Pistorius peilt höhere Bundeswehr-Personalstärke von 230.000 an (Nachtrag)
Die offiziell von der Bundeswehr angestrebte Personalstärke zum Anfang des kommenden Jahrzehnts liegt bislang bei 203.000. Nun peilt Verteidigungsminister Boris Pistorius einen möglichen Aufwuchs auf 230.000 an, um die der NATO zugesagten Ziele erfüllen zu können.
Die Zahl 203.000, die noch von Pistorius Vor-Vor-Vorgängerin Ursula von der Leyen stammt, hatte der Minister zuletzt im Zusammenhang mit der Neustrukturierung der Streikräfte bekräftigt. Allerdings zeichnet sich bereits seit einiger Zeit ab, dass dieser Umfang nicht ausreichen dürfte, die sogenannten Minimum Capability Requirements für die künftige Planung der Allianz zu erfüllen.
In der Fragestunde des Bundestages am (heutigen) Mittwoch sprach der Minister nunmehr davon, nicht nur die 203.000, sondern die Zahl von wahrscheinlich eher 230.000 Soldaten und Soldatinnen anzustreben. Das hänge mit den Planungen des Bündnisses zusammen. Zu dieser aktiven Truppe kämen noch Reservisten hinzu.
Pistorius‘ Aussagen auf eine Frage vom BSW im Zusammenhang, die konkrete Aussage bei Minute 01:35 :
Allerdings liegt die aktuelle Personalstärke derzeit deutlich selbst unter 203.000. Nach der bislang letzten veröffentlichten Statistik dienten Ende Oktober 2024 genau 181.630 aktive Soldaten und Soldatinnen in der Bundeswehr.
Nachtrag: Das Verteidigungsministerium legt Wert darauf, dass der Minister sich mit seiner Aussage in der Regierungsbefragung eben nicht festgelegt habe – zumal die Minimum Capability Requirements erst noch unter den NATO-Mitgliedern abgestimmt werden: Es ist ein Beispiel, in welche Richtung es gehen könnte, sagte ein Ministeriumssprecher.
So schlecht kann die wirtschaftliche Entwicklung in DEU gar nicht sein, dass das ohne Wehrpflicht funktioniert. Da darf jetzt der nächste Kanzler zeigen, ob er die Zeichen der Zeit auch richtig versteht und die Weichen entsprechend stellt. Natürlich mit entsprechender finanzieller Ausstattung.
Bei ~50 000 zusätzlichen Soldaten frage ich mich schon wo die herkommen sollen, wenn die Bundeswehr es derzeit nicht schafft ~20 000 fehlende Soldaten anzuwerben.
Hat Herr Pistorius eine Klonmaschine im Schrank gefunden? Ohne schlüssiges Konzept zur Personalgewinnung wird der einzige Effekt sein, dass der Fehl wächst.
Spannend…
Ich habe Fragen:
wo sollen die herkommen?
Werden die auch bezahlt?
Bekommen sie auch Ausrüstung/Material?
bis wann?
ansonsten natürlich vollkommen richtig!
außerdem sollte vor allem die Reserve massiv aufwachsen
@Obibiber
MASZ in WELT Online:
„Wenn der Nato-Generalsekretär zum Beispiel sage, die Mitglieder sollten drei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes in Verteidigung investieren, „dann werden wir [DEU ? die FPD ?] das auch umsetzen“. “
Ach ja, „Putin habe bereits Pläne für einen möglichen Angriff auf die angrenzenden Nato-Staaten, …“ und “ „Wir wissen, dass Putin sich vorbereitet darauf, möglicherweise Ende der 20er – wobei so eine Zahl immer gegriffen ist – auch einen Nato-Staat anzugreifen“, “
Davon ab stellt sie in Frage, daß die USA uns beispringen – somit wäre die Beistandspflicht aus dem NATO Vertrag hinfällig, wiewohl diese eh nicht so robust wie die aus dem EUV ist.
Sollte sich in Russland nicht signifikant etwas ändern sehe ich bald die Wehrpflicht kommen, die dann auch mittelfristig die Basis für die Erreichung der 230.000 Sollstärke der Bundeswehr ermöglicht. Mit „mittelfristig“ meine ich einen realen Aufwuchs bis zum Ende dieses Jahrzehnts und einer Stabilisierung in der ersten Hälfte der 30er Jahre. In etwa auf der gleichen Zeitschiene, die auch der Materialzulauf benötigt.
Wieder einmal wird der Realitätsverlust deutlich. Ich hoffe immer noch darauf, dass ein vergleichbares Äquivalent wie die V. Armee Wenck irgendwo im Teutoburger Wald gebunden wird.
@Nachhaltig
Das Material für die acht bzw. neun zusätzlichen Brigaden, die die NATO für DEU für erforderlich hält, muß dann auch auf dem Hof stehen sowie die Vollausstattung Plus der bestehenden Verbände.
Acht Brigaden wären bereits 40.000 Sdt +/- ohne weiteren Personalaufwuchs bei der Marine und bei anderen Fähigkeiten (San, Log, ABCAbw, u.v.a.) und Auffüllen von Vakanzen. Realistisch braucht DEU eine Bw in Stärke 240.000+ – stehend, ohne Reservisten.
„In einem weiteren internen Bericht aus dem Ministerium von Boris Pistorius (SPD) steht dem Magazin [Der SPIEGEL] zufolge, dass die Nato-Planungen „absehbar“ eine Erhöhung des deutschen Personalziels von bisher 203.000 auf „tendenziell deutlich über 272.000 Soldatinnen und Soldaten“ erfordern würden.“ Tagesspiegel vom 07.06.2024
„Absehbar“ heißt a) als fakt erkannt und b) zeitlich in nicht allzu ferner Zukunft (ich sage: 2028). Und man sollte auch einmal mit der Umsetzung beginnen, sonst rücken die neuen Rekruten erst Anfang 2028 in die Kasernen ein.
