Mehr als 100 Tote bei Angriff auf afghanische Militärbasis in Nordafghanistan (neue Zahlen, Nachträge)

Bei einem Taliban-Angriff auf die Militärbasis Camp Shaheen bei Masar-i-Scharif in Nordafghanistan sind am (gestrigen) Freitag vermutlich mehr als 140 Soldaten der Afghanischen Nationalarmee (ANA) ums Leben gekommen. Eine Gruppe von Aufständischen drang nach den bisherigen Berichten in das Camp ein, das unter anderem das Hauptquartier des 209. ANA-Korps beherbergt. Soldaten der internationalen Resolute Support Mission, darunter auch Deutsche, die die afghanische Armee beraten, waren von dem Angriff nicht betroffen.

Die jüngsten Zahlen meldet Reuters:

As many 140 Afghan soldiers were killed on Friday by Taliban attackers apparently disguised in military uniforms in what would be the deadliest attack ever on an Afghan military base, officials said.
One official in the northern city of Mazar-i-Sharif, where the attack occurred, said on Saturday at least 140 soldiers were killed and many others wounded. Other officials said the toll was likely to be even higher.

(…)
As many as 10 Taliban fighters, dressed in Afghan army uniforms and driving military vehicles, talked their way onto the base and opened fire on soldiers eating dinner and leaving a mosque after Friday prayers, according to officials.

Der afghanische Sender TOLO News meldet ähnliche Zahlen:

An official told TOLOnews on Saturday morning that at least 135 soldiers were killed in Friday afternoon’s attack on the Afghan National Army’s 209 Shaheen Corps Headquarters in Balkh province.
The source, speaking on condition of anonymity as government has not officially released figures, said at least 60 soldiers were also wounded in the attack. He said some were in critical condition.
However, the ministry of defense and government last confirmed the death toll at 11. Nothing further has been officially disclosed to the media.

Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr hatte am Freitag mitgeteilt, dass nach vorliegenden Informationen keine Bundeswehrsoldaten von dem Angriff betroffen waren. Auch die US-Streitkräfte gingen davon aus, dass keine Angehörigen der Resolute Support Mission Opfer der Taliban-Attacke wurden. Die internationalen Berater der afghanischen Armee verfügen innerhalb des Camps über einen gesonders geschützten eigenen Bereich.

In den vergangenen Wochen hatte es zahlreiche Angriffe der Taliban auf die afghanischen Sicherheitskräfte im Norden des Landes gegeben. Unter anderem war ein General bei dem Anschlag auf seinen Fahrzeugkonvoi getötet worden.

Nachtrag: Die Stellungnahme der Bundesregierung, genauer, des Auswärtigen Amtes, vom Freitagabend dazu:

Wir verurteilen den heutigen Angriff auf das afghanische Armeelager „Camp Shaheen“ in Masar-e Scharif, bei dem es ersten Meldungen zufolge über 50 Tote und viele Verletzte gegeben hat. Viele Opfer wurden offenbar beim Freitagsgebet in der Moschee überrascht und hatten so keine Chance, sich gegen den hinterhältigen Angriff zu wehren. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Toten, den Verletzten wünschen wir eine schnelle Genesung.
Dieser Angriff wird an unserer Entschlossenheit, die Unterstützung für Afghanistan fortzusetzen, nichts ändern. Die Taliban werden ihre Ziele durch derartige Aktionen nicht erreichen, sie sollten der Aufforderung der internationale Gemeinschaft folgen und zu Verhandlungen bereit sein, damit dem Blutvergießen in Afghanistan ein Ende gesetzt werden kann.

Nachtrag 2: Ungeachtet des Mediums… mal ein Video vom Freitagabend, in dem der afghanische Kollege Bilal Sarwary mehr Details zu dem Angriff berichtet:


(Direktlink: https://youtu.be/TldkVebdO6I)

Weitere Details hatte Sarwary bereits zuvor via Twitter gemeldet:

Nachtrag 3: Eine Analyse des Long War Journal:

Taliban ‘infiltrated’ Afghan Army to carry out deadly attack in north

75 Gedanken zu „Mehr als 100 Tote bei Angriff auf afghanische Militärbasis in Nordafghanistan (neue Zahlen, Nachträge)

  1. Das ist sehr bitter. In der Haut des Seniormentors 209. ANA Korps möchte ich jetzt nicht stecken.

  2. Kleine Randnotiz, um einmal die paradoxe Lage klar zu machen, in der sich Deutschland mittlerweile befindet.
    SPON berichtet heute, dass sich angeblich mittlerweile tausende Afghanen in ihren Asylanträgen als Taliban ge-outet haben. Lieber in ein deutsches Gefängnis als abgeschoben zu werden in das ach so sichere Heimatland ?

