Sicherheitshalber, der Podcast Folge 30: Klimawandel: Droht ein verschärfter Konflikt um die Arktis? | Extremismus in der Bundeswehr

Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 30 richten Thomas Wiegold, Ulrike Franke, Frank Sauer und Carlo Masala den Blick auf die Arktis. Das Schmelzen des Polareises legt dort bislang unzugängliche Rohstoffvorkommen und neue Schifffahrtsrouten frei. Auch die militärischen Aktivitäten nehmen zu. Zwingt der Klimawandel zu intensivierter Kooperation in der Region oder wirkt er sich konfliktverschärfend aus? Als zweites diskutieren wir das Thema Extremismus in der Bundeswehr, insbesondere die jüngsten Fälle von Rechtsextremismus im Kommando Spezialkräfte (KSK). Gibt es strukturelle Ursachen – und: wie kann jetzt gegengesteuert werden? Abschließend wie immer der “Sicherheitshinweis”, diesmal allerdings in einem anderen Format.

 

 

Thema 1: Arktis: 00:02:21

Thema 2: Extremismus: 00:41:26

Sicherheitshinweise: 01:05:49

Unser Shop: https://shop.spreadshirt.de/sicherheitshalbershop

 

Erwähnte und weiterführende Interviews, Literatur und Dokumente:

Thema 1 –  Klimawandel: Droht ein verschärfter Konflikt um die Arktis?

NASA: Older Arctic Sea Ice Disappearing (2016) https://www.youtube.com/watch?v=Vj1G9gqhkYA&feature=youtu.be

Carlo Masala: Maritimes strategisches Denken. Das Beispiel GIUK (Metis Studie Nr. 17), Juni 2020, https://metis.sowi.unibw-muenchen.de/img/publications/17_06-2020_giuk.pdf

Maut Descamps: The Ice Silk Road: Is China a “Near-Arctic-State”?, https://isdp.eu/publication/the-ice-silk-road-is-china-a-near-artic-state/

Marlène Laruelle: Russia’s Arctic Policy. A Power Strategy and Its Limits (Ifri) 2020, https://www.ifri.org/sites/default/files/atoms/files/laruelle_russia_arctic_policy_2020.pdf

Pavel Devyatkin: Russia’s Arctic Strategy: Aimed at Conflict or Cooperation?, 2018, https://www.thearcticinstitute.org/russias-arctic-strategy-aimed-conflict-cooperation-part-one/

Konstantinos Tsetsos: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis (Metis Studie Nr. 17), März 2018, https://metis.sowi.unibw-muenchen.de/img/publications/02_03-2018_auswirkungen_des_klimawandels_auf_die_arktis.pdf

Leitlinien deutscher Arktispolitik (August 2019), https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2239806/0c93a2823fcff8ce9f6bce5b6c87c171/arktisleitlinien-data.pdf

Helga Haftendorn: Die Arktis als Raum internationaler Politik. Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik 11, 491–499 (2018).

Helga Haftendorn: Rüstungswettlauf in der Arktis. Internationale Politik 3 (2016),
https://internationalepolitik.de/de/ruestungswettlauf-der-arktis

Dorothea Wehrmann: Transnational cooperation in times of rapid global changes: the Arctic Council as a success case?, German Development Institute Discussion Paper 12/2020, https://www.die-gdi.de/discussion-paper/article/transnational-cooperation-in-times-of-rapid-global-changes-the-arctic-council-as-a-success-case/

Rachael Gosnell, Caution in the High North: Geopolitical and Economic Challenges of the Arctic maritime  environment, War on the Rocks, 25 June 2018 https://warontherocks.com/2018/06/caution-in-the-high-north-geopolitical-and-economic-challenges-of-the-arctic-maritime-environment/

Stephanie Pezard, How not to compete in the arctic: The blurry lines between friend and foe, 27.2.2019 https://warontherocks.com/2019/02/how-not-to-compete-in-the-arctic-the-blurry-lines-between-friend-and-foe/

Arctic Circle Conference: http://www.arcticcircle.org/

 

Thema 2 – Extremismus in der Bundeswehr

Forschungsprojekt „Gesell­schaft Extrem. Radikali­sierung und Der­adikali­sierung in Deutschland“ mit Erklärfilmen, Videointerviews, Reports, Blogbeiträgen etc:
https://gesellschaftextrem.hsfk.de/

