Sammler: Moorbrand in Meppen – Update 21. September (m. Nachträgen)

Gut zwei Wochen, nachdem Schießtests der Bundeswehr einen großflächigen Moorbrand im Emsland ausgelöst haben, fährt das Verteidigungsministerium auch die eigenen Anstrengungen zur Brandbekämpfung hoch. Ministeriumssprecher Jens Flosdorff kündigte am (heutigen) Freitag an, dass die Bundeswehr so lange wie nötig so viele Unterstützungskräfte wie erforderlich nach Meppen schicken werde, unter anderem Spezialpioniere, aber auch Verpflegungstrupps.

Ministerin Ursula von der Leyen will sich am Samstag selbst vor Ort ein Bild von der Lage machen. Der Landkreis Emsland rief unterdessen den Notstand aus und schloss Evakuierungen anliegender Ortschaften nicht aus.

Das Feuer auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 war am 3. September bei Schießtests mit Raketen ausgebrochen; die Löscharbeiten konnten wegen des Ausfalls von Spezialgerät nicht rechtzeitig beginnen. Erst nachdem örtliche Feuerwehren und das Technische Hilfswerk mit hunderten von Feuerwehrleuten und Helfern den unterirdischen Brand im Moor nicht unter Kontrolle bekamen, wurde auch das niedersächsische Innenministerium informiert. Die Bundeswehr reagierte überregional mit einer ersten Information am (gestrigen) Donnerstag, mehr als zwei Wochen nach Brandausbruch.

Der Ministeriumssprecher räumte ein, dass sowohl bei der nötigen Information anderer Behörden sowie möglicherweise auch bei der Risikoeinschätzung Fehler gemacht worden seien. Wehrressort und Bundeswehr bedauerten, dass es zu einem sehr ernsten Szenario gekommen sei. Die Streitkräfte seien auch weiterhin auf die Hilfe von Feuerwehren und THW angewiesen, würden nun aber zusätzlich Soldaten ins Emsland schicken. Die Bundeswehr werde alle Unterstützung, die man sich denken kann, leisten, versprach Flosdorff. Alle Bundeswehrdepots seien angewiesen, nötiges Material wie zum Beispiel Pumpen sofort bereitzustellen.

Zugleich wies der Sprecher den Vergleich dieser Schießtests bei der anhaltendern trockenen und heißen Witterung mit dem Verhalten von Privatpersonen bei Waldbrandgefahr oder beim Grillen zurück. Bei der WTD seien Experten tätig, die sehr genau die Gefahren einschätzen könnten. Die Bundeswehr werde aber die Ursache für den Brand genau analysieren.

Die Aussagen von Flosdorff sowie Eleonore Petermann vom Innenministerium und Nikolai Fichtner vom Umweltministerium vor der Bundespressekonferenz zum Nachhören (Transkript wird nachgetragen):

 

BPK_Moorbrand_21sep2018     

 

 

Am Freitagmorgen rief der Landkreis Emsland den Katastrophenalarm aus – damit ist es den Behörden unter anderem möglich, Unterstützung von anderen Kreisen und vom Land anzufordern. Die Evakuierung einzelner Ortschaften könne nötig werden, warnte das Landratsamt:

Aufgrund des Moorbrandes und der Wetterprognosen für heute hat Landrat Reinhard Winter um 09:40 Uhr in enger fachlicher Abstimmung mit dem Niedersächsischen Innenministerium den Katastrophenfall ausgerufen. Dieser offizielle Akt sei eine wichtige Voraussetzung, um zum Beispiel auch mit überörtlicher Unterstützung planen und arbeiten zu können, insbesondere, wenn sich die Situation vor Ort nachhaltig verschärfe, erklärt Winter. „Wir wappnen uns für alle Eventualitäten und kommen hiermit vor die Lage“, unterstreicht der Landrat. „Mit Blick auf die neue Situation und die Prognosen der Bundeswehr können wir derzeit eine Evakuierung der Gemeinden Groß und Klein Stavern zudem nicht mehr ausschließen“, erläutert Winter. „Wir sind gut vorbereitet und wollen keine Unruhe erzeugen. Da der Schutz der Bevölkerung für uns an erster Stelle steht, möchten wir aber die Staverner frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass eine Evakuierung nicht mehr undenkbar ist“, so Winter.
Bürgerinnen und Bürger Staverns sind daher aufgefordert, sich grundsätzlich auf eine eventuelle Evakuierung vorzubereiten. „Eine ganz konkrete Prognose ist derzeit nicht möglich, dennoch ist zu erwarten, dass sich Rauchbelästigung und Funkenflug verschärfen. Aber ob überhaupt evakuiert werden muss, ist natürlich abhängig vom Verlauf der Löscharbeiten auf dem Areal der Bundeswehr sowie den sich verändernden Wetterbedingungen“, ergänzt Winter. Hier befinde man sich in enger Abstimmung mit der Bundeswehr, Experten sowie den Einsatzkräften vor Ort. Zudem werde derzeit ein engmaschiges Netz an Messpunkten eingerichtet, um die Belastung durch den Rauch permanent zu überwachen.

Nachtrag:

• Zur Dokumentation das in einigen Kommentaren bereits angesprochene Video des NDR-Interviews mit dem stellvertretenden Leiter der WTD 91 hier.

„Gebrannt hätte es sowieso“ – sagt Wikipedia

• Die Verteidigungsministerin hat sich am Freitag für den Brand und seine Auswirkungen entschuldigt. Die Neue Osnabrücker Zeitung (Link aus bekannten Gründen nicht) zitiert von der Leyen mit den Aussagen

Es steht außer Frage, dass ein Moorbrand dieses Ausmaßes ein sehr ernster Vorfall ist, der so nicht passieren darf. Ich entschuldige mich im Namen der Bundeswehr bei allen Menschen der Region, die jetzt unter den Auswirkungen des Brandes leiden. Natürlich werden wir auch die völlig berechtigte Frage klären, ob die den Brand auslösenden Munitionstests in dieser Form nötig und verantwortbar waren.

• Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat am Freitagabend die Diensträume der WTD 91 durchsucht; Grund ist das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Brandstiftung – übrigens von Amts wegen. Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft:

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück führt von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren gegen bislang unbekannte Täter wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Brandstiftung auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen. Gegenstand des Ermittlungsverfahrens ist ein am 03.09.2018 durchgeführter Erprobungsversuch, infolgedessen es zur Entzündung erheblicher Teile der dortigen Moorfläche kam.
Bereits am 20.09.2018 hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück bei dem Amtsgericht Osnabrück den Antrag auf Erlass eines Durchsuchungsbeschlusses für das Gelände der WTD 91 gestellt. Der Durchsuchungsbeschluss wurde antragsgemäß erlassen und am Morgen des 21.09.2018 vollstreckt. An der Durchsuchung waren insgesamt vier Polizeibeamte des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Lingen/Grafschaft Bentheim, sowie zwei Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Osnabrück beteiligt. Die Maßnahme wurde in Kooperation mit dem Dienststellenleiter der WTD 91 durchgeführt und unterstützt.
Ziel der Durchsuchungsmaßnahmen war die Sicherstellung und Beschlagnahme von Datenträgern, Protokollen und weiteren Unterlagen, die Aufschluss über den genauen Hergang des Erprobungsversuches, etwaige Verstöße gegen brandschutzrechtliche Schutzvorschriften und die hieran beteiligten Personen geben können. Sämtliche von den Ermittlern geforderten Unterlagen wurden durch die Dienststellenleitung der WTD 91 freiwillig übergeben.
Die Auswertung der sichergestellten Gegenstände und Unterlagen dauert an.

• Das Transkript des obigen Audios aus der Bundespressekonferenz:

Frage: An das Verteidigungsministerium: Herr Flosdorff, der Brand, der durch die Bundeswehr in Niedersachsen ausgelöst wurde, ist jetzt außer Kontrolle geraten, Katastrophenalarm ist ausgelöst worden. Was ist denn da der momentane Stand, was wird vonseiten der Bundeswehr dort getan?

Zweite Frage: Gibt es Hinweise, dass es ziemlich fahrlässig war, dass die Bundeswehr dort bei dieser Trockenheit solche Raketentests macht, wo Leute noch nicht einmal grillen dürfen, und sich quasi fahrlässig darüber hinwegsetzt?

