Wir machen Soldaten: Finnlands Reservistenarmee als Abschreckungsinstrument

Keine zehn Kilometer Luftlinie vom Hauptbahnhof Helsinki entfernt sind die harten Schüsse von Sturmgewehren zu hören. Soldaten der finnischen Armee, den dunkelgrünen Kampfanzug mit zusätzlicher Tarnung  ergänzt, robben durch die Küstenlandschaft der kleinen Insel Santahamina nahe der Hauptstadt Finnlands. Dauerhaft tragen die wenigsten von ihnen die Uniform: Wie praktisch keine andere Nation in Europa setzt das – bevölkerungsmäßig kleine – nordische Land auf ein System von Wehrpflicht und Reservisten, das die Streitkräfte im Kriegsfall von 12.300 Berufssoldaten Friedensstärke auf 280.000 Männer und Frauen unter Waffen bringt.

Oberst Rainer Kuosmanen, stellvertretender Kommandeur des auf Santahamina stationierten Garde-Jägerregiments, hat für die Aufgabe seines Regiments deshalb auch eine zunächst merkwürdig klingende Bezeichnung. Troop Production, Soldaten herstellen, nennt der Offizier als wichtigsten Auftrag. Soldaten, die ausschließlich für die Landesverteidigung ausgebildet werden und bereit stehen – und für die Finnen so etwas wie der Garant ihrer Unabhängigkeit sind.

21.000 Wehrpflichtige schleusen die finnischen Streitkräfte jedes Jahr durch ihre Ausbildungseinrichtungen. Hinzu kommen 18.000 Reservisten, die im Rhythmus von drei bis fünf Jahren ihr Training auffrischen. Die Wehrpflicht gilt nur für Männer, und etwa 70 Prozent eines Jahrgangs werden eingezogen. Vor 25 Jahren, erinnert sich Kuosmanen, waren es allerdings noch 90 Prozent.

Zwischen 165 und 347 Tagen, also zwischen einem und einem halben Jahr, dauert der Wehrdienst für die jungen Männer. Fast die Hälfte der Wehrpflichtigen bleibt ein Jahr, ein gutes Drittel ein halbes. Wie lange jemand tatsächlich Dienst leisten muss, hängt von der vorgesehenen späteren Verwendung ab – und wird vom Militär festgelegt. Reserveoffizieranwärter, aber auch Kraftfahrer können schon automatisch damit rechnen, ein Jahr bei der Truppe zu bleiben, ehe sie in den Reservistenstatus wechseln, der bis zu ihrem 60. Lebensjahr dauert.

Auf Nachfrage widerspricht der stellvertretende Regimentskommandeur vehement der Ansicht, eine Wehrdienstdauer sei erst ab einem Jahr sinnvoll. Das sehe ich nicht so, sagt Kuosmanen trocken und verweist auf die Erfolge, die finnische Rekruten bereits nach fünf Monaten im Nachtkampf vorweisen könnten.

Dabei hat sich für das finnische Heer als Reaktion auf die russische Annexion der Krim und die Entwicklung in der Ostukraine einiges geändert. Während Luftwaffe und Marine, technisch bedingt, schon länger auf einem hohen Bereitschaftsstand waren, führten auch die Landstreitkräfte in den vergangenen vier Jahren eine neue Bereitschaftsstruktur ein – unterschieden nach Regionalkräften, Territorialkräften und Einheiten für Offensivoperationen.

Für den gigantischen Aufwuchs der Streitkräfte auf das mehr als zwanzigfache (bezogen auf die Berufssoldaten) oder auch nur das sechsfache (eingerechnet die im Frieden verfügbaren Wehrpflichtigen und übenden Reservisten) hält vor allem das Heer eine Unmenge an Gerät bereit. 200 Leopard-Kampfpanzer, je 100 der Typen 2A6 und 2A4, stehen ebenso in den Depots wie 100 Schützenpanzer des schwedischen Typs CV9030 und 100 russische BMP-2. Von den Hägglunds-Überschneefahrzeugen, wie sie auch die Gebirgsjäger der Bundeswehr nutzen, hat das finnische Heer 1.000 Stück. Hinzu kommt eine Vielzahl an Artillerie, vom Multi Launch Rocket System (MLRS) bis zur 155mm-Haubitze – letztere wie vieles im finnischen Inventar gebraucht gekauft.

Das Garde-Jägerregiment ist in einem Kriegsfall zuständig für die Verteidigung der finnischen Hauptstadt – und stellt sich darauf nicht nur im Training, sondern auch bei der Ausrüstung ein. Leichte, mobile Infanterie mit genügend Feuerkraft sei gefragt, sagt Oberst Kuosmanen. Zum Beispiel die 120mm- und 81mm-Mörser. Allerdings sind die Finnen einem Trend anderer westlicher Streitkräfte auch für ihre leichten Infanteriekräfte nicht gefolgt: Standardwaffe ist das Sturmgewehr 95 im Kaliber 7,62mm. Den Umstieg auf das Kaliber 5,56mm habe das waldreiche Land bewusst nicht mitgemacht: Gerade in der dichten Vegetation werde alle Durchschlagskraft gebraucht, die die Waffe bringen könne.

Die Einstellung des kleinen nordischen Landes auf eine massive Bereitschaft zur Verteidigung ist in der Gesellschaft verankert – und hat viel mit Geschichte und Geographie zu tun. Der Wille, Finnland zu verteidigen, ist sehr stark, sagt Oberst Kuosmanen. Wir kennen das Gelände, wir sind gut ausgebildet und gut ausgestattet. Zu der Festlegung auf die Landesverteidigung gehört auch, dass Auslandseinsätze für die finnischen Streitkräfte praktisch keine Rolle spielen: Rund 400 Soldaten gehen jedes Jahr in Missionen zum Beispiel der Vereinten Nationen, aber in der Regel als einzelne Spezialisten.

Die Präsentation, die der Oberst ausländischen Journalisten gibt, schließt mit der Aussage: Trust to our defence capabilities – recognized also in neighboring countries (Vertrauen in unsere Verteidigungsfähigkeit – auch von unseren Nachbarn anerkannt). Welcher Nachbar gemeint ist, aber in diesem Zusammenhang nicht beim Namen genannt wird, ist klar: Schweden im Westen wohl kaum. Der große Nachbar Russland im Osten, der soll das Signal bekommen: Das kleine Finnland wäre in einem Kriegsfall ein harter Brocken – wie vor Jahrzehnten im Winterkrieg.

Dabei setzt das EU-, aber eben nicht NATO-Mitglied Finnland politisch auf ein gutes Verhältnis zum großen östlichen Nachbarn. Das Land habe bessere Beziehungen zu Moskau als viele andere EU-Staaten, sagt Verteidigungsminister Antti Kaikkonen. Aber das sei doch auch ein Vorteil für die EU. Dass Russland erst seit kurzem eine neue Hubschrauber-Basis auf einer Insel vor der Küste Finnlands plant, möchte der Minister dennoch lieber nicht kommentieren: Es ist russisches Gebiet, also können sie auch selbst entscheiden, was sie damit machen.

Nachtrag – Lesestoff, der thematisch dazu passt, vom polnischen Centre for Eastern Studies:

The northern tandem. The Swedish-Finnish defence cooperation

(Offenlegung: Im Rahmen der finnischen EU-Präsidentschaft wurde ich vom finnischen Außenministerium eingeladen, das die Kosten für Flug, Hotel sowie die CO2-Ausgleichsabgabe für den Flug übernommen hat)

66 Gedanken zu „Wir machen Soldaten: Finnlands Reservistenarmee als Abschreckungsinstrument

  1. Die FIN Auffassung zur Landesverteidigung der REGIERUNGEN und die Einstellung der Bevölkerung dazu hierzulande
    – wünschenswert? Ja.
    – realistisch? Nein.
    „Die Einstellung des kleinen nordischen Landes auf eine massive Bereitschaft zur Verteidigung ist in der Gesellschaft verankert – und hat viel mit Geschichte und Geographie zu tun“. 
    „Der Wille, Finnland zu verteidigen, ist sehr stark“, sagt Oberst Kuosmanen.
    Damit kann das evtl Thema „Von den Finnen lernen?“ ad acta gelegt werden, Analogien bestehen nicht.

