Verteidigungsministerium zieht Ergänzung zu Bundeswehr-Traditionserlass zurück
Die Ergänzung des Traditionserlasses der Bundeswehr, mit der der aus der Wehrmacht kommenden Gründergeneration der Bundeswehr eine besondere Rolle zugewiesen werden sollte, ist nicht mehr gültig. Das Verteidigungsministerium zog die so genannten Ergänzenden Hinweise zu den Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege zurück. Grund seien aufgekommene Zweifel an der Wertebindung des Traditionsverständnisses, erklärte Generalinspekteur Carsten Breuer.
Die Ergänzenden Hinweise zu den Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege der Bundeswehr wurden am 12. Juli vom Abteilungsleiter Einsatzbereitschaft und Unterstützung Streitkräfte im Verteidigungsministerium, Generalleutnant Kai Rohrschneider, unterzeichnet. Es gehe dabei um eine Klarstellung zur Auslegung des Traditionserlasses, hatte Rohrschneider das Dokument begründet. Maßgeblich sei die Frage, wie der in dem Erlass genannte Wertemaßstab auszulegen sei, ebenso wie der Spielraum für traditionsstiftende Beispiele militärischer Exzellenz auch außerhalb der bundeswehreigenen Geschichte.
In einem Rundschreiben vom (heutigen) Mittwoch erklärte der Generalinspekteur, diese Regelung sei aufgehoben:
Die ergänzenden Hinweise haben Zweifel an der Wertebindung des Traditionsverständnisses der Bundeswehr aufkommen lassen. Um diese auszuräumen und ein klares Bekenntnis zu den zentralen Bezugspunkten des Traditionsverständnisses, den Festlegungen zu
traditionswürdigem Verhalten und der Verpflichtung der Bundeswehr auf die freiheitlichen und demokratischen Zielsetzungen der Bundesrepublik Deutschland zu unterstreichen, haben wir entschieden, die Ergänzenden Hinweise mit sofortiger Wirkung außer Kraft zu setzen.
Der Traditionserlass aus dem Jahr 2018 ist unverändert gültig.
Für Traditionswürdigkeit in der Bundeswehr waren, sind und bleiben Wertebindung und das klare Bekenntnis zur freiheitlichen und demokratischen Grundordnung zwingend. Nur auf Grundlage dieser Wertebindung, die sich nicht allein auf professionelles Können im Gefecht reduziert, kann soldatisches Selbstverständnis sinn- und traditionsstiftend sein. Ich bitte Sie, dies auch weiterhin für die Traditionspflege in Ihren Verantwortungsbereichen umzusetzen.
Die neue Lage erläuterte der stellvertretende Ministeriumssprecher Oberst Arne Collatz in der Bundespressekonferenz:
Ergänzung: Die Aussagen im Transkript:
Collatz: Ich möchte einen Gesprächsfaden vom letzten Montag aufgreifen und Ihnen Entwicklungen zur Kenntnis geben.
Am Montag haben wir uns über die ergänzenden Hinweise zum Traditionserlass der Bundeswehr unterhalten. Auf Ihre Fragen hin habe ich Ihnen bestätigt, dass ein Abteilungsleiter im BMVg ergänzende Hinweise herausgegeben und mit dem Ziel, für mehr Verhaltenssicherheit zu sorgen, Bezüge hergestellt hat, die sich in der Rückschau nicht als förderlich herausgestellt haben.
Die Gesamtdebatte hat dazu geführt, dass wir uns die Formulierung noch einmal angeschaut haben und sie vom Markt nehmen. Das heißt, die ergänzenden Hinweise werden zurückgenommen, weil sie insgesamt Zweifel am Grundsatz des Traditionserlasses von 2018 haben aufkommen lassen, der für ein klares Bekenntnis der Bundeswehr zu Demokratie und Rechtsstaat steht – eben ohne Bezüge zu Wehrmachtszeiten. Es muss immer klar sein, dass die Tradition der Bundeswehr, der Kern der Erinnerungskultur der Bundeswehr, Bestandteil des werteorientierten Selbstverständnisses und damit auch unserer Unternehmenskultur, wenn man das so sagen möchte, ist und letztlich ihre Verankerung in der Gesellschaft festigt.
Im Ergebnis wurden die ergänzenden Hinweise heute außer Kraft gesetzt, und wir hoffen, damit für Eindeutigkeit und Verhaltenssicherheit gesorgt zu haben.
Frage: Ist jetzt nur die Erklärung vom Markt, oder ist auch die Erweiterung des Traditionserlasses davon betroffen? Sie sah oder sieht ja, soweit sie noch gilt, im Kern vor, dass auch frühere Wehrmachtsangehörige, die dann in der Bundeswehr, wenn man so will, Aufbauarbeit leisteten, traditionswürdig seien. Gilt dieser Inhalt nach wie vor?
Collatz: Die gesamten ergänzenden Hinweise inklusive der Anlagen, die ja veröffentlicht wurden, wurden außer Kraft gesetzt. Der Traditionserlass von 2018 gilt unverändert in der erlassenen Form weiter fort. Die ergänzenden Hinweise sind in Gänze außer Kraft gesetzt.
Zusatzfrage: Bedeutet das, die Erweiterung der Traditionswürdigkeit auf ehemalige Wehrmachtsangehörige, die dann in der Bundeswehr Aufbauarbeit geleistet haben – ich glaube, es waren etwa 40 000 -, gibt es als inhaltliche Substanz nicht mehr?
Collatz: Sie war in der Deutlichkeit, wie Sie das jetzt sagen, ja auch nicht angedacht. Ich habe am Montag versucht, das zu erläutern. Nur die militärische Exzellenz, unter Beweis gestellt im Zweiten Weltkrieg, reicht eben nicht aus und hat nie ausgereicht, um traditionswürdig im Sinne des Traditionserlasses zu sein. Dazu gehören andere Dinge, die Werteorientierung und auch den Einsatz für Demokratie und Rechtsstaat deutlich machen. Das gilt weiter fort.
Daran sind aufgrund der Formulierung in den ergänzenden Hinweisen Zweifel aufgekommen. Das bedauern wir sehr und nehmen sie deswegen vom Markt.
„Picard leadership tip: The larger the audience and the higher your position, the greater the need to communicate with care and precision.“
Richtige Entscheidung, und mein Dank an den Generalinspekteur für seine klaren Worte. Man sieht, dass er das Problem verstanden hat.
Unterm Strich war die ganze Klamotte hochgradig unnötig. Und wenn man die Ergänzung angesichts des jetzt nicht allzu lauten Protestes (einige kritische Nachfragen, Tweets und Artikel in der TAZ sind für mich kein Aufschrei) so schnell zurücknimmt, gehe ich davon aus, dass es von Anfang an kritische Stimmen im Haus selbst gegeben hat.
Finde ich spannend, dass der Angriffskrieg im ehemaligen Jugoslawien unseren freiheitlich demokratischen Rechts- und Werteempfinden entspricht.