Flosdorff: Danke für die Frage. Ich möchte an dieser Stelle gerne sagen, dass dieser Moorbrand bei Meppen ein sehr ernstes Szenario ist. Gestern war auch Staatssekretär Hoofe zusammen mit dem niedersächsischen Innenminister vor Ort, um sich dort ein Bild von der Lage zu machen. Die Ministerin wird morgen vor Ort in Meppen sein und mit den örtlichen Verantwortlichen und den vielen Kräften sprechen, die bemüht sind, diesen Brand zu lösen.

Lassen Sie mich vorwegsagen: Auch das Verteidigungsministerium bedauert außerordentlich, dass es durch den Test auf dieser Versuchsanlage zu dem Brand gekommen ist. Uns ist sehr bewusst, dass das mit starken Beeinträchtigungen für die Bevölkerung in diesem Gebiet verbunden ist. Wir danken den Einsatzkräften vom THW und den freiwilligen Feuerwehren sowie den vielen anderen helfenden Händen, die dort unterwegs sind, sehr für ihren Einsatz. Wir werden auch weiterhin darauf angewiesen sein.

Uns ist auch sehr klar, dass diese Kräfte in der aktuellen Situation bis zum Äußersten beansprucht werden. Deswegen hat die Bundeswehr entschieden, dass weitere Kräfte vonseiten der Bundeswehr nachgeführt werden. Es sind Spezialpioniere in Marsch gesetzt worden, die seit gestern vor Ort sind und fragen, was noch gebraucht wird – das sind zum Beispiel Hochleistungspumpen, Pipelines, Verpflegung; alle Unterstützung, die man sich denken kann und die wir von anderen Notfällen auch kennen -, um den Helfern dort eine weitere Unterstützung zu bringen und die Arbeit zu erleichtern. Diese Hilfe ist unbefristet, auch in der Personenzahl. Was gebraucht wird, wird nachgeführt. Alle Depots der Bundeswehr sind angewiesen, das notwendige Material für die Unterstützung und die Brandbekämpfung bereitzustellen.

Überdies ist ein Bürgertelefon eingerichtet worden, das alle Fragen, auch was mögliche Gesundheitsgefahren angeht, beantworten kann. Es wird engmaschig gebrieft, morgens werden also die örtlich verantwortlichen Landräte und die Kommunalpolitiker über den jeweiligen Stand unterrichtet. Wir haben im Moment eine einigermaßen stabile Lage, aber die Wetterprognosen sind so, dass der Wind sich voraussichtlich verstärken wird, heute über den Tag und auch noch am Samstag. Deswegen – das ist auch mein Informationsstand – hat der Landkreis Emsland dort vorsorglich Katastrophenalarm ausgelöst. Das hat Hintergründe in der Wetterprognose, hat aber auch den Hintergrund, dass es durch diesen formalen Schritt deutlich leichter ist, Ressourcen zur Verfügung zu stellen, also Material, finanzielle Unterstützung und Manpower auch aus anderen Bereichen des Landes Niedersachsen heranzuführen.

Mit Blick auf Ihre zweite Frage möchte ich sagen, dass das eine sehr berechtigte Frage ist, der wir selbstverständlich intensiv nachgehen; auch das ist angewiesen und diese Untersuchungen sind auch schon angelaufen. Ich möchte aber dazusagen: Es handelt sich bei der Wehrtechnischen Dienststelle 91 um eine besondere Einrichtung. Das Gelände dieser Einrichtung ist ein 200 Quadratkilometer großes Gelände, und das ist das größte derartige Gelände in Westeuropa, auf dem man seit vielen Jahrzehnten Erfahrungen mit Munitionstests hat. Es gibt besondere Regeln, die dort gelten, es gibt besondere Löscheinrichtungen. Es gibt dort zum Beispiel acht geländegängige Fahrzeuge, die sich in diesem Gebiet bewegen können. Vor jedem Test, vor jedem Schießen findet dort eine Lagebesprechung statt, zu der auch eine Risikoabwägung gehört, bei der auch Brandschutzerwägungen immer eine Rolle spielen.

Es ist – in der Presse wurde das teilweise ein bisschen irreführend dargestellt – auch an dem Tag des entsprechenden Tests, am 3. September, so gewesen, dass wir ein intaktes Löschfahrzeug hatten, als man angefangen hatte zu schießen. Der erste Brand – es entstehen auf dem Gelände ständig Brände, das ist bei Munitionstests eine Sache, die einfach dazugehört – bei dem Test ist auch bei 600 Metern erfolgreich gelöscht worden. Auf dem Weg zu dem zweiten Brandnest bei 800 Metern gab es einen technischen Defekt bei dieser Löschraupe, und die anderen geländegängigen Fahrzeuge sind in diesem sehr speziellen Gelände dann nicht mehr bis zum Brandherd vorgedrungen. So konnte sich der Brand dort ausbreiten.

Natürlich muss man angesichts der besonderen Witterungslage, die wir diesen Sommer haben, die Frage stellen: War diese Risikoabwägung korrekt, sind alle Brandschutzbestimmungen eingehalten worden, hat man alle Faktoren bedacht, und wie dringend waren diese Tests im Kontext der Witterungsbedingungen? Dieser Frage geht man intensiv nach. Die Regeln, die dort gelten, sind aber nicht unbedingt vergleichbar – so reizvoll der Vergleich natürlich auch ist – mit den Regeln, die die Normalbevölkerung zu beachten hat. Das ist ein sehr spezielles Gelände, es sind sehr erfahrene Leute, es gibt dort Brandschutzvorkehrungen mit Gerät, das es sonst nirgendwo gibt, und mit besonderen Regelungen. Innerhalb dieser Regeln muss man schauen, ob dort alles richtig gelaufen ist. Das werden wir tun, und wir werden selbstverständlich auch die Öffentlichkeit darüber unterrichten.

Frage: Herr Flosdorff, trifft zu, dass das Land Niedersachsen von dem Brand und vor allem von seiner Ausbreitung erst durch die örtliche Feuerwehr erfuhr, als die das sozusagen nicht mehr im Griff hatte und um Unterstützung bat? Wäre es nicht Sache der Bundeswehr gewesen, rechtzeitig ihren eigenen Informationsstrang aufzubauen?

Flosdorff: Ich möchte nicht verhehlen, dass es berechtigte Fragen gibt und dass es auch Klagen über das Informationsverhalten in den ersten Wochen gibt. Es gab auch für das Ministerium die ersten Meldungen – – in der lokalen Presse, der regionalen Presse, war das ja durchaus vorhanden, seit dem 3. September ist ja schon einige Zeit vergangen. Wir sehen dort auch Verbesserungsbedarf hinsichtlich des Informationsverhaltens. Das ist jetzt abgestellt, das ist geändert; es gibt jetzt seit drei Tagen tägliche Unterrichtungen der Verantwortlichen zur Lage am Brandherd, zu den Hintergründen und auch zu den Luftmessungen. Wir messen Gas, wir messen die Feinstaubbelastung und wir stimmen uns sehr eng mit den Ämtern in Hannover, aber natürlich auch mit den lokalen Behörden ab. Das läuft jetzt deutlich besser. Die Frage ist aber vollkommen berechtigt und wir müssen uns da auch einen Schuh anziehen, was die Kritik angeht, insbesondere mit Blick darauf, was vorher auf der lokalen, der regionalen Ebene an Informationen gelaufen ist oder nicht gelaufen ist. Das war gestern auch Gegenstand der Gespräche, die der Staatssekretär vor Ort geführt hat. Jetzt sind aber alle Kontakte gemacht. Es gibt jetzt auch einen Infoflyer mit allen wichtigen Zahlen, Daten und Fakten – Brandfortschritte, Messdaten -, der täglich ausgegeben wird. Insofern denke ich, dass wir diese Klagen so schnell nicht mehr hören werden.

Zusatzfrage: Hat das, was Sie jetzt im Detail ausgeführt haben, auch den Charakter einer Entschuldigung der Ministerin oder des Ministeriums bei den von diesem Feuer und den Auswirkungen betroffenen Menschen?