  3. Gerade den Nachtrag des AA gelesen. Bei diesem hilflosen Geschwurbel platzt mir die Hutschnur. Den Taliban werden vor Angst schon die Knie schlottern…

  4. @mietsch: Sie haben Recht, daß das AA nur Unsinn zu dem Angriff schreibt. Wer zu Gebetszeiten angreift, statt selbst zu beten oder eine Moschee angreift, der wird nicht verhandeln, schon gar nicht wenn man auf dem Vormarsch ist und mit 10 Kämpfern ca. 300 Soldaten getötet oder verwundet hat.

    Und der Trick mit der falschen Uniform ist nicht neu. Die westliche Ausbildungshilfe scheint nicht zu greifen.

  5. Der Realitätsverlust im AA ist nicht mehr zu überbieten. Jetzt bettelt Deutschland schon fast um Verhandlungen – also wirklich, werte BuReg, das spezifisch deutsche „Stabilisierungskonzept“ ist völlig gescheitert. Aber die deutschen Gummistiefel haben sich wohl im afghanischen Schlamm so festgesogen, dass man nur auf Socken aus diesem Sumpf heraus kommt. Na ja, wenn man auf verdreckten, triefenden und durchlöcherten Socken nach Hause kommt, dann wird Mutti natürlich sehr verärgert sein…….

  6. Besser verdreckt als gar nicht nach Hause kommen. In AFG gibt es für uns nichts zu gewinnen.

  7. @Thomas Melber | 22. April 2017 – 11:05
    „In AFG gibt es für uns nichts zu gewinnen.“

    Wir haben es angefangen, jetzt sollten wir es auch erfolgreich zu ende führen.

    Ehrlich gesagt mache ich mir deswegen derzeit eher sorgen um das zu niedrige internationale Engagement in AFG, als um einen baldigen Abzug.

  8. Erneut – nach dem Fall von Kunduz – ein grosser Erfolg der Taliban im Norden.

    Bin gespannt, ob TAAC-N gar nicht unterstützt hat oder ob es hier wieder Bedenken gab. Die Kämpfe dauerten ja lange genug. Das wäre ja ein Fall „in extremis“ .

    Mal abwarten ob und ggf was die Bundesregierung dazu nicht vermeldet. Dass das AA derlei nicht mal erwähnt sagt schon einiges.

  9. Lese ich das richtig, dass offenbar auch einige Soldaten starben, weil „Kommandosoldaten“ u.a. mit RPGs auf Geiseln schossen?

  10. @klabautermann | 22. April 2017 – 10:56
    Na ja, wenn man auf verdreckten, triefenden und durchlöcherten Socken nach Hause kommt, dann wird Mutti natürlich sehr verärgert sein…….
    Und dann wie jede „Mutti“ sich heimlich freuen und froh darüber sein, dass alle wieder zu Hause angekommen sind.

    AFG war richtig: OEF war berechtigt. ISAF war eine unterm Strich gute Maßnahme und hatte auch Erfolge.

    Die internationale Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die deutsche, hatten das Initiativrecht und haben sie abgewürgt. Mut, Schneid, Fleiß, Ideen und Fachwissen waren vollkommene Fehlanzeige. Bei Militärs und Zivilen gleichermaßen war nur eines wirklich wichtig: AFG auf der Visitenkarte zu haben.

    Nein, keine Dolchstoßlegende bitte, auch die Militärs haben Fehler, insbesondere im operativen -also tatsächlich „ihrem“- Geschäft.

    Wir wissen das. Und die Abwärtsspirale dreht sich weiter. Die USA und Russland „brauchen“ jetzt gar keine Begründung oder gar ein Mandat mehr. Man macht das jetzt einfach. Die VR-i-do-it-my-way-China macht es nicht besser, nur anders.

    UK zerlegt sich selbst. FRA schickt wahrscheinlich zwei Kandidaten in die Stichwahl die mehr (Madame Le Pen) oder weniger (Monsieur Macron) offen die EU angreifen und aufreiben wollen.

    Und Deutschland? Hat im AA, im BMVg und anderswo viele gute Leute sitzen, die wissen wie es geht, die wissen wohin die Reise geht. Und es passiert?

