Flüchtlinge in Deutschland: Die Unterstützung/Hilfe der Bundeswehr

Die hier teilweise heftig diskutierte Öffnung der Offizierschule des Heeres in Dresden für Flüchtlinge am vergangenen Wochenende war nur eine der zahlreichen Aktionen, mit denen die Bundeswehr andere Behörden bei der Unterbringung unterstützt. Hier zur Dokumentation ein Überblick von der Bundeswehr-Seite am 10. September (vorsorglich weitgehend als Volltext, weil diese Informationen immer wieder aktualisiert werden und dann der vorangegangene Sachstand nicht mehr verfügbar ist).

(Angesichts der bisweilen nicht sehr hilfreichen emotionalen Kommentare setze ich auch hier die Kommentarfunktion wieder auf moderiert.)

Überblick: Flüchtlingshilfe der Bundeswehr in Deutschland
Berlin, 10.09.2015, BMVg, Stand: 10. September.
(…)

Unterbringung in Liegenschaften
Länder und Kommunen benötigen dringend Platz zur Unterbringung der Flüchtlinge. Die Bundeswehr unterstützt daher die Bundesländer mit zusätzlichem Raum und Flächen in Kasernen und auf Grundstücken.
Bisher konnte die Bundeswehr deutschlandweit in derzeit 41 Kasernen und anderen Liegenschaften Unterkunft für etwa 14.500 Flüchtlinge schaffen. Die tatsächlichen Belegungszahlen werden durch die verantwortlichen Gebietskörperschaften festgelegt und können schanken. Die Bundeswehr hat darauf keinen Einfluss.
Zur Unterstützung der Erstaufnahme wurden durch Soldatinnen und Soldaten in Hamburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt 141 Zelte mit einer Unterbringungskapazität von circa 1.100 Personen aufgebaut.

Standorte nach Bundesländern

Hamburg Hamburg – Graf-von-Baudissin-Kaserne Mitnutzung
Bremen Bremen – Scharnhorst-Kaserne Mitnutzung
Schleswig-Holstein Boostedt – Rantzau-Kaserne
Seeth – Stapelholmer-Kaserne
Putlos – TrpÜbPl Lager Übende Truppe
Rückgabe/Teilrückgabe
Mitnutzung
Mitnutzung
Niedersachsen Delmenhorst – Feldwebel-Lilienthal-Kaserne
Oldenburg – Henning-von-Treskow-Kaserne
Bückeburg – Jägerkaserne
Celle – Immelmann-Kaserne
Wittmund – Flugplatz
Schwanewede – Lützow-Kaserne
Rückgabe/Teilrückgabe
Mitnutzung
Mitnutzung
Mitnutzung
Mitnutzung
Mitnutzung
Hessen Rothenburg (Fulda) – Alheimer-Kaserne
Schwarzenborn – StÜbPl
Diez – Freiherr-vom-Stein-Kaserne
Stadtallendorf – MOB-Stützpunkt
Kassel – Bundeswehrfachschule
Rückgabe/Teilrückgabe
Mitnutzung
Rückgabe/Teilrückgabe
Mitnutzung
Mitnutzung
Nordrhein-Westfalen TrÜbPl Senne – Lager Staumühle
Düsseldorf – Bergische Kaserne
Kerpen – Boelcke-Kaserne
Köln-Wahn – Lager Lind
Mechernich – Material Depot
Aachen – Theodor-Körner-Kaserne
Aachen – Dr. Leo-Löwenstein-Kaserne
Münster – Lützow-Kaserne
Eschweiler – Donnerberg-Kaserne
Mitnutzung
Rückgabe/Teilrückgabe
Rückgabe/Teilrückgabe
Rückgabe/Teilrückgabe
Rückgabe/Teilrückgabe
Mitnutzung
Mitnutzung
Mitnutzung
Mitnutzung
Rheinland-Pfalz Speyer – Kurpfalzkaserne
Birkenfeld – Heinrich-Hertz-Kaserne
Rückgabe/Teilrückgabe
Rückgabe/Teilrückgabe
Thüringen Ohrdruf – TrpÜbPl Lager Übende Truppe
Gotha – Friedenstein-Kaserne
Mitnutzung
Mitnutzung
Sachsen Dresden – Graf-Stauffenberg-Kaserne Mitnutzung
Mecklenburg-Vorpommern Neubrandenburg – Fünf-Eichen-Kaserne Mitnutzung
Baden-Württemberg Meßstetten – Zollernalb-Kaserne
Ellwangen – Reinhardt-Kaserne
Sigmaringen – Graf-Stauffenberg-Kaserne
Rückgabe/Teilrückgabe
Rückgabe/Teilrückgabe
Mitnutzung
Bayern Sonthofen – Grünten-Kaserne
Fürstenfeldbruck – Fliegerhorst
Manching – Max-Immelmann-Kaserne
Roth – Otto-Lilienthal-Kaserne
Neubiberg – Universität der Bundeswehr
Erding – Fliegerhorst Erding
Cham – Nordgau-Kaserne
Rückgabe/Teilrückgabe
Rückgabe/Teilrückgabe
Rückgabe/Teilrückgabe
Mitnutzung
Mitnutzung
Rückgabe/Teilrückgabe
Mitnutzung

