Coronavirus-Pandemie und Bundeswehr – Sammler 2. April

Der Sammel-Thread zum Thema Bundeswehr und Coronavirus-Pandemie am 2. April 2020:

• Dass die Bundeswehr rund 15.000 Soldatinnen und Soldaten zur möglichen Amtshilfe und Unterstützung der Bevölkerung in – abgestufter – Bereitschaft hat, ist seit Tagen bekannt. Interessant ist die Gesamtrechnung, die intern aufgemacht wurde: Da wird die Gesamtzahl der Truppe, die zur Verfügung steht, mit Kräfteansatz gesamt: rund 32.000 für das Einsatzkontingent „Hilfeleistung Corona“ beziffert.

Die Zahl klingt erst einmal überraschend, ist es aber bei genauerem Hinsehen nicht: Zusätzlich zu den 15.000 aus Heer, Luftwaffe und Marine sind 17.000 Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsdienstes eingerechnet. Die sind allerdings zu einem nicht unerheblichen Teil schon im Betrieb der fünf Bundeswehrkrankenhäuser ohnehin im Einsatz.

• Genauere Zahlen, wie viele Soldaten – außerhalb des Sanitätsdienstes – derzeit aktiv in Hilfeleistungen eingebunden sind, gibt es allerdings bislang öffentlich nicht. Auch die zwar laufend aktualisierte, aber nur nach Kategorien ohne weitere Details unterteilte Übersicht der Streitkräftebasis (SKB) gibt da bislang keine Auskunft. Die begründete Vermutung ist derzeit, dass bislang nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Einsatzkontingents auch eingesetzt wird – nicht zuletzt in dem Bemühen, langfristig Reserven vorzuhalten, falls sich die Lage drastisch verschlimmert.

• Angaben zu konkreten Hilfsmaßnahmen gibt es nur in Einzelfällen, und dann von den Teilstreitkräften. So hat die Luftwaffe ein Logbuch Corona aufgelegt, in dem nicht nur die medizinischen Evakuierungsflüge für schwerkranke Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich nach Deutschland aufgelistet sind, sondern zum Beispiel auch die Unterstützung von Luftwaffensoldaten in Testzentren.

• Konkrete Zahlen gibt es dagegen für die bisherigen Anfragen nach Amtshilfe von Ländern und Gemeinden: Bis zum (heutigen) Donnerstagmorgen gingen nach Angaben der SKB  beim Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin 280 Anträge ein.  Davon seien 75 gebilligt worden, 50 seien in konkreter Bearbeitung und 14 abgeschlossen.

Der SKB-Inspekteur und Nationale Territoriale Befehlshaber, Generalleutnant Martin Schelleis, warnte vorsorglich, dass die Bundeswehr bei den Wünschen nach Unterstützung durch zivile Behörden strenge Maßstäbe anlegen müsse:

Die Bundeswehr dürfe erst dann helfen, wenn es keine Alternative mehr gebe, sagt  Schelleis. Das meiste aber, was die Bundeswehr an Unterstützung bieten könne, gebe es in Deutschland in Hülle und Fülle auf dem Markt. Diese Kapazitäten seien noch lange nicht erschöpft und die gelte es zunächst zu nutzen. Jeder Antrag müsse daher individuell geprüft werden. 

•  Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Truppe – wie auch der für einen Kriegsfall aufgestellte Zivilschutz des Bundes – mit dem Material in den Depots nicht auf eine Pandemie, sondern ganz andere Gesundheitsgefahren aufgestellt ist. Das Bundesinnenministerium brachte das auf die Aussage:

Der Bund stellt nach dem Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (§ 23 ZSKG) den Ländern für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung im Verteidigungsfall Sanitätsmaterial zur Verfügung, welches diese auch in ihre Katastrophenschutzvorsorge einplanen können. Die Sanitätsmaterialbevorratung des Bundes für den Verteidigungsfall deckt im Schwerpunkt traumatisch-thermische Verletzungen ab und ist zur Behandlung von Infektionskrankheiten wie Covid-19 nicht geeignet. Für die Sanitätsmaterialbevorratung für Lagen zu Friedenszeiten, so auch für die aktuelle Pandemie, sind die Länder zuständig.

