In der russischen Botschaft, jetzt praktisch ganz ohne NATO (m. Nachtrag)

Zum heutigen Tag des Verteidigers des Vaterlandes, ein Feiertag, der auf die Gründung der Roten Armee zurückgeht, hatte mich der Militärattachéstab der russischen Botschaft zum Empfang eingeladen. Ich gehe da nicht zuletzt deswegen gerne hin, weil das Botschaftsgebäude (Foto oben) eines der beeindruckensten in Berlin ist. Aber auch, weil ich mit allen rede und gerne im Gespräch bleibe.

Nicht überraschend, aber auffällig: So wenig Leute, die ich sonst im militärpolitischen Umfeld in Berlin treffe, wie bei diesem Empfang sehe ich selten. Von den Militärattachés der NATO-Staaten sah ich in Uniform als einzigen den Italiener – der ist allerdings zugleich auch Doyen aller in Berlin akkreditierten Militärattachés. Und höchstrangiger offizieller Vertreter der Bundeswehr war ein Oberstleutnant aus dem zuständigen BMVg-Referat.

Das ist nochmal reduzierter als vor drei Jahren. Damals gab es immerhin die eine oder andere Uniform aus einem Land der Allianz zu sehen.

Das ist natürlich die Folge der gekappten militärischen Kontakte zwischen der NATO und Russland seit der russischen Annexion der Krim und angesichts der Lage in der Ostukraine: Es gibt diese direkten Kontakte zwischen (ranghohen) Offizieren praktisch nicht mehr. Das kann man politisch für richtig und notwendig halten – ob ein Gesprächs-Blackout selbst an der diplomatischen Häppchenfront nötig ist oder nicht eher das Klima zwischen beiden Seiten noch frostiger macht, ist aber eine aus meiner Sicht mindestens offene Frage.

Nachtrag: Ein Attaché eines größeren europäischen Landes weist mich darauf hin, dass sehr wohl jemand aus seinem Stab dort war – aber in zivil (ich habe den offensichtlich übersehen). Das Ziel sei eben, mit den Russen im Gespräch zu bleiben. Gleichzeitig will man nicht zu offensichtlich wahrgenommen werden; das hat ja zumindest bei mir auch geklappt…

 

35 Kommentare zu „In der russischen Botschaft, jetzt praktisch ganz ohne NATO (m. Nachtrag)“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. Februar 2019 - 15:25

    Diese Abstinenz ist kein angemessenes Zeichen. Selbst in Kriegszeiten bleibt Diplomatie im Gespräch, was für die militärpolitische Seite die Generalstabsebene betrifft. Wenigstens die zweite Reihe wäre angemessen gewesen.

    Na zumindest ist der Beweis angetreten, Ihr blog wird bei den „Freunden“ gelesen.

  • justanick   |   22. Februar 2019 - 15:39

    Dann immerhin Dank an Sie, Herr Wiegold, dass Sie im Gespräch bleiben.

    Einiges an Geprächen gab es doch aber kürzlich auch in München. Ich meine in Erinnerung zu haben, dass die russische Delegation von vollem Terminkalender sprach – allerdings die des Außenministeriums. Zugegeben einige Spitzen von Lawrow mögen nicht gefallen haben, etwa an die Adresse der EU „… es wäre in Ihrem Interesse, aber ob man Sie lässt, ist ein anderes Thema“ oder der britische „secretary of war“.

  • Koffer   |   22. Februar 2019 - 15:42

    @T.W.
    Danke für den Bericht und Ihre Einschätzung!

    Gut das Sie auch solche „niederschwellige“ aber wichtige Hintergrundinfos/berichte liefern.

  • T.Wiegold   |   22. Februar 2019 - 16:03

    Und ein Nachtrag oben…

  • Rob Rider   |   22. Februar 2019 - 16:13

    Diese Abstinenz ist kein angemessenes Zeichen. Selbst in Kriegszeiten bleibt Diplomatie im Gespräch, was für die militärpolitische Seite die Generalstabsebene betrifft. Wenigstens die zweite Reihe wäre angemessen gewesen.
    danke Kamerad,

    wir waren vertreten und machen sogar Deterrence und Dialogue :)

  • T.Wiegold   |   22. Februar 2019 - 16:30

    Ok, jetzt war ich zu diplomatisch ;-) Da sich Rob Rider, der britische Attaché in Berlin, oben im Kommentar selbst geäußert hat: Der Nachtrag bezieht sich auf die Briten.

