Zahlen zur Einsatzbereitschaft von Bundeswehr-Waffensystemen: Bisher offen, jetzt geheim (m. Nachtrag)

Von 128 Eurofightern 39 einsatzbereit, von 72 CH-53-Transporthubschraubern nur 16: Solche Zahlen, die in Deutschland wie international Aufmerksamkeit erregten, veröffentlichte das Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr in seinem regelmäßigen Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr. Die öffentliche Debatte fiel nicht gut aus für die Streitkräfte, und das Ministerium hat Vorsorge getroffen, dass sich das nicht wiederholen wird: Der aktuelle Bericht zur Materiallage, im vergangenen Jahr offen zugänglich, ist nun als Geheim eingestuft und darf selbst von Bundestagsabgeordneten nur in der Geheimschutzstelle des Parlaments eingesehen werden.

Nach offizieller Darstellung des Ministeriums hat diese Einstufung nichts mit der peinlichen Debatte der vergangenen Jahre zu tun. Die Version in diesem Jahr sei viel umfangreicher und lasse nunmehr so konkrete Rückschlüsse auf die aktuellen Fähigkeiten der Bundeswehr zu, dass eine Kenntnisnahme durch Unbefugte die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland schädigen würde, schrieb Generalinspekteur Eberhard Zorn am (heutigen) Montag in gleich lautenden Briefen an den Verteidigungs- und den Haushaltsausschuss des Bundestages.

Aus Zorns Schreiben:

Dieser Bericht setzt diese Unterrichtungen fort und erweitert ihren Umfang um fünf Hauptwaffensysteme des militärischen Organisationsbereiches Cyber- und Informationsraum, um weitere acht Systeme mit besonderer Relevanz für die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) und um eine gesonderte Betrachtung neu zugelaufener Waffensysteme.
Der Bericht für das Jahr 2018 ist im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren umfangreicher und detaillierter. In der Gesamtschau lässt er nunmehr so konkrete Rückschlüsse auf die aktuellen Fähigkeiten der Bundeswehr zu, dass eine Kenntnisnahme durch Unbefugte die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland schädigen würde. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund einer verschärften sicherheitspolitischen Lage sowie dem deutschen Beitrag zur Sicherheitsvorsorge im Rahmen der Bündnisverteidigung. Die im Bericht enthaltenen Informationen sind deswegen in ihrer Gesamtheit GEHEIM einzustufen. Damit wird auch dem Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten Rechnung getragen. Der Bericht liegt zu Ihrer Einsichtnahme in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages bereit.
Gleichzeitig wird die Transparenz und Aktualität erhöht. Denn von nun an wird der Bericht halbjährlich statt nur einmal im Jahr erscheinen – und an den Turnus des Rüstungsberichts gekoppelt.

Zum Vergleich der Umgang mit den Informationen in den vergangenen Jahren:

September 2014: Der erste Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensysteme wird den Abgeordneten vorgelegt, eingestuft als Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch (VS-NfD), also nicht Geheim. Die Ergebnisse sind aus Sicht der Parlamentarier erschreckend.

Dezember 2015: Der zweite Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensysteme ist von der Lage her nicht viel besser; der Bericht ist ebenfalls als VS-NfD eingestuft.

November 2016: Dritter Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensysteme, weiterhin muss der Generalinspekteur unzureichende Verfügbarkeit, mangelnde Einsatzbereitschaft, technische Probleme oder fehlende Ersatzteile melden. Erstmals wird dieser Bericht vom Verteidigungsministerium nicht nur den Abgeordneten zugänglich gemacht, sondern auch veröffentlicht.

Februar 2018 (aus dem ursprünglichen Rhythmus zum Jahresende verschoben wg. lang anhaltender Regierungsbildung): Der vierte Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensysteme wird ebenfalls veröffentlicht. Die weiterhin geringe Einsatzbereitschaft vieler Systeme begründet das Ministerium nun auch mit der gestiegenen Zahl einsatzgleicher Verpflichtungen sowie Belastung des Materials durch mehr Übungen.

Mit dem neuen Umgang mit diesen Informationen begrenzt das Verteidigungsministerium nicht nur die Kenntnisnahme auf die Abgeordneten – es unterbindet auch die Debatte über mögliche Probleme bei einzelnen Waffensystemen. Denn die Parlamentarier dürfen über diese geheimen Angaben nicht sprechen. Damit bleibt für die Debatte in der Öffentlichkeit – vor dem Hintergrund der Forderung nach Erhöhung des Verteidigungshaushalts – unklar, inwieweit das Geld sinnvoll eingesetzt wird.

Der Generalinspekteur ist in seinem Schreiben an die Ausschüsse redlich bemüht, solche Bedenken mit  allgemeinen Zahlen zu zerstreuen:

