Deutschland unterstützt Frankreichs Marinemission in der Straße von Hormuz. Jedenfalls politisch.

Fürs Protokoll: Frankreich hat für seine seit Monaten geplante Marinemission in der Straße von Hormuz die Unterstützung anderer Europäer – und auch die Unterstützung Deutschlands. Das geht aus einer entsprechenden Erklärung hervor, die das französische Außenministerium am (heutigen) Montag veröffentlichte, allerdings: Es geht um die politische Unterstützung. Die praktische Beteiligung, zumindest mit Kriegsschiffen, scheint nicht zwingend dazuzugehören; und eine deutsche militärische Beteiligung nicht geplant.

Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly hatte im November vergangenen Jahres, ein wenig überraschend, die Debatte über eine europäische Marinemission in der unruhigen Seeregion im Persischen Golf und der Straße von Hormuz erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Hintergrund waren Bedrohungen der (Öl)Schiffahrt in den vorangegangenen Monaten, für die von westlicher Seite der Iran verantwortlich gemacht wurde. Sowohl die Niederlande als auch Dänemark erklärten sich bereit, zu einer maritimen Überwachungsmission Schiffe zu entsenden.

Deutschland dagegen äußerte sich zu dieser Mission nur recht distanziert: Wir haben auch gesagt, dass wir uns in der weiteren Diskussion vorstellen könnten, wenn sich dieses Thema weitergedreht hat, diese französische Mission in eine Mission der Europäischen Union überzuführen. Da sind wir aber nicht, erklärte das Auswärtige Amt im Dezember.

Insofern kam die heutige Erklärung aus dem französischen Außenministerium, ausdrücklich als gemeinsame politische Erklärung auch mit Deutschland gekennzeichnet, ein wenig überraschend:

Die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten geben Anlass zu großer Besorgnis, da sie die Spannungen und das Risiko eines möglichen groß angelegten Konflikts mit Folgen für die gesamte Region erhöhen. Der Kontext fordert verstärkte Deeskalationsinitiativen, um den gegenwärtigen Trend zu stoppen.
Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, die Niederlande und Portugal sind der Überzeugung, dass die derzeitige Lage am Golf und in der Straße von Hormuz in einer Region, die für die globale Stabilität von wesentlicher Bedeutung ist, weiterhin instabil ist. Zzur Unterstützung des Deeskalationsansatzes in regionalen Sicherheitsfragen erklären sie ihre politische Unterstützung für die Einrichtung einer Europäischen Seeüberwachungsmission in der Straße von Hormuz (EMASOH). Sie begrüßen alle bereits angekündigten operativen Beiträge von Dänemark, Frankreich, Griechenland und den Niederlanden zur Unterstützung dieser Bemühungen und freuen sich auf weitere Verpflichtungen in den kommenden Tagen.
(Übersetzt mithilfe von DeepL.com)

Wichtig ist da wohl der genaue Wortlaut: apportent leur appui politique, erklären ihre politische Unterstützung – und nicht etwa militärische. Dazu passt auch, dass sich diese Erklärung aus Paris am Montagabend im Berliner Verteidigungsministerium noch nicht so rumgesprochen hatte; das Auswärtige Amt veröffentlichte (zunächst?) auch diese Erklärung gar nicht auf seiner Webseite.

Unterm Strich: Deutschland hat politisch grünes Licht für die französische Initiative gegeben (auch wenn es nach wie vor keine EU-Mission ist). Aber auf das Auslaufen einer deutschen Fregatte in die Straße von Hormuz brauchen wir derzeit glaube ich nicht zu warten.

7 Gedanken zu „Deutschland unterstützt Frankreichs Marinemission in der Straße von Hormuz. Jedenfalls politisch.

  1. Was das wohl soll.

    Faktisch werden vor Westafrika viel mehr Schiffsbesatzungen gekapert als im Golf. Die Beschlusslage der EU-Verteidigungsminister ist eigentlich, sich darum zu kümmern.

    Weshalb diese Rolle rückwärts?