  2. Das hatten wir alles auch einmal nebst der erforderlichen Infrastruktur und Organisation.

  3. @KPK
    Es gibt auf absehbare Zeit für Deutschland keine militärische Bedrohung (von Cyber und InfoOps einmal abgesehen). Wir sind kein Frontstaat mehr aber inzwischen eine eher wehrunwillige, postheroische Gesellschaft.

    Allerdings scheint auch unsere militärische Führung in Bezug auf die Notwendigkeit einer robusten Aufwuchsfähigkeit der Bw im Krisenfall nicht so recht überzeugt zu sein. Hieß es erst, daß dies überhaupt nicht notwendig sei so plant man jetzt mit ca. 50.000 Soldaten, die über die Jahre generiert werden sollen. Daß auch diese Zahl zu gering ist und insbesondere die geschaffenen Stellen nicht bedarfsgerecht besetzt werden (gebraucht werden für den HNS und Aufgaben im rückwärtigen Gebiet eine hohe Zahl an Wach- und Sicherungssoldaten, FJg, und nicht nur Verstärkungsreserve) läßt m.E. tief blicken.

    Davon ab: die baltischen Staaten haben sicher unsere Sympathie, bei Polen bin ich mir da schon nicht mehr so sicher.

  4. @T.W.
    „Dabei hat sich für das finnische Heer als Reaktion auf die russische Annexion der Krim und die Entwicklung in der Ostukraine einiges geändert.“

    Ich sage Ihnen ganz offen, dass das ständige „Herrunterbeten“ der Krim-Geschichte langsam für jeden sachlich denkenden Fachmann wirklich „ausgelustscht“ ist. Eine Debatte über die wirklichen Krimhintergründe wollen Sie ja nie zulassen hier. Und jetzt benutzen Sie das Argument selbst.
    – Die Krimbewohner wollten zu 90 Prozent zu Russland gehören. Kein einziger Mensch kam bei der „gewaltsamen Annexion der Krim“ zu Schaden, im Gegensatz übrigens zu den Gelbwestenprotesten in Paris.
    – Kein unabhängig denkender Mensch kann doch eine ernsthafte Analogie zwischen Finnland und der Krim ziehen. Das ist doch geradezu absurd.

    „Dabei setzt das EU-, aber eben nicht NATO-Mitglied Finnland politisch auf ein gutes Verhältnis zum großen östlichen Nachbarn.“
    Das ist doch sehr positiv und bestätigt meine obige Bewertung. Das machen die Finnen richtig so!

    „Dass Russland erst seit kurzem eine neue Hubschrauber-Basis auf einer Insel vor der Küste Finnlands plant, möchte der Minister dennoch lieber nicht kommentieren: Es ist russisches Gebiet, also können sie auch selbst entscheiden, was sie damit machen.“

    Da hat er doch vollkommen Recht, der finnische Minister. Die NATO macht doch auf eigenem Gebiet auch was sie will und nimmt keinerlei Rücksicht auf russische Befindlichkeiten.

    Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass ein Konflikt mit Russland zwar faktisch nicht wirklich sein muss, aber mit aller Gewalt wird er herbeigeschrieben, warum auch immer. Außer der westlichen Rüstungsindustrie gibt es nur Verlierer in diesem künstlich geschaffenen Konflikt!!

    [Ich hab‘ schon mehrfach deutlich gemacht: Ihre Meinung ist Ihre Meinung. Aber dieses wiederholte Anpissen nach dem Muster „Sie wollen die echte Debatte ja nicht zulassen“ geht mir langsam wirklich auf den Keks. Wenn Sie der Ansicht sind, dass ich hier brutal zensiere und unerwünschte Meinungen ausgrenze, verwirklichen Sie sich bitte woanders. T.W.]

  5. Zum Thema Verteidigungswille – es gibt da ein interessantes Buch: „Wir Weicheier. Warum wir uns nicht mehr wehren können und was dagegen zu tun ist“ von Martin van Creveld.
    Man muss sicher nicht in allem mit dem Autor konform gehen, aber lesenswert ist es auf jeden Fall.

    [Na ja. Literatur, wie geil doch die Wehrmacht war, gibt es ja genügend. Hat ja auch super geklappt. Mit anderen Worten: Bei diesen ganzen Wehrwillen-Propagandisten rate ich ein wenig zur Vorsicht. T.W.]

  6. @T.W., 00:11 Uhr:
    Fehlschuss, Herr Wiegold. Ich bin keiner von der „Die Wehrmacht war geil“-Fraktion. Darum geht es hier nicht. Aber ich sehe – wie oben offenbar auch Herr Kaikowsky – wirklich kaum noch Bereitschaft bei der deutschen Bevölkerung, notfalls das Land zu verteidigen, oder auch nur das Geld dafür zu bewilligen. Meist wird ja sogar angezweifelt, dass es überhaupt eine ggf. militärisch zu bekämpfende Bedrohung gibt. Und ich bin jemand, der zum Beispiel einen Bekannten hat, der viel mit jungen Leuten zu tun hat und der sagt, die achtzehnjährigen (Männer, Frauen weniger) sind nicht mehr so wie sie es vor zwei, drei Jahrzehnten noch waren. Die brauchen heute Mama, die die Entscheidungen für sie trifft. Ich weiß, das ist eine Pauschalisierung. Aber der Trend ist da und das macht mir Sorge.

  7. Während andere europäische Nationen effektiv an ihren Streitkräften arbeiten grüßt bei uns täglich das Murmeltier: Die Flugbereitschaft ist mal wieder ligengeblieben. Der Bundespräsident kam zu spät nach Polen.

    Das Wort „Vollausstattung“ mag man garnicht mehr erwähnen (ok, Vollausstattung mit Umstandsuniformen ist erreicht, das will man nicht verschweigen, aber man muß Flipflops dazu tragen, weil das Soll an Kampfstiefeln frühestens 2024 erfüllt wird). Faktoid zur finnischen Luftwaffe: Sie fängt jedes Flugzeug ab, das unerlaubt in ihren Luftraum eindringt, tags, nachts, im Sommer und im Winter. „Minimal“ und „abwarten“ gibt es nicht, sowie ein Flugzeug unerlaubt in ihren Luftraum kommt, sind finnische Abfangläger zur Stelle. Ein klares Signal an den russischen Nachbarn, daß man friedlich, aber jederzeit abwehrbereit ist.

    [Hm, auf die Kampfschuh-Nummer bin ich nicht eingestiegen, weil das in meinem Urlaub war – würde das aber differenzierter betrachten und das Narrativ der Badelatschen-Armee nicht unterstützen… T.W.]

  8. Dankeschön,
    ich bin mit einer Finnin verheiratet und selber Reservist. Die Tischgespräche in der Familie möchte ich nicht wiedergeben…

  9. @Mitleser sagt: 01.09.2019 um 10:22 Uhr
    Man kann Dinge sachlich betrachten, aber man kann Dinge auch hochspielen.

    1. Flugbereitschaft: Nach meinem Kenntnisstand aus der Berichterstattung ist der BPr mit einer Ersatzmaschine geflogen. Also etwas was es täglich in jeder zivilen Fluglinie auch gibt.

    2. Jeder DEU Sdt hat bereits jetzt ausreichend Stiefel um seinem Auftrag nachzukommen. Da gibt es keine Problem. Was sich verzögert ist lediglich die Ausstattung mit zusätzlichen Stiefeln, bzw. der Abschluss Umstellung auf das neue Stiefelkonzept. Da wir hier über eine querschnittliche Maßnahme sprechen heisst das also im Ergebnis, dass irgendwelche Stabstäter (wie z.B. derzeit meinereiner) etwas später die neuen Stiefel bekommen, die sie sowieso selten anziehen, weil sie sie in ihrer Verwendung kaum brauchen.

    3. Ich denke nicht, dass DEU seinen Luftraum nicht ebenfalls effektiv uns konsequent schützt.

    Noch was?

    Oh ja, die Welt ist nicht perfekt. Schade.

  10. @ Pete
    Dabei setzt das EU-, aber eben nicht NATO-Mitglied Finnland politisch auf ein gutes Verhältnis zum großen östlichen Nachbarn.“
    Das ist doch sehr positiv und bestätigt meine obige Bewertung. Das machen die Finnen richtig so!