    Schöne neue Welt…

  11. @Sachlicher | 22. April 2017 – 11:50
    „AFG war richtig: OEF war berechtigt. ISAF war eine unterm Strich gute Maßnahme und hatte auch Erfolge. Die internationale Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die deutsche, hatten das Initiativrecht und haben sie abgewürgt.“

    Leider haben Sie recht. Mit mehr Schneid und Intelligenz hätte man mit weniger finanziellem Aufwand vermutlich bessere Ergebnisse erzielt.

    Aber was mich noch mehr ärgert ist, dass wir doch in 2012 auf einem guten Weg waren. Es waren sowohl militärisch als auch politische Erfolge in AFG zu verzeichnen. Aber dann haben wir auf halbem Wege aufgehört und alles was wir bis dahin geopfert haben droht nun um sonst gewesen zu sein :(

  12. Was ist denn im TAAC-N an Kampftruppe überhaupt verfügbar?
    Welche QRF, durch wen gestellt und in welcher Entfernung und wie beweglich, mit welcher NTM zum Einsatzort Masar?
    Abgesehen vom (deutschen) politischen Willen gegen Angreifer vorzugehen (worunter Verhandlungen nicht subsummierbar sind), werden Antworten zu o.g. Fragen aussagekräftig, ob eine Fähigkeit zu Entsatz und Gegenangriff in jeder Hinsicht gegeben ist.
    Ist schlechterdings (un)vorstellbar, dass multinationale Partner angesichts der gegeben Lage die Hände in den Schoß legen und warten bis Talib abgezogen ist?
    Muss nicht mit verfügbarer Reserve ausweichendem Feind nachgestoßen werden, zur Verhinderung umfassenden Erfolges?

    Wenn nämlich Reserven weder verfügbar, noch diese entschlossen zum Einsatz kommen, entspräche dies Verhalten einer Einladung zu Folgeanschlägen.

  13. Schraubt sich da nicht eine Gewaltspirale hoch? Zeitnah nach dem Abwurf der MOAB so ein Anschlag?

  14. @ Memoria | 22. April 2017 – 11:35

    „Bin gespannt, ob TAAC-N gar nicht unterstützt hat oder ob es hier wieder Bedenken gab. Die Kämpfe dauerten ja lange genug. Das wäre ja ein Fall „in extremis“ .“

    Meinen Sie damit „CAS in extremis“ oder jegliche andere Unterstützung ggf. aus dem besonders geschützten Bereich des Camp?

  15. @Sachlicher

    Die Risse in der Fassade der „Schöne neue Welt“ lassen sich kaum noch übertünchen. Frage mich bloß ob das Witterungsrisse sind, oder ob die nicht vielleicht (auch) von innen kommen, weil die Gebäude-Tragwerksplaner sich verschätzt haben bei der Baustatik und die Mieter-/Eignergemeinschaft sich mal wieder viel zu spät um Bauerhaltungsmaßnahmen gekümmert hat – kostet ja ;-)

    Man muß sich einmal vorstellen, was die Taliban da mit 10 – in Worten: ZEHN – Kämpfern angerichtet/erreicht haben ! Und die BuReg:
    – spricht von einem “ hinterhältigen Angriff“
    – ist mit ihren Gedanken bei den Angehörigen der Toten, und wünscht den Verletzten eine schnelle Genesung.
    – fordert die Taliban zu Verhandlungen auf (wohl auf der Grundlage der moralischen Stärke der MOAB-abwerfenden Internationalen Gemeinschaft)
    – und betont die deutsche Entschlossenheit, die „Unterstützung für Afghanistan“ fortzusetzen
    – und Deutsche sind einmal wieder nicht betroffen (soll wohl meinen: nicht getroffen) worden

    Diese Tünche ist so was von wässrig ! Als Füllstoff für Risse kann man diese noch nicht einmal für kosmetische Zwecke brauchbare Buchstabenwassersuppe wohl völlig vergessen.

  16. Zufall, diese Mitteilung ausgerechnet beute? Distrikt Archi,Provinz Kundus.
    Target of Interest seitv 2011!
    Resolute Support‏Verifizierter Account @ResoluteSupport
    .@USFOR_A confirmed Taliban leader Quari Tayib was killed in air strike in Kunduz Province along with 8 additional Taliban fighters pic.twitter.com/ZAKcWy9aop

  17. @MA:
    Ich meine damit natürlich allgemeine Unterstützung.
    Diese kann „in extremis“ laut Mandat zum Schutz von „designierten Personen“ erfolgen. Es ist eine Frage der Interpretation, ob auch ANDSF in solchen besonderen Lagen Unterstützung beantragen können.

    Die Unterstützung hätte dann aus allen Bereichen des TAAC-N erfolgen können, einschl. QRF.

  18. @KPK 12:01

    RSM hat keinen Kampfauftrag.