Die Herausforderung dabei: das muß auch über die Zeit finanziert werden, das sind keine einmaligen Ausgaben.
@Vorkommentatoren:
Imo eher eine allgemeine Dienstpflicht, wo man sich aussuchen kann, ob im Zivil- oder Militärbereich. Das „Loch“ ist nicht ganz so groß, dass eine Wehrpflicht von Nöten wäre, man hätte direkt Probleme mit der Wehrgerechtigkeit. Außerdem hätte es den Vorteil, dass man sich auf eher motivierte Wehrpflichtige stützen könnte und es Parteien im linken Spektrum einfacher macht, sich damit abzufinden, da sie Pflegemangel etc. mildert. Wirklich traurig über die Abschaffung der Wehrpflicht waren damals nach meinem Eindruck vor allem die Dienste, die auf Zivis zurückgriffen.
Und wenn Russland wirklich ins Dunkel springen sollte und ein Natoland angreift, macht es im Zweifel dann auch keinen großen Unterschied mehr, ob man an der Heimatfront oder an der Ostflanke Dienst tut. Die Kriegspläne aus dem Kalten Krieg sprechen für sich. Die Wirkmöglichkeiten im feindlichen Hinterland sind seitdem eher gewachsen als geschrumpft.
@Thomas Melber:
„Das Material für die acht bzw. neun zusätzlichen Brigaden, die die NATO für DEU für erforderlich hält, muß dann auch auf dem Hof stehen sowie die Vollausstattung Plus der bestehenden Verbände.“ Das ist die Henne/Ei-Diskussion. Material ohne Personal ist genauso ungünstig wie Personal ohne Material. Daraus folgt doch, dass der Aufwuchs synchronisiert werden muss.
„„Absehbar“ heißt a) als fakt erkannt und b) zeitlich in nicht allzu ferner Zukunft (ich sage: 2028).“ In Ordnung. Aber es steht – ich zitiere“ „„absehbar“ eine Erhöhung des deutschen Personalziels“ nicht des Personalstands. Absehbar soll also eine höhere Zahl als Ziel genannt werden. Das erinnert mich an „Heer2028“, „Marine-Zielbild 2035“, etc. Ist ja an sich auch gut, aber eben noch keine Umsetzung. Viel konkreter würde ich es finden, jährliche Einstellungsziele zu formulieren und zu verfolgen.
@Florian Staudte: Da muß ich Ihnen leider Recht geben. Ich glaube hier ist das Prinzip Hoffnung am Werk. Auf den Plan, wie dieses Ziel erreicht werden soll, bin ich mal gespannt.
*Natürlich Aussetzung und nicht Abschaffung.
Hätte natürlich den Nachteil, dass man das Grundgesetz ändern müsste.
Aber mit dem Ansatz einer allgemeinen Dienstpflicht, anstatt einer Wehrpflicht holt man auch linken Flügel der SPD, Linken und BSW mit rein. Vielleicht auch nicht staatsfeindliche Teile der AfD. Der FDP ist eh‘ nicht mehr zu helfen, die sind immer noch der Prä-2008 Ära gefangen, dass der Staat das Urübel aller Probleme ist. Wird nach der Wahl im Februar dann keine Rolle mehr spielen. (Danke dafür, Lindner.)
Wir brauchen einfach mehr junges und fittes Personal durch „richtige“ Auslese mittels einer Wehrpflicht, statt noch mehr unmotivierte GeZi-Soldaten (nichts für ungut) mit einem BMI von 30+ (kein Bodyshaming) um nur so aus Not um die Einstellungszahlen zu erfüllen, alles zu nehmen was dem Personalberater vor dem Schreibtisch „liegt“ und nicht weißt mit welchen Pronomen es heute angesprochen werden will. Leider sehe ich viel zu oft Personal, welches entweder wegen nichtigkeiten seit mehreren Jahren (bei vollen Bezügen und eigentlich längst nicht Verwendungsfähig aber Planstellen blockierend) KZH geschrieben wird oder solche die mit Anfang 20 nach gerade mal 6 Monaten Dienstzeit bereits psychisch so labil sind, da würde glatt annehmen die haben bereits den 5 Auslandeinsatz hinter sich… Ich glabe diese Personalprobleme hat noch keiner so richtig auf dem Schirm.
Mir würde es erstmal reichen, wenn man die aktuell knapp 181000 Soldaten auch mal zeitgerecht befördern könnte und die Dienstzeit der willigen SaZ verlängern würde.
An die Wehrpflicht und eine zwingend notwendige Reform des BS-Systems i.V.m. mit einem funktionierenden Binnenarbeitsmarkt als Voraussetzung für einen Aufwuchs kann man dann rangehen.
Solange wir gerade noch so die Feldwebel und Leutnante gerade so pünktlich befördern können und manche auf ihre Major Beförderung 2 Jahre warten müssen, brauchen mir keiner was 230.000 Sollstärke erzählen. Was glaubt die Personalführung denn, was die Leute zu Hause oder bei Freunden erzählen?
@someone, sie übersehen das eine pauschale allgemeine Dienstpflicht der europäischen Menschenrechtskonvention widerspricht. Ausnahmen kennt die nur bei Katastrophen und dem Wehrdienst. Von daher dürfte eine Reaktivierung der Wehrpflicht der einzige Weg sein. Zumal das per einfachem Gesetz geht, während eine allgemeine Dienstpflicht (für alle) eine Änderung des Grundgesetzes erfordern wird.
Vor einer Wahl kann man ja alles fordern… Herr Minister Pistorius muss nur aufpassen, dass er es nicht übertreibt mit seinen Visionen und dann vom politischen Gegner (zu Recht) zum Arzt geschickt wird oder ihm Tünkram attestiert wird.