Im Berichtsjahr 2018 lag die materielle Einsatzbereitschaft der fast zehntausend Einzelsysteme gemessen am Verfügungsbestand der Teilstreitkräfte, also abzüglich der ohnehin unvermeidbar im regelmäßigen Turnus notwendigen Wartungs- und industriellen Modernisierungszyklus befindlichen Waffensysteme, im Durchschnitt bei ca. 70 Prozent. Damit war die Bundeswehr trotz erheblicher Mehrbelastung aktuell in der Lage, ihren Auftrag im Einsatz, in einsatzgleichen Verpflichtungen und im Grundbetrieb zu erfüllen. (…)
Es ist deshalb in Anbetracht dieser erschwerenden Rahmenbedingungen als Erfolg zu werten, dass nicht nur der Abwärtstrend der materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme weitgehend gestoppt werden konnte, sondern im abgebildeten Zeitraum in Teilen sogar eine Verbesserung der materiellen Einsatzbereitschaft erreicht wurde.
Beispiel für eine besonders positive Entwicklung ist der GTK BOXER mit einem deutlichen Anstieg der durchschnittlichen materiellen Einsatzbereitschaft. (…) Auch beim A400M ist ein positiver Trend zu verzeichnen, bei gleichzeitigem Zulauf von zehn weiteren Luftfahrzeugen und der Zertifizierung als Tankflugzeug. (…)
Auch wenn der eingeschlagene Weg richtig ist, sind wir noch nicht am Ziel. So konnte etwa die materielle Einsatzbereitschaft bei den Ubooten Klasse U212A nicht zufriedenstellen. Dabei standen im ersten Halbjahr 2018 durch die Kombination von geplanten Instandsetzungen (beispielsweise Garantieliegezeiten) und materiellen Ausfällen (unvorhersehbare Schäden an den Fahrbatterien im Verantwortungsbereich der Industrie), für einen Zeitraum von fünf Monaten keine Uboote für Einsätze zur Verfügung. Durch zielgerichtete Arbeit konnte die Verfügbarkeit zum Ende des Berichtszeitraumes wieder auf drei Uboote erhöht werden.
Auch bei den im Einsatz befindlichen „Alt-Waffensystemen“ CH-53 und TORNADO konnte angesichts der sehr fordernden Einsatzverpflichtung in Afghanistan und Jordanien (mit Ersatzteil-Priorität) lediglich das niedrige Niveau des Vorjahres stabilisiert werden.
In Summe beginnen die eingeleiteten Trendwenden zu greifen. Noch sind die positiven Auswirkungen nicht in Gänze spürbar, aber perspektivisch werden sie sich absehbar auf den verlässlicheren und umfangreicheren Zulauf einsatzbereiten Materials auswirken. (…)
Aufgrund der konsequenten Bündelung von Ressourcen (u.a. Personal, Großgerät, Ersatzteile) in den Auslandseinsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen, verfügen die dort genutzten Waffensysteme wie auch schon in den letzten Jahren über eine weit überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft. Durch die Fortsetzung der Trendwenden und einer ausreichenden Bereitstellung von finanziellen und damit materiellen und personellen Ressourcen gilt es, diesen hohen Grad der Einsatzbereitschaft stufenweise auf die ganze Bundeswehr zu übertragen.
[Interpunktion im Original]

Aus Sicht der Abgeordneten kam die neue Einstufung des Berichts überraschend. Erst mit Schreiben ebenfalls vom heutigen Montag hatte das Parlaments- und Kabinettsreferat der Geheimschutzstelle im Bundestag zwölf Exemplare des Berichts, Tagebuch-Nr. 408/19 – VS-GEHEIM, übersandt. Dass Informationen, die in den Vorjahren nicht eingestuft waren, jetzt geheim sind, ist erstmal erklärungsbedürftig, sagte der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner, der sowohl im Verteidigungs- als auch im Haushaltsausschuss sitzt. Anscheinend ist die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr so schlecht, dass es besser die Öffentlichkeit nicht erfahren sollte. Warum ein Bericht, der seit Jahren offen war, plötzlich geheim eingestuft wird, bleibt Betriebsgeheimnis des Ministeriums.

Die Einstufung von Angaben, die in den Vorjahren vom Verteidigungsministerium öffentlich bereitgestellt wurden, ist inzwischen ein Trend. Im Februar hatte das Wehrressort öffentliche Angaben zu den Gesamtkosten großer, steuerfinanzierter Rüstungsprojekte auf eine Anfrage der Linkspartei verweigert: Die Gesamtkosten von Rüstungsprojekten als auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Instandsetzungen und Reparaturen in den betrachteten Rüstungsprojekten sind zur Wahrung von Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland als „VERSCHLUSSSACHE – NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH“ eingestuft.

Ähnlich verfährt das Ministerium auf Fragen nach Zahl und Umfang vorhandener Waffensysteme. Noch im September 2016 hatte der damalige Parlamentarische Staatssekretär Ralf Brauksiepe recht ausführlich im Bundestag Auskunft zu vorhandenen und geplanten unbemannten Systemen der Bundeswehr gegeben. Keine drei Jahre später sollen Drohnen nicht mehr öffentlich debattiert werden: Auf die Anfrage der Linkspartei in der BT-Drucksache 19/7922

Über wie viele und welche Drohnen welcher Gewichtskategorie verfügt die Bundeswehr gegenwärtig, und wo sind die Systeme im Ausland oder in Deutschland stationiert?

antwortete das Ministerium:

Auf die als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestufte Anlage wird verwiesen.

Nachtrag: Die Oppositionsparteien FDP, Linke und Grüne haben im Verteidigungsausschuss beantragt,  die für kommenden Mittwoch vorgesehene Beratung über den Bericht zu verschieben. Hauptgrund: Das Vorgehen, das den Abgeordneten die Einsichtnahme nur in der Geheimschutzstelle erlaubt, lasse ihnen nicht genügend Zeit zur Vorbereitung auf die Beratung.

Aus dem Schreiben der Obleute Alexander Müller (FDP), Alexander Neu (Linke) und Lindner von den Grünen an den Ausschussvorsitzenden, den SPD-Abgeordneten Wolfgang Hellmich:

Da der Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr 2018, der in der 28. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 13. März 2019 unter TOP 9 beraten werden soll, sehr kurzfristig vorgelegt wurde und ausschließlich auf der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages einsehbar ist, halten wir eine seriöse Befassung mit dem Bericht in der kommenden Ausschusssitzung für nicht realisierbar.
Um dem grundlegenden Thema der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr gerecht werden zu können und eine gründliche parlamentarische Befassung zu ermöglichen, beantragen wir hiermit im Namen der zuständigen Arbeitsgruppen der Fraktionen der FDP, DIE LINKE. und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN den Tagesordnungspunkt auf die nächste Ausschusssitzung zu vertagen.
Ferner bitten wir Sie, im Namen des Verteidigungsausschusses vom Bundesministerium der Verteidigung eine Begründung anzufordern, warum der Bericht als geheim eingestuft ist, während der Vorgängerbericht offen vorgelegt wurde.

(Archivbild Oktober 2018: Gepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer während der NATO-Übung Trident Juncture in Norwegen – Marco Dorow/Bundeswehr)

117 Gedanken zu „Zahlen zur Einsatzbereitschaft von Bundeswehr-Waffensystemen: Bisher offen, jetzt geheim (m. Nachtrag)

  1. Mal eine ganz andere Frage zum „Benchmarking“ – oder wer es lieber deutsch mag „zum Vergleich“:
    Kann hier jemand die Links zu den vergleichbaren Zahlen der Einsatzbereit anderer Streitkräfte einstellen wie
    – Großbritannien
    – Frankreich
    – Polen
    – Spanien
    – Türkei
    aber insbesondere der Großmächte
    – USA
    – Russland
    – China …
    Oder sollten wir tatsächlich die einzigen sein, die sowas öffentlich machen?