Flosdorff: Ich habe gesagt: Die Belastungen für die Menschen in der Region sind enorm, das ist uns bewusst. Wenn es dort zu wenige Informationen gegeben hat – und es gibt viele Anzeichen dafür, dass man dort hätte besser agieren müssen -, dann ist es überhaupt kein Problem, das man sich dafür entschuldigt; das kann ich im Namen des Ministeriums gerne tun. Die Ministerin wird morgen vor Ort sein. Der Staatssekretär hat das gestern mit ähnlichen Worten, wie ich sie hier jetzt gewählt habe, auch bei den örtlich Verantwortlichen getan.

Jetzt geht es in erster Priorität darum, den Brand zu löschen; dem gilt der Einsatz aller Kräfte, die jetzt auch weiterhin dorthin nachgeführt werden. Das Zweite ist natürlich, dass wir die Öffentlichkeit, die Bevölkerung unterrichtet halten. Das Dritte ist, dass wir auch der Frage nachgehen müssen: Wie es zu dieser Situation kommen konnte, welche Vorschriften sind beachtet worden, wo sind Risikoeinschätzungen falsch gelaufen, was kann man auch für die Zukunft daraus lernen, gibt es vielleicht auch noch Vorschriften, die nicht klar genug sind, gibt es dort Regelungslücken? Wenn es solche Regelungslücken gibt, dann müssen wir da klare Regelungen treffen, die auch das Ermessen einschränken, damit es nicht mehr zu solchen Fehleinschätzungen kommen kann.

Petermann: Weil das THW angesprochen wurde: Das THW ist aktuell mit 530 Einsatzkräften vor Ort – in der Nacht waren es 700 -, die damit befasst sind, drei Löschwasserstrecken zu unterhalten und im Übrigen auch die Einsatzkräfte vor Ort zu versorgen.

Frage : Herr Flosdorff, es gibt sicherlich Menschen, die sich Sorgen machen, denn die Wehrtechnische Dienststelle 91 ist ja durch eine Einrichtung, bei der scharfe Munition gelagert wird – logischerweise, wenn sie getestet werden soll. Ist ausgeschlossen, dass dieser Moorbrand, der ja ein Stück von der eigentlichen WTD entfernt ist, in die Richtung der WTD übergreift? Oder sind Bestände, die dort in der WTD vorliegen, jetzt vorsichtshalber verlegt worden? Wie muss man sich das vorstellen? Wie viel Munition liegt dort noch herum? Müssen sich die Leute in Meppen und in Sögel Sorgen machen?

Flosdorff: Ich denke einmal, die Menschen außerhalb des Geländes der Wehrtechnischen Dienststelle müssen sich jetzt keine Sorgen wegen Munition, die auf dem Gelände ist, machen. Die Ausbreitung des Brandes – ich habe es gesagt: Das Gelände 200 Quadratkilometer groß und es gibt dort viele Brandherde – ist schon erheblich, aber es bewegt sich alles innerhalb des Rahmens dieses Geländes. Im Moment ist die Lage auch stabil. Ich kann nur sagen: Die Ausrufung des Katastrophenfalles ist eine sinnvolle, aber sehr vorsorgliche Maßnahme. Es gibt dort starke Winde, und falls die für das Wochenende angekündigten deutlichen Regenfälle vielleicht doch nicht kommen, ist es besser, wenn man dort vorbereitet ist und die nötigen organisatorischen Vorbereitungen getroffen hat, als dass man das dann aus der Bewegung heraus tun muss.

Es ist eine spezielle Dienststelle, es gibt dort Schutzvorkehrungen auch für die gelagerte Munition, die noch zu testen ist. Wir sehen im Moment keine Veranlassung, davon auszugehen, dass die Gebäude der Wehrtechnischen Dienststelle selber vom Brand betroffen sein könnten. Nichtsdestotrotz ist das ein Gelände, das seit dem vorvergangenen Jahrhundert von Militär genutzt wird; die Bundeswehr nutzt dieses Gelände seit 1957 für Munitionstests. Von daher ist das natürlich kein Gelände wie jedes andere. Insofern sind wir auch darauf angewiesen, dass dort mit Bedacht vorgegangen wird. Vor Ort sind auch 67 Bundeswehrfeuerwehren und die Spezialpioniere aktiv, und die wissen schon Bescheid, wie mit diesen Gefahren umzugehen ist.

Frage : Herr Flosdorff, ist das das erste Mal in der Bundeswehrgeschichte, dass durch Fehler, durch Handlungen der Bundeswehr Katastrophenalarm ausgelöst wird?

Herr Fichtner, wenn Moore brennen, ist das ja immer besonders schlimm, weil dadurch noch mehr CO2 freigesetzt wird; die Moore speichern ja CO2. Gibt es vonseiten der Bundesregierung schon Pläne für kompensierende Investitionen oder Maßnahmen, etwa wie andere Moore gefördert werden können oder so etwas Ähnliches?

Flosdorff: Zu Ihrer ersten Frage: Ich kann Ihnen nicht über die ganze Bundeswehrgeschichte Auskunft geben. Wir haben hier jetzt einen Fall, der bedauerlich genug ist. Da werden jetzt alle Kräfte darauf fokussiert, den Brand zu löschen. Ich denke einmal, es ist dann später auch noch Zeit, das aufzuarbeiten.

Zusatzfrage : Können Sie nachreichen, ob die Bundeswehr schon einmal selbst so einen Katastrophenalarm ausgelöst hat?

Flosdorff: Wenn ich auf eine Statistik stoße, dann werde ich sie Ihnen gerne weiterleiten.

Fichtner: Sie hatten auch mich angesprochen. Aus Umweltsicht ist dieser Moorbrand natürlich sehr besorgniserregend; es geht hier um wertvolle Ökosysteme und um einen hohen CO2-Ausstoß, das haben Sie richtig gesagt. Jetzt ist aber die Zeit für Katastrophenhilfe, für Löscharbeiten, und da wünschen wir allen, die daran beteiligt sind, erst einmal einen guten, schnellen Erfolg. Das ist jetzt die wichtigste Maßnahme.

Zhu Kompensationsmaßnahmen: Im Grunde ist natürlich die komplette Klimapolitik eine Kompensationsmaßnahme, weil es dabei darum geht, Treibhausgase zu vermindern. Moorschutz ist ein wichtiger Teil von Klimaschutzpolitik. Da findet auch schon Einiges statt, das habe ich jetzt aber nicht konkret vorrätig.

Frage : Herr Fichtner und vielleicht auch Herr Flosdorff, gibt es so etwas wie eigene Klimaschutzziele für die Bundesregierung und die entsprechenden nachgeordneten Bereiche? Ist es zum Beispiel so, dass die Bundeswehr, wenn sie dadurch jetzt CO2 freisetzt, das woanders wieder einsparen muss?

Flosdorff: Nicht im technischen Sinne, wie Sie das meinen, aber es gibt selbstverständlich auch Klimaschutzmaßnahmen und auch Umweltschutzmaßnahmen innerhalb des normalen Betriebes der Bundeswehr. Es gibt ganze Abteilungen und Bereiche, die bei uns dafür zuständig sind. Sie sehen das ja auch schon, wenn Sie in die Einsätze gehen; das geht bis hin zur Mülltrennung in umkämpften Einsatzgebieten. Die Bundeswehr legt darauf also sehr großen Wert. Was mit Blick auf den Klimaschutz speziell den Moorschutz angeht, so ist das jetzt aber keine eigene Domäne.

(Foto 1: Die Löschraupe der Bundeswehrfeuerwehr im Einsatz auf dem Gelände der WTD 91 während des Moorbrandes am 19. September – Bundeswehr/Marcus Rott; Foto 2: Drohnenaufnahme der Löscharbeiten am 14. September – Bundeswehr/WTD91; Foto 3: Drohnenaufnahme am 19. September – Bundeswehr/WTD91; Foto 4: Meßwagen der Bundeswehr am Ortsrand von Groß Stavern, zugleich am Rand des Bundeswehrgeländes – Bundeswehr/Marcus Rott)

65 Kommentare zu „Sammler: Moorbrand in Meppen – Update 21. September (m. Nachträgen)“

  • Tim K.   |   21. September 2018 - 14:14

    Wir haben DEN Jahrhundertsommer. Da sollte sich auch bei der WTD herumgesprochen haben. Was in Gottes Namen reitet die WTD, unter den vorhandenen Bedingungen, unbedingt Schießtests abhalten zu müssen?

