Deutscher NATO-Admiral beklagt mangelhafte Infrastruktur in Deutschland – nicht nur fürs Militär

Der deutsche Admiral Manfred Nielson, einer der ranghöchsten Bundeswehrsoldaten in der NATO, hält die Infrastruktur in Deutschland für Truppenverstärkungen des Bündnisses schon bei Übungen für unzureichend. Das Land habe sich um seine Straßen, Brücken und Schienentransporte auch jenseits militärischer Bedürfnisse in den vergangenen Jahren zu wenig gekümmert, sagte der stellvertretende Chef des NATO-Hauptquartiers Allied Command Transformation (ACT) in einem Interview der Welt (Link aus bekannten Gründen nicht, Text hinter Paywall).

Nielson verwies auf die geplante NATO-Großübung Steadfast Defender im Jahr 2021,  bei der mehr als 10.000 US-Soldaten mit rund 1.100 gepanzerten und ungepanzerten Fahrzeugen per Schiff in mehreren europäischen Häfen ankommen und dann weiter nach Osteuropa verlegt werden sollten. Das militärische Großgerät, mit dem wir heute Panzer und andere Fahrzeuge transportieren, ist schwerer geworden, warnte der Admiral. Ich habe die Sorge, dass viele unserer Straßen und Brücken diesen Belastungen nicht gerecht werden. Hier rächt sich, dass wir uns mehr als 20 Jahre um solche Aufgaben nicht ausreichend gekümmert haben. Wir haben eine Infrastruktur, die auch jenseits militärischer Bedürfnisse teilweise wirklich miserabel ist.

Neben den Problemen mit der Infrastruktur seien auch die Regelungen und Absprachen nach wie vor überarbeitungsbedürftig, klagte Nielson. Schon ein Transport schweren militärischen Geräts von Nord- nach Süddeutschland innerhalb von 30 Tagen gelte als schnell, weil jedes betroffene Bundesland die Transporte genehmigen müssen. Auch die Bahn sei nicht auf schnelle Verlegungen eingestellt: Wenn wir mit nur fünf Tagen Vorwarnzeit Panzer und Fahrzeuge innerhalb Deutschlands transportieren wollen, kann die Bahn dies derzeit nicht leisten. Die Bahn braucht dafür im Regelfall 36 Tage Vorlaufzeit.

Der Admiral verwies darauf, dass die Allianz diese Probleme derzeit im Zuge der Planungen für die NATO-Speerspitze, die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) angehe. (Anmerkung am Rande: Ein nächster Test dafür wird die Anfang Juni anstehende Verlegung der unter deutscher Führung stehenden aktuellen VJTF-Brigade von Sachsen nach Polen.)

Als größtes Defizit des Bündnisses nannte Nielson allerdings die Abkopplung der militärischen Entwicklung von den Entwicklungssprüngen im zivilen Bereich: In Zeiten von künstlicher Intelligenz, Big Data sind private Unternehmen schneller, effektiver, flexibler als wir. Amazon und Google geben den Takt vor, nicht die NATO.  Wenn die Allianz von neuen Technologien profitieren wolle, müssen wir schneller werden und die sich bietenden Chancen in den militärischen Bereich integrieren.

Solchen schnelleren Prozessen stehe aber schon die derzeitige Arbeitsweise der NATO entgegen: Bisher aber lieben wir unsere Prozesse und Verfahren, klagte Nielson. Als einen solchen Prozess nannte er auch das Einstimmigkeitsprinzip der Allianz: Das raubt der NATO Zeit und Stärke. Allerdings ging der Admiral im Detail auf mögliche Alternativen zu diesem Einstimmigkeitsprinzip nicht ein.

(Foto: Nielson bei der NATO-Großübung Trident Juncture in Norwegen im Oktober 2018 – Rob Kunzig/NATOChannel)

87 Gedanken zu „Deutscher NATO-Admiral beklagt mangelhafte Infrastruktur in Deutschland – nicht nur fürs Militär

  1. Im Krieg werden die Bahnlinien und Brücken eh zerstört.

    Am Besten wir lassen das Land gleich so herunterkommen, dass der Russe das Interesse verliert.

    Ach ne, der kommt ja wegen der Rohstoffe, weil es in Russland keine gibt.
    Oder wegen der schönen Frauen, weil es in Russland keine gibt.

    Na wegen Industrie 4.0 braucht der Russe jedenfalls nicht kommen – die wird es eher in China, Japan oder USA geben als in Europa. Und wenn, dann wird das know-how eh über Cyberspionage abgeschnorchelt…

    Jetzt krieg ich wieder eine Sechs wegen Themaverfehlung… – ich weiß schon: wir müssen ganz schnell ins Baltikum, um die Russen so lange aufzuhalten, bis eine richtige Armee eintrifft… – die Vorneverteidigung wäre schon in den 80ern innerhalb von zwei Wochen auf den Rhein zurück gefallen, bis die USA ihre 10 Divisionen übern Teich geschippert hätten, und bis dahin hätte man über dem heimischen Territorium die ersten taktischen Nukes zünden müssen… – glaubt ihr das sähe im Baltikum oder in Polen jetzt anders aus?

    Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin.

    Jetzt mal ernst: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Dann macht halt die Bahn ausser dem Sommer- und Winterfahrplan noch einen Kriegsfahrplan: dann fährt nur noch jeder zweite Zug, und zwischendrin darf die Bundeswehr…

    Bisher hielte ich es ja für Fortschritt, wenn die Auslastung des Schienenverkehrs in Deutschland so hoch ist, dass man nich noch nebenher die ganze Bundeswehr damit transportieren kann!

    Wie Herdord Münkler in seinen Beiträgen zum Ersten Weltkrieg bemerkt, ist es manchmal gar nicht so gut, wenn die ganzen Kriegspläne schon in Bahnfahrplänen festgezurrt sind: zwischendurch möchte man ja schon noch die Möglichkeit behalten, den Krieg auch wieder abzusagen, bevor “der Zug abgefahren ist!”…

  2. @Koffer: Nein, nicht Sie. Ich. Zumindest ist mein früherer Post tlw. so verstanden worden, weil ich missverständlich formuliert habe. War aber überhaupt nicht meine Absicht, Admiral Nielson übel nachzureden oder zu bashen.

