Großbritannien beendet Tornado-Einsätze (Korrektur)

Großbritannien hat einen weiteren wichtigen Schritt zur Ausmusterung seiner Tornado-Jagdbomber vorgenommen. Am (gestrigen) Dienstag kehrten die letzten Kampfjets dieses Typs von einem Auslandseinsatz auf den Fliegerhorst Marham der Royal Air Force zurück, aus der Anti-ISIS-Mission von Zypern aus. Damit endeten nach fast 40 Jahren die Einsätze der britischen Tornados.

Während in Deutschland die Suche nach einem Nachfolger für die ursprünglich von drei Nationen – Deutschland, Großbritannien und Italien (Korrektur: nicht Spanien) – eingesetzen Kampfflugzeuge jetzt erst richtig anläuft, werden die britischen Tornados Ende März endgültig außer Dienst gestellt. Ein Großteil ihrer Aufgaben wird vom Eurofighter übernommen, den die Royal Air Force ebenfalls fliegt.

Aus der Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums:

After almost 40 years serving the UK on military operations across the world, iconic RAF Tornado jets have returned home for the last time.
First entering service in 1979, the fast jets has been used in operations across the world, most recently bombarding Daesh to push the terrorist group back through Syria and Iraq.
Families and friends of the present-day squadron members were on hand to welcome them back to RAF Marham, Norfolk, today.
The weapons capabilities of the soon-to-retire Tornados are now being delivered by RAF Typhoon jets, which will continue to take a leading role in the Coalition’s mission against Daesh. Under ‘Project Centurion’, worth £425million over the past three years, the Typhoon can now also launch the world-leading Meteor air-to-air missile, the Stormshadow deep strike cruise missile and the precision attack missile Brimstone.
These improved RAF Typhoon jets will form the backbone of the UK’s combat air fleet, alongside the recently introduced new fleet of F-35 Lighting jets over the coming years.
The Tornado will be officially retired from service at the end of March and will only be used for training purposes over the UK in the intervening period.
Originally named the Tornado GR1 the aircraft’s first use in live operations was during the Gulf War in 1991, when 60 Tornado GR1s were deployed from bases in Saudi Arabia and Bahrain. Later they were upgraded to the GR4 model, which has been used ever since over the skies of Kosovo, Afghanistan, Iraq and Syria.

Interessant ist dabei, dass die Briten – mit beträchtlichem finanziellen Aufwand – ihre Eurofighter bereits für die Luft-Boden-Rolle tauglich gemacht haben. Die Einrüstung der Storm Shadow, vergleichbar dem deutschen Taurus, sowie der Brimstone-Raketen für Luftnahunterstützung ist für die Eurofighter der Luftwaffe noch eine Zukunftsaufgabe. (Denn dass es bei der Tornado-Nachfolge zwar auch, aber eben nicht nur um die nukleare Teilhabe geht, ist ja klar.)

Das Video von der Rückkehr nach Großbritannien:

(Foto: On January January 31, 2019, the RAF operated the final operational sortie of the Tornado GR4. The aircraft (ZA601/066 and ZA542/035) took off from RAF Akrotiri in Cyprus. Pictured here is the last aircraft to take off, bringing an end to four and a half years of the types involvement on Op SHADER – SAC Phil Dye/UK MOD/Crown Copyright 2019 under MOD News License)

21 Kommentare zu „Großbritannien beendet Tornado-Einsätze (Korrektur)“

  • Frank   |   06. Februar 2019 - 13:37

    Deutschland GB und Italien

    [Danke, mein Fehler – ist korrigiert. T.W.]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Februar 2019 - 13:38

    „The weapons capabilities of the soon-to-retire Tornados are now being delivered by RAF Typhoon jets, which will continue to take a leading role in the Coalition’s mission against Daesh“.
    Damit vollziehen die Briten eine andere Entscheidung als die NLD, die ihre F-16 ersatzlos zum 31.12.18 abgezogen hatten, allerdings begründet in der anlaufenden Umstellung auf F-35A.