Bericht der Koordinierungsstelle für Extremismusverdachtsverfälle des BMVg, 3.3.2020
https://augengeradeaus.net/wp-content/uploads/2020/03/20200302_bericht-_bundeswehr_extremismus-2019.pdf

Jahresbericht des Militärischen Abschirmdienstes für das Jahr 2019
https://augengeradeaus.net/wp-content/uploads/2020/05/20200506_MAD-Report_2019.pdf

Rechtsextreme Vorfälle in der Bundeswehr 2019
(Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion, 5.6.2020)
Bundestagsdrucksache 19/19779
https://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/197/1919779.pdf

Durchsuchung bei einem Bundeswehrsoldaten am 13. Mai 2020 im Landkreis Nordsachsen
(Antwort des sächsischen Justizministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion auf Landtagsdrucksache 7/2403; 24.06.2020)
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=2403&dok_art=Drs&leg_per=7&pos_dok=1&dok_id=undefined

Nach Waffenfund bei KSK-Soldaten: Gericht erlässt Haftbefehl
Augen geradeaus!, 14.5.2020
https://augengeradeaus.net/2020/05/nach-waffenfund-bei-ksk-soldaten-gericht-erlaesst-haftbefehl/

Brandbrief des KSK-Kommandeurs gegen Rechtsextremisten: „Sie gehören nicht zu uns!“
Augen geradeaus!, 26.5.2020
https://augengeradeaus.net/2020/05/brandbrief-des-ksk-kommandeurs-gegen-rechtsextremisten-sie-gehoeren-nicht-zu-uns-neufassung/

Extremist beim KSK enttarnt – aus dem islamistischen Spektrum
Augen geradeaus!, 17.6.2020
https://augengeradeaus.net/2020/06/extremist-beim-ksk-enttarnt-aus-dem-islamistischen-spektrum/

 

16 Gedanken zu „Sicherheitshalber, der Podcast Folge 30: Klimawandel: Droht ein verschärfter Konflikt um die Arktis? | Extremismus in der Bundeswehr

  1. Allen Beteiligten gelang eine ganz ausgezeichnete Ausgabe, informativ, kenntnisreich und unaufgeregt, was beim Teil Extremismus und KSK schmerzlich vermisst wurde, auch hier bei AG.
    Die Darstellungen zu ökonomischer, militärischer und vor allem politischer Dimension, in erster Linie der Nordost-Passage mit dem weniger bekannten Player China als selbst erklärter „near arctic state“, ist eine gelungene nüchterne Analyse der Lage.
    Die militärischen Aussagen
    – von Dr. Frank Sauer als „RUS LLEins“ des HALO-Sprungeinsatzes (High Altitude – Low Opening) über Eis wären zu ergänzen. Wenn nur Springer abgesetzt sind, ist es ein reiner Fallschirmsprungeinsatz, der ohne begleitende Anlandung von Kampfunterstützung und Versorgung verpufft, siehe Market Garten. Daher wollten die Russen nur zeigen, wir können es.
    – von Prof. Massala zu russische Flugzeugträger (hatte Plural verstanden) in Murmansk ebenfalls: einer, die Admiral Kusnezow, ist der einzige Flugzeugträger der russischen Marine – ein konventionell getriebener Schrotthaufen.
    Die Relativierung des (noch vorläufigen) ökonomischen Nutzens der NO-Passage von Ulrike Franke, da die Notwendigkeit 100 %iger Auslastung von Frachtern und weiter auch notwendige Eisbrecherbegleitung (nur russische) besteht, hatte ich so noch nicht gehört.
    Herzlichen Dank.

  2. Übrigens gelangte bereits 1940 ein deutsches Schiff auf dem nordöstlichen Seeweg vom Atlantik in den Pazifik, der HSK Komet, alias Schiff 45, ex Motorschiff „Ems“, mit nachgerüsteten Eisverstärkungen am Schiff, sowjetischen Eislotsen und Eisbrecherbegleitung, wobei der letzte Teil der Passage in Einzelfahrt zurückgelegt wurde, teilweise sehr dicht unter der Küste. Das war 8 Jahre nachdem überhaupt das erste Mal die Durchquerung der Nordost-Passage ohne Überwinterung erfolgreich gelungen war, durch den sowjetischen Eisbrecher „Sibiriakov“.

