Merkposten: USA planen Ad-hoc-Koalition zum Schutz von Tankern im Persischen Golf

Die USA haben – erneut – eine internationale Koalition zum Schutz der Handelsschiffahrt im Persischen Golf angeregt. Dabei soll es vor der Hintergrund der Spannungen zwischen den USA und dem Iran um Geleitschutz vor allem für Öltanker unter westlicher Flagge gehen. US-Stabschef Joseph Dunford präzisierte den Vorschlag für eine solche Koalition unter US-Führung.

The United States hopes to enlist allies over the next two weeks or so in a military coalition to safeguard strategic waters off Iran and Yemen, where Washington blames Iran and Iran-aligned fighters for attacks, the top U.S. general said on Tuesday.
Under the plan, which has only been finalized in recent days, the United States would provide command ships and lead surveillance efforts for the military coalition. Allies would patrol waters near those U.S. command ships and escort commercial vessels with their nation’s flags.

sagte Dunford am Dienstag (Ortszeit) in Washington, wie Reuters berichtet.

Einen entsprechenden Vorstoß hatte der amtierende US-Verteidigungsminister Mark Esper bereits beim jüngsten Treffen der NATO-Verteidigungsminister angekündigt. Jetzt scheinen diese Pläne konkreter Gestalt anzunehmen. Die USA werfen dem Iran vor, für Angriffe auf Tanker in diesem Seegebiet in den vergangenen Wochen verantwortlich zu sein – eine Einschätzung, die international nicht durchgehend geteilt wird.

Beim deutschen Verteidigungsministerium war am (heutigen) Mittwochvormittag noch keine offizielle Anfrage der USA in diese Richtung bekannt.

Unklar bleibt vorerst, was die Intention bei einer solcher Koalition ist: In der Region, sowohl im Persischen Golf als auch in der Straße von Hormus und vor dem Jemen sind bereits zahlreiche Kriegsschiffe verschiedener Nationen unterwegs, unter anderem in mehreren internationalen Task Forces. Außerdem gibt es bereits eine von Großbritannien organisierte Koordination der Marinen verschiedener Länder in der Region.

Einzelne Nationen wie Großbritannien haben darüber hinaus bereits mit Geleitschutz für Tanker unter ihrer Flagge begonnen:

Nachtrag: In der Bundespressekonferenz am Mittwoch erklärten sowohl das Auswärtige Amt als auch das Verteidigungsministerium, sie hätten bislang keine offizielle Anfrage dazu erhalten.

(Foto: STRAIT OF HORMUZ (May 3, 2019) Gunner’s Mate 1st class Tyson Hinkley stands watch aboard the Cyclone-class coastal patrol ship USS Whirlwind (PC 11) while transiting the Strait of Hormuz – U.S. Army photo by Spc. Vincent Fausnaught)

76 Gedanken zu „Merkposten: USA planen Ad-hoc-Koalition zum Schutz von Tankern im Persischen Golf

  1. Noch eine Koalition der Willigen, natürlich unter Führung der USA, damit man in dem folgenden Konflikt nicht so als Kriegstreiber dasteht. Diesmal hat man noch nicht einmal eine UN-Resolution, die man irgendwie für solch einen Einsatz verbiegen kann.
    Das bräuchte man alles nicht, hätten die USA nicht einseitig das Atomabkommen aufgekündigt. Warum sie das getan haben? Weil dem größten Dealmaker aller Zeiten (GröDaZ), der Vertrag nicht gut genug war. Der Iran hat nicht dagegen verstoßen. Soweit die Faktenlage.
    Und anstatt den Vertrag umzusetzen und den Iran in die Staatengemeinschaft zurückzuholen, rasselt man lieber mit dem Säbel und stößt wüste Drohungen aus. Das hätte man mit dem Vertrag auf diplomatischen Weg sicherlich effektiver gelöst.

    Das ist jetzt irgendwie wie rauchen auf der Tankstelle…

  2. @ Pio-Fritz
    „Diesmal hat man noch nicht einmal eine UN-Resolution, die man irgendwie für solch einen Einsatz verbiegen kann.“

    Für den Tanker Geleitschutz braucht man auch keine UN-Resolution. Der Geleitschutz dürfte in den souveränen Gewässern der VAE un des Omans stattfinden, die beiden Staaten werden eine entsprechende Untersützung beim Schutz ihrer Seewege mit Kusshand nehmen.

    Ein schwadronieren über „Un Mandate“ erübrigt sich daher.

    Abgesehen davon besteht doch offensichtlich eine BEdrohung des Öltransportes und damit einer auch für Deutschland vitalen Ressource.

    In jedem Pamphlet der deutschen Marine ist exakt dieses Szenario als exemplarisch für Existenzberechtigung von deutschen Seestreitkräften aufgeführt.

    Warum man sich einem Einsatz hier verschließen sollte ist mir schleierhaft. Man sollte dem Iran m.E. keine Eskalationsdominanz zubilligen, egal was man vom Gebaren der USA in der JCPOA Frage hält.

  3. @Pio-Fritz:

    Wozu sollte man bei der Eskortierung von Schiffen in Internationalen Gewässern eine UN-Resolution benötigen?
    Ich gewinne immer mehr bei „Diskussionen“ den Eindruck, dass wenn es um das Feindbild USA geht, die Leute das logische Denken einstellen, da man ja von vorher weiß, wer zu verteufeln ist…

  4. @Pio-Fritz: Moment mal, auch Kriegsschiffe dürfen nach internationalem Seerecht Meerengen durchfahren, Art. 37 ff. des Seerechtsübereinkommens der VN. Eine passive Eskorte eigener Handelsschiffe wird wohl kaum dahingehend zu verstehen sein, dass sie „Androhung oder Anwendung von Gewalt“ darstellt, die „gegen die Souveränität, die teritoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Meerengenanliegerstaates gerichtet ist“ (Art 39 Abs 1 lit. b)).

    D.h. das simple Durchfahren, um zu den Ankerplätzen der Öl-Staaten zu kommen, ist zulässig und muss nicht erst durch VN-Beschluss gerechtfertigt werden.

    Anders evtl. im deutschen Verfassungsrecht. Aber auch da ist Art. 87a Abs. 2 GG eher nicht so zu verstehen, dass die Marine zur Verlegung ihrer Schiffe einer besonderen grundgesetzlichen Ermächtigung bedürfe (anders, wenn hoheitliche Befugnisse ausgeübt werden sollen). Bleibt die Frage, ob ein solcher Einsatz vom Bundestag mandatiert werden müsste. Das hinge letzlich davon ab, ob § 2 ParlBG erfüllt ist, d.h. ob „Soldaten der Bundeswehr in bewaffnete Unternehmungen einbezogen sind oder eine Einbeziehung in eine bewaffnete Unternehmung zu erwarten ist.“

    Dabei spricht insbesondere § 2 Abs 2 S. 2 ParlBG gegen eine Mandatspflicht: „[…] Hilfsleistungen der Streitkräfte, bei denen Waffen lediglich zum Zweck der Selbstverteidigung mitgeführt werden [bedürfen keiner Zustimmung, L], wenn nicht zu erwarten ist, dass die Soldatinnen oder Soldaten in bewaffnete Unternehmungen einbezogen werden.“

    Das hängt aber davon ab, wie pessimistisch Sie die Situation am Persischen Golf sehen.