  3. Sorry für den Schreibfehler. Der Mann heißt Herford Münkler, und seine Beiträge sind sehens- bzw. lesenswert.

    Des weiteren habe ich noch zwei Spitzen ausgelassen:

    Wir brauchen nur genug Zugkapazität nach Russland für einen verschlossenen Wagon aus der Schweiz… (- wenn ich mich recht “erinnere” haben die Deutschen den Lenin so transportiert, der dann die Revolution in Russland befördert hat, und so zum Ausscheiden Russlands aus dem Ersten Weltkrieg indirekt beigetragen hat).

    “Die Brücke” ist außerdem ein deutscher Antikriegsfilm, der relativ unmittelbar nach Kriegsende gedreht wurde (- auch sehenswert).

  4. Habe ich jetzt Herfried Münkler geschrieben oder wieder nicht?

    Manchmal wünschte ich, das ganze hier wäre ein Forum, wo ich meine Beiträge noch editieren könnte, und sei es wegen meiner Rechtschreibfehler.

    “Die Brücke” ist übrigens von 1959.

    Sorry, daß ich mich soviel korrigieren muss, bin total übernächtigt.

  5. @Stadtpark
    Das verlockt zum kompletten Zitat
    „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.
    Dann kommt der Krieg zu Euch!
    Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.“
    Lebenserfahrung: Kopf in den Sand, oder die anderen werden es schon richten, …, so ist realpolitische Machtpolitik nicht.

  6. @@Landmatrose | 17. Mai 2019 – 18:15
    Das ist genau die sachfremde Polemik, die Neid, Missgunst und Unkameradschaftlichkeit vorantreibt.

    Stimme ich Ihnen zu, dass (hohe) Generale häufiger (auch öffentlich) der Politik die Karten legen müssen, damit die Öffentlichkeit sich ein informiertes, umfassendes Bild machen kann um dies im Rahmen des politischen Prozesses (Wahlen, Umfragen etc.) zu berücksichtigen?

    Ja. Definitv. Mir sind die DEU Drei- und Viersterner mit Blick auf ihre Pflichten ggü. dem DEU Volk vs. der jeweils aktuellen politischen Leitung deutlich zu zurückhaltend.

    Aber, die Entscheidung für die Bw signifikant und über Jahre zu wenig Geld auszugeben (oder hilfsweise die Bw zu verkleinern, damit zumindest relativ zur Größe genügend Geld ausgegeben wird), war definitiv eine öffentlich erkennbare Entscheidung.

    Hier liegt die Schuld ausschließlich bei der Politik (und mittelbar liegt die Entscheidung dafür beim DEU Volk, denn seit dem hatte es ja mehrfach die Chance im Rahmen von Wahlen Veränderungen herbeizuführen).

    Also nochmals: sind zahlreiche Fehlentscheidung in den letzten 25 Jahren durch die Generalität getroffen (oder zumindest mitgetragen) worden?

    Ja. Also muss man dies jetzt analysieren und wieder korrigieren.

    Aber können wir das bitte tun, ohne ehrabschneidend ggü. Offizieren zu sein, die treu und tapfer ihr Leben in den Dienst unseres Landes stellen?

    @Stadtpark | 18. Mai 2019 – 11:36
    „Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin.“

    …Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.

    Si vis pacem para bellum!

  7. @all
    ich weiß jetzt nicht, ob es nur mir so geht. Aber es fällt auf, dass viele militärische Entscheidungsträger kurz vor Dienstzeitende oder auch danach, Entscheidungen kritisieren, die diese selbst mitverantworten mussten. Diese Kritiken sind aber nicht stringent, jeder macht da sein eigenes Fass auf.
    Ich plädiere hier intensiv für die Entwicklung und Durchführung eines Makro Stresstestes für die gesamte Verteidigungs-und Reaktionsfähigkeit der Streitkräfte. Die Parameter sind klar, ich denke da an eine Reforger Light Version. Als Ausgangversion sehe ich hier einen Konflikt mittlerer Intensität im Bereich der baltischen Staaten unter Einbeziehung hybrider Szenarien aus einer Übung wie Zapad 2017 heraus.

    Wie könnten die einzelnen, zu testenden Punkte aussehen? Ich führe hier mal den ersten Punkt auf:

    Auslösung des § 5 Natovertrages ?

    MkG Zulu1975

  8. @Stadtpark
    „…– die Vorneverteidigung wäre schon in den 80ern innerhalb von zwei Wochen auf den Rhein zurück gefallen, bis die USA ihre 10 Divisionen übern Teich geschippert hätten, und bis dahin hätte man über dem heimischen Territorium die ersten taktischen Nukes zünden müssen… “

    – Sie haben Recht. Aber die Vorneverteidigung des Kalten Krieges war wenigstens eingebettet in eine glaubwürdige Gesamtstrategie.
    – Nun 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges: Panzer sollen wieder nach Osten rollen, Schiffe den Atlantik patrouillieren und Flugzeuge Bombenangriffe fliegen. Wir planen militärisch so wie für den 2. Weltkrieg – nicht einmal wie für den Kalten Krieg- ganz so als würde es weder Nuklearwaffen, noch ballistische Flugkörper und Hyperschallwaffen, noch Cyber- und EMP- Fähigkeiten geben.
    – Mit anderen Worten: wir planen mal wieder mit vielen Ressourcen für den Krieg der Vergangenheit.

    „und bis dahin hätte man über dem heimischen Territorium die ersten taktischen Nukes zünden müssen…– glaubt ihr das sähe im Baltikum oder in Polen jetzt anders aus?“

    – Nein sähe es leider nicht. Mit etwas gesundem Menschenverstand und einmal innehalten kann man das auch leicht nachvollziehen.
    – Deswegen ist auch heute nur und ausschließlich Abschreckung und Dialog (Harmel 2.0) die einzige erfolgversprechende Strategie, um einen – für beide Seiten katastrophalen- Krieg zwischen Russland und Europa zu verhindern.
    – Die USA – und mit kleinen Einschränkungen auch UK- mögen das etwas anders sehen. Die haben große Kriege immer nur auf anderem als dem eigenen Territorium geführt und meistens sogar gewonnen, das macht sie risikofreudiger, denn sie haben andere Lehren aus den verheerenden Kriegen in Europa gezogen als die auf deren Boden der Krieg stattfand.
    – Europa muss auf sich aufpassen, sonst wiederholt sich die Geschichte des letzten Jahrhunderts.