Weitere Liegenschaften befinden sich in der Prüfung.
Die Bundeswehr mit dieser Unterstützung für Flüchtlinge und Asylbegehrende erheblich dazu beigetragen, die bekannte Unterbringungsproblematik in den betroffenen Städten und Kommunen abzumildern.
Um weitere Unterbringungskapazitäten zu nutzen, schränkt sich die Bundeswehr im Rahmen der gemeinsamen Verpflichtung, wo immer möglich, ein. Dabei wird auch der Übungs- und Nachtschießbetrieb auf den Standortübungsplätzen so beschränkt, dass eine Unterbringung möglich ist.

Personelle und materielle Unterstützungsleistungen

Weitere Unterstützungsleistungen mit Material (Zelte) und Zeltaufbau, mobile Röntgengeräte sowie Personal ergänzen diese Anstrengungen.
Um beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den enormen Anstieg der Zahl von Asylanträgen in angemessener Bearbeitungszeit zu bewältigen, unterstützen dort bereits zeitlich befristet rund 150 Angehörige der Bundeswehr. Zusätzliche Personalabstellungen werden derzeit mit Hochdruck geprüft. Am 28.08.2015 hat die Verteidigungsministerin in ihrem Tagesbefehl alle Angehörigen der Bundeswehr aufgefordert, diese Personalunterstützung im Rahmen der Abkömmlichkeit zu realisieren. Derzeit liegen rund 350 Freiwilligenmeldungen vor.
Unterstützung erfolgt auch durch die Bereitstellung von Transportkapazitäten sowie organisatorische und sanitätsdienstliche Leistungen.
Beispiele für die derzeitige personelle Unterstützungsleistung:
Am Bahnhof in Dortmund und Düsseldorf unterstützen bis zu 60 Soldaten bei der Betreuung und allgemeinen Organisation als „Helfende Hände“ bei der Aufnahme ankommender Flüchtlinge. In Bremen sind es weitere zehn Soldaten.
In Dortmund sind zum Transport der Flüchtlinge vom Bahnhof in die Unterkünfte sechs Busse inkl. Fahrer eingesetzt. Es stehen deutschlandweit bis zu 42 Busse mit Kraftfahrern zur Verfügung.
In Thüringen unterstützen 5 LKW beim kurzfristigen Transport von Material (Betten, Stühle etc.).
Sanitätskräfte werden in den Liegenschaften Oldenburg, Wittmund, Celle und Bückeburg sowie zur Unterstützung in Lebach und Hamburg im Rahmen der allgemeinmedizinischen Versorgung eingesetzt. Die Bundeswehrkrankenhäuser Koblenz und Westerstede unterstützen bei Röntgenuntersuchungen für die medizinische Erstbegutachtung. Zusätzlich werden mobile Röntgengeräte zur Verfügung gestellt.

Die dargelegten Unterstützungsleistungen zählen nicht zu dem originären Auftrag der Bundeswehr. Die Bundeswehr leistet diese Flüchtlingshilfe für die ersuchenden Kommunen und Behörden der Länder daher im Sinne der Amtshilfe auf der Grundlage des Artikels 35 Absatz 1 des Grundgesetzes bzw. der §§ 4 ff des Verwaltungsverfahrensgesetzes des Bundes.