Das kann nur mit Wehrpflicht funktionieren. Und zwar mit einer Wehrpflicht, die den Fokus auf die soldatischen Grundfertigkeiten legt. Alles, was spezieller ist, als meinetwegen MG und Panzerabwehrwaffen wird erst im Rahmen von WÜ ausgebildet und geübt. Schnelle Aufwuchsfähigkeit und Masse an Leuten, denen man nicht alles von Null beibringen kann. Dazu brauchte es Anfang der Neunziger drei Monate, Ende der Neunziger waren es nur noch zwei. Wenn man sich darauf fokussiert und entsprechende Kapazitäten schafft, kann man die jungen Leute schon nach kurzer Zeit wieder in die Zivilgesellschaft entlassen und zieht ggf. regelmäßig heran, zur In-Übung-Haltung.
Dann gibt es auch kein allzu großes, bzw. dauerhaft bestehendes Problem mit der Wehrgerechtigkeit.
Und ja, das ist ein Modell, welches mehr an die Schweiz erinnert.
Zur Realisierung dieser Idee bedarf es einer Infrastruktur. Die Personalgewinnung bedarf einer anderen Struktur und moderner Methoden einhergehend mit einer Digitalisierung. In der Wirtschaft funktioniert das. Die Bundeswehr ist da bisher beratungsresistent. Der Aufbau einer Reserve ist ebenfalls dringend. Diese muss ausgebildet, ausgestattet und in Übung gehalten werden. Die Aufgaben sind vielfältig und erfordern den politischen Willen. Auf die nächste Regierung warten Aufgaben für deren Erledigung wenig Zeit bleibt. Bisher ist die deutsche Politik im Bereich der äusseren Sicherheit saumselig. Auch die militärische Führung ist nicht frei von Verantwortung.
@someone sagt: 18.12.2024 um 20:18 Uhr
Bitte nicht schon wieder diese bis zum Exzess geführte Diskussion um eine allgemeine Dienstpflicht. Es muss jetzt schnell gehen, d.h. ohne Grundgesetzänderung etc.. Da bleibt nur die Wiedereinführung der Wehrpflicht „alter Art“ nur für Männer. Alles andere danach, es muss losgehen.
Wir können uns den Luxus jahrelanger Diskussionen nicht mehr leisten.
@McPotter, welche Visionen meinen Sie wegen der man ihn zum Arzt schicken sollte?
So wie ich lese hat er schlicht nachgerechnet was die Bundeswehr an Personal benötigt um die Zusagen an die Nato die er mit Zustimmung des Bundeskanzlers oder der Kanzler selber getätigt hat, zu erfüllen.
Da wird auch eine neue Regierung nur zwei Möglichkeiten haben. Das Personalziel erfüllen durch entsprechende Personalgewinnung und Bereitstellung der nötigen Gelder oder die Zusagen an die Nato einkassieren.
Die derzeit gültige Dienstpostenobergrenze erdrosselt insbesondere das Heer. Da werden z.T. absurde, ja lebensgefährliche Überlegungen angestellt, um – bei gleichzeitiger Aufstellung der (zusätzlichen!) Brigade für Litauen und der Heeresflugabwehrtruppe – eben jene einzuhalten.
Was jahrelang gemacht wurde, nämlich das „Level of Ambition“ am Geld auszurichten, wurde nun betreffs Personalgewinnung gemacht. Das Ergebnis ist, dass die Streitkräfte nicht mehr so geplant und aufgestellt werden, wie es der Auftrag erfordert, sondern danach ausgerichtet werden, was man meint sich finanziell und personell leisten zu können.
Das überragende Ergebnis, also der Zustand der Streitkräfte, spricht für sich.
Hätte man die Reichswehr nach dem ausgerichtet, was erlaubt bzw. möglich war (nach dem Motto: wir dürfen keine Wehrpflicht, keine schweren Waffen und keine Flugzeuge haben, also planen wir mal den defensiven Stellungskrieg wie 14/18, statt die hochbeweglich geführte Offensive in die tiefe des Raumes zumindest ansatzweise zu üben), Deutschland und der Welt wäre wohl viel erspart geblieben.
Fast noch wichtiger als die reinen Zahlen der zur Verfügung stehenden Soldaten, ob jetzt oder im V-Fall, wäre mir der Aufbau einer Mobilisierungs- und Ausbildungsstruktur. Denn zu Beginn des Krieges kämpfen die Berufs- und Zeitsoldaten, zu Ende des Krieges die mobilisierten.
Eine Struktur aufzubauen die das leisten kann, incl. Infrastruktur, Ausbildern etc.., ohne einen „Bedarf“ in Form von auszubildenden Wehrpflichtigen zu haben wird mit der Bundeshaushaltsordnung schwer vereinbar sein. Die Ansage von Pistorius lese ich daher so: Wir brauchen Ausbildungskapazitäten für 27.000 Soldaten in der AGA pro Quartal (also grob 110.000 pro Jahr).
Das passt übrigens ganz gut zu den Rekonstitutionszahlen der Russischen Föderation (derzeit angeblich 30.000 pro Monat, 3:1 Verhältnis im Angriff).
@Pio-Fritz sagt:
19.12.2024 um 8:57 Uhr
„….Wir können uns den Luxus jahrelanger Diskussionen nicht mehr leisten.“
Zustimmung. In der Tat sind wir mittlerweile an dem Punkt wo Eile geboten ist. Alles war Russland aufhalten wird ist eine glaubhafte, belastbare Abschreckung.
Wir müssen rüsten, ob uns das gefällt oder nicht. Und Quantität ist in diesem Themenfeld ein Teil von Qualität. Leider haben wir Zeit verschlafen und in der Vergangenheit von unserem Geschäftsmodell (Russe liefert günstig Gas, Ami schützt uns für lau und der Chinese kauft überteuert unseren Krempel) gelebt ohne uns auf das Wort-Case-Szenario vorzubereiten.
Machen wir uns nix vor: spätestens seit 2014 hätten wir uns vorbereiten müssen. Allerdings haben wir (und hier meine ich uns ausdrücklich alle) gedacht wir bekommen das ohne Wohlstandsverlust hin. Nein, wird nicht klappen.