  • Pete   |   22. Februar 2019 - 16:43

    @T.Wiegold
    1. Gut, dass Sie dort waren. Danke!
    2. Schade und traurig, dass die NATO-Offiziere nur in geringer Anzahl teilnahmen. Selbst im kältesten Kalten Krieges hatten wir – nach meiner persönlichen Beobachtung und eigenen Haltung – durchweg NATO-Offiziere, die Anstand und Höflichkeit auch gegenüber dem potenziellen Gegner für selbstverständlich hielten. Das war damals eine „Frage der Ehre“.
    3. Beschämend, dass ein Attaché in zivil zu einem solchen Empfang geht. Was soll man von einem Offizier halten, der als Attaché keine Uniform trägt bei der Festveranstaltung zum Gründungstag der Armee einer anderen Nation (egal welcher)? Nichts! Dann besser wegbleiben.
    4. Die Bundesrepublik als Host Nation und die höheren Dienstgrade der Bundeswehr sollten vor Verlegenheit rot anlaufen und sich schämend in die Ecke stellen, dass sie als höchsten Dienstgrad einen Oberstleutnant geschickt haben. Das ist nicht nur unhöflich, das ist beschämend.
    5. Auch ich schäme mich ganz persönlich als deutscher Bürger und ehemaliger deutscher Soldat, dass wir uns als Gastnation bei einem solchen Fesakt so unwürdig verhalten haben. Paßt aber irgendwie ins Bild. Bloß nicht anecken.

  • Pete   |   22. Februar 2019 - 16:50

    @Rob Rider
    „Diese Abstinenz ist kein angemessenes Zeichen.“

    1.Respekt, dass Sie so klar Position bezogen habe! Finde ich sehr gut und sehr mutig.
    2. Ich hatte in einem vorhergehenden Beitrag Kritik daran geäußert, dass Sie keine Unform getragen haben. Ich hatte gedacht, Sie wollten öffentlich nicht erkannt werden. Nachdem Sie sich nun aber mit großer Offenheit „geoutet“ haben, ziehe ich diese Kritik – die auf einer Falschannahme beruhte- ausdrücklich zurück und sprechen Ihnen noch einmal meinen Respekt aus!

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. Februar 2019 - 16:59

    @Rob Rider
    I am very happy about British confirmation. Greetings to the „Queens own Hussars“ (respectively: traditional association)
    (No) NATO team order?

  • Thomas Melber   |   22. Februar 2019 - 17:20

    Den Franzosen ggü. waren die Amerikaner seinerzeit (zu Zeiten der „freedom fries“) auch pissig was die Präsenz beim (lokalen) konsularischen Empfang am 14. Juli anging.

  • Voodoo   |   22. Februar 2019 - 17:39

    Ich muss verwundert zur Kenntnis nehmen, dass bockiges Verhalten scheinbar salonfähig geworden ist. Insofern muss ich Ihnen, @ Bob Rider und T.W., danken und zustimmen – die diplomatischen Kanäle müssen immer und jederzeit bedient und gepflegt werden, auch UND gerade dann, wenn man offensichtlich große Differenzen zum Gegenüber hat.

    Das hat einfach etwas mit „Wertschätzung auf Augenhöhe“ zu tun, zumal man sich hierzulande ja gerne und oft für einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat ins Spiel bringt – so wird das auf jeden Fall nüscht…

  • Koffer   |   22. Februar 2019 - 18:00

    @Pete | 22. Februar 2019 – 16:43
    „durchweg NATO-Offiziere, die Anstand und Höflichkeit auch gegenüber dem potenziellen Gegner für selbstverständlich hielten. Das war damals eine „Frage der Ehre“.“

    Sorry, aber das sind gänzlich falsche Assoziationen/Vorwürfe, die Sie hier erheben.

    Solche Dinge sind meine Fragen persönlicher Höflichkeit, sondern werden auf großer Ebene und mit sorgsamer Abstimmung entschieden.

    Natürlich haben auch heute noch NATO Offiziere Höflichkeit und Anstand!

    Ob es die richtige Entscheidung war kann sicherlich debattiert werden (ich persönlich finde diesen Doppelschlag Teilnahme ja, aber nachrangig bzw. in Zivil genau die richtige Entscheidung), aber es ist so oder so nicht den einzelnen Offizieren vorzuwerfen!

