Neue Probleme für die NATO: Türkei erhält erste russische S-400-Flugabwehrsysteme (m. Nachtrag)

Die Türkei hat die ersten Teile des bestellten russischen Flugabwehrsystems S-400 erhalten. Die NATO stellt dieses Luftverteidigungssystem in einem Mitgliedsland der Allianz vor neue Probleme – und die USA hatten bereits angekündigt, die Lieferung von F-35 Kampfjets an die Türkei einzustellen.

Auf einer Luftwaffenbasis nahe der türkischen Hauptstadt Ankara landete am (heutigen) Freitag eine russische Frachtmaschine mit der ersten Lieferung der S-400-Systeme, wie das türkische Verteidigungsministerium auf seiner Webseite mitteilte:

Überführung des S-400 Langstrecken-Luft- und Raketenabwehrsystems
Zur Deckung des Bedarfs der Türkei an Luft- und Raketenabwehrsystemen wurde der Vertrag zur Beschaffung des S-400 Langstrecken-Luft- und Raketenabwehrsystems am 11. April 2017 unterzeichnet.
Im Rahmen der Vereinbarung wurde mit der Überführung des Materials der ersten Gruppe für das S-400 Langstrecken-Luft- und Raketenabwehrsystem zum Flughafen Mürted/Ankara ab dem 12. Juli 2019 begonnen.

Aus Sicht der NATO ist die Installation eines russischen Flugabwehrsystems ein ernsthaftes Problem: Die Allianz betreibt eine integrierte Luftverteidigung, in der alle Mitgliedsländer die Daten ihrer Systeme einspeisen und die auch gemeinsam die Flugabwehr steuert. Eine Integration eines technisch komplett anderen Waffensystems in diesen Verbund ist nicht nur ein IT-Problem: Natürlich besteht auch die Befürchtung, dass damit Lecks in diesem Nachrichtenverbund entstehen könnten.

Aussagen der Türkei wiederum, die S-400 würden nicht in das NATO-System integriert, sondern als stand-alone-Lösung stationiert, dürften wiederum das gemeinsame Luftlagebild des Bündnisses verschlechtern, weil eben von diesem Stationierungsort keine Daten an das Allianz-System geliefert werden. Der in diesem Zusammenhang bisweilen genannte Verweis auf ältere russische S-300-Systeme in den griechischen Streitkräften zeigt ja genau dieses Problem: Die S-300 sind nicht in das NATO-System integriert.

Aus Sicht der USA ist zudem entscheidend, dass die modernen russischen Systeme Daten über den modernen US-Kampfjet F-35 erfassen und gegebenenfalls an Russland weitergeben könnten – die Türkei will selbst F-35 kaufen und betreiben. Das Verteidigungsministerium in Washington hatte deshalb vor wenigen Tagen (erneut) erklärt, dass die Türkei nach Lieferung der S-400 aus dem F-35-Programm aussteigen müsse:

The Department of Defense will remove Turkey from the F-35 joint strike fighter program if the nation accepts delivery of the Russian S-400 air defense system, a senior Defense Department official said.
Meeting with think tank representatives at the Pentagon, Katie Wheelbarger, the acting assistant secretary of defense for international security affairs, said the NATO alliance and nations partnering in developing and fielding the F-35 are unified in their opposition to Turkey fielding the Russian system.
The concern is that the S-400 could be used to gather data on the capabilities of the F-35, and that the information could end up in Russian hands, officials explained.

(Über dieses Thema haben wir auch in der jüngsten Folge des Podcasts Sicherheitshalber gesprochen.)

Das Ausladen der Lieferung, so Twitter-Meldungen aus der Türkei, wurde im Fernsehen live übertragen:

… und ein Video dazu gab es auch vom russischen Verteidigungsministerium:

… sowie vom türkischen Verteidigungsministerium (plus Fotos):

Eine vom US-Verteidigungsministerium dazu angekündigte Stellungnahme wurde wieder abgesagt:

Nachtrag: Am Samstag (13.Juni) wurden die Lieferungen fortgesetzt:

Der türkische Verteidigungsminister hatte dazu am Freitag mit seinem US-Kollegen telefoniert; die türkische Darstellung:

National Defence Minister Hulusi Akar had a phone call with US Acting Secretary of Defense Mark Esper.
Turkey’s procurement of long-range regional air and missile defence systems as well as security issues concerning Syria were discussed during the phone call.
Minister Akar told his US counterpart that Turkey remains under a serious air and missile threat and that purchase of S-400 defence systems was not an option but rather a necessity and Turkey was still assessing the bid to acquire US patriot air defence systems.
Emphasizing that Turkey is a partner of the F-35 fighter aircraft programme and that programme should continue uninterrupted, Akar said that Turkey’s proposal was still on the table for setting up a joint working group – that could include NATO – to assess the possible interaction of F-35 aircraft and S-400 systems.
Turkey has fulfilled all its obligations under the F-35 programme and it remains committed to its position, Akar said.
Minister Akar stressed that Turkey’s purchase of S-400 does not in any way mean change of its strategic orientation and reiterated that deterioration of bilateral relations would serve the interests of neither Turkey nor the US nor NATO.
Akar emphasized that the only military force that is ready, competent and appropriate for the establishment of the safe zone in northern Syria was the Turkish Armed Forces. He reiterated that for Turkey, protection of its borders and people was the priority and in the face of intensive attacks from the Syrian border Turkey would have to take necessary measures and would not allow terror groups seeking safe haven right across its borders.

(Foto: Entladung der ersten Teile des S400-Systems in der Türkei – Türkisches Verteidigungsministerium)

50 Gedanken zu „Neue Probleme für die NATO: Türkei erhält erste russische S-400-Flugabwehrsysteme (m. Nachtrag)

  1. Die Frage, die sich mir stellt:

    Auf welcher Grundlage geschieht ein Ausscheiden aus dem F-35 Programm?
    Steht im Vertragstext explizit drin, dass die Türkei aus dem Programm herausgeworfen wird, wenn sie bestimmte Produkte (S-400) kaufen und betreiben?
    ODER
    Ist das eine nachträgliche Forderung. Dann wird es nämlich interessant auch für viele andere Programmteilnehmer.
    Wenn man einfach so ohne Vertragsgrundlage (oder mit schwammigen Formulierungen wie „nationale Sicherheit gefährden) aus dem Programm geworfen werden kann, sollte man nicht an dem Programm teilnehmen.
    Für mich ein Fingerzeig für die Bundeswehr auf keinen Fall die F-35 zu kaufen.
    Politik verändert sich und wer weiß wie die Beziehungen zwischen der EU und den USA im Jahr 2040 sind.