    Andererseits sind Verzögerungen bei der Beschaffung oder Neueinführung von Wehrtechnik mittlerweile so normal, daß man sie schon fast in die Leistungsbeschreibung aufnehmen könnte. Da hätte man locker in paar Tage warten und nach dem Regen weitertesten können.

  • Milliway   |   21. September 2018 - 14:24

    Da jetzt offiziell der Katastrophenfall ausgerufen wurde, frage ich mich schon, warum immer noch nicht professionelles Löschgerät wie die Mil Mi-26 / IL-76 Wasserbomber angefordert wurden ?

    Zielführend wäre das jetzt Tornado Flugzeuge, Wärmebilder von Brand aufnehmen um eine Punkt genaue Brandbekämpfung aus der Luft zu gewährleisten.

  • Alpha November   |   21. September 2018 - 14:25

    @Dante | 21. September 2018 – 13:52 (aus dem ersten Eintrag dazu)

    Man hat von einem Hubschrauber aus eine Rakete abgefeuert (auf ein Ziel im Zielgebiet).
    Es ist anzunehmen, dass es wohl eine Luft-Boden-Rakete war.
    Genauer wurde bisher keine Quelle (oder ich hab es verpasst).

    Tipp wäre z.B. eine Panzerabwehrrakete vom Tiger aus. Aber ich weiss nicht ob da derzeit was in Planung oder Beschaffung ist.
    Kann ja auch sein, dass man einfach nur ungelenkte Luft-Bodenrakten vom LUH aus testet oder so…

    Ist m.E. aber auch unerheblich – wobei der WTD-Sprecher ja von einem unaufschiebbaren wichtigen Test gesprochen hatte…

  • Alpha November   |   21. September 2018 - 14:47

    @ Milliway | 21. September 2018 – 14:24

    Wasser auf die Oberfläche bringen wird den Brand nicht löschen (siehe dazu im vorigen Thread).

    Für Wärmebilderfassung kann man auch die Drohnen nehmen, die die ein oder andere Feuerwehr schon hat. Da kommt die Flugstunde auch was günstiger…

    Aber deren Problem ist ja auch nicht, dass sie nicht wissen wo es brennt. Insofern bedarf es keiner Aufklärung denke ich.

  • ede144   |   21. September 2018 - 14:55

    @ Tim K.

    Der Graslandfeuerindex ist heute und für die nächsten Tage mal wieder grün (Stufe 1) und nicht rot bzw. violett. Die Prognose ist seit März fast durchgängig auf rot oder violett gewesen.
    Man hat anscheinend die Versuche schon stark reduziert, aber einfach alle Arbeiten einstellen, da möchte ich mal den Aufschrei in der Öffentlichkeit hören.
    Der Fehler war nicht der Schießtest, sondern das man nach Ausfall der Löschraupe nicht sofort die 112 gewählt und die umliegenden Feuerwehren alarmiert hat. Da hätte man noch die Chance gehabt den Schaden klein zu halten.
    Alter Merksatz für Feuerwehren, nach 3 Minuten Schadensfeuer verdoppelt sich der Schaden mit jeder weiteren Minute.

  • justanick   |   21. September 2018 - 15:23

    Das ist ja wohl eine Wunschvorstellung:

    „Zugleich wies der Sprecher den Vergleich dieser Schießtests bei der anhaltendern trockenen und heißen Witterung mit dem Verhalten von Privatpersonen bei Waldbrandgefahr oder beim Grillen zurück. Bei der WTD seien Experten tätig, die sehr genau die Gefahren einschätzen könnten“,

    denn die Fakten sprechen eine andere Sprache.
    Zugleich werden Sonderrechte für Experten geltend gemacht. Dann gälte das Grillverbot nicht für Feuerwehrleute, Chemiker und dgl. mehr – denn die sind ja Experten auf dem Gebiet.

    @Milliway – das wäre doch Mal eine gute Aufgabe für die Tornados.

  • Sommerbiwak   |   21. September 2018 - 15:45

    @Alpha November: Schon zur Funktionsprüfung müssen regelmässig Raketen geschossen werden. Kann sein, daß da irgendeine Freigabe ablief und erneuert werden musste um Sperrung zu vermeiden. Den ganzen Sommer konnte man ja eigentlich auch schon nicht schießen wegen der Dürre.

    Ich sitze hier im östliche Niedersachsen und hier regnet es gerade, Ich hoffe auch auf den alten Krupp Schießplatz. Moorbrände sind richtig bescheiden zu löschen wegen des Feuers, daß durch den Torf kriecht.

    Im Wattenmeer wäre das nicht passiert. ;-)

  • Reiter   |   21. September 2018 - 15:47

    Nun es hat ja lange gedauert ( hab mich schon gewundert) bis dieses Ereignis hier zur Debatte kommt. Bei so einem großen Areal mit der entsprechenden Bodenbeschaffenheit was im Ernstfall noch als Brandbeschleuniger beiträgt sollte doch eine entsprechende Infrastruktur vorhanden sein bzw. ist ja bekannt wo es im Zielgebiet zu einem Brand kommen könnte?
    Wie ist den die Feuerwehr in Meppen aufgestellt?
    Mir erscheint auch ein weiteres Einbringen von Wasser mit Flugzeugen etc. als nicht zielgührend

  • sakrileg   |   21. September 2018 - 16:21

    Das Mauern und die mangelnde Information durch die Bundeswehr sehe ich hier als das größte Problem neben dem Feuer. Zwei Wochen lang gar nichts sagen, das Land nicht verständigen und erst jetzt ankündigen, dass man sich selbst drum kümmert (überspitzt formuliert) – das scheint mir ein gutes Beispiel zu sein, wie man es eben nicht machen sollte. Und dass die Ursache dann auch noch ein wenig unnötig erscheint – sei es nun, weil man entweder den Test hätte verschieben können oder sich um Redundanz bei den Löschfahrzeugen hätte kümmern müssen (wenn von zweien eines ausfällt dann soltle ich eben ein drittes besorgen oder zmd adäquaten Ersatz beschaffen bzw. Vorkehrungen treffen falls Nr2 auch ausfällt) – macht die Sache wohl kaum besser.

    Dass sowas wohl auch nicht grade zur Akzeptanz der BW in der Bevölkerung beiträgt scheint mir ebenfalls logisch – wobei ich das Gefühl habe, dass man da momentan noch gut bei wegkommt, ich würde nicht wissen wollen, was ein privater Konzern sich hätte anhören dürfen bei so einem Desaster.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. September 2018 - 16:27

    @Sommerbiwak
    Wattenmeer ist richtig gut. Auf See lässt sich’s gut feuern, im „Naturschutzgebiet Wattenmeer, vom westfriesischen (NLD) TEXEL bis zum DNK RÖMÖ“.

  • Hubi   |   21. September 2018 - 16:44

    Mit Frau Petermann ist sicherlich nicht die Sprecherin des Innenministeriums gemeint, sondern des BMI!
    Immerhin ist die Erhöhung der Aktivitäten seitens des zuständigen Ressorts nach nunmehr zwei Wochen ein Traumwert.
    Wie kann es sein, dass heute um 10.20 Uhr dpa über das Feststellen des Katastrophenfalls informiert und um 11.50 Uhr die Pressesprecherin der WTD 91 mit „Das Feuer ist unter Kontrolle..“ zitiert.
    Und wer Moorbrände kennt, der weiß, dass es sehr, sehr lange dauern kann, bis alles endgültig aus ist. Da helfen die größten und besten Löschflugzeuge nichts. Wässern mit Pumpen ist ist eine Chance.

    [Bei meinen etwa 28 Jahren journalistischer Tätigkeit in der Bundespolitik war ich zu der Einschätzung gekommen, dass das BMI ein Innenministerium ist. Habe ich da was falsch verstanden? (Ernsthaft, wenn lauter Bundesministerien vor der Bundespressekonferenz was über die Bundeswehr erzählen, muss nicht jedes Mal das Wort Bundes- dabeistehen…) T.W.]