  9. @ThoDan | 18. Mai 2019 – 14:52
    „Wurde das deutsche Volk aber über diese Umstände und Folgen informiert?“

    Ja, in zahlreichen Artikeln, Kommentaren, Bundestagsdebatten etc. etc.

    Wer als politisch interessierter Bürger behauptet nicht die Möglichkeit gehabt zu haben mit nur minimalen Aufwand über die dramatischen Folgen des Sparkurses für unsere sicherheits- und verteidigungspolitische Situation aufgeklärt zu werden ist ein Lügner.

    Jeder hören und sehen wollte, wusste, was wir uns mit dem dramatisch sinkenden finanziellen Aufwand bei nicht im gleichen Maße sinkenden Streitkräfteumfang mittelfristig einkaufen würden.

  10. @ Koffer | 18. Mai 2019 – 12:26

    zu:
    „aber können wir das bitte tun, ohne ehrabschneidend ggü. Offizieren zu sein, die treu und tapfer ihr Leben in den Dienst unseres Landes stellen?“

    Vielleicht haben Sie meinen Post nicht richtig gelesen, ich habe in Konjunktiv geschrieben WENN so machtlos etc wie hier manchmal entschuldigend dargestellt DANN….

    Ehrabschneidung ggü. treu dienenden Offizieren war nicht gewollt, die sehe ich auch nicht. Die Formulierung war vielleicht in dem o.g. Konjunktiv etwas zugespitzt.

    Quitessenz:
    Sie halten das Budget der BW für generell zu niedrig, ich nicht.
    Sie verorten Verantwortlichkeiten für Defizite der BW tendenziell eher bei den Politikern im Allgemeinen (so verstehe ich Sie wenigstens), Ich eher bei der Generalität und der direkten zivilen Führung im BMVg und den angeschlossenen Ämtern, die aber von der Generalität militärfachlich beraten gehört.
    Sie verwahren sich recht schnell gegen Schuldzuweisungen an die Generalität und den von Militär geschaffenen Bedingungen in der BW, ich gegen pauschale Schuldzuweisungen an die Politik und insbesondere BT.

    So haben wir beide eben unsere Meinungen und Haltungen, und das ist ja auch gut so, denke ich.

  11. @ Klaus-Peter Kaikowsky | 18. Mai 2019 – 12:12

    Klingt so, als wären Sie der Meinung „Freiheit ist das höchste Gut“ oder zumindest, dass es etwas gäbe, wofür man kämpfen sollte. Weite Teile der (Welt-)Bevölkerung scheinen es aber vorzuziehen, sich dem Kampf zu entziehen.

    Wenn Sie dann kämpfen wollen macht die das auch nicht glücklich.

  12. Zusatz @ Koffer | 18. Mai 2019 – 12:26:

    Dabei ist allerdings auch aus meiner Sicht die Politik stark verantwortlich für die Prägung des Mindsets vieler, die auf den B-Stellen dann Karriere machen, durch Auswahl und Förderung der genehmen Charaktere und durch langjähriges Desinteresse an Faktoren wie militärischer Effektivität und Effizienz.

    Das ist nur schlecht mit Geld zu heilen, nach meiner Meinung. Aber klar, Sie können das anders sehen.

  13. @Landmatrose | 18. Mai 2019 – 21:18
    „Sie halten das Budget der BW für generell zu niedrig, ich nicht.“

    Und ich kann es mit Planungsunterlagen, Bedarfsforderungen, Rüstungsnotwendigkeiten, Personalbedarf und Infrastrukturbedarf begründen.

    Und als Vergleichsmaßstab andere westliche Armeen mit mehr bzw. weniger Probleme heranziehen.

    „Sie verorten Verantwortlichkeiten für Defizite der BW tendenziell eher bei den Politikern im Allgemeinen“

    Nein. Interne Probleme/Fehlentscheidungen liegen überwiegend in Verantwortung der militärischen Führung.

    Mangeldnde Rahmenbedingungen (und hierzu zählt u.a. das Geld) hingegen liegt an der Politik.

    „ich gegen pauschale Schuldzuweisungen an die Politik und insbesondere BT.“

    Da in DEU das Primat der Politik gilt ist es aber nun mal sehr einfach wer Verantwortung trägt…

  14. @Koffer
    „Jeder hören und sehen wollte, wusste, was wir uns mit dem dramatisch sinkenden finanziellen Aufwand bei nicht im gleichen Maße sinkenden Streitkräfteumfang mittelfristig einkaufen würden.“

    – Dadurch, dass Sie und Andere diesen Mythos gebetsmühlenartig immer wieder behaupten wird er nicht zur „Wahrheit“.
    – Deutschland hat keinen potenziellen Gegner an seinen Grenzen, ist nur von Freunden und Verbündeten umgeben, steht aber laut SIPRI 2018 an 8. Stelle der Rüstungsausgaben der Welt, noch vor dem massiv bedrohten Südkorea (auch hohe Löhne) , vor Japan (auch hohe Löhne), dass eine extrem leistungsfähige Flotte betreibt und auch vor dem riesigen Brasilien, um nur einige größere und/oder bedrohtere Staaten mit geringeren Rüstungsausgaben zu nennen.

    Die Bundeswehr wurde nicht kaputt gespart, sondern sie wurde im ständigen Reformwahn kaputt strukturiert. Und ich stimme @Landmatrose zu, dass dies auch mit der Auswahl der militärischen „Elite“ zu tun hat. Denn irgendjemand aus dieser „Elite“ hätte ja mal beim Gang in die Ineffizienz und Ineffektivität den Mund so laut aufmachen können, dass man es auch in der „Etappe“ gehört hätte.

    Auch wenn Sie das Beispiel mit der Bundespolizei abgetan haben. Die Bundespolizei hat einen Haushalt von etwa 3,3 Milliarden Euro und finanziert damit ein Personal von 44 500 MitarbeiterInnen. Somit bekommt die Bundeswehr in diesem Jahr mit ihrer Steigerung des Haushalts um satte 5 Milliarden Euro, allein mit dieser Steiegerung bereits 1,7 Milliarden Euro mehr als die Bundespolizei für ihre 44 500 MitarbeiterInnen + Material als GESAMTHAUSHALT für ein Jahr zur Verfügung hat.

    Es ist langsam an der Zeit, dass sich die Leitung und militärische Führung der Bundeswehr nicht immer wieder mit zu wenig Geld rausredet während sie gleichzeitig aus den Schlagzeilen nicht rauskommen wenn es um Defizite hinsichtlich der verantwortungsvollen Haushaltsführung geht (z.B. Beraterausschuss, Gorch Fock).