    Eine reine Geleit-Mission, bei der sich die Bw darauf beschränkt, „mal zu schauen, dass nichts passiert“ und die Gebiete schnell und zügig passiert, wäre also zulässig, möglicherweise aber zustimmungspflichtig.

    Ich mache mir eher Sorgen, dass die Marine überhaupt ein Schiff hat, dass sie dorthin schicken könnte. Ob es sinnvoll und politisch opportun ist, einen solchen Einsatz zu fahren, ist etwas ganz anderes.

  5. Gegenwärtig am Golf bereits präsent Combined Task Forces 150 & 152, HQ Bahrain. (link: https://en.m.wikipedia.org/wiki/Combined_Task_Force_150) en.m.wikipedia.org/wiki/Combined_… (link: https://en.m.wikipedia.org/wiki/Combined_Task_Force_152) en.m.wikipedia.org/wiki/Combined_…
    RUS schickt eigenes detachment: (link: https://mobile.twitter.com/hdevreij/status/1148909012878053376/photo/1) mobile.twitter.com/hdevreij/statu… Landungsschiff ORSK folgt, bereits im Roten Meer. Schließlich geht es um Interessenwahrnehmung, moralische Unterstützung des Teheraner Partners im Geiste und natürlich Beobachtung westlicher Flotten.
    Nach jüngsten Abfuhren aus Berlin, wird kaum eine Abfrage für Deutsche Marine erfolgen.

  6. @wacaffe + @Roadrunner

    Bevor Sie über mich herfallen, wäre etwas Information sicherlich hilfreich gewesen.
    Die Straße von Hormus ist nur 30 Seemeilen breit. Schiffe müssen beim Passieren der selbigen sowohl die Hoheitsgewässer Omans als auch des Irans durchfahren. Ebenso Kriegsschiffe. Das wäre nach dem Seerechtsübereinkommen der UN kein Problem, der Iran hat dieses jedoch nicht ratifiziert und somit gilt es dort nicht. Die USA sind diesem Übereinkommen übrigens gar nicht erst beigetreten.
    Also geht die Passage nach Genfer Seerechtskonventionen, nach denen Handelsschiffe frei passieren dürfen, aber Kriegsschiffe jeweils die Erlaubnis der jeweiligen Staaten einholen müssen. U-Boote müssen die Passage aufgetaucht und beflaggt durchführen.
    Nachzulesen hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fe_von_Hormus

    Also, so meine Schlussfolgerung, möchte man nicht internationales Seerecht verletzen, braucht man eine andere rechtliche Grundlage. Wo soll diese herkommen, wenn nicht von der UN? Man kann natürlich auch die Position der USA einnehmen, die sich auf Völkergewohnheitsrecht berufen aufgrund des Seerechtsübereinkommens der UN, dem sie selber nicht beitreten. Finde ich schizophren, ich berufe mich auf ein Abkommen, dem ich nicht beitrete, also nicht anerkenne….

    Also bitte Beißreflexe einstellen, gründlich nachdenken und dann entscheiden. Nur weil die USA es so machen, heißt das nicht, das es so richtig ist. Von den Pamphleten der Deutschen Navy mal ganz abgesehen, da wird mit Sicherheit von anderen Voraussetzungen ausgegangen. Das hat auch mit „Eskalationsdominanz des Irans“ gar nichts zu tun, internationales Recht ist nun mal für alle gleich, auch hier gilt nicht das Recht des Stärkeren.

  7. @Thomas Melba:
    Die Straße von Hormuz ist eine internationale Seestraße und es gilt das Recht der friedlichen Durchfahrt. Bei einem Eskort können alle dafür geltenden Regeln angewendet werden. Seerechtsexperte wird man nun mal leider nicht mit dem Studium von Wikipedia….

  8. @ pio fritz

    Ihre Sicht setzt voraus, den Anspruch des Irans auf die Tunb und Abu Musa inseln anzuerkennen. Das muss man nicht und welches Interesse sollte Deutschland daran haben einen der wichtigsten Meerengen praktisch dem IRan zu übereignen?

    Manchmal muss man sich wirklich fragen ob Politik im eigenen Interesse in Deutschland überhaupt noch praktiziert wird. Völkerrecht ist nicht statisch sondern kann unterschiedlich interpretiert und praktiziert werden.

    Deutschland ist nicht der Iran und muss sich dessen Perspektive daher nicht zu eigen machen. Das Völkerrecht steht imho einer Begleitung deutsch/ bzw. europäisch Beflaggter Schiffe nicht im Wege.

    Exemplarisch dafür die Begleitung durch britische Kriegsschiffe. Auch dort wird eine rechtliche Rpüfung unter Berücksichtigung des Völkerrechts stattgefunden haben. Möglicherweise wurden die eigenen Interessen dort jedoch nicht völlig ignoriert

  9. So notwendig eine Bewertung see- und völkerrechtlicher Vorgaben auch ist, unter Kenntnisnahme der realen Machtfaktoren am Golf zu Lande/zur See, vertreten durch den Iran und die USA samt jeweilige Verbündete: Befehlshaber im Einsatz handeln unmittelbar im hier-und-jetzt, was auch für übergeordnete Regierungsstellen in den Hauptdtädten gilt.
    Das Internationale Seerechtsübereinkommen gilt fraglos, übrigens auch für TUR/RUS unter Berücksichtigung der Passage RUS Marine durch den Bosporus – Meerengenabkommen – en Route vom Schwarzen Meer an den Golf.
    Die faktische Enge in der Straße von Hormus muss kritisch betrachtet werden, ein juristisches Seminar findet in den HQs allerdings nicht statt.
    Die POLAD und LEGAD waren sicher emsig beschäftigt.

  10. @Klaus-Peter Kaikowsky sagt:10.07.2019 um 13:44 Uhr

    „Nach jüngsten Abfuhren aus Berlin, wird kaum eine Abfrage für Deutsche Marine erfolgen.“

    Da stimme ich Ihnen zu, allerdings weniger wegen der Abfuhr bezgl. Syrien, als vielmehr auf Grund der deutschen Haltung zum Atomabkommen (JCPOA). Wer möchte schon immer den Mahner mit am Tisch sitzen haben. Das ist ja unbequem, zumal der auch noch recht hat.