  2. @Poo
    Was interessieren mich/uns den die Zahlen und Veröffentlichungen anderer Länder?
    Ich bin als deutscher Staatsbürger und Steuerzahler interessiert am Zustand der deutschen Streitkräfte.

  3. @Klaus-Peter Kaikowsky | 11. März 2019 – 19:25

    @Klaus
    – „Der Gegner, welcher?“ da gibt’s jede Menge. Derzeit überall dort, wo Truppe sich im bewaffneten Einsatz befindet, einschließlich eFP mit „potenziellem“ Gegner.
    Kann über Bundeswehr.de/Einsatz eingesehen werden.

    Selten so einen Schmarrn gelesen, könnte vom Pressesprecher BMVg kommen. Die meisten Einsätze sind im Rahmen der UN und sind entweder Beobachtungmissionen oder peace keeping. Selbst Afghanistan fällt darunter, auch wenn man dazu neigt, die Taliban als Feind anzusehen, mittlerweile sind sie als politische Kraft anerkannt und in einen Friedensprozeß eingebunden.
    Und nach Syrien und Mali sind wir freiwillig gegangen. Von den Terrordrohungen des IS mal abgesehen hat uns niemand den Krieg erklärt oder die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland oder eines Bündnispartners verletzt.

    Die Zielrichtung von @Klaus sind doch eindeutig die Aktivitäten Russlands und Chinas. Und gerade bei Russland ist die „Umzingelung“ mit Bündnispartner und PFP-Partnern einer Entspannung sicherlich nicht förderlich.

  4. Diese Einstufung gefährdet die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland da dieser offenkundige Missbrauch der Geheimhaltungsvorschriften geignet ist den Respekt vor diesen zu zerstören.

    Da bauen sich jetzt Spannungsverhältnisse auf. Kameraden die über Wissen über die Einsatzfähigkeit verfügen das Abgeordneten in einer Form zur Verfügung gestellt werden muss um eine Grungesetzkonforme Debatte des Haushalts (und damit die Heilung statt Verschleierung des Dilemmas) zu ermöglichen wären eigentlich durch ihren Amtseid zum „Geheimnisverrat“ als Whistleblower an das Parlament gezwungen. Das wird natürlich keiner tun, denn die Abgeordneten selbst haben nun mal in den letzten Jahren gezeigt dass in diesem Themenfaled auf sie kein Verlass ist wenn es darum geht die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu stützen.

    Im Endeffekt bekommen wir jetzt eine Verstärkung der Kultur des servilen Kadavergehorsams im BMVg durch politisch willfährige Geheimniskrämerei. Und der Generalinspekteur marschiert voran…

  5. @Pio-Fritz
    Von Krieg erklären oder Feind hab ich wo bitte was geschrieben?
    Bewaffnet findet dort statt wo Truppe bewaffnet eingesetzt ist, was mit Kampf nur im ungünstigsten Fall zu tun hat.
    Ansonsten rate ich Ihnen zu Formulierungshilfen.

    Sofern @Klaus RUS und CHN im Sinn hat, soll er’s schreiben. Und na klar sind beide Gegner, jedenfalls politische, wie an Sanktionen im Fall RUS deutlich wird.

  6. Ab sofort ist von einer 100%igen Einsatzbereitschaft sämtlicher Waffensysteme auszugehen.

  7. Was mir an der Seite am meisten Sorgen macht ist die Frage was dir Führung den erwartet hat wie die Parlamentaria und die Presse reagiert?
    A: gar nicht drüber nachgedacht.
    B. Drüber nachgedacht und sich gesagt ist mir egal?
    C. Drüber nachgedacht und akzeptiert eine öffentliche Diskussion über den erforderlichen Geheimhaltungsgrad an zu triggern?
    D. Ein anderes Ergebnis.

    Alle Antworten machen mir Sorgen und lassen mich an der militärischen Führung zweifeln.

    Wie man nicht auf die einfach Möglichkeit kommen kann eine abgespeckte Version wie bisher zu veröffentlichen
    und eine Geheime detaillierte Version ist mir schleierhaft.
    Irgendwer spielt hier doch auf Kindergartenniveau.

  8. 2Cent | 12. März 2019 – 10:43
    „Wie man nicht auf die einfach Möglichkeit kommen kann eine abgespeckte Version wie bisher zu veröffentlichen“

    Ich als Bürger käme möglicherweise auf die Frage: „was verheimlichen die mir, uns? Wie schlimm ist es wirklich?

    Und wie abgespeckt sollte es sein? Wie sollte das aussehen? Ob man damit das GRU hinters Licht führen könnte?

  9. O.Punkt | 11. März 2019 – 16:36

    Erschließt sich mir nicht wieso man nicht ähnlich wie bei UdP und UdÖ verfährt und einen öffentlichen Bericht wie in den Vorjahren und einen eingestuften für die MdBs.

    Außer man will eben wirklich was verschleiern.

    Eben, ein simpler Klarstand der Großwaffensysteme passt (mit vielen Symbolen/Icons) auf ein A4-Blatt. „x von y Hubschraubern, Panzern, Schiffen …“ ergibt einen hinreichenden Überblick für die allgemeine Öffentlichkeit – und reichlich Futter für Diskussionen. Ganz ohne die nationale Sicherheit zu gefährden oder Staatsgeheimnisse preiszugeben. Das durchschaubere Geheimhaltungsgeschwurbel zeigt nur, wie angeschlagen (angezählt?) UvdL bereits ist … Ein weiterer Tiefschlag würde wohl zu nah an den „Knockout“ führen.

    Insider | 11. März 2019 – 18:25

    Ist es dann zukünftig auch geheim, wenn Frau v.d.L werbewirksam 100 Nachtsichtbrillen an die Truppe übergibt?