Wir leben in spannenden Zeiten und die nächsten Jahre werden ungemütlich und gefährlich, im schlimmsten Falle blutig.
@McPotter am 19.12.2024 um 6:55 Uhr:
Meine volle Zustimmung zu Ihrer Bewertung.
Das sind alles Luftnummern von einem Minister, der zwar für seine Ankündigungen sehr beliebt ist, aber letztendlich von seiner eigenen Partei eiskalt ausgebremst wird (nicht nur bei der Kanzlerkandidatur).
Als Bürger (ehemals viele Jahre in Uniform!) fühle ich mich nur noch ver**scht. Weder die 203.000 sind realistisch bis 2031 erreichbar (war mal für 2027 angepeilt!) und schon gar nicht 230.000.
Es ist doch jetzt schon absehbar, dass selbst nach den Neuwahlen keine Bundesregierung für die Wiederaufnahme einer effekticen Wehrpflicht (sprich mind. 12 Monate) noch für die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht eine Mehrheit im Bundestag bekommen wird.
Und übrigens, was ist eigentlich mit der Personalstärke November?
[Gerade mal nachgesehen: Nein, die Personalstärke November gibt es noch nicht. T.W.]
Dazu sage ich nur:
„Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ getreu dem Lied von Freunde und Reinhard Mey.
Was für ein Eiertanz. Schafft gemeinsame EU Streitkräfte mit der eindeutigen und einzigen Aufgabe territoriale Vereidigung.
Dann sollte die EU ausreichend Geldmittel und Personal haben, um selbst USA und China vor Invasionen abzuschrecken und Russland sowieso.
und alle Kriege mit strategischen atomaren Szenarien lassen sich grundsätzlich nicht gewinnen.
Wehrpflicht will man nicht…
Mehr Budget kann man nicht…
„Fremdenlegion“ ist rechtlich nicht drin…
Jetzt die Zahl der unbesetzten Dienstposten von 20.000 auf 50.000 hoch zu schrauben macht keinen Sinn wenn man keine Idee hat diese zu besetzten. Und da gibt es nur drei Möglichkeiten… die jungen Männer mit der Wehrpflicht in die Kasernen zu schleifen… ihnen so irrewitzig viel Geld zu zahlen das sich genug bewerben oder Ausländer anzuwerben mit dem Versprechen… guter Sold und im Anschluss die Einbürgerungsurkunde. Andere Methoden wollen mir nicht einfallen und alle will oder kann man nicht umsetzen. Dazu kommt das wir um den Verteidigungsumfang zu erreichen ja auch noch 230.000 beorderte Reservisten benötigen, für die Gerät, Ausrüstung und Munition vorhanden ist und die auch noch regelmäßig verpflichtend zu Wehrübungen Einrücken.
Sorry ohne Wehrpflicht geht das nicht! Die SPD wird dann in der nächsten Regierung über ihren Schatten springen müssen oder wir lösen die Bundeswehr auf, versetzen die Berufssoldaten zur Bundespolizei und kaufen von den Israelis einfach 100 Atombomben.
Ein kleines positives Detail zur Stärkung der Reserve aus meinem Bundesland. Nach jahrelangem Bohren scheint es einen Erfolg zu geben. In der aktualisierten Handreichung zu Verwaltungsvorschriften wurde mitgeteilt, dass die Freistellungstage für militärische Zwecke angehoben wurden bzw. die Genehmigungsebene nach unten delegiert wurde. Zwar sind nach wie vor grundsätzlich maximal drei Tage (!) Freistellung pro Jahr möglich, aber die Befugnis zur Ausnahmegenehmigung für max. bis zu zehn Arbeitstage (statt bisher fünf) wurde deutlich nach unten auf die Behördenleiter übertragen. Damit sind die Hürden für zwei Wochen Reservedienstleistung pro Jahr deutlich (!) niedriger geworden. Ein Verstecken hinter höheren Ebenen ist damit für Behördenleitungen nicht mehr möglich. Eine Freistellungspflicht gibt es aber immer noch nicht. Die Erwartungen an die Zeitenwende bei den Bundesländern sind halt bescheiden geworden.
@Flo
Verzeihen Sie mir bitte vorab meine Spitzfindingkeit:
Herr Minister Pistorius wird sicherlich nicht selber nachgezählt haben, sondern ihm wurden Zahlen gemeldet, die er jetzt in Umlauf gebracht hat und die dann ja sofort auch wiederum eingeordnet werden mussten („könnte“, „wahrscheinlich eher“). Mit der Zahl an sich ist also noch überhaupt nichts ausgesagt und ich vermute, dass Herr Pistorius auch gar nicht überblicken kann was, wie, wo überhaupt fehlt und gebraucht wird – und das meine ich überhaupt nicht despektierlich, da die Leitung natürlich auch nur „eine Wahrheit“ erhält. Und auch hier im Forum zeigt sich, dass es viele Spezialisten und auch einige Generalisten gibt, die aber auch nicht „das große und ganze“ Bild beschreiben können (falls doch, mea culpa!) – wie sollte es ein Minister? Und da Forderungen nach einer starken Bw gerade gesellschaftsfähig ist, ist die Visualisierung mit Zahlen, die aber überhaupt nicht konkret sind, sicherlich primär für den Wahlkampf gedacht; das kostet alles nichts…
Die Gründe warum schon 203.000 irreal sind, werden alleine hier in diesem Format schon seit Jahren und immer wieder von konstruktiv bis fatalistisch besprochen (und wie ich finde inhaltlich immer wertvoll).
Und politisch wird es kein „entweder-oder“ (Zahlen bringen oder Ziele kassieren) sein, wie sie schreiben – das wäre ja mal was! Deutschland wird, wie immer, eine Lösung hierfür finden die „diplomatisch“ sein wird…
@Alfred Maynard sagt:
19.12.2024 um 17:06 Uhr
Dazu sage ich nur:
„Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ getreu dem Lied von Freunde und Reinhard Mey.