    Die AFG Sicherheitskräfte MÜSSEN lernen – und das eben irgendwann auch mal durch heftige Schmerzen – dass Ihnen nicht immer jemand beispringen kann. Sie haben die Sicherheitsverantwortung für ihr Land vor knapp 1 1/2 Jahren übernommen. Punkt. Nach 16 Jahren „Security Assistance“ und „Train, Advise and Assist“ durch die internationale Gemeinschaft sollte man dort m.M.n. nun soweit sein, es selbst zu können oder sich seinem Schicksal ergeben, wenn man unfähig und/oder unwillig ist.

    Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

    Dann noch den Schlüssel zum wackeligen Haus nach Klabautermann’s Bild nehmen und den Taliban und Clanchefs in die Hand drücken. Sollen sie sich doch selber sortieren, so wie sie es seit Jahrhunderten getan haben. Das aufgezwungene Demokratieprojekt nach westlichem Vorbild war ein Fehlschlag.

  19. Fux | 22. April 2017 – 14:01

    „RSM hat keinen Kampfauftrag. …“
    Was aber im Umkehrschluss nicht bedeutet; „lasst sie verrecken, geht uns nichts an“!

  20. Mit den Todeszahlen ist das damit der schlimmste Innentäterzwischenfall, den es jemals in Afghanistan gab. Wir haben damals am OP North schon selbst 3 Soldaten verloren bei einem Innentäterangriff: http://www.academia.edu/22193988/Feinde_in_den_eigenen_Reihen._Zur_Problematik_von_Innent%C3%A4tern_in_Afghanistan (runterscrollen). Dann hat es noch General Bartscher erwischt: http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-deutscher-soldat-bei-angriff-auf-militaercamp-verletzt-a-984626.html
    Das Chaos und das Mißtrauen nach diesen Angriffen ist riesig. Wenigstens hat es diesmal keine deutschen Soldaten erwischt. Mein Beileid trotzdem für die Afghanen! RIP!

  21. Ähem,
    Taliban mit gefälschten Papieren, in ANA Uniformen oder ANA Fahrzeugen sind aber weder Innentäter noch haben wir hier Green on Blue. Nur weil es innerhalb einer Kaserne stattfindet muss man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

  22. Laut Definition in dem ersten Artikel zählen die aber dazu. Das Problem ist in seiner Konsequenz dasselbe: Jemand fängt an zu schießen und man kann plötzlich Freund von Feind nicht mehr unterscheiden. WEnn die Radioberichte stimmen, ist komplette Panik ausgebrochen und alle haben wild durcheinander geschossen. Das ist typisch Innentäterzwischenfall. Das es auch andere Varianten davon gibt bestreitet keiner!

  23. @DEnB | 22. April 2017 – 14:50
    „Laut Definition in dem ersten Artikel zählen die aber dazu.“

    Klar, weil SPON ja auch ein präzises Fachblatt ist ;)

    „Das Problem ist in seiner Konsequenz dasselbe: Jemand fängt an zu schießen und man kann plötzlich Freund von Feind nicht mehr unterscheiden.“

    Nein, das Problem ist ähnlich, aber nicht das gleiche. Bei einem Innentäter ist das Problem, das Vertrauen im täglichen Miteinander und das wird hier nur mittelbar belastet.

    Ähnliches Problem, aber nicht identisch.

  24. Totale Niederlage oder totaler Sieg. Der Totalitarismus – Begriff ist dem des Dogmatismus nahestehend: Fundamental-islamistische Taliban. Man wird ihnen einen der beiden o.g Aspekte liefern müssen. Ab einem bestimmten Moment ist verhandeln besser als die totale Vernichtung.

  25. Verhandeln tut der, der unterlegen ist – zumindest nach dort herrschender Auffassung. Davon ab: wenn die BReg von Verhandlungen mit den TB spricht, was will man ihnen anbieten? Bzw. was fordern? Und wer soll dort verhandeln?

    GIRoA hat Gespräche ja kategorisch (zumindest offiziell) ausgeschlossen.

  26. @ AoR | 22. April 2017 – 15:05
    Wer sollte denn mit wem verhandel?
    Bei der dortigen Korruption (nicht nur Materiell) waere eine gute Option fuer DE: Bail out!
    Wenn die etwas von uns wollen werden sie dann schon kommnen. es gibt ja die UNO…

  27. Den Überraschungsmoment bestens ausgenutzt.
    Zwei Militärfahrzeugen mit Maschinengewehren auf dem Dach auf das Gelände“, berichtete der Armee-Angehörige Mohammed Hussain (Freenet.de).

