Debatte über Wehrpflicht nimmt Fahrt auf – Grünen-Vorschlag für Dienstzeit für alle bis 67
Die Debatte über eine Wehrpflicht nimmt wieder Fahrt auf – sicherlich vor allem, weil dieses Thema auch in den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD eine Rolle spielt und, soweit bekannt, heftig umstritten ist. Die Wehrbeauftragte des Bundestages sieht irgendeine Art von Pflicht als unvermeidbar an, und die bayerischen Grünen schlagen eine Dienstzeit für alle vor. Bis zum Alter von 67 Jahren.
Dass sich die Wehrbeauftragte Eva Högl als frühere SPD-Politikerin bei ihrem Interview im Deutschlandfunk am (heutigen) Montag am Wehrdienst-Vorschlag des amtierenden Verteidigungsministers Boris Pistoris (SPD) orientiert, überrascht nicht: Fragebogen für alle jungen Deutschen ab 18 Jahren, egal welchen Geschlechts, eine Antwortpflicht – aus verfassungsmäßigen Gründen zunächst nur – für Männer und ansonsten vorerst weitgehende Freiwilligkeit. Dagegen steht, nach den bislang aus den Koalitionsverhandlungen bekannt gewordenen Details, die Forderung der Union nach einer Wiedereinsetzung der Wehrpflicht alten Stils.
Der Vorschlag, den die bayerischen Grünen am Wochenende vorgelegt haben, würde dagegen eine Grundgesetzänderung voraussetzen und ist schon aus dem Grund wenig wahrscheinlich. Der Kern des Vorstoßes der Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze und des innenpolitischen Sprechers Florian Siekmann für einen so genannten Freiheitsdienst sind drei parallele Säulen:
• Der Wehrdienst kann aus den bestehenden freiwilligen Wehrdiensten aufwachsen. Die Organisationen im Bereich des Zivil- und Katastrophenschutzes werden massiv gestärkt und die Freiwilligendienste des Bundes endlich ausfinanziert. Hinzu kommt das breite gesellschaftliche Engagement in den gemeinnützigen und mildtätigen Vereinen.
• Im Bevölkerungsschutz legen wir einen neuen Schwerpunkt auf die kritische Infrastruktur. Innerhalb der Strukturen von Zivil- und Katastrophenschutz bilden wir zusätzliche fachlich versierte Einheiten zum Schutz und zur Aufrechterhaltung kritischer Infrastrukturen. Somit kann auch nach erfolgreicher Ausbildung bzw. Studium der Bevölkerungsschutz mit beruflichem Hintergrund geleistet werden.
• Der Gesellschaftsdienst baut auf den vielfältigen Freiwilligendiensten des Bundes auf: Bundesfreiwilligendienst, Freiwilliges Soziales und Ökologisches Jahr, Internationaler Jugendfreiwilligendienst. Wir wollen ihn um solches Engagement erweitern, das zu unserer gesellschaftlichen Widerstandskraft beiträgt und den Zusammenhalt fördert. Das reicht von der ehrenamtlichen Trainerin beim Sport über den Jugendleiter in der Jugendarbeit bis zu Lesebegleitung von Großeltern in Schulen.
Nach Ablauf der Vollzeitschulpflicht findet eine allgemeine Musterung statt. Neben der Prüfung der gesundheitlichen Eignung wird umfassend über die Zweige des Freiheitsdienstes informiert. Die Mindestdauer des Freiheitsdienstes für Deutschland beträgt einheitlich 6 Monate, sie kann am Stück oder zeitlich gestreckt erfüllt werden. Angerechnet werden Ausbildung, Fortbildung sowie Übungs- und Einsatzzeiten. Der Dienst ist zwischen dem 18. und 67. Lebensjahr zu leisten, er gilt für alle mit festem Aufenthalt in Deutschland unabhängig von Staatsbürgerschaft oder Geschlecht. So bauen wir eine Brücke zwischen den Generationen, ermöglichen Flexibilität in der modernen Arbeitswelt und berücksichtigen die individuelle Lebensplanung. Wer bisher schon Wehr- oder Zivildienst geleistet hat, ist befreit. Ehrenamtliches Engagement, das dem Gesellschaftsdienst entspricht, wird angerechnet.
Auch ohne große Chance auf Verwirkklichung: Interessant ist dieser Vorstoß, oder besser Gedankenanstoß, aus gleich zwei Gründen. Zum einen wird anerkannt, dass auch und gerade für einen Krisenfall nicht nur Militär gebraucht wird, sondern auch andere, zivile Hilfsdienste – wie sich gerade in der Ukraine immer wieder zeigt, wenn russische Luftangriffe Wohnviertel weit hinter der Front treffen.
Und zum anderen ist es, ausnahmsweise, nicht der übliche Reflex, bei dem ältere Männer die Wehrpflicht für junge Männer fordern. Sondern eine gesellschaftliche Verpflichtung, auch in höherem Alter. Wer das, wie manche Medien in Deutschland, ganz schnell als üble Grüne Bevormundung geißelt, kann ja nach Schweden gucken. Dort gilt im Sinne der Totalverteidigung im Kriegs- und Krisenfall eine Dienstpflicht für alle – bis zum Alter von 70 Jahren.
(Dass die Grünen es Freiheitsdienst nennen und sich damit den Rechten einen Begriff wegnehmen, ist auch eine… interessante Volte dabei.)
Ich mag die Idee der Grünen beim ersten Lesen tatsächlich. Aber auch da fällt schon ein Problem ins Auge: was wenn jemand seine Dienstzeit immer weiter nach hinten schiebt und dann mit 67 sagt „Nu ist es ja zu spät“? Klar, kann man sicherlich bestrafen aber wenns nur eine Geldstrafe ist, dann wäre es nix anderes als die Möglichkeit sich frei zu kaufen.
Aber wie gesagt insgesamt finde ich es eine charmante Idee, die zumindest eine Diskussionsgrundlage sein sollte.
Kann man sich in den genannten Bereichen in einem halben Jahr überhaupt sinnvoll einbringen? Vor allem, wenn man keine Vorkenntnisse besitzt. Außerdem, wie sieht es mit der Finanzierung aus? Ein 40- oder 50-Jähriger hat doch ganz andere finanzielle Verpflichtungen als ein 18- oder 20-Jähriger: Miete für die Wohnung oder Zins und Tilgung für den Hauskredit, Unterhaltsverpflichtungen gegenüber den Kindern bzw. dem Partner etc. Das Taschengeld, das der Bundesfreiwilligendienst derzeit zahlt (Stand 2024: 644€), reicht dafür jedenfalls nicht aus.