    Dann baut man vielleicht mit einem chinesischen Konzern (Huawei) neue Internetinfrastruktur in Deutschland auf und den USA missfällt dies, weil über diese Infrastruktur die F-35 von Festland USA aus gewartet (Updates) wird.

  2. Ich kann hier beide Seiten verstehen.

    Die USA sehen aktuell ihre Felle wegschwimmen und versuchen, ihren Einfluss durch Druck zu erhalten. Ob das der richtige Weg ist, darf man diskutieren…

    Die Türkei, wie auch manche andere Staaten, möchten sich nicht länger von den USA wie Marionetten behandeln lassen. Dazu zähle ich auch einige andere europäische Staaten.

    Am Ende ist es für die NATO wichtig, dass es wieder ein WIR gibt und nicht eine Nation, die zusammen mit einer weiteren aus Nordeuropa den Takt in der NATO angibt und der Rest darf mitrennen und eifrig nicken

    Ansonsten gebe ich der NATO keine 5 Jahre mehr.

  3. Vielleicht war die Anfang des Jahres bekanntgegebene Beschränkung der Tornado-Nachfolgekandidaten auf Eurofighter und F/A-18 etwas verfrüht:
    Nach einem möglicherweise kurz bevorstehenden Rausschmiss der Türkei aus dem F-35 Programm gäbe es möglicherweise eine gute Verhandlungsposition gegenüber den USA, um
    1) inkl. deutscher Industriebeteiligung zu guten Konditionen in das F-35 Programm einzusteigen, und
    2) schneller als erwartet die ersten Maschinen zu erhalten (eben die bereits für die Türkei in Produktion befindlichen) und so einige Jahre früher als bisher absehbar die Kampfkraft der Luftwaffe signifikant zu steigern.

    Das Argument, dass eine F-35 (statt z.B. einer F/A-18) Beschaffung dem ab etwa 2040 geplanten deutsch-französischen Future Combat Air System im Weg stünde habe ich eh nie verstanden. Das Projekt kommt als Tornado-Nachfolge doch viel zu spät, adressiert im Kern die Eurofighter-Nachfolge…

  4. Bündnisse, ob politisch oder militärisch, hat es zu allen Zeiten gegeben. Alle sind sie über kurz oder lang zerfallen oder wurden aufgekündigt.
    Wieso sollte ausgerechnet die NATO ewig bestehen? Alleingänge von Partnern sind der Einstieg in den Ausstieg. Das gilt nicht für nur für die Türkei, die allein aufgrund des angespannten Verhältnisses zur EU kein Kandidat für uneingeschränktes Vertrauen ist. Ach so, die Unzuverlässigkeit Deutschlands in Bezug auf die Erhöhung der Verteidigungsausgaben passen da ins Bild.
    Die Trump-USA stoßen einmal mehr außenpolitisch an ihre Grenzen. Der Sultan vom Bosporus lässt sich sicher nicht beeindrucken, weiß er doch, dass Russland auch Kampfflugzeuge exportiert.

  5. @ Peter Zwe

    Sie machen den Fehler die Türkei als gleichberechtigten Partner im F-35 Programm zu sehen. Dies ist nicht der Fall, auch wenn die Türkei durch aus einige Ressourcen mit eingebracht hat.

    Die USA behalten sich bei Rüstungsgeschäften/-entwicklungen eben vor Partner vom Programm auszuschließen, genauso wie bei uns Rüstungsexporte eben einer Genehmigung des Bundessicherheitsrates bedürfen unabhängig, ob gültige Verträge bestehen. Und eine schwammige oder undurchsichtige Politik diesbezüglich kann ich seitens der USA hier nicht erkennen.

    Cheers
    Flip

  6. @ Peter Zwe

    noch ein Nachtrag, ich empfehle die letzte Folge Sicherheitshalber zu hören, der erste Teil beschäftigt sich mit dem S-400 Deal und auch das F-35 Programm wird thematisiert. Die Einordnung von Carlo Masala der türkischen Handlung auch konträr zu NATO Interessen darf und sollte man bei der Entscheidung der USA die Türken aus dem F-35 Programm zu werfen beachten.

    Cheers
    Flip

  7. @Peter Zwe
    Das Thema F35 und Lw ist längst gegessen. GenLt Müllner, Freund dieser Lösung, hat das hautnah erlitten.
    https://augengeradeaus.net/2019/01/tornado-nachfolge-entscheidung-zwischen-eurofighter-und-f-a-18-f-35-aus-dem-rennen/

    Neben juristisch-vertraglichen Bindungen zur Stornierung für die Türken, deren evtl Folgen für auch andere Nutzer, erfordert TUR S-400 Dislozierung einen Blick auf operative Folgen einer Luftlage im Raum Südost-Türkei und Nord-Syrien insgesamt, die auch unsere Tornados betreffen wird.
    Die beabsichtigte Schutzzone zur Trennung KUR/SDF von TUR Truppen bedarf neben der Truppenentflechtung und deren Überwachung am Boden einer Luftraumüberwachung und -aufklärung, gleich nach üblichen Intel-Maßnahmen. Luftfahrzeuge der CJTFOIR, die den Raum überwachen, ggf schützen müssen, bewerten besser per sofort TUR S-400 als Gegner.

  8. Imho die wichtigsten Punkte die GEGEN das S-400-System sprechen:

    Die Türkei finanziert damit direkt das russische Rüstungsprojekt S-400 welches eine potentielle Gefahr für westliche Streitkräfte darstellt. Bisher waren alle russischen Rüstungsprojekte mehr oder weniger defizitär und belasteten den russischen Steuerzahler, jeder bezahlte Rubel festigt die russische Rüstungsindustrie und damit das System Putin.

    Das System in Händen einer NATO-Nation kann entweder zur Ertüchtigung der westlichen Luftstreitkräfte dienen oder zur Ertüchtigung der russischen Luftabwehrwähigkeiten, in beiden Fällen durch Ermittlung der Fähigkeiten und Abwehrstrategien. Da der Westen geschlossen gegen die türkische Beschaffung wettert darf man davon ausgehen daß die Türkei eine westliche Ertüchtigung bereits abgelehnt hat und man mit einer russischen Ertüchtigung rechnen muß. Ja ich lese zwischen den Zeilen.

