Noch mal Wehrpflicht: Wehrbeauftragter für freiwilligen Dienst nach Musterung

Die Debatte über ein Wiederaufleben der Wehrpflicht und/oder eine allgemeine Dienstpflicht, die die CDU mitten im Sommerloch angestoßen hatte, ist zwar schon wieder abgeebbt. Interessant ist dennoch der Vorschlag, den der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, (wieder) aufgegriffen hat: Ein freiwilliger Wehrdienst nach obligatorischer Musterung. Allerdings, das sagt Bartels selbst, ist das keine schnelle Lösung für heute.

Der Wehrbeauftragte machte den Vorschlag in einem Interview der kommende Woche erscheinenden Ausgabe der Wochenzeitung Das Parlament des Deutschen Bundestages:

Praktikabel wäre heute allenfalls eine Auswahlwehrpflicht, wie sie bereits im Jahr 2000 von der Weizsäcker-Kommission vorgeschlagen wurde, und wie sie nun in Schweden eingeführt wird. Das heißt, jeder Wehrpflichtige wird gemustert und dann befragt, ob er den Wehrdienst leisten möchte. Von den Tauglichen und Willigen werden dann so viele gezogen, wie der Personalbedarf der Streitkräfte erfordert.

Das wäre natürlich keine Wehrpflicht im herkömmlichen Sinne, aber aus Sicht des Wehrbeauftragten sinnvoller als die Reaktivierung des ausgesetzten Pflichtdienstes: Dafür gibt es keine militärischen Strukturen mehr, keine Ausbilder, keine Ausrüstung und keine Unterkünfte. Mal ganz abgesehen von den veränderten Aufgaben. Dennoch hätte dieser freiwillige Dienst nach allgemeiner Musterung aus Bartels‘ Sicht einen Vorteil gegenüber dem heutigen reinen Freiwilligenmodell: Es macht einen Unterschied, ob man auf dem freien Markt werben und rekrutieren muss, oder ob ein ganzer Jahrgang von Wehrpflichtigen nach der Musterung vor die Entscheidung gestellt wird, ob man Dienst leisten will oder nicht. 

Allerdings sei diese Überlegung, die schon vor knapp einem Jahrzehnt – vor Aussetzung der Wehrpflicht – schon die so genannte Weizsäcker-Kommission vorgeschlagen hatte, derzeit Theorie, räumte der Wehrbeauftragte ein. Aktuell komme es darauf an, den Dienst in der Truppe möglichst attraktiv zu machen: Stichworte: gute Ausrüstung, Vereinbarkeit von Dienst und Familie, Pendlerfreundlichkeit.

Die ebenfalls in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Überlegungen, EU-Ausländer (und nur um die ging es bisher, ungeachtet mancher merkwürdigen anderslautenden öffentlichen Kritik) für die Bundeswehr anzuwerben, sieht Bartels skeptisch – aber nicht aus rechtlichen Gründen. Bereits jetzt könnten ja ausländische EU-Bürger in der Bundespolizei und in fast allen Länderpolizeien deutsche Beamte werden. Das Problem sei dann aber die Konkurrenz in der EU: Allerdings sollte man sich beim Militär in Europa nicht gegenseitig das Personal abspenstig machen, wenn etwa in einem anderen Land noch die Wehrpflicht besteht.

Ein Teil des Personalmangels in bestimmten Verwendungen der Bundeswehr ist aus Bartels Sicht allerdings auch hausgemacht:

Wenn man eine neue Verwendungsreihe wie zum Beispiel die Kampfretter der Luftwaffe schafft, dann stehen die bei der Personalgewinnung in Konkurrenz zu anderen infanteristischen Spezialverwendungen. Die Bundeswehr muss aufpassen, dass sie nicht zu viele zu spezielle Verwendungen ausplant, sonst wird sie am Ende in jeder einzelnen mit Personalmangel kämpfen. Besser wäre eine mehrrollenfähige Ausbildung in weniger Verwendungsreihen.

(Das Interview wurde am heutigen Freitag vorab im Wortlaut veröffentlicht)

(Foto: Rekruten des Panzergrenadierbataillons 401 in Hagenow bei der Grundausbildung im Juli 2018)

51 Kommentare zu „Noch mal Wehrpflicht: Wehrbeauftragter für freiwilligen Dienst nach Musterung“

  • Pio-Fritz   |   17. August 2018 - 11:28

    Alle Vorschläge, die die politische Führung seinerzeit nicht wollte kommen jetzt wieder auf den Tisch. Nur mit dem Unterschied, das alle für die Umsetzung nötigen Strukturen zerschlagen wurden (angefangen bei den Kreiswehrersatzämtern). Das würde nicht einfach werden, so etwas umzusetzen. Und wir wären dann doch bei der Einsatz- und der Territorialarmee, denn in den Einsatz können die freiwillig Wehrdienstleistenden nicht.

    Und was die Verwendungsreihen angeht, das sind strukturelle Probleme, die die Bundeswehr selber geschaffen hat (z.B. Hubschrauber z.T. zur Lw, z.T. zum Heer). Da müssen ein paar Entscheidungen korrigiert werden, über die hier in AG auch schon diskutiert wurde.

  • Gezi 3./SanBtl 6   |   17. August 2018 - 11:49

    Das Sommerloch wird flacher. Ich denke das war lediglich ein Testballon, um die allgemeine Lage zu checken.
    Ähnlich wie der MP Günther mit seinem Vorstoß Richtung Linkspartei und der darauffolgenden Redaktion eines hessischen CDU Kreisverbandes Richtung AfD.

    Die Strukturen für eine wie auch immer geartete Dienstpflicht sind nicht mehr gegeben und ein Aufbau unverhältnismäßig teuer.

    Sommerloch….

  • Wieso überhaupt   |   17. August 2018 - 12:03

    Genau vor zwei Jahren gab es die gleiche Debatte. Ich weiß nicht was das bringen soll. Es ist total absurd, weil es überhaupt nicht finanzierbar ist und es die derzeitige Struktur überhaupt nicht hergibt.