37 Kommentare zu „Flüchtlinge in Deutschland: Die Unterstützung/Hilfe der Bundeswehr“

  • MIchael   |   10. September 2015 - 16:30

    In der Liste fehlt Hessen-Darmstadt-Starkenburgkaserne.
    Hierbei haben Reservisten beim Aufbau des Erstaufnahmelagers geholfen:

    http://www.reservistenverband.de/evewa2.php?d=1441358350&menu=0110&newsid=31656&

  • Thomas Melber   |   10. September 2015 - 16:33

    Es ist offensichtlich, diese Armee braucht eine Aufgabe.

  • LTC007   |   10. September 2015 - 16:39

    Tja, was soll man sagen? Die Not muss wohl sehr groß sein. Es ist ja Dank diverser Vorgänger von vdL fasst nichts mehr vorhanden für zivile Großlagen wie diese. Die RSU loszuschicken bzw. anzufordern, traut man sich wohl noch nicht. Das dürfte aber bei dem hohen Zuwanderungsdruck bald vorbei sein. Denn die Ehrenamtler in DRK, THW und Diakonie etc. werden wohl nicht mehr lange durchhalten.

  • Boots on the Ground   |   10. September 2015 - 16:49

    Statt THW in Flecktarn jetzt Flüchtlingshilfwerk in Flecktarn!

    Unterstützung beim Aufbau einer Zeltstadt o.ä. durch die Bundeswehr ist das eine, Einschränkungen des Grundbetriebs und der Einsatzbereitschaft eine ganz andere. Gibt es eigentlich andere Streitkräfte, die ihren Übungsbetrieb einschränken, um Flüchtlinge nicht zu belästigen, oder nehmen die ihren (Haupt-) Auftrag ernst?

  • LTC007   |   10. September 2015 - 16:58

    @Boots on the Ground: Erweiterte Amtshilfe, und nix anderes wäre ein stärkeres Engagement, sollte eigentlich zum Grundbetrieb dazugehören. In den USA geht das ja auch. Wenn die Bw das nicht leisten kann, dann, weil diverse Politiker dafür gesorgt haben, dass dieser Bereich (viel zu) kräftig eingedampft wurde.

  • MD.   |   10. September 2015 - 16:59

    At LTC007 es erstaunt immer, dass sofort THW und DRK genannt werden. Die Saeule der Gesellschaft sind die freiwilligen Feuerwehren. Ohne deren Engagement (und vielfach noch die Unterstuetzung der Arbeitgeber) saehe es verdammt schlecht aus. Ohne Sie nun persoenlich anzugehen, man liest es in der letzten Zeit nur hauefiger, das besagte fehlen.

  • LTC007   |   10. September 2015 - 17:13

    MD. Sorry, das waren nur 1-2 Beispiele, natürlich gehören die freiw. Feuerwehren dazu (die sich jetzt in NRW auch vermehrt für Migranten öffnen). Aber sie leiden auch unter Nachwuchssorgen.

    Wenn der Zuwanderungsdruck noch Wochen/Monate anhält, reicht dieser anerkennenswerte Einsatz der Ehrenamtler nicht mehr aus.

  • Jugendoffizier   |   10. September 2015 - 17:13

    Ich bin wirklich stolz auf unsere Bundeswehr!
    Denn in meinen Augen stehen wir alle vor einer gewaltigen Herausforderung, diesen vielen Flüchtlingen ein sicheres Asyl zu gewähren. Und es erfüllt mich mit großer Freude zu sehen, wie viele Angehörige der Streitkräfte helfen wollen – nicht aus bloßem Befehl und Gehorsam heraus, sondern weil sie von der guten Sache überzeugt sind.
    Zahlreiche private Initiativen entstehen, um die Schutz suchenden Menschen mit Kleidung, Hygieneartikeln und Spielzeug für die Kinder auszustatten.
    Ich bin wirklich froh, dass wir in der Lage sind, Unterkünfte für diese Menschen zur Verfügung zu stellen – und das überwiegend winterfest und nicht ausschließlich in Zelten.
    Soldaten sind ganz überwiegend zum Kämpfen ausgebildet – die andere Seite der Medaille ist jedoch der Schutz von denjenigen, die sich nicht selber schützen können.
    Daher bin ich der Meinung, dass wir die temporären Beeinträchtigungen im Alltagsgeschäft durchaus tragen können.