(Das ist dann allerdings auch Stoff für eine ganz andere Debatte, die nicht hierher gehört…)

• Der Sanitätsdienst der Bundeswehr hat weitere Zahlen zu Verdachts- und Infektionsfällen unter den Soldatinnen und Soldaten im Inland veröffentlicht. Wie aber schon am Vortag angemerkt, ist diese Statistik vorerst nicht mit der anderer Stellen wie dem Robert-Koch-Institut kompatibel: Im Unterschied zu zivilen Behörden nennt die Bundeswehr die Zahl der bestätigten Infektionen abzüglich der bereits Genesenen nach einer Covid-19-Erkrankung – damit gibt die Zahl kein aussagefähiges Bild zum Infektionsgeschehen in der Truppe (die Statistik soll aber umgestellt werden).

Die Zahlen:

677 begründete Verdachtsfälle (nach 631)
169 bestätigte Fälle (nach 186 – hier wird deutlich, dass die Verringerung auf den Abzug der Genesenen zurückzuführen ist)

• Weiterhin gibt es außerhalb der NATO-Battlegroup in Litauen keine bestätigten Infektionen in Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

• Generalinspekteur Eberhard Zorn besuchte das ABC-Abwehrkommando in Bruchsal (Foto oben). Unter dem direkten Kommando des Nationalen Territorialen Befehlshabers werden derzeit 18 ABC-Abwehrtrupps für mögliche Desinfektionseinsätze in Bereitschaft gehalten.

• Die NATO will sich stärker in die Bekämpfung der Pandemie einbringen und unter anderem Flüge für Hilfstransporte besser koordinieren. Damit sei der NATO-Oberbefehlshaber (Supreme Allied Commander Europe, SACEUR) Tod Wolters beauftragt worden, teilte Generalsekretär Jens Stoltenberg nach einer Videokonferenz der Außenminister mit:

Today, we decided to direct our top commander, General Wolters to coordinate the necessary military support to combat the crisis.
To speed up and step up assistance. For instance, by identifying the airlift capacity to ensure that medical supplies are delivered. Coordinating on any surplus capacity or stocks. And better matching requests for support with offers from Allies and partners.
He will also implement simplified procedures for Rapid Air Mobility, in coordination with Eurocontrol.
Using the NATO call sign for military relief flights.

(Weiter ggf. nach Entwicklung)

(Foto: Generalinspekteur Zorn beobachtet eine Vorführung der Desinfektion von Gebäuden beim ABC-Abwehrkommando in Bruchsal – Roland Alpers/Bundeswehr)

27 Gedanken zu „Coronavirus-Pandemie und Bundeswehr – Sammler 2. April

  1. Wie läuft’s denn eigentlich beim Krieg an der Cyberfront? Sind mittlerweile alle Fernzugänge gleichzeitig nutzbar oder rollt nach wie vor im Pjöngjang-Style der Disconnect durch’s Neuland und die Mangelwirtschaft wird zum planvollen Vorgehen verklärt?

    Nach all den Wochen, in denen man sicherlich handeln konnte, würde ich mich über ein Update seitens des Hausherren bzw. der Mitleser hier freuen.

  2. Mal als kleiner Hinweis:
    Wenn der Russe unser Feind sein sollte – einige behaupten dies ja ständig.
    Dann würde er genau jetzt angreifen.
    Komisch, macht er aber nicht, sondern schickt sogar Hilfslieferungen.
    (Okay, klar – die Hilfslieferungen sind auch ein wenig Propaganda, aber besser eine Mundschutzmaske haben als keine)

    Bezüglich Corona.
    Meiner Meinung nach muss die Bundeswehr aus dieser ganzen Krise auch an ihrer Kommunikation arbeiten.
    In unserer heutigen Zeit will der Bürger besser informiert werden und da muss man einfach das Lagebild besser nach Außen transportieren.
    Das man sich als Bürger aus zig Quellen schon wieder Informationen herausholen muss, geht in 2020 eigentlich gar nicht und jeder Bereich macht sein eigenes Ding.
    Beispiel auch die Infektionszahlen – das hätte den Verantwortlichen doch gleich am Anfang auffallen müssen, dass die Bundeswehr die einzige Einrichtung ist, die die Genesenen wieder abzieht und damit keine vergleichbaren Zahlen für den Bürger herausgibt.

  3. Isolation vor dem Einsatz, Isolation(?)
    „Das Maritim-Hotel in Bad Godesberg hat ab Dienstag besondere Gäste beherbergt, …14-tägige Isolation auf den Zimmern … 140 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, darunter auch einige Zivile, haben sich dort einquartiert. Dieses Vorgehen hat mit Corona zu tun“.
    (Sprecher der Streitkräftebasis der Bundeswehr, Oberstleutnant Ulrich Fonrobert, dem GA auf Anfrage erklärte. …, usw.)
    (Bonner Generalanzeiger)
    Hoffe, damit sind die apokalyptischen Reiter von „alles unzumutbar“ aus älteren Fäden beruhigt. Maritim geht doch, oder? Logisch mit jedwedem Unterhaltungsschnickschnack!