    Zwei der Angreifer sprengten sich bei dem Angriff dem afghanischen Verteidigungsministerium zufolge in die Luft, restliche im Zuge des Gefechts getötet.

    Bei dem offensichtlich kaum ausgeprägten Bedrohungsbewusstsein zum
    – Freitagsgebet + zur Mittagspause + Kriegslist („2 attackers who posed as injured soldiers …“, siehe oben) und
    – der verwendeten Angriffsweise „aufgesessen mit feuernden MG“, sicherlich auch Feuerkampf von Gewehrschützen von der pick-up-Ladefläche herab: alle Vorteile beim Angreifer.
    Panzergrenadiermäßig, Kampfweise aufgesessen, in Verbindung mit Fz-Geschwindigkeit sehr wirkungsvoll.
    Sperre/Checkpoint? Umgehung/Durchstoßen/Kriegslist (?), Angaben fehlen.

  28. @MikeMolto:

    Was den Eindruck eines totalen Sieges auf Seiten der Taleban erwecken würde? Die kämen dann sicherlich, aber nicht per UN…

  29. „It is said that the inferior seek to emulate the superior. Thus, if a general slackens only a little, those beneath him will be greatly negligent.“ (Kato Kiyomasa, Edo Epoch)

  30. @DEnB | 22. April 2017 – 14:50:
    Selbst der von Ihnen verlinkte Artikel definiert den Insider aber als jemanden der durch Zugang oder Status das Vertrauen eigener Kräfte genießt. Und mit Zugang ist hier nicht die physische Anwesenheit gemeint. Es kommt somit darauf an was der Angreifer vor dem Angriff war, nicht was er während des Angriffs sein könnte.
    Die eingedrungenen Taliban müssten somit aktive oder ehemalige Angehörige der ANA sein, die ohne Argwohn in die Kaserne gelassen wurden, weil sie bisher als „eigene Kräfte“oder „Verbündete“ angesehen wurden bzw. bekannt waren.
    Das verwenden von Uniformen, gestohlener/gefälschter Ausweise oder Fahrzeuge ist kein Insider-Angriff sondern einfach eine erfolgreiche Täuschung der Wachen.

  31. @ AoR | 22. April 2017 – 15:35

    Was den Eindruck eines totalen Sieges auf Seiten der Taleban erwecken würde? Die kämen dann sicherlich, aber nicht per UN…“

    Eines Jahres werden Taliban genau so salonfaehig werden wie Arafat’s Palaestinenser….Wir sollten nicht vergessern wer das politische Sagen hat in der UN…Und in USof A fehlt nur eine neue ‚Antivietnam‘ Kampagne…

  32. @FlaOffz
    HVR/KVR
    „… Sie verlieren den geschützten Kombattantenstatus, wenn sie nicht unterscheidbar von Zivilpersonen kämpfen, ihre Waffen nicht offen tragen oder die Uniform ihres Kriegsgegners tragen. In diesem Fall steht ihnen lediglich theoretisch der humanitäre Schutz der unverbindlichen UN-Menschenrechtscharta zu, …“
    Gehört zum Gesamtbild, selbst wenn es den Talib nicht interessiert.

  33. @MikeMolto: Illian Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas, engl. Fassung da dort das Quellenverzeichnis vorhanden und nicht ständig vergriffen.

    Zudem werden die Taleban den internationalen Dschihad verfolgen, meines Erachtens. In Zeiten Daeshs und einer resurgent Al-Qaeda? Glaskugel ist hier schwierig.

    Ist bekannt, ob die Zentralregierung ( Bürgermeister von Kabul ) den Taleban verhandlungskritische Aspekte vorenthält, welche man aus distanzierter Perspektive eigentlich “ zu gewähren “ ansehen würde? Wäre eine Erklärung für eine derartige high profile Eskalation.

  34. Ich weiß das mag jetzt unangemessen klingen aber hat jemand von ,,neutraler“ Seite mal die Anzahl der getöteten afghanischen Soldaten geprüft?
    Nicht dass ich den Vorfall kleinreden will aber nach drei Einsätzen bin ich, was das afghanische Reporting angeht sehr mißtrauisch. Man neigt da gerne zur Übertreibung.

  35. Traurig, diesen Krieg kann keine Seite gewinnen. Holt unsere Soldaten endlich dort raus, Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt.

  36. @ AoR | 22. April 2017 – 16:09
    Wenn das nicht so gewaltig oT waere, koennte ich Ihnen darlegen wie es 1948 zu der Entstehung der ‚Palaestinenser‘ im Gaza kam, von israelischer und britischer Seite gesehen. Das war, damals keine etnische Saeuberung sondern ….OT.