  • Eugen Desch   |   22. Februar 2019 - 18:02

    Waren die Einladungen schriftlich und persönlich? Davon gehe ich aus.

    Wer von hochgestellten westlichen Führungskräften ( z.B. General) war eingeladen, hat abgesagt und mit welcher Begründung?

    Mir ist es völlig unverständlich, warum solche Veranstaltungen nicht zur Kontaktpflege genutzt werden. Gibt es genug andere Möglichkeiten?

  • Couch Potato   |   22. Februar 2019 - 18:10

    Schon mal gut, wenn wenigstens die britischen Militärs in diesen Zeiten weiter europäisch denken.

  • Sascha Vohwinkel   |   22. Februar 2019 - 18:31

    Da bekommt der Iran mehr Aufmerksamkeit; da gratuliert sogar das Staatsoberhaupt zur Revolution.
    „Im Gespräch bleiben“
    Diesbezüglich hat Deutschland inzwischen eine sehr subtile Herangehensweise und was wäre wichtiger, als mit den Großmächten USA und Russland im Gespräch zu bleiben?
    Im Gegensatz zum Iran, scheint man in diesen Fällen kein großes Interesse zu haben und geht lieber grundsätzlich auf Konfrontation.

  • Ökonom   |   22. Februar 2019 - 18:32

    ich meine mich zu erinnern, ein US-Gesetz gesehen zu haben, welches direkte Militär-Kontakte mit Russland verbietet.
    Vielleicht hat dieses schlechte Vorbild für Gegner-Verteufelung in anderen Staaten Schule gemacht.

  • n.machiavelli   |   22. Februar 2019 - 18:49

    Da kann Deutschland noch was lernen bei den Briten.
    Es ist eine Sache diplomatisch eine harte Linie zu fahren -Großbritannien ist sicher deutlich schärfer gegenüber Moskau wie Deutschland- und eine andere sich einfach unhöflich zu verhalten.
    Eigentlich ist es schon erstaunlich dass gerade ein Land das jahrzehntelang selbst im kalten Krieg immer gut damit gefahren ist diplomatisch zu agieren jetzt auf einmal so ein Kindergartenverhalten an den Tag legt.
    Passt aber irgendwie auch zu dem Stopp der Waffenlieferungen aus dem anderen Artikel, ich habe das Gefühl diese Regierung ist dabei eine Menge diplomatisches Porzellan zu zerschlagen.
    Was würde ich mir einen Hans Dietrich Genscher zurück wünschen (auch wenn der Außen- und nicht Verteidigungsminister war)

    Danke an den Hausherrn für den Einblick der sonst in der Presse unter dem Radar bleibt.

  • Eric Hagen   |   22. Februar 2019 - 18:59

    @Pete
    Dass Sie hier ja durchaus und durchgaengig russophiles Verstaendnis aufbringen, ist Ihr gutes Recht und vielleicht i. S. einer munteren Diskussion gut.
    Aber geht es diesmal nicht etwas kleiner – mit Blick auf Ihr geaeussertes Schaemen?

    Das gezeigte Verhalten des MilAtt der Alliierten sendet schon plazierte Signale, die in RUS nicht nur mit Trotz, vereinzelt auch mit Nachdenken goutiert werden.
    Was glauben Sie denn, wie es den VgAtt’s des IRN so geht, wenn sie auch im uniformierten Kreis mit Schweigen und Nicht-Beachtung behandelt werden.
    Da RUS sich derzeit anschickt eher Politik – gegen- etwas zu machen, ist das beschriebene Verhalten weder unueblich, noch muss man sich fuer eine Haltung demokratischer Staaten schaemen.

  • Koffer   |   22. Februar 2019 - 19:25

    @Eric Hagen | 22. Februar 2019 – 18:59
    +1

  • Elahan   |   22. Februar 2019 - 19:41

    Da ist mir zu viel Einigkeit.
    Dann muss ja einer den Advocatus Diaboli spielen. Ohne Gegensätzliche Meinung keine Diskussion oder ist das ein huldigungs Thread ? ;-)

    Mal abgesehen davon, dass das Grundungsdatum der -Roten Armee- für viele in Europa kein Grund zum Feiern sein kann. Was durch diese Armee, im Besonderen durch deren militärisch Führung in Europa und Asien angerichtet wurde schließt eine Teilnahme an einer solchen Feier aus. Die Streitkräfte der Russischen Föderation haben sich nie von den Gräuel distanziert. Die Gewaltverbrechen der Roten Armee begannen nicht erst mit 1941 und endeten auch nicht 1945, so bleibt mir erspart, nur diesen Zeitraum in welchem sich auch viele andere Streitkräfte in Europa nicht mit Ruhm bekleckert hatten, zu betrachten.