    Das Parlament sollte im nächsten dezidiert Jahr nachfragen welche konkreten Defizite die Bundeswehr mit den 5 Milliarden Steigerung in diesem Jahr abgestellt hat. Es ist endlich an der Zeit zu liefern und nicht nur immer wieder über zu wenig Geld zu jammern.

  15. @ Landmatrose | 18. Mai 2019 – 21:46
    1+
    Es ist doch richtig einmal auszusprechen, dass es neben den zahlreichen Offizieren und Beamten, die ehrenvoll ihre Pflicht erfüllen einen großen, durch die politische Elite im BMVg und darüberhinaus geförderten Bereich gibt, der sich durch Opportunismus und dem primären Interesse an der eigenen Karriere auszeichnet. Wie so vieles in unserer gesellschaftlichen Umgebung darf dies im BMVg selbst aber auch in der Bundeswehr nicht laut gesagt werden. Häufig wird Opportunismus und Arbeit an der eigenen Karriere gut versteckt. Man tritt vermeintlich truppenverbunden auf, übt auch mal Kritik am Rande. Man wirkt wie ein Verfechter einer guten Sache, agiert in kleinen Kreisen anders. Die Ministerin weiß genau, wenn sie fördert und wen nicht. Da hat sie nicht das Wohl der Truppe im Blick, sondern ihren persönlichen Vorteil.

  16. Zu den Vorhaltungen des Admirals passt folgender kurzer Austausch der Herren

    @Lambsdorff
    Juxtaposing threat perceptions is not meant to be little underllying threats. German public prioritizes #ClimateChange and #Biodiversity (serious issues) while Eastern Europe prioritizes #military threats

    Antwort von
    @ischinger
    No surprise that external threats and risks have not been perceived as high priority issues: for 2 decades, Germans have been given a powerful sleeping pill „ we are now only surrounded by friends“, repeated over and over by too many German leaders

    Was Bedrohung eigener Wohlfahrt umfasst und welches dabei zweitrangig ist, wird grenznah und nach erst 30 Jahren Abschüttelung des Kommunismus unterschiedlich bewertet.

    @Escrimador
    So sehe ich das, was aber erst erkannt wird, wenn Freiheit in umfassendem Sinn fehlt.

  17. @Koffer

    Mit der „möglichen“ Ausnahme der BT, denen zu folgen für einen regulär arbeitenden Menschen nicht unbedingt praktikabel ist, widerspreche ich ihnen leider entschieden.

    Mir sind jetzt keine Artikel etc., die Jünger als 2 Jahre sind diesbezüglich in Erinnerung außer möglicherweise den Berichten des Beauftragten, mir wäre jetzt keine Quelle äquivalent zu Augen Geradeaus bekannt und auf diese bin ich aus Zufall gestoßen.

    @Escrimador

    Denen empfehle ich dann eine Diskussion mit Andre Glucksmann, der Bereit war seine Kinder dem Risiko des Atomtods auszusetzen um sie vor Tyrannei und Unrechtsstaat zu schützen.

  18. Mal ein paar Worte zu „militärischer Effektivität und Effizienz.“, denn die Forderung einiger Kommentatoren, diese beiden „Faktoren“ zur Ultima Ratio des dienstlichen Handelns aller B3+ler des BMVg und der BW zu erheben, empfinde ich als ebenso weltfremd wie unlogisch weil in sich widersprüchlich, denn die politisch-militärische Führung des BMVg/BW ist ja kein „freischaffendes“ Kreativteam, sondern ist eingebunden in eine Unzahl von Verfahrensvorschriften (mit gesetzlicher Verbindlichkeit) und konzeptionell/planerischen Vorgaben, die die Fragen nach Effektivität – Tue ich das richtige Ding – und Effizienz – Tue ich das Ding richtig – de facto und de jure, en gros et en detail gar nicht zulassen. Und dann wäre da natürlich noch die kleine Frage wie militärische Effektivität und Effizienz. denn objektiv zu bemessen ist, und ab welchem Erreichungsgrad der kritische Betrachter denn nun mit der Diensleistung einzelner oder aller B3+ler zufrieden ist / ironic.

  19. @Klaus-Peter Kaikowsky

    „Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.“

    Es geht aber um Kämpfen um nicht in den Krieg zu müssen. Der Kampf beginnt weit vor dem Krieg und hier gilt es zu arbeiten.

    Den Kampf teilen ist schon eine große Niederlage und das Versagen der Regierung.

    Europa muss sich aufstellen, dass es nicht nur im wirtschaftlichen Bereich stark ist.

    Wo das Reich stark ist, ist die Armee friedlich und der Wirtschaft geht es gut (Hanfei)

    Wenn man Europa in diesem Fall als reich bezeichne, dann halte ich es für die Zukunft nicht für ausreichend stark und das nicht nur im militärischen Sinn.
    Die Stärke Europa muss die Widerstandskraft und Handlungsfähigkeit in allen Bereichen sein und wir verlieren im Moment einen Bereich nach dem Anderen.
    Da sind wir im Vergleich zu den Herausforderungen im militärischen Bereich noch relativ gut aufgestellt viel schwerer wird es im Bereich der technologischen Herausforderungen, Energieversorgung, Transport, Fachkräfte, Banken, wettbewerbsfähigkeit der großen Unternehmen uvm.

    @all

    Das Militär wird überschätzt, denn die Kriege laufen hybrid und sind im Gange.
    Wir schauen wie die Lemminge nach USA und China und sind fast nur am Reagieren.
    Europa muss gestalten und die Freiheit und das Recht der Bevölkerung gewärleisten.
    Diese ist nicht nur in Gefahr, sondern wird mitten in Europa eingeschränkt und unterdrückt.
    Die russische, chinesische und US-Regierung tun alles um Europa nicht zum Erfolg zu verhelfen. Alle Patrioten müssen verstehen, dass ein starkes Europa in unserem Interesse ist.

    Wir benötigen keine Machtpolitik von gestern, sondern eine intelligente Stärkung Europas auf allen Ebenen nach dem subsidiaritäts Prinzip wobei Nationalgarden eine starke Rolle spielen können, wenn die Berufsarmeen auf europäischer Ebene gebündelt werden und die Reserve in den Regionen besser aufgestellt würden.