    [Ok, ich geb’s auf. Gestern habe ich noch aus einem Kommentar die genaue Angabe „in Bonn im Maritim-Hotel“ entfernt, auch als Niemals-Soldat hab‘ ich ja was von OpSec gehört. Aber wenn die Bundeswehr das selbst offen mitteilt – möchte ich übrigens das ganze OpSec-Gejaule, das hier bisweilen bei meiner Berichterstattung aufkommt, künftig nicht mehr hören. T.W.]

  4. @T.W.
    Verständnis pur. Ausnahmsweise meine Hände erfolgreich in Unschuld desinfiziert.

    Der hier, auch Corona?
    @juergenhardt
    „Die Aufklärungsmission im Kampf gegen den IS ist vorläufig beendet. Dank an @Team_Luftwaffe für hervorragenden Einsatz! Unsere Allianzpartner haben d. Beitrag sehr geschätzt. Sollte Flagge von Italien in der jetzigen Lage nicht übernehmen können, müssen wir über Alternativen nachdenken“!
    Welche europäischen Alternativen mit ECR- Befähigung?
    Baut da die Union vor, zwar nicht wegen Tornado gegen Daesh? Vielmehr wächst in Rom massiv Kritik an Deutschland, freilich in Sachen Corona-Bonds, aber dennoch; ggf setzt Lw den Auftrag „RECCE“ nach Schamfrist zur Parlamentsbeteiligung fort?
    Hardt spricht nicht nur mal so.
    Öffentlichkeitswirksam publiziert käme eine Entlastung der ITA Lw bestimmt auf der Haben-Seite zur Niederschrift.

    [Nein, bitte jetzt nicht das Thema Counter Daesh jetzt hier in den Coronavirus-Thread einbringen. T.W.]

  5. @Stöber sagt: 02.04.2020 um 17:30 Uhr
    „Nach all den Wochen, in denen man sicherlich handeln konnte, würde ich mich über ein Update seitens des Hausherren bzw. der Mitleser hier freuen.“

    Natürlich geht es voran. Aber weil es auch noch nie so schlimm war, wie hier einige behauptet haben, sind auch die sukzessiven (weiteren) Verbesserungen keine Sensationsmeldungen.

    Ein Beispiel: In den letzten Tagen wurden die Möglichkeit zur auch größeren, einfach bedinbaren und ad-hoc einsichtbaren Telephonkonferenz geschaffen, bzw. deutlich ausgedehnt. Ist das jetzt der Quantensprung? Nein. Ging es vorher auch schon? Ja. Geht es jetzt besser? Ja.

    @ Tom Cruise sagt: 02.04.2020 um 18:22 Uhr
    „Wenn der Russe unser Feind sein sollte – einige behaupten dies ja ständig.
    Dann würde er genau jetzt angreifen.“

    Seufzt. Also nur mal zur Klarstellung. Natürlich hat sich Russland in den letzten Jahren durch sein anti-westliches, anti-demokratisches und gewaltsam-hegemoniales Verhalten zu einem strategischen Gegner entwickelt.

    Aber das heisst ja nicht, dass es nur darauf wartet jederzeit über Mitteleuropa herzufallen.

    Unabhängig davon wären wir auch verteidigungsbereit. COVID-19 hat die NATO in ihren militärischen Fähigkeiten bisher kaum eingeschränkt.

    „Meiner Meinung nach muss die Bundeswehr aus dieser ganzen Krise auch an ihrer Kommunikation arbeiten.“

    Schon Sie sich einfach die Kommunkationskanäle der Bundeswehr an. Da erfahren sie nicht nur was notwendig ist, sondern sogar viel, viel mehr.

    „Beispiel auch die Infektionszahlen – das hätte den Verantwortlichen doch gleich am Anfang auffallen müssen, dass die Bundeswehr die einzige Einrichtung ist, die die Genesenen wieder abzieht und damit keine vergleichbaren Zahlen für den Bürger herausgibt.“

    Vielleicht mal aufgefallen, dass das einen guten Grund hat? Für uns als Streitkräfte sind lediglich die Zahlen der akut erkannten wichtig.