  37. Ein Sprecher des BMVg erklärte gegenüber dpa:
    „Deutsche Soldaten waren zu keiner Zeit des Anschlags vor Ort“

    „Assist“ zumindest in der direkten sanitätsdienstlichen Versorgung wäre aus meiner Sicht naheliegend gewesen.

    Aber TAAC-N scheint derlei nicht getan zu haben.

  38. @MikeMolto: Mit Gaza kenne ich mich nicht so aus, eher Safed. Klar OT.

    Daher zurück zu den Taleban. Was ihre Perspektive unterstützt: Ein derartiger High Profile Angriff aber keine nicht- Afghanen WIA or KIA. Der Unterschied zwischen können und machen den Taleban bekannt?

    Ergo man will verhandeln, aber nicht mit Kabul?

  39. @Mike | 22. April 2017 – 16:33
    „Traurig, diesen Krieg kann keine Seite gewinnen. Holt unsere Soldaten endlich dort raus, Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt.“

    Geht es noch undifferenzierter?

    @Memoria | 22. April 2017 – 17:12
    „Ein Sprecher des BMVg erklärte gegenüber dpa:
    „Deutsche Soldaten waren zu keiner Zeit des Anschlags vor Ort“ „Assist“ zumindest in der direkten sanitätsdienstlichen Versorgung wäre aus meiner Sicht naheliegend gewesen.“

    Das Lager ist 45min Fahrzeit entfernt. D.h. unter Berücksichtigung des üblichen „fog of war“ wäre mit einem Eintreffen von externer Ustg nicht vor 2h zu rechnen. Ich denke, da war der Anschlag vermutlich schon vorbei…

  40. @Fux „Das aufgezwungene Demokratieprojekt nach westlichem Vorbild war ein Fehlschlag.“:

    Dafür hätten wir das mit der „Demokratie nach westlichem Vorbild“ überhaupt erstmal ernsthaft versuchen müssen.
    Ich glaube mich zu erinnern, dass solche Dinge wie Menschen-&Bürgerrechte, Rechtsstaatlichkeit und Kampf gegen Korruption von Anfang an als zweitrangig behandelt wurden.

    Als Beispiel sei an die Geschichte mit dem „ghost money“ erinnert. Zitat aus einem Artikel der New York Times (2013):

    “The biggest source of corruption in Afghanistan,” one American official said, “was the United States.”

  41. 1. Was muss nüchtern festgestellt werden?
    Bei einem HANDSTREICH, ausgeführt von offensichtlich 8- 10 Mann, aufgesessen auf zwei Pick-Up, wurden in einem KorpsHQ ca 140 Regierungssoldaten und/oder -beamte in einer nördlchen Provinzhaupstadt getötet.
    Muss das militärisch betrachtet die Welt zum Einsturz bringen? Nein, es hat auf den Gesamtkriegsschauplatz bezogen vernachlässigbare Auswirkung im Stil: „Im Westen nichts Neues“. (E.M.Remarque)
    Bedeutung gewinnt der Vorfall allein durch internationale Medienresonanz und ff Aufmerken betroffener Öffentlichkeit in westlichen TCN, insbesondere in unsicheren Zeiten von (Vor)Wahlkämpfen und Regierungsbildungen (FRA/DEU/NLD).
    Die Truppensteller bei RSM denken offenbar nicht im mindesten, sich zurückzuziehen und Afghanistan sich selbst zu überlassen, ihr Einsatz ist zwar nicht erfolgreich, aber auch nicht gefährdet. Gleiches gilt für die „Government of the Islamic Republic of Afghanistan (GiROA)“.

    2. Zeitenwenden am Hindukusch sahen historisch vollkommen anders aus.
    1839–1842 erobert eine große anglo-indische Armee das spätere Afghanistan gegen schwache lokale Kräfte in der Absicht, dem Zaren zuvorzukommen. Aber schon 1842 muss die GBR Expeditionsarmee bei Chord KABUL eine Niederlage hineinnehmen. Festsetzen können die Briten sich nie, bereits 1880 erleidet eine IND-GBR Armee in offener Feldschlacht eine deutliche Niederlage bei MAIWAND, AFG hatte sich den Status „halbautonomes Protektorat“ erkämpft. 1919 erlangt der Staat, jetzt erst als „AFGHANSTAN“ bezeichnet, seine Unabhängigkeit durch den Sieg am 27.05.19 des späteren König NADIR SCHAH gegen die Briten.
    Zu Weihachten 1979 unternehmen Sowjets in bester zaristischer Manier den Versuch der Eroberung eines Zugangs zu den „warmen Meeren des Südens“ der in zahllosen Kämpfen zunächst im Partisanenstil, später in offener Feldschlacht, am 15.02.1989 mit der Niederlage endete, nicht zuletzt durch U.S.-Aufrüstung der TALIBAN bevorteilt.
    Kurz gefasstes Resumee kann lauten,
    a. afghanische Kämpfer, unerheblich welcher Stammeszugehörigkeit wurden stets unterschätzt.
    b. wenn sie die dritte Stufe irregulärer Kriegführung (siehe 3.) errreicht hatten, waren sie gegen technologisch überlegene Truppen in der Zeitachse erfolgreich.