    Das war womöglich nur eine Finte, um den Feind zu täuschen. Womöglich waren es nur 3D-Brillen, die jetzt auf Stube den Filmgenuss vor dem Flachbildschirm steigern … (SCNR, der musste sein)

  10. @Pio-Fritz

    “ Und gerade bei Russland ist die „Umzingelung“ mit Bündnispartner und PFP-Partnern einer Entspannung sicherlich nicht förderlich.“

    Ja, es ist unerhört, dass unsere Bündnispartner ausgerechnet da ihre östlichen Landesgrenzen haben wo der russische Einfluss wirkt.

    Russland ist das größte Land der Erde weil ethnische Russen unzählige Völker unterworfen hatten und es noch immer versuchen. Europa und die NATO wollen bezüglich Russland nur was im NATO-Vertag beschrieben ist. Dass die USA nationale Interessen verfolgt unterscheidet sie in nichts von der rus Führung.

    Doch hier geht es nicht um Feinde, sondern um möglich Gegner.
    Dass Russland einer ist, liegt schon alleine an der Geographie und dem Handeln der rus-Führung (Siehe Cyber Angriffe, Kämpfe in der Ukraine/Georgien, der organisierten Kriminalität uvm).

  11. Unklarstandsmeldungen der eigenen Streitkräfte aus eigenem verteidigungspolitischen Interesse geheim halten zu wollen, gefährdet jetzt genau wie den Respekt vor der Einstufung bestimmter Informationen?

    Das muss man mir mal erklären… Ich dachte immer, es gehört zu den grundlegenden Strategien, die eigenen Fähigkeiten (und Fähigkeitenmängel) nicht jedem Deppen und seinem Bruder mitzuteilen, und selbst durch Aufklärung und nachrichtendienstliche Mittel die Fähigkeiten (und -mängel) potenzieller militärischer Gegner zu erfahren:

    „Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.“

    Das ist schon gut fünf Jahrhunderte älter als das Christentum und gilt natürlich auch umgekehrt.

    „Wenn der Feind uns zahlenmäßig überlegen ist, können wir ihn am Kampf hindern. Versuche, seine Pläne aufzudecken und zu erkennen, wie erfolgversprechend sie sind. Reize ihn, und ergründe das seiner Aktivität oder Inaktivität zugrunde liegende Prinzip. Zwinge ihn, sich Blößen zu geben, damit du seine verwundbaren Stellen findest. Vergleiche die gegnerische Armee sorgfältig mit deiner eigenen, damit du erkennst, wo ein Übermaß an Kräften herrscht und wo sie fehlen.

    Das höchste Ziel bei allen taktischen Entscheidungen muß sein, sie geheimzuhalten; halte deine Entscheidungen geheim, und du bist sicher vor den Augen der geschicktesten Spione und vor den Ränken der klügsten Köpfe.“

  12. @ K.B.

    Danke für den Link auf den Artikel über die Einsatzbereitschaftszahlen der US-Airforce.

    Wenn man bedenkt dass die „AirforceTimes“ eine Art Truppenbetreuungszeitschrift a la „Bw-Aktuell“ ist, dann kann man die Offenheit und die Tragweite der darin publizierten, detaillierten Daten zur Einsatzbereitschaft der US-Airforce noch mehr bewundern.

    @ all

    Also mit dem gerade zitierten Artikel der US-Airforce ist endgültig klar, dass die Einstufung des deutschen Materiallageberichts nicht gerechtfertigt ist, sondern aus anderen Gründen erfolgte. Vermutlich wollte man die negative Berichterstattung in der Presse vermeiden.

    Interessant an dem Artikel in der AirforceTimes sind aber noch ein paar andere Parallelen zur deutschen Situation in der Lw:

    As Chief of Staff Gen. Dave Goldfein has often warned, “Pilots who don’t fly … will not stay with us.“
    „The Air Force needs about 20,000 pilots across the total force, but despite taking many steps to retain them, the service remains about 2,000 pilots short.“

    Dabei ist die Situation für die amerikanischen Piloten verglichen mit unseren Piloten der Lw noch vergleichsweise günstig.

    Wilson [Air Force Secretary Heather Wilson] said that overall, pilots now get an average of 17.6 flight hours per month. Fighter pilots get about 16.4, she said, and mobility pilots fly about 17.3 hours per month on average. Bomber pilots, who fly longer sorties, fly about 19.7 hours per month on average, she said.

    Eine weitere Parallele zur Luftwaffe ist interessant, der Mangel an qualifizierten Lfz-Technikern.

    Den hat die US Airforce durch personelle Kürzungsprogramme 2014 selbst verursacht, erfahrenene, lebensältere Techniker sind ausgeschieden und jetzt fangen sie ganz unten mit Mannschaftsdienstgraden (E-3), Erfahrungsstufe 3 wieder an, sie bräuchten aber Unteroffiziere (E-5) und vor allem freigabeberechtigtes Personal in der Erfahrungsstufe E-8 (Stabsfeldwebel).
    Auch dieses Personal wächst in den USA nicht auf Bäumen, sondern muss in der US Air Force selbst herangebildet werden und auch als erfahrenes Personal in der Air Force gehalten werden !
    Da die USA ja nicht den Berufssoldatenstatus kennen, sondern dass sich jeder nach SaZ 20 mit Pensionszusage verabschieden kann, ein schwieriges Unterfangen für den Dienstherrn !

  13. @Metallkopf

    „Das höchste Ziel bei allen taktischen Entscheidungen muß sein, sie geheimzuhalten; halte deine Entscheidungen geheim, und du bist sicher vor den Augen der geschicktesten Spione und vor den Ränken der klügsten Köpfe.“

    Stimmt, hier geht es aber nicht um taktische Endscheidungen oder die Verfügbarkeit im V-Fall. Es geht um Grundbetrieb und vieles davon muss im Rahmen von Verträgen eh offen gelegt werden.

    Es geht nicht um die Verfügbarkeit im Einsatz und das BMVg kann ja selbst entscheiden, was man in einem zweiteiligen Bericht veröffentlicht.

    Jetzt, in dieser Situation der Bw zu beginnen, die Verffügbarkeit zu verschleiern schwächt unsere Schlagkraft da es den Druck zu Stärkung der Truppe weg nimmt.