  • Escrimador   |   17. August 2018 - 12:08

    Verwandte Verwendungsreihen schienen mir bisher immer ausreichend durchlässig, wenn es im Interesse des Dienstherren lag. Wenn das Defizit in der Summe über verwandte Verwendungsreihen besteht wird durch weniger Verwendungsreihen nichts besser. Dass die Lw nicht vor jedem Kampfrettungseinsatz beim Heer um Kampfretter betteln möchte ist auch klar.

    Ob die obligatorische Musterung tatsächlich einen Vorteil bezüglich der Verpflichtung bringen kann scheint mir fragwürdig. Man müsste trotzdem weiter werben, denn der Gemusterte hätte durch die Musterung nur das Erlebnis: war beim Arzt, habe erfahren das es eine Bundeswehr gibt.

    Der Wehrbeauftragte sollte sich um seine originären Aufgaben kümmern (Hüter von Grundrechten der Soldaten und Grundsätzen der Inneren Führung). Da scheint er mir nur mäßig erfolgreich (Einhaltung der Richtwertvorgaben im Beurteilungssystem).

  • pirat77   |   17. August 2018 - 12:36

    @wieso überhaupt
    Ich finde Ihren Kommentar wenig hilfreich. Was finanzierbar ist oder nicht hängt vom politischen Willen ab.
    Wichtig ist, dass mit dem Ziel von ständiger Anpassung und Verbesserung Debatten geführt werden. Da bringen Oberbedenkenträger wenig, die nur wissen, was nicht geht.

  • Forodir   |   17. August 2018 - 12:40

    Wieso soll das nicht bezahlbar sein? Der Apparat der dazu benötigt wird ist nicht mehr so groß wie zum Kalten Krieg und wir reden ja nur von einer Pflichtmusterung. Danach kann der Bürger ja entscheiden ob er will oder nicht. Das das von heute auf morgen nicht geht ist schon klar aber ein bisschen Geld sollte die Verteidigungspolitik schon einen wert sein.

  • Les Grossmann   |   17. August 2018 - 13:53

    Ob ich für Musterungen eine neue „alte“Struktur brauche?
    Vielleicht ginge es so,
    Jeder 16 Jährige, gleich welchem von 3 Geschlechtern, erhalten einen „Musterungsbogen“ vom Einwohnermeldeamt. Damit geht man zum Hausarzt, der macht den Check und eröffnet die Tauglichkeitsstufe. Mit dieser geht der Interessent auf eine Webpage und informiert sich, was so ginge. Falls er Lust hat ->Karrierecenter.
    Ansonsten siehe oben, Sommerloch.

  • Edgar Lefgrün   |   17. August 2018 - 14:15

    Wäre ich damals beim KWEA gefragt, ob ich Wehrdienst leisten will oder nicht, ich hätte abgesagt, denn ich wäre nach Beendigung meiner Ausbildung von der Firma übernommen worden.

    So aber wurde ich eingezogen, während der Grundausbildung begann ist mir zu gefallen, wurde gefragt ob ich Z2 machen möchte. Es gab erstmal einen Abschlag des Juligehaltes auf die Hand, den Eest Anfang August aufs Konto, soviel Geld hatte ich noch nie. Die zukünftige Verwendung als Weitverkehrsspezialist kam meinem Hobby Funkamateur nahe. Es war für mich attraktiv.

    Für künftige Musterungen müssten wohl erst Strukturen geschaffen werden, gebaut oder genietet, Personal dafür eingestellt, Ärzte, Helfer. Büropersonal, ich zweifle an der Machbarkeit und Finzierbarkeit. Ob es dafür mehr im EP14 gäbe? Nach meiner Erfahrung zweifle ich mal daran.

  • Escrimador   |   17. August 2018 - 14:27

    @pirat77
    Das Wissen darum, was nicht geht, sollte nicht verachtet werden. Wenn mehr Menschen wüssten, was nicht geht, wäre uns manche Fehlentscheidung erspart geblieben.
    Davon zu trennen ist die falsche Behauptung, dass etwas nicht geht. Die sollte sich aber widerlegen lassen.
    Der politische Wille besagt, 2% Verteidigungsausgaben sind ein Ziel, dass nicht unbedingt erreicht werden muss. Vor dem Hintergrund sind Bedenken wohl berechtigt.

  • pirat77   |   17. August 2018 - 14:50

    Ob jetzt der Hausarzt untersucht, oder ein Vertragsarzt finde ich zunächst nicht wichtig. Das Gute au dem Vorschlag ist meiner Meinung, daß es ein grundlegend funktionierendes System für einen Aufwuchs gibt. Ich kann zum einen nicht sagen die Wehrpflicht ist nur ausgesetzt, dann aber alle grundlegenden Strukturen abschaffen.

  • SvD   |   17. August 2018 - 15:05

    @Les Grossmann

    Der Hausarzt bekommt dann 25 Euro dafür und muss ne halbe Stunde oder mehr Zeit investieren.
    Die Ärzte werden begeistert sein und erst die anderen Patienten, die deswegen nicht mehr zum Arzt kommen. Wir haben einen Ärztemangel, weil wir zu wenige Studienplätze haben und seit bald 50 Jahren mit dem Numerus Clausus den Mangel verwalten.

    Außerdem hat der Staat schon immer eigene Ärzte behabt um Untersuchungen durchzuführen oder aus Befunden ein Gutachten zu erstellen. Bei denen wurde auch massiv abgebaut.

    @pirat77
    Bedenkenträger?
    Die Politik ist unfähig etwas neues zu schaffen. Wir sehen seit quasi 30 Jahren nur einen Abbau und Raubbau am Staat.

  • ede144   |   17. August 2018 - 15:38

    @ Les Grossmann

    16 Jahre für die Musterung ist zu früh. Wenn dann mit 18 oder 20 Jahren. Dann ist die Lebensplanung etwas solider und man vermeidet die Lücke zwischen „ich muss drüber nachdenken und wenn ich will, warte ich zwei Jahre“
    Und zusätzlich vermeidet man den Vorwurf der Linken man beschäftigt Kindersoldaten.