Dieses Lied geht mir so auf den S*ack…sorry. Was mich da triggert ist dieses „Eltern entscheiden was Kinder tun dürfen“. Selbstbestimmungsrecht des Individuums? Meine Eltern waren auch ehr mittelbegeistert das ich die Uniform anzog. Aber: meine Entscheidung.
Die Idee mit den EU-Streitkräften ist (leider) nicht tragbar. Weil wir uns nicht mal auf die Grundzüge einer gemeinsamen Außenpolitik einigen können.
Wenn Sicherheit eine der Kernaufgaben des Staates ist, dann ist die Beteiligung daran die Aufgabe jedes Bürgers / jeder Bürgerin. Insbesondere in der Demokratie.
Machen wir es kurz:
Ohne massive Reformen (der Verwaltung und Struktur), Erneuerung der Wehrpflicht und mehr Geld wird es nicht gehen.
Alfred Maynard sagt 19.12.2024 um 17:06 Uhr:
„Was für ein Eiertanz. Schafft gemeinsame EU Streitkräfte mit der eindeutigen und einzigen Aufgabe territoriale Vereidigung.“
Nein, lieber nicht. Solange in einigen EU Staaten immer noch „das Europa der Vaterländer“ von de Gaulle herrscht, wird das nix. Formal hat Europa eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, aber im Mindset nicht. Und es ist dem deutschen Bürger und Steuerzahler nur sehr schwer verständlich zu machen, warum deutsche Soldaten z.B. nationale französische Interessen unter dem Mäntelchen einer Europa-Armee irgendwo in der Welt verteidigen sollen.
Das hatten wir in Mali schon einmal. Die EU und die BR haben sich sehr schwer getan, ein passendes Narrativ „zusammenzudengeln“ (anders kann man es nicht nennen), das diesen Einsatz begründete.
Am Ende des Tages waren es rein nationale französische Interessen.
@McPotter, richtig ein Minister wird nicht selber rechnen ob die Zusage einer weiteren Brigade nun 10 weitere Stellen für Panzergrenadiere oder Stellen für 5 Panzergrenadiere, 1 Fernmelder, 1 Sanitäter und 3 Logistiker erfordern. Dem wird nur die Gesamtzahl präsentiert und ggf aufgeschlüsselt nach direktem Bedarf aus der Zusage „10 Fregatten für den Nordatlantik* und den mit der Fähigkeit x indirekt zugesagten nötigen Unterstungsleistungen im Hintergrund.
Und ebenfalls ja, aktuell sehr ich auch nur weitere Phantomeinheiten auf dem Papier entstehen die irgendwann in der Zukunft dann real werden sollen.
Auch das man sich wird versuchen zu drücken vor einem klaren Leistung bringen oder Zusage kassieren ist zu befürchten. Wobei das dann wieder Waser auf die Mühlen eines Donald Trump sein wird das wir nicht ausreichend für den Schutz der Amerikaner zahlen. Denn innerhalb der Nato dürften allen klar sein wie gut jedes einzelne Land seine Zusagen würde erfüllen können im Ernstfall.
Wie schon etliche Foristen vor mir aufzeigen, wird es einen zahlenmäßigen Aufwuchs bei unveränderter Rahmenlage in dieser Größenordnung realitätsnah kaum geben können.
Die Projektgruppe Wehrdienst hat, so denke ich, die Zeichen der Zeit erkannt, und arbeitet sich auf allen möglichen Wegen zur quantitativen und qualitativen Anböschung des Personalkörpers ab.
Allerdings wird es ohne gesamtgesellschaftliche Überzeugung zugunsten einer resilienten Abschreckung im Rahmen unserer Landes- und Bündnisverteidigung und generell ohne die Bereitschaft zum „Dienen“ kaum möglich sein, die vom derzeitigen Minister ausgesprochenen Zahlen erzielen zu können.
@someone
Eine Kettensägen-FDP wäre die einzige Partei die die notwendigen Reformen durchsetzen würde.
Das Grundübel ist nicht der Staat sondern der Missbrauch des Staatswesens für parteipoltische oder sogar persönliche Ziele, die im Widerspruch zum Staatswohl oder Notwendigkeiten für das Wohl der Bürger stehen.
Überall dort, wo wir aus Sachzwängen handeln müssten, wird sich aus parteitaktischen Gründen verweigert. Ein schönes Beispiel für das bewusste Zurückstellen der Interessen des Staates und der Bürger hinter persönliche und parteitaktische Motive war die Weigerung der grünen und roten Parteien bzw. ihrer Eliten zur von der FDP vorgeschlagenen Neuverhandlung des Koalitionsvertrages nach dem Haushaltsurteil des BVerfG. Das wäre _zwingend_ erforderlich gewesen. Selbst Frau Lang sieht es im Nachinein so wenn sie unüberlegt so daherredet.
Stattdessen haben diese Parteien und diese Personen unser Land während einer sehr schweren Krise ein Jahr lang und es dauert an gelähmt. Jetzt feiern wir schon wenn die Ausschüsse ihren verdammten Job machen und nicht die Arbeit verweigern.
Die deutsche Politik hat jahrzehntelang aus Gründen des parteilichen und persönlichen Nutzens krass über ihre Verhältnisse gelebt und politische Luxusschwerpunkte gesetzt die nicht aus eigener Kraft aufrecht gehalten werden können.
Jede staatstragende Partei wäre dazu berufen und würde die Gelegeheit nutzen, um diesen Staat neu zu formen, liberaler zu Formen, ihn schlanker und zurückhaltender aufzustellen. Nie war es so gut begründbar und so richtig, so alternativlos, so _notwendig_. Eine Aufgabe, größer als Person und Partei.
Leider zu groß für unsere low-performance Elite.
Entweder hören die roten und grünen Parteien auf mit der delulu Politik und ermöglichen liberale Reformen damit wir wieder heute und in Zukunft handlunfsfähig werden, oder wir warten ab bis wir unseren deutschen Trump bekommen. Vielleicht ohnehin der effektivere Weg?