    Die Gesamtzahl der Infizierten geht natürlich auf dem normalen Weg in die RKI Statistik ein, aber A hat mit B nix zu tun.

  6. Tut mir leid, aber natürlich hat A was mit B zu tun.
    Wenn jetzt also die 186 nicht die Gesamtzahl war, sondern schon ein paar abgerechnet wurden, dann sind in der Bundeswehr eben extrem überproportional mehr Infizierte gewesen als im Vergleich zu Gesamtdeutschland.
    Dann können Sie ja mal ausrechnen ab wann die Bundeswehr eben nicht mehr einsatzbereit/verteidigungbereit ist.
    187 (30.03.2020) von 184000 Soldaten wären damit 101,6 Infizierte (gesamt) pro 100000 oder anders ausgedrückt 84300 auf Gesamtdeutschland umgerechnet.
    Zwar gibt es in der Bundeswehr weniger Ältere als im Bundesdurchschnitt (fehlende Rentner), dadurch wäre ein höherer Anteil sogar erklärbar, allerdings gibt es auch keine unter 17 jährigen (kein Kinder).
    Es hebt sich also auf.
    Wenn die 187 aber nicht die Gesamtzahl ist, dann wären es im Vergleich (bei sagen wir 200) schon 90000 oder 108,7 pro 100000 Einwohner.
    Das muss man jetzt mal mit den Zahlen vom 30.03. vergleichen. Da waren es in Deutschland „nur“ 57000 gemeldete (gesamt) oder 68,7 pro 100000 Einwohner.
    Ist also schon ein sehr stark überproportionaler Ansteckungsgrad in der Bundeswehr und dem muss man gegensteuern.

    „es nur darauf wartet jederzeit über Mitteleuropa herzufallen.“
    Wir benötigen also doch keine zusätzlichen Panzer zur Abwehr eines Angriffs?

  7. @Tom Cruise sagt: 02.04.2020 um 20:09 Uhr
    „Dann können Sie ja mal ausrechnen ab wann die Bundeswehr eben nicht mehr einsatzbereit/verteidigungbereit ist.
    187 (30.03.2020) von 184000 Soldaten wären damit 101,6 Infizierte (gesamt) pro 100000 oder anders ausgedrückt 84300 auf Gesamtdeutschland umgerechnet.
    Zwar gibt es in der Bundeswehr weniger Ältere als im Bundesdurchschnitt (fehlende Rentner), dadurch wäre ein höherer Anteil sogar erklärbar, allerdings gibt es auch keine unter 17 jährigen (kein Kinder).“

    Keine Ahnung was Sie mir damit sagen wollen. Ich weiß es ehrlich nicht.

    Einen Operateur interessieren nur die ist Zahlen und die sind 677 und 169. Den LSO interessieren auch noch die Veränderungen, aber die sind für Einsatztauglichkeit der Bundeswehr nicht relevant.

    Alles andere sind Zahlenspiele.

    „Wir benötigen also doch keine zusätzlichen Panzer zur Abwehr eines Angriffs?“

    Natürlich benötigen wir diese. Aber was hat denn das jetzt mit COVID-19 zu tun?!

  8. @Koffer 021912Bapr20:
    Ihr ständiges Negieren von Tatsachen ist wenig hilfreich. Seit zwei Wochen Homeoffice, kein Zugang mittels Genucard möglich. Bitte Realitäten außerhalb von ihrem Referat akzeptieren.

  9. @Klaus-Peter Kaikowsky

    Bevor hier eine Neiddebatte gestartet wird bezüglich der 140 Soldaten im Maritim Hotel stellen sie sich bitte folgende Lage vor:

    14 Tage im Hotelzimmer
    Wenn sie die Tür öffnen um Essen zu empfangen, ABC Maske aufsetzen
    Zum Füsse vertreten natürlich mit ABC Maske aus dem Zimmer – ach ja die Maske bleibt auf der Terrasse auf
    Nur Interaktion mit dem Funktionspersonal (Respekt was die leisten müssen) und das auf low Level
    Kein Sky!!!!

    Und jetzt die Frage – ist in so einem Fall das Maritim toll??? Ich glaube irgendwann kommt der Moment, dass die Soldaten das Hotel verfluchen und nie wieder sehen wollen.

    Haltet durch ihr 140 Männer und Frauen.