    Freiheit und Recht ist die Maxime, dann könnte weiterer Frieden in Europa ein Ergebnis sein.

    Wir sind am Scheideweg. Das Modell Titanic ist keine Alternative für Europa.
    Wir benötigen keine Alternative für Europa.

  20. @Pete | 19. Mai 2019 – 8:35
    [Koffer] „Jeder hören und sehen wollte, wusste, was wir uns mit dem dramatisch sinkenden finanziellen Aufwand bei nicht im gleichen Maße sinkenden Streitkräfteumfang mittelfristig einkaufen würden.“
    [Pete] „Dadurch, dass Sie und Andere diesen Mythos gebetsmühlenartig immer wieder behaupten wird er nicht zur „Wahrheit“.“

    Sie müssen nur in die öffentlich einsehbaren Zeitungsartikel und Bundestagsdebatten schauen. Oder auch hier ins Archiv dieses Blogs.

    Es wurde häufig genug erklärt. Es wurde davor gewarnt.

    Jetzt ist es eingetreten.

    Überraschung.

    @ThoDan | 19. Mai 2019 – 11:09
    „Mit der „möglichen“ Ausnahme der BT, denen zu folgen für einen regulär arbeitenden Menschen nicht unbedingt praktikabel ist, widerspreche ich ihnen leider entschieden.“

    Dann rate ich Ihnen einfach ein bißchen zur Recherche in Zeitungen und anderen Medien.

    Wer behauptet, dass es nicht öffentlich bekannt war, dass zu wenig (oder eine für das bereitgestellte Geld zu große Armee) zu einem mittelfristigen Problem in der Einsatzfähigkeit der SK führen würde, der sollte an seinen Fähigkeiten zur Auswertung öffentlich zugänglicher Dokumente (wie Zeitungsartikel etc.) arbeiten.

  21. @Koffer

    Fair genug, dann nennen sie mir bitte die kontinuierlichen Serien von Zeitungsartikeln und Zeitungen wo diese erschienen sind.

  22. @Elahan
    Der Umgang mit Zitaten ist gemeinhin oft verführerisch, besonders dann, wenn diese wie Sie es vorführten, unvollständig wiedergegeben wurden, (un)absichtlich nach Gusto?
    Zugegebermaßen ist die Herkunft kritisch diskutiert. Komplett oder in Teilen Brecht zugeschrieben, mit Anleihen bei Carl Sandburg/J. Newman, popularisiert von Charlotte Keyes?
    Wie auch immer:
    Satz 1, den Sie unterschlugen
    „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ stellt eine pazifistische und antimilitaristische Aussage dar.
    Satz 2, den Sie unterschlugen
    „Dann kommt der Krieg zu Euch“, konterkariert (1) und darf als Warnung hin zu „wehrt Euch“ begriffen werden.
    Satz 3, mit dem Sie beginnen
    „Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: …“
    Stellt das letzte Wort gegen unreflektierten Pazifismus dar.
    Eine Vorstellung, dass ein Staat, eine Nation dem Krieg entgehen kann, „indem man zu Hause bleibt“ übertragen auf heute unzureichend rüstet, ist das besser als Vogel-Strauß-Politik?
    Dass „Kampf“ im umfassenden Sinn interpretiert weit vor tatsächlichen Kampfhandlungen – dann also permanenter Kampf (?) – stattfindet, wie wahr.
    Nur geht es bei dem Zitat darum nicht. Vielmehr bedeutet es eine Aufforderung: nicht wegschauen, vorbereitet sein, wozu natürlich als Voraussetzung für erfolgreiche Kriegsführung auch die zureichende Infrastruktur zählt.

  23. @ThoDan | 19. Mai 2019 – 17:21
    Selbst googlen sollte jetzt nicht so schwer sein, oder?
    Hier mal drei Ergebnisse einer Schnellsuche. Einmal Presse, einmal Wissenschaft, einmal BT.

    1. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/scharping-bundeswehr-ausruestung-ist-weitgehend-veraltet-a-70648.html
    –> Kernaussage des damaligen IBuK Scharping 2000: „Nur Teile der Bundeswehr seien heute modern ausgerüstet. Die Vorgängerregierung habe ihm eine Investitionslücke von rund 15 Milliarden Mark hinterlassen. […] Geschehe dies nicht, laufe die Bundesrepublik Gefahr ein zweitrangiger Partner zu werden.“

    2. https://www.unibw.de/militaeroekonomie/wohin-marschiert-die-bw-270400.pdf/
    –> Kernaussage des Professors für Militärokonomie und GenLt a.D. Schnell in 2000: „Die bereits bestehende investive Lücke wird größer: Nach unseren Untersuchungen liegt sie z.Zt. in der Größenordnung von 30 Mrd. DM. […] Die Bundeswehr bliebe erheblich unterfinanziert und setzt den Marsch – etwas pointiert formuliert – in Richtung einer hohlen Armee fort.“ und „Die Schieflage in der Lastenteilung des Bündnisses verstärkt sich. […] Nun kann man über die „richtigen“ Bezugsgrößen einer fairen Lastenteilung sicherlich diskutieren und auch streiten. Unstrittig dürfte jedoch wohl sein, daß die absehbare Finanzperspektive der Bun- deswehr nicht geeignet ist, den Grundsatz einer fairen Lastenteilung zu realisieren.“

    3. http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/14/095/1409501.pdf
    –> Vorbemerkung zu einer kleinen Anfrage der FDP-Fraktion (Opposition): „Die getroffenen Strukturentscheidun- gen sind halbherzig und weder auftragsbezogen noch in die Zukunft gerichtet. Darüber hinaus sind sie aufgrund der massiven Kürzungen des Verteidigungs- haushaltes nicht bezahlbar. Die Bundeswehr leidet mittlerweile an erheblicher chronischer Unterfinanzierung.“

    Nun kann man zu allen drei Quellen durchaus kritische, inhaltliche Anmerkungen machen.

    Ich mache mir weder die drei Quellen umfänglich zu eigen, noch halte ich diese für umfassend zutreffend.

    Mir geht es nur darum, dass schon seit den 90er öffentlich bekannt ist, dass wir entweder eine zu große Armee haben oder aber zu wenig für diese Armee ausgeben.