  11. Die Straße von Gibraltar ist eine Meerenge wie die Straße von Hormuz. Die Auffassungen hinsichtlich der präzisen rechtlichen Fassung des Rechts auf freie Passage, wie es gewohnheitsrechtlich seit Jahrhunderten etabliert ist, differieren. Die freie Passage ist jedenfalls ein hohes Gut.
    In der Straße von Gibraltar wurde am 4. Juli d.J. ein mit Rohöl beladener Supertanker mit Einsatz von polizeilicher/militärischer Gewalt ‚gekapert‘ und beschlagnahmt. Die Ladung stammt wohl aus dem Iran, Iran macht auch Rechtsverletzungen durch diesen Akt geltend.
    Die Administration von Gibraltar legitimiert ihren seerechtlich höchst problematischen Akt mit der Durchsetzung von Wirtschaftssanktionen der EU – die EU wurde aber erst im Nachhinein davon i.K. gesetzt, dass in dieser Weise für sie gehandelt wurde. Die EU hat bislang zu dem Vorgang keine Stellungnahme abgegeben. Spanien hat protestiert, weil es das Seegebiet, in dem die Kaperung stattfand, als spanisches Hoheitsgewässer ansieht
    Nimmt man diesen Vorgang mit den jüngsten Konfliktfällen in anderen Meerengen – Kertsch, Hormuz, „Frisches Haff“ (Vistula Lagoon) – zusammen, dann erkennt man zwei Muster:

    a) Die Freie Passage wird in der Abwägung mit anderen Anliegen immer mehr nach hinten gedrängt.

    b) Die Medien des regelgebundenen Westens verteidigen dieses hohe Rechtsgut nur noch gegenüber dem Gegner, nicht gegenüber den eigenen Regierungen.

  12. Die Strasse von Hormuz ist eine Achillesferse des energieabhaengigen Westens. Das ist weder neu noch erstaunlich.
    Erstaunlich ist schon eher, dass die neuerliche Anfrage offenbar eine neue Planungsphase beschreibt, wonach sich die USA/ Alliierte auf ein eskalierendes Szenario vorbereiten. Angesichts der politischen Stille, nachvollziehbar.
    Ich moechte nochmals an einen schon laenger zurueckliegenden Beitrag meinerseits erinnern, wonach ein IRN VgAtt mir vor Jahren ggue die Option beschrieben hatte, die Passage notfalls mit C- Waffen sperren zu wollen/ koennen.
    Es besteht derzeit eine gewisse Unklarheit ueber ein reales iranische C-Waffen Arsenal, das auch insgesamt in einem solchen seegebundenen Raum und Umfeld verfuegbar und einsatzbereit ist. OPCW und auch die (boesen) USA stellen die Existenz eines C-Waffen Arsenal fest, der IRN bestreitet das.
    Es gibt aus SYR starke Hinweise darauf, dass die mit dem IRN verbuendete Hezbollah vereinzelt C-Waffen eingesetzt hat.
    Somit sollte unterstellt werden, dass der IRN neuere, aktive Erfahrungen und Kenntnisse gewonnen hat, mit diesen Substanzen umzugehen.
    Die Experten moegen besser beurteilen, welche technischen Bedingungen gegeben sein muessen und welche Wirkungen zu erwarten waeren.
    Mit Blick auf die asymetrischen Kapazitaten der Pasdaran: Da die iranische Faehigkeit zur Seeminenkriegfuehrung als gegeben beurteilt ist- kann man Seeminen mit Giftkampfstoffen befuellen?
    Nun gibt es noch weitere Moeglichkeiten, kleinere C-Waffen Mengen zur Anwendung zu bringen.
    Der Schutz der Passage und der sie befahrenden Schiffe aller Art sollte in einem zu erstellenden CONOPS Bedrohung und Risiko durch iranische C-Waffen beurteilen und ggf. darauf reagieren.

  13. @Roadrunner sagt: 10.07.2019 um 14:00 Uhr

    „@Thomas Melba:
    Die Straße von Hormuz ist eine internationale Seestraße und es gilt das Recht der friedlichen Durchfahrt. Bei einem Eskort können alle dafür geltenden Regeln angewendet werden. Seerechtsexperte wird man nun mal leider nicht mit dem Studium von Wikipedia….“

    Ihrer Äußerung entnehme ich, das Sie Anwalt für Seerecht sind und uns Unwissenden sicherlich den Unterschied zwischen Seerechtsübereinkommen der UN und Genfer Seerechtskonventionen erklären können. Und das dann noch angewandt auf die Straße von Hormus und natürlich mit den Unterschieden zwischen Handelsschiffen und Kriegsschiffen. Ansonsten wäre Ihre Bemerkung mehr als fragwürdig.

  14. Vielmehr als die (m.E. ohnehin sachlich konsequenzenfreie) Analyse der Rechtslage scheint mir die Frage wichtig, ob irgendetwas handfestes darüber bekannt geworden ist, wer hinter den Angriffen/Anschlägen auf die Tanker vor der VAE-Küste steckt. Sind da irgendwelche sachdienlichen Hinweise oder Anhaltspunkte aufgetaucht, die über die gegenseitigen Beschuldigungen hinausgehen? Ist da tatsächlich alles geklärt? Immerhin scheint damit ja ein Akteur in dieser explosiven Gegend unterwegs zu sein, der praktisch handelt. Wäre gut, wenn man wenigstens ungefähr wüsste, mit welchen Absichten.

  15. Zum Glück hätten wir ja jetzt mit der F125 für solche „low intensity“ (Achtung Ironie) Einsätze mit potentiell langen Standzeiten das perfekt passende Equipment…

  16. @Pio-Fritz
    Sie glauben ernsthaft, dass die USA als betroffene westliche Führungsmacht, in Syrien mit CJTFOIR, Counter Daesh/Capacity Building Iraq und einer multinationalen Flotte am Golf, Op SENTINEL, derart feine Unterschiede zu jewriligem NEIN aus Berlin machen? Zumal zu Ende gedacht, Objective immer der Iran ist, – beileibe nicht.
    It is always about the Germans who are behind!