  14. Geht es nicht darum, dem Michel das ganze Ausmaß der Misere zukünftig zu verschleiern? Sind die Nachrichtendienste der Mächte der Finsternis wirklich so schlecht geworden, daß sie auf diesen Bericht angewiesen wären, um zu erfahren, welche Fähigkeiten die BW hat bzw. nicht hat?

  15. Nicht jeder muss alles wissen. Die Klassifizierung ist legitim und wenn eine Information schuetzenswert erscheint, sogar geboten. Das kritisieren nur jene, die entweder zu allem meinen, eine Meinung haben zu muessen, ( ein Phaenomen der offenen und glaesernen Internet- Gesellschaft) oder solche, deren professionelle Arbeit dadurch erschwert wird.
    – –

    Kann es sein, dass der eigentliche Grund fuer die Ruecknahme der Einstufung darin besteht, dass
    – der seinerzeit angestrebte oeffentliche Druck auf verbesserte Finanzierung und Ausstattung in seiner gewuenschten Wirkung auf Politik und Gesellschaft nicht wie erhofft verfangen haben, oder
    – seinerzeit die gegenwaertige VgMinin die offene Einstufung vorgenommen hatte- gegen den Rat der mil Berater- und dies nun kassiert, pardon, korrigiert werden soll?

    Sind also nicht eher BMVg- interne Gruende vorhanden?
    Falls ja, ( und ich kann mich natuerlich irren) welche Rueckschluesse waeren aus dieser Perspektive zu ziehen?

  16. @Zimdarsen: „Stimmt, hier geht es aber nicht um taktische Endscheidungen oder die Verfügbarkeit im V-Fall. Es geht um Grundbetrieb und vieles davon muss im Rahmen von Verträgen eh offen gelegt werden.“

    Was für die Taktik in puncto Geheimhaltung gilt, gilt grundsätzlich auch mal für die strategische Ebene. Verträge sind Verträge und haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die wiederum losgelöst von der allgemeinen Handlungsweise sein dürfen.

    Maximale Transparenz in allen Dingen beißt sich nun einmal mit den schlichten Notwendigkeiten im Allgemeinbetrieb einer wehrhaften Demokratie. Das gilt nicht nur für Streitkräfte, sondern in vielerlei Hinsicht auch für Nachrichtendienste, etc. pp.

    @Sven Rothe: Es ist eine Binsenweisheit, dass sich gegnerische Nachrichtendienste nicht ausschließlich aus nachrichtendienstlichen Mitteln informieren, sondern auch aus offen verfügbaren Quellen. Was freilich nicht bedeutet, warum man ihnen den eigenen Job einfacher machen sollte, indem man alles veröffentlicht. Die sollen ruhig auch mal was arbeiten für ihr Geld. Mag sein, dass die das auch dann trotzdem rauskriegen, aber man hat es ihnen immerhin nicht selbst auf dem Silbertablett serviert.

    Ansonsten braucht jede Gesellschaft auch ein gewisses Maß an Vertraulichkeit und Geheimhaltung. Zwingend. Für die Bundeswehr und ihre Angehörigen gilt das schon aufgrund der sicherheitspolitischen Relevanz ihrer Tätigkeit in besonderem Maße.

  17. Na gut, alle, die jetzt so Geheimhaltung als Wert an sich bejubeln, können ja hier aufhören zu lesen – denen muss Augen geradeaus! ja schon vom Ansatz her ein Graus sein. Offene Berichterstattung über Streitkräfte in einem demokratischen Staat, so weit kommt’s noch. Grundsätzlich sollte vermutlich jedes staatliche Handeln geheim bleiben, die Obrigkeit wird schon wissen, was sie dem gemeinen Volk mitteilten sollte? Sorry, aber das geht mir jetzt langsam ein bisschen weit.

  18. @TW
    Nicht aufregen. Offene Berichterstattung kann es nur dann geben, wenn es an anderer Stelle keine Risiken fuer Sicherheit, auch operative, gibt.
    Ich kenne keine andere Armee, die so offen, manchmal sogar naiv offen mit Informationen umgeht wie die unsrige. Angaben zur EB, zur Einsatzfaehigkeit etc. sind per se Informationen, die zu polit. Absichten und Plaenen fuehren koennen- egal ob innenpolitisch motiviert, im Buendnis oder bei realen oder vermuteten Gegnern.
    Vielleicht haben wir uns alle in grosser Selbstverstaendlichkeit daran gewoehnt alles wissen zu koennen, weil wir es wollen. Auch das ein Effekt moderner Medien, aber auch ein Ergebnis der sorgenbefreiten Friedensdividende.
    Aber ich raeume ein, dass wie so oft, gute Kommunikation im BMVg sich nicht nur in weichgespuelten Ministerinbildern erschoepfen sollte. Mittlerweile sind wir auch im Erklaeren, warum etwas notwendig ist, schlecht geworden.

  19. @ 2Cent | 12. März 2019 – 10:43

    „Irgendwer spielt hier doch auf Kindergartenniveau.“

    Erlebt man im täglichen Dienst.

    Ganz viele unter anderem derer die es bis nach ganz oben geschafft hat, musste noch nie un in keinem Einsatz tatsächlich beweisen, dass sie es auch wirklich können. Auswahlkriterium Nr. 1 ist die Gewalt der schönen und politisch angepassten Worte mit der Fähigkeit sich schnell anzupassen.

    Bei Schusswechseln/Gefechten etc. z.B. in AFG hatte man immer den Eindruck, dass die „Führung“ auf den Schiedsrichter wartet der Übungsunterbrechung vorschlägt oder auf den Mentor beim GenstLG der eine Diskussionsrunde/Arbeitsgruppe anregt.

  20. @ Georg | 13. März 2019 – 19:53

    Das gehört zu UdL’s neuer Offenheit.
    Offenheit nur so lange es ihr dient. Alles andere wird verschleiert und mit „Compliance“ Massnahmen versucht unter dem Deckel zu halten. Nicht dass das Parlament oder der Wähler davon erfährt. Das wäre ja schrecklich (sarc off).

    Der Zustand der Bw ist nicht nur Materiell erschreckend und dazu haben die Herren mit Goldsternchen fleissig dazu beigetragen.