    Haben Sie schon mal darüber nachgedachte, warum dieses EU-Mitglied die Sanktionspolitik mit trägt?
    Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum RU in Sachen Krim nur Lügen verbreitet hat, die später süffisant zu gegeben wurden.

  11. @T.W.
    „Wenn Sie der Ansicht sind, dass ich hier brutal zensiere und unerwünschte Meinungen ausgrenze, verwirklichen Sie sich bitte woanders.“

    Sehr geehrter Herr Wiegold, bei aller Wertschätzung,
    – Ich bin überrascht über Ihre schroffe Antwort. Über „brutale Zensur“ und das „Ausgrenzen unerwünschter Meinungen“ habe ich nicht geschrieben.
    – Ich habe über einen einzigen Themenkomplex (Krim) geschrieben, den Sie in meinen Augen in der Tat nicht behandelt haben wollen. Das ist nach wie vor mein Eindruck. Aber es ist eben auch nur meine Meinung. Die muss ja nicht von Allen geteilt werden. Ich erhebe auch keinen Anspruch darauf, diesbezüglich „richtig“ zu liegen. Wie gesagt, nur meine Meinung/Wahrnehmung, nicht mehr und nicht weniger.
    – In meinen Augen habe ich Sie nicht „wiederholt angepisst“. Und wenn ich Ihnen auf den „Keks gehe“ dann tut mir das leid für Sie.
    – In einem Blog wie AG sind kontroverse Debatten aus meiner Sicht „das Salz in der Suppe“. Ansonsten könnten wir ja einfach auf die webpage der Bundeswehr gehen.
    – Meine Wahrnehmung ist, dass ich immer versucht habe mit sachlichen Argumenten meine Positionen zu vertreten. Auf Vorwürfe wie „auf den Keks“ gehen und „Anpissen“ kann ich allerdings argumentativ nur schwer etwas erwidern.

  12. Verstehe nicht, wieso „die Bereitschaft bei der deutschen Bevölkerung, notfalls das Land zu verteidigen“ heute geringer sein soll, als damals. Nur weil irgendwelche Autoren Bücher darüber schreiben oder Bekannte der Meinung sind oder ähnliches?
    1. Die etwas reifere Generation hat schon immer die Jugend für unfähig/verweichlicht gehalten, so war das schon zur Zeit des römischen Reiches.
    2. Irgendwelche jugendlichen Bekundigungen, man würde natürlich im V-Fall zu den Waffen greifen, erledigen sich dann doch ziemlich schnell wenn der Fall eintrifft. Da ändert sich die Perspektive ziemlich schnell.
    Somit kann für mich über keine Nachkriegsgeneration ein Urteil zum Thema „Wille zur Landesverteidigung“ getroffen werden.

    Zum Thema Krim/Russland (@Pete):
    Russland hat bewaffnete Soldaten/Geheimdienstler auf die Krim geschickt und deren Herkunft zunächst geleugnet, Schiffe der Ukraine versenkt und Kasernen blockiert -> Für mich ist das klar ein terroristischer Akt und die abgehaltenen Wahlen durch den Druck auf die Bevölkerung somit ungültig.
    Ein Dialog und eine hoffentlich damit einhergehende Entspannung Richtung Osten wäre sehr wünschenswert, ich zweifle mittlerweile aber klar am Willen Putins, da dieser sich bei der aktuellen Lage viel besser präsentieren kann. Bin gespannt, wie sich diese Thematik entwickelt, wenn Putin in Rente ist…

  13. @Pete
    „… mit aller Gewalt wird er [Konflikt mit RUS] herbeigeschrieben …“
    Zunächst, „Konflikt“ ist:
    1. Von einem Konflikt spricht man, wenn Interessen, Zielsetzungen oder Wertvorstellungen von Personen, gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen oder Staaten miteinander unvereinbar sind oder unvereinbar erscheinen.
    2.  Eine durch Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen, Interessen o. Ä. entstandene schwierige Situation, die zum Zerwürfnis führt.
    3. Mit kriegerischen Mitteln ausgetragene Auseinandersetzung zwischen Gegnern. [alles gekürzt nach Wiki]
    Unter Zugrundelegung von 1. befindet sich die NATO, abgeschwächt auch die EU, in einem Konflikt mit einem Russland putinscher Prägung, „herbeigeschrieben“ werden muss dazu nichts. Konflikte in diesem Sinn prägen nicht nur das politische Tagesgeschäft, sie sind vorausschauender Bestandteil der strategischen Aufstellung von Staaten. Mittel zu deren Lösung stellen diplomatische Anstrengungen dar, nichts anderes vollzieht sich im westlichen Umgang mit RUS, dass Putin sich mit Cyber-Mitteleinsatz gegensätzlich verhält, nehmen wir zur Kenntnis und sind gesprächsbereit. – Wie heute früh vermeldet wird, mit gewissem Erfolg, die UKR Seeleute des Kertsch-Kidnappings kommen frei – Diplo-Leistung.
    Zu 2. Muss höllisch aufgepasst werden, ein wirkliches Zerwürfnis kann zu 3. hinführen.
    Was Sie unterstellen, ordne ich bei 3. ein und stelle fest, niemand will Konflikt im Sinn von Krieg, auch ein Putin nicht. Ebenso wenig schreibt/redet dergleichen jemand herbei. Aber, dadurch sind wir von mil Wachsamkeit nicht entbunden!
    Und, berechtigte Angst vor Krieg darf nicht zu Konfliktscheue führen, darf bestehende Konflikte nicht negieren, muss sie annehmen und diskutieren. Ein Westen, in erster Linie Europa, einer evtl Konfliktscheue folgend zur Einhegung des RUS Bären wird auf lange Sicht das Gegenteil erreichen, den Kotau aus Angst vor Auseinandersetzung.
    Besonders am heutigen 01. September muss hauptsächlich Deutschland erkennen, das der Chamberlain’sche Ansatz von Politik DEN Konflikt im Sinne von 3. erst ermöglichte.

  14. @Pete

    Sorry für meine harsche Reaktion. Aber dass sich eine erneute wiederholte schon wieder Debatte ausschließlich daran entzündet, dass ich den Begriff des Auswärtigen Amtes „Annexion der Krim“ gebrauche – das finde ich schlicht überzogen.

    @all

    Die seit ca. 5 Jahren andauernde Debatte über die Bewertung des russischen Vorgehens ist zwar inhärenter Grund für die in dem obigen Beitrag geschilderten Entwicklungen. Dennoch bitte ich darum, diesen Thread nicht für die erneute wiederholte schon wieder Debatte zu kapern.

  15. Finnland verfügt über ein funktionierendes Gesamtverteidigungskonzept (total defence) und hat die Konzeption der Landstreitkräfte (erneut) auf die flexible Raumverteidigung ausgerichtet:

    https://youtu.be/foipv7iVP-c

    Daraus leiten sich sowohl die Reservistenkonzeption als auch die Beschaffungsplanung ab.

    Historisch und kulturell bedingt hat die Landesverteidigung in Finnland einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Am ehesten wohl noch vergleichbar mit Polen und den baltischen Staaten.

    Gleichwohl könnte man in Deutschland hieraus einiges lernen, insbesondere wenn fortlaufend von Landesverteidigung als Bündnisverteidigung die Rede ist.

  16. Neulich gab es auf Zeit.de zum Thema „Putins gefährlicher Bonsai-Haushalt“ (kein Link wegen Law-Wall) einen Artikel zur vorsätzlich falschen Darstellung des russischen Verteidigungshaushaltes. Darin wurde wurde aufgeschlüsselt daß der russische Verteidigungshaushalt dramatisch runtergerechnet wird um im geheimen grosse Militärfähigkeiten aufzubauen. Zusammen mit einem älterem Artikel aus der Washington Post (kein Link wegen Pay-Wall) ergibt sich grob gesagt folgendes Bild:

    Rußland gibt mindestens 100% wenn nicht 250% mehr aus als in den offiziellen Verteidigungsausgaben angegeben, d.h. 125 bis 210 Milliarden Dollar.

    Warum macht Putin das und noch dazu geheim? Ein Abschreckungspotential stellt das nicht dar denn Geheimnisse schrecken nicht ab.

