Erster Einsatzflug der Marine für Überwachung des Waffenembargos gegen Libyen (m. Ergänzung)

Die Bundeswehr hat ihre Beteiligung an der neuen EU-Überwachungsmission im Mittelmeer begonnen. Ein Seefernaufklärer Orion P-3C der Deutschen Marine startete am (heutigen) Donnerstag vom Marinefliegerstützpunkt Nordholz zum ersten Einsatzflug für die Operation Irini der European Naval Forces Mediterranean (EUNAVFOR MED).

Die EU-Mission, im März vom Rat der Europäischen Union beschlossen, ist eine Folge der Libyen-Konferenz in Berlin im Januar. Damit soll der Waffenschmuggel über See nach Libyen eingedämmt und ein Beitrag zur Durchsetzung des UN-Waffenembargos gegen das bürgerkriegsgeschüttelte nordafrikanische Land geleistet werden. In der Schlusserklärung der Berliner Konferenz hatten sich die beteiligten Staaten zur Überwachung des Waffenembargos verständigt. Das Bundestagsmandat (BT-Drucksache 19/18734) setzt diese EU-Erklärung in eine deutsche Beteiligung um.

Irini löst in dieser Aufgabe die vorherige EU-Mission Sophia ab, die am Streit der Mitgliedsstaaten über den Umgang mit aus Seenot geretteten Migranten und Flüchtlingen zerbrochen war. Die neue Mission soll faktisch durch die zugeteilte Region im Mittelmeer die Aussicht auf solche Rettungen minimieren, obwohl – auch nach dem deutschen Mandat – diese Aufgabe grundsätzlich bleibt: Die völkerrechtliche Verpflichtung zur Rettung von in Seenot geratenen Personen bleibe bestehen; eventuell aufgenommene Personen sollten in Griechenland an Land gehen, verweist die Bundesregierung in der Mandatsbegründung auf die EU-Vereinbarung.

Die Bundeswehr setzt für diese Mission zunächst nur die Orion P-3C der Marineflieger ein. Ergänzung: Die Maschine bleibt in Nordholz stationiert, startet von dort zu den Aufklärungsflügen über dem Mittelmeer und wird auf dem Weg in Neuburg an der Donau aufgetankt. Eine Beteiligung mit einer seehgehenden Einheit ist spätestens ab August 2020 unter Einhaltung der Obergrenze angestrebt, heißt es in der Mandatsbegründung.

(Foto: Die Orion P-3C auf dem Weg in den ersten Irini-Einsatzflug beim Auftanken in Neuburg an der Donau – MFG3/Bundeswehr)

21 Gedanken zu „Erster Einsatzflug der Marine für Überwachung des Waffenembargos gegen Libyen (m. Ergänzung)

  1. Ich warte ja noch immer auf die Veröffentlichung der ROE´s für IRINI.

    Bei der Vorgängermission SOPHIA wartet man ja auch bis heute. Eine angemessene öffentliche Diskussion über Sinn und Relevanz dieses Einsatzes wird damit mMn. erschwert, bzw. unmöglich gemacht.
    Was ist der End State und wie (ROE) wollen wir da hin kommen?

  2. @IstEgal:
    Da können Sie noch recht lange warten:
    RoE sind in allen Einsätzen – zu Recht – nicht öffentlich.

  3. Die Verfügbarkeit der P3C-Orion ist weiterhin kritisch zu sehen. Bei einem Buchbestand von 8 Maschinen und der derzeitigen Umrüstung/Modernisierung-Phase bei Airbus in Manching kann man wohl von „der“ P3C-Orion reden. Interessant wäre es zu wissen, ob der Einsatzflug mit Zwischenlandungen im Mittelmeer-Raum stattfindet (dann mit Besatzungstausch?) oder als einzelner Flug von Nordholz aus. Bei einem einzelnen Flug ist dann die Verweildauer vor Libyen dann eher gering und wäre ohnehin nur ein kurzes „Flaggezeigen“ vor Ort.

    [Ist ein Merkposten. Allerdings kann es nicht die einzige einsatzklare Maschine sein – eine weitere ist derzeit bei Atalanta, und ich glaube bei Baltops soll auch eine fliegen? T.W.]

  4. Die Coronabeschränkungen begründen den Start der P-3C von Nordholz aus. Sonst würde man, denke ich, wohl auf einen italienischen Stützpunkt verlegen.