  17. @wacaffe sagt:10.07.2019 um 14:23 Uhr

    „Manchmal muss man sich wirklich fragen ob Politik im eigenen Interesse in Deutschland überhaupt noch praktiziert wird.“

    Ich denke schon. Werfen Sie mal einen Blick auf die deutschen Rohölimporte 2017 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2473/umfrage/rohoelimport-hauptlieferanten-von-deutschland/ . Da sehen wir, das 2017 85.665.000 t Rohöl importiert wurden. Davon aus dem Irak 4.675.000 t, aus Saudi-Arabien 1.021.000 t, aus dem Iran 794.000 t und aus Kuwait 176.000 t. Also aus der „Krisenregion“ über die wir hier sprechen 6.666.000 t oder 7,8% des Gesamtimports. 6,9%, wenn ich die iranische Ölmenge weglasse, die unter den Sanktionen der USA liegt.
    Das ist von der Menge her mit Sicherheit nicht vital für Deutschland, das könnte man auch woanders auf der Welt kaufen. Dafür brauche ich als DEU kein Kriegsschiff zu schicken. DEU hat noch nicht mal vitales Interesse an guten Beziehungen zum Iran, zumindest nicht aus wirtschaftlichen Gründen heraus. Das JCPOA, das ursächlich für den ganzen Trouble ist, wäre nur sicherheitspolitisch ein Schritt nach vorne für die ganze Region gewesen. Ein weitaus größerer, als man den durch Eskalation der jetzigen Situation jemals erreichen kann.

  18. @T.W.
    „Unklar bleibt vorerst, was die Intention bei einer solcher Koalition ist“

    – Da haben Sie vollkommen Recht.
    – Ohne den Bruch des JCPOA durch die USA würde es keine Spannungen zwischen den USA und dem Iran geben. Wenn die USA sich lediglich wieder an den Vertrag halten würden, den sie unterzeichnet haben, ist dieser ganze Aufmarsch komplett überflüssig.
    – Man wird den Verdacht nicht los, dass die USA Alles daran setzen, eine Deeskalation zu vermeiden.

    „Beim deutschen Verteidigungsministerium war am (heutigen) Mittwochvormittag noch keine offizielle Anfrage der USA in diese Richtung bekannt.“

    – Wenn dem so ist, dann scheint es ja so zu sein, dass das BMVg inzwischen auch nur noch per „Twitter“ und durch die Presse über eventuelle Forderungen der USA informiert wird.

  19. @Klaus-Peter Kaikowsky sagt: 10.07.2019 um 15:14 Uhr

    @Pio-Fritz
    Sie glauben ernsthaft, dass die USA als betroffene westliche Führungsmacht, in Syrien mit CJTFOIR, Counter Daesh/Capacity Building Iraq und einer multinationalen Flotte am Golf, Op SENTINEL, derart feine Unterschiede zu jewriligem NEIN aus Berlin machen? Zumal zu Ende gedacht, Objective immer der Iran ist, – beileibe nicht.
    It is always about the Germans who are behind!

    Jaja, die Amis sind schon tolle Hechte. Was die alles so machen, um ihre höchstselbst produzierte gequirlte Kacke (sorry für die Deutlichkeit) wieder einzufangen, unglaublich. Den Sarkasmus darf jeder behalten.
    Im Ernst, glauben Sie, die Amis wüssten nicht, was in DEU politisch vielleicht geht oder nicht? Oder wie erklären Sie sich die Tatsache, das für Bodentruppen in Syrien eine konkrete Anfrage vorliegt, für ein Schiff am Persischen Golf aber nicht?
    Und ich sehe die Deutschen nicht am Schluss oder hinterher. Unsere Regierung und die Mehrheit der Wählerschaft hat nur begriffen, das die Kolonialzeit ein für alle mal vorbei ist und man die Staaten Afrikas und Asiens inkl. Mittlerer Osten nicht wie Hinterwäldler behandeln kann. Die modifizierte Kanonenbootpolitik der USA funktioniert nicht mehr. Schon gar nicht, wenn man die modernsten Waffen an den Feind von morgen verkauft.

  20. @all
    Es kommt zunehmend eine Schärfe in die Kommentare, auch gegenüber anderen Kommentatoren. Bitte nicht.

  21. @Pio-Fritz: Mit der geografischen Zuordnung der Ölimporte rutscht man leicht in eine Milchmädchenrechnung denn das Öl aus den verschiedenen Regionen hat zwar kleinere Qualitätsunterschiede ist aber ziemlich gut substituierbar. Die relativen Preise der verschiedenen Sorten verschieben sich daher kaum. Es gibt annähernd das, was man „den“ Ölpreis und den „Weltmarkt“ nennen könnte. Konsequenz: Selbst wenn wir 100% allein aus der Nordsee importieren würden, käme bei uns der volle Preiseffekt an, wenn wichtige Lieferanten wie Iran ausfallen oder andere (wie kürzlich Saudi Arabien) den Hahn deutlich größer aufdrehen. Insofern ist der für uns wichtiger, als die knapp 8% andeuten.

  22. Beide, Iran und USA betreiben bei der ganzen Hormuz-Diskussion seerechtliches Cherry-Picking.

    Wen‘s im Detail interessiert:

    Legal Vortex in the Strait of Hormuz
    hier als pdf

    Da merkt man mal wieder wie Sinnvoll es wäre wenn sowas wie UN und internationale Gerichtshöfe momentan den Stellenwert hätten den Sie haben sollten. Ansonsten mutiert das alles nur zum Recht des Stärkeren wie es vor UN -Gründung mit schlimmen Folgen mal war.

    [Link gefixt, T.W.]

  23. @Zivi a.D. sagt:10.07.2019 um 19:19 Uhr

    Natürlich haben Sie recht, was den Preiseffekt angeht, bei den momentanen Ölpreisen ist da aber Luft nach oben. Und der steigt auch hin und wieder ohne selbstgemachte Krise im Golf. Wir stehen nicht vor dem Untergang des Abendlandes, oder denken Sie an einen länger dauernden Krieg?

  24. @pio-fritz Lassen wir bitte die Kirche im Dorf: Keine Nation oder Adhoc-Allianz braucht eine UN-Resolution um seine eigenen Schiffe in eigenen oder internationalen Gewässern zusätzlich zu schützen. Gerade in einer unruhigen Region wie dem Persisch-Arabischen Golf.

    In der Region ist derzeit jeder auf Konfrontation gebürstet, egal ob Iran, Saudi-Arabien, Türkei, Rußland oder USA. So absurd es wirkt, für eine aktive glaubhafte Verringerung der Spannung treten vor Ort derzeit nur Irak, Kuwait, Jordanien und die DSNF-Gebiete ein. Ein kurioses Interessenbündnis aber immerhin ehrlich nachvollziehbar.

  25. Aber mit Pio-Fritzes Anmerkung „Das bräuchte man alles nicht, hätten die USA nicht einseitig das Atomabkommen aufgekündigt. Warum sie das getan haben? Weil dem größten Dealmaker aller Zeiten (GröDaZ), der Vertrag nicht gut genug war. “ sind alle einverstanden?

    Natürlich war der Vertrag nicht gut genug, er schob das A-Waffen Problem nur hinaus und der Iran hat nach Aufhebung der Sanktionen richtig angefangen, Unruhe in der Region zu schüren.