    Zu der einen Million aktiver Soldaten kommen 2,5 Millionen Reservisten, 3,5 Millionen aktive Mitglieder von paramilitärischen teilstaatlichen Organisationen – z.B. Jugend- und Heimatorganisationen bei denen bereits zwölfjährige wie in der HJ gedrillt werden – und 23 Millionen regelmässig staatlich nachgeprüfte Zivilisten mit militärischer Grundausbildung die nach Aufwuchsfähigkeiten erfaßt werden. Dazu kommen 28.000 gepanzerte Fahrzeuge (vom APC bis zum MBT) und aberwitzige Mengen anderen Militärmaterials.

    Das sind Zahlen mit denen Rußland die gesamte NATO übertrifft, in Teilbereichen sogar um ein mehrfaches. Rußland ist mit weitem Abstand das militaristischeste Land aller Zeiten.

    Mit dieser Schlagkraft kann die russische Armee binnen zwei Wochen bis Lisabon durchmarschieren, gerade wenn der wichtigste Frontstaat des Tages Drei mit zehn Jahren Vorwarnzeit rechnet (und ja, das ist Deutschland).

    Finlands realistisches Herangehen ist zu begrüsen.

    (Offtopic, an der Stelle fasse ich mir grade ans Hirn. Auf Sputnik und Breitbart kann man problemlos Links setzen aber die Mauermentalität der normalen Medien macht normale Quellenangaben kaum noch möglich. Ratet mal welche Beiträge daher in Foren besser zu Geltung kommen… Mauermentalität…)

  17. @T.W.
    „Sorry für meine harsche Reaktion. Aber dass sich eine erneute wiederholte schon wieder Debatte ausschließlich daran entzündet, dass ich den Begriff des Auswärtigen Amtes „Annexion der Krim“ gebrauche – das finde ich schlicht überzogen.“

    Einverstanden. Nur ein letzter Satz zu dem Thema. Dieser Konflikt um die Krim ist die zentrale Begründung für alle großen Rüstungsanstrengungen der NATO/EU. Daher wird dieser Konflikt immer eine Rolle spielen bei allen Rüstungsanstrengungen des „Westens“. Lassen Sie mich hinzufügen, dass JEDER Konflikt eine Vorgeschichte hat, ohne die der Konflikt nicht zu verstehen ist. Das führt mich zu
    @ Klaus-Peter Kaikowsky
    „…Was Sie unterstellen, ordne ich bei 3. ein und stelle fest, niemand will Konflikt im Sinn von Krieg, auch ein Putin nicht…“

    – Zunächst vielen Dank für die Klarstellung des Begriffs „Konflikt“. In der Tat habe den von Ihnen genannten 3. Aspekt dieses Begriffes im Auge gehabt bei meinen Ausführungen.
    – Sie haben darauf hingewiesen, dass „auch ein Putin“ keinen Krieg will. Ich stimme Ihnen zu. Dies gibt uns doch eine sehr gute die Möglichkeit die vorhandenen Konflikte (unterhalb der Schwelle Krieg) zu lösen. Meine Beiträge sollen in diesem Sinne verstanden werden. Ich bin kein Pazifist, der Verteidigung/Abschreckung ablehnt.

    „Ebenso wenig schreibt/redet dergleichen jemand herbei.“
    – Mit dem „Herbeischreiben“ des Konfliktes meinte ich den 3. Aspekt (Krieg). Und im Grunde haben Sie meinen Gedanken mit anderen Worten – eventeuell sogar verständlicher als ich – mit den folgenden Worten ausgedrückt: „Zu 2. Muss höllisch aufgepasst werden, ein wirkliches Zerwürfnis kann zu 3. hinführen.“
    Das „zu 3. hinführen“ ist auch meine Sorge.

    „Aber, dadurch sind wir von mil Wachsamkeit nicht entbunden!…“
    – Damit bin ich zu 100 Prozent bei Ihnen. Glaubwürdige Abschreckung durch gesicherte Verteidigungsbereitschaft ist immer geboten bei einem potenziellen Gegner der Größe und Stärke Russlands.
    – Aber das gilt umgekehrt eben auch. Die NATO/EU ist in der Perzeption Russlands eben auch ein potenzieller Gegner und erfordert daher ebenfalls eine russische Abschreckung durch glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit. In einer solchen Situation muss es auf beiden Seiten in der Tat das Ziel sein – wie Sie richtig festgestellt haben – „höllisch auf zu passen“, dass „ein wirkliches Zerwürfnis (nicht) zu 3. hinführt.“

  18. Zum Thema „Bereitschaft zur Verteidigung – Finnland vs. Deutschland“:

    Zitat aus dem Artikel: „Der Wille, Finnland zu verteidigen, ist sehr stark, sagt Oberst Kuosmanen. Wir kennen das Gelände, wir sind gut ausgebildet und gut ausgestattet. Zu der Festlegung auf die Landesverteidigung gehört auch, dass Auslandseinsätze für die finnischen Streitkräfte praktisch keine Rolle spielen“

    Wichtig ist nicht nur der erste, sondern auch der letzte Satz. Was in Finnland stark ist, ist die Bereitschaft der Finnen, Finnland im bekannten Gelände, in den eigenen Grenzen zu verteidigen. Der Wille, Finnland am Hindukusch zu verteidigen, ist aber offenbar gar nicht stark.

    Den Bürgern in Deutschland wurde hingegen jahrzehntelang erzählt, Deutschlands Verteidigung erfolgt am Hindukusch oder sonst wo weit weg. Angesichts der überschaubaren Erfolge ist es mittlerweile mehr als nachvollziehbar, dass der Wille der Bürger, bei dieser Art von Verteidigung selbst mitzumachen oder Geld dafür bereitzustellen – nun ja, – sich in Grenzen hält.

    Und das ist der Punkt, wo man von den Finnen lernen kann: wenn Verteidigung konsequent als Landesverteidigung gedacht wird, ist die Bereitschaft zur Verteidigung durchaus hoch. Ich sehe keinen Grund, dass dies in D wirklich sehr viel anders wäre als in Finnland – wenn man es denn so angeht, wie die Finnen.

  19. @KPK, 12:27 Uhr: Ganz meine Meinung, vor allem die letzte Sätze. Appeasement wäre/ist gefährlich. Man stirbt da leicht aus Angst vor dem Tod.

    Einige Autoren oben haben schon die zehn Jahre Vorwarnzeit erwähnt (die wir auch meiner Meinung nach bei weitem nicht wirklich haben).
    Die Zeithorizonte sind etwas, das die Regierung – und das Parlament – viel öfter und stärker erklären müsste. Dass die Planung für Ausrüstung, die in zehn oder zwanzig Jahren in der Truppe verfügbar sein soll, genau heute geplant, entwickelt und bestellt werden muss, versteht kein normaler Bürger. Für Personal und Ausbildung gilt ähnliches.
    Daher kommt meiner Meinung nach die Ablehnung von höheren Verteidigungsausgaben in großen Teilen der Bevölkerung, dass viele Leute sagen (und ich führe oft solche Diskussionen): „Das können wir doch anschaffen, wenn wir es brauchen. Im Moment bedroht uns ja niemand“. Dieser gefährliche Irrtum gehört in der öffentlichen Diskussion über Sicherheitspolitik und Rüstungsausgaben viel stärker erklärt.
    Die Finnen denken da offensichtlich weiter als wir.

  20. @ Wait&C zum „Zeit“-Artikel „Putins gefährlicher Bonsai-Haushalt“:

    Nun ja, die angenommenen/geschätzten tatsächlichen russischen Militärausgaben von 125-210 Mrd. US-$ stellen ja auch nur einen Bruchteil der Verteidigungsausgaben der NATO (960 Mrd. $) oder der USA (650 Mrd. $) dar. Sie liegen auch deutlich unter den Ausgaben der europäischen NATO-Partner (290 Mrd $). Auch bei der Bevölkerung/Rekrutierungspotential (NATO: 933 Mio – RUS 144 Mio) und der Wirtschaftsleistung (BIP 2017: NATO: 38.000 Mrd $– RUS 1.600 Mrd $) ist das Verhältnis eindeutig.

    Und wenn man bei uns all die „paramilitärischen teilstaatlichen Organisationen – z.B. Jugend- und Heimatorganisationen“ zusammenzählt, von den Pfadfindern über die Freiwillige Feuerwehr bis zum Schützenverein, würde man auf ähnliche Größenordnungen kommen.