  • Tellurium   |   21. September 2018 - 17:20

    @Hubi
    Unter Kontrolle heißt halt nicht Gefahr vorbei sondern nur das nicht mit einer weiteren Eskalation der Lage gerechnet wird. Die Feststellung des Katastrophenfalls wird auch finanzielle und rechtliche Gründe haben z.B die überregionale Anforderung von Einsatzkräften usw. Was auch möglich ist ist einfach eine schlechte Absprache was an die Presse gegeben wird.

  • ThoDan   |   21. September 2018 - 17:29

    Wieso wurden die umliegenden Feuerwehren nicht zeitnah benachrichtigt?

  • Hubi   |   21. September 2018 - 17:41

    Im Feuerwehrwesen ist der Begriff eindeutig. Und da brauche ich dann keine zusätzlichen Kräfte. Zudem sind die Bedingungen für das Ausrufen des Katastrophenfalls im maßgeblichen Gesetz Niedersachsens eben nicht auf die finanziellen und rechtlichen Aspekte reduziert.

    Die Kommunikation lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Immerhin: „Ich entschuldige mich im Namen der Bundeswehr bei allen Menschen der Region, die jetzt unter den Auswirkungen des Brandes leiden.“ Aktuelle Aussage von VdL. Leider ist nicht überliefert, ob diese falsche Anwendung einer Entschuldigung korrekt wiedergegeben wurde. Jetzt hat die Tragweite auch endlich Berlin erreicht, vll. auch durch die neuesten Berichte des NABU zu den Auswirkungen auf Umwelt und Natur.

  • 0815   |   21. September 2018 - 18:00

    Frau Ministerin kommt am Samstag!
    Dann wird ja alles gut ..
    Was soll das denn? Neben militärischer-/familiärer Fachkompetenz nun auch noch in der Brandbekämpfung?
    Hat die gute Frau nichts wichtigeres zu tun als sich persönlich dort vor Ort ein Bild von der Lage zu machen?
    Am besten bringt sie auch noch den GI und den InspH mit.

    Ja es brennt! Und? Irgendwer oder irgendwas wird wohl dafür verantwortlich gewesen sein, genauso wie die Tatsache das evtl. versäumt wurde die umliegenden Feuerwehren „frühstmöglich“ in die Brandbekämpfung einzubinden.

    Fertig!

  • Milliway   |   21. September 2018 - 18:50

    @ Alpha November | 21. September 2018 – 14:47

    Zitat : „Wasser auf die Oberfläche bringen wird den Brand nicht löschen (siehe dazu im vorigen Thread).“

    Falsch,
    ich schrieb auf dem Punkt, dass bedeutet dass die Helikopter das Wasser nicht aus großer höhe einfach wo es qualmt abwerfen, sondern aus ca. 1m direkt über die Glutnester.
    So kann man auch die tieferen Schichten in Moor erreichen. Für diese Löschmetode benötige man exakte GPS Koordinaten.
    Die eingesetzten Mikado Aufklärungsdrohnen haben nichts gebracht, es wurden jetzt Polizei Helikopter mit Wärmebilderfassung übern Gelände gesichtet.

    Flugzeuge können das Oberflächen Feuer und den Funken Flug eindämmen.
    Da mir das Gelände bekannt ist, weis ich das Flugzeuge die Unglücksstelle super in Tiefflug anfliegen können.
    Bedingt durch die Topografie des Terrain bewegen sich die Feuerwehr Einheiten nur auf den Wegen und Straßen und können gar nicht bis zu den Brandstellen vorrücken.
    Dem zufolge ist die Feuer Bekämpfung aus der Luft die richtig Methode und das Fluten des Moores hat ja bislang nichts gebracht.

  • Trevor Faith   |   21. September 2018 - 18:51

    „Gut zwei Wochen, nachdem Schießtests der Bundeswehr einen großflächigen Moorbrand im Emsland ausgelöst haben, fährt das Verteidigungsministerium auch die eigenen Anstrengungen zur Brandbekämpfung hoch. “

    Also, wenn das die neuen Reaktionszeiten der Bundeswehr bei Krisen sind (und im o.g. Fall war das noch im Inland), dann ‚Gute Nacht, Deutschland“.

  • ADLER   |   21. September 2018 - 18:53

    Wenn das die Experten der Bundeswehr sind wird einen Angst und Bange wenn es um die Verteidigung unseres Landes geht. Wer so unverantwortlich handelt nach Monate lang anhaltender Trockenheit in einem Moorgebiet solche Tests durchzuführen ist für mich kein Experte sondern ein dilletant. Der Dienststellenleiter gehört mit seinem Sicherheitsbeauftragten sofort wegen grober Fahrlässigkeit vor Gericht.

  • Schnellmerker   |   21. September 2018 - 19:58

    … nur mal am Rande bemerkt oder vielmehr die Frage an diejenigen gestellt, die hier nach Löschflugzeugen rufen:

    Bevor so ein Löschflugzeug Löschwasser abwerfen kann muss es ja auch betankt/befüllt werden. Wo soll dieses in Deutschland von statten gehen können ? ? ?

    Es ist ja nicht so, daß wir hier in Deutschland ausreichend große Binnengewässer haben, die das möglich machen(, denn Salzwasser mach aus vielerlei Sicht keinen Sinn). Im Gegensatz z.B. zu den USA: Michigansee: Länge = 494 km, Breite = 190 km, Fläche = 58.000 km² … und im Gegensatz dazu die Müritz als größten deutschen Binnensee: Länge = 17,8 km, Breite = 9,9 km, Fläche = 112,6 km²

  • Mckenzie   |   21. September 2018 - 20:02

    Das Speziapiionierregiment 164 unter Führung von Oberst Gröters übernimmt Gesamtführung des Einsatzes.

    [Quelle? T.W.]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. September 2018 - 20:56

    Quelle, u.a. NOZ, Neue Osnabrücker Zeitung Vom 21.09.18
    „Aus Husum sind am Donnerstagabend erste Kräfte des Spezialpionierregiments 164 eingetroffen“ (Vorkommando)

    [Dass die Spezialpioniere eingesetzt werden, ist klar, dass sie aus Husum kommen auch – ich habe nicht danach gefragt, sondern nach einer Quelle für die Aussage, dass der Kommandeur des Regiments die „Gesamtführung des Einsatzes“ übernehmen wird. Dann würde mich nämlich auch interessieren, was der für den Katastrophenschutz zuständige Landrat dazu sagt. Bitte genauer lesen. T.W.]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. September 2018 - 21:22

    Aus der Meppener Tagespost: „… Letztere stellten am Freitag allein 782 Einsatzkräfte. Hinzu kamen 421 Angehörige des THW. Am Donnerstagabend um 21.30 sind auch die ersten 35 Soldaten des Spezialpionierregiments 164 aus Husum in Meppen eingetroffen.
    Deren Kommandeur, Oberst Thomas Groeters, hat auch die Gesamtleitung des Einsatzes auf der WTD 91 übernommen.
    Zum/vom Landrat – nichts.
    Wichtig bei o.g. Text: „auf“ der WTD, was nicht identisch mit Gesamtleitung sein muss. Naheliegend aber, eigentlich zwangsläufig, auf einem Bw Gelände führt Truppe, zumal wenn dazu befähigt.

    [Ok, also von „Gesamtleitung des Einsatzes“ durch die Bundeswehr kann nicht die Rede sein. T.W.]