  • Trevor faith   |   17. August 2018 - 15:59

    „Genau vor zwei Jahren gab es die gleiche Debatte. Ich weiß nicht was das bringen soll. Es ist total absurd, weil es überhaupt nicht finanzierbar ist und es die derzeitige Struktur überhaupt nicht hergibt.2

    Früher ging es doch auch. Strukturen kann man übrigens ändern oder neue Einführen. Das machen wir bereits 1990. Erfahrung ist also vorhanden.

  • kvogeler   |   17. August 2018 - 17:02

    Ich wäre absolut dafür, eine Dienstjahr für die Gemeinschaft einzuführen.
    Bevor aber die existierende BW nicht erstklassig ausgerüstet ist mit einer Verfügbarkeit von min. 80% für alle Geräte und Reserven für mden Fall, dass diese Geräte einmal auch ausserhalb von Manövern gebraucht werden sollten, haben Wehrpflichtige beim „Bund“ nichts zu suchen.

  • Les Grossmann   |   17. August 2018 - 18:37

    @SvD
    Danke für den Beitrag, wären denn 26 € genug? Und braucht es jetzt auch wieder einen Kaiser, den hatte es früher auch?
    Ich hatte lediglich überlegt, wie man etwas unkompliziert machen könnte, aber wie Andere schon schrieben, geht nicht weil …, das funktioniert bei Vielen hier, Schade.

  • Personaler   |   17. August 2018 - 19:26

    Zu aller erst: ich pflichte den anderen bei. Es ist eine reine Sommerloch-Aktion.
    Trotzdem sehe ich in der Bewertung des Wehrbeauftragten einen entscheidenden Punkt. Die Bundeswehr wird zu „speziell“. Das ist gerade im Bereich der Nachwuchswerbung (egal ob als Pflichtdienst erzwungen oder freiwillig) suboptimal. Gerade Menschen mit etwas tiefergehenden IT-Kenntnissen stehen oft vor einer großen Bandbreite an möglichen Verwendungen. Und da mittlerweile immer mehr Vorkenntnisse gewünscht werden, weil man ja spezialisierte Soldaten haben will, vergisst man die motivierten – die gerne etwas lernen würden aber weil ja die Vorkenntnisse fehlen nicht lernen dürfen.
    Das geht soweit, dass ich z.B. aus ungelernten Soldaten keine PersUffze mehr machen kann. Er hat ja keinen Kaufmännischen Beruf vorzuweisen.
    So etwas würde der „Auswahlwehrpflicht“ den Erfolg nehmen.
    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Musterung selbst nie hätte aufgegeben werden dürfen. Es steht einer (möglichen) Wiedereinsetzung der Wehrpflicht deutlich entgegen. Und Pflichten sollte der Staat von seinen Bürgern auch weiter fordern dürfen. Hier als Pflicht zur Wehrtauglichkeitsuntersuchung. Allerdings gleichberechtigt für alle möglichen Geschlechter.

  • pirat77   |   17. August 2018 - 19:50

    @SvD
    Könnten Sie dies etwas näher beleuchten?

    @Escrimador
    Wie genau kommen Sie darauf, dass 2% politischer Wille sind? Und schreiben Sie bitte nicht NATO Gipfel

  • Matthias Hake   |   17. August 2018 - 21:55

    @ede144 „yep“
    @Trevor faith „das ist fast dreizig jahre her, die ist nicht mehr vorhanden“
    @jkvogeler „sollte es notwendig sein – wollen wir bei vorhandenen kräften mit 80% starten?“
    @SVD „das sagen sie mal der industrie, großunternehmen und dem mittelstand bzgl der bezahlung und steuern – und es sind nicht „nur“ die großen unternehmen die mit politischem einfluss dafür sorgen das arbeitnehmer die kosten dieses staates bezahlen“
    @Gezi 3./SanBtl 6 „vermutlich treffen Sie es auf den Kopf, den Nagel“
    und mehr gibt es dazu nicht zu sagen – zu diesem thema. weg ist hin und hin ist weg – man wollte es so. besonders die die nominell immer für die wehrpflicht eingetreten sind.

    übrigens heutige Reservisten, oder die die „überleben“ wollten, „verdienen“ ein üppiges Gehalt – ob es ihren fähigkeiten entspricht, nun ja, ich wage es mal zubezweifeln.

  • wieso überhaupt   |   17. August 2018 - 21:59

    Vielen Dank, dass mein Beitrag doch etwas zur Disskusion beigetragen hat.

    Nun möchte ich doch zu einigen Kommentaren durchaus Stellung beziehen und gewisse Hintergründe erklärt bekommen, wenn möglich und gewollt…selbsterklärend.

    1.) @Escrimador; Ihr letzter Absatz – überragendes Argument mit weltklasse Begündung!

    2.) @pirat77; Ob Sie das hilfreich finden oder nicht, sagt erstmal gar nichts aus. Ich begründe meine Aussage mit realen Erlebnissen, in denen ich sehr wohl gesehen und gefühlt habe wie sehr etwas politisch gewollt ist und nicht ging.
    Und diese Debatte steht die Politik nicht durch mit „blenden und niederhalten“!
    Das erfordert einiges mehr an Rückhalt über die gesamte Breite.
    Ich weiß auch nicht was genau Sie mit „ständigen Anpassungen und Verbesserungen“ meinen. Das ist schwer nachzuvollziehen anhand von Tatsachen in den letzten Jahren.
    Oberbedenkenträger gibt es weiß Gott genügend. Leider wird in heutigen Zeiten in unserem Militär so sehr über Dinge nachgedacht, die verteidigungspolitisch und strategisch überhaupt keine alte S** jucken! Das kann man sich nur erlauben, wenn mann keinerlei realen Bedrohung ausgesetzt ist und sich sicher fühlt. Denn nur dann bekommt jeder Gehör der irgendwie die Aussenwirksamkeit verbessert und populär ist…ob diese Menschen am Ende nicht nur mehr Probleme verursachen, als dass sie zu einem besseren Ganzen beitragen, ist völlig wurscht.