    Daher ist es völlig unklar, wie Sie zu dem Schluss gelangen:
    „Das sind Zahlen mit denen Rußland die gesamte NATO übertrifft, in Teilbereichen sogar um ein mehrfaches.“

    Denn genau das Gegenteil ist der Fall: in allen Bereichen (außer der Nuklearwaffen, wo Parität herrscht), ist die NATO allen anderen Ländern und Bündnissen überlegen, in Teilbereichen sogar um ein mehrfaches.

    Dass diese militärische Überlegenheit auch eine moralische Verantwortung begründet, steht auf einem ganz anderen Blatt.

  21. @Walter Eucken sagt: 01.09.2019 um 14:04 Uhr
    „Wichtig ist nicht nur der erste, sondern auch der letzte Satz. Was in Finnland stark ist, ist die Bereitschaft der Finnen, Finnland im bekannten Gelände, in den eigenen Grenzen zu verteidigen. Der Wille, Finnland am Hindukusch zu verteidigen, ist aber offenbar gar nicht stark.“

    Falsch. Finnland war an ISAF prominent beteiligt und ist es auch bei RSM. Mit zwar zahlenmäßig kleinen Beiträgen, aber inhaltlich signifikant. Ich selbst habe mit
    finnischen Kameraden in (leitender) Funktion zusammen „am Hindukusch“ gedient.

    „Den Bürgern in Deutschland wurde hingegen jahrzehntelang erzählt, Deutschlands Verteidigung erfolgt am Hindukusch oder sonst wo weit weg. Angesichts der überschaubaren Erfolge ist es mittlerweile mehr als nachvollziehbar, dass der Wille der Bürger, bei dieser Art von Verteidigung selbst mitzumachen oder Geld dafür bereitzustellen – nun ja, – sich in Grenzen hält.“

    Interessante Behauptung. Möglicherweise richtig. Möglicherweise falsch. Auf jeden Fall aber nicht am Beispiel FIN belegbar.

  22. @Resi:
    Das Problem mit Leuten wie Creveld ist, dass sie sich eine andere Gesellschaft wünschen, um die Kampfbereitschaft zu erhöhen. D.h. die Gesellschaft soll sich nach den Bedürfnissen der Kriegsführung und der Streitkräfte richten. Nicht die Kriegsführung und die Streitkräfte nach der Gesellschaft. Damit läuft formal deren Ansatz der Inneren Führung diametral entgegen und steht inhaltlich deren gewünschte Gesellschaftsform (patriarchal geprägt durch gewaltaffine Männer) ziemlich im Widerspruch zu unserer Gesellschaft.

    Nur als Beispiel ein Zitat von Creveld (über spartanat.com, „Die Guerillas sind besser“):
    „Wir sind schwach geworden. Das ist vielleicht das Geheimnis des Feminismus. Nicht umsonst ist Putin gegen den Feminismus. Die russischen Soldaten sind bereit, Dinge zu tun, die andere nicht mehr tun wollen oder können. Im Krieg braucht man nicht nur gute Technologie, sondern Leute, die bereit und fähig sind, Kehlen durchzuschneiden. Vielleicht haben die Russen heute die beste Armee.“

    Die Finnen haben anscheinend einen Weg gefunden, ihren Staat und ihre Gesellschaft zu verteidigen, der für sie passend ist.
    Dass Deutschland zum Teil noch auf der Suche ist, muss man gar nicht bestreiten. Aber dafür sollten wir nicht den erreichten Grad an Friedfertigkeit innherhalb unserer Gesellschaft über den Haufen schmeißen.
    Unabhängig davon zeigt der Blick auf die nackten Zahlen doch einen deutlichen Anstieg des Verteidigungshaushaltes von 2014 (32 Mrd) bis 2019 (43 Mrd). Also eine gewisse Bereitschaft zu finanziellem Engagement ist gegeben – ob ausreichend oder nicht, darüber können wir gerne diskutieren.

    @Pete: Zu ihrer Aussage „Die Krimbewohner wollten zu 90 Prozent zu Russland gehören.“ –> S. 17
    https://www.iri.org/sites/default/files/2013%20October%207%20Survey%20of%20Crimean%20Public%20Opinion,%20May%2016-30,%202013.pdf

  23. @Pete
    Sie sehen mich positiv überrascht, schön.
    Dennoch!
    Die „Perzeption Russlands“ sieht Putins Wort vom „Zusammenbruch der UDSSR als größter SiPo-Katasrophe des 20. Jahrhunderts“, …?
    Dann hat NATO allen Grund zur Sorge, womit wir wieder im Dissenz wären, denn ich unterstelle, er, Putin will zu alter Größe/Stärke/Einfluss zurück?

  24. @KB
    „@Pete: Zu ihrer Aussage „Die Krimbewohner wollten zu 90 Prozent zu Russland gehören.“ –> S. 17“

    – Herzlichen Dank für den Link. Ich werde nicht kommentieren, um nicht OT zu gehen.
    – Ich habe die S. 17 gelesen und verstanden. In meinen Augen kein Widerspruch zu dem, was ich geschrieben habe. Eine Erläuterung würde hier zu weit gehen.
    – Die Umfragung ist von 2013, also vor Maidan. Schauen Sie sich bitte die Seiten 14 und 15 an.

  25. Eine Wehrpflicht Armee ist immer günstiger und für die Aufgabe Landesverteidigung besser geeignet als ein stehendes Heer.
    Die Finnen pflegen eine Bewaffnete Neutralität mit enger Anlehnung an die NATO.
    Die Zeiten um der deutschen Bevölkerung eine Wehr-/Dienstpflicht zu verkaufen sind leider vorbei. Ein knappes Jahrzehnt ohne hat leider die Jugend bequem werden lassen.
    Die Ukraine war 2014 auch mitten in der Transformation zur kleinen professionellen Out of Area Einsatzarmee. Konnte dann nur halbwegs eine Frontlinie halten weil genug „Gediente“ Bürger an die Kasernentore geklopft haben oder Milizen gegründet haben. Heute 2019 sind sie wieder eine Vollwertige Wehrpflichtarmee.
    Für uns bleibt wohl nur der Weg, der geteilten Dienstzeit wie bei den USA. 2/3 der Dienstzeit aktiv dienen 1/3 dann in einer Reserveeinheit. Da wir heute eben kein Frontstaat mehr sind reichen auch 300.000 Soldaten die im Notfall der NATO oder EU unterstellen werden können. Man braucht auch keine Unmengen an Sicherungskräften, da die Front im Ernstfall im Baltikum/Polen/Finnland/Norwegen/Rumänien verlaufen würde. Deutschland kommt da ehr die Rolle des Logistik Knotenpunkts zu.
    Am Ende des Tages ist eigentlich nur eins entscheident, dass EU und oder NATO der Russischen Föderation schnell genug/ausreichend starke/durchhalte fähige/technologisch überlegene Truppen entgegen stellen kann.

  26. @K.B., 17:15:
    Natürlich ist das eine Gesellschaftskritik. Wenn zunehmender Pazifismus und mangelnde Kenntnis sicherheitspolitischer Grundlagen in der Bevölkerung dazu führen, dass wir uns nicht mehr verteidigen können, ist das eine gesellschaftliche Tendenz, die ich kritisiere. Eine Demokratie muss wehrhaft sein, nach innen, aber auch nach außen, sonst gerät sie leicht in existenzielle Gefahr. Demokratische Freiheiten verteidigt man gegen skrupellose äußere Gegner (typischerweise, aber nicht immer: Diktaturen ohne die uns selbstverständlich vorkommenden Freiheiten) letzten Endes nicht mit dem Hinhalten der anderen Wange.
    Dass man dazu eine militaristische Gesellschaft braucht, glaube ich nicht. Etwas mehr Wissen über die Zusammenhänge würde schon reichen. Aber wenn Schulleiter (Staatsbeamte wohlgemerkt!) sich weigern können, Jugendoffiziere der Bundeswehr in ihre Schulen zu lassen, weil die ja irgendwie für Krieg stehen und man ja schließlich für Frieden ist, dann läuft da was schief. Aber ich will hier nicht zu weit OT geraten. Gibt es solche Schulleiter auch in Finnland?