    Der „böse“ Russe oder Chinese dem jetzt mit einem Europäischen Flugzeugträger a la AKK (vermutlich hat sie zu oft das Theaterschiff auf der Saar angestarrt) Einhalt geboten werden soll, braucht, um das herauszufinden keinen Rüstungsbericht.

  21. @Metallkopf:

    rein technisch:

    1. Geheimhaltung ist nicht gratis, sondern verursacht vielerlei Risiken und Kosten. Bevor man etwas geheim hält, sollte man erstmal schauen, ob das Kosten/Nutzen-Verhältnis
    stimmt.

    2. Je weniger man geheim hält, desto besser kann man das schützen. Pauschale Geheimhaltung führt oft dazu, dass das Schutzniveau sinkt.

    3. Geheimhaltung verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme aufgedeckt und behoben werden.

    Sinnvoll ist, sich zu überlegen, was man WIRKLICH schützen MUSS und KANN, und dafür dann richtig viel Aufwand zu treiben.
    Diesen Aufwand kann man leisten, wenn man wenig schützen muss und wenn der Schutzgegenstand klar umrissen ist.

    PS:
    Eine pauschale Herangehensweise hat durchaus Sinn, aber einen Schritt vorher: Dort, wo man das Prinzip der Datenvermeidung und Datensparsamkeit einsetzen kann. Das sorgt dann dafür, dass weniger Daten auf Halde liegen und geschützt werden müssen.

  22. @T. Wiegold: So war’s jetzt auch nun wieder nicht gemeint. Aber es ist nunmal das Prärogativ der Exekutive, die Einstufung von Informationen erst einmal selbst vorzunehmen. Das kann man dann gerichtlich überprüfen lassen oder diskutieren, und beißt sich überhaupt nicht mit der Rolle einer unabhängigen, investigativen Presseberichterstattung. Was man herausfinden kann und dann veröffentlichen darf ist bekanntlich auch seit der SPIEGEL-Affäre geklärt und immer weiter fortentwickelt worden.

    Aber der Gegenentwurf: „Wir tragen unsere strategischen Interessen einfach mal öffentlich zu Markte“, kann es auch nicht sein. Man muss ja das Kind nicht mit dem Bad ausschütten.

    Extrembeispiel (hinkend): Die Polizei inseriert schließlich auch nicht die GPS-Koordinaten ihrer Streifenpolizisten und Einsatzfahrzeuge im Internet, damit die Bösen Buben (oder solche, die es werden wollen) bei Google Maps nachschauen können, ob die Luft rein ist, n’est-ce-pas?

  23. @Metallkopf

    „Maximale Transparenz in allen Dingen beißt sich nun einmal mit den schlichten Notwendigkeiten im Allgemeinbetrieb einer wehrhaften Demokratie.“

    Wer behauptet etwas anderes?

    „Das gilt nicht nur für Streitkräfte, sondern in vielerlei Hinsicht auch für Nachrichtendienste, etc. pp.“

    So ist es!

    Doch hier geht es um:

    „Zahlen zur Einsatzbereitschaft von Bundeswehr-Waffensystemen: Bisher offen, jetzt geheim“

    Und die Diskussion, ob es für unser Land/Streitkräfte besser ist darüber offen zu sprechen und die fehlende Schlagkraft zu erhöhen. Viele hier und in der Bw sind der Meinung, dass uns das Vorgehen des Ministeriums eher schadet als hilft.

    Es geht nicht um Stärkemeldungen der Waffensystem für den aktuellen Tag.

  24. @Eric Hagen

    Man kann aber nicht leugnen, das es einen Geschmack hat von Geheimhaltung vor dem Bürger nicht vor Freunden, Verbündeten und Nicht-Freunden.

  25. @Metallkopf:

    Durch Einstufung allgemeiner Kennzahlen wird man die gewünschte Vertraulichkeit nicht herstellen können. Spionage läuft heute ja längst nicht mehr so, daß man gezielt Einzeldokumente heimlich weiterreicht.
    Man saugt das ganze Netz-Laufwerk auf USB-Stick, veröffentlicht das im Netz und nennt sich Whistleblower.
    So weiß erstmal keiner, welche Dokumente das Ziel waren, und die Regierung kommt unter Druck, weil alle möglichen Journalisten die Ermittlungen als Angriff auf Pressefreiheit und Demokratie attackieren.
    Gegen postmoderne Heiligenscheine und die Immunitätsforderungen von NGOs und Aktivisten helfen keine Geheimhaltungsvermerke. Sie machen den Skandal dann nur noch größer und erhöhen noch den Druck auf die Regierung, die Ermittlungen möglichst schnell einstellen zu lassen. ;)

  26. Seht’s mir nach, Leute, aber langsam wird’s ein bisschen wirr. Ist das jetzt ein Plädoyer für eine Rückkehr zu geheimer Kabinettspolitik wie zu Bismarcks Zeiten?

  27. @T.Wiegold:

    Wenn Sie damit mich meinen, ist es ein Plädoyer zu mehr Realismus.
    Keine Sau in der deutschen Öffentlichkeit hält heute noch staatliche Geheimhaltungsmaßnahmen für notwendig oder gar berechtigt. Militärische Bedrohungen existieren ja sowieso nicht – die sind alle nur das Hirngespinst von Kriegstreibern und Rüstungslobbyisten.
    Das ist nicht nur ein mediales Klima, sondern so sieht tatsächlich das Rechtsverständnis bis in die Regierung hinein aus.
    Da kann man mit Einstufungen nur zusätzlichen Schaden anrichten.
    Und was am Zustand der BW gegenüber Gegnern noch geheimzuhalten wäre, ist in diesem konkreten Fall auch wirklich fraglich – Wrong hill top to die on.

    Mal ganz konkret: Wie soll denn eine Verletzung der Geheimhaltung noch verfolgt werden, wenn man die abgesaugten Dokumente „Netzpolitik“ zur Verfügung stellt?

    [Jetzt mengen Sie lustig was anderes hier rein – diese „Landesverrat“-Vorwürfe gegen Netzpolitik kann man natürlich auch diskutieren; was die mit der Debatte hier zu tun haben, sehe ich allerdings nicht. Außer es sollen damit schon mal – erneut – bestimmte Drohkulissen gegen diese Redaktion aufgebaut werden, die Gründe sind offensichtlich. Aber das findet hier nicht statt. T.W.]