  3. Super Format! 1000 Dank! Gibt es ähnliche Podcasts auf Englisch/ Französisch? Welche würdet ihr empfehlen?
    Bleibt gesund

  4. „Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt“. Meine Annahme: SiPo synonym Verteidigungspolitik. Daher haette ich mir im Geiste Arktis-Anteils des 30. Podcast eine entsprechende Behandlung des Themas „Extremisten (=Eidbruechige) in der Bw, Bsp. KSK“ gewuenscht, also weniger sozialpsychologische Eroerterung (Kampfschwimmer sind deshalb nicht auffaellig, weil sie keinen eigene mil. Liegenschaft haben? Interessant!), mehr Einordnungsversuche, was der Sachverhalt „Zweifel an Treue der Bw Spezialeinsatzkraefte“ fuer politische Konsequenzen ueber den Ressort-Rahmen hinaus hat. Worst case? Most likely case? Hier waere mal aus berufenem Munde eine entsprechende Analyse moeglich gewesen, welche Preisschilder an die auf dem Tisch der IBuK liegenden Optionen geklebt haette. Auch der Beifang aus dem Sicherheitshinweis, dass offenkundig in bestimmten Teilen der Gesellschaft weiterhin die Grundannahme herrscht, Bw = Rechtsaussen, daher von Menschen mit liberalen Ansichten und/oder dunkler Hautfarbe zu meiden: Das waere doch Anlass genug gewesen, mal zu ueberlegen, was es bedeuten kann, wenn innen wie aussen bei bestimmten Gruppen die Wahrnehmung vorherrschen wuerde, dass in den DEU Streitkraeften ein ungeklaertes Treueverhaeltnis zur Bundesrepublik normal bzw. „natuerlich“ sei . Was heisst es also fuer die Sipo-Lage, wenn die IBuK sich scheinbar auf einen Teil ihrer Offiziere nicht uneingeschraenkt verlassen kann?

    Stattdessen changiert man zwischen „Heereskultur ist schuld“ und „KSK ist unersetzlich“ und muendet vollkommen ueberraschend in der Bewertung: PolBil-Veranstaltungen bringen nichts. Folgerung: Sollte nicht zum Massnahmenpaket der Sicherstellung Verfassungstreue SpezEinsKr gehoeren. Abgesehen davon, dass PolBil keine Option, sondern Pflicht und Sache der DV ist: Spaetestens durch PolBil wird dem Anspruch der Inneren Fuehrung Genuege getan, dass Vorgesetzte nicht nur als tapfere Soldatinnen und Soldaten und freie Menschen Orientierung geben sollen, sondern auch als treue Staatsbuergerinnen und Staatsbuerger. Weil aber viele in den Sk selber keine kristallklare Orientierung haben (Oder wenn doch, oft zufaellig herkunftsbedingt) und deshalb auch keine geben koennen, ist der Ruf der PolBil bescheiden. Stattdessen die gut beschriebene Kultur des pervertierten Kameradschaftsprinzip: In Afghanistan zaehlt nicht, was Du von Deinem Eid haelst, sondern nur das Ansehen im Kontingent. Gruseliges Abbild einer sich die eigenen Regeln schreibenden Geisteshaltung. Wenn dann noch an den Offizierschulen nicht PolBil ausgebildet, sondern gepredigt wird: Gefolgschaft kann man nicht verlangen, die muss man sich verdienen, dann wird der mil. Fuehrernachwuchs vollstaendig verwirrt, und Orientierung geben koennen nur Persoenlichkeiten, die zuefallig das Ruestzeug dafuer mitbringen. Also: Wenn das Fuehrungspersonal im KSK und anderswo nicht willens und in der Lage ist, innerhalb des Verbandes Orientierung im Sinne der Inneren Fuehrung durch effektive PolBil zu geben, ist dass nicht der PolBil zuzuschreiben, sondern dem entsprechenden Fuehrungspersonal. Amen.

  5. @Michael
    Fremdsprachig zwar nicht, aber SWP ist ganz frisch auf dem SiPo-Podcast Markt.
    @SWPBerlin
    „Mit vereinten Kräften haben wir uns ein Studio gebaut und uns ans Podcasten gemacht. Hören Sie mal rein in unsere erste Folge“.
    Die USA und ihr Verhältnis zu inter/multinationalen Organisationen.
    https://twitter.com/i/status/1277149787805167617

    [Das ist inzwischen eine hier so typisch gewordene Diskussionshaltung, dass ich langsam verzweifele: Ich hab‘ zwar keine Antwort auf deine Frage, dafür sag ich dir was, was du nicht gefragt hast. Können wir von diesem schleichenden Gift der unsinnigen Diskursverzerrung mal wegkommen? T.W.]