  27. @Resi
    Der Einwand mit dem Verteidigungswillen ist aber berechtigt. Bei Dürrenmat´s Romulus unterhalten sich Odoaker und der überrannte römische Kaiser über Hühnerzucht. Ich fürchte so ähnlich könnte das hier auch laufen. Die Mehrheit scheint eine mögliche Verteidigungssituation für weltfremd zu halten. Alle machen sich über die Bundeswehr lustig. Über den Grundgesetzauftrag der Bundeswehr wird gar nicht mehr geredet. Keiner denkt darüber nach, dass ein Panzer oder ein Jet nicht in vier Wochen zusammengeschraubt werden können.
    Kleine Versuche die Bundeswehr aufzuwerten werden im Keim erstickt. Wenn eine freie Bahnfahrt ermöglicht wird, soll es das für Buffdies auch geben …..
    Und vielleicht ist auch das finnische Modell ein Vorbild. Anders werden wir nie eine Verteidigungsfähigkeit erreichen, es sei denn über Europa.

  28. @ Walter Eucken

    Wenn Sie mit dem Spruch:
    „Und wenn man bei uns all die „paramilitärischen teilstaatlichen Organisationen – z.B. Jugend- und Heimatorganisationen“ zusammenzählt, von den Pfadfindern über die Freiwillige Feuerwehr bis zum Schützenverein, würde man auf ähnliche Größenordnungen kommen.“
    bei Pfadfindern und Feuerwehr ankommen, weiß ich nicht ob sie da nochmal hindürfen.

    Das finde ich ziemlich geschmacklos.

  29. @Klaus-Peter Kaikowsky
    „Die „Perzeption Russlands“ sieht Putins Wort vom „Zusammenbruch der UDSSR als größter SiPo-Katasrophe des 20. Jahrhunderts“, …?“

    – Ich kann das nicht kommentieren, weil ich nicht weiß, wann und in welchem Zusammenhang Putin dies so gesagt hat. Haben Sie da vielleicht eine Quelle?
    – Ich kann mich allerdings gut erinnern an die Rede Putins vor dem deutschen Bundestag. Die war durchaus selbstkritisch und er hat zum Schluß für eine „vollwertige Zusammenschaft und Partnerschaft“ mit der EU geworben.
    https://www.bundestag.de/parlament/geschichte/gastredner/putin/putin_wort-244966

    „Dann hat NATO allen Grund zur Sorge, womit wir wieder im Dissenz wären, denn ich unterstelle, er, Putin will zu alter Größe/Stärke/Einfluss zurück?“

    – Ich sehe keine Belege dafür, dass Russland/Putin den Wunsch hat oder die Fähigkeit besitzt die alte Sowjetunion wieder herzustellen.
    – Unabhängig davon habe ich bereits gesagt, dass ich für Abschreckung/Verteidigungsfähigkeit bin.
    – Dass Russland, wie jede andere Großmacht auch – dazu gehört übrigens auch die EU – versucht in den angrenzenden Regionen Einfluß auszuüben, ist ein Verhalten, das für große Mächte durchaus üblich ist. (Stichwort Monroe-Doktrin).

  30. @Pete
    In seiner Rede zur Lage der Nation im April 2005 bezeichnete der russische Präsident Wladimir Putin den Zerfall der Sowjetunion 1991 als „die größte geopolitische Katastrophe“ des 20. Jahrhunderts.
    Der politische Diskurs der Putin-Epoche, das nationale Spitzenthema: Der „Zerfall der Sowjetunion“, gewinnt an Bedeutung und wird Teil des Narrativs innenpolitischer Bedrohung aufgrund außenpolitischer Schwäche. Mittel zur Korrektur u.a. starke Streitkräfte. Aus anderer Quelle, wo russisch gesprochen wird, ist Russland, was direkt auf die Turkstaaten zielt: Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan!

    Laut Kyrill Rogow sei dabei [in der Rede] das Wort „geopolitisch“ zu beachten, welches dem modernen Russland außenpolitische Klischees der Sowjetzeit überstülpt, ff. Geografie, politische Bedeutung zurückzugewinnen Staatszielcharakter habe.
    Kyrill Rogov: https://www.rbc.ru/opinions/politics/04/02/2016/56b2f9ff9a7947866ab4c031
    Durchaus denkbar, dass Putin auf mehr nach seiner BT Rede hoffte und, enttäuscht, das Russentum zur Bindung der Bevölkerung in den Fokus nahm.

  31. In der Schweiz funktioniert das wie in Finnland.
    @T.W
    Wäre bestimmt bei Gelegenheit ein eigenes Thema wert.

  32. @Pete sagt: 01.09.2019 um 23:02 Uhr
    „– Dass Russland, wie jede andere Großmacht auch – dazu gehört übrigens auch die EU – versucht in den angrenzenden Regionen Einfluß auszuüben, ist ein Verhalten, das für große Mächte durchaus üblich ist. (Stichwort Monroe-Doktrin).“

    Der Unterschied ist nur, dass EU und NATO die Ukraine und das Baltikum und Polen und Rumänien nicht in Partnerschaft bzw. Mitgliedschaft zwingen.

  33. Die substanzielle „Troop production“ ist genau die wesentliche Fähigkeit, die der Bundeswehr seit Aussetzung der Wehrpflicht zuerst abhanden gekommen ist. Viele andere Probleme rühren davon her. Wer im Frieden wenige Soldaten braucht, aber in Konfliktzeiten gern Aufwuchsfähigkeit hätte, kommt um einen Grundstock an entsprechend ausgebildeten, wehrfähigen Soldaten nicht herum.

    Den Soldaten ohne Kosten (für sie) das Bahnfahren in Uniform zu ermöglichen ist vermutlich ein etwas hilfloses Agieren im denkbaren Maßnahmenspektrum, aber die Intention dahinter, Soldaten in Uniform, ihre Tätigkeit und die Grundlagen dafür wieder stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken, ist allemal löblich. Von daher ist auch sinnvoll, wenn man sich anschaut, wie andere Länder das handhaben. Das finnische Modell ist sicherlich nicht auf Deutschland übertragbar, aber das dürfte auch an Besonderheiten unserer Verfassungsvorgaben liegen, die in Finnland vielleicht auch aufgrund historischer Begebenheiten anders sein dürften.

    Aber trotzdem kann man ja von anderen lernen.

    @Pete:

    „Ich kann das nicht kommentieren, weil ich nicht weiß, wann und in welchem Zusammenhang Putin dies so gesagt hat.“

    Das ist das hauptsächliche Problem bei Ihren Diskussionsbeiträgen. Sie wissen anscheinend immer nur das, was Ihnen ins Narrativ passt, und blenden alles andere entweder aus oder zweifeln es unterschwellig an – z.B. durch Einfordern von Quellenbelegen.

    Um Ihre Neugier zu befriedigen: Es war eine im russischen Fernsehen übertragene Ansprache am 25. April 2005.

    Zweifellos hat Putin in der Folge auch gesagt, wer den Untergang der Sowjetunion nicht bedaure, habe „kein Herz“, wer sie jedoch wiederherstellen wolle, „keinen Verstand“. Das dürfte die Interessen etwas klarer beleuchten. Man trauert dem alten Ruhm und der internationalen Großmachtstellung hinterher, nicht jedoch den Unzulänglichkeiten und der Mangelwirtschaft. Das versteht natürlich auch Putin. Und deshalb verfolgt er mit seiner Politik sein Ziel, nicht die Sowjetunion wieder auferstehen zu lassen, sondern Russland machtpolitisch auf ihr altes Niveau zu heben.

    Das gelingt ihm freilich nur mehr schlecht als recht, wenn man sich den allgemeinen Lebensstandard in Russland und den Staaten der russischen Einflusssphäre so betrachtet. Es funktioniert auch mit Putins gelenkter Demokratie nicht wesentlich besser als zu Sowjetzeiten. Einige wenige schwelgen in maßlosem Luxus, ein großer Teil der Bevölkerung hat aber an wirtschaftlicher Entwicklung wenig Anteil, sodass lediglich die Identifikation mit dem Nationalstolz bleibt.

    Derartige Probleme sind beileibe nicht russlandspezifisch, die gibt es in Amerika genauso (siehe nur „Make America Great Again!“). Aber das allein sollte einen nüchternen Blick auf die Fakten nicht trüben.