  • Fux   |   06. Februar 2019 - 14:02

    Partnernationen bei der Entwicklung und Einführung des MRCA Tornado waren Deutschland (MBB, später DASA / EADS), Großbritannien (BAC, später BAE) und Italien (Fiat Aviazione), zusammengeschlossen für das Projekt zu Panavia. Spanien war nicht beteiligt und auch nie Nutzernation.

    [Habe doch den Fehler schon korrigiert, muss mir nicht weiter erneut reingerieben werden. T.W.]

  • obibiber   |   06. Februar 2019 - 14:28

    blöde Frage…
    ich habe im Hinterkopf dass sich die Luftwaffe am Centurion Programm beteiligt hat/ bzw eng mit UK kooperieren wollte… und hier die gleichen/vergleichbaren Fähigkeiten (Meteor, Brimstone, AESA Radar) für die deutschen Eurofighter erreicht werden sollen… die Kosten sollten sich dann ja einigermaßen in Grenzen halten wenn das schon erreicht wurde…

  • Groundabort   |   06. Februar 2019 - 15:12

    RAF Tornados hatten zum Teil andere Waffen als unsere Tornados integriert.
    Nuklearer Waffeneinsatz wurde als Einsatzrolle schon länger auf Uboote verlagert.

    Die RAF EF sind im Bauzustand fast zwei Jahre mit dem Aufrüsten voraus. NT Problem haben sie nicht.

  • TXU065   |   06. Februar 2019 - 15:37

    Saudi-Arabien ist (war) aber doch auch einer der Nutzerstaaten.

  • Milliway   |   06. Februar 2019 - 17:14

    Bei der Royal Saudi Air Force sind nur noch Restbestände der ADV Tornados aktiv, die meisten Maschinen sind vom Gebrauch zurückgezogen oder Konserviert.

    http://defensetiger.blogspot.com/2014/12/rip-tornado-advs.html

    Die Zukunft die Royal Saudi Air Force ist die F-15SA (Saudi Advance) Strike Eagle !

  • oliver   |   06. Februar 2019 - 17:24

    Hi in die Runde,
    Mal was ganz wildes gedacht….. Wäre es denn möglich diese TORNADO von der RAF zu kaufen, um damit unseren Klarstand dieses WS zu verbessern?
    Piloten dafür haben wir doch noch ausreichend?

    Cheers, oliver

  • Zimdarsen   |   06. Februar 2019 - 18:33

    @oliver

    Es fehlt nicht an Tornados, es fehlt an Ins-Kapazitäten und Lieferverträgen mit der Industrie, der Rest wäre wieder Hochwertteilegewinnung einschl der Lagerberstände von GB.

    Wir haben ein Managementproblem ;-)

  • Magmakammer   |   06. Februar 2019 - 18:36

    Die RSAF Tornado dürften GR1 evtl. GR4 Standard haben, was so ziemlich nichts mehr mit der ASSTA 3 der Luftwaffe zu tun hat. Eine technische Umrüstung sprengt jeden Rahmen. Die Erfahrung hat man gemacht als man die deutschen Tornados des TTTE aus Cottesmore auf aktuellen Stand umrüstete, ein Alptraum! Dazu musste man damals alle zurückliegenden Änderungen eine nach der anderen durchführen, da man keine Dokumentation hatte, die von 0 direkt auf ASSTA 1 führte.

  • Milliway   |   06. Februar 2019 - 20:27

    Natürlich sollten wir uns die Vorräte an Ersatzteile von dem RAF Tornados sichern und die Tornado GR.Mk 4 mit den wenigsten Flugstunden übernehmen und in unser Luftflotte eingliedern. Die Maschinen kann man später zur Kannibalisierung nutzen.