    @Forodir; Wieso das nicht bezahlbar sein soll? Verfolgen Sie in irgendweiner Art die Berichterstattung über die desolate materielle Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte?? Da fehlen mir die Worte. Ich glaube Sie sind irgndwie nicht wirklich im Stande zu beurteilen ob es nicht mehr Sinn macht, einem jungen Soldaten eine personell, wie materiell voll aufgestellte Kampfkompanie als militärische Heimat zu bieten, als ihm eine Stube mit WLAN, Deckenfluter und Kühlschrank als Unterkunft zu bieten!
    Das eine führt zu Begeisterung, das andere zu Verweichlichung und Faulheit und schwächt dazu noch die Kameradschaft.

    Zum Verteidigungsetat 2017:

    Personalausgaben: 17 822 030
    Sächliche Verwaltungsausgaben: 6 111 199
    Militärische Beschaffungen, Anlagen usw.: 11 228 090
    Zuweisungen und Zuschüsse (ohne Investitionen): 1 525 049
    Ausgaben für Investitionen: 318 471

    Gesamtausgaben: 37 004 839
    davon flexibilisiert: 5 980 005
    davon nicht flexibilisiert 31 024 834

    Ja, 2018 steigt er auf 42,9. Ich glaube aber kaum, dass die Steigerung für die Einführung einer Dienstpflicht, Wehrpflicht oder sonstigem Schwachsinn vorgesehen sind, weil anders kann man das was die „Wehrpflicht“ mit ihren 9 Monaten Dienstzeit war selbst heute nicht bezeichnen! Ich glaube nämlich kaum, dass am Ende dieser (aus meiner Sicht immernoch obsoleten) Debatte eine Wehpflicht mit ALLEM was dazu gehören SOLLTE, dabei rauskommt…so eine halbgare Sache wie: Bei uns müssen Sie keine Uniform tragen, oder wir suchen keine Helden in Grün—führen ja anscheinend nicht zum Erfolg.

  • wieso überhaupt   |   17. August 2018 - 22:02

    Oh Verzeihung…

    @Trevor faith; Genau…früher ging es doch auch und Strukturen kann übrigens ändern oder Neue einführen…auch da fehlen mir die Worte. Aber Sie scheinen schwer zufrieden gewesen zu sein mit Ihrer Zeit an der Waffe, oder sind es noch, …passt also!

  • ThomasX   |   18. August 2018 - 0:43

    Bartels: „Es macht einen Unterschied, ob man auf dem freien Markt werben und rekrutieren muss, oder ob ein ganzer Jahrgang von Wehrpflichtigen nach der Musterung vor die Entscheidung gestellt wird, ob man Dienst leisten will oder nicht.“

    Stimmt.
    Allerdings wird es viel günstiger am Ende sein, wenn man mehrere xx Millionen in Werbemaßnahmen steckt, als dass man eine komplette Musterung wieder aufbaut und betreibt.
    Für die vielen Millionen Euro pro Jahr (und da hängt ein riesiger Rattenschwanz an jeder einzelnen Musterung dran) könnte man zig Youtube-Serien und Plakate kleben.

    Ich glaube vielen hier und auch Herrn Bartels ist nicht bewusst welche Menge an Menschen jedes Jahr das 18. Lebensjahr vollenden (ca. 700.000 im Durchschnitt).
    Selbst wenn nur Männer gemustert werden sollen und dies über das Jahr verteilt wird, müssen jeden Tag (Montag-Freitag minus Feiertage) 1400 Männer untersucht werden.
    Woher die Ärzte?
    Woher die Personaler?
    Was ist, wenn man zur Untersuchung nicht erscheint? Feldjäger/Polizei?
    Drehen auch nur den ganzen Tag Däumchen?
    Fahrtkosten müssen dann natürlich erstattet werden, aber den Aufwand dahinter sieht niemand.
    Habe ich große Musterungscenter, sind die Fahrtkosten sehr groß.
    Habe ich sehr viele kleine Musterungscenter, ist der Personalaufwand wahnsinnig hoch und ineffizient.

  • Martin   |   18. August 2018 - 0:49

    Ich habe 13 Jahre in den Streitkräften gedient. Ich habe dort ein Ingenieursstudium erfolgreich absolviert. Mit gerade eben 28 Jahren wurde ich Kompaniechef (vergleichbar) und auf einen A11-Posten versetzt, bis zum Ende meiner Dienstzeit. Die Erfahrungen und Kenntnisse aus meiner Militärzeit begleiten und nutzen mir bis heute.

    Ich wundere mich immer wieder, dass es den Streitkräften nicht gelingt, diese Dinge in geeigneter Form werbewirksam einzusetzen.

  • Hohenstaufen   |   18. August 2018 - 8:42

    @SvD: Eine Musterungsuntersuchung durch den Hausarzt wäre kein Problem, jeder Hausarzt führt heute schon die “ Lehrlingsuntersuchungen“ durch. Eine Musterungsuntersuchung läuft kaum anders ab.

  • Sailor   |   18. August 2018 - 10:19

    @Martin

    Das (Personal-)Problem der BW ist (zumindest aktuell) ja auch weniger in der Offizierslaufbahn zu finden, eben gerade weil es dort die von Ihnen beschriebenen Vorteile gibt. (bezahltes Studium etc.)

    Ich denke in vielen Bereichen geht es eher in die von Bartels angesprochene Richtung der immer höheren Anforderungen an viele Dienstposten im Fachdienst in der Fw bzw Uffz Laufbahn.

    Vll sollten die Marine-, Heeres-, Luftwaffen-, etc.-Kommandos mal ernsthaft überprüfen ob es die Masse an Ausbildungen und Lehrgängen die es heutzutage für gewissen Tätigkeiten braucht (zB „IT“-Verwendungen oder in der Lfz-Inst) bzw. ob die Tätigkeiten unbedingt zwingend alle in der Fw-Laufbahn sein müssen , gemessen an der tatsächlichen Arbeitsleistung die dann im Verband gefordert ist.