Selbst der Afghanistan Einsatz ist mit heutigem Wissen und unter Bezug auf die Argumentation in folgendem Dokument (https://www.bundestag.de/resource/blob/414628/089374d34be27c472c6ef706343ee857/WD-2-014-07-pdf-data.pdf) rechtlich fraglich, schaut man sich Punkt 4.1 „Die Vereinbarkeit des ISAF-Einsatzes mit den Resolutionen des Sicherheitsrates“ an.
„Die Hauptaufgabe des ISAF-Einsatzes ist es, entsprechend den Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ein sicheres Umfeld zu gewährleisten, in dem sowohl die afghanischen Behörden als auch internationale Hilfsgruppen gemeinsam den Wiederaufbau des Staates vorantreiben können. Um diese Ziele zu erreichen, hat die NATO die oben dargestellten Maßnahmen ergriffen. Die bisherigen Erfahrungen im
Rahmen des ISAF-Einsatzes lassen nicht den Schluss zu, dass diese Maßnahmen ihren Zweck, die Sicherheitslage in Afghanistan dauerhaft zu stabilisieren, verfehlt hätten. Es kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass die ISAF-Maßnahmen vollkommen wirkungslos oder gar kontraproduktiv sind. Wenn durch vereinzelte ISAF-Maßnahmen tatsächlich Personen profitieren sollten, die den Zielen von ISAF entgegenwirken, so dürfte dies den Gesamtcharakter von ISAF nicht in Frage stellen. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass der ISAF-Einsatz sich außerhalb des Mandats der Vereinten Nationen bewegt.“
Aber immerhin wurde die Ergänzung zurückgenommen.
[Bei aller Lust an der Provokation bleibt’s bitte beim Thema. T.W.]
Da gab es wohl ein bisschen Gegenwind? Hätte man wissen können.
Verstehe überhaupt nicht warum dieses riesige Fass aufgemacht wurde. Das es medial und politisch hochkochen würde war ja klar, aber welchen Nutzen sollte das Ganze haben? Die Truppe kann neben Stauffenberg keine weiteren Namen aufzählen (neben eigenen Gefallenen aus dem Verband) und das wahrscheinlich auch nur weil der Attentatsversuch mal verfilmt wurde.
Da war die interne Abstimmung zu diesem Thema wohl eher kurz…
Dadurch wirkt es wieder wie „gewollt und nicht gekonnt“.
Das grundsätzliche Thema ist mit Sicherheit schwierig. Ohne alle Biographien der in der Erweiterung genannten Personen zu kennen wird es wohl Gründe für ihre Nennung geben. Ebenso wird man wird man immer Gründe finden warum sie nicht Traditionswürdig sind. Da kann jeder eine Eigene Meinung zu entwickeln wenn er sich intensiv mit dem Personenkreis beschäftigt.
Im Fall von Erich Hartmann sollte man z.B. bedenken das er für seine „Erfolge“ im WW2 ca. 10 Jahr in sowjetischer Kriegsgefangenschaft verbracht hat.
Und um das BMJ zu zitieren: „In einem Rechtsstaat kommt der Rehabilitierung und Resozialisierung von Personen eine besondere Bedeutung zu. Ziel der Resozialisierung ist es (ehemaligen) Straftäterinnen und Straftätern wieder einen Einstieg in das gesellschaftliche Leben zu ermöglichen und erneute Straftaten zu verhindern.“
Davon ausgehend war der Einsatz in der Bundeswehr von z.B. Erich Hartmann folgerichtig. Er hat nach seiner Gefangenschaft das in die Gesellschaft eingebracht was er augenscheinlich gut konnte und was beim Aufbau der Bundeswehr dringend benötig wurde. Bleibt dann die Frage ob er seine Aufgaben so gut erfüllte das er traditionswürdig ist….
Aber auch „Rehabilitierung und Resozialisierung“ ist ein heikles Thema….
Gruß….
Unsere „Unternehmensphilosophie“, Hinweise wieder „vom Markt nehmen“ – da weiß man, wohin die Reise geht. Viel Spaß damit, mit dieser Denke einen möglichen Krieg gegen Russland zu gewinnen…
Am Traditionsverständnis kann man sich offensichtlich leicht die Finger verbrennen. Ich habe die Aufzählung vorbildlicher Soldatinnen und Soldaten in den Ergänzenden Hinweisen jedenfalls mit Interesse gelesen. Sind die dort genannten Personen jetzt etwa nicht mehr als Vorbild geeignet? Was passiert mit dem Abteilungsleiter, der den Erlass herausgegeben hat? Immerhin fällt im BMVg ein solches Papier nicht zufällig vom Aktenbock, sondern wurde sicherlich erst nach sorgfältiger interner Prüfung herausgegeben. Da finde ich den Rückzieher schon ziemlich peinlich. Wie kommt dieses Vorgehen in der Truppe an? Der (rechts-)sicheren Anwendung des Traditionserlasses hat man damit keinen Gefallen getan. Das Rundschreiben des GI hilft auch nicht weiter.
Sehr gut.
Es wäre auch weiterhin wünschenswert sämtliche andere „Ehrerweisungen“ an Offiziere und Soldaten der Wehrmacht (Ausnahme der Widerstand) aus der Tradition zu verbannen. Ihre Werke und Leistungen für die Bundeswehr können getrennt davon weiterhin als dienlich erachtet werden – einen Personenkult braucht es aber nicht. Dieser beschädigt eben das Ansehen der Bundeswehr und hegt Zweifel an der Wertebindung. Es bleiben immer noch genug „Vorbilder“ übrig.
Und das geht historisch eben bis und inkl der Himmeroder Denkschrift, in der ja einige forderten die „Ehre“ der Wehrmacht, SS und anderer Kriegsverbrecher „wieder herzustellen“. Da war auch Jahre nach dem Krieg die „Wertebindung“ nicht ausreichend. Naja einige harte Nazis haben es ja teilweise über Gehlen geschafft dort unterzutauchen…
Herzlichen Glückwunsch. Und hat gar nicht mal so lange gedauert… Und das Kapitel: „Gesichtswahrende Kommunikation“ hat einen weiteren Eintrag.
Grotesk ist es trotzdem.
Also besser so was gar nicht zu erlassen als es zuerst zu erlassen, und dann nachdem sich die TAZ und die Russen und sonstwer drüber aufgeregt haben, wieder den Schwanz einzuziehen
Wie so oft in Themenfeldern, wo einfache Schlagzeilen schnelle Empörung generieren, bricht nach dem ersten Schüsschen die ganze Verteidigungslinie zusammen. Fazit: Auch in dieser Debatte sind kriegswichtige Attribute und das Vertrauen gegenüber den eigenen Soldaten hinsichtlich charakterlicher Festigung ausbaufähig.
Gut so!
Die BW hat inzwischen genug geleistet um auf Traditionen verzichten zu können, die sich auf die Wehrmacht beziehen!