    Putin muß als offener Gegner des Westens, der EU und Deutschlands gelten und der Nachkriegsordnung gelten, bei Erdogan darf man gleiches mit an Sicherheit grenzenter Wahrscheinlichkeit vermuten.

    Ist dem so dann begeht die Türkei faktisch Bündnisverrat und die Diskussion wird noch sehr viel hitziger werden.

  9. Interessanter ist für mich die Frage warum die Türkei das russische System beschafft:
    – kein Zugriff auf Patriot?
    – SAMP-T noch nicht weit genug entwickelt (UMBHFSS)? Italien hat gerade den Einsatz von SAMP-T in Kahramanmaraş bis Ende Dezember verlängert.
    – Schutz (der Baustelle von Rosatom) des zukünftigen Kernkraftwerks mit 3 Reaktorblöcken in Akkuyu vor westlicher Intervention? Die Inbetriebnahme ist derzeit für 2023 avisiert und war ursprünglich für dieses Jahr vorgesehen.

  10. Ich gehe davon, dass die für den Friendensbetrieb der S400 verwendeten Signalparameter bekannt sind und bereits in der Bibliothek der Radarwarnempfänger für die Tornados abgespeichert sind. Also sobald die S400 Systeme in der Türkei einsatzbereit sind und senden werden sie allen Nato-Flugzeugen auf ihrem Bedrohungsschirm im Cockpit angezeigt werden.

  11. Es gibt doch nur einen Grund, warum die USA so vehement gegen die Beschaffung der S400 vorgehen.
    Das System scheint in der Lage, Daten der F-35 zu sammeln und diese auch Russland zu Verfügung zu stellen.

    Die Frage ist doch aber, weshalb die Türkei überhaupt ein NATO-fremdes System kauft?
    Und die Antwort darauf dürfte die aktuelle Struktur und Entscheidungsgewalt innerhalb der NATO sein.

  12. @Der Realist sagt: 12.07.2019 um 11:56 Uhr
    „Die USA sehen aktuell ihre Felle wegschwimmen und versuchen, ihren Einfluss durch Druck zu erhalten.“

    Natürlich ist das ein Aspekt. Die US regionalpolitischen UND rüstungspolitischen Interessen darf man nicht gering schätze.

    Aber vor allem ist das ein Problem für uns als NATO/EUropa.

    Das TUR handlen gefährdet die West-, Mittel- und südosteuropäische Sicherheitsstruktur.

    In diesem Zusammenhang darf man mal nicht den USA den schwarzen Peter zuschieben.

    Diesen Schlamassel hat die TUR und namentlich Erdogan ganz alleine angerichtet :(

    „Ansonsten gebe ich der NATO keine 5 Jahre mehr.“

    Da bin ich bereit eine (hohe) Wette gegen zu halten.

    Sowohl EUropa, als auch die USA haben ein vitales Interesse am Fortbestand der NATO.

    Ob die TUR allerdings in fünf Jahren noch Teil der NATO sein werden, ist eine ganz andere Frage…

  13. Als zurück zur üblichen Routine kann das zweite Royal Navy Schiff am Golf natürlich auch dargestellt werden. Außer Zweifel, mit je einer Fregatte und Zerstörer sind die Briten namhaft präsent.
    Die weitere Entwicklung, soweit es die Briten angeht, hängt wesentlich von der Freigabe des vor Gibraltar geenterten IRN Tankers ab. Ein britisches Gericht hatte die Festsetzung auf 14 Tage terminiert, die Ende kommender Woche abgelaufen sein werden,

    Sir Humphrey
    @pinstripedline
    Amidst news of extra RN vessel going to Gulf, worth remembering RN has routinely operated 2 DD/FF in region for many years. Regularly two in region during handover too. This is return to old normal levels, not new unexpected escalation. Valuable to have 2nd hull in region.
    As I understand it, it was a long planned bespoke deployment east of Suez to do defence engagement across region not a ‚patrol area‘.
    Andererseits
    U.S. allies risk becoming collateral damage in Iran fight – The Washington Post –

  14. Jenseits der politischen Signalwirkungen der Aktionen beider Seiten erscheint realistisch, dass eines der Hauptverkaufsargumente der F35, nämlich ihre Stealthfähigkeit, zerbröselt, wenn die Türkei mit der ausgefeilten Radarsensorik der S-400 feststellt, dass die F35 wie ein Weihnachtsbaum am Himmel leuchtet.

    Auf die Flugbegrenzungsszone der europäischen F35 durch die USA bin ich gespannt.

  15. Ich frage mich, welche Auswirkungen dieser „Knatsch“ auf andere Rüstungsprojekte mit der Türkei haben könnte.

    Für den A400M werden ja auch ein paar Teile in der Türkei produziert. Weiß jemand etwas über alternative Produktionspläne von Airbus für diesen Flieger?

  16. Oben nachgetragen: Videos vom Transport gab es sowohl in türkischen Medien als auch vom russischen Verteidigungsministerium.

  17. @Ottone:
    >>Interessanter ist für mich die Frage warum die Türkei das russische System beschafft:

    Zwei Argumente fehlen mir, eines halte ich für unplausibel:
    – Kosten: Das S400 ist vermutlich erheblich (!) preiswerter als die westlichen Alternativen
    – Festigung der (von Erdogan gewollten) strategischen Partnerschaft mit Putin: Erdogan sieht die Türkei als unabhängige, ambitionierte Mittelmacht, bei der die NATO-Mitgliedschaft eher am praktischen Nutzen denn an der strategischen Ausrichtung bemessen wird; der gleichzeitige „Tanz auf 2 Hochzeiten“ ist m.E. Ausdruck dieses Unabhängigkeitsgedankens.

    @Koffer
    >>Ob die TUR allerdings in fünf Jahren noch Teil der NATO sein werden, ist eine ganz andere Frage…
    Das dürfte maßgeblich davon abhängen, wie lange Erdogan noch am Ruder bleibt.
    – Das man eine „westliche Intervention“ gegen das AKW Akkuyu befürchtet halte ich für abwegig. AKW russischer Bauart sind auch bei anderen NATO-Partnern in Betrieb bzw. in Bau (Slowakei).

  18. So wie es verstanden habe bemühte sich TUR schon mehrere Jahre um die Lieferung von PATRIOT, wollte aber einen Know how Transfer. Ziel ist es, eigene Systeme zu entwickeln (hatte ich bereits gepostet).

    Da die Amerikaner damit nicht um die Ecke kamen (zudem sind die Lieferanten Privatunternehmen, die keine Lust haben, sich Konkurrenten heranzuziehen) hat TUR eben bei den Russen angefragt und bestellt.