    Wie @Magmakammer schon erwähnt hat, macht eine Umrüstung auf ASSTA 3 keinen Sinn, da die Briten mit ihren Mid-Life Update (MLU) einen andren Weg eingeschlagen haben, sind die GR.Mk 4 eigentlich unsern Tornados überlegen, da sie mehr Sensoren an Bord haben.

    https://apps.dtic.mil/dtic/tr/fulltext/u2/p010303.pdf

  • SvD   |   06. Februar 2019 - 20:34

    @Milliway

    Wenn man jetzt noch wüsste was genau die ADV variante des Tornado ist… steht sogar im Link, es ist die Luftverteidigungsvariante!
    Die Flotte wurde geschlachtet um die IDS Tornado mit Ersatzteilen zu versorgen.
    Die Saudis fliegen noch IDS Tornados, die sind gerade mal 20 Jahre alt. Man ist nicht auf die F-15 umgestiegen. Viele Golfstaaten fahren aus politischen Gründen 2-gelisig, mit Europäischen und US Systemen.

  • Elahan   |   07. Februar 2019 - 10:28

    Unter assta-3-1-der-modernste-tornado-der-luftwaffe findet man ein paar Infos zum Thema.

    @Milliway

    Das kommt auf den Einsatz, die Variante und Rüstzustand an. Grundsätzlich sind die Tornados der Briten unseren nicht überlegen. Auch wir haben modernisiert.

  • moth   |   07. Februar 2019 - 15:52

    @Zimdarsen | 06. Februar 2019 – 18:33

    ……“Wir haben ein Managementproblem“

    In Anbetracht einer eventuellen Nutzungsdauerverlängerung unserer Tornados und der Nutzungsmöglichkeiten der „ausgemusterten“ britischen Flotte, ein paar laienhafte Fragen:

    1. Aufwand der Bestandsaufnahme in GB?
    2. Möglichkeiten der Lagerung? Ausgehend von einem verifizierten Bestand.
    3. Aufwand der buchhalterischen und logistischen Sicherstellung?
    4. Welchen Preis zahlen wir? Kosten und Ressourcen?

    Sie bemerken dass Verträge und Ins-Kapazitäten fehlen. Also relative ungünstige Bedingungen.

    Als Laie fällt mir hierzu nur der Vergleich mit einem Luxusoldtimer ein und das kostet.

  • Felix   |   07. Februar 2019 - 20:48

    Sehr interessant, die Briten haben schon die F-35 UND Luft-Boden-Fähigkeiten für den Typhoon.

    Die noch spannendere Nachricht für mich war aber, dass die Meteor-Rakete endlich funktioniert. Ist das bei den deutschen Typhoons auch so?

  • Milliway   |   08. Februar 2019 - 12:46

    @ Elahan | 07. Februar 2019 – 10:28

    Also ich weiß wofür ASSTA steht: Avionics Software System Tornado Ada upgrade Programm.

    Kurzfassung

    Der Tornado hat eine neue Avionik System Software bekommen, Link 16, neue Radar Warner und neue Waffen wurden eingepflegt.

    Diese Upgrade hat auch der GR4 in irgendeiner Form erfahren, aber der Unterschied liegt in der Hardware Ausrüstung, so ist u.a. FLIR fairing eingerüstet, ist auf den Anlage Bild als Blase über den Burgradfahrwerk zuerkennen.

    @ moth | 07. Februar 2019 – 15:52

    Das größte Problem ist unser Beschaffungssystem,
    so müssen wir endlich das Beschaffungswesen, von lobbygesteuerten Politikern in die Hände einer unabhängigen Beschaffungsagentur geben.

    Dann kaufen wir den ganzen Bums zum fest Preis, ähnlich wie die USA den Briten die Harrier für rund 180 Millionen US-Dollar abgekauft haben.

    Stellen nach amerikanischen Vorbild (AMARG) ein deutsches Zentrum für die Wartung und Regeneration von Luftfahrzeugen auf.
    Da die Niederländer auf der Vliegbasis Twente auf diesen Gebiet gerade Erfahrungen sammeln, würde ich mich da einklinken und die Tornados nach Twente und Rheine / Hopsten überführen.
    Natürlich besteht noch die Möglichkeit aus den Erfahrungen die aus der Betreuung der F-16 oder F-35 entstanden sind zu profitieren.

    Dass die bestehenden Verträge für unsere Tornado Instandhaltung gekündigt werden versteht sich von selbst.

    [Spätestens bei Rheine/Hopsten habe ich aufgehört zu lesen. Jetzt auch noch die Stationierungsdebatte neu aufzumachen, hat mit dem Thema dieses Threads inzwischen gar nichts mehr zu tun. T.W.]