  24. @ Koffer | 19. Mai 2019 – 2:07

    „@Landmatrose | 18. Mai 2019 – 21:18
    „Sie halten das Budget der BW für generell zu niedrig, ich nicht.“

    Und ich kann es mit Planungsunterlagen, Bedarfsforderungen, Rüstungsnotwendigkeiten, Personalbedarf und Infrastrukturbedarf begründen.“

    Wenn Sie die Bedarfsforderungen an Personal als Argumentationsgrundlage für eine unterfinanzierte Bundeswehr anführen, muss man dazu vielleicht auch sagen, dass diese Bedarfsforderungen tw. auch dadurch zustande kommen, dass nach Darstellung des BRH allein 3000 Vollzeitdienstpostenäquivalente an Arbeitszeit dadurch verbraucht werden, dass Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements voll auf die Dienstzeit angerechnet werden.

    Zitat aus (dort S.11) : https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/produkte/beratungsberichte/entwicklung-einzelplaene/2018/langfassungen/2018-bericht-information-ueber-die-entwicklung-des-einzelplans-14-bundesministerium-der-verteidigung-fuer-die-haushaltsberatungen-2018-pdf

    „Der Bundesrechnungshof empfahl dem BMVg, seine gesamte Personalbedarfs-planung auf eine tragfähige Grundlage zu stellen. Er wies das BMVg auf das Risiko hin, dass die „Trendwende Personal“ im Wesentlichen ins Leere läuft, wenn es weiterhin die Teilnahme an seinen umfangreichen Kursangeboten zur Gesundheitsförderung auf die Arbeitszeit anrechnet. Der damit verbundene Arbeitszeitausfall entspricht rund 3 000 Vollzeitstellen. Das BMVg klärte nicht, wie es diesen Arbeitszeitausfall ausgleichen kann (Bemerkungen 2016, Bundestagsdrucksache 18/11990 Nummer 3)“

    Ebenso Ende 2018 hat der BRH festgestellt, dass die Bundeswehr für 2500 Dienstposten auf Bundesämterebene erst gar keine haushaltsrechtlichen Maßstävben genügende Bedarfsermittlung durchgeführt hat. Ein bisschen mehr Effizienzdenken dürfte sich der Steuerzahler da glaube ich schon wünschen. Das hilft am Ende auch der von Ihnen zu Recht angeführten benötigten Effektivität, wenn nicht alle Ressourcen sich ständig mit im Nachhinein wegen der schlechten Strukturierung und Begleitung überflüssigen Zuarbeit zu überhasteten Bedarfsabfragen beschäftigen müssen (Man hat nie die Zeit, etwas gleich richtig zu machen, aber man hat immer die Zeit, etwas ein zweites Mal zu machen)

    https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/produkte/bemerkungen-jahresberichte/jahresberichte/2018/einzelplanbezogene-pruefungsergebnisse/bundesministerium-der-verteidigung/2018-bemerkungen-nr-23?searchterm=BW.Bundeswehr

    Insoweit die die Planaufstellung und Bedarfsermittlung bei Ausrüstung und Dienstleistungen ähnlich professionell abläuft, entsteht dadurch nicht der Eindruck, dass die Bundeswehr ihren Bedarf hinreichend kennt oder ermitteln kann. Wünsche der Org-Bereiche sind nicht dasselbe wie ein als berechtigt anerkennbarer Bedarf.

  25. @McB | 19. Mai 2019 – 19:15
    Keine Ahnung, warum Sie jetzt gerade das Beispiel anführen, aber ich halte die Entscheidung der Ministerin Sport im Dienst auch für Beamte als Dienst anzuerkennen für richtungsweisend und klug.

    Gesunde Beamte sind einsatzbereite Beamte. Das der BRH die Wehrverwaltung hier mit normalen Verwaltungsbeamten aus z.B. Finanzämtern oder Kommunalverwaltung gleichsetzt zeigt mEn einen erschreckenden Mangel an Sachkenntnis über die Besonderheiten der Bundeswehr.

    Es hat in den letzten Jahren ja einige bedenkliche Entscheidungen der Bw mit Blick auf die Agenda Attraktivität gegeben, aber das war sicherlich keine der schlechten.

  26. @Koffer | 19. Mai 2019 – 20:15

    Wenn alle an den entsprechenden BGM-Maßnahmen teilnehmenden Zivilisten auch absehbar an Einsätzen teilnehmen würden, würde ich Ihrem Argument mit den Besonderheiten des Dienstes in der Wehrverwaltung zustimmen. De facto ist das aber nur eine ziemliche Minderheit. Die meisten Zivilisten in den Bundesbehörden der Bundeswehr machen Dienstsport, weil Sport halt die bessere Alternative zu den sonstigen Optionen ist. Für die meisten Soldaten in diesen Verwaltungsbereichen gilt vermutlich Ähnliches. BGM-Maßnahmen ausschließlich zur Einsatzvorbereitung fände ich prima. Ansonsten stört es mich auch nicht, aber es zeigt dann doch, dass die Bundeswehr recht großzügig mit ihren Ressourcen umgeht. Das gilt vor allem auch, wenn man lieber im Wasserkopf („zwei große Ämter der Bundeswehrverwaltung“ ) noch 3200 Stellen aufbaut, wovon man 2500 noch nicht einmal begründen konnte oder meinte zu müssen. Ich finde es prinzipiell gut, wenn die Bundeswehr modernisiert wird. Allerdings sind Zweifel angebracht, ob die Bundeswehrstrukturen diese Aufgabe effizient bewältigen können. Solange da nicht auch einmal ein paar signifikante Positivbeispiele in der Presse auftauchen, ist das Geld vielleicht anderswo auch nicht schlecht aufgehoben. In diesem Land gibt es auch anderswo Modernisierungsbedarf, der auch wichtig ist.