    Hier die TUR Anteile am A400M (eher unkritisch, denke ich):

    https://www.tai.com.tr/en/product/airbus-a400m-program

  19. Bitte um Erklärung durch die Experten: Unabhängig davon, ob S-400 nun besser ist als Patriot oder nicht, welchen Sinn ergibt es für die Türkei, dieses System anzuschaffen? Hat man in Deutschland nicht die Mig-29 wegen Ersatzteilmangels ausgemustert, und gibt es nicht laufend Probleme bei der Integration von sowjetischer bzw. russischer Technik der östlichen NATO-Partner, weswegen diese schnellstmöglich upgraden wollen? Wie schaut es im Bereich Führung und Zielzuweisung aus, kann S-400 überhaupt mit der restlichen Technik der Türkei kommunizieren? Kurz gesagt, hat die Türkei sich hier nicht einen logistischen Alptraum angelacht?

    Und noch eines: Ist die Besorgnis der USA wirklich *noch* berechtigt? Ist keine israelische F-35 jemals in den Sensorenbereich der russischen Streitkräfte in Syrien geraten?

  20. Was bisher gar nicht thematisiert wird:
    Russland geht aus seiner Sicht mit diesem Deal selbst ein erhebliches Risiko ein: Wenn sich in der Türkei der politische Wind wieder dreht und der nächste Präsident einen pro-westlichen Kurs fährt, liegt das S400-System für die NATO plötzlich wie ein offenes Buch da.

  21. @muck

    Die Besorgnis der USA und aller Staaten, die die F-35 kaufen und einsetzen wollen ist mehr als berechtigt!

    Es ist etwas ganz Anderes ob ich ein paar Datenblips von einer F-35I habe und mit diesen wenigen Daten die System des S-400 weite verfeinern muss als wenn man systematisch die Maschine ausmessen kann und auf solider Grundlage die Fortentwicklung betreiben kann.

    Für alles Nutzer der F-35 ist das Verhalten der Turkei schlichtweg untragbar.

    @Thomas Melber:
    Das die Komplexität der A400M teile nicht mit denen der F-35 vergleichbar ist, ist uns beiden glaube ich klar.
    Seit Wochen wird auf den US Rüstungsindustie Seiten darüber geschrieben, dass der Ausschluß der Turkei zu einer Produktionsverzögerung von 12 – 18 Monaten führen wird.
    Wenn jetzt als Druckmittel auch ein Ausschluß aus dem A400M Programm vollzogen würde, interessiert es mich, wie viel Verzögerung dadurch entstehen könnte. Schließlich stehen noch 24 Flieger für uns aus und brauchen werden wir sie.
    Und irgendwo müssen ja nun mal diese (einfacheren?) Teile gebaut werden und das will geplant sein.

  22. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass ISR F35 in Syrien nicht auf einem RUS S-400 erschienen sind. Der Unterschied ist nur, dass mit TUR erstmals ein NATO Mitglied eine F35 auf einer S-400 erkennen könnte. Damit würde u.U. die Schwäche der F35 ggü. S-400 belegt. Davor haben die USA Angst.
    Umgekehrt hat RUS aber keine Sorgen, ihr S-400 System einem NATO Partner zu geben, womit sehr wahrscheinlich ausgeschlossen ist, dass es keine F35 erfolgreich auffassen kann. Sonst würde der gesamte RUS Vereidigungriegel bspw. in der Oblast Kaliningrad ggü. der NATO zusammenfallen.

  23. @Navales: Danke für die Ergänzung der zwei möglichen Beweggründe.

    Zum Thema Kernkraft und nukleare Ambitionen ein 5 Jahre altes Zitat von Hans Rühle in der Welt 22.09.2014 (online):

    „Dass offenbar auch die Türkei an Atomwaffen arbeitet, wird hingegen kaum öffentlich diskutiert. Die westliche Geheimdienstszene hingegen ist sich weitgehend einig darüber. […] Wenn Unternehmen einen Leichtwasserreaktor bauen, dann verpflichten sie sich normalerweise […] anschließend die abgebrannten Brennelemente zurückzunehmen. […] Die Türkei aber hat […] darauf verzichtet, die Lieferung von Uran und die Rücknahme der abgebrannten Brennelemente vertraglich zu fixieren. […] Wenn die Türkei dennoch die ausgebrannten Brennstäbe behalten will, dann gibt es dafür nur eine sinnvolle Erklärung: Sie will Material für eine Bombe auf Plutoniumbasis sammeln. […]
    Nach anderen Geheimdiensterkenntnissen verfügt die Türkei schon über eine erhebliche Anzahl von Zentrifugen. […]
    Abdullah Gül […] in einem Interview mit der Zeitschrift „Foreign Affairs“: „Die Türkei wird nicht zulassen, dass ein Nachbarland Waffen hat, über die die Türkei nicht verfügt.““

    @TW: Ich hoffe, die zitierten Bruchstücke sind nicht zu lang geraten, und der link ist ok da alt:
    https://www.welt.de/politik/ausland/article132446686/Arbeitet-die-Tuerkei-heimlich-an-der-Atombombe.html

    Nota bene: Die Türkei hat den Atomwaffensperrvertrag (NPT) unterzeichnet. 2018 hat die Türkei angeblich eine Mittelstreckenrakete vom Typ Gökdoğan und eine Langstreckenrakete des Typs Bozdoğan als Test gestartet.

    Erdogan im November 2015 (gem. 2017 paper von Sıtkı EGELİ „Turkey Embarks Upon Ballistic Missiles: Why and How?“):

    „Currently, we manufacture missiles, but we are not at the desired level with respect to the range, which must be much longer. Are we going to do long-range defense or offense? This is the crux of the matter. What we … want is indigenous, long-range and offensive (missiles). … If we build offensive (missiles), we would be addressing the defense as well.“

  24. Ist Trump letztlich zu Sanktionen gezwungen?
    Der Caatsa-Act („Countering America’s Adversaries through Sanctions“) stuft derlei Geschäfte mit dem russischen Rüstungssektor als feindlichen Akt ein.
    POTUS kann die Umsetzung zwar mit Präsidentenerlass verzögern, nicht aber endgültig verhindern.
    Obamas Verweigerung des Patriot-Systems ist im Nachhinein falsch gewesen. Die Bündnisposition im Südosten muss als geschwächt bewertet werden.
    Ankara dürfte sich russisches Öl und Gas sichern und Putin hat indirekt einen Stuhl am politischen Tisch der Allianz, andere nenne dergleichen einen guten Deal.
    Von Interoperabilität wird bei NATO-Luftraumsicherung nur noch eingeschränkt gesprochen werden dürfen, und das alles wo fast parallel Patriot für die VJTF eine KWS durchlaufen!