  5. @Alka
    Ein Zwischenlandung wird es wohl geben. Das Bild stammt jedenfalls nicht aus Nordholz (auf Twitter kann man einen größeren Ausschnitt sehen). Und eine Bahn 09/27 gibt es in Nordholz nicht.

    [Ich war davon ausgegangen, dass das Bild aus Nordholz ist, aber gehe dem noch mal nach – allerdings: wo steht da 09/27?

    /edit: Sie hatten Recht – das Foto entstand bei einer Zwischenlandung zum Auftanken in Neuburg. Ich trage das oben nach.T.W.]

  6. Nachtrag wg. Orion:

    Von der Deutschen Marine sind neben der Fregatte „Lübeck“ und den zwei an Bord befindlichen Hubschraubern des Typs Sea Lynx Mk 88 A, auch die beiden Tender „Werra“ und „Donau“, die Minenjagdboote „Weilheim“ und „Grömitz“ sowie ein Seefernaufklärer vom Typ P-3C „Orion“ beteiligt.
    https://www.presseportal.de/pm/67428/4613910

    Also drei P-3C im Einsatz: Irini, Atalanta und BALTOPS?

  7. @all

    Nachdem @J.H. in einem Kommentar darauf hingewiesen hat, dass das Foto oben nicht aus Nordholz stammen kann, habe ich mich um Klärung bemüht: Das Bild entstand bei der Zwischenlandung zum Auftanken in Neuburg; von dort aus fliegt die Orion direkt ins Einsatzgebiet. (Habe ich auch oben als Ergänzung nachgetragen.)

  8. Wie von Mitforisten schon gesagt, bleibt bei Beginn des Einsatzes von Nordholz aus, egal mit wieviel Zwischenlandungen nur noch ganz wenig Zeit für die eigentliche Mission, nämlich „Überwachung des Waffenembargos vor der libyschen Küste“ übrig.
    Abgesehen davon, dass die ORION diesen Auftrag nur in Zusammenarbeit mit seegehenden Einheiten im Einsatzgebiet wirksam erfüllen könnte, reduziert sich die deutsche Beteiligung an IRINI damit auf wenige Stunden pro Woche/Monat.
    Mehr Pseudomission geht m.E. kaum!
    Hier werden mutwillig teure Flugstunden eines veralteten Seefernaufklärers mit Transit „verballert“ ohne echten Nutzen für die Fortbildung der Crew hinter den Piloten.

  9. @T.Wiegold „Also drei P-3C im Einsatz: Irini, Atalanta und BALTOPS?“ Die abgebildete Maschine für Iniri ist die 6005, die 6008 dreht z.Zt. über SH ihre Runden (weiß nicht ob für BALTOPS) und eine weitere Maschine befindet sich für Atalanta im Einsatz, also zumindest sind dann drei Orions einsatzbereit.

  10. Da stellt sich mir die Frage wie logistisch aufwändig es wäre eine FOB auf einem Flugplatz, beispielsweise Lagerlechfeld, im Süden Deutschlands einzurichten. Würde immerhin pro Flug die Einsatzdauer um mindestens 2 Stunden erhöhen und durch weniger Zwischenlandungen das Material weniger belasten.

  11. @Wa-Ge Danke für den Link – er macht die derzeit missliche Lage der deutschen Marinefliegerei jenseits von Hubschraubern mehr als deutlich. Wie die Diskussion oben bereits gezeigt hat, lässt sich die Anzahl einsatzbereiter Orion mühelos an einer Hand abzählen – bei gleichzeitig steigender Anzahl von Einsätzen. Der deutsch-französische MPA-Nachfolger ist vor 2035 de facto nicht zu erwarten.
    Es wäre daher m.E. sinnvoll, für die nächsten 15-20 Jahre eine Zwischenlösung in Form marktverfügbarer, kleinerer MPA als Ergänzung zu den Orion zu realisieren. In Frage käme beispielsweise die Beschaffung ziviler, ggf. gebrauchter ATR72 (derzeit sind auch jüngere Maschinen wegen der Corona-Krise am Markt verfügbar). Dann Umrüstung zu MPA, so wie Rheinland Air Service das jüngst für Pakistan gemacht hat.
    https://www.ras.de/ras-e-ras-news-RAS-72-Maritime-Patrol-Aircraft.html

  12. @all

    Das Thema dieses Threads ist „Deutsche Marine in der EU-Mission Irini“, einige lesen das als „wie steht es denn so grundsätzlich um die Marineflieger?“ Den OT, der sicherlich noch bei Gelegenheit eine Rolle spielen wird, haben wir in diesem Thread damit erschöpfend abgehandelt.