  • Samir Awwad   |   10. September 2015 - 17:31

    @BotG: Mir fällt dabei der ganzheitliche Nationbuilding Ansatz ein. Gerade in Failedstates wird das Zukünftig bestimmt mehr an Bedeutung gewinnen. Dazu gehört es wohl auch den Hammer zu Schultern und den Schraubstock durchzuladen.

    Und m.E tut es den Soldaten gut, mal was ausschließlich Humanitäres zu unternehmen, nachdem man 10 Jahre Krieg gegen Partisanen geführt hat.

    Sie denken an die Nationalgarde? Oder haben die am Potomac noch bessere Programme?

  • CRM-Moderator   |   10. September 2015 - 17:50

    Die BVKs und KVKs haben gestern schon um freiwillige Hilfe gebeten.
    Einberufungsbescheid folgt.
    NOCH freiwillig.

  • KeLaBe   |   10. September 2015 - 17:55

    @ Jugendoffizier

    Danke für das sehr gute Statement.

    Was mir in der jetzigen Lage ein wenig fehlt, ist eine stärkere und sichtbarere Rolle der Reservisten in dieser „nationalen Herausforderung“. Bestimmt gibt es viele gute Beispiele auf lokaler Ebene, aber diese sind wohl eher spontane Zufallsprodukte. Ich sehe zum Beispiel auf der Homepage des Reservistenverbandes keinen Aufruf an die eigenen Mitglieder, sich an geeigneter Stelle zu engagieren. Auch eine Art begleitender Leitfaden dazu wäre als Anregung hilfreich. Eigentlich schade, denn hier könnten sich Reservisten mit ihrer Disziplin, ihrer Führungskraft und ihrem Organisationstalent bestens zeigen und beweisen. Ich hoffe, zumindest die Landeskommandos lassen sich etwas einfallen, um das Potenzial der Reservisten zu nutzen – und warum nicht auch öffentlichkeitswirksam?

  • Boots on the Ground   |   10. September 2015 - 17:56

    @LTC007 & Jugendoffizier: Natürlich könnte die Bundeswehr die Einschränkungen der Übungsplatznutzung ertragen, wenn sie genug Übungsplatzkapazität hätte. Hat sie aber nicht. Natürlich könnte sie räumlich etwas zusammenrücken, wenn sie genug Platz hätte. Nur leider sind die Kasernen jetzt schon überbelegt.
    Aufgrund der finanziellen und personellen Engpässe ist der Grundbetrieb schon jetzt erheblich eingeschränkt und hat erhebliche Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft – zahllose Threads hier bezeugen das.

    @Samir Awwad: 10 Jahre Krieg gegen Partisanen? Beziehen Sie sich auf den deutschen Einsatz in Afghanistan? Dann muss ich da was verpasst haben…
    Ganzheitliches Nation Building? Die deutsche Politik und Öffentlichkeit haben nach den „Erfahrungen“ in Afghanistan übrigens beschlossen, dass Nation Building ohnehin und grundsätzlich nicht funktioniert und Interventionen à la Afghanistan der Vergangenheit angehören. Darüber hinaus ist der Zusammenhang zwischen Nation Building und Aufbau einer Zeltstadt marginal, wenn überhaupt vorhanden.

    Ergänzung: Für Pioniere, Sanitätsdienst und Militärpolizei dürfte der Aufbau und Betrieb eines solchen Lagers jedoch eine gute Übung für zukünftige Einsätze darstellen (das ist ernst gemeint).

  • Hein Bloed   |   10. September 2015 - 18:07

    Haben wir ’89 auch schon so gemacht. Alles nix neues.