  28. Da stellt sich mir doch gleich die Frage, ob alle, die Zugang zu SASPF haben, in dem ja bekanntlich die Einsatzbereitschaftsmeldung ihren Ursprung hat, auch wirklich eine Freigabe für den Geheimhaltungsgrad „Geheim“, also eine Sicherheitsüberprüfung der Stufe Ü2 haben.

  29. Ich menge da gar nichts rein. Wenn man bei Geheimnisverrat nicht mehr ermitteln kann, sobald der Verräter seine Beute (auch) einem Journalisten zuspielt, kann Verrat in der Praxis nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.
    Da haben Einstufungen eigentlich nur noch empfehlenden Charakter.
    Und dann ausgerechnet so einen Bericht einzustufen, ist ja geradezu eine Einladung, das gleichmal auszutesten.

    [Falsche Behauptungen machen es nicht besser – die Aussage „Wenn man bei Geheimnisverrat nicht mehr ermitteln kann, sobald der Verräter seine Beute (auch) einem Journalisten zuspielt, kann Verrat in der Praxis nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden“, ist eine freie Erfindung und gleich auf mehreren Ebenen – bewusst? – falsch. Zum einen, weil Sie natürlich auch wissen, dass zwischen „nicht mehr ermitteln“ und „nicht mehr strafrechtlich verfolgen“ ein ziemlich großer Unterschied besteht. Zum anderen, weil Sie behaupten, jegliche Ermittlung ende, wenn Informationen einem Journalisten zugespielt werden. Bitte lassen Sie so was. T.W.]

  30. Da fällt mir doch gleich noch dazu ein, dass „geheime“ Informationen, was in dem Fall ja die Einsatzbereitschaftsmeldung jetzt ist, nicht in einem schwarzen Netz, in dem SASPF betrieben wird, geführt werden dürfen. D.h., es müssen jetzt nicht nur alle Anwender von SASPF eine Ü2 durchlaufen, sondern SASPF auch noch in ein rotes Netz verfrachtet werden. Denkt von den Entscheidern (zumindest von dieser Entscheidung) überhaupt mal jemand über die Konsequenzen ihres Handelns nach?

  31. @ThoDan: Unter Dummheit? So wie in diesem Fall?

    @tw: Sie scheinen mich bewusst missverstehen zu wollen.

  32. Salve,

    also früher haben Whistleblower noch den Pulitzerpreis erhalten.

    Denn Geheimhaltung führt immer in die Katastrophe.
    Klar ist es cool wenn, der Gegner nicht weiß wie stark ich bin.., aber doch nur wenn ich ihn angreifen will. Oder wenn ich vom Gegner keine Ahnung habe und er mich angreifen will, wenn ich zu schwach bin.

    Wenn beide Protagonisten in etwa Wissen wie stark sie sind (und einer ist nicht klar unterlegen) wird nicht gekämpft werden, wenn aber unklar ist wie stark oder (un)entschlossen ein Protagonist ist, kann er zum Kriegsziel werden.

    Wichtiger als militärische Stärke ist politischer Zusammenhalt. Denn was nützt mit die stark Armee, wenn im Krieg die Führung zusammenbricht oder die Ausrichtung ändert…

  33. @Der_sich_immer_wundernde

    Dann müßten die Endgeräte auch in einer Sperrzone aufgestellt werden … zudem wären dann auch Gespräche über das Thema „geheim“ so daß man nicht eben ‚mal zum normalen Telefon greifen oder Flurgespräche führen kann.

    Wer „A“ sagt muß auch „B“ sagen …

  34. Die BILD hat anscheinend Zugang zum Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft („Hubschrauber-Alarm bei der Bundeswehr“, online hinter paywall).

    Da müsste ja jetzt zum Schutz der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland eine Hausdurchsuchung erfolgen. Mit anschließender BILD-Affäre…

  35. @Der_sich_immer_wundernde:
    Zu Ihrer letzten Frage: nicht genug.

    In den Dokumenten, die im Rahmen der Transparenzoffensive veröffentlicht wurden, gab es sicher eingestufte Anteile und die Summe der veröffentlichten Informationen sowie deren Entwicklungen über die Zeit würde sicher die Einstufung „Geheim“ rechtfertigen.
    Jetzt sind wir in einer Phase des „Oh was habe ich getan“ und das Pendel schlägt in die andere Richtung aus. Vieles, was in den Berichten steht, die „Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft sind, wurde von interessierten Kreisen (nicht im BMVg) an die Presse durchgestochen, so dass die gestiegene Zurückhaltung der pol. Ltg. des BMVg im Moment die logische und einzig richtige Reaktion ist.

  36. @TW

    Das Aggregieren von offenen (internen) Informationen und Material VS-NfD kann durchaus zu einer höheren Einstufung führen.

    Beispiel:

    Die Meldung einer Einheit mag für sich nicht relevant sein, wenn ich aber viele Meldungen aus einem Verband (z.B. Division / aus dem Einsatz), abgerundet durch diverse Informationen aus der Truppe und Presse habe, kann das dann schon VSV oder höher sein.

  37. @Rüstungsfritze & Thomas Melber

    (jetzt mal in einen gesonderten Kommentar verschoben):

    Ja, solche Behaptungen kennen wir von vor 50 Jahren: „In den Dokumenten, die im Rahmen der Transparenzoffensive veröffentlicht wurden, gab es sicher eingestufte Anteile und die Summe der veröffentlichten Informationen sowie deren Entwicklungen über die Zeit würde sicher die Einstufung „Geheim“ rechtfertigen.“

    Ebenso die Geschichte mit dem „Aggregieren von offenen Informationen“. Die Argumentation kennen wir aus der Spiegel-Affäre. Nichts draus gelernt?

    Und zum anderen: „von interessierten Kreisen (nicht im BMVg) an die Presse durchgestochen“ – gibt es bestimmt Belege für – oder wollten Sie eigentlich sagen „von den üblichen Verdächtigen im Parlament, wissen wir doch?