    Wäre der 07.05.1992 als Gründungsdatum der Streitkräfte der -Russischen Föderation- zu feiern, also jene Streitkräfte welche als grüne Männchen und Unterstützer der Terroristen in der Ukraine in Erscheinung treten, könnte man uU eine offizielle Abordnung stellen.
    Aber dann darf man sich auch nicht echauffieren, wenn der Bundespräsitent, der Iranischen Regierung zu deren Jubiläum gratuliert.

    Ob Gespräche, Schnittchen, und Gläschen in diesem Rahmen wirklich diplomatisch so viel Mehrwert besitzen oder eher dem Aushören und Schönwettermachen dient, darf angemerkt werden. Zu Anstand und Respekt gehört untrennbar Ehrlichkeit und das schließt falsche Freundlichkeit aus. Putin hat sich aus dem Kreis der Anständigen mit seinen falschen Spielen genommen, nicht wir. Ernsthafte Gespräche werden ständig angeboten und von der rus. Seite nicht ernsthaft wahrgenommen. Ich könnte zur Zeit auch nicht in die türkische Botschaft und Häppchen essen, nett grinsen und zeitgleich werden Kameraden in der Türkei verhaftet und eingesperrt. Es gibt Zeiten und Situationen da muss man auch mit kleinen Gesten zeigen, dass sich das Gegenüber aus dem Spiel genommen hat, sonst ist die Würde schnell beim Teufel.

  • Pete   |   22. Februar 2019 - 19:44

    @Eric Hagen
    @Pete
    „Dass Sie hier ja durchaus und durchgaengig russophiles Verstaendnis aufbringen,…“

    Ich bringe kein „russophiles Verständnis“ auf, sondern ich versuche AUCH die russische Perzeption zu verstehen. Anders ist Konfliktlösung nicht möglich, nicht einmal in einem Ehestreit :-) Ich fühle mich darin nicht alleine, sondern von älteren Erfahrungsträgern, wie Fritz Pleitgen bestätigt, siehe die folgende Diskussion auf Phönix vom 20.02.:

    https://www.youtube.com/watch?v=pyDeP9qDK0k

    „…Da RUS sich derzeit anschickt eher Politik – gegen- etwas zu machen,…“

    Tja, Bewertungen wie diese liegen immer im Auge des Betrachters, also in diesem Fall in Ihrem. Das ist das Wesen eines Konflikts. Beide Parteien haben die Wahrnehmung „im Recht“ zu sein.

    „…ist das beschriebene Verhalten weder unueblich, noch muss man sich fuer eine Haltung demokratischer Staaten schaemen…“

    „Schämen“ ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Wenn ich mich deswegen schäme, müßen Sie das natürlich nicht. Ich halte das deutsche Verhalten aber für „beschämenswert“, weil wenig souverän und geradezu kleinkariert als Gastnation bei einer solchen Veranstaltung. Ist eben meine Meinung! Das muß keineswegs Ihr Maßstab sein. Wir leben aber in einer Demokratie und ich darf eine andere Wahrnehmung haben als Sie und diese auch öffentlich äußern.

    Letzter Punkt:
    – Da Sie meist sehr sachkundig und ausgewogen schreiben, bin ich bei Ihnen etwas überrascht über das wenig sachliche Totschlagargument: „Dass Sie hier ja durchaus und durchgaengig russophiles Verstaendnis aufbringen..“

    – Lassen Sie mich Ihnen eine Frage stellen: Glauben Sie im Ernst daran, dass wir einen ernsthaften militärischen Konflikt mit Russland austragen können ohne unsere eigene und natürlich auch die russische totale Zerstörung zu riskieren?
    – Wenn Sie mir darin zustimmen würden, welche andere Möglichkeit als die des Dialogs gibt es den vorhandenen Konflikt mit Russland zu lösen?