Ein Punkt, der mir bei diesen ganzen Diskussion aber immer viel zu kurz kommt:
Kann es sein, das viele Leute Interesse an den sogenannten „Freiheitsdiensten“ haben, aber einfach keine Ahnung haben, was konkret für Bedarfe existieren oder wie man in Kontakt tritt?
Wieso gibt es nicht so etwas wie ein „wo-kann-ich-helfen.de“ Portal, mit schöner Karte meiner Umgebung und Suchmaske für Bedarfe, Tätigkeiten (Vollzeit/Teilzeit/Wochenends), Weiterbildungen, Auffrischungen etc.?
Spoiler: Mir ist völlig klar, warum es so etwas nicht gibt.
Aber wenn man zu diesen Diensten verpflichten will, müssen Bedarfe doch sowieso zentral (oder 16-zentral) erfasst werden. Und die Menschen müssen ebenfalls für eine zügige Ansprache im Krisenfall erfasst sein.
Dann kann man auch diesen Schritt zuerst machen und mal schauen, wie weit sich der Bedarf mit Freiwilligen decken lässt. Da kommen dann vielleicht auch Menschen jenseits der 67 und Menschen die schon weit über 6 Monate gedient haben…
Ich glaube die Bereitschaft in unser Gesellschaft ist höher als man denkt und sogar höher als der Bedarf.
Ich bin etwas überrascht über den Vorschlag der Grünen, oder besser: Dass er von den Grünen kommt.
Aber je länger ich mir die Punkte ansehe, desto besser finde ich ihn.
Er deckt alle Altersklassen, alle Geschlechter, alle mit festem Aufenthaltsrecht ab.
Und er stärkt die drei kritischen Säulen unserer Gesellschaft.
Interessant ist die Idee in jedem Fall. Vor allem vermeidet die Idee das jeder zwischen 18 und 67 so einen Dienst leistet die übliche Diskussion bei der Wehrpflicht das diese nur die junge Generation trifft. Wer bis 2011 bei der Wehrpflicht Lotto gespielt und „gewonnen“ hat weil er nicht eingezogen wurde muss nun doch noch einmal ran. Alle anderen können sich zurücklehnen weil sie schon Dienst geleistet haben.
Die Verfassung verbietet jeden Zwangsdienst von Frauen mit der Waffe. Die Verfassung verbietet aber nirgends, Frauen zu verpflichten einen Fragebogen zum Wehrdienst auszufüllen oder Frauen zwangsweise zu mustern. Dies sehe ich als einen Grundfehler des Vorschlages von Pistorius an. Wenn schon Fragebogenpflicht, dann für Männer und Frauen. Richtigerweise sollte es aber nicht nur eine Fragebogenpflicht für Männer und Frauen geben, sondern auch eine Musterungspflicht für beide.
Noch wichtiger wäre zuvor die Truppenstärke der zukünftigen Bundeswehr zu beschließen und nach Einführung der Fragebogen oder Musterungspflicht zu prüfen, ob genug Bewerber gewonnen werden konnten oder eine Dienst- oder Wehrpflicht eingeführt werden muss. Jeder weiß, daß 203.000 Soldaten angesichts der Unklarheit, ob die USA in der Nato bleiben bzw. ob Trump im Falle eines russischen Angriffs nicht lieber Russland als Europa hilft, nicht ausreichen.
Erst wenn ich den Truppenbedarf kenne, kann errechnet werden, wie viele Divisionen oder Jagdbombergeschwader oder Kriegsschiffe die BW zusätzlich benötigt. Auch der Bedarf an Kasernen, Waffen und Munition kann erst dann bestimmt werden.
Dass die Grünen jetzt einen Freiheitsdienst fordern ist interessant, aber hat keine Chance, weil alles andere außer einer Wehrpflicht bedarf der Zustimmung der rechtsradikalen AfD. Man hat es versäumt, die Dienstpflicht noch im alten Bundestag mit 2/3 Mehrheit zu beschließen! Die Wehrpflicht wurde einfach verdrängt, weil der Nochkanzler das Personalproblem der BW seit Jahren leugnet!
Wenn wir jetzt jungen Menschen wieder zur Wehrpflicht oder Dienstpflicht zwingen, dann nur, weil die BW Bürokratie ideenlos & verkrustet ist. Wir haben nicht alles getan, um durch Freiwilligkeit eine ausreichende Armeestärke zu erreichen.
– Es wird nur vom schwedischen Modell gesprochen, warum nicht vom italienischen Modell! In Italien muss jeder Mann, der normaler Polizist werden will, sich entweder für 1 Jahr oder für 4 Jahre zuvor in den Streitkräften verpflichten. Und die Carabinieri als zweite Polizei in Italien gehören sowieso zu den Streitkräften und bildet ein Reservekorps für den Kriegsfall.
– Andere Länder in der EU haben sich für Ausländer geöffnet, wie z.B. Belgien oder teilweise Spanien. Bei uns brauchen die Polen nur einmal Husten und der BW verlässt der Mut zu einer BW Öffnung, dabei kann jeder Ausländer in Deutschland Polizist werden!
– Wir haben langsame Karrierecenter, die wegen dem langsamen Bewerbungsprozeß viele Bewerber verlieren. Warum gibt es keine Anwerbebüros wie in anderen Ländern, damit man viel schneller Soldat/jeden Tag Soldat werden kann?
– Über kostenlose Führerscheine für die BW Soldaten wird jetzt seit Jahren nachgedacht, entschieden ist nichts.
– Viele Zeitsoldaten, die dringend gebraucht würden, müssen weiterhin die BW verlassen, weil es die BW versäumt hat, die angestrebte Personalzahl von 203.000 Soldaten im Verteidigungshaushalt zu hinterlegen. Dies ist ein Schildbürgerstreich!
Eine Dienstpflicht ist defacto nur für Männer möglich und hängt vom Kriegsdienstverweigerungsrecht ab. Mit einer Postkartenlösung oder einer ähnlich leichten Gewissensprüfung kann defacto eine Dienstpflicht für Männer eingeführt werden. Will man dagegen mehr Soldaten, könnte man die Kriegsdienstverweigerung durch eine strenge Gewissensprüfung, wieder mit mündlicher Anhörung & Fragen nach Notwehr oder dem Brett des Kameraden , fast unmöglich machen.