  25. Warum verhalten sich denn die Türken so komplett irrational?
    Es ist ja nicht gerade so, als ob es einen Putschversuch (angeblich) mit dem undurchsichtigen Prediger Gülen gab oder dass die Türken als NATO-Verbündete in der Vergangenheit bzgl. dem Erwerb von Produkten außen vor gelassen wurden, die die Israelis jedoch bekommen haben, oder dass sie mit dem NATO-Verbündeten bzgl. Zypern (Gasexploration) und Inselansprüchen Spannungen haben oder dass die Amis in Syrien auf der Rasierklinge balancieren, oder dass man ihnen die weitere Stationierung der Patriots versagt hat.

  26. @muck:
    Nachtrag:
    In der Doku „Hitlers Stealth Fighter“ auf YT
    https://www.youtube.com/watch?v=NO6FYJDZPB0

    kann man ca. ab Minute 35 einen kleinen Eindruck gewinnen, wie ein solcher systematische Prozeß aussieht.
    Könnten dies russische Experten mit türkischer Unterstützung machen, so würde nicht in Jahren (Jahrzehnten) das S-400 bzw. S-500 weiterentwickelt werden sondern in Monaten.

  27. Wenn bisher westliche Stealth-Flugkörper in Reichweite russisch/sowjetischer Sensoren kamen waren das stets kontrollierte Green-on-Red, Green-on-Gray oder Green-on-Blue Vorkommen unter Umständen die eine wissenschaftliche Auswertung sehr schwer machen.

    Hier haben wir aber die Situation daß Green-on-Green unter Laborbedingungen ausgewertet werden kann.

    Ein interessanter Nebenaspekt ist z.B. daß Facetten-Radar-Systeme (Aegis und Co) nicht nur sehr hohe Aufklärungsauflösung erzielen sondern in gewissen Grenzen auch Radar-Trugbilder erzeugen können. Im Idealfall beschießt die feindliche Luftabwehr eine Radarstörung während das getarnte Flugzeug unentdeckt bleibt. Diese Fähigkeit kann ein Gegner in Friedenszeiten eigentlich nicht aufklären und analysieren ausser er bekommt ein entsprechendes System in ein Labor.

    Ob diese Fähigkeit allerdings in türkischen F-35 Flugzeugen integriert ist oder der USAF F-22 vorbehalten ist, das ist mir nicht bekannt.

  28. Die türkische Industrie ist in die Produktion für ihre F-35 eingebunden.

    Aber der Schlenker ist schon eingeleitet: Laut dpa denk TK auch wieder über Patriot nach.

  29. Einmal andersherum betrachtet: Die Türkei kauft genau nur 2 S-400 Systeme und weiss offensichtlich sehr genau wo diese aufgestellt werden – erklärtermassen nicht dort wo (türkische) F-35 fliegen würden, was schon einmal das syrische Grenzgebiet ausschliesst. Welche Luftwaffenbasis war/ist für die F-35 in der Türkei vorgesehen, und wie weit ist dies von Mersin entfernt?

    Mit anderen Worten: Die zwei S-400 sollen ein bis zwei herausragende Hochwertobjekte/Gebiete vor Marschflugkörpern und ggf. ballistischen Raketen schützen. Der Gedanke an eine wichtige nukleare Anlage drängt sich durchaus auf.

  30. Ach, ich glaube auch Erdogan ist eben von robusterer Natur, nicht ganz unähnlich wie Trump. Ist so wie bei Ranggeschichten in der Affenhorde, da muss man eben zeigen dass man auch rumbrüllen kann und auch einen Stock in der Hand hat, jetzt eben die S-400, damit einen der andere Affe, der etwas grösser ist und meistens lauter brüllt, ernst nimmt. Silberrücken Putin wird sich was dabei denken dass er Erdogan diesen Stock angeboten hat….

    Aber Spass beiseite, ganz im Ernst: Diese Beschaffungszeiten! Da muss doch das BAAINBw vor Neid erblassen!
    ;-)

  31. Ein rationales Argument für Erdogan fällt meines Erachtens komplett unter den Tisch. Die wirtschaftliche Situation der Türkei, insbesondere ihre Devisenreserven hat sich seit 2015 erheblich verschlechtert. Es überrascht mich dass die Türkei sich gleichzeitig F-35 und Awacs leisten will und kann. Er könnte so aus dem F-35 Programm aussteigen und den USA (zumindest in der Türkei) den schwarzen Peter zuschieben. Eine Offenbarung in Richtung zu teuer, lässt sich in der Türkei schlecht verkaufen.
    Im Moment braucht er so einen Flieger ja nicht. Gegen die RUS oder USA kann er damit nichts ausrichten und alle anderen lokalen Gegner spielen eh nicht in der Liga der Türken oder haben Atomwaffen.

  32. Nur zur Abklärung: Von mitgelieferten Raketen war bis jetzt keine Rede. Mit welchem Raketentyp sind die S-400 Einheiten bestückt? Wird hier eine Eigenentwicklung der türkischen Industrie verwendet? Wenn es sich um russische Raketen handelt, wäre der Typ interessant.

  33. Wieso die Aufstellung von S-400 das Luftlagebild der NATO verschlechtert müßte mal jemand erklären. Bislang war bisher nirgendwo die Rede davon, wo das neue System stationiert wird, geschweige denn davon, daß die Türkei dafür türkische NATO-Assets außer Betrieb nehmen will. So viel eigene militärische Luftraumüberwachungskapazität hat die Türkei dann auch nicht. Einer der Gründe, weshalb sie an einem modernen Langstrecken-Luftabwehrsystem interessiert ist. Außerdem muß man die Sicherheitsinteressen der Türkei anerkennen: Im Gegensatz zur USA oder Deutschland grenzt die Türkei geografisch an einen permanenten Kriegs- und Kriesenherd und ist sehr viel näher dran am iranischen Mittelstreckenarsenal als jeder andere NATO-Land. Als NATO-Mitglied und Standort für verschiednen NATO-Basen ist sie im Falle einer Eskalation des Iran-Konfliktes, egal ob von iranischer oder amerikanischer Seite, direkt von iranischen Raketenangriffen bedroht. Bislang hatte die Türkei keine Verteidigungsmöglichkeit dagegen. Die türkische Luftabwehr stützt sich auf F-16 und (motorisierte) MANPADs, sehr viel mehr ist da nicht. Es sind zwar zeitweise Patriot-Batterien der NATO-Partner vor Ort, aber nicht jederzeit und auch nicht zuverlässig einsatzbereit, wie die Geschichte der deutschen Stationierung bewiesen hat. Die Auswahl an modernen Luftabwehrsystemen ist beschränkt. Die Türkei wollte Patriots kaufen, sie wurden ihr aber vorenthalten bzw. erst für eine deutlich späteren Zeitpunkt in Aussicht gestellt. Mit den Chinesen ist man nicht handelseinig geworden, warum auch immer. Bleibt nur noch Rußland übrig- oder auf die eigene Verteidigung zu verzichten. Allerdings ist nicht jeder Staat so lax mit seiner Verteidiungspolitik wie Deutschland…