    Europa führt ein gutes Gespräch, hebt Sanktionen auf und hofft auf Gegenleistung.
    Trump sagt: Bring Leistung, dann können wir über die Aufhebung von Sanktionen reden. Mir gefällt der amerikanische Ansatz gut.

  26. @escrimador: Das ist doch allenfalls die halbe Wahrheit was auch klar erkennbar ist, wenn man nach den Zielen/Bedingungen der Trumpisten für eine Aufhebung der Sanktionen fragt. Das ist so nebulös und weit gefasst dass dahinter die Absicht erkennbar ist, den Iran wieder nach Gutdünken selbst zu regieren. Es geht Trump und seinen Leuten keinesfalls um Frieden oder Sicherheit oder vergleichbar honorige Ziele. Darin ist die Trump-Gang ähnlich bösartig wie die Putin-Gang. Sie agieren wie Mafia-Banden, die „ihren“ Bezirk gegen fremden Zugriff abschirmen und möglichst auf Kosten der Konkurrenz erweitern wollen um eine größere Basis für die Einkünfte aus Schutzgeld, Drogenhandel und Prostitution zu sichern.

  27. @ Escrimador sagt:10.07.2019 um 23:02 Uhr
    „Natürlich war der Vertrag nicht gut genug…“

    – Er wurde aber von den USA unter Obama abgeschlossen. Ihn dann zu brechen weil Trump „der Deal“ nicht „gut genug“ war ist ja geradezu abenteuerlich ignorant. Es geht doch nicht um den „Deal“ einer neuen Badewanne in einem Luxus-Golf-Ressort, sondern um ein Abkommen, dass nach jahrelangen Verhandlungen zwischen mehreren Staaten abgeschlossen und vom VN-Sicherheitsrat mit der Resolution 2231 in 2015 gebilligt wurde .

    „Mir gefällt der amerikanische Ansatz gut…“

    Mir nicht. Und ich bin damit nicht alleine. Es ist keineswegs so, als würde es nicht auch in den USA ernst zu nehmende politische Persönlichkeiten geben, die den Wahnsinn der ständigen „Kriegsrhetorik“ der Falken in der Trumpregierung nicht auch in Frage stellen würden. Als ein Beispiel möchte ich die demokratische Präsidentschaftsbewerberin und Angehörige des US-Kongreß (Tulsi Gabbard) anführen. Sie war als Soldatin im Irakkrieg eingesetzt und hat im ersten Duell der demokratischen PräsidentschaftsbewerberInnen ihre Kritik an den „Chickenhawks“ der Trump-Regierung sehr schön auf den Punkt gebracht hat. Zitat:
    „Let’s deal with the situation where we are, where this president and his chickenhawk cabinet have led us to the brink of war with Iran…Mike Pompeo, John Bolton, and others — are creating a situation that just a spark would light off a war with Iran, which is incredibly dangerous. That’s why we need to de-escalate tensions. Trump needs to get back into the Iran nuclear deal and swallow his pride, put the American people first.“

    https://www.realclearpolitics.com/video/2019/06/26/tulsi_gabbard_trump_and_his_chicken_hawk_cabinet_have_led_us_to_the_brink_of_war_with_iran.html

    Es lohnt meines Erachtens sich das 2-minütige Video anzuschauen. Eine solch klare sachliche Sprache wenn es um Krieg und Frieden geht würde ich mir auch von der deutschen Politik wünschen.

  28. @Pio-Fritz:
    Sehr geehrter Mitforist:
    Nein, ich bin kein Jurist, aber man muss ja nicht immer gleich Anwalt sein, um Grundlegendes zu seiner Profession zu wissen.
    Ihrem Nickname entnehme ich, dass Sie dem Heer entstammen. Ich hingegen bin Angehöriger der Marine und habe die Straße von Hormuz mehrmals als Verantwortlicher auf der Brücke eines Kriegsschiffes durchquert.
    Können Sie sich eventuell vorstellen, dass ich auch ohne Staatsexamen in Jura ein wenig mehr zur Materie beitragen kann als ein Kamerad, der sich eventuell mit dem Überqueren von Flüssen besser auskennt? Ist es Ihnen nicht mal in den Sinn gekommen, dass Seeoffiziere auch im Seerecht geschult (generell) und bei Einsätzen auch spezifisch vorbereitet werden – auch von Rechtsberatern, die sich auf das Seerechts spezialisiert haben?

    Und noch mal zur Quelle Wikipedia: Da fällt einem doch eigentlich gleich im ersten Passus der Widerspruch ein, dass einmal von der engsten Stelle mit der Angabe 30 Seemeilen und wenig später mit 37,9 km gesprochen wird. Dazu steht dort im weiteren Verlauf, dass man bei der Passage die Hoheitsgewässer des Oman und Iran befahren müsse….
    Bei der Meldung in der Presse heute zu dem vorgeblich versuchten Angriff iranischer Boote auf ein – von einem Kriegsschiff der Royal Navy eskortierten (die machen das nämlich aus gegebenem Anlass bereits !!) – britisches Handelsschiff, wurde kolportiert, die Iraner wollten das Schiff zwingen in iranische TTW einzufahren. Hmm, wieso das denn? Haben die Revolutionsgarden denn nicht Wikipedia gelesen? Da steht doch, die müssen da sowieso durch!

    Noch mal also zum rechtlichen: Bei Meerengen, wo die Gegenküsten so dicht beieinander liegen, dass die eigentlichen Hoheitsgewässer (12NM) sich eigentlich überschneiden müssten, wird quasi „in der Mitte ein Trennstrich gezogen“. Man kann in diesem speziellen Fall, wenn man zum Beispiel aus Dubai kommt/nach Dubai fährt – so wie es mein Schiff mehrfach tat – diese Meerenge durchfahren ohne in Gebiete des Irrans zu fahren. Dadurch ist man dann automatisch im Oman, aber mit denen haben wir ja kein Problem. Des Weiteren gilt – wie bereits hier mehrfach erwähnt – immer das Prinzip der friedlichen Druchfahrt (hier muss man semantisch eigentlich differenzieren: es gibt hierbei einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen „innocent Passage“ und „Transit Passage“. Letzteres ist explizit für Seestraßen formuliert und hier der passende Terminus. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie unter anderem hier: https://www.law.hawaii.edu/sites/www.law.hawaii.edu/files/content/Faculty/Straits100308.pdf).