Dass ausgerechnet die Grünen mittlerweile mehr zum Militär stehen als SPD oder FDP ist schon überraschend. Die Union hat die Aussetzung der Wehrpflicht verschuldet. Ihre Kehrtwende ist deshalb nicht besonders glaubwürdig. Vor allem war es die Union die die Truppenstärke so stark reduziert hat. Selbst die Grünen wollten 2011 mindestens 200.000 Soldaten. Weizäcker Kommission hatte noch 240.000 Soldaten als Freiwilligen Armee vorgeschlagen. Die BW hatte 2011 nur noch 220.000 Soldaten. Es gab auch für die Einführung der Freiwilligenarmee also keinen Grund, diese geringe Truppenstärke auf 182,500 Soldaten weiter zu reduzieren. Oder die Truppenstärke 2016 sogar bis auf 176.000 Soldaten abfallen zu lassen. Erst seit dem versucht die BW darum mehr Soldaten zu bekommen wieder, aber ist 185.000 Soldaten nie hinausgekommen und durch die Pandemie wieder auf 182.000 Soldaten abgefallen, Aber noch immer ist der BW die Bürokratie wichtiger, als durch unbürokratische Maßnahmen die Truppenstärke tatsächlich zu erhöhen.
.
Sehr interessante Idee, vor allem, weil die Staatsbürgerschaft nicht die entscheidende Rolle spielt, sondern der feste Aufenthalt in Deutschland. Das Alter mit 67 Jahren ist wohl bei den freiwilligen Feuerwehren abgeschaut. Dort wurde das mögliche Dienstalter entsprechend erhöht.
Kann mir egal sein. Ich habe insgesamt 9 Jahre in Bundeswehr und THW gedient… und würde bereits nach jetzigem Recht im V-Fall Dienstverpflichtet um im in Nord- & Ostsee oder dem Nordatlantik mit Kaufffahrteischiffen Konvoidinst zu fahren und zum Almächtigen Beten zu müssen keinen Torpedo oder FK rein geknallt zu bekommen… die schlagen bei Handelsschiffen gerne in den Aufbauten ein. Kollege hat in den 80’er den Tankerkrieg im Golf mit gemacht… die haben nachts auf der Back geschlafen und hatte die Rettungsboote klar zum wegfieren.
Eine Wehrpflicht muss sich in erster Linie an jüngere richten – nicht, weil die Jungen im Krieg verheizt werden sollen, sondern weil diese dem Pool an Personen, die im Spannungs- oder Verteidigungsfall herangezogen werden können, länger zur Verfügung stehen. Außerdem besteht bei einer wortwörtlichen Umsetzung, wie hier vorgeschlagen, das Risiko, dass Leute das tatsächliche Ableisten des Wehrdienstes vor sich herschieben.
Dennoch ist es auch wichtig, dass nicht nur die Jungen in einem Krieg dienen müssen. Es ist sinnvoll, retroaktiv auch die Generationen in die Pflicht zu nehmen, die jetzt über eine Wehrpflicht für die folgenden Generatiionen entscheiden. Und es zeigt einmal mehr, dass die Grünen in der Realpolitik angekommen sind. Denn die Freiheiten, die auch die Grünen stärken und fördern wollen, wird es bei stärkerem Einfluss Putins niemals geben.
bis 67? Haben wir schon den 1. April?
Wenn man sich die Videos aus der Ukraine ansieht, dann kann ich mir da niemanden über 55 durch den Graben stapfen vorstellen, so körperlich fordernd ist das. Selbst mit 50 wäre das schon hart an der körperlichen Grenze, und da habe ich noch nicht von Frauen angefangen.
Wehrpflicht für alle? Ja, bin ich voll dafür. Aber bis 67 is mMn illusorisch.
@Michael Schöfer, klar hat man mit 40 oder 50 ganz andere finanzielle Verpflichtungen. Wenn ich mir aber angucke was alles anrechenbar sein soll, dann dürfte sich eigentlich immer was finden was man machen kann / gemacht hat.
Das ist eine GRÜNE Nebelkerze.
In einem halben Jahr kann man eine erweiterte Grundausbildung durchziehen.
Aber das macht aus niemanden einen Soldaten. Die Uniform reicht nicht.
Fahrer, ob Rad oder Kette, Funker, Meldegänger, Grenadier, Ladeschütze, es gibt jede Menge Tätigkeiten, die nach kurzer Zeit sinnvoll geleistet werden können.
Aber 6 Monate sind zu kurz für einen sinnvollen Einsatz als Reservist, um eine aktive Einheit aufzufüllen.
Und darum geht es.
Das Anrechnen vom Ehrenamt verwässert das Erreichen der politisch notwendigen Zielsetzung weiter.
[Sachliche Kritik immer, aber hier scheinen wieder mal Beißreflexe durchzukommen.Bitte nicht. T.W.]
Closius sagt:31.03.2025 um 11:38 Uhr
„Andere Länder in der EU haben sich für Ausländer geöffnet, wie z.B. Belgien oder teilweise Spanien. Bei uns brauchen die Polen nur einmal Husten und der BW verlässt der Mut zu einer BW Öffnung, dabei kann jeder Ausländer in Deutschland Polizist werden!“
Ist dem so? Bisher dachte ich, für die Verbeamtung braucht man die deutsche Staatsbürgerschaft.
Ausländer in der Armee ist nun nichts neues. Nach 25 Jahren ehrenvollem Dienst in den römischen Auxiliareinheiten erwarb der Fremde mit der Entlassung die römische Staatsbürgerschaft. (OK, ging auch mal schief, siehe Hermann der Cherusker – anderes Thema)
Zum Kern, m.E. wird es keine Partei schaffen, eine umfassende Wehrpflicht wieder einzuführen. Den Wehr- oder allgemein Dienstwillen erkenne ich einfach nicht, dass man damit Wahlen gewinnen könnte.
@Herz aus Stahl: Die „alte“ Wehrpflicht geht im Spannungs- und Verteidigungsfall auch bis 60.