  10. @Horst Scharn sagt: 03.04.2020 um 9:26 Uhr
    „Ihr ständiges Negieren von Tatsachen ist wenig hilfreich.“

    Sorry, aber die Tatsachen sind nun mal Tatsachen und es läuft nicht nur in meinem Referat und im gesamten BMVg so, sondern auch in vielen nachgeordneten Kommandobehörden und Ämtern ganz gut.

    In der Truppe vermutlich nicht (die ist ja noch nicht soweit mit mobiler Arbeitsausstattung ausgerüstet), aber wenn wir mal ehrlich sind, dann ist es auch nicht Aufgabe einer PzGrenKp ihren Dienst von zu Hause durchzuführen.

    Also von daher: Weniger dramatisieren und Nörgeln und mehr Sachlichkeit scheint mir geboten.

  11. @Logistiker
    Hoffe sehr, Ihnen geht’s klasse.
    Ein Maritim ist immer gut, besonders bei Container als Alternative.

  12. @ horst scharn
    Sie haben völlig Recht! Ist man nicht vor 06:30 oder nach 16:30 im WANBw, dann ist kein Reinkommen möglich, oder man fliegt als mglw. „unwichtiger“ Nutzer immer wieder raus… Erfahrungen aus dem Bayerischen Süden an einer Audbildungseinrichtung. Ach ja, die Digitalisierung, sie will uns als Bw einfach nicht gelingen…! Woran liegt das nur??? Offenbar wird zuviel davon geredet, aber nicht richtig gehandelt! Das muss spätestens jetzt auf die lessons learned -Agenda und nach Corona endlich kompetent und mit Nachdruck angepackt werden!!!

  13. @Klaus-Peter Kaikowsky

    Zum Glück bin ich nicht betroffen aber wohl vertraut mit dem Sachverhalt.

    @Major Tom und all die anderen Nörgler
    Wichtig sollte uns in diesen Tagen nicht die qualitativ hochwertige Stabsarbeit sein, sondern dass wir mit den Kameraden, die im Einsatz stehen oder in der Quarantäne sich befinden, zusammen stehen – denn die können ihren Familien nicht einfach Mal helfen. Gleiches gilt auch mit den Soldaten die im Inland dann die Unterstützung leisten. Denn wir sind immer noch Soldaten und wir sollten zusammen stehen.

    Lessons learned muss danach erfolgen und da muss sich mehr als nur in der Bundeswehr etwas ändern – auch hierfür gilt es Kraft zu sparen, denn auch das wird fordernd.

  14. @Major Tom & Horst Scharn

    Man muss allerdings auch bedenken, dass wenn selbst die Klatschhasen hier im Blog der Meinung sind das 6000 +/- von den 12000 die eine GeNu Card besitzen den Laden am Laufen halten koennen und die anderen aufhoeren sollen rumzumeckern, koennte man ja, sollte es tatsaechlichen einen Lessons Identified/Lessons Learned Process geben, mal ueberlegen den Wasserkopf in dieser Armee zu reduzieren. Auch wenn ich nicht daran glaube, dass die Ch-Airborne Einheiten in den hoeheren KdoBehoerden soweit gehen wuerden, denn das wuerde ja dazu fuehren das auch die Generalsebene erheblich reduziert wuerde.
    Es ist natuerlich Quatsch zu fordern das der gesamte hintere Kampfraum des SPz Netzgang braucht, aber auch der KpChef muss seinen Laden fuehren und der Spiess kann auch nicht alles ueber WhatsApp abwickeln und ich kenne Kommandeure die in Quarantaene sind und ebenfalls nicht ins Netz kommen.
    Aber es soll ja alles besser werden und hoffen wir mal, das die richtigen Lehren aus dieser Krise gezogen werden. Wir sind ja wohl noch nicht am Ende mit diesem Stresstest!

  15. Aus eigener Anschauung* kann ich bestätigen, dass auch zivile Arbeitgeber (bzw. Dienstherren) in der derzeitigen Phase bei zahlreichen Home Officers an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Auch dort ist die Zahl der VPN-Zugänge offenbar begrenzt und man kann im „Pjöngyang-Style“ immer mal wieder rausfliegen. Allerdings funktioniert der zertifikatbasierte VPN-Zugang erheblich benutzerfreundlicher.

    * Ein Bundesland in der Mitte Deutschlands, das sich auf „Der Käs‘ ist gegessen“ reimt.

  16. @JohSte sagt: 03.04.2020 um 14:45 Uhr
    „Man muss allerdings auch bedenken, dass wenn selbst die Klatschhasen hier im Blog“

    Jetzt geht das schon wieder los. Mehr Sachlichkeit bitte.