Ich sehe indieser uniformierten Organisation keine militärische Traditionspflege. Erst Recht keine, die aus ihr selbst entsprungen ist. Hier geht nichts über die allgemeinen Bindungen eines Staatsbürgers hinaus. Insbesondere in einem Land, in dem die Wehrpflicht in der Verfassung verankert ist.
Und was Militärisch in der Bw als Tradition zu finden ist, stammt ncht aus ihr und ist z.B. auch in der Wehrmacht durchgeführt worden.
Das eigentlich Fatale an der Sache ist jedoch, daß auch Kriegsgeschichte – für die weicheren akademischen Seelen Militärgeschichte – ebenfalls toxisch – um ein Modeweort zu nutzen – geworden ist.
Das kriegsgeschichtliche Beispiel aus der Wehrmacht und von deutschen Armeen davor wird vermieden und damit ein wichtiges Mittel der Ausbildung nicht genutzt. Außer, deutsche OA oder Offiziere besuchen z.B. französische oder britische Kriegs-bzw. Militärakademien.
Ein GI, der uns unterstellt, mit dieser ohnehin weichen Anpassung können begründete Zweifel an unserer Eidestreue gehegt werden, sendet nach innen kein gutes Signal.
Na, da hat die Inhouse-Lobby ja scheinbar doch noch richtig Schub gegeben und den bösen Geist aus Potsdam ausgetrieben! Whatever…
Witzig, bedenkt man, dass der Generalinspekteur höchst selbst die VzE mit den „Ergänzenden Hinweisen“ gezeichnet und damit gebilligt hat.
[Nur als Hinweis, nicht als Widerspruch zu Ihrer Aussage: ich kenne nur das von Rohrschneider gezeichnete Papier, dass es vom GI gezeichnet sein soll, ist mir zumindest nicht bekannt. T.W.]
Mein Vater war Panzerkommandant in der Aufklärungsabteilung der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“. Und war nach Rückkehr aus SOW Kriegsgefangenschaft Anfang der 50er-Jahre mit irgend einem Zettel als „Mitläufer“ eingeordnet. Auf diesem Zettel befindet sich ein blattübergreifender Stempel SS. Er musste sich einmal die Woche bei der FRA MilKdtr in Saarbrücken melden.
Mein Vater hatte demnach „keinen Dreck am Stecken“ und war mir in allen Lebenslagen meiner Jugend ein Vorbild. Mit diesem Vorbild im Sinn habe ich mich 1976 als Freiwiliger zur Bundeswehr gemeldet.
Nur mal so.
Hans Schommer
Oberstleutnant a.D.
[Ebenso nur mal so eine Bitte: Es geht, das dürfte doch inzwischen klar sein, nicht um die Frage „war Opa Kriegsverbrecher“. Sondern um die Frage, worauf sich die Tradition der Bundeswehr stützen soll. Zwischen beiden Fragen gibt es Berührungspunkte – aber wir sollten nicht so tun, als wären sie identisch. T.W.]
Spannend, wie wenige Kommenatoren die Kritik aus der Truppe selbst wahrgenommen haben, wo offenbar Soldat*innen dienen, die deutlich fester auf den Werten des Grundgesetzes stehen und die Innere Führung besser verinnerlicht haben, als die sich hier äußernden.
Die Zeiten, in denen die taz tatsächlich das BMVg bewegt hat, sind lange vorbei. Auch einen öffentlichen Aufschrei hat es so nicht gegeben. Das Thema blieb beispielweise deutlich hinter dem CSD in Bautzen zurück. Im BMVg scheint aber trotzdem jemand gesagt zu haben: Was mein nachgeordneter Bereich da für einen Mist verzapft hat, muss sofort wieder zurückgenommen werden. Vielleicht lag es daran, dass es einfach Unfug war, Nazis als traditionswürdig zu bezeichnen.
Von so Räuberpistolen, wie, dass Gefechte der Wehrmacht und Waffen-SS nicht zur Ausbildung genutzt würden („außer bei Verbündeten“), will ich gar nicht anfangen.
Ein selbstgemachte, vermeidbare Blamage des BMVg! In diesen Zeiten, in denen von der Bundeswehr viel abverlangt wird (Kriegstüchtigkeit, einen signifikanten Beitrag zur Bündnisverteidigung der NATO, attraktiver Arbeitgeber), aber auch selbst viel von den Staatsbürgern in Deutschland fordert (viele weitere Milliarden für den Einzelplan 14, Wehrpflicht „light“, Verteidigung als gesamtstaatliche Anstrengungen), ist solch eine Vorgehensweise des forschen Vorpreschens und der (fast auf dem Fuße folgenden) Zurücknahme aufgrund eigner Zweifel an der Richtigkeit schon ein substanzieller Schaden am Image und an der Professionalität des BMVg (als jüngst neugeordnete Organisation).
In einigen Beiträgen klingt an, dass die ministerielle Stabsarbeit bis zum Generalinspekteur gerade nicht erreicht hat, dass vorhandene Zweifel an den Ergänzenden Hinweisen vor deren Billigung ausreichend abgewogen worden sind. Wurde der Planungs- und Führungsstab nicht gerade eingerichtet, um eine bessere Kohäsion zwischen Partikularmeinungen und -interessen im BMVg herbeiführen zu können? Immerhin ist dessen Leiter promovierter Politologe, dem ich zutraue, die Sensibilität und Tragweite derartiger „Hinweise“ schon in einem größeren Kontext einordnen zu können.
Ich befürchte Kollateralschäden jenseits des Themas Traditionsverständnis.
Hoffentlich sind jetzt die von Sönke Neitzel favorisierten „Deutschen Krieger“ durch. Dass viele im BMVg ihn geradezu lieben, kann man ja nicht mehr übersehen. Aber musste dann so dick aufgetragen werden? Vieleicht können wir uns jetzt, ohne Neitzel, wieder den wirklich wichtigen Aufgaben widmen.
@Gorgon Stare 15:54: Ich warte ab, ob der GI mitgezeichnet hat, aber sicher ist der Referatsleiter für Militärgeschichte etc. auch nicht ganz unschuldig.
Dazu eine kleine Lektüreempfehlung (nicht das Buch, eher die Kritik daran). Helden sterben halt nie aus ;-)
https://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/clemens-range-kriegsgedient-hallo-helden-bitte-melden-12850920.html
Diese Glorifizierung von Stauffenberg darf man mindestens genauso in Frage stellen. Er trug nach Lesart die selbe Uniform, hatte den selben Eid geschworen, im selben System Karriere gemacht, ideologisch eine ganze Zeit folgend gewesen und hat bei seinem Versuch auch noch andere Menschen in den Tod gerissen. Dazu noch die Frage was denn gewesen wäre wenn er denn Erfolg gehabt hätte. Er wollte Deutschland in eine stolze Monarchie führen die mindestens genauso traditionsstiftend ist? Tradition scheint das zu sein was einem lieb ist – der Rest wird weggemacht. Jetzt ist es eben so und man tut gut daran sich zu halten.
Wir hören schon Kettengeräusche im Osten und im sonnigen Berlin kümmert man sich um den Traditionserlass.