  • Pete   |   22. Februar 2019 - 19:52

    @Koffer | 22. Februar 2019 – 18:00

    „Solche Dinge sind meine Fragen persönlicher Höflichkeit, sondern werden auf großer Ebene und mit sorgsamer Abstimmung entschieden.“

    Das mag heute so sein, das war mal anders. Sie kennen die Bundeswehr von heute besser, aber bei allem Respekt, ich behaupte, dass ich die Verhaltensweisen, Prozesse und Verfahren der Bundeswehr im Kalten Krieg erheblich besser kenne (weil ich sie erlebt habe) als Sie.

    Wenn die die individuelle Teilnahme von Soldaten an einer solchen Veranstaltung heute „auf großer Ebene …und mit sorgsamer Abstimmung“ (von wem eigentlich? der Ministerin?) entschieden wird, dann hat sich etwas fundamental verändert, in meinen Augen nicht zum Besseren.

  • Micha   |   22. Februar 2019 - 19:53

    Allgemeine Frage, und etwas OffTopic:

    Gibt es da offizielle Rundführungen in der Botschaft? Von außen ist es ja wirklich beindruckend.

    [Das ist jetzt wirklich sehr OT – und so weit ich weiß, ist die Botschaft nicht für solche Führungen öffentlich zugänglich. Aber ich mag mich täuschen. T.W.]

  • n.machiavelli   |   22. Februar 2019 - 20:26

    Interessant wie hier wieder die Moralkeule ausgepackt wird wenns gerade passt, aber die Doppelmoral dahinter verdrängt wird.
    Klar war die rote Armee sicher nicht die vorbildliche Armee und hat einiges an Greueltaten auf dem Gewissen, aber wir haben ja auch kein Problem andere zu hofieren die Atombomben und Napalm millionenfach auf Zivilisten geworfen haben oder sich nicht vom Massaker von My Lai distanziert haben.
    Und natürlich wirds beim Kaffetrinken keine greifbaren Ergebnisse geben, aber persönliches Kennen erleichtert spätere Verhandlungen ungemein. Weil das sind alles Menschen und wenn man die vor den Kopf stößt werden die sicher nicht hilfreicher dadurch.
    Und so zwischendurch erfährt man auch Dinge die vielleicht nicht so offiziell sein sollen.
    Niemand erwartet eine überschwengliche Beglückwünschung aber wenn ein so bedeutendes Land wie Russland einen Empfang gibt ist es nicht sehr weise da die dritte Garde hinzuschicken.
    Zum Glück scheint zumindest Großbritannien das auch so zu sehen und man kann London wohl schwerlich Russophilie vorwerfen.

  • Koffer   |   22. Februar 2019 - 20:36

    @Elahan | 22. Februar 2019 – 19:41
    „Mal abgesehen davon, dass das Grundungsdatum der -Roten Armee- für viele in Europa kein Grund zum Feiern sein kann.“

    Grundsätzlich richtig und im folgenden von Ihnen auch gut hergeleitet, allerdings muß man auf diplomatischem Parkett im Regelfall schon andere Maßstäbe anlegen. Jeder (gerade in Europa) hat ja jedem irgendwann mal Gräuel angetan…

    Trotzdem haben Sie natürlich Recht, das ein solche schwieriges Datum gerade in bi- und multinational belastet Zeiten noch viel weniger „zwingend“ für eine große Teilnahme erscheint als ein „unproblematisches“ Datum.

    „Aber dann darf man sich auch nicht echauffieren, wenn der Bundespräsitent, der Iranischen Regierung zu deren Jubiläum gratuliert.“

    Zudem kommt noch hinzu, dass nach meiner Kenntnis protokollarisch nicht der iranischen Regierung zur Revolution gratuliert wurde, sondern dem Iran (das ist durchaus ein Unterschied) zu seinem Nationalfeiertag (der zugegeben Maßen der Revolutionstag ist, aber auch das ist protokollarisch ja ein feiner aber wichtiger Unterschied).

    @Pete | 22. Februar 2019 – 19:52
    „Das mag heute so sein, das war mal anders. Sie kennen die Bundeswehr von heute besser, aber bei allem Respekt, ich behaupte, dass ich die Verhaltensweisen, Prozesse und Verfahren der Bundeswehr im Kalten Krieg erheblich besser kenne (weil ich sie erlebt habe) als Sie.“

    Ich kann Ihnen versichern, dass auch im Kalten Krieg die Regel auf dem militärpolitischen Parkett exakt die gleichen waren wie heute.

