wg. russischer Raketen: USA werfen Türkei offiziell aus dem F-35-Programm

Nachdem die Türkei die erste Lieferung des russischen Flug- und Raketenabwehrsystems S-400 erhalten hat, haben die USA Konsequenzen gezogen: Der NATO-Partner wurde offiziell aus dem Programm für den Kampfjet F-35 geworfen, an dem die Türkei bislang beteiligt war. Militärisch zusammenarbeiten wollen die USA mit der Türkei aber auch weiterhin.

Die Entscheidung kam am (heutigen) Mittwochabend per Pressemitteilung aus dem Weißen Haus:

Unfortunately, Turkey’s decision to purchase Russian S-400 air defense systems renders its continued involvement with the F-35 impossible. The F-35 cannot coexist with a Russian intelligence collection platform that will be used to learn about its advanced capabilities. The United States has been actively working with Turkey to provide air defense solutions to meet its legitimate air defense needs, and this Administration has made multiple offers to move Turkey to the front of the line to receive the U.S. PATRIOT air defense system. Turkey has been a longstanding and trusted partner and NATO Ally for over 65 years, but accepting the S-400 undermines the commitments all NATO Allies made to each other to move away from Russian systems. This will have detrimental impacts on Turkish interoperability with the Alliance. The United States still greatly values our strategic relationship with Turkey. As NATO Allies, our relationship is multi-layered, and not solely focused on the F-35. Our military-to-military relationship is strong, and we will continue to cooperate with Turkey extensively, mindful of constraints due to the presence of the S-400 system in Turkey.

US-Präsident Donald Trump hatte das zuvor schon bei einer Kabinettssitzung angekündigt (aber offensichtlich, sehr merkwürdig, nicht via Twitter).

Die Lieferung der russischen Systeme hatte am 12. Juli begonnen. Die USA fürchten vor allem, dass über die russische Technik zur Erfassung von Flugzeugen Daten über die Fähigkeiten der F-35-Kampfjets an Russland gelangen könnten.

Auffällig ist – neben Trumps Twitter-Verzicht – die recht zurückhaltende Wortwahl in der offiziellen Mitteilung. Unter anderem wird da ja betont, dass die Beziehungen der USA zur Türkei gut seien und weit über das Problem mit den S-400 hinausgehe. Schwierigkeiten gebe es schon, aber doch vor allem mit den anderen NATO-Ländern…

(Foto: Capt. Andrew “Dojo” Olson, F-35 Demonstration Team pilot and commander performs a high-speed pass in an F-35A Lightning II during the Arctic Lightning Airshow July 13, 2019, at Eielson Air Force Base, Alaska. During the aerial maneuver, the jet reaches speeds of up to 750 miles per hour – U.S. Air Force photo by Senior Airman Alexander Cook)

59 Gedanken zu „wg. russischer Raketen: USA werfen Türkei offiziell aus dem F-35-Programm

  1. @Desconocido sagt: 21.07.2019 um 21:12 Uhr
    „Saudi Arabien hat meines Wissens einen Vertrag über den Kauf von F35 und hat auch s400 bestellt…“
    Quelle?

    Unabhängig davon ist SA übrigens nicht in der gemeinsamen NATO Luftverteidigung, so dass hier die Lage so oder so eine andere ist.

  2. @Desconocido
    Wo kommt die Info her dass die Saudis die F35 wollen und dann auch bekommen?
    Wäre schön wenn da ein paar mehr Fakten da sind, dann bekommt deine Aussage mehr Gewicht. Meine 2min Internetrecherche hat da keine belastbaren Aussagen gefunden.
    Das Folgende ist meine Meinung und Ich bin ein Laie in dem Thema.
    Es ist ein Problem wenn Nationen beide Waffensysteme verwenden. Weil Armeen trainieren müssen. Das führt dazu dass es eine Reihe von Experten gibt die genau wissen wie und wo sie eine S400 positionieren müssen wenn sie es mit der F35 zu tun bekommen.
    Diese Experten brauchen aber dann die Unterstützung aus Russland für ihre Ausbildung, für Wartung und späteren Kampfwertsteigerungen.
    So wandert das Wissen dann nach Russland ab, ganz ohne Spionage, geheimen Hintertüren oder weiterer Mithilfe der F35 Nation.