  34. Ich würde keinen Wachhund von einem potentiellen Gegner kaufen. Der kennt den Hund doch und kommt mühelos an ihm vorbei!

  35. Ein paar Hintergruende:
    Ganz allgemein, ist der russ-tuerk. Vertragabschluss zur Lieferung der S-400 der schleichenden Entfremdung der TUR ggue den USA und dem Westen, innenpolitischen Motiven in der TUR sowie der gemeinsamen Interessenlage RUR- TUR in SYR geschuldet .
    1. Mit dem Abschuss einer russ. SU-24 am 24.11.15 durch die TUR verschlechterte sich das bilaterlale Verhaeltnis; dies zu einem Zeitpunkt, da RUS bereits aktiv in die Kaempfe in SYR eingebunden war, die USA sich um den IS in IRK kuemmerte und niemand ein reales Interesse an einer ernsthaften Eskalation TUR- RUS hatte. Auch die USA nicht.
    2. Sicherlich auch auf Betreiben der USA entschuldigte sich die TUR am 27.06.16 bei Putin, 2 Tage spaeter sprach Erdogan bereits wieder von der russ.-tuerk, Freundschaft. Solche Volten sind fuer Erdogan ganz allgemein kein Problem und uebrigens auch vice versa. Er hat kein Problem damit „strategische“ Partnerschaften von heute auf morgen zu kuendigen. Er ist nun mal geschmeidiger Opportunist und Populist, nicht nur Autokrat
    3. Der angebliche Juliputsch vom 12.07.16 beraubte in der folgenden Saeuberung der SK die TUR LuSK ca. 50% ihrer einsatzbereiten F-16 Piloten, die entweder gefeuert oder inhaftiert worden sind. Damit fehlt der tuerk. Luftabwehr/ LuftVg ein wesentliches Standbein ihrer bisherigen operativen Befaehigung.
    Der dramatische Verlust der nationalen und buendnisnotierten Befaehigung zur LuftVg ist also innenpolitischen Motiven geschuldet!
    4. Im Zuge der wiedergefundenen tuerk.-russ. Freundschaft und mit Blick auf die Notwendigkeit, sich in SYR ueber grundlegende Koordinierung und Kommunikationsfaehigkeit verstaendigen zu muessen, kam dann im Okt.2017 der jetzt zur Auslieferung kommende Deal uber das S-400 LuftabwehrSys zustande. Inwiefern die amerikanische Haltung, modernisierte Patriots zunaechst nicht liefern zu wollen ein Treiber fuer diesen Abschluss war oder eher eine Mitgift Erdogans fuer die erneuerte Romanze zu RUS- das weiss ich nicht.

    Festzuhalten ist aber: Die wesentlichen bilateralen Problemfelder TUR-USA sind nicht ausgeraeumt. ( Auslieferung von Gulen, Anerkennung der Gulenbewegung in den USA als terroristische Vereinigung, F-35 wie bekannt, zeitweise Betriebseinschraenkungen Incirlik AFB, Dissens ueber territoriale Ausdehnung der SDF in SYR bis hin zu Bedrohungen, monatelange Vakanz des US- Botschafters in Ankara und inszenierte Anti-amerikanische Proteste durch die AKP usw.) Der Streit um weitere Beteiligung am F-35 Programm wird das Verhaeltnis noch weiter verschlechtern.

    Innenpolitisch ermoeglicht der S-400 Deal auf die Eigenstaendigkeit der TUR hinzuweisen. Diese Narrativ verfolgt E. seit langem. Die nationalistische Klammer braucht er zur staendigen Aktivierung seiner ueberwiegend wenig welterfahrenen AKP Klientel und der faschistoiden MHP, die ihn unterstuetzt.
    Sollte der S-400 zum zeitweiligen und begrenzten Ausschluss der TUR an der integrierten LuftVg der NATO fuehren, koennte aus einer Entfremdung eine offene Konflikthaltung erwachsen.
    Moeglicherweise wird aus dieser gegenwaetigen Dissonanz der politische Trigger, den Erdogan braucht, um die TUR zumindest aus der NATO- Militaerstruktur zu fuehren, so wie es seinerzeit de Gaulle fuer FRA getan hatte. Dies entpraeche durchaus der Einstellung vieler Tuerken, die sich ohnehin vom Westen nur gegaengelt, immer missverstanden und wenig wertgeschaetzt fuehlen. Erdogan bedient solche „Zurueckweisungen“ des Westens mit immer schrilleren Hinwendungen zu Nationalismus und osmanischer Orientierung.
    Politisch eroeffnet dieser Abschluss der TUR durchaus einige Moeglichkeiten, sie will vom Westen „umworben“ werden. Zudem ist die TUR Nachbarstaat zum IRN- auch dass wird ggf. eine Rolle spielen.
    Dass aus russ. Sicht diese Lieferung ein Coup par excellence darstellt, der einem operativen Einbruch in die NATO- Allianz gleichkommt, steht indessen ausser Frage.

  36. @ Eric Hagen sagt:
    15.07.2019 um 12:19 Uhr

    Interessante und schlüssige Zusammenfassung, danke!

  37. TV-Bilder türkischer Medien zeigen das Ausladen einens Nebo-M Meterwellenradars (in den Wellenbereich ist eine F-35 nicht stealthier als jedes ander Flugzeug, die B-2 ausgenommen) und mehrerer 91N6E Radare. Ortungsreichweiten bis 600 km, Auffassung von bis zu 300 Zielen durch jedes einzelne 91N6E, Abwehr von Luftzielen bis 200 km, von ballistischen Raketen bis 60 km möglich.