  • Storm   |   10. September 2015 - 18:14

    Es ist traurig, dass die BW 10 Jahre gegen Partisanen kämpfen mußte und wir wissen es alle, von der Politik im Stich gelassen wurden. Leider glaube ich, dass bei dieser unkontrollierten Flüchtlingswelle (wieder einmal zeigt sich das Versagen der Politik) wir bald einen Partisanenkrieg im eigenen Land zu führen haben. Den wie es schon der IS angekündigt hat, schickt sie ihre Leute auf diesen Weg in das Herz der EU. Leider weis ich wovon ich rede, wer jetzt untertauchen will, der kann es auch und unsere Salafisten fischen ihre Jünger wie eins ein anderer.
    Denkt bitte nicht, dass ich gegen jede Hilfe bin, nein echten Verfolgten insbesondere Frauen und Kinder muß geholfen werden…nur wenn zieht unsere Marine den da aus den Schlauchbooten, wenn treffe ich bzw. sieht man in den Medien in Auffanglagern…(junge Männer)

  • wacaffe   |   10. September 2015 - 18:24

    wie schon im anderen thread kosntatiert:

    immer mehr „flüchtlinge“ führen zu immer weiterer zweckentfrmdung staatlicher institutionen, haushaltsmittel und personeller ressourcen.

    Eine quantitative Obergrenze in absoluter Zahl scheint niemand festgelegt zu haben und es scheint auch nicht beabsichtigt zu sein.

    – Aufnahmekapazitäten sind in deutschland weitesgehend erschöpft.
    – Der Überschuss der der deutschen bevölkerung im Zuge von Investitionen (auch in die BW) bzw. Steuersenkungen zustünde ist inenrhalb eines Jahres perdü
    – Der Migrationsdruck hält unverändert an bzw. wird durch Fehlanreize und Kommunikation weiter verschärft.

    Wie groß müssen die Leistungs und Fähigkeitseinschränkungen durch unbegrnenzte einquartierungen werden bis hier gehandelt werden muss? ist man dann überhaupt noch handlungsfähig?

    case in point: Schießausbildung in Putlos „bis auf weiteres“ eingestellt.

    Sentimentalität ist keine Grundlage der Staatraison

  • Soenke Marahrens   |   10. September 2015 - 18:25

    @Jugendoffizier +1

  • T.Wiegold   |   10. September 2015 - 18:34

    @Storm

    Ich hab‘ schon in anderen Threads darauf hingewiesen, dass hier nicht der Ort ist, das Thema grundsätzlich zu diskutieren…

    Aber davon abgesehen: Der Hinweis auf einen ‚Partisanenkrieg‘ in Deutschland, weil Flüchtlinge aufgenommen werden, halte ich für mindestens hart an der Grenze.

    Ich wäre dankbar, wenn diese Art von Stimmungsmache hier nicht aufkäme.

  • Minenjäger   |   10. September 2015 - 18:57

    Jetzt mal ein paar praktische Gedanken:

    Die Kommunen stoßen bereits jetzt deutschlandweit an ihre Grenzen bei der medizinischen Grundversorgung. Und der Sanitätsdienst der Bundeswehr hat viele, viele Reservistinnen und Reservisten, von denen ich annehme, dass sie bei einem Emergency-call der Ministerin kurzfristig bereit wären, heimatnah für einige Wochen Dienst in Amtshilfe-Funktionen zu leisten.

    Wenn der GI den Auftrag bekommt, mit InspSan, BefhKdoSanD, BAIUDBw und PräsBAPersBw bis morgen Abend Zahlen zu ermitteln, wird das natürlich nix mit Wochenende. Aber das wäre die Denke, die ich mir jetzt wünsche.

    Außerdem interessiert mich, wieviele der derzeit nicht kurativ tätigen Ärztinnen und Ärzte der Bw sofort im Wege der Amtshilfe an die Kommunen abgestellt werden könnten. Ich rede nicht von älteren Generalärzten, sondern von den jungen und knackigen Stabs-, Oberstabs- und Oberfeldärzten, die gerade auf Org-Dienstposten hocken – und würde wetten, das sind mindestens hunderte.

    Frau Ministerin, Herr General, da geht was. Das geht noch mehr. Viel mehr.

    Gibt es in diesem Forum Expertise aus dem ZSanDst?
    Ich wüsste gern, ob Ihr das für machbar haltet – oder für illusorisch.

  • Samir Awwad   |   10. September 2015 - 19:07

    @ T. Wiegold

    Ich bitte um Entschuldigung! Gegner unter Verwendung der Guerilliataktik wäre angemessener gewesen. Ich wollte auf die enorme Belastung hinweisen, die Soldaten bei assymetrischer Kriegsführung erleben müssen.