    Teilnahme an der Schnittchenfront in offizieller Funktion ist ein dienstlicher Akt und wird durch Vorgesetzten geregelt bzw. erfolgt im Einvernehmen mit den vorgegebenen Grundsätzen.

    Derzeit ist nach meiner Kenntnis auf NATO Ebene vereinbart, dass die (militärische) Beziehungspflege mit RUS auf ein Minimum reduziert ist.

    Das wiederum ist in DEU durch Vorgaben des BMVg und des AA umgesetzt.

    Nichts neues, nichts ungewöhnliches und bestimmt nichts wofür man sich „schämen“ müsste.

    Weder früher, noch heute.

    Um jetzt mal ganz deutlich zu werden, Sie können ja gerne die Entscheidung kritisieren (ich wie gesagt halte sie für absolut richtig), aber zu behaupten „früher war alles besser und die Jugend von heute ist sittenlos und verdorben“ ist schon reichlich bizarr :(

    [Das Thema Iran&Bundespräsident vertiefen wir als definitiven OT in diesem Thread jetzt bitte nicht weiter. T.W.]

  • Eric Hagen   |   22. Februar 2019 - 20:41

    @Pete 1944Uhr
    Es wird Sie vielleicht ueberraschen, dass ich mir eine viel weitergehende Bindung/ Ankoppelung/ Annaeherung RUS an Europa vorstellen koennte. Auch deshalb, weil ich entsprechende Signale RUS StOffz meine aufgenommen zu haben. Das muss jetzt hier und heute zunaechst genuegen. Jetzt wissen Sie, wie ich zu Dialog stehe.-
    Darueberhinaus sollte DEU, die EU und NATO sich nicht scheuen (muessen) ggf. das ge-samte Instrumentarium polit und diplomatischer Hebel-und Zangenwerkzeuge anzuwenden.
    Akzeptabel?

  • Mitleser   |   22. Februar 2019 - 20:47

    @Elahan | 22. Februar 2019 – 19:41

    Bei aller berechtigten Kritik an der Roten Armee – es war diese Rote Armee, die die Hauptlast der Kämpfe des 2. WK in Europa getragen und die Wehrmacht und das Nazireich zerschlagen hat. Im Westen wurden deutsche Divisionen vernichtet, an der Ostfront ganze Armeen; 1944 sogar zwei ganze Armeegruppen binnen zweier Monate. Es waren Rotarmisten, die die Tür der Reichskanzlei eintraten, und nicht die Westallierten.

  • T.Wiegold   |   22. Februar 2019 - 21:36

    Leute, es kommt jetzt auf ein sehr schiefes Gleis, was hier zum Thema Rote Armee kommt… und dann als nächstes des Gleichgewichts halber die Verbrechen der Wehrmacht in Russland, oder wie soll die Debatte weitergehen?

    Es wäre gut, wenn es in dieser Richtung jetzt nicht weiterginge (und zum Thema Iran wird’s trotz meines OT-Hinweises auch turbulent). Das Thema hier ist nicht die Rote Armee, sondern der Empfang in der russischen Botschaft. Danke.

  • Hohenstaufen   |   22. Februar 2019 - 22:01

    Die letzten Handlungen Putins machen eine Einladung zur Feier der Roten Armee nicht attraktiver. Bruch des INF- Vertrages, kontinuierliches Prahlen mit neuen Massenvernichtungswaffen, kaum verholene Drohungen Massenvernichtungswaffen auf Europa und die USA zu richten, Eskalation im Asowschen Meer. Da ist es, salopp gesagt, schon verständlich, dass der Appetit auf Sekt und Häppchen in der russischen Botschaft gering ist.

  • Pham Nuwen   |   22. Februar 2019 - 22:10

    Jegliche aufs (frühe) 20. Jahrhundert bezogene Erklärung bezüglich einem Fernbleiben krankt ja schon allein daran, weil es danach präsenztechnisch (so klingt es hier an), seitens des Westens, schon deutlich besser bestellt war.

    Als fernen Beobachter verwundert hier zumindest das deutsche Vorgehen, kann man doch in anderen Bereichen, sagen wir einer gewissen Pipeline, auch gegen Widerstände von Verbündeten über russische Verfehlungen hinwegsehen …

    Emanzipiert sich hier schon jemand von der Linie der Kanzlerin?