    Weiterbildung des Personals ist ja grundsätzlich gut, nur muss das alles während der Dienstzeit sein? Dafür gibt es ja den BFD nach der Dienstzeit, den kann man ja auch etwas aufbohren.

    Es bringt dem neuen Personal ja auch nix, wenn man in den ersten 4-5 Jahren seiner Dienstzeit von einem Lehrgang zum anderen tingelt, auf zivilem Meisterniveau ausgebildet wurde um dann im Verband den Rest seiner Dienstzeit teiletauscher auf Gesellenebene ist.

    Eben weil bei neuen Waffensystemen schon aufgrund der Wartungs und Instandhaltungsverträge mit den Herstellern (und des Abbaus der Bw-eigenen Inst-Kapazitäten) gar nix anderes mehr machbar ist.

  • Tim K.   |   18. August 2018 - 10:55

    @Escrimador

    Ihnen gefällt der Wehrbeauftragte offenbar nicht so recht, so vehement, wie sie ihn auf seine vermeintlich einzig zu erfüllenden Aufgaben reduzieren wollen. Warum soll er nicht auch Vorschläge machen dürfen?

    Und bei aller Kritik vvergessen Sie, daß er keine Rechtsmittel hat, um das, was er als verbesserungswürdig erkannt hat, wirksam durchzusetzen. Das sollte ihnen bekannt sein.

  • Edgar Lefgrün   |   18. August 2018 - 11:16

    Besteht oder bestand die Musterung nur aus der ärztlichen Untersuchung? Ich habe da eine dreiköpfige Kommission in Erinnerung vor die trat.

    Musterungsuntersuchung beim Hausarzt? Da bin ich skeptisch bis misstrauisch aus Erfahrung, Erleben.

  • kvogeler   |   18. August 2018 - 16:33

    Ich sehe für die Musterung kein Problem. Durchgeführt wird sie von Amtsärzten und Ärzten der BW.
    Wenn alle gemustert werden, Männchen wie Weibchen, dann sind das 700000 im Jahr.
    Wir haben ca 270 Landkreise mit Kreisstädten und 4 Quartale im Jahr
    Das macht im Schnitt 650 Musterungen im Quartal pro Kreisstadt.
    Wenn wir das nicht mehr organdisiert bekommen …

  • chris   |   18. August 2018 - 19:11

    @kvogeler

    Amtsärzte sitzen ja im Moment aber auch nicht untätig rum.

    Unter dem Strich braucht man jedes Quartal knapp 175000 Untersuchungen die man vorher nicht brauchte.

    Egal wer es macht die Kosten muss die Bundeswehr tragen weil auch wenn es jemand anders macht lässt er sich die Arbeitszeit bezahlen.

  • Wühlmaus   |   18. August 2018 - 19:35

    Einige äußern Bedenken, dass man diese Masse an Untersuchungen gar nicht stemmen kann. Wie hat man es denn in den Babyboomerzeiten geschafft?

  • Alex   |   18. August 2018 - 20:03

    Ich sehe keinen kausalen Zusammenhang zwischen Musterung und der verpflichtenden Entscheidung, nicht den „freiwilligen“ Wehrdienst antreten zu wollen.
    Ebenfalls dürfte EU-Wettbewerb um Polizisten-Anwärter eher zweitrangig sein, die Sprachbarriere und der Einstellungstest wohl das ausschlaggebende Kriterium sein.

  • Forodir   |   18. August 2018 - 21:04

    @wieso überhaupt @
    wenn ich das folgende von ihnen Lese:

    „@Forodir; Wieso das nicht bezahlbar sein soll? Verfolgen Sie in irgendweiner Art die Berichterstattung über die desolate materielle Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte?? Da fehlen mir die Worte. Ich glaube Sie sind irgndwie nicht wirklich im Stande zu beurteilen ob es nicht mehr Sinn macht, einem jungen Soldaten eine personell, wie materiell voll aufgestellte Kampfkompanie als militärische Heimat zu bieten, als ihm eine Stube mit WLAN, Deckenfluter und Kühlschrank als Unterkunft zu bieten!
    Das eine führt zu Begeisterung, das andere zu Verweichlichung und Faulheit und schwächt dazu noch die Kameradschaft.“
    scheint es da nicht weit her zu sein mit der Lesekompetenz. MEIN Beitrag war das es sehr wohl bezahlbar ist wenn dazu der Wille da wäre, was immer sie da hineininterpretiert haben. Ich bin sehr wohl imstande die materielle Einsatzbereitschaft zu Bewerten da ich sie im Gegensatz zu anderen (ihnen?) hier jeden Tag Leben muss.

  • Auslandsdiener   |   18. August 2018 - 22:01

    Schweden könnte in der Trockenheit der Analyse ein Vorbild sein.
    a) Funktioniert die Berufsarmee: nein, nicht genug Nachwuchs
    b) Es besteht Handlungsbedarf
    c) Wehrpflicht nach Musterung
    Ich finde diesen „Dreisatz“ verblüffend einfach und richtig.

    Frage: Wenn Schweden das schafft, warum Deutschland nicht? Ja, es kostet Geld. Ja, es geht nicht von heute auf morgen. Das Ergebnis aus a-c ist aber deutlich!

  • ede144   |   19. August 2018 - 12:12

    @Auslandsdiener

    Ihrem Beitrag ist nichts hinzuzufügen.

  • marvin   |   19. August 2018 - 12:26

    @Auslandsdiener: In Schweden wurde aber zuerst überlegt ob die Nachwuchsprobleme mit der Wehrpflicht behoben werden können. Es geht unter anderem darum, Zugführer und Soldaten für die 22.000 Mann starke Heimwehr(Reserve) zu gewinnen. Und erstmal werden auch nur Soldaten eingezogen, die sich nach der Musterung freiwillig melden.