    3. Stufen der irregulären Kriegführung (Partisanenkrieg) nach Mao und Gen Vo Nguyen Giap (Vietcong/Nordvietnam), in gebotener Kürze
    a. Sabotageakte; Einzelüberfälle; Überfälle, i.d.R. als Handstreich oder Hinterhalt, meist kleiner Gruppen von Kämpfern in Grp- ZgStärke
    b. Angriffe geschlossener militärischer Formationen auf einen schon mürbe gekämpften Gegner, zunächst die offene Feldschlacht noch scheuend; Insurgenten ziehen Kräfte bis Btl/Rgt zusammen und gewinnen so häufig zeitliche und räumliche Überlegenheit
    c. Einschließung von Städten, regionalen Machtzentren bis hin zur jeweiligen Hauptstadt

    4. (Sehr kurz gefasste) Standortbestimmung AFGHANISTAN.
    Nach Abzug sowjetischer Kräfte 1989 durchliefen TALIBAN seit ihrem ersten Auftreten in Süd-Afghanistan in rascher Folge die Stufen 3a – c. Nach 9/11, konkret seit November 2001, zerschlugen LuftSK der „Coalition Forces“ mit Unterstützung der NORDALLIANZ, binnen Monaten die TALIBAN, die sich verhielten wie in Phase 3c.) benannt.
    In der Folge fiel die Taliban-Kampfweise unter Druck innerstaatlicher Gegner und der U.S.-AirForce sowie U.S.-SOF auf die Stufe 3a. zurück, von der sie sich – ansatzweise – 2004-2006 erholte, allerdings ohne Nachhaltigkeit.
    ISAF-TAA-RSM errreichten, stellten sicher, mit Unterstützung ANA und sonstiger innerstaatlicher Kräfte: TALIBAN als militärischer Gegner stellt keine staatsgefährdende Kraft dar, es sei denn, die im Lande aktive IC ermüdete und zöge sich aus der Veranwortung zurück.
    5. To make a long story short:
    Die jüngste Attacke in Masar-i-Sharif entspricht der Stufe 3a., mehr hat der Gegner nicht drauf.
    Seine vermeintliche Stärke besteht in der moralischen Schwäche westlicher Regierungen unter dem Druck eigener Öffentlichkeiten, den fatalerweise mit ISAF verlassenen richtigen Weg nachdrücklicher – wieder – aufzunehmen.

  42. @Klaus-Peter Kaikowsky | 22. April 2017 – 16:01:
    Danke dass Sie mich an den Wehrrechtsunterricht vor vielen Jahren erinnern. Aber auch durch den offensichtliche Verstoß gegen HVR/KVR, dass den Taliban schon immer Recht egal scheint, wird aus einem Angreifer nicht automatisch ein Insider. Wir können jetzt natürlich noch darüber diskutieren, ob die Taliban in falscher Uniform und mit ANA Ausweis nicht dadurch den Status wechseln und zum ANA Soldaten werden. Aber warum?
    Mir geht es einfach darum, dass wir bitte zwischen Insider-Angriffen wie im OP-North oder Camp Quargha in Kabul und diesem Fall unterscheiden.

  43. @Koffer:
    Nach einigen Berichten hielten die Gefechtshandlungen über mehrere Stunden an, dann noch die Nachsuche und Versorgung der Verwundeten.

    Entweder wir würden nicht gefragt.

    Im Kern ist für mich interessant, dass lediglich von Relevanz für die höhere Ebene zu sein scheint, dass keine Deutschen beteiligt waren und niemand fragt: warum?