  6. @J10
    „SiPo synonym Verteidigungspolitik“ – nein!
    Sicherheitspolitik will militärische Auseinandersetzungen verhindern, eindämmen, beenden, das Ganze mit in erster Linie außenpolitische Relevanz aber auch innenpolitischer Tragweite. SiPo denkt und handelt inter- und multinational innerhalb UN und EU.
    Verteidigungspolitik begreift sich als Untermenge von SiPo, stets multinational im Bündnis und betrachtet die Herstellung nationaler deutscher Verteidigungsfähigkeit als militärische Leistung, die uns seit NATO-Beitritt/Gründung Bw 1955 betrifft. Die Bw setzt das Militärisch-Handwerkliche gem LoA/Nationale(r) Zielvorgabe im gesamten Aufgabenspektrum um.
    Das gemeinsame Dach ist deutsche Außenpolitik in Befolgung deutscher sicherheitspolitischer Interessen. Eine Gleichsetzung von SiPo und Verteidigungspolitik greift m.E. also deutlich zu kurz.
    Ihre Anmerkungen und Fragen zu „Extremismus und Bw Spezialeinsatzkräfte“ sind berechtigt. Wenn Sie sich jedoch der Mühe unterziehen wollten und die diesbezüglichen Fäden vergangener ca vier Wochen durchgehen, sollte Ihnen weitgehend hinreichend geantwortet werden.
    @T.W.
    Zu Podcast SWP, verstanden.

  7. Vielen Dank für das neue Format des Sicherheitshinweis!

    [Es wird nicht das dauerhafte neue Format – wir machen die Sicherheitshinweise schon selber; „share the mic“ da wo es nötig ist. T.W.]

  8. Ich glaube ganz vielen Menschen sind die Dimensionen der Erde nicht so geläufig, weil man oft die „falschen“ Kartenprojektionen sieht.
    Weil die Erde eine Kugel ist, kann man sie nur sehr schwer „glatt“ aufklappen, deshalb gibt es verschiedene Projektionen.
    Ganz oft werden aber die nördlichen und südlichen Ränder verkehrt dargestellt, weil sie für den Betrachter nicht im Fokus liegen und er eher die Landmassen originalgetreu dargestellt bekommen möchte.

    Eine fahrbare Nord-Ost-Passage würde ziemlich viel im Schiffsverkehr bewirken.
    Hier mal ein paar Auflistungen von Entfernungen (kürzeste Seeverbindungen ohne Rücksicht auf Strömungen/Wetter etc.)
    Sendai ist Südjapan – als Referenzpunkt für Japan, Südkora, Ostchina
    Genua (Italien), Lissabon (Portugal) – als südliche Anlandung für EU

    Sendai – Suez – Genua = 17.000 km
    Sendai – Südafrika – Lissabon = 24.000 km
    Sendai – Arktis – Rotterdam = 14.000 km

    Dubai – Suez – Rotterdam = 11.500 km
    Dubai – Südafrika – Rotterdam = 20.000 km
    Dubai – Arktis – Rotterdam = 24.000 km

    New York City – Rotterdam = 6.000 km
    San Francisco – New York City = 4.000 km (Luftlinie Landweg USA)
    San Francisco – Panama – Rotterdam = 15.500 km
    San Francisco – Arktis – Rotterdam = 12.500 km (Nord-Ost-Passage)

    Sydney – Suez – Genua = 18.500 km
    Sydney – Südafrika – Lissabon = 20.500 km
    Sydney – Arktis – Rotterdam = 19.000 km

    Hier sieht man deutlich, dass bestimmte Entfernungen natürlich über die altbekannten Routen kürzer wären, allerdings die Arktisroute nicht viel länger und manchmal auch kürzer als die „Alternativroute“ über Südafrika.
    Gerade die Strecke „Dubai – Arktis – Rotterdam“ mit ihren „nur“ 4000 km Umweg statt der Südafrikaroute ist wahrscheinlich vielen nicht bewusst.