    Wenn Sie den Vorwurf erheben, es würde ein Konflikt mit Russland „herbeigeschrieben“, so ist das vielleicht Ihre Sichtweise. Ich hingegen bin allerdings der Meinung, dass eine zutreffende Beschreibung eines Konflikts keinesfalls ein „herbeischreiben“ darstellt.

  34. @ ede144, 01.09.2019 um 21:54 Uhr, zum Thema „Pfadfinder, Freiwillige Feuerwehr, Schützenverein als paramilitärische teilstaatliche Organisationen: geschmacklos“

    Hier gibt es bestimmt ein Missverständnis. Das Thema des Artikels und der Diskussion sind doch Strukturen, in denen Bürger auch außerhalb des aktiven Vollzeit-Militärdienstes einen Beitrag zur Landesverteidigung leisten können, sowie die Motivation dafür.

    Und Pfadfinder, Freiwillige Feuerwehr, Schützenvereine haben zumindest in den historischen Wurzeln starke Bezüge zur Landesverteidigung. Und wenn diese Bezüge heute nicht mehr im Vordergrund stehen, so gilt trotzdem: hier werden Fähigkeiten zu gemeinsamem zielgerichteten und strukturierten Handeln in nicht-alltäglichen Situationen ausgebildet und regelmäßig beübt. Und diese Fähigkeiten gehören auch im militärischen Handeln zu den Kernkompetenzen.

    Und die Freiwilligen Feuerwehren mit ihrer vorhandenen Organisation und Infrastruktur und den ca. 1 Mio. Mitgliedern können im Bedarfsfall durchaus das Grundgerüst für ein Territorialheer in D stellen. Ersetze Strahlrohr durch MG-Rohr und Löschangriffsübung durch Gefechtsübung – fertig ist die „Troop Production“-Einheit, um das Stichwort von oben aufzugreifen. Und die Motivation der Mitglieder der FF, Gefahren von ihrem Wohnort abzuwenden, lässt sich im Ernstfall höchstwahrscheinlich auch auf Bedrohungen militärischer Art übertragen.

    Gut, das ist jetzt natürlich extrem plakativ und vereinfachend, doch kann ich an der grundsätzlichen Betrachtung dieser Organisationen im Kontext der Landesverteidigung an sich nichts Geschmackloses erkennen, sorry. Das sind nun mal die Realitäten.

  35. Zu dem Thema Territorialverteidigung in D gibt es einen lesenswerten Artikel im „Spiegel“:
    „Schlafendes Heer“ – allerdings vom 24.08.1970 :-)

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44904793.html (50 Jahre alt, also wahrscheinlich unproblematisch)

    In dem Artikel wird anhand einiger Beispiele die Aufstellung eines “neuen Territorialheeres“ in der damaligen (1970er Jahre) Bundesrepublik der beschrieben. Ein Zitat:

    „In den späten siebziger Jahren soll nach der Vorstellung von Schmidt die Bundeswehr womöglich aus zwei Elementen bestehen:
    * einem kleinen, schlagkräftigen Feldheer aus Berufs- und Zeitsoldaten,
    * einem milizähnlichen Territorialheer von kurz ausgebildeten Wehrpflichtigen, die über einen längeren Zeitraum hinweg alljährlich Reserveübungen ableisten.“

    Das wurde dann in der Bundesrepublik so nicht umgesetzt, doch im Prinzip haben den Finnen heute etwas sehr ähnliches.

    Weiter wird in dem Artikel unter dem Stichwort „Bundesbogenschützen“ auf die vergleichsweise magere Ausrüstung und Bewaffnung des Territorialheeres hingewiesen. Interessant auch – und wahrscheinlich der Knackpunkt für heute:

    „Die Heimatschützer sind ohnedies keine billigen Soldaten. Jedem verheirateten Reservisten zahlt der Staat während der Wehrübung 90 Prozent seines Einkommens. Ein im Zivilleben gut verdienender Gefreiter kann die Bundeswehr in zwölf Tagen Dienst bis zu 1000 Mark kosten.“

    Tja, mit 1000 Mark wird man heute nicht weit kommen ;-)

  36. Auch in Deutschland gibt es Überlegungen dazu, vor nicht allzu langer Zeit haben wir hier darüber diskutiert:
    https://augengeradeaus.net/2019/08/rueckkehr-zur-reserve-grundbeorderung-fuer-alle-ausscheidenden-soldaten/

    Das würde auch mit einer Berufsarmee funktionieren. Nur egal wie das Modell aussieht, es muss immer mit Ausbildung und unbedingt mit Material hinterlegt sein. Ansonsten hat es keinen Zweck und ist ein reiner Papiertiger.
    Dazu bräuchte man noch ein paar Erlasse und Gesetzesänderungen. Wenn ich mir ansehe, das heute schon manche Arbeitgeber die freiwilligen Feuerwehrleute, ohne die es auf dem Land nicht geht, nicht zum Einsatz lassen, dann muss da etwas passieren. Und dabei kann man die Reservisten gleich mit einbeziehen. Bei den Schwerbehinderten gibt es das, wer bei einer gewissen Betriebsgröße keine einstellt oder die Quote nicht erfüllt zahlt Schwerbehindertenausgleichsabgaben. Wenn das Preisschild hoch genug ist, dann funktioniert das auch.

  37. @Walter Eucken:

    Die Pfadfinderbewegung in eine Linie mit der Landesverteidigung zu stellen geht vielleicht in UK Oder in den USA. Aber die deutsche Pfadfinderbewegung kann dem nicht gleich gestellt werden (siehe Wandervogel-Bewegung etc.)

    Zum Thema: Der Verteidigungswille und die Fähigkeiten sind m.E. Selbst bei den Jahrgängen nur beschränkt vorhandenen, welche lange Wehrpflichtzeiten hatten. Außer vielleicht in Gesprächen in den Reservistentreffen. Aber wenn selbst in aktiven Reservistengemeinschaften faktisch keine körperliche Leistungsfähigkeit vorherrscht, finde ich die Aussage früher war mal mehr Verteidigungswille da, kritisch. Weil der bloße Wille (abgesehen vom Stammtisch) hat keinen großen Wert.

    Und solange an der EU-Grenze kein Abnutzungskrieg herrscht wo einfache Soldaten (wie mich mit 6 Monaten „Erfahrung“)„gebraucht“ werden, glaube ich, will mich kein professioneller Soldat in seiner Nähe haben und sich darauf – was ich Beim Bund mal gelernt haben sollte -verlassen.

  38. @HEL sagt: 02.09.2019 um 9:50 Uhr
    „Für die EU stimme ich zu, aber noch 1959 hat das NATO Mitglied USA das ehemals unabhängige Königreich Hawaii eingemeindet.“

    Es erschließt sich mir nicht, was die Frage der Zustimmung der indigenen Bevölkerung im Rahmen der innerstaatlichen US-Verfassungsstrukturen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts mit dem Konflikt zwischen RUS und dem Rest Europas/der NATO im in den 2010-Jahren zu tun hat.

    Ich belasse es mal mit der Feststellung, das nicht alles was hinkt auch ein Vergleich sein muss…

  39. Was den Verteidigungswillen betrifft, für meine Mitbürger und meine Heimat wäre ich schon bereit mich an der Verteidigung meines Landes und bedingt (*) von verbündeten Ländern zu beteiligen.
    Was ich auf jeden Fall ablehne, meine Haut für Bankster und andere großkapitalistische (**) Verbrecher zu riskieren.
    Was ich damit sagen will, stimmt der Lastenausgleich in der Gesellschaft also es geht einigermaßen gerecht zu steigt zumindest bei einem Teil der Bevölkerung die Bereitschaft sich auch unter Gefährdung des eigenen Lebens und der Gesundheit einzubringen. Dem ist aber aktuell leider nicht so.
    Das betrifft nicht nur Militär, sondern alle Organisationen die in irgendeiner Weise Gefahrenabwehr betreiben.