    @Metallkopf sagt: 03.04.2020 um 14:45 Uhr
    „Aus eigener Anschauung* kann ich bestätigen, dass auch zivile Arbeitgeber (bzw. Dienstherren) in der derzeitigen Phase bei zahlreichen Home Officers an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Auch dort ist die Zahl der VPN-Zugänge offenbar begrenzt“

    +1

  17. @Metallkopf sagt: 03.04.2020 um 14:45 Uhr

    Wie überall ist auch in der zivilen Wirtschaft alles eine Frage der IT-Infrastruktur und der verfügbaren Lizenzen. Nur das man dort wesentlich schneller Geld in die Hand nimmt, um den Missstand auszuräumen. Dazu sind eben nicht sechs Jahre Planung und 4 Jahre Beschaffung notwendig.
    Das Problem der öffentlichen Hand, und somit auch der Bw, ist doch nicht Geld, sondern die Langsamkeit des Seins in der Beschaffung, Administration und Entscheidungsfindung.
    Und wenn die Bw entschieden hat, das bei 12.000 GenUCards 6.000 Zugänge reichen, weil z.B. im Mittel nicht mehr Zugänge benötigt werden, dann ist das erstmal so. Die Gretchenfrage ist doch, wie lange dauert es, diese aufzustocken und will man das überhaupt.
    Und ich sage es mal so, wenn alle Soldaten einer Einheit zu Hause sind, dann kann die Führung doch in die Kaserne fahren und mit genügend Sicherheitsabstand zueinander sein Tagesgeschäft erledigen. Eine Ansteckungsgefahr besteht dann ja nicht. Ist natürlich schlecht für die Fernpendler. Das würde das Problem zumindest bis zur Bataillonsebene massiv entzerren. D.h. dann aber auch, der Kommandeur fährt selber und die Vorzimmerdame ist nicht kriegswichtig und bleibt zu Hause. Zudem kann er sich mit dem Stellvertreter abwechseln, es wird ja nicht der ganze Stab benötigt. Usw. usw. etc.pp. Man könnte die Arbeitsfähigkeit schon massiv erhöhen, wenn man denn wollte. Es wird ja z.T. auch so gemacht.

  18. Mein wöchentliches Update zum Thema Fernzugang zum Intranet. Es hat sich nichts verbessert. Zugang bei mir und auch vielen aus meinem Derzernat fast nicht möglich. Bei LTE Nutzern noch besser als bei DSL Zugängen. Nach 15:00 Uhr meistens kein Problem.
    Schön das es im BMVg anscheinend besser geht aber auf der 2. nachgeordneten Ebene ist das deutlich schlechter.