  • Grashüpfer   |   21. September 2018 - 21:23

    Nur mal so zur allgemeinen Einordnung. Die WTD 91 in Meppen gehört zum nachgeordneten Bereich des BAAINBw, u.a. erfolgen da alle möglichen Abnahmeuntersuchungen bei allem was knallt und bumms macht. Dazu gehören auch z.B. Losprüfungen von zu liefernder Munition etc.. Es ist eine zivile Dienststelle in der Bundeswehrverwaltung und kein Truppenübungsplatz. Wenn dort solche Tests stattfinden wie zum Beispiel diese Raketentests von Hubschraubern aus, dann sind an allen Stellen hochspezialisierte und hochprofessionelle Kräfte aller wissenschaftlichen Disziplinen, also aller wehrtechnischen Fachrichtungen, die Kräfte des feuerwehrtechnischen Dienstes der Bundewehr sowie sicherlich auch militärisches Erprobungspersonal, zum Beispiel Testpiloten, am Werk und nicht irgendwelche Hobbyfeuerwerker und Rambos die aus Spaß und Unachtsamkeit das Moor abfackeln wollen. Die besondere Mess-Infrastruktur in Meppen ist ziemlich einzigartig, solche Tests die der Nachweisführung dienen, können nicht einfach an anderen beliebigen Übungsplätzen durchgeführt werden. Noch eine Anmerkungen zu den Bw-Feuerwehren: Die Feuerwehrleute sind im allgemeinen Beamte im feuerwehrtechnischen Dienst, keine Soldaten. Seit der letzten Reform unterstehen die Feuerwehreinheiten – sei es an Flugplätzen, Depots oder auch wie hier an der WTD 91 – alle dem Zentrum für Brandschutz der Bundeswehr.

    Ich würde mir trotz dieser sehr bedauerlichen aktuellen Situation wünschen, dass etwas sachlicher argumentiert wird. Diese Tests im Meppen sind ein wichtiger Teil für die Einsatzbereitschaft der Bw und in vielen Projekten und Lieferverträgen wichtige Meilensteine für eine erfolgreiche Zertifizierung, damit verbunden dann auch der Abnahme und zeitgerechten Lieferung von Waffen, Munition, den Plattformen die damit ausgerüstet sind und so weiter.

    Allgemein befürchte ich, dass dieses Ereignis zu sehr genutzt wird um die Bw allgemein in Misskredit zu bringen. Leider ist in der aktuellen Medienlandschaft für ausgewogen recherchierte Berichterstattung wenig platz.

  • T.Wiegold   |   21. September 2018 - 21:29

    Da es ja zunehmend beliebt zu werden scheint, bei der Berichterstattung über Probleme/Mißstände bei der Bundeswehr den Vorwurf zu erheben, dass die Medien nicht ausgewogen berichten (wahlweise: „Aufreißer unserer links gerichteten Presse“ produzieren, beide Vorwürfe wurden heute in den Kommentaren genannt), um die Bundeswehr in Misskredit zu bringen,dann mal Butter bei die Fische, wie man in meiner Heimat sagt:

    Was von den aktuellen Meldungen ist falsch? Jetzt nicht Kommentierungen etc., sondern ganz konkret: Welche falschen Fakten sind in der Berichterstattung über den Moorbrand aufgekommen?

    Hinweise nehme ich gerne entgegen, so genannte alternative Fakten weniger.

  • Grashüpfer   |   21. September 2018 - 21:42

    Sehr geehrter Herr Wiegold,

    für Ihre Aufarbeitung hier und Ihre Mühen den Sachverhalt neutral darzustellen ziehe ich den Hut, ich bitte für die Irritation um Entschuldigung und bedanke mich für die Möglichkeit in Ihrem Blog zu schreiben. Ich hätte das konkretisieren müssen
    Bei der Internetrecherche habe ich zum Beispiel einen Kommentar im NDR gefunden. Hier ist der Link
    https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Moorbrand-Bundeswehr-agierte-grob-fahrlaessig,moorbrand462.html

    Den finde ich persönlich zum Beispiel unsachlich. Hier wird einfach vorschnell vorverurteilt.

    Ich möchte auch noch einmal betonen, dass ich den Moorbrand nicht toll finde.

  • Auslandsdiener   |   21. September 2018 - 21:46

    Sie suchen Aufreisser und Hinweise?
    Wo sind denn die Worte der Leitung hinsichtlich des Vertrauens in die Führung vor Ort, dass der Leiter WTD korrekt gehandelt hat? Das erinnert wieder an Franco A. und Pfullendorf-möchtegern-Skandal (ich weiss, dass dieser Vergleich nicht gern gelesen wird). Es wird wieder von Schuldigen skandiert, obwohl der Hergang noch gar nicht ermittelt wurde.

    Die Feststellung steht aber schon: BW löst Katastrophenalarm aus. Es klingt einfach in der Berichterstattung so, als ob die in Meppen nach dem dritten Korn einfach wild drauflos ballern. Und Flossi macht wie immer munter mit. „Ernste Fragen“…..

    [Nur zur Sicherheit: Sie vergleichen die Berichterstattung über den Leiter der WTD mit der Berichterstattung über den Fall Franco A.? T.W.]

  • Sailor   |   21. September 2018 - 22:26

    Naja, wenn man sich als stellvertretender Leiter einer WTD (immerhin höherer Dienst) hinstellt und da so einen dümmlichen „hab-ich-auf-wikipedia-gelesen“-Kommentar raushaut, dann brauch man sich über entsprechende Reaktionen seitens der Presse aber auch nicht wundern.

  • Mckenzie   |   21. September 2018 - 22:36

    Quelle zur Einsatzführung NDR Fernsehen N3 Sondersendung 20:15 am heutigen Freitag. Mittlerweile auch ndr.de

  • ThoDan   |   21. September 2018 - 22:38

    Mal dumm gefragt untersteht der Platz in Meppen der BW, ist die WTD91 Teil der BW oder des Ministeriums?

  • Auslandsdiener   |   21. September 2018 - 22:44

    @T.W.: Netter Versuch ;O)
    Ausgangslage 21:29 Uhr: “ dass die Medien nicht ausgewogen berichten (wahlweise: „Aufreißer unserer links gerichteten Presse“ produzieren, beide Vorwürfe wurden heute in den Kommentaren genannt), um die Bundeswehr in Misskredit zu bringen,dann mal Butter bei die Fische, wie man in meiner Heimat sagt:“
    Meine Aussage 21:46 Uhr: „Wo sind denn die Worte der Leitung hinsichtlich des Vertrauens in die Führung vor Ort, dass der Leiter WTD korrekt gehandelt hat? Das erinnert wieder an Franco A. und Pfullendorf-möchtegern-Skandal.“ Das ist Kritik an der Leitung, da mir das Präjudizieren von Fehlern bekannt vorkommt. Bitte nicht die Konjunktion „und […]“ nach Franco A. unterschlagen.

    Zur Berichterstattung: Meines Wissens nach ist der Vorgang in Meppen noch nicht ausermittelt. Man rufe nun einmal g**gle news auf mit dem Stichwort Meppen auf. Die Schlagzeilen sind mehr als eindeutig.

    Sollte man bei „Berichterstattung über Probleme/Mißstände bei der Bundeswehr“ nicht erst einmal abwarten, ob es im jeweiligen Fall Probleme/Mißstände bei der Bw gibt?
    Ich habe Ihre Aussage auf „Presse allgemein“ bezogen, da dies m.E. die Frage Ihrerseits war.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. September 2018 - 23:03

    @HAZ
    Alarmierung am Freitagabend: Rund 120 Kräfte der Feuerwehren aus der Region Hannover rücken nach #Meppen aus

  • Tim K.   |   21. September 2018 - 23:04

    @grashüpfer (Beitrag 21:23 Uhr)

    Mit Ihrem ersten Absatz gehe ich d`àccord: Dort sind Spezialisten tätig, die wissen, was sie tun und keiner hat den Moorbrand vorsätzlich gewollt. Soweit, so gut.

    Wenn die Tests für die Einsatzbereitschaft so wichtig und/oder z.T. Meilensteine für eine erfolgreiche Zertifizierung sind, gehe ich davon aus, daß sie zu einem Zeitpunkt X zwingend durchgeführt werden müssen. Das bedeutet, ich benötige ein Erprobungsgebiet, in dem ich an 365 Tagen im Jahr schießen kann, egal ob im Juni ein halber Meter Schnee liegt oder im Dezember 30 Grad Celsius herrschen.

    Dann muß ich sagen, hat im aktuellen Fall irgendjemand vom Projektteam bei der Planung gepennt. Bei einem Moor muß ich nämlich damit rechen, daß es auch mal trockenfällt und ich keine Schießübungen vornehmen kann. Da war die Risikobewertung mangelhaft, denn ein Ereignis, das einen Meilenstein kippen kann, ist grundsätzlich als ein hohes Risiko einzustufen. Und ein verschobener Meilenstein beeinträchtigt ein Projekt erheblich, kann es sogar kippen lassen.