  29. @ Escrimador sagt:
    10.07.2019 um 23:02 Uhr

    Der amerikanische Ansatz nach Belieben sich an geschlossene Verträge nicht zu halten (niemand (!) wirft Iran vor das gleiche getan zu haben), Sanktionen zu verhängen gegen alle möglichen Länder, ohne dass diese Grundlagen internationalen Rechts haben, anderen Staaten (auch den lieben „Alliierten“) plump zu drohen, die nicht gleich freudig auf diese Sanktionen mit aufspringen und weit noch mehr Unruhe als der Iran zu schüren gefällt mir leider überhaupt nicht gut.
    Und der amerikanische Ansatz hat dabei gute Tendenzen China und RUS langfristig in die Hände zu spielen, da wenn US so weitermacht ggf. viele Länder am Rande des Geschehens sowas wie Verlässlichkeit eher dort verorten könnten.
    Ich kenne ein paar Iranerinnen in Deutschland, die können mit dem Mullahs rein gar nichts anfangen, haben aber aktuell Familienangehörige im Iran (Eltern und Grosseltern), die nach Inkraftsetzen der Sanktionen dringend benötigte Medizin nicht mehr im Iran bekommen. Auch nicht aus Europa, da durch den US-Druck so ziemlich alle EU-Firmen Ihre Geschäftsbeziehungen eingestellt haben. Reinstes US-PowerPlay. Und erklären Sie denen mal, dass die Haltung des „Westens“ super wäre. Da gehen einem schnell die Argumente aus.

    Mir gerät bei diesen Diskussionen oft viel zu schnell in Vergessenheit, dass am Ende ganz normale Menschen unter diesen ganzen Spielchen leiden.

  30. @Wait&C sagt:10.07.2019 um 22:36 Uhr

    „In der Region ist derzeit jeder auf Konfrontation gebürstet, egal ob Iran, Saudi-Arabien, Türkei, Rußland oder USA.“

    Nun ja, das hört sich bei Ihnen so pari an. M.E. sind die USA in der Region momentan Kriegstreiber Nr.1. Und das völlig ohne handfesten Grund. Gestern hat Trump behauptet, der Iran hätte auch schon vor Aufkündigung des JCPOA durch Urananreicherungen (jenseits der 3,67%) gegen das Abkommen verstoßen. Und das komplett ohne irgendwelche Beweise und Belege! Die Prozentzahl habe ich mal eingefügt, so viele Details kennt der GröDaZ nicht, sie verwirren ihn bloß.

    Und zur Verlässlichkeit der USA, sehen Sie sich doch nur mal die Wirtschafts-und Handelspolitik an, heute insbesondere die US-amerikanischen Reaktionen auf die französische Ankündigung eine Digitalsteuer einzuführen. Dann wissen Sie, was ein Bündnis mit den USA wert ist.

  31. Hier wird über Jurisprudenz philosophiert, die Royal Navy beschützt Schiffe, siehe BBC heute. Ist das nun britische Kanonenbootpolitik, und die Briten genauso schlimm wie Trump?

  32. @Roadrunner sagt: 11.07.2019 um 7:43 Uhr

    Vielen Dank für den Link, sehr interessanter Text. Aber da sind wir genau bei dem Problem der unterschiedlichen Ansichten und dieser Text repräsentiert den US-amerikanischen Standpunkt. Kein Wunder, ist der Autor doch Amerikaner. Das ist auch kein Problem, solange alle beteiligten Staaten dem UN-Seerechtsübereinkommen beigetreten sind.
    Und da sind wir wieder bei dem Ursprungsproblem, Iran hat das UN-Seerechtsübereinkommen nicht ratifiziert und wendet dieses daher auch nicht an. Und die USA sind erst gar nicht beigetreten , berufen sich aber als Völkergewohnheitsrecht darauf. Für mich sind die Antworten nicht eindeutig.
    Mal abgesehen davon, das im Spannungsfall wahrscheinlich sowieso jeder macht, was er meint, sich leisten zu können.

  33. Der Vorfall mit GBR Tanker/IRN speedbooten/GBR Fregatte ereignete sich westlich (!) Str. v. Hormus.
    Teheran prüft London und will natürlich Tanker Grace1 mit 2 Millionen Fass Rohöl vor Gibraltar durch Royal Marines geentert, zurück haben; wobei dann zu beachten ist, ob dessen Weiterfahrt nach Syrien/Banyias zugelassen wird.
    Siehe Karte:
    https://www.bbc.com/news/amp/uk-48946051?__twitter_impression=true

  34. @Roadrunner
    – Vielen Dank für den aufschlußreichen Link zum Seerecht.
    – Ich möchte auf 2 Passagen aus diesem Text aufmerksam machen:
    * „…The United States has not yet ratified the Law of the Sea Convention,…“ (S. 186), Aber sich dann darauf berufen wollen; typisch „Dealmaker“.
    * „Article 39(1)(b) requires vessels and planes that are exercising their right of transit passage to “refrain from any threat or use of force against the sovereignty, territorial integrity or political independence of States bordering the strait, or in any other manner in violation of the principles of international law embodied in the Charter of the United Nations.” (S.188)
    Hier verstoßen die USA klar gegen diese Regeln, da sie den Iran in der Straße von Hormus bedrohen (u.a. bewiesen durch Global Hawk-Zwischenfall). Auch mit dem Sanktionsregime gegen Iran, das nicht durch die VN legitimiert ist, verstoßen sie gegen Völkerrecht und fügen den einfachen Menschen im Iran schwere Bürden auf, bis zum Tod durch fehlende Medikamente, wie @Landmatrose3000 mit Bezug auf Gespräche mit Bekannten geschildert hat.

    @Klaus-Peter Kaikowsky
    Auszug aus dem Text Ihres Links:
    „HMS Montrose, a British frigate escorting the tanker British Heritage, was forced to move between the three boats and the tanker, a spokesman said. He described the Iranians‘ actions as „contrary to international law“.

    Wenn es nicht so todernst wäre möchte man laut auflachen. Da beruft der Sprecher sich doch tatsächlich auf „international law“ – vermutlich sogar ohne rot zu werden- ganz so als würde das Vereinigte Königreich ein ewiger und ständiger Hüter des selben sein.

  35. Sollte sich der britische Vorfall bestätigen, wäre dies Grund genug, den US-Vorschlag ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
    Offensichtlich ist der Iran mehr als willens westliche Schiffe in der Region zu bedrohen!

  36. zur erneuten Provokation britischer Tanker:

    amüsant wird es vermutlich wenn demnächst UK seine europäischen Verbündeten bezüglich Teilnahme an GEleitschutzoperationen europäischer Schiffe anfragt.

    Dann kann man nicht mehr das Ressentiment gegen den Antichristen im weißen Haus anführen sondern muss erklären warum man eigenen und Schiffen der europäischen Verbündeten Untersützung verweigert.

    Evtl berücksichtigt die Iranophile Fraktion hier auch noch mal, dass mittlerweile der Iran nachweislich gegen JCPOA verstößt (Anreicherung) und quasi kriegerische Handlungen gegen westliche Schiffe unternimmt.

    Noch einmal: Egal was man von der Aufkündigung des JCPOA durch Trump hält, die Aktionen des IRan sind dadurch nicht zu rechtfertigen und sollten die Europäaer nicht davon abhalten eigenen Schiffen den offensichtlich nötigen Schutz zu gewähren.