@Michael Schöfer sagt:
31.03.2025 um 10:06 Uhr
„[…] Außerdem, wie sieht es mit der Finanzierung aus? Ein 40- oder 50-Jähriger hat doch ganz andere finanzielle Verpflichtungen als ein 18- oder 20-Jähriger: Miete für die Wohnung oder Zins und Tilgung für den Hauskredit, Unterhaltsverpflichtungen gegenüber den Kindern bzw. dem Partner etc. Das Taschengeld, das der Bundesfreiwilligendienst derzeit zahlt (Stand 2024: 644€), reicht dafür jedenfalls nicht aus.“
1. Ja, hat man vermutlich
2. 18 – 20 Jährige „verlieren“ dafür aber ein Ausbildungsjahr (Studienjahr)
3. Wenn es alle betrifft wird es dafür eine Lösung geben
Das als sofortiger Reflex kommt „wie soll das gehen – ich habe doch schon….und ich muss…und aber finanziell…“ kommt ist schon etwas lustig. Wenn wir auf der anderen Seite darüber reden das erste Politiker fordern, dass noch in diesem Jahr die ersten Wehrpflichtigen wieder einrücken sollen.
Die haben doch auch „schon den Studienplatz….die Ausbildung….sich eine WG am Studienort gesucht…den Auslandsaufenthalt geplant…“
Alles komplett richtig, alles mindestens so wichtig wie die finanziellen Verpflichtungen und alles Einzelschicksale.
Ich verstehe ihren Punkt, aber wenn als erstes die Frage nach der Finanzierung kommt weiß ich halt auch nicht weiter. Es hat halt was von „ziehts bitte nur die jungen Leute ein, mir kann man das nun wirklich nicht zumuten“. Und das halte ich für verwerflich.
Vor allem weil die Jugend, grade auch während Covid und in Betracht auf die Überalterung der Gesellschaft, eh schon die höchste Last trägt.
@kvogeler, mag ja sein das 6 Monate für vieles zu kurz ist. Frage wäre aber was will ich damit erreichen?
Warum nicht in den 6 Monaten einen klaren Fokus auf die Ausbildung für den Dienst in einem Heimatschutzregiment legen.
Wer mehr machen will muss sich entsprechend länger verpflichten und daraus generiere ich im ersten Schritt entsprechende Reserven oder ich fange zeitig an Heimatschützer entsprechend auszubilden.
Als ich heute Vormittag von diesem Vorschlag gelesen hatte musste ich lauthals auflachen und hatte sofort einen Gedanken: „Hey, das hatten wir doch sehr ähnlich schonmal hierzulande, nannte sich nur damals Reichsarbeiterdienst“ (damals noch ohne genderkonform zu sein).
Man möge mir bitte meinen Zynismus verzeihen, dass dieser Vorschlag von der grünen Partei kommt beweist die prinzipielle These, dass im Humor immer auch ein stückweit Schmerz vorhanden ist.
Ich bitte diese Aussage als schmerzhaft-humoristische Einlage zu betrachten, und nicht als Grundlage einer Seitendiskussion.
@Closius:
Gemeint ist offenbar nicht das „Brett des Kameraden“, sondern das „Brett des Karneades“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Brett_des_Karneades
Eine allgemeine Dienstpflicht ist keine Wehrform.
Allgemeine Schulpflicht, Steuerpflicht und die Pflicht des Zeugen vor Gericht zu erscheinen sind, seit dem Aussetzen der allgemeinen Wehrpflicht in Friedenszeiten (§2 Wehrpflichtgesetz), die verbliebenen Pflichten. Das Grundgesetz kennt streng genommen ausschließlich Rechte, die das Verhältnis der Bügerinnen und Bürger zum Staate definieren. Es ist äußerst Zurückhaltenden, wenn es um (Grund-)pflichten geht.
Sofern vorgeschlagen wird, innerhalb einer allgemeinen Dienstpflicht ein Auswahlermessen zu je verschiedenen Diensten in das Belieben der Bürgerinnen und Büger zu stellen gilt zu beachten, dass es sich bei der Wahl für einen Wehrdienst in deutschen Streitkräften nicht „um irgendeinen Dienst“ handeln kann. Der Dienst des Soldaten ist völkerrechtlich der eines Kombattanten und mithin nicht vergleichbar mit andren Diensten. Stellt man den Dienst des Soldaten in das beliebige Auswahlermessen, dann nivilliert man diesen Dienst – und das sehe ich nicht ein, denn der Dienst des Soldaten, egal ob freiwillig oder pflichtgemäß, hat eine völlig andere Qualität als sonstige Dienste. Letztendlich muss sich der Soldat, der zu Tode gekommen ist nachsagen lassen: „Selbst Schuld – Du hättest ja einen anderen Dienst wählen können und dürfen“. Das passt nicht zu meinem Bild über den Dienst des Soldaten.
Eine lesenswerte Lektüre aus der Feder des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages
https://www.bundestag.de/resource/blob/436784/bc12a4dffc0661a0d9abca98c41457d8/WD-3-154-16-pdf-data.pdf
https://www.bundestag.de/resource/blob/678440/3aeca3689bbbc1fe74cec95a8b616b69/WD-3-258-19-pdf-data.pdf
An alle Bedenkenträger: wo ein Wille ist…
Beispiele: wie soll man es in 49 Jahren Erwerbsleben schaffen, keine für die Allgemeinheit nützliche Tätigkeit für gerade mal 6 Monate auszuüben? Mitte 40 kann man viele Verpflichtungen haben, viele werden sich allerdings auch freuen, wenn sie mal 6 Monate ohne Termin von der Arbeitsagentur ein Taschengeld verdienen können.
Wehrpflicht wurde mal als Schule der Nation für die Jugend gesehen. Interessant wird es, wenn sich bei einem Freiheitsdienst der 50jährige Bürgergeldempfänger, der 28-jährige Beamtenanwärter und der Handwerker zusammenkommen. Treffen der Generationen und sozialen Milieus. Vielleicht liegt darin die größte Chance solch eines Dienstes.
Ich finde den Vorschlag charmant. Er verdient es darüber nachzudenken.
@ Segestes „Mal“ ist gut. Die Weströmer hatten ihre Sicherheit an Gemanen outgesourced. Das Ergebnis ist bekannt. Ich sage nur Odoaker und Theoderich. Schon aus Eigeninteresse sollten nur Staatsbürger oder Leute, bei denen kein Loyalitätskonflikt erwartbar ist, eingestellt werden.