    Der Verweis auf die Wichtigkeit rechtfertigt nicht das Hinwegsetzen über Vorschriften oder den gesunden Menschenverstand. Das erinnert mich sehr an die Argumentation der NVA, die sich mit dem Verweis auf den Erhalt des Weltfriedens über Vorschriften hinwegsetzte oder das Übertreten damit rechtfertigte.

  • T.Wiegold   |   21. September 2018 - 23:13

    @Auslandsdiener

    Das mit dem „netten Versuch“ gebe ich gerne zurück:

    Sollte man bei „Berichterstattung über Probleme/Mißstände bei der Bundeswehr“ nicht erst einmal abwarten, ob es im jeweiligen Fall Probleme/Mißstände bei der Bw gibt?

    Nee, kann ich mir im Fall des Moorbrandes gar nicht vorstellen. Das wird auch der Ministeriumssprecher falsch verstanden haben.

  • justanick   |   21. September 2018 - 23:28

    2018 ist/war ein extrem trockener Sommer. So trocken wie noch nie, und damit leicht jenseits aller praktischen Erfahrung. Selbst mit nur Allgemeinbildung weiß man zudem, dass Torf brennt – es werden ja sogar in verschiedenen Regionen Torfbriketts hergestellt und noch heutzutage zum Heizen genutzt. Zudem weiß man, dass Torfbrände in die Tiefe gehen und schwer zu löschen sind. Vor nur wenigen Jahren gab es große, lang anhaltende Brände in Mooren in der Nähe von Moskau, die es auch in die deutschen Nachrichten geschafft hatten, wo genau diese Schwierigkeit auch akzentuiert wurde. Wenn man nun annimmt, dass die Behauptung, bei der WTD gäbe es Experten, zutrifft, dann muss dies als bekannt vorausgesetzt werden. Dann fragt man sich doch, warum man als Ziel, wenn denn unbedingt geschossen werden muss, nicht irgendwo ein Stück Sand (bekanntlich nicht brennbar) auftreibt – sondern in Torf ballert. Das ist Russisch Roullete, allerdings mit 5 Patronen in der Trommel. Ich gebe zu, dass ich keine Kenntnis zum Wiedervernässungsgrad dieses konkreten Moores habe, aber selbst intakte Moore waren in diesem Sommer ****trocken. Und die Bilder deuten eher auf Trockenheit hin, und davon ganz viel.

  • butzelwutz   |   21. September 2018 - 23:33

    Zur fehlerhaften Berichterstattung: Wie oft wurde von Übungsgelände oder Übung berichtet, bei der von Soldaten eine Rakete abgefeuert wurde? Das hat der niedersächsische Ministerpräsident aufgegriffen und es steht sogar in der New York Times.

    [Nun gut, wenn Sie diese Maßstäbe anlegen und auch die Aussagen eines Ministerpräsidenten als „fehlerhafte Berichterstattung“ den Medien anlasten, weil die Rakete nicht von Soldaten, sondern von jemand anderem abgefeuert wurde… dann wird es natürlich eng. Spaßeshalber könnte ich den gleichen Maßstab mal an jede offizielle Aussage von Bundeswehr und Ministerium anlegen… T.W.]

  • klabautermann   |   22. September 2018 - 0:01

    Na ja, bei einem Munitionstest kann es ja auch vorkommen, dass der Raketen-Spreng-/Treibsatz eben nicht wie erwartet „funzt“; und dann liegt das Brand-Risiko am Ende dieses Dürresommers in einem Moorgebiet u.U. außerhalb der Standardbewertungsparameter.
    Wenn dann noch Sicherheitsredundanzen ausfallen und diese nicht nach dem Motto „klotzen, nicht kleckern“ so rasch als möglich durch Inanspruchnahme externer Unterstützung (Feuerwehr/THW)) kompensiert werden, dann nimmt der GAU eben seinen Lauf. Und das ist imho der eigentliche Skandal, dass man 14 Tage diesen Brand quasi unter einer internen, lokalen Brandschutzdecke gehalten hat, die schon am Tag 1 offensichtlich viel zu klein gewesen ist. Professionelle Schadensbegrenzung sieht anders aus – ganz abgesehen davon, dass der „hoch priorisierte“ Test wohl kaum auswertbar und somit der Schaden für die BW noch viel größer ist als der Brand an sich. Eigentlich also ein Doppel-GAU

  • Milliway   |   22. September 2018 - 0:18

    @ Schnellmerker | 21. September 2018 – 19:58

    Zitat : „nur mal am Rande bemerkt oder vielmehr die Frage an diejenigen gestellt, die hier nach Löschflugzeugen rufen…..Wo soll dieses in Deutschland von statten gehen können ?“

    Mit der genauen Typen Bezeichnung ( IL-76 ) eines verfügbaren Flugzeug habe ich von vornherein eine Canadair CL-415 oder Berijew Be-200 oder ähnliches Löschgerät, das ein großes Gewässer benötigt ausgeschlossen.

    Der Flugplatz FMO (Münster/Osnabrück) liegt nur ein paar Flugminuten entfernt, dort können die Maschinen per Tankwagen befüllt werden und zur Effizienzsteigerung können noch Chemikalien beigemengt werden.
    Dieses Verwahren wird in den USA aktuell mit der C-130, B.747 und DC-10 erfolgreich angewendet.
    (In Flugzeugforum / Threads ARMY 2018 Beitrag #64, #136 Ansichtsbilder von vorgeschlagen Gerät )

    Aktuell übernimmt die Natur die Brandbekämpfung, da es in der Region seit 4 Stunden regnet.

  • Koffer   |   22. September 2018 - 0:54

    @ADLER | 21. September 2018 – 18:53
    „Der Dienststellenleiter gehört mit seinem Sicherheitsbeauftragten sofort wegen grober Fahrlässigkeit vor Gericht.“

    1. aus der Ferne und ohne Sachkenntnis des Falles sollte man mit solche. aussagek vorsichtig sein.
    2. zumal der „Sicherheitsbeuaftragte“ ja nunmal gar nichts mit denn Fall zu tun hat.

    @ThoDan | 21. September 2018 – 22:38
    „Mal dumm gefragt untersteht der Platz in Meppen der BW, ist die WTD91 Teil der BW oder des Ministeriums?“

    Nein, ja, nein.

  • Elahan   |   22. September 2018 - 8:34

    @Auslandsdiener

    „Sollte man bei „Berichterstattung über Probleme/Mißstände bei der Bundeswehr“ nicht erst einmal abwarten, ob es im jeweiligen Fall Probleme/Mißstände bei der Bw gibt?“

    Der war gut :-)

    1. Nein sollte man nicht, denn das wäre das Ende der Pressefreiheit
    2. Wer würde feststellen, dass es im jeweiligen Fall Probleme/Mißstände bei der Bw gäbe?
    3. Da Fremdverschulden wohl offensichtlich ausgeschlossen gint es wohl in diesem Fall Probleme/Mißstände bei der Bw, sonst wäre es nicht passiert.

  • Reservist   |   22. September 2018 - 8:35

    Laut der Bundeswehr in Niedersachsen sollen heute ab 11 Uhr Transporthubschrauber des Typs CH-53 Löscheinsätze fliegen. Zusätzlich werden ab 15 Uhr Aufklärungs-Tornados eingesetzt, welche die Glutnester im Moor sichten sollen.

    [Der Link zur Quelle, FB-Seite der Bundeswehr in Niedersachsen:

    https://www.facebook.com/Bundeswehr.Niedersachsen/photos/a.1057459390942013/2068425979845344/?type=3&theater

    Das dürfte ungefähr zeitgleich mit dem Besuch der Ministerin sein? T.W.]

  • Mausschubser   |   22. September 2018 - 8:46

    @Grashüpfer: in diesem Fall haben es die Experten mächtig verk…. Da müssen sich diese schon die Frage gefallen lassen, warum man in dieser Situation nicht (bildlich gesprochen) mit ausgerolltem Löschschlauch und ausreichend einsatzbereiten Brandbekämpfungsmitteln bereit steht. Aus meiner Sicht hätte man bei einer gewissenhaft durchgeführten Gefahrenanalyse schon darauf kommen können, dass man in dieser speziellen Situation mehr tun muss , als die Vorschrift sonst verlangt. Die Lage würde sich der Bevölkerung anders präsentieren, wenn alle Löschfahrzeuge an diesem Tag einsatzbereit und der Einsatz von Verstärkung geplant gewesen wäre. Einfach nur Vorschriften abzuarbeiten, dafür benötigt man keine Experten.