  2. Mal durchgespielt: was könnten wir denn dahin schicken. Einziges Schiff, was Mumm in den Knochen hat und auch Ernstgenommen werden darf ist eines der F 124. 2 davon in der Werft, eine davon schon seit Ewigkeiten. Bleibt die Hamburg als einziges Schiff, was ich mir da vorstellen kann. Allen anderen fehlen entscheidende Eigenschaften, die die Schiffe nicht haben, haben sollen oder denen weggenommen wurden. F 125 blind +null Verteidigung für alles unter Wasser, F 123 kann ganze 4 Raketen abfeuern mit wahnsinnigen 40 km Reichweite + leeren Raketenschächten für mittlere Abwehr und Korvetten ebenfalls blind unter Wasser und wohl auch zu klein. Schon traurig

  3. Südkorea schickt einen Zerstörer an den Golf.
    South Korea will dispatch a destroyer to patrol the Strait of Hormuz, it was announced on Tuesday, though in an independent capacity, without officially joining the US-led naval coalition in the region.
    Nun kommt ein südkoreanischer Zerstörer fern heimischer Gewässer auf sich gestellt natürlich nicht zurecht. Mglw. macht es außenpolitisch im Verhältnis zum Iran Sinn, eine Distanz zu Washington zu dokumentieren.
    Vielmehr ergibt sich u.U. eine Anlehnung an Tokio, was allerdings auch eine Schlagzeile Wert wäre.
    The announcement of the South Korean dispatch follows news on December 26that Japan was sending a destroyer and two maritime reconnaissance aircraft to the Gulf in February.
    https://www.asiatimes.com/2020/01/article/sth-korea-to-send-destroyer-to-straits-of-hormuz/

  4. Einsatzbeginn der European-led Maritime Awareness mission in the Strait Of Hormuz (EMASOH) in einer Woche.
    Die FRA light stealth frigate Courbet, already attached to Combined Task Force 150, zunächst mit einer NLD und DNK Fregatten.
    Full operational capability is expected to be announced in late February.
    Dass EMASOH ungerührt von SENTINEL (U.S.-led maritime Operation) operiert erscheint unlogisch. Irgendeine Art der Absprachen hinsichtlich Überwachung, Sicherung, Schutz muss allein schon aus Gründen der Praktikabiltät in einem begrenzten Seeraum bei weitgehend identischer Absicht (Gewährleistung der Stabilität der Region durch Festlegung einer objektiven und autonomen Kartierung der regionalen Sicherheitslage und Wahrung der freier Schifffahrt) bestehen. Die zwei japanischen und der südkoreanische Zerstörer können ebenfalls kaum nach Belieben operieren.
    Die HQ-Dichte nimmt zwangsläufig zu, SENTINEL in Bahrain, EMASOH in den VAE.
    https://thedefensepost.com/2020/01/23/netherlands-denmark-frigates-french-persian-gulf-mission-emasoh/amp/?__twitter_impression=true

  5. @Flehnert: Welcher Schiffstyp sich eignet hängt vom Einsatzzweck ab. Wenn man auf Distanz zur iranischen Küste ein möglichst effektives Schutzschild gegen Raketenangriffe aufbauen will, sind die Zerstörer und AAW-Fregatten mit ihren vielen VLS-Zellen natürlich optimal. Ähnliches gilt natürlich für die U-Boot-Abwehr.
    Wenn man allerdings den ursprünglichen Gedanken des Konvoi-Schutzes per Begleitung der Tanker mittels Kriegsschiffen sieht, sieht das aus meiner Sicht ganz anders aus. Bisher hat der Iran dort Hubschrauber fürs Boarding sowie kleine schnelle Boote eingesetzt. Wohl überwiegend mit Maschinengewehren, RPGs oder kleinkalibrigen Rohrwaffen ausgestattet. Für deren Abwehr im Nah-und Nächstbereich in der Enge der Straße von Hormuz mit gleichzeitig hohem Schiffsverkehr sind die F125 und die K130 meiner Ansicht nach sogar besser geeignet als die Zerstörer der anderen Marinen. Die zwei RAM-Starter pro Schiff sind ein echt deutscher Vorteil. Die MLG27 im Nächstbereich sind da sicher auch nicht zu verachten. Die F125 kann mit zwei Hubschraubern mindestens so viele in Luft bringen wie die anderen Fregatten und Zerstörer. Die K130 ist für den Einsatz in Küstengewässern ausgelegt und verfügt neben der hohen Wendigkeit auch über alle Aufklärungsmittel sofern endlich mal Drohnen zum Einsatz kommen. Wohl nicht zum Einsatz kommen sollten die durchaus vorhandenen Möglichkeiten auch an Land zu wirken (Kaliber 127 der F125 (hier solle gleich die Vulcano-Munition eingeführt werden) und die RBS15 der K130. Auch darüber verfügt bei weitem nicht jeder Zerstörer und jede AAW-Fregatte.

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