    Eine eindrucksvolle Sammlung.
    Mal sehen, was noch kommt.

  38. Es geht unverändert weiter.
    @miladvisor
    The 8th, 9th aircraft carrying components of S-400 air defense system has landed in Turkey on Monday. The 9th cargo flight transported first batch of the missiles for S-400 battery.
    TUR besitzt in der Tat ein Talent zur Unbeliebteit besser, „trau keinem Türken“, nachdem die EU heute Strafmaßnahmen wegen Gasbohrungen vor Zypern beschloss?
    Entspricht derlei Verhalten eigentlich dem Geist des NATO- Vertrages? Vom EU Beitritt darf sicherlich niemand mehr sprechen!

    Die integrierte Luftverteidigung MUSS mit einem Erdogan ad acta gelegt werden, was mittelfristig die Frage der Mitgliedschaft im Bündnis aufwirft! Ist es diese – unausgesprochen – innewohnende Drohung der Türkei gegen „den Westen“, dem TUR sich seit Erdogan nicht mehr verbunden fühlt, die Anerkennung seines (osmanischen) Machtanspruchs im Nahen Osten

    [Diese Töne nach dem Muster „trau keinem Türken“ stellen wir hier aber ganz schnell ein. T.W.]

  39. @KPK

    Das S-400 System kann doch sicher auch „stand alone“ betrieben werden und muß nicht vernetzt werden? Daher ist fraglich, ob es überhaupt an NATO-Systeme / -Netzwerke andocken wird.

    [Wie oben erwähnt. T.W.]

  40. @Eric Hagen – interessante Zusammenfassung, nur, dass man aus den genannten Fakten auch andere Schlüsse ziehen kann:
    1. der Abschuss der Su-24 – es ist eher unwahrscheinlich, dass dieser auf Anweisung von Erdogan erfolgte, sondern durch Eigeninitiative der Luftwaffe, vermutlich angeregt durch Kreise, die RUS unr TUR auseinanderbringen wollte, was ja auch erst Mal gelang (Sanktionen seitens RU, Einstellung TurkStream, Baustopp AKW)
    2. Erdogan, der zunächst den Aussagen seiner LW folgend, behauptete das RUS Flugzeug sei in TUR eingedrungen gewesen, gute Miene zum bösen Spiel machte und auf die NATO vertraute (es gab damals sogar Art. 5 Diskussionen), sieht sich schnell alleingelassen. Damit kehrt er auf seine Ausgangsposition zurück und revitalisiert die Beziehungen zu RUS.
    3. Kurz darauf gibt es den „angeblichen Putsch“, der im Westen medial gut dargestellt wird, neutral gewissermaßen, ohne jegliche Verurteilung und Parteinahme für die legitime Regierung. Die Luftwaffe wieder an exponierter Stelle. Böse Zungen behaupten gar, dass russische Geheimdienste Erkenntnisse an Erdogan weitergeleitet haben. Von Dankbarkeit kann natürlich keine Rede sein in diesen Kreisen, aber Realitätserkenntnis. Das Personal der LW wird ausgedünnt, das hat schon was Stalinistisches.
    4. Wenn dem so ist, und angesichts der auch schon vorher bestehenden wirtschaftlichen Interesse, so ist das Wiedererstarken der TUR-RUS Beziehungen nicht verwunderlich.
    5. Der Kauf von S-400 anstelle Patriot. Und die Weigerung F-35 an TUR zu liefern. Es ist doch wohl offensichtlich, dass jemand der beide Waffensysteme hat, diese gegeneinander testen kann. Zunächst zur eigenen Informationsgewinnung. Offensichtlich haben die Russen keine Angst, dass TUR diese Daten an die USA weitergeben wird. Warum sind sie sich sicher? Weil es den Interessen von TUR widersprechen würde. Die gleichen Interessen, die den Kauf der Patriot als suboptimal darstellen, denn wie es Forist
    Kai Mauer 14.07.2019 um 23:41 Uhr treffend sagt:
    „Ich würde keinen Wachhund von einem potentiellen Gegner kaufen. Der kennt den Hund doch und kommt mühelos an ihm vorbei!“
    6. Die Aussage, dass keine F-35 an TUR geliefert werden kann, weil die Gefahr besteht, dass Daten an RUS gehen – bestätigt, dass man keine Chance sieht, das Vorhandensein der S-400 bei einem NATO-Mitglied zur Erkenntnisgewinnung ausnutzen zu können, und dass Erkenntnisse über die F-35 an einen potentiellen Gegner gelangen könnten. Dieser potentielle Gegener ist TUR, denn warum sollte TUR solche Daten an RUS weitergeben, am Bsp. Syrien sieht man, dass RUS und TUR pragmatische Beziehungen zu gewissen Themen haben, aber seit weit davon entfernt sind gleiche Interessen zu haben oder alliert zu sein.

  41. Warum wird jetzt überhaupt so eine Aufregung um die S-400 der Türkei gemacht? Griechenland hat seit Jahren S-300 im Einsatz und das wurde ja fast gefeiert, viele Länder wollten mal dagegen zur Übung antreten. Zum Anschaffungszeitpunkt war das auch etwa so modern wie die S-400 heute. Warum also dieser Hühnerhof?

    [Ich will Ihnen mal zugute halten, dass Sie einfach den Text oben nicht gelesen haben. Können sie aber noch nachholen. T.W.]

  42. Ich hatte den gelesen. Aber die Frage „Warum diesmal dieser Bohei?“ bleibt irgendwie unbeantwortet.
    S-300 nicht integriert, gut. S-400 nicht integriert, böse.

    In der initialen Meldung (IMHO von dpa) stand/steht, dass das erste Mal ein modernes russisches Waffensystem von einem NATO-Staat eingeführt wird. Das ist definitiv falsch.

  43. @Wolle

    Griechenland hat die S-300 quasi „geerbt“ und nicht ausgephast, aber nicht explizit bestellt. Aus Wiki:

    [Griechenland:] 2 Batterien S-300PMU-1 mit je 4 Startfahrzeugen. Griechenland hatte die Systeme nicht selber beschafft, sondern die Systeme wurden von Zypern unter dem Druck der Türkei an Griechenland abgegeben.