    [So geht’s nicht – ich habe oben dargestellt, dass es praktisch für die ganze NATO gilt. Daraus jetzt die innerdeutsche Debatte zu drehen, ist, sagen wir mal nicht ganz sauber. T.W.]

  • Pete   |   23. Februar 2019 - 2:08

    @Eric Hagen 22. Februar 2019 – 20:41

    „Akzeptabel?“

    Klare Antwort: Ja!

  • Blackbox   |   23. Februar 2019 - 9:47

    @TW

    Auch wenn es Hintergrund-Gespräche waren, können Sie grob umreissen, welche Themen dort besprochen wurden?

    Wie war die Stimmung insgesamt?

    Vielen DanK!

    [Hm, ich glaube, Sie haben eine falsche Vorstellung von einem solchen Empfang… Sicherlich geschätzt deutlich mehr als 100 Leute anwesend, davon viele Russen. Da habe ich doch keine Ahnung, welche Themen da besprochen wurden. T.W.]

  • Eric Hagen   |   23. Februar 2019 - 14:55

    Ich hoffe, der Hausherr akzeptiert eine Anmerkung zum erweiterten Thema, weil aus meiner Sicht passend:
    AG und die darin aufgefassten Themen und Problemfelder ( =Sachebene) sowie die Kommentare (Perzeption, Meinung, auch Haltung) sind sachlich informativ und in den Kommentaren mitunter noch interessanter, weil teilweise mit grosser Offenherzigkeit Einordnungen und weiterfuehrende Hinweise erteilt werden.
    Fuer MilAtt’s und sonstige sonnenbebrillte Diplomsten und deren Umfeld eine bequeme Fundstelle fuer deren Berichterstattung.
    Fuer den allierten und neutralen Beobachter springt dabei ein Tag Home Office pro Woche heraus, fuer die anderen erschliessen sich “frei Haus” – Einblicke, fuer die man sich frueher haette exponieren muessen.
    Insofern fuettert AG auch Jene, die sonst zu den ueblichen Anlaessen wie gegenstaendlich beschrieben, erscheinen, sich austauschen und Splitter aufsammeln ( muessten).

    Daher moechte ich kurz dazu anregen – ohne konkreten Anlass- dass man durch allzu grosse Offenheit zu manchen Themen die Arbeit derer nicht zu erleichtern, die uns weniger freundlich sind.
    Ich bin mir sehr sicher, dass AG fuer interessierte auslaendische Kreise Pflichtlektuere geworden ist.

    [Punkt verstanden, ist an dieser Stelle allerdings wirklich ziemlich OT und sehr grundlegend. Ich verweigere mich dieser Debatte nicht, führe sie aber nicht in diesem Thread. Ist vielleicht ein Punkt fürs Blogtreffen? T.W.]

  • Wait&C   |   26. Februar 2019 - 2:08

    Eine umfangreiche Abwesenheit europäischer Diplomaten wird sicher nicht zufällig stattfinden. Man möchte da gerne mal Mäuschen spielen wie die Absagen intern entschieden wurden. Gründe kann es viele geben, vermutlich schlicht ein kurzfristigess Zeichen bezüglich eines kurzfristigen Ereignisses dessen öffentliche Diskussion kontraproduktiv wäre. Falls dem so war wird das Treffen in veränderter Form in wenigen Wochen nachgeholt.

    Immerhin, es waren letztlich „ausreichend“ europäische“ Gäste da. Ein offizieller EU-Vertreter und ein offizieller Baldnicht-EU-Vertreter. Man glänzte also nicht durch Abwesenheit sondern mit Zurückhaltung.

  • Metallkopf   |   26. Februar 2019 - 11:35

    Ich bin mir sicher, dass auch andere NATO-Partner mit den Russen diverse Kanäle offen halten. Nur eben ist unter gewissen klimatischen Bedingungen der große Bahnhof mit Ausgehuniform und Bügelfalte eben nicht immer das Mittel der Wahl.

    Die Wortmeldung der im Nachtrag genannten Verbündeten ist ja beredtes Zeichen, dass man solche Veranstaltungen durchaus nuanciert begleiten kann. Zwischen Null und Eins existieren immerhin eine ganze Fülle von Abstufungen.