    In der deutschen Debatte kam von militärischer Seite bis jetzt eigentlich immer die Aussage, dass der Bundeswehr nicht mit der Wehrpflicht geholfen werden würde und sogar eine Belastung sei.

    Also ganz so einfach wie Sie das darstellen (nicht genug Nachwuchs->Wehrpflicht->Problem gelöst) ist es nämlich nich.

  • Zimdarsen   |   19. August 2018 - 13:12

    @Auslandsreise

    Noch ein paar Fragen mehr ;-)

    d) Warum fehlt uns Nachwuchs?
    e) In welchen Bereichen fehlt uns Nachwuchs?
    f) Fehlen uns Kämpfer oder Beschäftigte?
    g) Könnten wir unseren Nachwuchs auch ohne Wehrpflicht decken?
    h) Gibt es eine akute oder mittelfristig erkennbare Bedrohung?
    i) Würden Wehrpflichtige unsere Schlagkraft erhöhen?
    j) Welche Maßnahmen würden unsere Schlagkraft ggf effizienter erhöhen?
    k) Was ist der Volkswirtschaftliche Preis für eine Wehrpflicht?
    l) Könnte man mit den benötigen Ressourcen die Schlagkraft auf bessere Art und Weise steigern?!
    m) Was ist zu tun?

  • Dante   |   19. August 2018 - 13:38

    Hat den Leuten jetzt die Langeweile gepackt? Soweit ich weiß war es zu jeder Zeit möglich sich mit der entsprechenden körperlichen und geistiegen Konstitution, freiwillig zu melden.

  • Auslandsdiener   |   19. August 2018 - 19:06

    @Marvin: es geht mir um die Einfachheit und Ehrlichkeit der Analyse. Nicht um das Ergebnis.
    @Zimdarsen:
    m) ist gut :O)

    Alle Fragen, die Sie vorbringen, sind m.E. völlig iO und berechtigt. Es deutet aber vieles darauf hin, dass die daraus resultierende Diskussion akademisch wird (mal wieder). In Schweden ist, nach allen meinen Bekannten und Freunden von dort, der gesellschaftliche Grundkonsens vorhanden, dass man eine Armee braucht, um das Vaterland zu verteidigen. In Deutschland ist die Diskussion leider immer noch vom „Muß das eigentlich sein“ geprägt, politisch wie medial. Daher wird ja die Bw leider immer wieder als „Arbeitgeber“ porträtiert – nicht als Armee. Dies beantwortet d-g.
    Ich hoffe inständig, dass Sie h) selber beantworten können. Einige Stäbe im südlichen Belgien sind sich da sehr sicher, und in der NATO (mil.) herrscht diesbezüglich Konsens.

    i) – l): da wir derzeit überhaupt keine Schlagkraft haben, ist m) deckungsgleich mit meiner Forderung nach Ehrlichkeit.

  • Der Realist   |   19. August 2018 - 21:08

    @ Auslandsdiener

    Drei Daumen hoch!

    Vom Pragmatismus der Schweden könnten wir eine ganze Menge lernen.

    Leider leben wir aber im Land der Nörgler und Zweifler…

  • SuumCuique   |   20. August 2018 - 7:27

    Eine leidvolle Diskussion die allerdings, wie bereits durch @Auslandsdiener aufgezeigt, damit Steht und fällt ob die Politik Streitkräfte als notwendig erachtet oder eben nur als notwendiges Übel sieht.
    Sollte dieser Punkt mal geklärt sein gilt es festzustellen wofür die SK genutzt werden sollen. Für eine LV, die ja nach Bekunden in den Fokus rücken soll, sind ebenfalls Strukturen zu planen und vorzuhalten um einen Großteil der Bevölkerung dann auch zu den Waffen rufen und ausbilden zu können – jetzt kann man hier wieder die Debatte der Vorlauf-/Warnzeiten ins Felde führen um die Diskussion zu entkräften, aber gibt es denn einen Plan dafür?

    Kämen wir nun zum Punkt BV und der sich anschließenden Frage, wie hoch ist der Max-Beitrag DEU SK im Falle der BV, sprechen wir hier von eine VJTF Brig+ oder von den 8000 Mann die DEU für die Übung Trident Juncture ins Felde führen will? Darauf aufbauend dann die Frage ob die derzeitige STRUKTUR diese Kräfte zur vollumfänglich (Mat/Pers) zur Verfügung stellen kann ohne dass es zu Ablagen im sonstigen Betrieb kommt?

    Und dann die unliebsame Frage ob wir nicht doch eine Einsatzarmee bevorzugen in der LV/BV das Vehikel ist um Kräfte verfügbar zu halten um DEU „Sicherheitsinteressen“ weltweit „aufzuzeigen“ (von durchsetzen möchte ich da lieber nicht sprechen).

    Aber alles in Allem drehen wir uns im Kreis… Solange Politik nicht definiert wofür sie SK haben möchte und dies dann auch klar und deutlich kommuniziert damit auch ein Bürgerlicher Diskurs und Verständnis implementiert wird, wird es immer ein Feilschen um HH-Mittel sein in Konkurrenz zu anderen „Vorhaben“ der Politik.

    Zu diesem ehrlichen Dialog gehört dann aber auch die klare Benennung des Auftrags der Streitkräfte, da helfen Werbeslogans wie „Ein Job wie jeder andere..“ leider nicht wirklich. Der Beruf bringt nun mal Entbehrungen mit sich die man ggf. monetär oder mit anderen Mitteln ausgleichen kann. Ebenso birgt der Beruf das Risiko „mit seinem Leben“ bezahlen zu müssen, auch das muss jedem klar sein.

    Ein Anlehen an die zivile Berufswelt mag in den Augen vieler die Attraktivität erhöhen, ich denke allerdings dass dies das falsche Signal ist und die Besonderheiten dieses Berufs verdeutlich werden müssen, da helfen zivile Vorschriften die wirkungsgleich auf die SK übertragen werden nur bedingt (SAZV, LTrspSichh, ..).