  3. Zugegeben, die Situation hat sich inzwischen verändert, da war ich nicht ganz auf Stand, dass der Kongress den Deal inzwischen wegen Menschenrechtsfragen geblockt hat.
    Dies hat die FAZ am 18.7.19 veröffentlicht (ich weiß nicht ob hier Links erlaubt sind, ich würde das gerne verlinken). Ich war da leider noch beim alten Wissensstand, dass Trump den Deal mit SA geschlossen hatte.
    Trotzdem, Trump scheint es im Falle von SA egal zu sein. Der Kongress hat es auch nicht mit Sicherheits oder Geheimhaltung begründet.

    [Zu Links empfiehlt sich ein Blick in die FAQ. Allerdings wüsste ich nicht, dass es in der vergangenen Woche entsprechende Berichte gegeben hätte, wie das genannte Datum nahelegt.
    Vermutlich geht es eher um die Entscheidung des Kongresses, Waffenlieferungen an Saudi-Arabien zu blockieren? Das war im Juni, und für solche Geschehnisse gibt es weit mehr Quellen als die FAZ.

    https://www.bazonline.ch/ausland/amerika/us-senat-blockiert-waffenexporte-fuer-saudiarabien/story/12336089

    T.W.]

  4. @Koffer
    https://www.almasdarnews.com/article/saudi-arabia-mulls-purchasing-russian-s-400-system/ – Februar ’19, wie seriös, …?
    Und
    https://www.quora.com/Would-the-US-sell-the-F-35-to-Saudi-Arabia – Juni ’19
    „… If they want an F35 the will get it …“
    Letzteres ist absolut glaubwürdig. Zur weiteren Bindung der Saudis an den U.S. Kurs werden Sie alles erhalten, was sie wünschen.
    Hinsichtlich der Kooperation KSA – USA werden die Al Saud nach schlechten Erfahrungen mit U.S. Rüstung, vor allem aber Truppenstationierung in beiden letzten Golfkriegen peinlich bemüht sein, die puristischen Wahhabisten nicht aufzuwecken. „Gottlose auf heiligem Boden“. Das Pentagon hatte gestern zusätzliche Stationierung von 500 GI im KSA angekündigt.
    Die sunnitische Richtung des Wahhabismus legitimiert die religiöse Basis der Al Saud, seit Ende 18. Jahrhundert.

  5. @Klaus-Peter Kaikowsky sagt: 22.07.2019 um 18:45 Uhr

    Ich habe Zweifel daran, dass wir für eine so delikate Angelegenheit TASS als glaubwürdige Quelle betrachten können.

    Wenn die USA die TUR mit der ausdrücklichen Begründung der Beschaffung der S-400 aus dem F-35 Programm werfen und der Kongress einvernehmlich mit beiden Parteien der Administration ggü. keinen Spielraum signalisiert, dann sehe ich nicht, wie das bei SAU anders sein sollte. Vor allem, weil im Kongress auch ggü. SAU erhebliche Vorbehalte bestehen.

    Ich sage jetzt übrigens nicht, dass ich das alles für ausgeschlossen halte, aber ich habe Zweifel…