Lachend in die Kreissäge.
Auf der Titanic spielte die Kapelle auch bis kurz vorm Untergang……
@ Nico
Genau – weg mit Stauffenberg und Tresckow und den ganzen anderen Widerständlern! Und da militärische Exzellenz allein nicht traditionswürdig ist, rasieren und kassieren wir am besten auch gleich noch den Richthofen und den Immelmann. Und die „EMDEN“ Hochskandalöser Imperialismus, dem da gedacht wird!
Im Ernst – mir fällt da zum Abschluss nur noch Friedrich August III. ein: „Macht euern Dreck doch alleene!“ Aber hey, der ist ja ohnehin nicht traditionswürdig.^^
Hmmm, die Gefahr im Osten ist omnipräsent. Der BM fordert „Kriegstüchtigkeit“ und in seinem Ministerium beschäftigt man sich mit der Ergänzung und anschließender Korrektur des Traditionserlasses. Die Personalsituation ist mies, die Materialsituation ist nicht besser. Da drängt sich die Frage nach den richtigen Prioritäten förmlich auf.
Es gibt wohl beziehungsreiche Zufälle. Am vergangenen Montag saß ich während der BPK in Berlin irgendwo zwischen Augsburg und Ingolstadt in einer Dorfgaststätte. Mit am Tisch waren zwei ehemalige Soldaten. Der eine hatte in der früheren Max-Immelmann-Kaserne in Manching gedient. Auf meine Frage hin, wer denn sein Kasernenpatron gewesen sei, erhielt ich ein schlichtes „mir scheißegal“ (O-Ton) zur Antwort. Ihm waren Boelcke, Immelmann und Richthofen, die drei „leuchtenden Sterne am Fliegerhimmel“ fremd. Der andere Soldat am Tisch hatte in der „Fürst-Wrede-Kaserne“ in München gedient. Er hatte keinerlei Ahnung, wer denn dieser Wrede gewesen sei. Ich erzählte: Von den 32.000 Soldaten, die 1812 den Fluss Memel überschritten, konnte General Wrede am 1. Januar 1813 ganze viertausend Mann zählen, also zwölf Prozent. Das Elend der Soldaten, die erfroren und verhungert waren, rührte Wrede nicht an. Vielmehr verzichtete Fürst Wrede auch an der russischen Front nicht auf eine gehobene Lebensweise. Am vergangenen Montag erntete ich in der Dorfgaststätte nur ungläubiges Kopfschütteln.
Das Stabsgebäude im Standort Altenstadt gilt derzeit als geschichtspolitischer Kristallisationspunkt der Traditionspflege in der Bundeswehr. Wieso eigentlich ist Generalmajor Walter Gericke ein sinnstiftendes Vorbild wie auch eine tragende Säule einer „kriegstüchtigen“ Bundeswehr? Gericke war ein Proponent der Kriegspropanda: Soldaten fallen vom Himmel, Berlin 1940. / Fallschirmjäger hier und da, Berlin 1941. / Von Malemes bis Chania – Kampf und Sieg des Sturmregiments, Berlin 1943. / Da gibt es kein zurück. Streiflichter vom Kampf um Kreta, Münster 1955.
Gericke im Kriegsjahr 1943: „Die stolzeste Erinnerung für alle Zeit bleibt aber jener Empfang beim Führer in seinem Hauptquartier. Er war für uns und damit für alle Kämpfer von Kreta höchste Anerkennung. … Getreu dem Befehl des Führers tragen wir die Fahne voran, im unerschütterlichen Glauben an unsere heiligste Aufgabe, das ist ‚Deutschland‘.“
Ich bin nun gespannt, ob nach der Rohrschneider-Affäre der Traditionsname „Generalmajor Gericke“ in Altenstadt getilgt wird. Denn Gerickes sog. „Aufbauleistungen“ lassen sich kaum mit den Zielsetzungen von Streitkräften in der Demokratie in Übereinstimmung bringen. Die Skandale von Nagold kleben an dem Mann. Während seine Soldaten bei Hitzemärschen reihenweise ins Koma fielen, ließ sich ihr Chef in Uniform beim Bieranstich in Schongau fotografieren.
Ich finde es immer wieder faszinierend, wie es der Laden schafft, das leidige Thema Tradition selbst (!) hervorzuholen, von innen oder außen auf den Deckel zu bekommen und es dann wieder unverändert in der Versenkung verschwinden zu lassen.
Das ist ein Grad an Masochismus, den muss man sich leisten können.
Wie wäre es denn, denn Status Quo einfach mal zu belassen? Kriegsgeschichtliche Beispiele kann (und darf!) man trotzdem verwenden, wenn das wichtig ist (eher auf taktischer oder operativer Ebene, die Kampfweise hat sich in den letzten 80 Jahren dann doch etwas verändert).
@all
Kommentare mit persönlichen Anwürfen gegen andere Kommentatoren nehme ich gleich mal raus.
UND NUN?
Wer wird zur Verantwortung gezogen?
Schlechte Inhalte, miese Stabsarbeit….
Geht wieder alles durch? Kann man im BMVg eigentlich jeden Unsinn anstellen, ohne das etwas passiert?
Von Verschwendungen, Fehlplanungen in Struktur und Organisation uvm. Nun das?!
Auf Geheimschutzverstöße von einem Inspekteur und der merkwürdigen diziplinaren Verschleirung durch BMVg sollten wir nicht weiter eingehen.
Alles in allem scheint die Lösung immer: Man tut sich nichts, wenn man die höchsten Stufen der Verantwortung erreicht hat.
Leistungsprinzip gilt nur für das Fußvolk.
Wie peinlich kann es eigentlich noch werden? Ein GenInsp der allein so etwas verantwortet, sollte sich mit dem AbtLtr Rohrschneider durch den Hinterausgang rausschleichen und schämen!
Aber nein, die Lobegemeinschaft der AbtLtr macht weiter wie bisher. Man findet sich ebem super. im Club der Auserwählten.
Meine Bewertung: Es riecht nach Arroganz der Generale (vglb mit sandstl, maritimen und zivilen Verwendungen)
Zu den Inhalten verweise ich auf meinen Beitrag im Faden „Neue Akzente für den Traditionserlass: Mehr Kriegstüchtigkeit auch in der Traditionspflege“. Es wundert, dass man im BMVg hier nicht mitlas oder mangels guter Recherche Vorgänge dieser Art durchdrückt, bei denen jeder junge Stabsoffizier an der FüAkBw oder im ZINFÜ gemaßregelt würde.
Was ich witzig finde:
Im Mutterhaus der Buerokratie scheint der Mitzeichnungsgang nicht funktioniert zu haben.
Ob das BMVg nun eine neue Stabsabteilung „Mitzeichnungsueberwacheung“ einrichten wird? Mit B6 an der Spitze?