  44. @Memoria | 22. April 2017 – 21:43
    „Nach einigen Berichten hielten die Gefechtshandlungen über mehrere Stunden an, dann noch die Nachsuche und Versorgung der Verwundeten.“

    Das ist natürlich möglich, Gefechte in einer solch großen Liegenschaft wie dem Camp Shaheen ziehen sich in der Tat manchmal längere Zeit hin, obwohl ich mir angesichts der geringen Anzahl von Angreifern nicht wirklich vorstellen kann, dass es wirklich stundenlange Schusswechsel waren. Vermutlich dauerte es nur lange bis man jeden einzelnen isoliert hatte.

    „Entweder wir würden nicht gefragt.“

    Ich bin mir aber auch nicht sicher warum wir hätten gefragte werden sollen. Im Camp Shaheen ist neben einem AFG Cdo Btl m.W.n. nahezu eine weitere komplette Infanteriebrigade stationiert (und mehrere Ausbildungseinrichtungen).

    Von daher war genügend Feuerkraft vor Ort um die Angreifer selbst zu bekämpfen (natürlich musste erst einmal die Gefechtsführung aufgenommen werden. Das dauerte vermutlich angesichts des Wochentages (Freitag/Wochende) lange, aber von diesem Moment hat, hatte ANSF vmtl. mehr Kämpfer vor Ort, als im gesamten TAAC-N an CF vorhanden waren.

    Auch medizinische Versorgung wird vermutlich zunächst einmal ohne uns gegangen sein (vor Ort ist auch eine relativ große SanEinrichtung der ANSF inkl. Ausbildungseinrichtung.

    Nur für schwierige Fälle (bzw. der Massenanfall) musste vermutlich das FLaz im Camp Marmal genutzt werden. Aber da bin ich mir eigentlich sicher, dass wir unterstützt.

    Allerdings befürchte ich – so wie ich unsere aktuelle Position in AFG einschätze – erst nach Wiederherstellung einer gesicherten Lage durch die ANSF.

    Aber das sind natürlich alles Spekulationen.

    „Im Kern ist für mich interessant, dass lediglich von Relevanz für die höhere Ebene zu sein scheint, dass keine Deutschen beteiligt waren und niemand fragt: warum?“

    Ich stimme Ihnen hier – wie so oft – weitgehend zu :(

  45. @Koffer:
    Wir sind uns hier- glaube auch ich – einig:
    Es geht weniger um die wirklichen praktischen Beiträge, sondern die dahinter liegende Einstellung zur Art der Auftragserfüllung.

    Die Worte und die Taten passen einfach nicht zueinander.

  46. @ Klaus-Peter Kaikowsky | 22. April 2017 – 19:445. To make a long story short:

    „Die jüngste Attacke in Masar-i-Sharif entspricht der Stufe 3a., mehr hat der Gegner nicht drauf.
    Seine vermeintliche Stärke besteht in der moralischen Schwäche westlicher Regierungen unter dem Druck eigener Öffentlichkeiten, den fatalerweise mit ISAF verlassenen richtigen Weg nachdrücklicher – wieder – aufzunehmen.“

    Voellig korrekt. Dennoch gebt es bei der politisch-korrupten Lage in AFG niemanden der eine stabile Regierung nach unseren Wuenschen oder Vorstellungen errichten kann oder will.
    Die AFG’nen koennen sich nur selber helfen, denn eine benevolent Kolonialmacht, welche die Probleme (auch nut teilweise) fuer sie regeln wuerde, lehnne alle ab.
    Mitteleuropa musste auch durch seinen 30jaehrigen Krieg…

  47. Klaus-Peter Kaikowsky | 22. April 2017 – 19:44
    1839–1842 erobert eine große anglo-indische Armee das spätere Afghanistan gegen schwache lokale Kräfte in der Absicht, dem Zaren zuvorzukommen. Aber schon 1842 muss die GBR Expeditionsarmee bei Chord KABUL eine Niederlage hineinnehmen.
    Dieses Narrativ ist so populär wir falsch. Die Marschkolonne, die zwischen Kabul und Jalabad vernichtet wurde, bestand zu 80 Prozent aus Zivilisten, die 20 Prozent Soldaten waren fast ausschließlich indische Soldaten, die nicht an die winterlichen Temperaturen Afghanistans gewöhnt waren – dementsprechend war das ein Massaker an fast wehrlosen Soldaten und Zivilisten. Ansonsten haben die Gefechte dieses Krieges als einer von vielen gezeigt, dass es afghanischen Soldaten und Freischärlern oft genug an Motivation und Disziplin fehlt, selbst wenn sie zahlenmäßig und teilweise auch technisch überlegen sind, die bessere Geländekenntniss besitzen und taktisch günstig aufgestellt sind, wie die zweite Hälfte des ersten anglo-afghanischen Krieges zeigt ;)

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