    Streitkräfte sind zur Abschreckung und ggf. zum Kämpfen da, sie sind Teil der Friedensdividende und sehr daran interessiert dass eben Frieden herrscht.

    Mein Lieblingsthema in dieser Debatte ist immer wieder STRUKTUR, ob dies nun die Org oder Pers Struktur sei, hier gilt es kräftig drüber zu grübeln denn man gewinnt immer mehr den Eindruck dass das Verregeln und Verwalten Oberhand gewinnt.

    „my 2 Cents“ da ich hier dann doch nicht einen Gesinnungsaufsatz schreiben will ;)

  • Pio-Fritz   |   20. August 2018 - 9:57

    @SuumCuique | 20. August 2018 – 7:27

    Alles berechtigte Forderungen, die Sie da erheben. Aber Sie werden von der Politik, wie eigentlich immer, keine klaren Antworten erhalten.

    Schauen Sie sich einfach die Positionen zur Bundeswehr der im Bundestag vertretenen Parteien an, dann sehen Sie auch, wo das Dilemma liegt. Bundeswehr ist kein Thema in der Öffentlichkeit. Und wenn doch, dann ausschließlich mit Negativschlagzeilen.

    Die Auslandseinsätze werden von der Bevölkerung nicht getragen. Es wird auch nicht verstanden, wofür die gut sein sollen, es wird ja auch nicht ausreichend kommuniziert. Und dann soll noch über die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht diskutiert werden? Das grenzt an politischem Harakiri.

    Also, weiter rumeiern, wegtreten.

  • Escrimador   |   20. August 2018 - 10:05

    @Tim K.
    Zunächst sollte sich der Wehrbeauftragte mit aller Kraft um seine Aufgaben kümmern. Das kann ich am konkreten Beispiel -ich bin eins- nicht erkennen.

  • Zimdarsen   |   20. August 2018 - 11:50

    @Auslandsdiener

    Auch in Deutschland ist, nach allen meinen Bekannten und Freunden von dort, der gesellschaftliche Grundkonsens vorhanden, dass man eine Armee braucht, um das Vaterland zu verteidigen. Doch es geht nicht darum ob wir eine benötigen, sonder wie, mit was, in welchem Umfang und wann. Das neu zu erstellende Fähigkeitsprofil wird es zeigen doch schon jetzt ist sicher, Wehrpflicht taucht darin nicht auf und die volle Einsatzbereitschaft ist bis 2035+ geplant. Von was reden wir hier.

    Schön wäre wenn die jetzige Bw 2020 voll einsatzbereit wäre, wenn wir dann noch mehr Mannschaften benötigen, dann bitte.

    Ich hoffe inständig, dass Sie h) selber beantworten können.

    Klar kann ich das für jetzt und da sehe ich keine ernsthafte konventionelle Bedrohung für EUropa, welche nicht mit unseren Partnern (mit hohen Verlusten) begegnet werden könnte.

    Die Bw hat kaum Schlagkraft aber das hängt weniger an den fehlenden Mannschaften und eher an den Folgen der Neuausrichtung.

  • Rolf M   |   20. August 2018 - 12:24

    Also für mich war Wehrpflicht immer auch ein Dienst an der Gesellschaft; Feuerwehr, THW, Polizei und Rettungssanitäter übrigens auch. Die Sinnhaftigkeit eines solchen Dienstes, oder auch das gesellschaftlich verpflichtende Tun für Andere, an Wirtschaftlichkeitsüberlegungen zu messen, um dann auf der Grundlage reiner Haushaltsoptimierung zu entscheiden, habe ich im Jahr 2000 schon als falsch empfunden. So what, die aktuelle Diskussion zeigt, dass dieser Denkansatz nicht mehr gewollt ist. Ich bin mal gespannt, wie sich die zukünftigen Planungen zur Sicherstellung der Landesverteidigung gestalten werden, ohne zwangsläufig zeitgerechte zuverlässige Vorsorge auf einen bewaffneten Konflikt (Krise oder Krieg) im personellen und natürlich auch materiellen Bereich treffen zu wollen.

  • Gezi 3./SanBtl 6   |   20. August 2018 - 13:27

    Moin Zimdarsen.

    Welches Fähigkeitsprofil wäre denn wünschenswert? Und 2020 halte ich für relativ kurz gesprungen. Mannschafter zu finden, ist relativ schwierig. Wenn jemand tatsächlich dienen wollte, wird er/sie garantiert nicht bis zum HG/Sg rumrödeln und jeder dahergelaufene (jüngere) Uffz kann bedenkenlos Anschisse verteilen.
    Wenn jetzt Mannschafter fehlen, verstehe ich einiges nicht am „Warum“.

    Kleines Beispiel aus meiner Familie:
    Tochter macht FWDL 23 an der USLw Heide und will verlängern. Aus den unterschiedlichsten Gründen fail beim 90/5. Mal die falsche Watt-Zahl angesagt bekommen, dann Grippe/krank, Krampf, was auch immer.
    Planmäßig ausgeschieden, zum KC auf Wiedereinsteller. Hannover kommt nicht in die Hufe. Dauert schon acht Wochen.
    Diese Ineffizienz und Luschigkeit ist es, was geeignete Bewerber tatsächlich davon abhält, Soldat zu werden. Und das bekommt jeder mit, der Soldaten kennt und mit diesen spricht. Wer wirklich gerne Soldat sein will, bekommt laufend Bremsklötze vor die Füße.

    Und das Zitat “ Schön wäre wenn die jetzige Bw 2020 voll einsatzbereit wäre, wenn wir dann noch mehr Mannschaften benötigen, dann bitte. “
    ist mit dem jetzigem Personal und Eistellung nicht zu schaffen.
    Sommerloch…

  • Zivi a.D.   |   20. August 2018 - 14:01

    @ Gezi 3./SanBtl 6 & Zimdarsen / . .
    Der im nachfolgenden Thread verlinkte Herr Zorn (GI) sagt an dieser Stelle
    https://www.sr.de/sr/sr3/20180818_idw_eberhard_zorn_bundeswehr_interview100.html
    nach meinem Verständnis ziemlich deutlich, dass es KEINE Probleme bei den Mannschaften gibt. Hier höre ich das Gegenteil. Betreibt Herr Zorn im SR-Interview Schönfärbei oder wird hier auf hohem Niveau gejammert?