    * Der Grund sollte wirklich gut sein; Rohstoffsicherung reicht da nicht aus
    ** Für andere Verbrecher natürlich auch nicht (Religioten, Rechte, Linke usw)

  40. @Metallkopf
    „Sie wissen anscheinend immer nur das, was Ihnen ins Narrativ passt, und blenden alles andere entweder aus oder zweifeln es unterschwellig an – z.B. durch Einfordern von Quellenbelegen.“
    – Das mag Ihr Eindruck sein, ich sehe es allerdings nicht so.
    – Ich teile hier MEINE Meinung mit, die ich mir auf Grund der Lektüre zu den jeweiligen Themenbereichen gebildet habe. Das muss (kann) ja nicht identisch sein mit anderen Meinungen. Jeder von uns hat eine andere Wahrnehmung der selben Situation.
    – Ich habe nach der Quelle gefragt weil ich Interesse daran habe die ganze Rede von Putin zu lesen. Das ist Alles.

    „Wenn Sie den Vorwurf erheben, es würde ein Konflikt mit Russland „herbeigeschrieben“, so ist das vielleicht Ihre Sichtweise.“
    – Ja wessen Sichtweise soll es denn sonst sein wenn ICH das schreibe?

    „Ich hingegen bin allerdings der Meinung, dass eine zutreffende Beschreibung eines Konflikts keinesfalls ein „herbeischreiben“ darstellt.“
    – Das ist ja Ihr gutes Recht diese Meinung zu haben. Ich habe nichts dagegen.
    – Zu dem Thema „Herbeischreiben“ hatte ich schon eine Antwort gegeben an @ Klaus-Peter Kaikowsky (Pete 01.09.2019 um 13:47 Uhr). Ich will das nicht wiederholen. Ich füge aber noch eines hinzu: im Mai 2014 hatte auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt davor gewarnt „einen 3. Weltkrieg herbeizureden“. (Quelle Focus, Überschrift: „Altkanzler Schmidt warnt EU vor Weltkriegsszenario“). Ich bin also nicht ganz alleine mit meiner Wahrnehmung.

    @Koffer
    „Der Unterschied ist nur, dass EU und NATO die Ukraine und das Baltikum und Polen und Rumänien nicht in Partnerschaft bzw. Mitgliedschaft zwingen.“

    – Ich war versucht Ihnen inhaltlich zu antworten, aber ich hätte dann erneut gegen den Appell von @T.W., das Thema Ukraine nicht erneut zu thematisieren, verstoßen. Deswegen verweise ich ohne eigenen Kommentar lediglich auf einen Artikel von John J. Maersheimer, der im Herbst 2014 in Foreign Affairs veröffentlicht wurde: „Why the Ukraine Crisis Is the West’s Fault“.
    https://mearsheimer.uchicago.edu/pdfs/Ukraine%20Article%20in%20Foreign%20Affairs.pdf

  41. @Mars: Da stimme ich Ihnen zu. Mein Wehrdienst war 1996, damals mit Uzi und G3. Beim Abschied hieß es, dass die BW keine Reservisten mehr braucht.
    Als ich vor Monaten das Reservisten-Telefon anrief, war am anderen Ende aber weder Zeit noch grosses Interesse.
    Sich für den gehobenen Dienst in Logistik oder Finanzen zu bewerben geht nicht, da eine Berufserfahrung in der Verwaltung Voraussetzung ist, die ich nicht habe.

    ABER wir haben ja Fachkräfte Mängel.

  42. @Jörg Schellenbauer sagt: 02.09.2019 um 19:02 Uhr
    „Was ich auf jeden Fall ablehne, meine Haut für Bankster und andere großkapitalistische (**) Verbrecher zu riskieren. […]
    ** Für andere Verbrecher natürlich auch nicht (Religioten, Rechte, Linke usw)“

    :(
    Mehr Sachlichkeit wäre hier vielleicht angebracht.

    @Pete sagt: 02.09.2019 um 19:15 Uhr
    Egal wie Sie vielleicht persönlich den RUS Verhalten in der UKR bewerten mögen, dies ist aber so oder so nicht der Kern der Aussage gewesen. Der Kern meiner Aussage ist, dass man das Verhalten der EU als offene Gemeinschaft von demokratischen Staaten, die gleichgesinnte Staaten einlädt auf freiwilliger Basis zu ihr zu stoßen nicht mit Großmachtdenken, aufgezwungenen Einflusssphären und „teile und herrsche“ gleichsetzen darf.

  43. @BG sagt: 02.09.2019 um 19:57 Uhr
    „ABER wir haben ja Fachkräfte Mängel.“

    Die Bundeswehr hat weder „Fachkräftemangel“ im Bereich von vor 20jahren ausgeschiedenen Wehrpflichtigen noch hat sie „Fachkräftemangel“ im Bereich gehobener nichttechnischer Verwaltungsdienst (Logistik, Finanzen oder anderes).

    Und ich wüsste auch nicht, dass das irgendjemand behauptet hat.

    Was wir derzeit im Bereich von Reservisten benötigen sind überwiegend ehemalige SaZ und BS, die innerhalb der letzten wenigen Jahre ausgeschieden sind und daher ohne umfangreiche Ausbildung als vollwertigen Ersatz für aktive Soldaten dienen können . Darüber hinaus Reservisten ohne die vorgenannten Qualifikationen sofern sie Spezialistenfähigkeiten besitzen.

    Sollte (!) wir zukünftig eine andere Reservistenkonzeption bekommen und wieder große Sicherungs-/Heimatschutzverbände aufstellen sähe die Lage anders aus, aber das ist derzeit nicht der Fall.

  44. @T.W.
    Ich habe noch einmal in Ruhe Ihren Artikel durchgelesen. In gewisser Hinsicht verstehe ich nun, warum Sie nicht abgelenkt werden wollten – unter Anderem von mir, sorry- von dem Kernthema, das wirklich ein interessantes ist. Ich habe die folgenden – aus meiner persönlichen Sicht wesentlichen – Zitate aus Ihrem Artikel herausgezogen:

    „… Soldaten, die ausschließlich für die Landesverteidigung ausgebildet werden…“

    „…Zu der Festlegung auf die Landesverteidigung gehört auch, dass Auslandseinsätze für die finnischen Streitkräfte praktisch keine Rolle spielen…“

    „…Dabei setzt …Finnland politisch auf ein gutes Verhältnis zum großen östlichen Nachbarn…“

    „…Vertrauen in unsere Verteidigungsfähigkeit… Das kleine Finnland wäre in einem Kriegsfall ein harter Brocken…“

    Meine Bewertung ist:
    – Finnland macht exakt das, was die BRD/NATO im Kalten Krieg gemacht hat:
    * Abschreckung des potenziellen Gegners durch glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit und -bereitschaft
    * gleichzeitig Dialogbereitschaft („gutes Verhältnis zum großen östlichen Nachbarn“)
    * Absoluter Fokus auf Landesverteidigung, („Auslandseinsätze spielen praktisch keine Rolle“)

    – Wenn also Finnland es schafft, eine relativ glaubwürdige Abschreckung („Das kleine Finnland wäre in einem Kriegsfall ein harter Brocken“) mit einem relativ geringen Budget zu realisieren, warum sollte das der großen EU als Ganzes nicht gelingen?
    – Können wir nicht an dem Beispiel Finnland erkennen, dass eine fokusierte Abschreckung/Verteidgungsfähigkeit im Rahmen der EU als Ganzes auch bei überschaubaren Rüstungsausgaben leicht realisierbar wäre? Eine erste „Anschubfinanzierung“ in diese Richtung ist davon unbenommen.
    – Finnland ist – ähnlich wie die Baltischen Staaten und Polen- auch ein Nachbar zu Russland und versucht dennoch ein gutes Verhältnis mit Russland aufrecht zu erhalten. Kann Finnland als „Frontstaat“ nicht ein gutes Beispiel für die EU sein, für einen neuen Ansatz der Entspannung bei gleichzeitiger glaubwürdiger Verteidigungsbereitschaft gegenüber Russland nach dem Motto Harmel 2.0 (Dialog + Verteidigungsfähigkeit)?

  45. Zur ergänzenden Info: Finnland hat neben der RK 95 TP noch erhebliche Bestände vom Vorgänger RK 62. Beide Sturmgewehre verwenden das Kalashnikov-Prinzip, Kaliber 7,62 x 39. Die finnischen Soldaten wissen um die Vorzüge dieses Systems! Daneben ist die Armee bzw. sind die motorisierten Schützenverbände sowohl mit westlichen Maschinengewehren als auch wiederum mit denen des östlichen Nachbarn breit und gut ausgerüstet.
    Nachzulesen u.a. auch hier:
    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_equipment_of_the_Finnish_Army

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