    @ BotG: Worin begründet sich dann, dass die seitens der Bundeswehr unterstützten Gebiete generell besser dastehen, wenn nicht ganzheitliches Vorgehen unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft?

    @ Jungoffizier: wow ! Respekt…

  • Samir Awwad   |   10. September 2015 - 19:24

    @ Storm: Ich bin hier mit einigen männlichen Flüchtlingen aus SY in Kontakt. Ein Bachelor of Arts in der Endphase nach dem anderen. Und einer von 19 kann sich vorstellen zu bleiben… Er tendiert zur säkularen sy Opposition.

  • CRM-Moderator   |   10. September 2015 - 19:32

    Bisher höre und lese ich immer nur von „Herausforderung“ oder „Kraftanstrengung“.

    Wann ist man so ehrlich und spricht von einer humanitären Katastrophe in Deutschland (nicht in Syrien)? Oder hab´ ich das verpasst?

    Die Reservisten (BVK/KVK) werden erstmal vorsichtig „freiwillig“ angefragt….bloß nicht zuviel aufsehen erregen…alles unter Kontrolle….

    In Bayern fällt gerade auf, dass die Ferien bald zu Ende sind und Ehrenamtliche dann wieder arbeiten müssen……

    Überall liest und hört man, dass die freiwilligen/ehrenamtlichen Hilforganisationen -unabhängig von der aktuellen Lage- unterbesetzt sind. Wie kann das sein bei 80 Mio Einwohnern? Ich habe da schon sehr politisch inkorrekte Antworten von Betroffenen/Beteiligten/Insidern gehört, die ich hier nicht weitergeben will aber als Einzelmeinung abgespeichert habe. Dort ist m.E. ein großes Fragezeichen zu vermelden. Ein Un-Thema? Wer kann mir helfen?

  • Gaius Bruxellus   |   10. September 2015 - 19:52

    @Jugendoffizier +1

    Zum Argument der Kosten „die Migranten führen zu einer Fehlallokation von Ressourcen“ empfehle ich die heute herausgekommene Studie der Wirtschaftsweisen zum Thema, u.a. in der FAZ (link aus bekannten Gründen nicht – hat aber was mit Migranten und Wachstumsaussichten zu tun…).

  • Storm   |   10. September 2015 - 20:26

    @ T.Wiegold,
    ok das Wort Partisanenkrieg mag weit hergeholt sein, aber die Angst dass es zu Anschlägen und Auseinandersetzungen kommen kann oder auch wird, sollte man äußern dürfen.
    Ich finde, dass hat nichts mit Stimmungsmache zu tun, dass hier Bereiche weitere Kaput gespart werden, Ausbildungen nicht oder kaum stattfinden (keine Geld). Die Bundespolizei soll jetzt um 3.000 Stellen erhöht werden, dafür soll die Zollverwaltung (bei der ebenso Stellen/Personal fehlt) um 1.800 Stellen gekürzt werden. Obwohl die Stellen aus Kosteneinsparungen seit Jahren nicht besetzt werden.
    Ich sage nicht, dass man Menschen die Hilfe verweigern soll.

  • Milliway   |   10. September 2015 - 21:00

    @ wacaffe | 10. September 2015 – 18:24

    „immer mehr „flüchtlinge“ führen zu immer weiterer zweckentfrmdung staatlicher institutionen, haushaltsmittel und personeller ressourcen.“

    Angeblich werden mehrere Milliarde durch den Rückgang der Arbeitslosenquote in die Kasse gespült.