  • Auslandsdiener   |   20. August 2018 - 18:01

    @Zivi a.D.: wie @SuumCuique oben schrieb: das ist eine Frage der Struktur. Gemessen an der HEUTIGEN Struktur haben wir offenbar kein Problem bei der Rekrutierung von Mannschaften.
    Das hilft aber nicht wirklich weiter, weil die derzeitige Struktur nicht hilfreich ist. Viel oben, nix unten. Und unten beginnt bei Brigaden….

    Und noch der Vollständigkeit halber @Zimdarsen:
    Zit: „Klar kann ich das für jetzt und da sehe ich keine ernsthafte konventionelle Bedrohung für Europa, welche nicht mit unseren Partnern (mit hohen Verlusten) begegnet werden könnte.“
    Danke. Besser hat schon lange keiner mehr die vollkommene Abstützung auf US-amerikanische Ressourcen und Motivation zusammengefasst. Warum mehr Bundeswehr, wenn doch eh‘ die Amerikaner kommen und uns rausboxen. (Bewusste Polemik, bitte nicht persönlich nehmen!)

  • Zimdarsen   |   20. August 2018 - 18:36

    @Gezi 3./SanBtl 6

    Wünschenswert wäre ein mit unseren Partnern in Europa abgestimmtes Fähigkeitsprofil. Bekommen werden wir das, welches unsere pol Führung unterschreibst. Wir werden es in wenigen Tagen sehen.

    Unsere Schlagkraft ist deshalb ein Witz weil uns Munition, Transportgerät und Waffensysteme fehlen oder diese nicht einsatzbereit sind.

    Wenn wir unsere Schlagkraft signifikant anheben wollen, müssen wir in diesem Bereich investieren (mit Wirkung) und schon das geschieht kaum.

  • Stubenviech   |   21. August 2018 - 7:35

    Moin,
    den Ansatz, die Musterung über die Amtsärzte/Gesundheitsämter durchzuführen halte ich für bedenkenswert, da dort Beratungen zentral durchgeführt werden können und diese, da sie im Rahmen der Konzeption Zivile Verteidigung sowieso aufwachsen werden, zusätzliche Mittel gut gebrauchen können.
    Grundsätzlich finden sich bzgl. der Wehrpflicht nicht nur in Skandinavien, sondern auch auf dem Baltikum prüfenswerte Ansätze.

  • Elahan   |   21. August 2018 - 11:25

    @Auslandsdiener

    „Besser hat schon lange keiner mehr die vollkommene Abstützung auf US-amerikanische Ressourcen und Motivation zusammengefasst. Warum mehr Bundeswehr, wenn doch eh‘ die Amerikaner kommen und uns rausboxen. (Bewusste Polemik, bitte nicht persönlich nehmen!)“

    Bei den laufenden Einsätzen wo angeblich die US-Soldaten Soldaten anderer Länder angeblich rausboxen, handelt es sich um Einsätze in welchen wir ohne die USA nicht wären und die USA können uns (und vielen anderen Ländern auch) dankbar sein für unsere Unterstützung.

    LV/BV kann nicht ohne unsere Partner in Europa gedacht werden und die Ursache für unsere Personalschwäche ist nicht in der ausgesetzten Wehrpflicht zu suchen, sondern im gesellschaftlichen Wandel (Familienbild und eigene Erwerbsbiographie des Partners), unzähliger Reformen (zuletzt der unsäglichen Neuausrichtung), der permanenten Unterfinanzierung, der fehlenden Finanzierung der Reformen, der Zurruhesetzung von dringend benötigten Soldaten vor erreichen der besonderen Altersgrenze, der fehlenden Attraktivität in bestimmten Bereichen, der guten Konjunktur uvm. Keine der Ursachen werden mit der Aktivierung der Wehrpflicht behoben, sondern eher überdeckt. Ich bezweifle, dass die Schlagkraft und Abschreckungsfähigkeit der Bw wesentlich durch Wehrpflichtige erhöht werden könnte und schon gar nicht mit dem zu erwartenden Engagement bei Ausrüstung, Infra und Finanzierung.

    Wenn Europa glaubhaft verteidigungsfähig (Abschreckung und Kampf) sein möchte, muss es sich abstimmen, Munition anschaffen und funktionierendes, einsatzfähiges, verfügbares Gerät anschaffen, vor allem im Bereich Flugabwehr, Drohnenabwehr, Panzerabwehr und Transport. Des weiteren benötigen wir in Europa ein Konzept der Zivilverteidigung bis hin zur Frage wer kann im V-Fall was leisten oder abstellen.
    Wir haben keine Ahnung, noch nicht einmal einen blassen Schimmer.

    Fakt ist, wir werden bis 2035+ noch nicht einmal die aktive Truppe vollständig ausgerüstet haben.

  • StefanFx   |   21. August 2018 - 11:38

    Wenn jetzt jedes Gesundheitsamt die Musterung durchführen soll, benötigen die Ämter mehr Amtsärzte (plus anderes Personal).
    Für die Musterung werden die Gesundheitsämter sich das bezahlen lassen, also keine Mehrkosten für die Städte/Landkreise.
    Was ist aber, wenn in 10 Jahren dem neuen Verteidigungsminister einfällt, dass die Musterung wieder wegfallen soll?
    Die Amtsärzte sind verbeamtet und liegen dann dem Landratsamt/Stadtverwaltung auf der Tasche und sitzen vielleicht 50% der Zeit rum. Super Deal für die Gemeinden….

    Macht die Bundeswehr einfach attraktiver, dann kommen auch genügend Bewerber!