    In den Öffentlichkeitsauftritten der Budneswehr werden übrigens eigentlich nur Erfolgsmeldungen zu Trendwenden Material und Personal verkündet. Da kann der interessierte Normalbürger schon den Eindruck gewinnen, dass bei der Bundeswehr eigentlich alles läuft. Ebenso ist mit aus den letzten Jahren grob erinnerlich, dass die militärische Führung nach jeder Veröffentlichung irgendeiner desaströsen Information zur Einsatzbereitschaft ungefähr so geantwortet hat: “ Ja gut, wir haben nur vier oder wieviel auch immer Flugzeuge/Hubschrauber/U-Boote, aber wir können alle unsere Einsatzverpflichtungen uneingeschränkt erfüllen.“ Da denkt der Bürger doch, dass die Ausstattung den übernommenen Aufgaben angemessen ist. Insofern hat die Bundeswehr von sich aus meinem Eindruck nach jenseits akademischer Kreise ohne Außenwirkung öffentlich kaum auf ihre schlechte Lage hingewiesen. Neuerdings enthält man uns ja sogar sonst immer bedenkenlos veröffentlichte Daten zur Einsatzbereitschaft vor und erklärt diese z.T. sicher berechtigt zur Verschlusssache. Damit entsteht dann aber auch kein öffentliches Bewusstsein für die Probleme der Bundeswehr. Und ich denke, ein paar mehr aggregierte Kennzahlen zur Einsatzbereitschaft wären durchaus generierbar gewesen. Schade, dass man auf diese Gelegenheit verzichtet hat.

  27. Darum geht es doch: „Das BMVg klärte nicht, wie es diesen Arbeitszeitausfall ausgleichen kann“

    Man will die Trendwende Personal einführen, aber steuert an anderer Stelle ein Programm entgegen, welches nun mal im ersten Moment massig Arbeitszeit verschlingt.
    Und dann schafft man es nicht einmal diese Arbeitszeit auszugleichen (mehr Mitarbeiter) oder es zumindest zu erklären wie man diese Arbeitszeit ausgleichen will.

    Lieber Koffer, sie nehmen teilweise die Bundeswehr/BMVg zu oft in Schutz und nehmen jede Kritik auseinander und tun sie als inhaltslos ab.

    Ja, Gesundheitsmanagement ist wichtig, aber in der Wehrverwaltung arbeiten heißt eben in 80 % der Fälle wie in einer Finanzverwaltung oder Kommunalverwaltung zu arbeiten.
    Sehr viel Büroarbeit, teilweise Außentermine (keine schwere körperliche Arbeit) und ein kleiner Teil der Mitarbeiter hat „Spezialaufgaben“. Hier mag dann ein besonderes Gesundheitsmanagement wichtig sein.

  28. @McB | 19. Mai 2019 – 21:20 u. @Thorsten_S | 19. Mai 2019 – 21:23
    Ganz ehrlich, ich verstehe nicht, wie man gegen BGM (im Dienst!) für Beamte der Wehrverwaltung sein kann.

    Es steigert die Einsatzbereitschaft für Auslandseinsätze, es steigert die Dienstbereitschaft für Inlandsdienst, es steigert die Berufszufriedenheit und nicht zuletzt senkt es aller Wahrscheinlichkeit nach die Anzahl der DU Verfahren.

    In der praktischen Umsetzung habe ich heftige Kritik an BGM (ZSan hat sich ja geradezu mit dafür hauptamtlichen Stellen vollgesogen), aber das Prinzip halte ich für großartig. Wenn man es nicht bereits angewiesen hätte, müsste man es mEn dringendsten erfinden :)

  29. Das Ablegen der IGF und des DSA sind vom Dienstherrn befohlen, sowie z.T. auch fordernder Geländedienst.

    Da ist es nur recht und billig, daß der Soldat sich auch während seines Dienstes darauf vorbereitet, diese ablegt und sich entsprechend in Übung hält.

    Anderer Sport – Tischtennis, Badminton, u.a. – wird eh in der Freizeit gemacht.

  30. @ klabautermann | 19. Mai 2019 – 11:16

    Hm, ich empfinde es machmal als weltfremd wie stark sich gegen die Fragen “Was gibt es denn an “bang” for the buck? Wie stellen stellen sich diese Kern-Kenngrößen “bang” und “buck” und ihr Verhältnis zueinander im Benchmarking (=Vergleich mit anderen Streitkräften) dar?” und die Erwartung an die BW-Führung, als eines ihrer obersten Ziele zu haben dem Steuerzahler zufrieden stellende Antworten zu liefern, gewehrt wird.

    Sorry, jetzt nochmal ein etwas zugespitzter Konjunktiv: Wenn diese Dinge weltfremd für die BW sind, dann ist die BW weltfremd für die Welt um sie herum.

    Auf Ihre Frage: Ich persönlich bin mit der “Dienstleistung” des einzelnen B3+ (uniformiert oder zivil) zufrieden, der in seinem Bereich eine Optimierung des Verhältnisses Output zu eingesetzten Mitteln anstrebt, der begriffen hat dass man erfolgreich nicht nur nach unten sondern auch nach oben führt, der sich und dem unterstellten Personal spezifische und messbare Ziele der eigenen Tätigkeit definiert, diese kommuniziert und deren Erreichung prüft, und der die ihm unterstellten Menschen fair, fördernd und fordernd behandelt. Mit der “Dienstleistung” aller B3+ der BW (uniformiert und zivil) bin ich zufrieden, wenn sie ein solches Benchmarking durch Vergleich zu anderen Streitkräften vornimmt und das Verhältnis bang zu buck nahe der Benchmark (=Durchschnitt) oder besser liegt.
    Für alle diese Aspekte: je besser, um so zufriedener.
    Dass solche Kriterien für ihn nicht gelten weil das Kämpfen können über allem steht würde ich noch einem B3+ abnehmen dessen in Hauptbeschäftigung es ist Truppe im Einsatz zu führen. Allen anderen würde ich stets sagen “Doch, genau so sehe ich Deinen Job.”

    Steile Thesen:
    – Je mehr der einzelne B3+ nach den o.g. Zufriedenheitskriterien handelt wird er sich mit gestiegener Zufriedenheit des ihm unterstellten Personals konfrontiert sehen;
    – Je mehr die Gesamtheit aller B3+ nach den o.g. Kriterien handelt wird sie sich mit gesteigerter Zufriedenheit des Gesamtpersonals, gesteigerter Attraktivität auf dem Bewerbermarkt, gesteigerter Akzeptanz in Politik und Bevölkerung, sogar für Mehrausgaben, und gesteigertem Respekt bei den Partnernationen konfrontiert sehen.

    Nebenschauplatz: Verfahrensvorschriften macht meines Wissens allein die BW höchstselbst, rein für sich selbst, und sie sind jederzeit durch die BW-Führung änderbar, genau so wie planerische und konzeptionelle Vorgaben.

  31. @ Koffer | 18. Mai 2019 – 18:35

    “Wer als politisch interessierter Bürger behauptet nicht die Möglichkeit gehabt zu haben mit nur minimalen Aufwand über die dramatischen Folgen des Sparkurses für unsere sicherheits- und verteidigungspolitische Situation aufgeklärt zu werden ist ein Lügner.