Interessanter und guter Kommentar dazu:
https://www.deutschlandfunk.de/kommentar-zu-bundeswehr-und-traditionserlass-zum-glueck-ein-rueckzieher-dlf-9eee4656-100.html
(Hoffe das geht)
Ich bleibe bei meinem Statement aus dem ersten Faden:
Jetzt – fast 80 Jahre nach Kriegsende und fast 7o Jahre Bundeswehr – ist es ein guter Zeitpunkt nochmal „hart durchzukehren“ und die „Lücken“ mit unbelasteten Biographien der Bundeswehr füllen.
Einerseits wird die Generation des Kalten Krieges der 80er gelobt, für ihre Planung, Organisation und Voraussicht – andererseits werden deren Geister und Leistungsträger als weniger traditionswürdig im Gegensatz zu ein paar Nazis und Karrieristen im Unrechtsstaat gesehen.
Das macht mich wütend und traurig zu gleich.
Aber es liegt an uns daran was zu ändern – dies könnte ein Aufschlag sein. Weg mit Heusinger. De Gaulle hat offen Protest gegen Speidel eingereicht. Und wer sich wirklich(!) mal die Himmeroder Denkschrift durchliest (und nicht nur immer Kapitel 5) wird in Kapitel 1 bereits den Wunsch des Whitewashings von Wehrmacht und(!) Waffen SS lesen.
Menschen die so etwas gefordert haben – besitzen keine Wertebindung die mit unserer vereinbar ist.
Ich komme aus den ehemals Kurmainzer Gebieten und schöpfe damit aus über 5.000 Jahren ziviler und militärischer Geschichte meiner Heimat. Die immer wieder aufflammenden Debatten um die Traditionen der heutigen Streitkräfte erlebe ich vor diesem Hintergrund als tragikomisch. Warum beschränkt sich unser Blick auf die Geschichte so sehr auf die 45 Jahre, die – unbeschadet ethischer Desaster – faktisch von militärischen Niederlagen geprägt sind? Ich will unsere Militärhistoriker intellektuell sicher nicht überfordern, aber allein die Weitung des Blicks auf die Zeit der Befreiungskriege bietet einen reichen Fundus für Traditionen, auf die Deutsche stolz sein können. Dabei denke ich insbesondere an die vielen Reformer, die – häufig gegen Widerstände aus den Reihen der damaligen „Ewig Gestrigen“ – die Grundlagen für moderne Streitkräfte geschaffen haben. Gerade in der heutigen Zeit schneller, disruptiver Veränderungen haben sind sie als Vorbilder für alle Ebenen hochaktuell. (und vielleicht findet sich dort auch eine Inspiration zum Ersatz der potthässlichen grauen Heeresuniformen ;))
Bleibt die Frage nach der Traditionsfähigkeit individueller Tapferkeit und des persönlichen Vorbilds per se. Die Bewertung ist im „Wehrmachtsfall“ sicher auch durch das persönliche Erleben geprägt: Mein ältester Lehrer hat noch „des Kaisers Rock getragen“ und Soldaten der Wehrmacht gehörten in meinen jungen Jahren zu meinem persönlichen Umfeld, sei es in meiner Familie, sei es in der Truppe. Sie haben mich als Personen positiv und negativ mit geprägt. Ich Im Rückblick gesehen, war ihr Handeln von unterschiedlichen, vermutlich auch opportunistischen Beweggründen geprägt Sicher war es auch durch die Erziehung und den Geist der Zeit bestimmt, die auf sie einwirkten.
Mir scheint, dass die heutige Bewertung durch eine Position geprägt ist, nach der ein vorbild-gebendes bzw. traditions-stiftendes Verhalten dann ausgeschlossen ist, wenn es einem insgesamt verbrecherischen bzw. verwerflichen Handeln von staatlichen (oder auch nicht-staatlichen) Organisationen dient. Dies wäre dann ein Prinzip, das für die Bewertung von Personen über den „Casus Wehrmacht“ hinaus anzuwenden wäre und damit in die Zukunft wirken müsste.
Zum Glück. Mich hat dieser zunächst gefühlt aus dem Nichts und ohne Not kommende „Wehrmachts“-Ansatz geschockt. Als hätten wir als Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland keine eigene Geschichte, kein Grundgesetz oder verbündete Vorbilder mit denen wir uns täglich gemeinsam gegen hybride Einflussnahme wehren müssten. Junge Soldaten von heute wissen sehr genau, wofür die Bundeswehr steht, vor allem aber, wogegen: Gegen oppressiven Authoritarismus und für die Verteidigung der Freiheit, in der wir leben.
Vielleicht auch noch einmal die Erinnerung, dass die beiden zuständigen Dienststellen – ZInFü für Innere Führung und Tradition, ZMSBw für militärgeschichtliche Gutachten zur Traditionswürdigkeit – bei der Abfassung der „Hinweise“ nicht konsultiert wurden und auffällig im Verteiler des Dokuments fehlen! Sogar das Bundessprachenamt hat die Hinweise dienstlich erhalten, ZInFü und ZMSBw wurden offensichtlich ganz bewusst im Dunklen gehalten. Falls es da nicht persönliche Zwistigkeiten gibt, deutet das m.E. darauf hin, dass den Beteiligten im BMVg sehr genau bewusst war, dass ihre Deutung nicht dem entspricht, was die Fachleute mitzeichnen würden.
Ich leiste (peripher!) dienstlich meinen Beitrag zum derzeit dominanten Thema der Landesverteidigung/Bündnisverteidigung (LV/BV), Drehscheibe Deutschland usw. Was lerne ich aus diesem Vorgang?
1.) Die LV/BV (ehrlicher: „all in“ Krise und Krieg, vermutlich mit Russland) geeigneten Vorbilder (z.B. beliebig aus der Liste ausgewählt: Generalleutnant Lemm mit ca. 8 Wehrmachtsdienstjahren und 25 Bundeswehrdienstjahren, etwas provokanter und nicht in der Liste: Bundeskanzler Helmut Schmidt) dürfen keine Vorbilder sein. Der in einem beweglichen Arzttrupp in Afghanistan in seinem Fahrzeug umgekommene Bundeswehrarzt darf und soll dagegen Vorbild sein (für „all in“ Krise und Krieg). Meint es die Bundeswehr also ernst mit der Vorbereitung auf LV/BV (auch in Bezug auf greifbare Vorbilder)? Offenbar nein.
2.) Derselbe Generalinspekteur der die Ergänzenden Hinweise verantwortet hat (dahingestellt ob durch Unterschrift auf der Vorlage zur Entscheidung (VzE) oder generisch in seiner Funktion als oberster Soldat der Bundeswehr) macht diese (seine, siehe oben?) Entscheidung nach drei Wochen (und offenbar etwas! Gegenwind, viel war nicht zu hören oder lesen) schon wieder rückgängig. Möchte ich von so einem Menschen geführt werden wenn es zum LV/BV Fall kommt? Ganz sicher nein.
Ein solcher Generalinspekteur muss zurücktreten.
Der Minister auch.
Wenn ein solches Papier das Haus verlässt geht es nicht anders.