    „ – Aufnahmekapazitäten sind in deutschland weitesgehend erschöpft.“

    Direkt vor meiner Haustür, ist es möglich mehrere zehntausend Flüchtling unterzubringen, wenn man will.
    So haben wir z.B. den ehemaligen Flugplatz Rheine / Hopsten und die dazugehörige General Wever-Kaserne. Der Flugplatz eignet sich super als Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung
    für Flüchtlinge, wenn die Infrastruktur auf Vordermann gebracht wird.
    Durch die vorhandene Startbahn ergibt sich die Möglichkeit, dass Flüchtlinge die in Not geratenen sind, direkt in unser Mitte, mittels Luftbrücke zu holen.
    Der desolatem Zustand der General-Wever-Kaserne lässt sich mit ein paar Handwerkerstunden abstellen.
    ( Aktuell wird geprüft ob man auf der Startbahn eine Zeltstadt für 1000 Flüchtlinge errichten kann ! )
    In Anbetracht das bald die Wintermonate kommen, errichten wir lieber Zeltstädte, wie auf den Gelände der ehemaligen Damloup-Kaserne in Rheine. Die vorhandenen Gebäude werden zur Unterbringung von Flüchtlingen zurzeit nicht genutzt.

    Eine Alternative wäre die Theodor-Blank-Kaserne in Rheine / Bentlage als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu nehmen und die CH-53 Hubschrauberfliegerei wird nach Rheine / Hopsten verlegt.

    oder die komplett Nutzung des Fliegerhorst Lechfeld ex JaboG-32 oder Fliegerhorst Penzing LTG-61 oder wenn wir die Technik und das eine Flugzeug verlegen, Wunstorf LTG-62.

  • Gustav Struve   |   10. September 2015 - 21:21

    Situativ Helfen, soviel wie möglich, einerseits.
    Andererseits darauf hinweisen – auch in deutlicher Form –
    daß die Regierung die Entwicklung völlig verpennt hat
    und zusammen mit einem Großteil der Medien die Lage immer noch schön redet.
    Ich meine hier ist wohl niemand, der einen ordentlichen Beitrag der Bw
    nicht befürwortet – auch wenn das Einschränkungen bedeutet.
    Die Frage, wann das Ende der Fahnenstange
    erreicht ist oder sein soll, muß jedoch erlaubt sein.
    Die Anwort wird z.Z. wohl niemand von den pol. Verantwortlichen geben wollen.
    „Mal gucken“

  • Hans   |   10. September 2015 - 23:39

    @ BW-Redaktion oder wer auch immer verantwortlich ist:

    Da hier schon in einem anderen Threat über die Unterschiede von Trp und Tr geschrieben wurde, eine weitere Möglichkeit durch schlichte Recherche nicht so unwissend da zu stehen:
    Diez liegt zwar nahe der hessischen Grenze, aber doch noch in RLP. Siehe Wikipedia, Google Maps oder auch nur ne Straßenkarte ;-)

  • wetzelsgruen   |   10. September 2015 - 23:44

    Bei aller Freude über die Hilfsbereitschaft für Menschen die wirklich Hilfe benötigen, hat sich diese offensichtlich total überforderte Politik mal Gedanken über das Durchhaltevermögen gemacht? Führen heisst den Überblick behalten, habe ich mal gelernt. Ich kann beim besten Willen ausser hektischem Aktionismus kein Konzept erkennen dass über die nächsten 3 Tage hinausgeht. Eine Aussage, von dem Ansturm wäre man überrascht worden, kann ich nicht so stehen lassen. Spätestens ab 2013 wurde aus UNIFIL im Libanon heraus genau diese Entwicklung gemeldet und auf die Konsequenzen deutlichst hingewiesen. Nach den Erfahrungen aus der Prager Botschaft 89 folgte der sprunghafte Anstieg der Ausreisen aus der DDR unmittelbar nach Genschers Verkündigung. Es sollte doch gerade Deutschen klar sein dass jetzt kein Halten mehr ist! Nachdem diese Einladung am Wochenende ausgesprochen wurde können wir gerne gemeinsam an den Symptomen arbeiten, wieviel hier auch geleistet wird, sollten wir nicht besser über einen Assistenzeinsatz an den deutschen Grenzen wie ehemals die Österreicher beim Jugoslawienkrieg
    nachdenken? Ich sehe wirklich nicht wie diese Menschenmassen, die völlig voraussehbar in den nächsten Jahren hier bei uns Zuflucht finden wollen, geordnet und in vernünftiger Art und Weise wenigstens erstmal aufgenommen und später auch versorgt werden sollen. Über 20.000 an einem Wochenende!!! Und das sind nur die offiziellen Zahlen.Wie lange soll das gutgehen?