  6. Saudi Arabien hat seit 2009 Versucht an S-400 Systeme zu kommen. Russland wollte wegen der Nähe zu den USA nur S-300 liefern. Da das S-400er aber nicht mehr das neuste System ist, hat man es eben der Türkei angeboten und in 2017 auch einen Vorvertrag mit Saudi Arabien abgeschlossen.
    Saudi Arabien hat im Moment alte Hawk Systeme mit der letzen Kampfwertsteigerung und Patriots. Dazu will man US THAAD Systeme für ein kleines Vermögen kaufen.
    Die F-35 war nicht Teil irgendeines Waffendeals. Saudi Arabien will F-35 kaufen, schon seit langem, bisher ist in die Richtung aber noch nichts passiert und wenn man im gleichen Jahr für S-400 Systeme unterschreibt, hat man halt Pech gehabt. F-15X wären wohl kein großes Problem und mehr ist auch wohl nicht drin.
    Die Russische Nachrichtenagentur TASS hat zwar im Februar vermeldet das der S-400 Deal eingefroren wäre aber das heißt ja nichts.
    https://tass.com/defense/1045122
    Und solange man in den USA denkt, Saudi Arabien könnte später doch noch S-400 Systeme kaufen, wird der Export nicht durch den Kongress gehen.

    Quora ist wohl kaum eine geeignete Quelle *augenroll*

  7. Das Thema ist endgültig vom Tisch, Türkei macht sich keine Hoffnung mehr und sucht Alternativen.
    https://www.iletisim.gov.tr/english/haberler/detay/turkey-turns-to-other-options-if-us-refuses-to-sell-f-35
    „Don’t you sell [Turkey] F-35? Ok then, sorry but we take our measures and turn to other options,“ Recep Tayyip Erdogan said.
    Erdogan’s remarks came during a meeting with the provincial heads of his ruling Justice and Development (AK) Party in the Ankara headquarters.
    Option, die die Türkei erwägt, ist es deshalb auch bei den Kampfflugzeugen auf Russland zu setzen, die Suchoi Su-57 wäre ein Kandidat.
    Mit jeweils einem RUS Luftverteidigungssystem und ebensolchem Fighter stellte sich die Frage nicht nur nach der Sinnhaftigkeit weiterer NATO-Mitgliedschaft. Vielmehr erwächst Ankara damit tendenziell die Rolle einer fünften Kolonne zu.

    Auf gleicher Veranstaltung kündigte Erdogan an: „Wir sind entschlossen, den Terror-Korridor östlich des Euphrats zu zerstören“. (FAZ.net)
    Gemäß staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu hat die Türkei ihre Militärposten entlang der Grenze zu Syrien seit der vergangenen Woche verstärkt. In Stellung gebracht wurden Haubitzen, Panzer und Panzerfahrzeuge, also wohl mechanisierte Infanterie.
    Hinsichtlich einer Pufferzone im von der Kurdenmiliz YPG kontrollierten Gebiet in Nordsyrien bis zur TUR Grenze setzt Erdogan damit nicht mehr auf die USA und zögerliche EU Partner.
    Der Westen hätte damit auf ganzer Linie verloren, TUR Truppe weit in Syrien bis zum Euphrat und YPG in der Existenz gefährdet.
    Eine EU Glanzleistung mit tatkräftiger DEU Beihilfe!

  8. @Klaus-Peter Kaikowsky sagt:26.07.2019 um 19:33 Uhr
    „Hinsichtlich einer Pufferzone im von der Kurdenmiliz YPG kontrollierten Gebiet in Nordsyrien bis zur TUR Grenze setzt Erdogan damit nicht mehr auf die
    USA und zögerliche EU Partner.
    Der Westen hätte damit auf ganzer Linie verloren, TUR Truppe weit in Syrien bis zum Euphrat und YPG in der Existenz gefährdet.
    Eine EU Glanzleistung mit tatkräftiger DEU Beihilfe!“

    Das Sie sich immer noch von den markigen Worten dieses Despoten ins Bockshorn jagen lassen. Und wozu Pufferzone, wenn sowieso keiner die Absicht hat, sich daran zu halten? Ihr EU/DEU-Bashing halte ich für völlig überzogen. Nur weil die USA das wollen, muss man noch lange nicht jedes Risiko gehen.

    BTW, diese Woche gab es in den Kommentaren verlinkt, das RUS der TUR lediglich SU35 angeboten hat. SU 57 ist wohl auch nur ein schöner Traum des Erdowahn.

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