Immer noch hält die Legende von der sauberen deutschen Wehrmacht, die keine Schuld an den Gräueltaten der Nazis und der Judenvernichtung trug. Doch Studien belegen, diese Armee war voll in den nationalsozialistischen Unrechtsstaat integriert.
Die deutsche Wehrmacht war nicht nur das Ergebnis einer gezielten, von den Nationalsozialisten seit 1935 recht offen ins Werk gesetzten Aufrüstung, nein sie war an Kriegsverbechen beteiligt.
Der Geist und die Praxis der Armee, deren Aufstellung schon kurz nach der Entstehung der Bundesrepublik eingeleitet wurde, wurde von ihren Gründervätern bestimmt. Zu ihnen u.a. gehörte General Hasso von Manteuffel, der im November 1949 Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Studie zur Aufstellung einer Armee aus kriegserfahrenen ehemaligen Wehrmachtssoldaten übergab. Im August 1950 übernahm der frühere General der Panzertruppen, Gerhard Graf von Schwerin, die zentrale Planung. Zwei Monate später beauftragte Adenauer seinen Parteifreund, Wehrmachtsoberstleutnant Theodor Blank, das nach ihm benannte Amt zur Leitung des Aufbaus einer neuen Bundeswehr zu bilden.
Zurecht stellt sich auch die hier aufgeworfene Frage, wie aus Hitlers General dann Adenauers Generalinspekteur wurde. Das er am Angriffskrieg und den damit verbundenen Kriegsverbrechen Hier fand Heusinger offenbar die perfekte Aufgabe für seine Fähigkeiten: Er bewährte sich z.B. bei der Planung des Krieges als Chef der Operationsabteilung sowie Stellvertreter des Generalstabschefs.
Um mit Illusionen aufzuräumen, er kann nicht im Ansatz zum Widerstand des 20. Juli gezählt werden. Im Gegenteil, es gibt sogar die Behauptung, dass Heusinger verriet die Manner des 20. Juli 1944 der Gestapoveraten hat. Die Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere übergab am 10. Februar 1959 der Offentlichkeit das Ergebnis einer sorgfaltigen Untersuchung über einen wohl vertuschten Verrat des Generalinspekteurs Heusinger an seinen Kameraden, den Teilnehmern des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944. Richtig aufgeklärt wurde das nie.
Nicht Heusingers Demokratieverständnis war entscheidend, sondern sein ausgeprägter Russenhass. So wie bei vielen in der Gründergeneration. Damit war ja die Bundeswehr nicht allein, insbesondere BND und Justiz (Blurtrichter) waren da weit vorn.
Heusinger, den Verfasser der Partisanenbekämpfungs-Richtlinien wurde auch in der Bundeswehrlehre gern vermittelt.
Seit 1967 erhält an der FüAkBw jedes Jahr der Beste des Generalstabslehrgangs den General-Heusinger-Preis. Er gilt als eine der höchsten Auszeichnung der Offiziersausbildung der Bundeswehr.
Der DLF (Kommentar siehe oben) schlägt vor, das der Kommandeur der FüAkBw, Kuchler, selbst Träger des Heusingerpreise, sich dem Thema annehmen sollte. Ich habe in Kenntnis der Personen und der FüAkBw so meine Zweifel.
Um noch mal etwas klar zu rücken:
Der Referatsleiter ergeht sich in eifriger Neitzel-Lobhudelei, weil der ja einen Namen hat, der Referent mag wohl auch nicht alles früher schlecht finden usw. Das Peter-Prinzip hat also doch noch seine Wirkung.
@ VEREMUNDO, 15.08.2024, 4:26 Uhr
gerade der Fall Gericke taugt zum Skandal: das Pappier aus dem ZMSBw soll ursprünglich sehr ausgewogen und ausführlich gewesen sein. Mehrfach hat der RefLeiter die Aussagen bemängelt, man könne das doch nicht so drastisch darstellen. Die Hinweise auf Gerickes Zeit in der Polizeigruppe Wecke z.b.V. (Görings Haus und Hof-Radautruppe, die auch wilde KZ betrieb) hat man dann dort oben im Referat, na sagen wir mal so „geglättet“ – entgegen der Sachkunde der Autoren, die dann nicht mehr genannt werden sollten, nach so vielen Eingriffen in ihren Text!!
@all:
Da man diesen Humor noch nicht verstanden zu haben scheint, hänge ich noch mal den Link von gestern an, zu dem überaus verdienten Buch von Clemens Range, der allen kriegsgedienten Generalen und Admiralen ein Denkmal gesetzt hat – und sich nicht scheute, seinen reaktionären Senf bei dem ein oder anderen auf Grundlage des Hörensagens oder der Landserstilblüten oder der Gerüchteküchen anzubinden.
https://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/clemens-range-kriegsgedient-hallo-helden-bitte-melden-12850920.html Schade um die schöne Aufmachung und völlig überteuert ist es auch noch.
@ JaHo sagt: 14.08.2024 um 15:32 Uhr
Ich pflichte Ihnen bei.
Die Trennung zwischen sachlicher, ebenengerechter Auseinandersetzung mit einem militärgeschichtlichem Gegenstand zum Zwecke des Erkenntnisgewinns/ des Operationalisieren von Erkenntnissen und „Tradition, Vorbild/usw.“ ist stets schwer gelungen.
Ich halte das für problematisch.
Im Bereich Militärgeschichte benötigen wir ein wissenschaftlich abgesichertes, auf die jeweiligen Ebenen abgestimmtes Curriculum – wobei ich damit nicht zum Ausdruck bringen möchte, dass es das nicht gab bzw. gäbe.
Das Thema Tradition ist getrennt davon zu betrachten und zu entwickeln.
Mir fehlt es mitunter an Zielorientiertheit und teleologische Betrachtung, warum wir im Bereich Militärgeschichte/Tradition etwas tun.
@ VEREMUNDO sagt: 15.08.2024 um 4:26 Uhr
Es gibt bekanntermaßen nur eine wesentliche eigene Leistung.
Ich sehe als wesentliche eigene Leistung des „Bereiches“ Militärgeschichte, dass er wissenschaftliche Erkenntnisse der Militärgeschichte für die Erfüllung militärischer Aufträge im Rahmen von Ausbildung und Einsatz/Krieg extrahiert und zur Verfügung stellt.
Nicht mehr und nicht weniger.
@Petra (med02) sagt: 15.08.2024 um 8:45 Uhr
„UND NUN?“
Die Frage der besseren Geeignetheit -Sie oder die Generalleutnante- Dinge auf der 3-Sterne Ebene regeln zu können, können nur Ihre mit den Generalleutnanten gemeinsamen Vorgesetzten beantworten.
Niemand hier im Forum kann das.
Das Framing in den Medien hat offenbar bei vielen voll gewirkt, wie man hier in der Diskussion sieht! Kaum einer scheint die „Ergänzenden Hinweise“ gelesen zu haben. Es ging NICHT um die Wehrmacht, sondern vorrangig um die Bundeswehr, genauer: um deren Gründergeneration! Es ging also um eine Stärkung der Traditionslinie Bundeswehr und nicht um eine wie auch immer geartete Einführung der Wehrmacht in das Traditionsgut.