    Für den Handel „Europa Ostasien“ ist der Suezkanal heute strategisch nicht nur wichtig, sondern überlebenswichtig.
    Denn es gibt nur eine einzige wirtschaftliche Alternative = um Südafrika herum.
    Die Landverbindungen (Schiene) sind zwar im Ausbau, aber die Masse an Gütern wird da niemals gehandelt werden können.
    Durch die Nord-Ost-Passage kommt eine weitere oft bessere Alternative dazu und damit wird der Suezkanal unbedeutender und dazu kommt, er ist auch nicht kostenlos.

  9. @Michael:
    Englisch: Bombshell, War on the Rocks, War College
    Franzoesisch: Le Collimateur, FRS (Fondation pour la recherche strategique), Damocles

  10. 2:35 – 38 Grad Celsius/ca. 100 Grad Fahrenheit sind der neue Temperatur-Rekord, die 45 Grad Celsius waren in Frankreich.

  11. Positiv an der Sicherheitshalberdiskussion über Extremismus in der BW ist, daß hier groß die Frage gestellt wurde, ob die Rechtsextremisten als solche in die BW kommen, die ganzen Sicherheitsüberprüfungen überwinden können, was bedeutet, es wäre ein MAD Problem oder ob sich die Soldaten erst innerhalb der BW radikalisieren, was ein KSK Problem wäre. Denn ohne diese Frage vorher zu klären, können alle Maßnahmen ins leere gehen.

    Ein Soldat, der nie in rechten Organisationen oder Parteien war, nicht auf rechten Demos ist, keine rechtsradikalen Reden gegenüber Freunden schwingt und nicht im Internet hetzt, kann der MAD nicht erkennen. Aber der Brandbrief des Hauptmannes, von dem wir leider immer noch fast nichts wissen, außer dem Funkzeichen Y-88 für Heil Hitler, und daß angeblich Meldungen über rechtes Verhalten unterdrückt worden sein soll im KSK, macht nur dann Sinn, wenn die rechten Soldaten im KSK ihre rechte Gesinnung in der Truppe nicht verheimlicht haben. Dafür spricht auch der Spitzname Nazi-Opa für den Kompaniechef, welcher auf der Schweinekopfwurf-Party verabschiedet wurde. Kein demokratisch gesinnter Kompaniechef würde sich Nazi-Opa nennen lassen. Oder Rechtsrock und Hitlergrüße.

    Bisher wissen wir nicht, ob die BW auch nur versucht herauszubekommen, ob es sich um eine Radikalisierung in der Truppe handelt oder ob rechtsradikale oder rechtsextremistische Soldaten mühelos die ganzen Aufnahmetests und Sicherheitsüberprüfungen überstanden haben.

    Zu Recht wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die Kasernierung in nur einem Ort in Calw und die Geheimhaltung zu dem Extremismus in der BW beigetragaen hat. Ich habe nie verstanden, warum man die Luftlandebrigade 25 aufgelöst hat und das KSK als Brigadeäquivalent aufgestellt wurde, anstatt aus dem KSK nur ein Bataillon oder ein Regiment zu machen, was weiter Teil der Luftlandebrigade 25 wäre zusammen mit normalen Fallschirmjägereinheiten. Abschottung erleichtert Extremismus. Statt unsinnig das KSK dem Ministerium zu unterstellen, wo aufgrund ständig neu direkt unterstellter BW-Einheiten und Ämter längst ein Führungschaos herrscht, sollte die BW lieber die Luftlandebrigade 25 wieder aufstellen und das KSK nur als ein Regiment unterstellen, und die neu aufzustellenden Fallschirmjäger gemischt mit dem KSK stationieren, damit das KSK kein Staat im Staate bilden kann. Denn wenn es eine große Verschwörung im KSK geben sollte, dann wäre es im schlimmsten Falle ein Staat im Staate.

    Auch die aufgeworfene Frage, ob der Rechtsextremismus vor allem im Heer auftritt und weniger in den anderen Teilstreitkräften ist sehr interessant, nur hätte ich schon erwartet, daß man sich mehr diesem „heißen Eisen“ widmet und versucht herauszubekommen, warum dies so ist. Gefühlt gehe ich davon aus, daß die Marine die wenigsten Extremisten in ihren Reihen hat, die Luftwaffe mehr hat, aber die meisten im Heer dienen.