  • Hans Dampf   |   22. September 2018 - 9:58

    Jetzt haben wir neben 82 Millionen Nationaltrainern, Polizeipräsidenten und Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz auch 82 Millionen Leiter einer WTD, die das ganze aus der Nachschau und aus dem heimischen Sessel heraus beurteilen.
    Es wird auf zwei Ebenen diskutiert und diese auch gern vermengt.
    1. „Wie können diese Trottel im Moor ohne Feuerwehr Raketen verschießen“
    Die WTD ist dort, wo sie ist, schon seit 1957 (bzw. Vorgänger seit 1876). Jetzt sind alle totaaaaal überrascht, dass das Testgelände in einer Moorlandschaft liegt. Es war also nicht der erste „Raketen“-Test auf diesem Gelände im Sommer. Es stand ein Löschfahrzeug bereit, das ausgefallen ist. Sch*** passiert. Nun kommen die Schlaumeier und faseln von Redundanz. Was heißt das? Zwei Fahrzeuge einsatzbereit? Drei? Vier? Hier ist die Vorschriftenlage maßgeblich, die mir nicht geläufig ist. Und der Masse der Kommentoren wohl auch nicht, nehme ich an. Was wohl auch niemand weiß ist, ob diese Tests zwingend durchgeführt werden mussten, z.B. um einen Meilenstein abzuarbeiten, einen Vertrag zu vergeben, Gelder freizugeben etc. pp
    2. Das Krisenmanagement ist schlecht.
    Kann man wohl so sehen, ja. Aber auch hier: hinterher ist man immer klüger. Hätte man gewusst, dass das ganze solche Ausmaße annimmt, hätte man vermutlich früher/anders reagiert.

    Insofern: natürlich kann niemand der Presse des Zeitpunkt eines Berichtes diktieren oder den Inhalt eines Kommentars. Über den angesprochen Kommentar vom NDR bin ich auch gestolpert und der erscheint mir doch sehr wohlfeil…

  • Zulu1975   |   22. September 2018 - 10:07

    @ADLER | 21. September 2018 – 18:53

    der Sicherheitsbeauftragte, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Brandschutzbeauftragte haben generell keine Weisungsbefugnis ( § 8 Arbeitssicherheitsgesetz ) sondern ausschließlich eine beratende Funktion. Sollten diese den Dienststellenleiter richtig beraten haben, der wiederum die Beratung ignorierte ( kommt leider sehr häufig vor ) hat der Staatsanwalt seine Freude. Bitte keine Vorverurteilungen ohne ( Fach ) -Kenntnisse

    Grüße Zulu1975

  • Zimdarsen   |   22. September 2018 - 10:37

    Wenn ab heute Transporthubschrauber des Typs CH-53 Löscheinsätze fliegen, dann sind sie wohl eine Hilfe.

    Wenn sie heute eine Hilfe sind, dann Frage ich mich warum nicht schon vor 14 Tagen?

    Da ist doch was faul!

  • samy   |   22. September 2018 - 10:49

    Hätte man nicht schlauer sein können? Vor 8 Jahren hatten wir ein ähnlich heißes Jahr und ebenfalls intensivere Moorbrände. Angeblich dauerten die Brände drei Monate (finde den Link gerade nicht). Lessons learned?

    Sollte man dann nicht für die Zukunft grundsätzlich die Frage aufwerfen, ob die Moorlandschaft noch für jede Munition als Testgelände geeignet ist. Ist die Hitzeentwicklung der Munition von heute mit der seit 1876 vergleichbar? Führt die Bundeswehr (und Vorgänger seit der Kaiserzeit) über Brände in Moorlandschaften Statistiken? Wenn neue Raketen zu Testzwecken von Hubschraubern verschossen werden, dürften die dann panzerbrechend sein? Wenn neue Raketen durch moderne Panzerungen am besten wie „durch Butter“ gehen sollen (welchen Sinn macht es denn sonst neue Raketen zu testen?), welche Hitze ensteht dann heuzutage und wie weit dringt die Hitze/das Geschoss in den Moorboden ein?

    Wieviel 1000 Grad in welcher Tiefe Moorboden?

    Also mal ganz grundsätzlich gefragt?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. September 2018 - 11:07

    @Zimdarsen
    „… warum nicht schon vor 14 Tagen?“
    Weil
    – entweder nicht angefordert in der Annahme, läuft auch so, oder
    – keine Maschinen/Besatzungen mit Löschausstattung verfügbar.

  • Memoria   |   22. September 2018 - 11:10

    Solche außergewöhnlichen Ereignisse geben immer wieder Einblicke in die Leistungsfähigkeit von Großorganisationen.

    Insbesondere Großkonzerne und Behörden sind oftmals nur unzureichend in der Lage auf eine solche Krise zweckmäßig und schnell zu reagieren, da Zustandigkeiten stark verteilt sind und Entscheidungen zumeist sehr weit oben getroffen werden.

    Notwendig ist in solchen Fällen ein schneller Wechsel aus dem Normalmodus in die „Sonderlage“. Dazu genügt es auch nicht einen Krisenstab einzuberufen. Es erfordert vorallem Führung – jedoch muss auch die Kultur der Organisation dies ermöglichen.

    Insgesamt ist das ganze kein Vorzeigebeispiel für ZMZ/I – zumal die Bundeswehr ja skeptisch ist, wenn ein Landrat die Lage koordinieren soll.

    In diesem Fall hatte die Bundeswehr völlig freie Hand.
    Wertvolle Zeit verstrich jedoch. Die oben skizzierten Rahmenbedingungen im Krisenmanagement sind in der Bw eben auch nur sehr bedingt gegeben. Schon organisatorisch müssten WTD 91, BAAINBw, BAIUD, Kdo SKB, Kdo TA, LKdo Nds, etc zusammenarbeiten. Theoretisch gebündelt im Kdo SKB.

    Man kann nur hoffen, dass wie von der Ministerin angekündigt, eine Untersuchung stattfindet. Diese sollte sich aber weniger darauf beschränken,welcher Prüfingenieur vielleicht etwas vorab falsch eingeschätzt hat, sondern warum die Bundeswehr insgesamt erneut zu schwerfällig im Handeln und kommunizieren war.

  • Memoria   |   22. September 2018 - 11:13

    Noch ein Nachtrag: bei der Auswertung kann man sich ja auch nochmal anschauen was man nach dem letzten großen Moorbrand in der Region gelernt hat:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Brand_in_der_L%C3%BCneburger_Heide

    Danach wurde der gesamte Ansatz des Katastrophenschutzes verändert.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. September 2018 - 11:57

    @Memoria   |   22. September 2018 – 11:13
    Herzlichen Dank.Ein richtig Guter!
    Bei dem Brand bekam der Kdr PzLBrig 9, BrigGen Frhr von Rodde das Kommando, schnallte sich alles was THW und Feuerwehr war unter, einschließlich Tle Royal Army.
    Der BrigGefStd war nahe ESCHEDE aufgebaut und das Brandgebiet als Gefechtsstreifen wie in Verteidigungsoperationen gegliedert.
    WAR TATSÄCHLICH SO!
    Als junger Lt führte ich eine Kompanie, nach einer Woche erfolgte die Ablösung durch die PzPiKp der Brig.
    USW.
    Einsatz erfolgreich, tolle Aufnahme seitens der Bevölkerung.
    Ein gewisser Ernst Albrecht, Vater von UvdL, verteilte Auszeichnungen. Der Kreis schließt sich?

  • Zimdarsen   |   22. September 2018 - 12:02

    @Klaus-Peter Kaikowsky

    – entweder nicht angefordert in der Annahme, läuft auch so, oder

    ….und wenn angefordert wurde?

    – keine Maschinen/Besatzungen mit Löschausstattung verfügbar

    ….Lfz und Besatzungen gibt es immer (CH53 und NH90) man muss dann nur anders priorisieren.