Der „Traditionserlass“ von 2018 lässt ausdrücklich die Aufnahme von Wehrmachtsangehörigen in das Traditionsgut der Bundeswehr zu, wenn sie nach sorgfältiger Einzelfallprüfung einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der Bundeswehr geliefert haben. Die „Ergänzenden Hinweise“ haben hier nur das ausgedrückt, was ohnehin im „Traditionserlass“ schon steht. Sie bringen inhaltlich also nichts Neues! Auch hier haben die Medien beim Framing volle Arbeit geleistet und falsch behauptet, dass gemäß „Traditionserlass“ bei der Wehrmacht nur bei Widerstandsangehörigen Ausnahmen in Traditionsfragen gemacht werden können.
Apropos Medien und „öffentliche Kritik“ an den „Ergänzenden Hinweisen“: Vor der Rücknahme dieser Hinweise kam diese Kritik nur von der taz, RT (Russia Today), dem Organ der DKP und der russischen Botschaft! Jeder, der Kritik an den „Ergänzenden Hinweise“ übt, sollte also schon wissen, mit wem er sich da sonst in geistiger Gesellschaft befindet.
Zusammenfassend: Die „Ergänzenden Hinweise“ haben keine Änderung des „Traditionserlasses“ bedeutet, sondern nur auf eine Möglichkeit der Traditionsbildung hingewiesen im Zusammenhang mit militärischer Exzellenz und bundeswehreigener Geschichte. Die Rücknahme dieser „Ergänzenden Hinweise“ hingegen bedeutet nun de facto eine Änderung des „Traditionserlasses“, da die Gründergeneration damit nicht mehr traditionswürdig ist.
Erst einmal ganz schnell mal meine Freude über die grundsätzliche Entwicklung und die anhaltenden hilfreichen und einordnenden Kommentare im Blog zum Ausdruck gebracht.
@Theobald Tiger und @all
Leider nimmt die FAZ auf meinen Unwillen zur Registrierung keine Rücksicht.
Existiert da eventuell eine Alternative?
Sowohl in bisherigen Kommentaren als auch in der öffentlichen Diskussion zum Thema (insbesondere in den taz-Artikeln die ich las) wird das Wort „Wehrmacht“ in den Vordergrund gestellt und anschließend negative Schlussfolgerungen und Bewertungen (junter Verwendung vieler negativer Adjektive) daraus abgeleitet.
Der intellektuelle Kern der Ergänzung (nämlich die positive Bewertung der Teilnahme am Aufbau der bundesdeutschen Demokratie durch Dienst in der Bundeswehr und Berücksichtigung bei der Gesamtschau! der jeweiligen Biographie) wird nicht mal andiskutiert. Stattdessen wird nach dem Fallen des Wortes „Wehrmacht“ sofort der rationale Diskurs verlassen um die (bekannte und berechtigte) Empörung über die (bekannten Verbrechen) der Wehrmacht abzuspulen (und sich dabei vermutlich als Verteidiger der Demokratie zu fühlen). Wenn der Dienst in der Wehrmacht allein ein derartiges unauslöschliches Kainsmal ist, warum sind die Männer des 20. Juli 1944 davon ausgenommen, ganz egal wie chauvinistisch und menschenverachtend sie individuell und kollektiv durch ihre Zugehörigkeit zur Wehrmacht waren?
Wo bleibt die ehrliche intellektuelle Auseinandersetzung mit oder auch nur Erwähnung dieses Kernargumentes der Gesamtabwägung der Biographie?
@ Theobald Tiger
„gerade der Fall Gericke taugt zum Skandal: das Papier aus dem ZMSBw Potsdam soll ursprünglich sehr ausgewogen und ausführlich gewesen sein.“
JA! Danke für den Klartext! Der VT-Ausschuss des Bundestages sollte sich bei Gelegenheit mit den Gutachten des MGFA Freiburg zu den Traditionsnamen befassen, die ab Frühjahr 1988 erstellt wurden. Seinerzeit befasste sich der Bundestag mit den „Schleifern von Nagold“.
In diesem Kontext empfehle ich die kritische und aufschlussreiche Lektüre von Sönke Neitzel, Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte, Berlin 2020. Neitzel hält fest: „Die Kultur der 1. Luftlandedivision wurde in den ersten zehn Jahren in hohem Maße von einem Netzwerk Wehrmachtsveteranen bestimmt, die sich alle aus der Anfangszeit der Fallschirmjägertruppe her kannten. Hier sind vor allem Heinz Trettner, Hans Kroh und Walter Gericke zu nennen. Dass Kroh ‚lose Verbindungen zu rechtsradikalen Kreisen in Niedersachsen‘ hielt, solle man ihm nicht zu sehr zu seinen Ungunsten auslegen, so Schacht. Auch nicht, dass er sich 1953 gegen die Wiederbewaffnung ausgesprochen habe. Seine fachlichen Qualifikationen würden eindeutig für ihn sprechen. Heinz Trettner wurde als Gutachter angefragt und befürwortete Krohs Einstellung erwartungsgemäß. Neitzel auf Seite 292: „Das Netzwerk der Wehrmachtsveteranen wurde nun systematisch aufgelöst: Walter Gericke, Kommandeur der Division, im Frühjahr 1965 in den einstweiligen Ruhestand versetzt.“ Neitzel über OLt Schallwig, einen der „Schleifer von Nagold“: Erst nach den Nagolder Vorfällen wurden seine Beurteilungen schlechter.
Generalmajor Jürgen Reichardt rühmte im März 1996 in Altenstadt den kühnen Geist der Fallschirmjäger mit diesen markigen Worten: „Dieser kriegerische Geist befähigte deutsche Fallschirmjäger im Kriege zu Leistungen, die anderen als Beispiel dienten, die vielen als unmöglich galten, die vor allem den Soldaten der gegnerischen Armeen Ehrfurcht und Respekt abnötigten und von deren Ruhm noch heute die Fallschirmtruppen aller modernen Armeen zehren. Es ist ein Geist, der seine tiefen Wurzeln in unserer deutschen Militärgeschichte, in unserer abendländischen Kultur und in unserer christlichen Ethik hat (…) Das ist unsere soldatische Tradition, und unsere deutschen Fallschirmjäger haben für ihren ritterlichen Kampf unsterblichen Ruhm erworben.“ (Jürgen Reichardt, Leistung, Haltung und Ritterlichkeit. Die deutsche Fallschirmtruppe gestern und heute; in: Joachim F. Weber (Hrsg.), Armee im Kreuzfeuer, München 1997, S. 220 f.)
Inzwischen werden beim ZMSBw keine Gutachten mehr in Auftrag gegeben, sondern sog. interne Arbeitspapiere. Damit hat das BMVg-Netzwerk „Einsatzbereitschaft“ (ehedem „Führung Streitkräfte“) Zugriff auf die Ergebnisse.