Denn über eines sollten sich die demokratischen Parteien keine Illusionen machen: die Demokratie funktioniert bestens. Die aus der „Brandmauer“ resultierende bzw. mit ihr bezweckte Regierungsbeteiligungsgarantie grüner und roter Parteien sollte dort nicht zu Höhenflügen führen — es droht ein blutiger Aufprall .
[Mal als Hinweis an alle: Noch so’n Wahlkampfgewäsch und ich greife durch, egal zu Gunsten welcher Partei man das hier versucht. Ist ja allerunterste Schublade dümmlichen Gesülzes. T.W.]
@TW
Der einzige der dümmlich rumsülzt sind Sie, wenn Sie hier FDP Bashing unwidersprochen die Plattform geben wollen, bitteschön. Dann halt einfach nicht freischalten. Wenigstens fehlt Ihnen nicht die sittliche Reife, oder etwa doch?
[Danke für Ihren Beitrag, Sie brauchen sich hier nicht weiter einzubringen. T.W.]
@Flo
„Und ebenfalls ja, aktuell sehr ich auch nur weitere Phantomeinheiten auf dem Papier entstehen die irgendwann in der Zukunft dann real werden sollen.“
Klar, Potemkinsche Dörfer zu bauen bringt nichts, man muß den politisch Verantwortlichen reinen Wein einschenken, dazu ist man verpflichtet – sonst kommen Ideen auf wie: „Beteiligung an einer Friedenstruppe in GAZA“ oder Überwachung des Waffenstillstands in der UKR“ während wir mit Mühe und Not die PzBrig 45 versuchen personell und materiell aufstellen, und das auch noch 18 – 24 Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan.
Allerdings ist es m.E.n. einmal erforderlich den aktuellen ORBAT der Bw dem, was militärisch-politisch geboten bzw. gefordert wird, gegenüber zu stellen. Sonst wird man nur die Ablage Soll-Ist in der aktuellen Struktur darstellen und nicht das Fehl ggü. dem LOA.
Tatsächlich fehlen der Bw nämlich nicht ca. 20.000 Sdt (auf 203.000) sondern gem. NATO Forderung 90.000 Soldaten (Friedensstärke, ohne Res) ! Bei neun geforderten Kampfbrigaden wären das drei Divisionen, (ggf. könnte man auch in Vierergliederung antreten).
Um dem abzuhelfen könnte man den aktiven Einheiten jeweils gekaderte und mit FWDL / Res aufgefüllte Einheiten beigeben, also jeweils die 4./-, das vierte Bataillon / die 4. Brigade, aber voll ausgestattet. Das wäre dann zumindest das organisatorische Gerüst.
@Thomas Melber, richtig. Das kommt noch verschärfend hinzu. Die reine Zahl an Soldaten sagt wenig aus.
Nur weil man formal X Soldaten hat, bedeutet das ja nicht das die X auch alle im Ernstfall bereitstehen um Zusagen an die Nato zu erfüllen. Einige wird man sicher kurzfristig aus warmen Büros abziehen können, viele wird man aber weiter dort brauchen. Und dann kommen noch weitere Aufgaben dazu die man in Friedenszeiten zwar kennt, aber nicht bedienen muss. Stichwort Drehscheibe Deutschland.
GE83 – Ich verstehe das Lied anders.
Ich habe aktuell wieder ein Gefühl von, wir müssen Aufrüsten, weil es anders gar nicht geht.
Die Vergangenheit zeigt, früher hat Frankreich gegen England gekämpft. Frankreich gegen Deutschland, Deutschland gegen Deutschland usw..
Immer war klar, der Gegner ist das pure Böse. Bis 1990 standen sich deutsche Soldaten bewaffnet gegenüber.
Der Feind war in Polen, Tschechien, den Balten und der Ukraine.
Inzwischen sind wir Verbündete, sogar in der EU, ganz ohne Krieg.
Israel verkauft seine besten Waffen an Deutschland.
Vor weniger als 15 Jahren war Russland ein Partner, im NATO Russland Rat und man ist gemeinsam im Weltall unterwegs gewesen.
Nur um Missverständnissen vorzubeugen, ich gebe der Mafia Clique um Putin die Hauptschuld am Angriffskrieg auf die Ukraine.. Aber ich sehe auch eine EU, die selbst ohne USA und Wehrpflicht ausreichend Material und Personal hat, um ein Land wie Russland so zu beeindrucken, dass Konflikte diplomatisch gelöst werden können.
Mich ärgert es, dass man wieder bereit ist, die Jugend zu opfern.
Und ja, mit 18 ist man in Deutschland erwachsen und selbst verantwortlich. Nur verfängt Propaganda bei jüngeren Menschen leider besser und sie haben dann nicht genug Zeit zu erkennen, dass sie ihr Leben nicht für Freiheit und Demokratie geben, sondern für die Egos und Machtspiele der Menschen mit Geld und Einfluss.
@Alfred Maynard, was macht Sie so sicher das Europa allein die nötigen Ressourcen hat um Russland allein so zu beeindrucken das man Konflikte rein diplomatisch gelöst bekommt?
Ja es mag sicher sein das man über ausreichend Fähigkeiten verfügt das Russland nach 3 Tagen Dauerfeuer auf Komandozentren und Nachschublinien im Hinterland mit Präzisionswaffen über große Distanz die Lust an weiteren Angriffen verliert. Troztdem halte ich es für gefährlich sich auf dieser Vermutung auszuruhen. Von daher führt in meinen Augen kein Weg daran vorbei sich auf einen langen konventionellen Krieg vorzubereiten. Bringt ja nix wenn schon nach 2,5 Tagen die eigenen Bodentruppen magels Munition und Personal nicht mehr kampffähig sind und dann der Weg für Russland frei ist von Warschau bis zum Atlantik.