    Jeder hören und sehen wollte, wusste, was wir uns mit dem dramatisch sinkenden finanziellen Aufwand bei nicht im gleichen Maße sinkenden Streitkräfteumfang mittelfristig einkaufen würden.”

    Ähem…1990 betrug der Verteidigungsetat einschließlich (!) des NVA-Haushaltes für das 2. Halbjahr rund 57,54 Mrd. DM (29,42 Mrd. Euro), bei ziemlich genau 2% des BIP. Das entspricht in 2019 inflationsbereinigt einer Kaufkraft von ca. 49,86 Mrd. €. Vergangenen Freitag an die Nato gemeldet wurden 47,32 Mrd. € Ausgaben für 2019.

    Auf die Gefahr hin von Ihnen dann als Lügner bezeichnet zu werden-weder hätte ich bei dem seitdem sinkenden Streitkräfteumfang dramatische Folgen durch diese Budgetentwicklung als unabwendbar vermutet, noch habe ich das Gefühl über diesen Umstand nachvollziehbar aufgeklärt worden zu sein.

  32. Thorsten_S 1+
    Ich bitte als Einlassung diesen sicher auch etwas OT zuzulassen. Sport für Beamte und auch Soldaten ist ebenfalls etwas, wo ein genauer Blick in den Alltag von BMVg, höheren Kommandobehörden, Schulen und Ämtern hilft. Die fleißigen und aufrechten Beamten und Soldaten haben durch die Begrenzung der Arbeitszeit und auch den eigenen Anspruch leider oft zu wenig Zeit. Es ist doch immer nur ein bestimmter Anteil von Personen, der den ‚Laden rockt’ und auf den Präsidenten, Leiter, Kommandanten, Kommandeure, Chefs, Führungspersonal etc. immer wieder gern zugreifen. Der Dienstsport der Soldaten wird oft gerade noch geschafft. Doch der Blick zu den vielfältigen, zusätzlichen Angeboten des betrieblichen Gesundheitsmanagments (BGM) aber auch einzelner exklusiver Sportangebote wie indoorclimbing, Wassersport, Tennis bis hin diverse Weiterbildungswochen exklusiver Sportarten, m.E für im Truppenalltag/Beamtenalltag kaum nutzbare Sportarten lässt erkennen, das das oft vielfältige Angebot von Rückenschule, Entspannungstraining bis Kochkurs oft nur durch diejenigen wahrgenommen wird, die weder zu den wirklichen Leistungsträgern gehören, noch jemals in Einsätze gehen oder auch thematisch damit etwas zu tun haben. Also um es etwas klarer zu sagen, diejenigen, die ohne hin ‚Zeit genug haben’, die sind auch noch die Kerntruppe die BGM nutzen können. Nun kann man sagen, sind wir doch froh, dass sie überhaupt dorthin gehen und nicht die schicken neuen Raucherhäuschen des Standortes benutzen. Es ist kein seltener Alltag in manchem Amt, vormittags Rückenschule, dann ausgedehnte Mittagspause, nachmittags gemeinschaftlich Tennis. Ehe sich nun die fleißigen Mitarbeiter angesprochen fühlen, diese meine ich nicht. Es verwundert, dass viele derjenigen, die mit Einstellungen, nur sich selbst gut zu tun, durchkommen. Da wird durch die Führungskräfte einfach weggeschaut. Auffallend ist auch, dass je weiter oben in der Hierarchie die Schulen, Ämter und höheren Kommandobehörden angesiedelt sind, desto besser sind die Angebote und vor allem auch die finanzielle und materielle Ausstattung. Das betrifft oft nicht nur Sportgeräte sondern oft auch noch moderne, gesunde Büroausstattung für Beamte und Soldaten. Sicher gibt es gelungene Ausnahmen, doch BGM erreicht oft nur Zielgruppen, die nicht im Schwerpunkt des Geschehens agieren.

  33. Vielleicht wird der Bedarf am Infra, Mat, Finanzen ja auch beim heutigen Truppenbesuch der BKin in Munster aufgezeigt. @ T.W.: sind Sie vor Ort?

    [Nein, weil ich zuvor schon bei einer Veranstaltung des Wehrbeauftragten außerhalb von Berlin zugesagt hatte. Aber ich schaue mal, was an Material davon zu bekommen ist. T.W.]

  34. So, jetzt habe ich zugelassen, dass hier von einigen gnadenlos das Thema Infrastruktur für Debatte über Dienstsport, Betriebliches Gesundheitsmanagement u.ä. missbraucht wird. Gut, die Diskussion über Infrastruktur scheint ja erschöpfend erledigt. Nächster Sport-Kommentar = Ende des Theads.

  35. @ T.Wiegold   |   20. Mai 2019 – 8:49

    Gehe aber davon aus, dass die Anmerkung unerwünscht ist, dass jahre- wenn nicht jahrzehntelang der Verfall der Infrastruktur und fehlende Investitionen bekannt waren und bemängelt wurden.
    Geld war erst vorhanden als es für „humanitäre Zwecke“ ausgegeben werden konnte.

    [Was soll jetzt dieses „Gehe aber davon aus, dass die Anmerkung unerwünscht ist“? T.W.]

  36. Ah, der mythical man month. Arbeitszeitausfall i.H.v. 3000 DP durch Hochrechnen der Stunden pro Nase.

    Preisfrage: wie kompensiert man den Ausfall von zwei Stunden pro Woche pro Person?

    Antwort: gar nicht, da allein die Reibungsverluste bei Übergabe der Geschäfte mehr Aufwand verursacht, als kompensiert würde.

    Es ist wieder die gleiche Milchmädchenrechnung, die letztlich den vom Admiral beklagten Zustand verursacht hat: das Verdichten von Zustandsinformation auf ein unzulässig kleines Format (hier: eine Zahl), um Entscheidungen herbeizuführen bzw „zu sparen“. Deutschland hat nun ganzheitlich soviel gespart, dass es demnächst mächtig Schulden machen muss, um den beklagenswerten Zustand der öffentlichen Infrastruktur und Dienstleistungen wieder auszubessern. Gutes Beispiel: Brücken-Chaos in Koblenz. Oder die Rader Hochbrücke. Aber auf dem Papier sah es erbsenzählerisch bestimmt toll aus!

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