  19. @ Tom Cruise sagt:
    02.04.2020 um 20:09 Uhr

    Was mich wundert ist, dass Sie von der insgesamt infizierten Zahl an Soldaten auf die Einsatzbereitschaft der BW schliessen wollen (für den Fall einer LV/BV). Das ist doch nicht zielführend, da der Soldat auch mit Husten (oder Positiv, aber ohne Sympthome) einsatzbereit sein wird. Gerade bei jüngeren und fitten Leuten hat das Virus ja offenbar wenig Auswirkungen – heisst, die BW selbst erfährt kaum schlimme Folgen. Immerhin wäre ja ein Einsatz von höherer Priorität als Auskurieren von einer Virusinfektion. Und natürlich würde das dann in der Folge vielleicht auch ein paar Opfer mehr kosten, aber das ist beim Militär doch noch nie das Primärproblem gewesen, sondern liegt in der Natur der Sache. Wie immer gilt auch hier, dass Einzelschicksale ohne Berücksichtigung bleiben.
    Übrigens kann es auch sein, dass die BW nur deshalb eine höhere Quote aufweist als die BRD insgesamt, weil man z.B. einfach besser und gründlicher getestet hat. Wer nicht positiv getestet wurde, taucht grundsätzlich auf keiner Liste auf – so einfach ist das. Wenn man mal angeben würde, wer alles in Quarantäne gestellt ist, ergeben sich ja noch viel größere Zahlen. Es gibt in meinem Umfeld Leute mit Husten, aber ohne Fieber, die Rückkehrer aus Risikogebieten sind und die deshalb in Quarantäne sind, jedoch bis heute nicht getestet wurden. Sie werden auch nicht getestet, da bei uns ohne Fieber nicht mehr getestet wird. Kurzum Sie vernachlässigen die Dunkelziffer – und die ist wohl enorm. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass der Test offenbar keine hinreichende Genauigkeit aufweist (an diversen Stellen habe ich von 50% gehört). Das bedeutet, Sie müssen Tests mehrmals machen um überhaupt eine halbwegs genaue Richtung zu bekommen. Tatsächlich wird es so sein, dass PErsonen in der Infiziertenzahl stehen, die gar keine Infektion haben und es werden welche fehlen, die eine haben. Bei uns ist ein halbes Krankenhaus in Quarantäne, weil eine Patientin (die aus anderen Gründen und ohne Sympthome ins KH kam und diese erst entwickelte) als Positiv eingestuft wurde. Ihr Test war aber negativ. Trotzdem behält man die Einstufung bei, da die Sympthome passen. Vielleicht hat die BW ja doppelt und generell mehr getestet und daher einfach genauere Zahlen?
    Und da es Ihnen darum geht, zu errechnen ab wann man nicht mehr einsatzfähig ist, müssen Sie natürlich die wieder Gesundeten gegen rechnen, da die ja auf jeden Fall wieder einsatzfähig sind. Dann müssen Sie noch spekulieren ab wieviel Ausfall überhaupt eine Einsatzfähigkeit nicht mehr gegeben wäre – denn eine PzGren-Kompanie ist ja auch schon weit vor Ausfall ALLER Personen nicht mehr einsatzfähig – böse Zungen behaupten ja, die BW sei ohnehin (auch ohne Virus) nicht oder nur in wenigen Teilen einsatzfähig. Sie sehen, dass was Sie machen ist weder von besonders hohem Erkenntniswert (für die BW), noch irgendwie ansatzweise genau genug um irgendwas zu bringen.

  20. @Alpha November zu @Tom Cruise
    „… eine Einsatzfähigkeit nicht mehr gegeben …“
    Offizielle Bw Vorgabe ist mir dazu nicht bekannt, muss aber existieren.
    Hinsichtlich Wirkung eigenen Feuers im Feind gilt der Grundsatz
    – ≤ 30 % Restkräfte = zerschlagen = kann für begrenzte Zeit nicht mehr am Kampf teilnehmen, bzw. seine Absicht nicht mehr ausführen.
    – ≤10 % Restkräfte = vernichtet = Verluste so hoch, dass er für weiteren Kampf ausfällt.
    Umgesetzt auf Ausfall durch Krankheitsbefall bewerte ich 50% als Grenze von noch bedingter Einsatzbereitschaft der Truppe.

  21. Machen sie doch mal den Test und nehmen zufällig ausgewählte x % der Soldaten aus einer Kompanie und schauen was der Kompaniechef dazu sagt.
    Da muss ich keine 70 oder 90 als x einsetzen, schon weit vorher ist die Kompanie nicht mehr wirklich einsatzfähig. Meine Einschätzung ist 20 %. Die beinhaltet übrigens die auch normal kranken schon (also 20% minus Krankenstand = Coronaausfälle)
    Logisch fallen nicht alle Infizierten aus, sind ja nicht alle schwer krank.
    Aber es fällt von den Infizierten auch ein gewisser Prozentsatz aus, bei denen es eben mehr als ein Husten ist und dann fällt auch ein kleiner Prozentsatz aus, bei denen es richtige Atemnot ist.
    Der ganz kleine Prozentsatz durch intensive Beatmung kommt noch dazu und dann noch der Sterbefall.
    Dieser ganz kleine Prozentsatz (Sterbefall) wird dann auch größer (bleibt aber immer noch klein einstellig), wenn die Kapazitäten voll sind (keine Beatmungsplätze – erhöhte Sterberate).
    Deshalb würde niemand mit Verstand eben leicht oder schwer hustende Soldaten weiterhin im Dienst lassen. Zumindest nicht in der Kompanie im normalen Dienst. Vielleicht in der Kaserne abgesondert – also alle hustenden Soldaten eigener Bereich, die vermeintlich gesunden Soldaten und die geheilten (immunisierten) Soldaten machen normalen Dienst.
    Trotzdem kann man jetzt schlecht alle gemeinsam einsetzen innerhalb einer Kompanie. Darum geht es, also ist die Kompanie nicht wirklich einsatzbereit.
    Natürlich nicht lange, nur einen kurzen Zeitraum (3-7 Wochen, je nach Prozentzahlen).