    Historisch ist dies aber unlogisch, weil die Kriegsmarine die einzige Teilstreitkraft der Wehrmacht war, welche Teile von sich – wenn auch über den Umweg Alliierter Mienenräumdienste – geschlossen in die Bundesmarine überführen konnte. Luftwaffe und Heer der Wehrmacht wurden dagegen vollständig aufgelöst und konnten deshalb nicht geschlossen in die BW kommen. Admirale der ehemaligen Kriegsmarine haben sich die Erlaubnis zum Eintritt in die Bundesmarine von Großadmiral Dönitz geben lassen und die Diskussion über das Verhältnis der Wehrmacht/Kriegsmarine zur BW begann 1956 mit der Zenker-Rede. So daß für mich alles dafür spricht, daß beim Aufbau der BW die Bundesmarine die rechteste Teilstreitkraft war. Wenn es heute also umgekehrt ist, dann kann ich mir dies nur dadurch erklären, daß die Soldaten der Marine Stolz sein können auf ihre Kriegsschiffe, in der Nato immer wieder multinational eingesetzt werden und auf Kriegsschiffen keine Zeit haben, sich zu langweilen und sich mit fragwürdigen Vorbildern zu beschäftigen.

    Der Bericht der Koordinierungstelle zum Extremismus in der BW führt auf, daß dort die meisten Extremisten auffallen ,wo viele junge Soldaten dienen. Wenn diese sich langweilen und mangelnde Dienstaufsicht wegen der Europäischen Arbeitszeitverordnung ist dann sicher nicht hilfreich.

    Aber ich vermute vor allem auch, daß die Teilstreitkräfte sich auch in Sachen Bildungsniveau und sozialer Herkunft sehr unterscheiden dürften. Die komplexen Waffensysteme von Marine und Luftwaffe dürften mehr Bildung und Ausbildung verlangen, als der Dienst als Infanterist oder Panzergrenadier bein Heer. Das Heer dürfte beim Bildungsniveau und der sozialen Herkunft am schlechtesten Abscheiden. Bei den US Streitkräften ist bekannt, daß viele Mannschaftssoldaten aus der Unterschicht kommen.

    Deshalb verstehe ich nicht, daß in der Diskussion nicht auf die Abschaffung der Wehrpflicht eingegangen wurde, welche dafür gesorgt haben dürfte, daß kein Querschnitt der männlichen Bevölkerung mehr in der BW dient, sondern vor allem Meschen mit einem Weltbild der Mitte oder Rechts zur BW gehen, aber nur noch wenige Linke. Vor allem aber dürfte auch der Bildungsniveau gefallen sein der Mannschaftssoldaten.

    Und mit weniger Bildung steigt die Anfälligkeit für Extremismus.

    Abschließend wurde auch vergessen, über die fehlende Traditionen für Kampfsoldaten zu diskutieren, was gerade die KSK Soldaten trifft.

  12. Vielen Dank für den tollen Podcast!

    Eine Anregung: Themen wie Arktis, Drohnen, Soleimani etc. sind aus völkerrechtlicher Sicht höchst interessant. Auch wenn dies kein Völkerrechts-Podcast ist, würde an geeigneter Stelle eine kurze (vllt 5 Minuten) völkerrechtliche Einordnung der Themen Erkenntnisgewinn versprechen. Bestenfalls durch einen Juristen als „Gastbeitrag“. Leider war die Darstellung der rechtlichen Lage in der Vergangenheit im Podcast nicht immer korrekt bzw. unvollständig. Es geistern viele Un- bis Halbwahrheiten durch die Debatten zur Sicherheitspolitik, diese auszuräumen verspricht ein höheres Niveau. Es lassen sich ja glücklicherweise noch einige Staaten von völkerrechtlichen Erwägungen leiten.

    Trennung

    Danke insbesondere auch an Dr. Franke für die Nachfrage zu deutschen Interessen, Positionen und Handlungsoptionen. Gerade das fehlt im öffentlichen Diskurs.

  13. @Rike
    Es ist methodisch gewagt, von einer einzigen Oberflächentemperatur auf die Lufttemperatur der Umgebung in Schulterhöhe zu schließen, zumal der Unterschied zwischen dieser Messung und dem neuen Lufttemperatur-Rekord ganze sieben Grad beträgt, was eine Größenordung über der Differenz zum alten Rekord liegt. Somit hätte der Klimawandel dort basierend auf dieser Messung auch ausfallen können. Keine Sorge: Offensichtlich können die Russen im „ewigen Eis“ :D eine Wetterstation betreiben.

Kommentare sind geschlossen.