@kvogeler, Herz aus Stahl:
Mal genau lesen. Die Grünen schlagen ja nicht nur Wehrdienst als Möglichkeit vor, sondern (fast) jedes Ehrenamt: „Der Gesellschaftsdienst baut auf den vielfältigen Freiwilligendiensten des Bundes auf: Bundesfreiwilligendienst, Freiwilliges Soziales und Ökologisches Jahr, Internationaler Jugendfreiwilligendienst. Wir wollen ihn um solches Engagement erweitern, das zu unserer gesellschaftlichen Widerstandskraft beiträgt und den Zusammenhalt fördert. Das reicht von der ehrenamtlichen Trainerin beim Sport über den Jugendleiter in der Jugendarbeit bis zu Lesebegleitung von Großeltern in Schulen.“
Da sollte auch für 67jährige was dabei sein – der letzte Satz ist da ja sogar ein konkretes Beispiel.
Aber klar, gegen die Grünen austeilen ist einfacher, als sich damit mal zu beschäftigen.
Nachtrag, ich lese gerade in einer Tageszeitung, dass sich der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer vehement gegen eine Wehr- oder Dienstpflicht ausspricht. Die Zustimmung der Grünen Jugend möchte ich auch erst einmal lesen, bevor ich sie glaube.
Finde ich erst einmal super.
Weil alle Alters-Klassen abgebildet sind. Gerade auch die 3. geborenen, die noch nicht Freiwillig, zur Bundeswehr gegangen sind.
Wenn auch noch Frauen eingezogen werden, kann es jaum noch gerechter sein.
Würden die neuen Soldaten entsprechend der heute geltenden Besoldung, bezahlt?
Denn dann könnten die Personalkosten bei einer Truppenstärke von 370.000, bei 50-70 Milliarden Euro pro Jahr liegen.
Die Idee finde ich grundsätzlich gut. Es dürften doch eh alle diejenigen im höheren Altersband ausgeschlossen werden, die entweder bis 2010 Wehr- oder Zivildienst geleistet haben, sowie alle, die sich in irgendeiner Form in den Hilfsorganisationen engagiert haben oder noch engagieren. Dann wären noch alle Mitarbeitenden in der Gesundheitsversorgung, in der kritischen Infrastruktur, sowie die Beamten und Angestellten im öD), die in irgendeiner Form verteidigungsrelevant bzw. zivilschutzrelevant sind (also am Ende nahezu alle Beamten).
Beim „Rest“ kann man das Jahr ja auch als Mitarbeitende im Zivil-/Katastrophenschutz, als ungedienter Reservist auch über einen längeren Zeitraum ableisten lassen. Und ja, am Ende würde es natürlich die eher die Jüngeren treffen, da rein biologisch bei den Älteren schon das Jahr abgegolten sein dürfte, oder es aus gesundheitlichen Gründen eher häufiger Einschränkungen geben dürfte. Auf der anderen Seite gäbe zum z.B. in Baden-Württemberg Tätigkeiten wie zum Beispiel in Notfalltreffpunkten zu vergeben. Da sind die Anforderungen überschaubar.
Aber immerhin müsste sich dann doch Jeder und Jede ein Mal Gedanken machen, ob ich helfen kann oder muss (oder ob es Ausschlussgründe gibt). Und man sollte ja über die Einwohnermeldeämter alle Einwohner mit Geburtsdatum erreichen können.
Herz aus Stahl sagt… ***Wenn man sich die Videos aus der Ukraine ansieht, dann kann ich mir da niemanden über 55 durch den Graben stapfen vorstellen, so körperlich fordernd ist das. Selbst mit 50 wäre das schon hart an der körperlichen Grenze, und da habe ich noch nicht von Frauen angefangen. ***
Und es pasiert trotzdem. Aber es gibt ja nicht nur den Graben. Es gibt auch andere Aufgaben. Hans Dickbauch kann auch Drohne fliegen oder Essen austeilen.
kvogeler sagt ***Aber 6 Monate sind zu kurz für einen sinnvollen Einsatz als Reservist, um eine aktive Einheit aufzufüllen.***
Und es passiert trotzdem. Und ja, sie haben ihre Berechtigung. Ein Mann mit Gewehr 6 Monate ausgebildet ist immer noch gefährlicher als ein kein Mann. Und man kann ihn auch besser einsetzen als keinen Mann. Aberja, ein routinierter Soldat wird man in 6 Monaten nicht. Den Rest schult der Feind.
Ich finde die Diskussion zum Dienst aller fähigen Generationen für die Diskussion bereichernd. Ebenso den Ansatz weit über den Wehrdienst hinaus zu denken.
Dann sollte man aber auch den nächsten Schritt gehen und einen angemessenen Wehrdienst diskutieren. Ich brauche die Führunskräfte mittleren Alters nicht als Gefreite in den Schützengräben. Da sollte man sich mal fragen, welche Verwendung für welchen Zeitraum ich mir da sinnvollerweise als Bundeswehr wünsche. Und dann auch so ein Wehrdienstmodell mit höherer Qualifikation, Besoldung und Dauer entwickeln. Gilt natürlich nicht nur für Führungskräfte sofern für alle Fachkräfte
Closius sagt:
31.03.2025 um 11:38 Uhr
„Die Verfassung verbietet jeden Zwangsdienst von Frauen mit der Waffe. Die Verfassung verbietet aber nirgends, Frauen zu verpflichten einen Fragebogen zum Wehrdienst auszufüllen oder Frauen zwangsweise zu mustern. “
Doch, dass Verfassung verbietet es:
1. Fragebogen: Was passiert, wenn die Frauen das nicht machen? Zwangsgeld? – Dies bedarf eine verassungsrechtliche Rechtfertigung. Ebenso die Preisgabe von personenbezogenen Daten. Für was braucht der Staat / Bw die Daten, wenn die Frauen nicht eingezogen werden dürfen (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG)?
2. Die Musterung ist ein Eingriff in die körperliche Unversertheit (Art. 2 Abs. 2 GG). Welche Rechtfertigung gibt es für so einen Eingriff, wenn ich Frauen nicht einziehen darf?
Sie unterliegen einen generellen Irrtum. Die Verfassung verbietet grundsätzlich jeden Eingriff in die Freiheitsrechte, außer durch eine gesetzliche Ermächtigung. Zusätzlich müssen die Eingriffe auch noch angemessen sein. Etwas anderes gilt nur, wenn die Verfassung selbst solche Eingriffe gestattet (z.B. Art. 12a GG, Art. 13 Abs. 3 GG).
Demnach wären Ihre Eingriffe eben nicht angemessen und somit verfassungswidrig.