  • Zimdarsen   |   08. Februar 2019 - 16:37

    @moth

    Wir haben keine Erkenntnisproblem, sondern ein Problem wer entscheidet was und wer ist verantwortlich.
    Selbstverständlich muss man die Fragen stellen und das ist auch nicht das Problem. Für wie viele Flugstunden will man vorhalten, was benötigt man noch von der Industrie, welche Modernisierung wird durchgeführt und was will man für Fähigkeiten haben.

    @Miliway

    Der ECR hat FLIR und wir haben ein Zentrum für Wartung, Instandsetzung und Regeneration (was auch immer das ist) ein gut funktionierende wird gerade geschlossen, ein weiteres in Manching aufgebaut, speziell für den Tornado.

    Dazu kommen noch einige Orte mit Inst-Fähigkeiten. Im Rahmen von LV/BV wäre es auch eher nicht klug alles an einen Ort zu packen. Dazu kommt, dass nicht die Orte die Schätze sind, sondern die Menschen welche ihr Handwerk beherrschen und die vergrault man weiter.

    Wir haben einen BV Tornado im KdoLw, ein LufABw und die NETMA wozu benötigt man noch all die anderen Entscheider und Verantwortlichen?

  • Milliway   |   09. Februar 2019 - 14:33

    Hallo Herr Thomas Wiegold

    Festzuhalten ist dass der Vorschreiber mit den Einwurf der Fehlenden Möglichkeiten der Lagerung von Luftfahrzeuge eigentlich den Stein ins Rollen gebracht hat ?

    Das sichern von Britischen Ersatzteilen für unsere Tornado Flotte ist mit Sicherheit nicht die dümmste Idee !

    @ Zimdarsen | 08. Februar 2019 – 16:37

    Hinter den Forward Looking Infra-Red (FLIR) System des GR.4 verbirgt sich eigentlich ein Ziel System das von einen Laser Rangefinder & Marked Target Seeker (LRMTS) unterstützt wird.

    Ferner kann das System optional durch ein IRLS (InfrarRed LineScan) Sensor ergänzt werden und diese Technologie ist in unseren Tornados mit Sicherheit nicht vorhanden.

    Zitat.: (was auch immer das ist)

    Wenn man nichts weiß warum es sich dreht, warum wird dann kommentiert und nicht zu Ende gelesen. ?

    Wir haben das US System mit der 43+74 und 43+95 in der Vergangenheit schon mal getestet, haben uns dann aber dafür entschieden auch gute Tornadozellen zu zerschreddern und stehen jetzt mit leeren Händen da.

  • Groundabort   |   09. Februar 2019 - 16:17

    Es können nicht einfach Tornado Ersatzteile andere Nationen bei uns weiter verwendet werden.
    Jedes Teil müsste zertifiziert werden. Wie hier schon angesprochen haben die britischen Flieger andere Bauzustände.

    Kampfflieger sind doch keine alten Autos wo ich auf dem Schrottplatz mal schnell Ersatzteile ausbauen kann.

  • SvD   |   09. Februar 2019 - 18:25

    „Kampfflieger sind doch keine alten Autos wo ich auf dem Schrottplatz mal schnell Ersatzteile ausbauen kann.“

    Doch, kann man. Siehe AMARG (309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group).
    Auch beim Tornado gibt es überwiegend gleiche Bauteile. Für alles das zur Flugsicherheit gehört oder sonst Nutzungsdauergrenzen hat, sind diese halt zu übertragen.

    Es ist wurscht ob die Hardpoints anders angeordnet sind oder die Cockpit Avionik eine andere ist, wenn man ein Fahrwerksteil braucht.

  • Grashüpfer   |   10. Februar 2019 - 19:17

    Wenn man hier so liest Frage ich mich, ob der ein oder andere mit seinem Fachwissen zum Management eines Waffensystems vielleicht mal bei den einschlägigen Consultends vorstellig werden sollte damit die 18 Dienstellen welche sich mit dem Management und der Nutzung des Tornado beschäftigen endlich richtig beraten werden.