Die EU hat über 1,4 – 2 Millionen Soldaten (je nach Quelle) und 450 Millionen Einwohner und gibt gerade 200 Milliarden+ pro Jahr für Militär aus.
Russland hat ca 1.5 Millionen Soldaten, 140 Millionen Einwohner und gibt zwischen 110 und 160 Milliarden für sein Militär aus.
Die Ausrüstung, abgesehen von den ICBM, sollte im Mittel bei der EU moderner sein und die Truppe besser ausgebildet, (Russische Soldaten mit Erfahrung aus Ukrainekrieg mal ausgenommen).
Die Munitionsfabriken laufen gerade hoch.
Mir ging es speziell um die Reaktivierung der Wehrpflicht. Wobei ich auch bei den 100 Milliarden durchaus andere Verwendungsmöglichkeiten (Schulgebäude, Energieversorgung, Infrastruktur allgm) als wichtig/wichtiger für die Investitionssumme angesehen hätte.
@ Alfred Maynard
Immer wieder dieser Käse mit der EU-Armee. Staatsgebiet, Staatsvolk, Staatsgewalt, all das fehlt der EU – sie ist ein Staatenbund, kein souveräner Bundesstaat – letzteres müsste sie aber sein, um eigene Streitkräfte zu haben.
Sollte die EU mal irgendwann ein Bundesstaat werden, kann man die Idee der EU-Armee wieder hervorkramen. Bis dorthin bliebe es bei einem Zusammenschluss von nationalen Kontingenten – wie wir es de facto ja jetzt schon haben.
Natürlich ist es löblich, sich Ziele zu setzen. Es wird spannend, zu sehen, wie Herr Pistorius, oder wer immer sein Nachfolger sein wird, dieses Ziel erreichen will. Ob er darauf spekuliert, dass es angesichts der wirtschaftlichen Lage bald so viele Arbeitslose geben wird, die man rekrutieren könnten?
Oder will man Migranten Angebote machen: Einbürgerung gegen Dienst in der Bundeswehr?
Mal abgesehen, dass man das Personal nur schwer finden wird, man wird es auch bezahlen müssen. Hat denn mal einer durchgerechnet, um wie viel Geld der Wehretat steigen müsste, damit man sich diesen Aufwuchs leisten kann?
Es geht darum, den Arbeitsplatz bei der Bundeswehr so attraktiv zu gestalten, dass sich entsprechend viele Bewerber finden lassen. Erstens muß die Bezahlung stimmen und dann sollte das Umfeld ansprechend sein. Vergammelte Kasernen, fehlende Ausrüstung, schlechte Aufstiegsmöglichkeiten und fehlende Anerkennung durch die Öffentlichkeit werden viele Talente davon abhalten sich beim Bund zu bewerben. Es muß diesem Land gelingen seine Streitkräfte so auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren, daß es fähige und motivierte junge Leute dazu bringt, sich zu bewerben.. Warum sollte sich jemand dazu bereit finden in Eis und Schnee oder in tropischer Umgebung seine Haut zu Markte zu tragen, wenn er in einer wohltemperierten Montagehalle in Stuttgart irgendwelche Autos zusammenschrauben und auch noch hohe Prämien erwarten kann. Die Bezahlung ist der zentrale Punkt bei dem geplanten Aufwuchs der Bundeswehr.. Wer ordentlich bezahlt, bekommt ordentliches Personal.
Es ist und bleibt (zu befürchten), wie es ist: alles viel zu langsam, da sich die Parteien der demokratischen Mitte, gerade im Wahlkampf, zu sehr vor den politischen Rändern fürchten. Was man in den letzten Wochen, gerade nach der Wahl von Donald Trump in den USA und dem immer noch gnadenlosen Krieg von Putin gegen die Ukraine, von Militär- aber explizit auch Wirtschaftsexperten so hört, ist, dass die Bundeswehr deutlich aufwachsen muss.
Ich halte da auch eine Truppenstärke von über 230000 durchaus realistisch. Diese kann meines Erachtens nur durch eine Wehrpflicht, in welcher Form auch immer, erreicht werden. Diese wird ja von SPD, wie auch CDU grundsätzlich befürwortet, ist aber im bisherigen Wahlkampf leider nur von relativ geringer Bedeutung, weil unbeliebt.
Wenn es nach der Bundestagswahl tatsächlich zu einem Aufwuchs der Streitkräfte kommen sollte, hoffe ich mal auf eine kluge Dislozierung selbiger . Als Mensch aus Schleswig-Holstein kann ich nur sagen, dass das Kommando LANDJUT damals bestens funktioniert hat und so etwas in vergleichbarer Form mit den neuen NATO-Partnern Schweden und Finnland eine noch größere Abschreckung gegenüber Russland hätte.
Mit dem Zitat von General Christian Trull „Es ist nun leicht mit einem Federstrich ganze Verbände aufzulösen, es dauert aber zehn Jahre und mehr diese wieder aufzustellen“ , hoffe ich inständig, dass die Politik verstanden hat, dass wir eine starke und gut aufgestellte Bundeswehr brauchen, auch wenn das sehr viel kosten wird.
@Schlammstapfer sagt:
21.12.2024 um 18:43 Uhr
…Mal abgesehen, dass man das Personal nur schwer finden wird, man wird es auch bezahlen müssen. Hat denn mal einer durchgerechnet, um wie viel Geld der Wehretat steigen müsste, damit man sich diesen Aufwuchs leisten kann?…
Im nachfolgenden Link kann man sich den Haushaltsplan ja selbst anschauen… ganz simpel gerechnet würden natürlich alle Einzelpositionen bei mehr Personal entsprechend steigen.