    Allerdings wurden wohl Raketen nachbeschafft, was bei „Verbrauchsgütern“ ja nicht ungewöhnlich ist:

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2015-04/griechenland-kammenos-ruestung-russland

  44. Die türkisch-amerikanischen Probleme sind schon etwas tiefergehend als nur „Erdogans Profilierungssucht“.
    https://nationalinterest.org/blog/buzz/s-400-and-more-why-does-turkey-want-russian-military-technology-so-badly-66732

    Zypern spielt eine langjährige Rolle, in jüngster Zeit verschärft durch divergierende ökonomische US und türkische Interessen in Bezug auf die vor Zypern gelegenen Gasfelder. Die Türkei muß direkt alle Folgen der US-Nahostpolitik bewältigen und grenzt direkt an ehemalige und aktuelle US-initiierte Kriegsschauplätze in Irak und Syrien und ist jetzt durch die Iran-Krise verstärkt durch iranische Mittelstreckenraketen bedroht. Notwendige Mittel zur Selbstverteidigung gegen luftgestützte Bedrohungen werden ihr US-seitig verweigert oder verzögert, NATO-Partner ziehen mitten in einem im Nachbarland laufenden (Bürger)Krieg ihre Luftverteidigungssysteme „aus Kostengründen“ ab. Die Bündnissolidarität seitens der NATO wird dadurch von der Türkei als sehr bröckelig empfunden. Dazu kommen noch Angriffe von Putschisten mit US-gebauten Flugzeugen auf das eigene Parlament, gegen die die Türkei nur sehr wenig geeignete Abwehrmittel hat.

    Unterm Strich viele gute Gründe, sich im Interesse der nationalen Sicherheit für ein rasch lieferbares potentes Luftabwehrsystem russischer Herkunft zu entscheiden. Nicht zu vergessen der Technologietransfer, an dem die Türkei großes wirtschaftliches Interesse hat und der ihr seitens der USA nicht mit angeboten wurde.

  45. @Wolle
    Diplomatisches Geschick ist keine Staerke, die Erdogan und seine Parteigenossen fuer sich reklamieren duerf(t)en.
    In den tuerkischen Medien- im Original wie in englischen Uebersetzungen- wird diese verantwortliche Fuehrungsriege sehr, sehr oft mit ff. Vokablen im Kontext zu Verbuendeten und „Freunden“ zitiert- eine unvollstaendige Auswahl: „die TUR- besteht-, droht-, fordert ein, verbitten sich“- „nationales Recht,- souveraene Entscheidung-„, „(andere) sollten ihren Platz kennen-, osmanische Ohrfeige“,- „(an TUR) fuehrt kein Weg vorbei-, Verschwoerungen aus dem Ausland-, auslaendischen Terroristen“ usw. Dabei werden selbst „Freunde“ und Allierte verzwergt, reduziert, verhoehnt und als „halbe Portionen“dem Spott einer an Minderwertigkeitskomplexen laborierenden Gesellschaft im Aufbruch preisgegeben.

    – Diese Rhetorik, gepaart mit mit einem gravierendem Mangel an Kontinuitaet, vorausschauender Planung und Berechenbarkeit sowie eines Machtapparates, der zunehmend keine legislative Machtkontrollen zu befuerchten hat und auf Erdogan ausgerichtet ist,
    – SK, die z.T. in sehr einschneidender Weise von Erfahrungstraegern, Atlantikern gesaeubert wurde – all das laesst Vertrauen in die TUR schwinden.

    Das fuehrte zu einer sehr vorsichtigen Gangart ggue. der TUR allgemein; die Unberechenbarkeit Erdogans hat bis heute die Beziehungen zur EU, zu GRC, zu ISR ( hier gab es unter Erdogan selbst, ehemals eine „strategische Partnerschaft“), zu EGY, zum IRK, zu KSA, zu LIB, zu den USA zeitweise zu DEU, NLD, DNK, UK und FRA beschaedigt oder ruiniert.
    Dem stehen derzeit gute Beziehungen ggue zu RUS, dem IRN ( mit Einschraenkungen) sowie einigen Turk-Staaten in Zentralasien und zu VZL inmitten dessen Dauerkrise und politischen Naehe zu Kuba!
    Mit anderen Worten: Das System Erdogan hat ein Talent Freunde zu brueskieren, Gespraechskanaele versiegen zu lassen und sich mit Aussenseitern zu assoziieren. Hinzu tritt die TUR innerhalb der NATO unnoetig als Bremser auf. ( GRP, Nordmazedonien- Streit, S-400)
    Gleichzeitig wollen die USA und die NATO natuerlich verhindern, dass die TUR aus dem Buendnis ausschert und sich noch staerker an RUS orientiert.
    Das macht das Ganze zu einer Gratwanderung.
    Das sollte genuegen, um den „Bohei“ erklaeren zu koennen.
    Die TUR ist ein aeusserst schwieriger Partner, dessen derzeitige innere Verfasstheit und auessere Ausrichtung nur sehr schwer in Einklang mit westlichen Interessen und Werten zu bringen ist.

  46. @Eric Hagen sagt: 16.07.2019 um 11:36 Uhr

    Nicht vergessen, daß die NATO-Partner direkt hinter der türkischen Grenze den Staatsfeind der Türkei pampern, militärisch ausbilden und bewaffnen. Ist ja nicht so, daß die YPK-Kämpfer schlagartig ihre Ausbildung vergessen, wenn sie statt auf den IS in Richtung Türkei schauen, und daß die gelieferten Waffen nur auf IS-Angehörige schießen können und nicht auf türkischer Kräfte. Dieses Vorgehen ist für einen NATO-Partner eine erhebliche Zumutung. Wäre es für jeden NATO-Partner.

    Zu einem „schwierigen Partner“ gehören immer zwei. Rußland hat nach dem Abschuß seiner Su-24 sehr effektiv dem türkischen Auftreten und der türkischen Rhetorik einen Riegel vorgeschoben und der Türkei ihren Platz gezeigt. Sehr zügig. Mit ganz legalen diplomatischen Mitteln und ohne Gewalt. Daß die USA und die Bundesrepublik ähnliches nicht vermögen, liegt weder an der Türkei noch an Rußland…

  47. @Mitleser

    Die ach so starke türkische Armee hat aber ewig lange keinen Finger krum gemacht im Irak oder Syrien. Sie stand teilweise in Sichtweite an ihrer Grenze und sah dem Treiben zu, wie z.B. in Kobane, das keine 100 Meter vor der türkischen Grenze liegt. Da braucht man sich dann auch nicht beschweren wenn die Kräfte vor Ort ausgebildet und ausgerüstet werden.

    Wo der Sinn der Stationierung von Patriotsystemen in der Türkei liegen soll, wissen wohl auch nur Sie und die Türkei.

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