  38. Laut ntv hat die Wams etwas zum Thema veröffentlicht:

    „Demnach verfügen beispielsweise die Heeresflieger über einen Gesamtbestand von 53 Kampfhubschraubern vom Typ Tiger. Davon seien im vorigen Jahr durchschnittlich aber nur 11,6 Maschinen einsatzbereit gewesen, berichtet die „WamS“. Bei den Transporthubschraubern NH90 seien es 17,5 von 71 gewesen, bei den Transporthubschraubern vom Typ CH-53 seien 15,9 von 71 Maschinen einsatzbereit gewesen.“

  39. Die schlechte Einsatzbereitschaft der Hubschrauber der BW hat es jetzt auch in weitere Medien geschafft, ohne Zahlschranke

    Und die Zahlen belegen erwartungsgemäß, daß der Generalinspekteur die Öffentlichkeit mit der Falschangabe von 70 % Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme getäuscht hat.

    Beim Kampfhubschrauber Tiger waren von 53 Maschinen letztes Jahr gerade durchschnittlich 11,6 Maschinen einsatzbereit. Ergibt 21,8 %

    Beim NH 90 sieht es mit durchschnittlich 17,5 Einsatzbereiten Maschinen von 71 nicht besser aus. Ergibt nur 24,6 % bzw. nicht mal 9 Maschinen einsatzbereit je Transporthubschraubergeschwader.

    Und daß beim alten Transporthubschrauber CH 53 die Einsatzbereitschaft schlecht ist, mit 15,9 von 71 Maschinen kann ja hier niemand in AG überraschen. Ergibt 22,3 %.

    Für die modernen Hubschrauber Tiger und NH 90 sind die Zahlen skandalös. Von einer Trendwende kann keine Rede sein. Seit 6 Jahren bekommt es VDL nicht hin, die Einsatzbereitschaft von Tigern und NH 90 zu verbessern.

    Logischerweise diente die Einstufung des Berichtes als Geheim über die Einsatzbereitschaft nur dazu, dieses Versagen der Ministerin zu vertuschen.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-nur-ein-fuenftel-der-kampfhubschrauber-tiger-war-2018-einsatzbereit-a-1258244.html

    Ein Artikel der Welt, leider auch hinter Zahlschranke, lässt sich aber noch entnehmen, daß die USA ihre Zahlen nicht geheim halten, sondern dort scharf kritisierte wird, daß die Einsatzbereitschaft der F 22, F 35 und F 16 nur bei 49 – 65 % llegen würde und sich im letzten Jahr um 10 % verschlechtert habe.

    Nur von Zahlen der Einsatzbereitschaft von fliegendem Gerät von 49 – 65 % kann die BW folglich nur träumen.

  40. Closius | 17. März 2019 – 9:53

    Und die Zahlen belegen erwartungsgemäß, daß der Generalinspekteur die Öffentlichkeit mit der Falschangabe von 70 % Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme getäuscht hat.

    Verstehe ich nicht.
    100% Einsatzbereitschaft bei Wolf, Dingo, Fuchs oder anderen, würde die Gesamtbilanz doch aufhübschen.

  41. @Georg

    Weder die AirForce-, Army-, Navy-, Marine-, Times sind vom oder haben exklusive Zugänge zum Pentagon. Die Magazine existieren schon ewig lange und die Onlineauftritte sind ebenfalls alles andere als neu. Die gehören wie auch DefenseNews, C4ISRNET, Fifth Domain und die Federal Times der Sightline Media Group.

    Anders als bei uns werden in den USA auch Kongressanhörungen und Ausschusssitzungen durchaus im TV übertragen, die Sender heißen C-Span 1, 2 und 3 (Cable-Satellite Public Affairs Network). C-Span ist ein Zusammenschluss von US TV Sendern. Die Kameras sind Eigentum des US Kongresses und dieser hat auch die Entscheidungshoheit darüber was gesendet werden kann und was nicht.

    Allein schon durch diese TV Übertragungen, die Berichte des CBO (finanzwissenschaftlicher Dienst des Kongresses) und des GAO (US Rechnunghof), sowie Berichte des Pentagon an den Kongress, des DOT&E (Berichte zu neuen Waffensystem) und die Auskunftspflicht nach dem „Freedom of Information Act“ kommt da einiges an Daten zusammen auch wenn lange nicht alles öffentlich ist.

    Darüber hinaus ist es in den USA halt ein Thema und in Deutschland eher nicht. Darum sieht man hierzulande auch nur Jubelpublikationen, da der Zugang zum Ministerium wichtiger ist als die Wahrheit. Für ein Fachmagazin wäre es ungünstig wenn es kaum noch an Informationen käme, denn mit 2 oder 3 Artikel kann man kein heft verkaufen.

  42. @Closius:

    „Ein Artikel der Welt, leider auch hinter Zahlschranke, lässt sich aber noch entnehmen, daß die USA ihre Zahlen nicht geheim halten, sondern dort scharf kritisierte wird, daß die Einsatzbereitschaft der F 22, F 35 und F 16 nur bei 49 – 65 % llegen würde und sich im letzten Jahr um 10 % verschlechtert habe.“

    Liest Thorsten Jungholt von der „Welt“ die Kommentarspalten von ag.net etwa gründlicher als Sie? :-)

  43. Merci @ Welt am Sonntag ….
    Es scheint mir kaum vorstellbar, dass es andere Gründe geben mag als der dringende Wunsch von Frau vdL, nicht einmal im Jahr einen erneuten Offenbarungseid abgeben zu müssen. Coram publico darzulegen, dass man versagt hat, ist nicht schön. Sollte aber mit dem Ministergehalt abgegolten sein.
    Schlimm und verwerflich finde ich, mit Kommunikationstricks und allerlei Zahlenspielereien (dem Herausrechnen von in der Industrie gegroundetem Material z.B.) der Öffentlichkeit + dem Parlament einen deutlich sonnigeren Stand der Materiallage vorzugaukeln – und die verräterischen Einzelheiten zu verschweigen.
    Staaten mit möglicherweise unfreundlichen Absichten werden sich von derlei Albernheiten nicht hinter die Fichte führen lassen. Aber das ist ja auch nicht der Sinn der Übung, sondern „CYA“.
    Ich bin mir sicher, es gibt in der Bundeswehr ein Haltungsproblem. Oben.

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