    Das ist keine Eskalation sondern eine Reaktion auf iranische Agression. eigentlich ziemlich simpel

    [Und ich dachte, ich habe hier inzwischen oft genug gesagt, dass das Anpampen anderer Kommentatoren hier nicht der Stil ist. Reicht’s jetzt langsam? T.W.]

  37. Landmatrose3000 11.07.2019 um 8:17 Uhr

    „… die nach Inkraftsetzen der Sanktionen dringend benötigte Medizin nicht mehr im Iran bekommen.“
    Erst nach dem Inkraftsetzen der aktuellen Sanktionen oder auch schon unter den Sanktionen vor dem Atomvertrag?

    Kann man Verträge eigentlich nur brechen oder auch kündigen?

    „Mir gerät bei diesen Diskussionen oft viel zu schnell in Vergessenheit, dass am Ende ganz normale Menschen unter diesen ganzen Spielchen leiden.“
    Unter den Spielchen des Iran aber nicht?

  38. @Escrimador sagt: 11.07.2019 um 11:13 Uhr

    Die Frage zum Vertrag verstehe ich nicht ganz. Die USA hat ihn einseitig gekündigt, wobei im Vertrag selber solche „Ausstiegsszenarien“ nicht vorgesehen sind. Der Iran fühlt sich daran nicht mehr gebunden, weil er seine Gegenleistung nicht erhält. Die üblichen politischen Machtspielchen, die zu nichts führen werden.
    Und eine Gegenfrage, leiden Sie unter den Spielchen des Iran? Das wirkt sich doch in Europa kaum aus.

    @wacaffe sagt:11.07.2019 um 11:05 Uhr

    Wenn man Leute (Staaten) lange genug provoziert, dann erfährt man auch eine Gegenreaktion. Das Sie die Kündigung des JCPOA durch Trump jetzt beiseite schieben wollen, ist schlicht die Verkennung der Ursache der ganzen Lage. das und die Verlegung des Flottenverbandes sind doch der aggressive Akt. Ich finde die Reaktionen des Iran auch nicht angemessen, aber damit war zu rechnen.

  39. @ Escrimador sagt:
    11.07.2019 um 11:13 Uhr

    Die Situation für die iranische Zivilbevölkerung soll derzeit wesentlich schwieriger als zur Zeit der Sanktionen vor dem JCPOA sein. Damals betragen die Sanktionen primär Dinge die für das Atomprogramm nützlich sein könnten, Waffen, Dual-Use-Güter, Gelder auf Auslandskonten, etc. Jetzt nach Aufkündigung des JCPOA ist durch den Sanktionsdruck durch USA gegen die eigenen Verbündeten einfach quasi jeglicher Geld- und Warenverkehr mit „dem Westen“ unterbunden worden, also auch alles für den Bedarf des täglichen Lebens. Die Zahl der Ersatz-Handelspartner die da einspringen können ist bei einer Reihe von Dingen sehr begrenzt, Medizin ist ein Paradebeispiel, hier gibt es teilweise nur sehr wenige Hersteller.

    In der Zeit vor Aufkündigung des JPCOA gab es tatsächlich schon eine recht deutliche Abwendung von grösseren Bevölkerungsteilen von den Mullahs, Iran ist eine sehr vielfältige Gesellschaft, habe ich mir erzählen lassen. Ich war selber noch nicht da, ein guter Freund von mir war vor ca. 8 Wochen auf einem Hochzeitsfest eines seiner Freunde (Hamburger, den ich auch gut kenne) hat eine Iranerin die er in DEU kennengelernt hatte, dort mit einer Mega-Fete geheiratet, die Brauteltern hatten sich leicht in Unkosten gestürzt. DEU hatte wohl ein sehr hohes Ansehen unter den Iranern die er dort getroffen hatte.
    Wilde Hochzeitsparty feiern geht also derzeit bei Einsatz erheblicher Gelder immer noch. Medizinprodukte zu beschaffen ist aber sehr schwierig und teilweise unmöglich, und das Gesundheitssystem hat Riesenprobleme. Ein Grund warum Frau und Tochter meines Freundes, die auch eingeladen war, nicht hingefahren ist. Besser dort gerade nicht ernsthaft krank werden. Da möchte man gerade kein iranischer Papa mit krankem Kind oder ähnliches sein.

    Zu JPCOA kündigen: Ging laut EU bzw. der EU- Aussenbeauftragten Frederica Mogherini eindeutig nicht, freie Kündigung war im Vertrag nicht vorgesehen, Rückzug ist Bruch. Ich maße mir nicht an das besser als die EU bzw. Frau Mogherini interpretieren zu können. Dass man in US-Texten wilde Herleitungen finden kann, die eine Rechtsgrundlage für das eigene Vorgehen herbeifabulieren ist dabei selbstverständlich. Bei USA ist der Rückzug (=Bruch) besonders schwerwiegend, da JPCOA den US-Präsidenten eine zentrale Rolle zuwies; dieser musste regelmässig die Einhaltung des Abkommens seitens Iran nach Beratung mit den anderen Vertragsstaaten feststellen. Fällt diese Rolle aus, ist der ganze Mechanismus des Abkommens einfach kaputt.

  40. @TZ
    Wieviel Bestätigung über BBC sowie „Commonwealth&Foreign Office“ hinaus brauchen Sie?
    British Spokesperson:
    „We are concerned ed by this action and continue to urge Iranian authorities to de-escalate the situation in the region“ (DW.news – https://www.dw.com/de/neuer-tanker-zwischenfall-am-persischen-golf/a-49544359)
    Abwarten, wie Iran sich verhält:
    There are currently five UK-flagged crude oil tankers in the Persian Gulf. Hakusan (not visible in the pic, near Kuwait), Atlantic Pioneer, Security, Leonora Kosan, Stena Clear Sky + the freighter Duhallow. Source: (link: http://www.marinetraffic.com) marinetraffic.com
    https://mobile.twitter.com/hdevreij/status/1149279157655953408/photo/1