  22. Hinsichtlich der Ausfälle mit etwas deutlich schlimmerem als Husten, wird die Anzahl ja nach allem was man so lesen kann bei der BW (da nicht Risikogruppe) nur sehr sehr wenig Auswirkungen haben. Und alles bis dahin dürfte im angesprochenen Einsatzfall ja nicht interessieren, da eine leichte Erkrankung sicherlich vor dem Einsatz zurückgestellt würde. Und wenn die Zahlen also klein genug sind, fallen sie im Grundrauschen der Einsatzverluste vermutlich nicht mal auf.
    Was ich damit sagen will: Wenn Sie einen Einsatz haben, dann ist Ihr Versuch von Containment so bedeutungslos, dass man ihn gar nicht erst durchführen wird, da man deutlich andere Probleme und Prioritäten hat. Da wir jetzt in Friedenszeiten leben und eben nicht im Einsatz sind, können Sie die Prioritäten natürlich anders setzen und müssen das sicherlich ein ganzes Stück weit auch (Arbeitsschutz, Pflicht zur Gesunderhaltung usw), aber da wir ja auch annehmen nicht spontan überfallen zu werden (große Vorwarnzeit mit Zeiträumen größer als ein paar Wochen), ist doch fast bedeutungslos, wenn jetzt Einheiten mal ‚kurz‘ nicht einsatzbereit wären. Damit will ich nicht den täglichen Aufwand zur Einsatzbereitschaft herabwürdigen, aber wenn man weiss, dass gerade nichts droht, kann man sich den Ausfall durch Quarantäne usw. schlicht leisten. Und damit ist, wie bereits gesagt, die Rechnerei darum im Grunde unbedeutend.

  23. @Tom Cruise sagt: 04.04.2020 um 19:28 Uhr
    „Machen sie doch mal den Test und nehmen zufällig ausgewählte x % der Soldaten aus einer Kompanie und schauen was der Kompaniechef dazu sagt.
    Da muss ich keine 70 oder 90 als x einsetzen, schon weit vorher ist die Kompanie nicht mehr wirklich einsatzfähig. Meine Einschätzung ist 20 %.“

    Sorry, aber das ist doch Unfug. Nur weil 20% fehlen ist doch eine Kompanie nicht mehr nicht einsatzfähig. Im Krieg ist das etwas anderes, da durch den Verlust ja auch gleichzeitig Kräfte gebunden werden zur Betreuung und Sicherung, aber in der aktuellen Lage sind doch 20% überhaupt kein Problem.

    Solche Zahlen haben wir doch in manchen Kompanien auch zu anderen Zeiten (z.B. Urlaub, Lehrgänge, personelle Unterbesetzung). Dann nimmt man eine neue Struktur ein und alles ist wieder gut.

    Auch hier wieder der Blick auf den Krieg, da wäre das dann ein Problem weil neu zusammengestellte Teileinheiten eine ganze Weile brauchen um wieder volle Kampfkraft zu erreichen (Zusammenwirken und so). Aber in einer Gesundheitslage in der es um Absicherung und Unterstützungstätigkeiten geht sind solche Reibungsverluste nachzusehen.

  24. Hallo,

    zum Thema GenuCard ist folgendes vereinfacht zu sagen: Jede GenuCard verbindet sich mit speziellen Genua Maschinen (Appliances) und diese werden von speziellen Servern verwaltet. Jede dieser Server/ Appliance Kombinationen kann eine x.000 Zahl an GenuCards verwalten. Bis zum Wochenende waren das die besagten 6.000 GenuCards. Dies wurde erweitert und die GenuCards werden auf die neuen Server umgezogen. Am Ende soll sich die Zahl der gleichzeitigen Verbindungen fast verdreifacht haben.

    By the Way hat das BMVg mit ihren SINA Workstations eine eigene RAS Lösung, welche aber auch für die Bundeswehr untersucht wird.

  25. @Porsche79 sagt: 06.04.2020 um 21:44 Uhr
    Sehr erfreuliche Nachricht.

    Und ziemlich schnell (zumindest wenn man normale öffentliche Prozessdauer als Anhalt nimmt ;), da scheint die privatrechtlich organisierte Struktur der BWI ja mal von Nutzen gewesen zu sein?!).

    „By the Way hat das BMVg mit ihren SINA Workstations eine eigene RAS Lösung, welche aber auch für die Bundeswehr untersucht wird.“

    Müssten dann dafür auch alle Laptops in der Truppe ausgetauscht werden (das BMVg hat ja andere Laptops ohne GenuCard)?

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