Käme die Idee von der CDU, gäbe es hier breite Zustimmung…
Und zu den zu kurzen 6 Monaten, die hier genannt werden:
Ja, das ist kurz. Aber das ist exakt die Länge der damaligen Grundausbildung der ausgesetzten Wehrpflicht.
„Verpflichtender Freiheitsdienst – Das kann man nur in Deutschland sagen, ohne rot zu werden“ (Welt)
Es kommt von den Grünen. Das ist insofern erfreulich, nationalistische Unterstellungen „alles Nazi“ sollten keine Chance haben.
Ansonsten, aus rein militärischer Sicht, bitte ich um heftige Ablehnung, nicht nur wegen der 6-Monate Zumutung mit vermutlich 2 Wochen Urlaub. Denn was lässt sich mit so ausgebildetem Personal anfangen? Hinsichtlich „Kriegstüchtigkeit“ gar nichts.
Die Bw braucht keine Halbjahres-Verkitschung als Gesellschaftsdienst.
Entscheidungsleitend muss der Personalersatz sein, die Aufwuchsfähigkeit über ausgebildete Reservisten und eine logistische Reichweite (pers/mat) im Rahmen der Personalgrenze gem 2. + 4 Vertrag.
Der Vorschlag stellt immerhin einen interessanten Diskussionsbeitrag dar und ist aktuell auch nicht abwegiger als die Einführung der alten Wehrpflicht, mit der daraus resultierenden Wehrungerechtigkeit und der Überlastung der Ausbildungsstruktur der Bundeswehr.
Wer mehr freiwillig dienende Wehrpflichtige mit welcher Ansprache auch immer, erreichen will sollte z.B. Pull- Faktoren erwägen:
– Einen interessanten, fordernden Dienst gestalten. Bitte nicht die Gammelei und sinnentleerten Formaldienst, wie in der Grundausbildung der 80’er Jahre. Ich fand das Rödeln im Gelände, 17km Marsch mit Waffe und Gepäck sowie die Ausbildung an der Waffe eigentlich okay. Gehört ja irgendwie zum Überleben und Kampf des Soldaten. Wie ich aber durch perfektes Marschieren in Dreierreihe den Gegner abschrecken sollte, leuchtete mir nicht ein. Die perfekte Faltung der blauen Diensthemden gilt wohl auch nicht als taktische Meisterleistung. Bitte soetwas zukünftig komplett abschaffen bzw. auf ein Mindestmaß reduzieren.
– Was wäre wenn jeder 18jährige für ein Jahr Dienst den Führerschein machen kann?
– Oder wir schenken dann mal den „Gedienten“ die Studiengebühren für 10 Semester. Oder die Gebühren für die Meisterschule, wenn man Reservist wird?
– Alle Erste Hilfe Scheine und Feuerlöschausbildung werden schon mal beim Bund gemacht. Das ist durchaus in Firmen gefragt.
– Weiterbildung nach Dienstschluss: z.b. Mathe- Vorkurs für das Studium an der nächsten Uni (gab es in den 80er Jahren!)
– Ausbildereignung für den begabten Gefreiten, oder einen Englisch oder Französisch- Sprachkurs mit Zertifikat
– Setzt die jungen Leute entsprechend ihrer Ausbildung und Neigung ein: den KFZ Mechaniker zur Inst. den Pfleger zu den Sanis. Der Abiturient mit Neigung zur Technik könnte ja ein anerkanntes Praktikum bei einer entsprechenden Einheit machen.
– Wer ein Jahr bei den Sanis gedient hat bekommt den Medizinstudienplatz auch mit dem 2,3er Abi.
– Und es gibt noch viele Pull- Faktoren die der Staat organisieren kann.
Wenn man aus der Bundeswehr tatsächlich eine „Schule der Nation“ macht, wird sich das bald herumsprechen und in ein paar Jahren gibt es genug Bewerber und Bewerberinnen.
Und vor allen Dingen wäre es für den Staat, die Wirtschaft, die Gesellschaft und die jungen Leute eine „win win Situation“.
Was geschieht wenn der 55-Jährige unbedingt zur BW will, aber gesundheitlich nicht fit genug ist dafür? Von der allgemeinen Pflicht freistellen? Denn an sich könnte er ja viele andere Dienste problemlos machen. Oder schafft man Tätigkeiten bei der BW, wo eben auch so einer tatsächlichen Wert bringen könnte nach der Ausbildung? (Wache, Ausgabe von Waffen,…)
Hier muss noch viel Getriebeöl die Hirnwindungen runtergliessen….
Aber schön das es angegangen wird.
Ich finde auch das es zu kurz ist, aber….. unsere Nachbarn machen einfach mal
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/polen-armee-schulung-militaer-ferienjob-100.html
27 Tage….
Dennoch bevorzuge ich das klassische Modell mit 12 Monaten+ , ist m.M.n. sinnvoller. Natürlich mit wettbewerbsfähigen Bezügen!
@Wehrpflichtiger 90: Wahre Worte.
Um nur zwei der Ideen herauszugreifen:
Warum den Ausbilderschein gem. AEVO nicht nur für ausbildende Mannschaften, sondern obligatorisch auch für jeden Absolventen von Uffz/Fw-Lehrgang aufwärts?
https://de.wikipedia.org/wiki/Ausbilder?wprov=sfti1#Ausbildung_in_Deutschland
Warum nicht die Bewachungserlaubnis für eine vertiefte Wachausbildung/Beorderung im Heimatschutz?
https://de.wikipedia.org/wiki/Bewachungserlaubnis?wprov=sfti1#
Der Dienst wäre attraktiver, Standards im Rahmen der Qualitätssicherung würden etabliert, die Truppe wäre tiefer in die Gesellschaft integriert und Arbeitgeber freuen sich grundsätzlich über alles, wo IHK drauf steht.
Aber wenn man will kann man bestimmt auch hier Gründe statt Wegen finden.
Eine generelle Sache die mir erst bei mehrmaligen Nachdenken kam ist, dass der Vorschlag der Grünen den charmanten „wir sind alle im gleichen Boot“-Charakter hat.
Wenn jeder und jede, wirklich jeder und jede angeschrieben und gefragt wird, dann bedeutet das, dass sich auch wirklich jeder und jede zumindest einmal mit dem Thema befassen muss. Was einfach die Wahrnehmung der Situation verändert.