Vor mir liegt das ZMS-Papier zu Rettberg (Stand: 5. Dezember 2018). Unter dem Kommando von Major Rettberg wurden am 25. und 26. August 1914 von dessen Bataillon in den beiden belgischen Ortschaften Herent und Leuven Häuser abgebrannt und Zivilisten erschossen. Damit hat Rettberg, der für die Wehrmacht eine identitätsstiftende Tradition begründete sowie die Bundeswehr eine vermeintlich sinnstiftende Tradition begründet gegen das damals geltende Kriegsvölkerrecht verstoßen. Damit war er für den Tod und die Verwundung von unbeteiligten Zivilisten verantwortlich! Fazit: Das Gutachten zu Rettberg blieb unter Verschluss, um den Kasernenpatron von Eutin über die Runden zu retten. Ach ja, great souls suffer in silence…
Mein Schlusswort: Die Bundeswehr ist freiheitlichen und demokratischen Zielsetzungen verpflichtet. Für sie kann nur ein soldatisches Selbstverständnis mit Wertebindung, das sich nicht allein auf professionelles Können im Gefecht reduziert, sinn- und traditionsstiftend sein.
Das nachgeschobene `Framing` spricht Bände: taz, RT etc.
Will jemand im BMVg eigentlich, dass die Bundeswehr sich noch `wehrt*. Der Minister, der BK oder insgesamt die öffentliche Meinung ?
DEU soll weiter *fertig* gemacht werden ….
Wie sehen das unsere NATO-Partner denn ? Sollen wir denn verlässlich sein oder bleiben ?
@Peter Sickert
Zur Ihre Suada: Blank war Oberleutnant
@ VEREMUNDO
Zu Wrede.
Was erwarten Sie von einem Aristokraten? Im Jahr 1812…
Haben sich Napoleon, Kutusow, Bagration, Schwarzenberg usw um ihre Soldaten „gekümmert“?
Und zu Mölders aus dem anderen Thread:
„Am 5. Juni wurde Mölders vom französischen Piloten René Pomier Layrargues, der eine Dewoitine D 520 flog, abgeschossen. Der Franzose wurde jedoch wenige Augenblicke später, nachdem er noch eine weitere Me 109 abschoß, im selben Luftkampf von einem anderen deutschen Piloten abgeschossen und fiel dabei. Mölders, damals mit 25 Luftsiegen, wurde von der französischen Armee gefangen genommen, so wie etwa eintausend weitere Soldaten des fliegendes Personals der Lw.
Großbritanien forderte sie die französische Regierung auf, ihr diese Gefangenen zu übergeben, zur Internierung in Kanada, doch die französische Regierung lehnte ab. Eine Woche nach dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940, am 30. Juni, konnten Mölders und seine Kameraden zu ihren Einheiten in Deutschland zurückkehren.
Dem Unterleutnant René Pomier Layrargues werden 6 anerkannte Siege zugeschrieben“
Mölder war also nach ihrer Diktion „besiegt“ – er war in allierter Kriegsgefangenschaft.
@ Theobald Tiger
Zitat: „…Neitzel-Lobhudelei, weil der ja einen Namen hat..“
War vor 30 mal HiWi bei ihm… Der Mann ist brilliant!
Und wenn Sie schon das Pseudonym von Kurt Tucholsky verwenden, dann schreiben Sie nicht „Pappier“!
Ich stimme @Quintal in seiner Beschreibung des tatsächlichen Inhalts der „Ergänzenden Hinweise“ völlig zu. Wir sehen hier den Kotau des BMVg vor dem Framing in den Medien. Totale Abwesenheit von Rückgrat. Wie @DINA4 schon fragte: Wer möchte im Kriegsfall solche Vorgesetzten haben?
@all
Langsam wird’s arg merkwürdig, wie hier einige mit Schaum vor dem Mund die Rücknahme der ergänzenden Weisung zum Erlass kommentieren, Ich ziehe hier mal ne Schranke ein, das Rumpöbeln hört auf.
Ja fein, das haben wir nun in unzähligen Schlussworten (die dann doch keine waren…) gehört.
Aber WAS GENAU heißt das denn nun? Welche Vorbilder empfehlen die Verfechter obiger Ansicht denn nun beispielsweise jungen Soldatinnen und Soldaten aus der Kampftruppe, die kein Geschichtsstudium absolviert haben und auch keine Lust darauf haben, dies im Selbststudium nach Dienst noch nachzuholen? Oder wurden das im Elfenbeinturm nicht diskutiert, weil man darauf fokussiert war, was alles auf keinen Fall geht? Und jetzt bitte nicht wieder die AFG-Karte ziehen oder abstrakte Brücken zum Kalten Krieg schlagen…
Im Umkehrschluss: Ich bin gespannt, wann der GI jetzt die Umbenennung der TaktLwG veranlasst, denn Steinhoff, Boelcke, Richthofen und Immelmann sind nach obiger Lesart tabu. @VEREMUNDO Ist das wirklich im Interesse der Vertreter der Militärgeschichte rund ums ZMS?
was für eine tradition sollte die bw haben? sie wurde ausschließlich von ehemaligen wm angehörigen aufgebaut. und nur von diesen. es gibt keine eigene bundeswehrtradition. dieses leidige thema ist nur ein weiterer beweis mit wieviel abneigung deutsche politiker dem thema bw begegnen. ein weiterer schritt in dieser pompös inzenierten bundeswehrzersetzung.
…. wenn die oberste Führung nicht im Stande ist gemäß dem alten Spruch:
– denken
– drücken
– sprechen
zu handeln und dann binnen einer Woche das Papier die Tinte nicht mehr wert ist, dann gute Nacht Bundeswehr
Vielleicht habe ich einfach nur ein anderen Blick oder habe zu viel von anderen Kulturen aufgenommen, wenn es um militärisches Verständnis geht – aber in den Kommentaren hier scheint die Mehrheit eher stolz darauf zu sein, wenn man Leistungen ehrt die eher nichts mit „all in“ zu tun haben.
Andere Länder lachen sich doch scheckig über unser Traditionsproblem und können es einfach nicht verstehen.
Zum Beispiel USA, Frankreich, Portugal, Großbritannien, Spanien. Hier und da wurde ich kopfschüttelnd gefragt „Wo ist euer Problem? Nach so vielen Jahrzehnten. Militärisch habt ihr euch gut geschlagen … Wir hatten in unser Historie auch großen Mist laufen … aber deswegen muss man sich nicht kasteien. … Es gehört zur Kultur und wird diskutiert – deswegen muss man doch nicht die militärische Leistung verdammen.“
Ich bin strickt gegen die Nazizeit und alles was Rechts ist! Aber bis heute habe ich nur uns Deutsche so stolz gesehen Leistung zu verstecken und immer zuerst das Negative zu suchen.
So wie meine internationale Kameraden (alles studierte und politisch gefestigte Demokraten) dem damaligen Geschehen offener gegenüberstehen – kann ich unsere Selbstkasteiung nicht mehr verargumentieren.