Bei Gesamtkosten für Personal von 20,015 Milliarden Euro kostet ein Dienstposten im Schnitt etwa 110.000€ pro Jahr. Ein Plus von ~50.000 Dienstposten würde also in etwa mit 5,5 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Wer Lust und Laune hat kann das ja gerne Mal genau rechnen.
https://www.bundeshaushalt.de/DE/Bundeshaushalt-digital/bundeshaushalt-digital.html
@Flo
„… Russland nach 3 Tagen Dauerfeuer auf Komandozentren und Nachschublinien im Hinterland mit Präzisionswaffen über große Distanz die Lust an weiteren Angriffen verliert.“
Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: mit welcher Konflikt- / Kriegsdauer rechnen wir denn ? Ein paar Tage, mehrere Wochen, Monate oder bemißt sich dies in Jahren ? Wie viel Munition, Kraftstoff, u.a. ist bei Kriegsbeginn verfügbar und kann nachgeliefert / nachproduziert werden ? Sind Lieferketten robust (insb. Elektronik, Halbleiter) ?
Wieviel Personal muß eingezogen und ausgebildet werden um Versluste auszugleichen (ZSanDstBw hat hier Annahmen) und um zumindest die zahlenmäßige Stärke aufrecht zu erhalten ? Zusatzaufgaben, wie Bewachung und Absicherung ? Wer macht dies, wie sind die Verfahren – von Tauglichkeitsuntersuchung über Ausstellen von Wehrpässen, Ausgabe von Bekleidung und Ausbildung ? Früher gab es hierzu die sog. MobStp.
Gibt es jetzt schon Marker für eine UK-Stellung von Personal – also z.B. der Ingenieur von BOSCH wird eingezogen, der Müllwerker aber nicht ? Oder wird ggf. zahlenmäßig ausgedünnt, Arbeitszeiten angepaßt ? Wann entscheidet die Politik überhaupt ob „mobil gemacht“ wird ? ‚hat ja schließlich auch eine eskalierende Wirkung.
Oder glaubt man, daß wir wie im Friedensbetrieb weiterhin unserem Tagesablauf nachgehen können und der Krieg relativ weit weg an der Ostflanke stattfindet – außer einigen kleineren Unannehmlichkeiten, die die Rolle als Drehscheibe DEU mit sich bringt ?
Ich meine: nicht die Fragen sind unbequem, man drückt sich nur um Antworten, denn die können weh tun.
Die 230000 reichen bei den geforderten zusätzlichen Brigaden der NATO nicht.
Zur Erreichung braucht es eine andere Personalgewinnung, Schwerpunktlegung auf andere Zielgruppen und eben nicht Schulabgänger, schnellere effiziente Rekrutierung aus den 90ern, mehr Personalführer und zudem eine funktionierende Dienstaufsicht über BAPersBw. Von neuen Kasernen, mehr Unterkünften, Ausrüstung, Verpflegung, etc. mal ganz abgesehen.
Vor allem aber mental den Abschied von Auslandseinsätzen und dem zugehörigen Denken, was noch in vielen Köpfen verankert ist hin zügig zu LV/BV. Dazu die Einhaltung der Pflicht zur Kameradschaft und keine Ellenbogenmentalität, um im Felde auch tatsächlich zu bestehen.
@ barn sagt um 21.12.2024 um 21:57 Uhr:
„…Erstens muß die Bezahlung stimmen und dann sollte das Umfeld ansprechend sein. Vergammelte Kasernen, fehlende Ausrüstung, schlechte Aufstiegsmöglichkeiten und fehlende Anerkennung durch die Öffentlichkeit…“
Ihre Aussage stimmt nur zur Hälfte, zumindest was den jungen Bewerber oder Interessenten angeht.
Zur Bezahlung: Welcher Arbeitgeber in Deutschland zahlt einem ungelernten (schulentlassen) jungen Mitarbeiter nach 12 Monaten „dabei sein“ 1800 € Netto? Ich finde das schon ziemlich gut. Nach zwanzig oder dreißig Jahren relativiert sich das, aber am Anfang ist das schon echt gut. Ebenso die Aufstiegschancen. Wer sich engagiert und etwas kann, der kann am Anfang sehr gut und schnell nach „oben“ steigen. Auch dies relativiert sich nach 10-20 Jahren deutlich. Die fehlende Ausrüstung ist ein Punkt, der zählt, genauso die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, aber auch bei den Kasernen werden die „neuen“ oft (wo möglich) in den besseren Unterkünften á la Kaserne 2000 untergebracht.
Unterm Strich bleibt, dass sich schon bemüht wird, den Dienst für die jungen (neuen) „Mitarbeiter“ so attraktiv, wie möglich zu machen. Manch ein lebenserfahrener „Bestandskunde“ (20 Jahre + dabei) würde sich die Finger nach diesen Bedingungen schlecken.
@ Barn
Der zweite Teil Ihrer Einlassung ist das Wesentliche – an den Besonderheiten des Soldatenberufes ändert sich durch bessere Bezahlung, modernere Kasernen u.ä. rein gar nichts. Wer es vorzieht, bei Daimler in der warmen Werkhalle zu stehen, den wird es auch für ein paar Euro mehr und rührseliges Schulterklopfen nicht in den nassen und kalten Wald ziehen.
Es ist und bleibt Augenwischerei, wenn man meint, durch bessere Bezahlung, mehr Wertschätzung u.ä. die Besonderheiten des Soldatenberufes quasi aufwiegen zu können – das funktioniert auch in GBR und USA nicht.
Die nordischen Länder machen es vor, wie es geht – hierzulande zieht man es vor, sich weiter an der Quadratur des Kreises abzuarbeiten und gleichzeitig 2028 und den möglichen russischen Einmarsch zu beschwören.
@Küstengang01
Danke für die Info.
@ORR
Laut Statistischem Bundesamt lag die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss im Jahr 2022 bei 52262. Im Jahr 2021 lag sich noch bei 47000. Ob das der Pool ist, den Herr Pistorius anzapfen will? Rein von den Zahlen her würde es ja passen.
Die Chancen dieser Jugendlichen auf einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft ist jedenfalls ziemlich gering. Vor allem jetzt, wo die Wirtschaft nicht mehr rund läuft.