Ich glaube nicht, dass die Grünen hier „den Rechten einen Begriff wegnehmen“, weil sie einen Pflichtdienst „Freiheitsdienst“ nennen. Sie versuchen dies allenfalls, Da Freiheit im klassischen Sinne aber die Abwehr und Begrenzung staatlicher Ansprüche an den Bürger und nicht deren Ausweitung bedeutet und dies von den meisten Menschen auch so verstanden wird, dürfte dieser Versuch kaum erfolgreich sein. Solche Sprachspiele erinnern mich an die „Freedom Fries“ aus der Zeit George W. Bushs.
Davon abgesehen kann eine Wehrpflicht sicherheitspolitisch durchaus sinnvoll sein. Die Frage ist nur, was man mit Soldaten jenseits der 60 in der Praxis anfangen will.
Insgesamt begrüße ich aber, dass die Grünen nun zumindest auf dem Papier dem Wehrdienst freundlicher gegenüberstehen. Vielleicht sind demnächst ja auch mehr Grünenanhänger dazu bereit, einen solchen Dienst auch persönlich zu leisten. Unter Soldaten trifft man sie ja eher selten an.
[Meine Güte, diese Beißreflexe. Sie wissen schon, dass die ganz Rechten es weiterhin mit ihrem pervertierten Freiheitsbegriff versuchen, siehe das Foto von J.D.Vance, der seine Ballerei als „sending freedom seeds downrange“ verkaufen will? T.W.]
Zukünftige Kriege sind hybride Kriege.
Von daher finde ich die Idee der dritten Säule, also des Schutzes der kritischen Infrastruktur extrem wichtig.
Vielleicht sogar wichtiger, als die klassischen Fähigkeiten der Bundeswehr.
Russland testet unsere kritische Infrastruktur aktuell bereits aus. Wir können davon ausgehen, dass sie im Kriegsfall ziemlich genau wissen, wie man sie zerstört.
Andersrum ist das leider nicht so.
Auch wenn ich das meiste der Pro und Contras nachvollziehen kann und es in anderer Form ggf. tatsächlich Sinn machen könnte, bin ich der Meinung, dass es sich konkret hier um eine absolut realitäts- und bürgerfremde Forderung handelt.
Ich stelle hier meine Sicht aus meiner Tätigkeit im sozialen Bereich dar, zum Sinn oder Unsinn einer militärischen Ausbildung für ein halbes Jahr können andere sicher deutlich kompetentere Aussagen treffen.
Für mich stellt sich als Erstes die Frage, was eine Dienstpflicht für den Einzelnen der ‚älteren‘ Generation finanziell bedeutet und wie sich hier die Partei der Grünen einen vollumfänglichen Ausgleich vorstellt. Ich wohne in einer Großstadt, in der mindestens die Hälfte des Gehalts für die Miete verwendet werden muss. Bei vielen meiner Kolleginnen und Kollegen ist das genauso.
Zudem arbeite ich in der ambulanten Pflege am Patienten und in leitender Position. Wer übernimmt dann diese Aufgaben, wo wir ohnehin enorme Schwierigkeiten haben, überhaupt qualifiziertes Personal zu finden?
Bei der Regelung vor Aussetzung der Wehrpflicht war es auch im sozialen Bereich nicht möglich, seinen (Zivil-)Dienst in der selben Einrichtung abzuleisten, in der man auch gearbeitet hatte. Und um nochmals auf den ersten Punkt zu kommen, selbst wenn das möglich wäre, soll ich dann tatsächlich Schulden machen müssen, weil ich für die selbe Arbeit nur noch ein ‚Zivigehalt‘ bekomme, aber trotzdem meine Miete zahlen muss?
Die Partei von der dieser Vorschlag kommt ist somit für mich absolut nicht mehr wählbar.
Zu guter Letzt noch zur der jüngeren Generation: Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder engagierte junge Leute, die bei uns ihr FSJ abgeleistet hatten. Auch diese sollten nicht mehr zu einer allgemeinen Dienstpflicht herangezogen werden, da Sie schon mehr als das geforderte halbe Jahr Dienst für die Gesellschaft geleistet haben und das für sehr wenig Geld. Aber es war eben kein Ehrenamt, was die Grünen alleine anrechnen wollen.
@Anja
Was geschieht wenn der 55-Jährige unbedingt zur BW will, aber gesundheitlich nicht fit genug ist dafür?
Der Vorschlag der Grünen bezieht sich ja auf verschiedene Dienste, die im Rahmen dieser ‚Dienstzeit für alle‘ geleistet werden können. Diejenigen, die für die Bundeswehr nicht fit genug sind, aus was für Gründen auch immer, können eine andere zivile Aufgabe übernehmen, für die sie geeignet sind – wie früher mit dem Zivildienst. Das ist sinnvoller, als jemanden auszubilden, den man nicht vollumfänglich als Soldat einsetzen kann. Denn der Sinn einer Wehrpflicht ist es ja nicht nur, die Leute für ein halbes Jahr auszubilden – sondern sie später einziehen zu können, wenn man sie akut braucht. Wer aber schon zum Zeitpunkt der Ausbildung nicht fit genug war, wird später nicht fitter sein.
Das so nicht immer dem Willen des Individuums Genüge getan wird ist offensichtlich – aber das ist hier auch nicht die Priorität.
Wenn mann die Leute jetzt schon bis zu 67 Jahren zu einem Dienst verpflichten will, sagt das doch nur aus das eh damit gerechnet wird das die meisten jüngeren sich dagegen wehren werden. Wie traurig ist das, dass man Leute rekrutieren will die eventuell bereits in Rente sind. Wahrscheinlich will man die Alten als Kanonefutter verfeuern, nach dem Motto: Schau mal ob dahinter der Feind ist. Und wenn es dann knallt, weiß man das der Feind dort ist und man hat sich gleichzeitig eines lästigen Rentners entsorgt. So kann man auch das Rentensysem entlasten. Und wenn genug Alte verfeuert wurden ist wieden mehr Geld in den Rentenkassen – zumindest für eine gewisse Zeit. Sollen doch unsere Politiker sich freiwillig zum Dienst melden!
@ Frank sagt:
01.04.2025 um 10:03 Uhr
Naja, sie könnten ja zB im Ehrenamt einen „Lesepaten“ Dienst machen oder eine Sportmannschaft trainieren oder oder…..das über mehrere Jahre verteilt machen.
Die heutige männlichr Generation 50+ würde das ja überwiegend nicht betreffen, weil Wehr-/Ersatzdienst meist geleistet wurde.