  41. @ Escrimador sagt:
    11.07.2019 um 11:13 Uhr

    Hab ich vergessen, zu „Unter den Spielchen des Iran aber nicht?“

    Ja-jein. Sie kriegen die Mullahs nicht einfach weg. Die sind als Gegenreaktion auf das US-protegierte Schah-Regime entstanden, das die Opposition übel unterdrückte; was davon für die Iraner nun am Ende blöder war wissen wohl viele davon auch noch nicht. Vorher, seit Beginn des 20. Jahrhunderts, war Persien, wie die Gegend dort früher hiess, eine sich weit demokratisierende konstitutionelle Demokratie, bis das passiert ist: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
    Super Idee von Churchill und der CIA.
    Seit der iranischen Revolution hat USA dann gegen das Mullah-Regime operiert, in unterschiedlicher Intensität. Zwischendurch war Saddam Hussein dafür ja ein Super-Proxy-Buddy. Naja, ist lang her. Danach hat KSA so ne Rolle bekommen, läuft nun mehr über Bande. Iran selber hat noch nie ein anderes Land angegriffen, die hetzerischen Attacken gegen Israel waren dann allerdings unnötig übel. Und dass die Mullahs viel Zeug machen, der vor allem den Iranern selbst nicht guttut ist auch klar.
    Nun haben wohl auch die Mullahs die Denke, dass man am besten aus einer Position der Stärke mit dem Westen spricht (war wohl schon damals der klare Ansatz beim Atomprogramm) und versuchen bzw. sind dabei aktuell in Machtvakua im Irak usw. zu stossen, Positionen zu besetzen und unter dem Radar Strukturen aufzubauen, auch unter Zuhilfenahme lokaler Spinner und gefährlicher Gestalten. Die bekloppteren Islamisten wurden und werden allerdings wohl immer noch vom guten US-Kumpel KSA gesteuert.

  42. @ Klaus-Peter Kaikowsky sagt: 11.07.2019 um 13:51 Uhr
    „Wieviel Bestätigung über BBC sowie „Commonwealth&Foreign Office“ hinaus brauchen Sie?
    British Spokesperson:
    „We are concerned ed by this action and continue to urge Iranian authorities to de-escalate the situation in the region“

    – Na ja, etwas dramatisch aufgebauscht, dieses Zitat ist ebenfalls aus Ihrem Link:
    „Ein Dementi kam aus Teheran: „Das Ziel solcher wertlosen Unterstellungen ist lediglich, Spannungen zu provozieren“, sagte Außenminister Mohamed Dschawad Sarif der Nachrichtenagentur Fars. Auch die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) bestritten den Vorfall. „In den vergangenen 24 Stunden hatten wir in der Straße von Hormus keinen Zwischenfall mit ausländischen Schiffen, auch nicht mit einem britischen“, verkündeten die Revolutionsgarden auf ihrer Webseite.“

    – Dass die Iraner mit ihren Kriegsschiffen in IHREN eigenen Gewässern operieren ist vermutlich noch nichts Außergewöhnliches und auch keine aggressive Handlung
    – Diese ganze aufgebauschte Panikmache von USA/GBR erinnert mich erschreckend an andere herbeiphantasierten Kriegsursachen der jüngeren Vergangenheit

  43. Jedenfalls besteht durchaus Unsicherheit, folgende Formulierungen im Angebot:
    @hdevreij
    So what exactly were those 3 (or 5) IRGC boats doing?
    They:
    – „tried to seize“ a British tanker (US officials)
    – „attempted to impede the passage of a commercial vessel“ (UK gov’t)
    – „approached“ (BBC)
    – „tried to stop British tanker“ (Sky)
    – „tried to block the passage“ (Reuters).

    „Dass die Iraner mit ihren Kriegsschiffen in IHREN eigenen Gewässern, …“ kann so nicht stehen bleiben. Die Besitzverhältnisse der Insel „Abu Musa“ sind umstritten, VAE und der IRAN erheben Ansprüche. https://mobile.twitter.com/hdevreij/status/1149220372329484288/photo/1

  44. Bei den Kollegen der BBC ist derweil Thema, dass es angeblich ein (US?-)Video des Vorfalls geben soll, das aber nicht veröffentlicht wird:

  45. Naja, @ Klaus-Peter Kaikowsky sagt:
    11.07.2019 um 17:53 Uhr

    Hans de Vreij hat auch retweetet:

    „Jonathan Beale
    @bealejonathan
    3 Std.
    UK MOD say they will NOT be releasing any imagery from incident in Gulf when
    @HMS_MONTROSE
    confronted #Iran IRGC boats . Shame as far as I’m concerned“
    https://mobile.twitter.com/bealejonathan/status/1149299591398998016

    und

    @hdevreij
    „Furthermore, there is confusion over the location of the reported incident…“
    https://mobile.twitter.com/hdevreij/status/1149343163146018816

    Die BBC hat wohl als einzige bisher eine Karte verwendet, wonach die IRGC in Gewässern VAEs gewesen wäre.

    Und ein wenig seltsam ist das schon, das die HMS Montrose bzw. UK Navy die Darstellung so gar nicht mit Bildern und Videos unterlegt.

    Sorry, aber von Golf von Tonkin bis zu den Massenvernichtungswaffen im Irak usw. usf., da wurde die Welt einfach zu oft bei solchen Aktionen von den lieben Alliierten für dumm verkauft als dass ich da noch einfach so viel glaube.

  46. Der Hickhack um die tatsächliche Ortsangabe setzt sich fort.
    https://mobile.twitter.com/AFP/status/1149290993226616833/photo/1
    Währenddessen werden Eskorten diskutiert.
    @AFP
    #UPDATE The United States and its allies are discussing plans to provide naval escorts for oil tankers through the Gulf, a top US general said Thursday after Iranian military vessels menaced a British tanker.
    US Army General Mark Milley (1) told the Senate Armed Services Committee that the US is discussing with allies a naval escort operation for oil tankers in the Gulf amid threats from Iran.
    (1) General Mark Milley, nominated to become the chairman of the Joint Chiefs of Staff
    Damit ergibt sich eine ernsthafte Prüfung von Eskorten sowie die Frage der Umsetzung, nämlich, wer stellt die erforderlichen Seestreitkräfte.
    Mit den TF 150 und 152 befinden sich zwar dauerhaft Kräfte mit Stationierung Bahrain im betreffenden Seeraum, obendrein noch die Carriergroup um die USS Abraham Lincoln (CVN-72).
    Neben der Kostenverteilung wird rasch auch gefragt werden, wer wird geschützt/wer trägt zum Schutz bei/wer nicht? Die Rohöllieferungen vom Golf umfassen bis zu 30% weltweiten Bedarfs, womit in erster Linie Südostasien beliefert wird. Da aber auch „normalem“ Frachtverkehr Eskorten zugute kommen und „Freedom of Navigation“ Prinzip internationalen Seerechts darstellt, kommt die Deutsche Marine sicherlich ins Spiel.

  47. Dann hoffen wir ‚mal, daß man auf der HMS Montrose ein paar Bilder geschossen hat. Nicht, daß es nur Fischerboote waren:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Doggerbank-Zwischenfall (allerdings damals mit umgekehrten Vorzeichen):

    Davon ab: mit kleinen Booten einen Tanker zum Abdrehen zu veranlassen ist vielleicht keine so gute Idee – entweder wird man überfahren und untergepflügt oder in der Hecksee ersäuft.

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