie entwickelt hätte … hätte hätte Fahrradkette …
@ Nico sagt: 07.03.2025 um 18:58 Uhr
>> ***„Für DIESEN (!) Staat kämpfe ich nicht“,***
> Wer das sagt hat keine Heimat, keine Ehre und keine Würde.
Das ist grober Quatsch, weil auf naivem Denken beruhend, und wortwörtlich ehrabschneidend ist.
Es ist durchaus möglich gerade aufgrund von Ehre und Würde sehr respektabel gerade nicht für „EINEN“ Staat kämpfen zu wollen.
Wie sie unschwer bemerken könnten, kommt es darauf an wie es um das Verhältnis des Menschen zu seinem Staat bestellt ist. Einfache Menschen neigen zur Einfachheit gegenüber dem Staat. Aber nicht alle Menschen fühlen sich von ihrem Staat, bzw. von den Mitmenschen immer gut behandelt. Vor allem, wenn eine/r nicht so sein will/kann wie die Umgebung es einfordert, dann fühlt man sich der Gemeinschaft nicht mehr zugehörig. Will sagen, da ist nicht immer nur der Einzelne dafür verantwortlich. Hätten sie auch von einem Alexei Nawalny gefordert, er hätte doch mit der Waffe kämpfen sollen, und ihm in gleicher Weise die Ehre abgesprochen?
Kurzum, man kann seinen Spaß daran haben dumme Sprüche zu klopfen, um sich selbst vermeintlich aufzuwerten, aber intellektuell satisfaktionsfähig ist das nicht.
Es gehört zur Stabilität und Resilienz eines jeden Bürgers in Uniform, eine Weltanschauung wie die vorgetragene zu ertragen. Anders kann unsere Freiheit nicht ganzheitlich – in und außer Dienst, als Reservist – verteidigt werden. Wir nähren durch unseren Schutz des Grundgesetzes, der FDGO, auch diesen Weltanschauungen den Boden. Ich tue dies verbunden mit zweierlei Hoffnung:
1: Diese Mitbürger fühlen sich mit uns Waffenträgern Wohl und im Ernstfall durchdenken sie Ihren Standpunkt sollten wir eines Tages gezwungen sein das traditionelle Jägerlied anzustimmen: „Bürger, lasst euch sagen, …“
2: Sollte unser politisches System nach innen kippen, z.B hin zum Rechts- oder Linksextremismus, dann brauche ich gerade als Waffenträger die Sicherheit, dass es Menschen gibt, die gegen die Narrative der Macht und ihre Strukturen vorzugehen bereit sind. Die sagen: Für diesen Staat kämpfe ich nicht! In Gedenken an Sophie Scholl, RIP!
Credo: Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst! Daher bitte ich darum, damit aufzuhören Herrn Nymoen zu beleidigen. In heutiger Zeit gehört zu derartiger Äußerung wie der seinen mehr Ehre und Würde, mehr Verbundenheit zu Heimat und Frieden dazu als sich manch einer vorstellen kann.
@ Alfred Maynard sagt: 08.03.2025 um 10:58 Uhr
>… Krieg gegen Vatikanstaat, Lichtenstein, Andorra, Monaco oder die Cayman Islands geführt?
> Es scheint also Möglichkeiten zu geben, ohne Gewalt, Konflikte zu lösen.
Sie sollten sogar sagen, es gibt stets Möglichkeiten, gewaltfrei zu handeln. Wer als erster die Gewalt als Handlungsoption wählt, hat vorher eine Entscheidung getroffen, und hat diese zu verantworten.
Alternativen zur Gewalt sind bei Menschen dann wenig präferierte Optionen, wenn diese in Umgebungen sozialisiert wurden, wo Gewalt kein geächtetes Verhalten ist.
Es ist schon problematisch, wenn der Staat von seinen Bürgern die Anwendung von Gewalt einfordert, denn es könnte gerade der Staat sein, der zuvor politisch versagt hat.
Bei einem Opfer eines gewaltsamen Angreifers jedoch liegt regelmäßig kein Versagen vor.
Ein Versagen aber ist es, zu wenig für seine Verteidigungsfähigkeit getan zu haben. Aufrüstung zur Abschreckung ist keine Gewaltanwendung.
Anwendung von Gewalt zur Verteidigung gegen Gewalt, ist jedoch stets eine legitime Gewaltanwendung.
(Ihr Beispiel mit den Kleinstaaten ist vielleicht nicht das beste, weil die großen Nachbarstaaten durchaus von diesen Zwergnachbarn profitieren – mal mehr, und mal weniger. Aber das ist hier nebensächlich.)
Alfred Maynard sagt: 08.03.2025 um 10:58 Uhr
Wenn Herr Trump den „Golf von Mexiko“ in „Golf von Amerika“ umbennen kann,
dann können wir auch aus der Bundesrepublik Deutschland den Zwergstaat“ Bundesrepublikchen“ Deutschland machen.
Wenn wir uns nur klein genug machen, dann finden uns die Probleme der Welt nicht.
Neben dem Gelände meines Festungsvereins in Magdeburg haben die Zeugen Jehovas im Bereich der ehemaligen Westfront unmittelbar am Wall innerhalb recht kurzer Zeit einen Königreichssaal hochgezogen. Finde ich ein bisschen zum Schmunzeln, da die mit Militär ja wenig am Hut haben. Aber bei denen weiß ich das. Und da habe ich auch kein Problem mit. Mit Herrn Nymoen habe ich auch wenig Probleme. Der sagt offen, was er denkt. Probleme habe ich mit ehemaligen Piloten der Luftwaffe, die den Chinesen zeigen, wie bei uns geflogen wird. Oder Kameraden, die sich ausländischen Mächten andienen. Selbst aus dem BND. Es gab auch Kameraden, die sind um jeden Auslandseinsatz rumgekommen. Bei manchen war es auch besser so. Oder die haben die KDV-Karte gezogen, als es ans Eingemachte ging. War aber eine übersichtliche Zahl. Ein großes Problem habe ich mit der Anbiederei von Herrn Chruppalla, Frau Weidel und Co bei den Russen und der Trump-Administration. Da sollte man ein Auge drauf haben. Denn die sind eine Gefahr für unser Land und nicht eine überschaubare Anzahl an Nymoens.