Das ist eben erstmal ein Debattenbeitrag, der nur eine Ideenskizze ist. Als solchen finde ich den aber schon sehr interessant.
Die allg. Dienstpflicht droht derzeit allerdings sowieso immer an der europ. Menschenrechtskonvention („Verbot von Zwangsarbeit“ mit Ausnahme von Wehrdienst und historisch verankerten Diensten) zu scheitern. Mal schauen, ob sich EMRK-seitig was bewegt (würde ich mittlerweile tatsächlich für denkbar halten).
„bis 67? Haben wir schon den 1. April?“
Ja, heute ist der 1.April. War aber wohl nicht als Scherz gemeint. Da mach‘ ich also 6 Monate vor der Rente, noch schnell meinen „Friedensdienst“. So wird das laufen, und manche werden erst gar nicht mehr laufen, weil sie vom Arzt einen „gelben“ Schein bekommen.
Dieser Dienst ist im Prinzip richtig und muss auch kommen, aber bis spätestens 45 muss das jeder abgerissen haben, und jede geht wohl nur freiwillig.
April! April!? Nein, ist ja noch März gewesen.
@Closius: Auch die zwangsweise Musterung wäre ein Eingriff in die Rechte der Bürgerinnen und Bürger. Zumal er – wenn es keine durchsetzbare Dienstpflicht für Frauen gibt – gänzlich ohne Sinn wäre.
Eingriffe in Bürgerrechte bedürfen immer einer gesetzlichen Grundlage und müssen geeignet, erforderlich und verhältnismäßig sein. Eine Pflicht, sich (ggf. sogar ärztlich) mustern zu lassen, ohne tatsächlich zu einem entsprechenden Dienst herangezogen werden zu können, ist schon nicht geeignet, einen gesetzlich legitimen Zweck zu erreichen. Das wäre erst dann der Fall, wenn eine solche Dienstpflicht für Frauen allgemein auch grundgesetzlich verankert wäre.
@Wehrpflichtiger_90:
Ich habe in meiner Funktion als ziviler Arbeitnehmer der Bundeswehr sehr sehr viel Kontakt zu der Truppe und kann als ehem. Wehrpflichtiger der 2000er sagen das heutzutage in der „Profi-Armee“ genauso viel Gammeldienst und DummF*** stattfindet wie zu den guten alten Wehrpflicht Zeiten, nur das die heute fürstlich bezahlt werden.
Der Idee selber kann man mit Feinschliff nur gutes abgewinnen.
Aufgefallen ist mir beim Gesellschaftsdienst das Folgende:
„…ehrenamtliches Engagement in verantwortlicher Position als Beitrag zu unserer gesellschaftlichen Widerstandskraft z.B. in der Jugendarbeit, als ehrenamtlicher Trainer im Sport, Vorlesepat*in in der Schule …“
Ich lasse jetzt meine Beorderung aufheben und lese statt dessen vor…
Ironie aus
Ich halte von der Wiedereinführung generell gar nichts. Auch von dem Vorschlag der hier diskutiert halte ich nichts. Ich selber habe 12 Monate Anfang der 90er in der BW gedient und dann musste anschließend die folgenden 4 Jahre regelmäßig zu Reservistenübungen antanzen. Das ist alles so altbacken. Heutzutage wird ein militärischer Konflikt vor allem durch automatische Drohnen, Luftwaffen und kleine taktische Kampftruppen geführt. Wozu muss man also die allgemeine Truppenstärke erhöhen? Ich würde also eher Investitionen in neue Technologien und entsprechende kritische Infrastruktursicherheit tätigen, statt Menschen zu verheizen.
Hier wurde angemerkt, dass es manche Menschen bis 67 aussitzen würden und nicht vorher freiwillig dienen würden.
Das ist unvermeidbar.
Aber diese Querschläger, die auf Kosten Anderer ihr Leben gestalten und nicht bereit sind, etwas für die Allgemeinheit zu geben, wird es immer geben.
Wenn solche Leute früher gezogen würden, wären sie die ganze Dienstzeit krank geschrieben.
Jeder hier kennt solche Menschen. Die ändert man nicht ohne viel zu großen Einsatz von Energie.
Ich freue mich dann eher über die anderen 90 Prozent, die bereit sind, etwas zu geben und nicht nur zu nehmen.
@DKblu35
Und wer bedient die Drohnen u.a. Waffen und Gerät ? Schauen Sie in die UKR, die Zeit- und Berufssoldaten von 2022 sind fast ausnahmslos nicht mehr im Dienst bzw. nicht mehr frontverwendungsfähig. Die reihen wurden zu überwiegenden Teilen durch Reservisten und Freiwillige aufgefüllt, bei RUS ist das ebenso.
Zur Dauer der Initialausbildung: sechs (6) Monate sollten mehr als ausreichen um infanteristische Grundkenntnisse zu vermitteln und einzuüben. In der UKR und in RUS sind drei (3) Monate bereits „Luxus“ und dort wird es dann sogleich kinetisch. Nicht jeder Rekrut muß ein hochkomplexes WaSys bedienen können, das kann man bei einer Weiterverpflichtung auf 12 Monate oder länger beibringen.
Viele der Foristen möchten wohl auch bei einer WPfl NEU eine Goldrandlösung; man sollte einfach einmal „machen“.
@Frank: da sie in der kritischen Infrastruktur arbeiten, sind sie aus der Dienstpflicht raus.
ich denke ernsthaft, das es für so etwas wie die Grünen vorschlagen zu spät ist:
Zum Einen, weil abschreckungstechnisch nur Soldatinnen/ Soldaten und Waffensysteme zählen, zum anderen, weil diese Gesellschaft in sich seit Jahrzehnten so derart diversifiziert ist, das der ein oder andere bestimmt keinen Bock hat sein Leben einem Kameraden anzuvertrauen der erkennbar im Zivilleben komplett falsch abgebogen ist.
Und drittens, weil genau jene Kandidaten das auch wissen und sich schön im Lesekreis rumdrücken werden, während andere Teile der Gesellschaft sich gegenseitig einen Druckverband anlegen.
Um es kurz zu machen: Es gibt in D kein verbindendes Element was über allem steht, und ‚Steuerzahler‘ und ‚Klimaretter‘ ist für sowas einfach zu wenig. Uns trennt mittlerweile mehr als uns verbindet und das hat Auswirkungen darauf wie der Einzelne eine Bedrohung einstuft. Bestes Beispiel: Zustand der BW. Und so schließt sich der Kreis.