  13. @2nd LT

    Naja durch das Zwischenlanden/Auftanken in Neuburg hat man ja genau so eine FOB. Ich denke in der aktuellen Situation vermeidet man Kommandos, wenn sie durch Alternativen recht gut ersetzt werden können. In einer normalen Lage nehme ich an, hätte man die Orion mittels Kommando von Deci aus fliegen lassen.

    Cheers
    Flip

  14. @ 2nd LT, @ Flip

    Das Auftanken in Neuburg / Donau bringt jedoch keine Lösung, denn die Crew-Zeit pro Einsatz und die Belastung des Lfz pro Einsatz erhöht sich um mindestens 2 Flugstunden, eher mehr (die Strecke ND – MFG 3 Cuxhaven oder LF – Cuxhaven).
    Richtig wäre entweder Neuburg oder noch besser Lechfeld (wo ein leerer Flugplatz mit ca. 50 köpfiger Flugplatzstaffel existiert) als Basis zu nutzen und in Neuburg oder Lechfeld gibt es nicht mehr Corona-Bedrohungen als in Cuxhaven.

    Dies würde aber die Belastung für die Crew und das (anfällige ?) Lfz deutlich reduzieren.

  15. @Navales: Wenn Sie den Artikel in Gänze lesen, dann werden Sie dort auch eine klar formulierte Ablehnung gegenüber kleinen MPAs finden. Die Begründung: Sie können zu wenig. Der hier vorliegende Fall, also die Überwachung Lybiens von Nordholz aus, ist eine gute Demonstration, denn das wäre so aufgrund der Distanzen mit einem kleinerem MPA Modell nicht möglich.

    Abgesehen davon bin ich überrascht, dass D sich doch alsbald für IRINI aufs Wasser begeben will. Mit der Verlegung von russischen Kampfflugzeugen nach Lybien und türkischen Waffenlieferungen und Fregatten sollte man in diesem Chaos tunlichst auf Abstand zur Küste gehen. Aber womoglich steht ab August keine Orion mehr zur Verfügung, oder aber die Aufgabe wird dann von anderen Partnern abgedeckt werden.

  16. Die Feigenblatt Op von @EUNAVFOR_MED zur Einhaltung des VN Waffenembargos gegen #Libyen an ihren Grenzen.
    Türkische und russische Anschlussversorgung zur See, eine GRE Fregatte, die TUR Schiffe stoppen wollte, verlässt die Op.
    „Turkey’s Libya campaign continues: Turkish Air Force’s Erkilet based 222nd Squadron’s Lockheed C-130 Hercules four-engine turboprop military transport is flying from Konya AFB to Misrata. This is the 22nd flight in the last 3 weeks“.
    https://mobile.twitter.com/YorukIsik/status/1270992050482294786/photo/1

  17. Und noch einige Zusatzinformationen (französisch)
    http://www.opex360.com/2020/06/11/libye-la-fregate-grecque-hs-spetsai-a-tente-sans-succes-de-controler-un-cargo-affrete-par-la-turquie/
    es gibt Gerüchte das ein französisches C-135FR (Tankflugzeug) und ein E3CF Sentry NATO dort im Himmel unterwegs waren.
    Auf der lybischen Landseite wird von Gefechten zwischen GNA und AFL zwischen Misrata und Syrte berichtet.
    https://www.realites.com.tn/2020/06/libye-erdogan-devoile-ses-desseins/
    und das Ägypten Kampfpanzer M1 Abrahms in die Region verlegt hat.
    Was den türkischen Frachter mit M60 Panzern erklärt.
    Im Nahen Osten ist die Notion „Gesicht verlieren/bewahren“ von sehr hoher Bedeutung, und was europäische Initiativen angeht, ist das Thema für einige Jahre gegessen.
    Eine besondere Würdigung für Italien, Geld aus dem Katar (GNA Unterstützer) zu bekommen, und gleichzeitig Ägyptien Fregatten, Hubschrauber und Typhoon Kampflugzeuge gegen Kredit verkaufen zu wollen.

Kommentare sind geschlossen.