  • T.Wiegold   |   10. September 2015 - 23:52

    @all angesichts einiger Kommentare, die in der Schlange stehen:

    Gerne noch mal: Für eine Grundsatzdiskussion über die Flüchtlingssituation in Deutschland, über den Bw-Bezug hinaus, ist Augen geradeaus! nicht das richtige Forum – dafür gibt es andere, besser passende Foren im Netz.

  • Sachlicher   |   11. September 2015 - 0:40

    @ KeLaBe | 10. September 2015 – 17:55
    Ein sehr komplexes Thema.

    Zunächst: ein Reservist ist bitte dahingehend losgelöst vom Reservistenverband zu betrachten, als dass die Bundeswehr Reservisten hat und der Reservistenverband Vereinsmitglieder, die natürlich durchaus in der Reservistenarbeit erlebbar sind, „aber“ eben in der freiwilligen Reservistenarbeit.

    Mit Ausnahme des Teils der Reserve, die in Spezialverwendungen und Auslandseinsätzen abgebildet ist und größtenteils die KVK/BVK Stäbe (sic!) ist die Reserve der Bundeswehr nicht dazu in der Lage, wozu Sie diese gerade aufzufordern gedenken.

    1. Es gibt Einberufungen nur noch mit Zustimmung des Arbeitgebers.

    Einerseits: die Konjunktur läuft und das Stichwort Fachkräftemangel bildet sich dahingehend ab, dass Reservisten zwar durchaus üben wollen, aber nicht freigestellt werden.

    Andererseits: Reservisten aus Behörden, insbesondere die, die in den Landes- und Kommunalbehörden arbeiten, werden in diesem Aufgabenfeld bereits gebunden.

    Wenn Sie meinen, hier ließe sich Verständnis für Einberufungen generieren: nein.

    2. Viele Reservisten und Vereinsmitglieder des Reservistenverbandes sind auch noch Mitglieder in Feuerwehren oder in im Prozeß eingebundenen NGO’s. Sie leisten also schon, nur unter einem anderen Dach-und hier sind dann viele Unterstützer bereits gebunden, die man rein theoretisch aus der freiwilligen Reserve gewinnen könnte/wollte.

    3. Die Vorstellung, dass sich am Wochenende die RSU Kompanien/ Reserveeinheiten mal treffen und so eine Flüchtlingsaufnahmeeinrichtungen einrichten und zum Betrieb an eine Behörde/NGO übergeben, ist verständlich. Nur sind wir beide bitte nicht die einzigen, denen diese Überlegungen unter Hinweglassung jeglicher Romantik in den Sinn kam.

    Es fand bisher/ findet nicht statt. Ich äußere dazu bewusst nur soviel: juristische Gründe stehen dem nicht entgegen.

    4. Ich bin davon überzeugt, dass die Bundeswehr -egal ob mit Aktiven oder Reservisten, am besten aber wohl im Mix- diesen Auftrag hervorragend meisterte. Fragen Sie, warum Sie ihn nicht in der Federführung (wichtig: Federführung) bekommt, obwohl sie die letzte verbliebene Organisation sein dürfte, die das flächendeckend in gleichbleibender Qualität noch gestemmt bekäme und gute Abholpunkte für Folgemaßnahmen generieren könnte. Ich werde Ihnen das aber nicht beantworten, auch hier nur soviel: juristisch bekäme man das hin.

    5. Btw als Wiederholung, weil es zur Einordnung dienen kann: unkontrollierte Migration steht seit dem Weißbuch 1994 als definierte sicherheitspolitische Herausforderung.

  • Stefan H.   |   11. September 2015 - 7:19

    Ich finde es gut und richtig das die Bundeswehr unterstützt; man kann ja auch schlecht vor den Herausforderungen der eigenen Nation die Augen verschließen, sonst wäre ein Abkapseln die Folge.

    Spannender finde ich wenn es zu Fähigkeitseinschränkungen kommt, da der oder die Auslöser der Migrationswelle möglicherweise irgend wann die volle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr erfordern könnte, um den Ursprung dieser Völkerwanderung beispielsweise in Syrien einzudämmen.

    Liege ich richtig, dass die zeitlich unbeschränkte Herausnahme des TrÜbPl Puttlos echte Einschränkung im Bezug auf die Ausbildung der Flugabwehr und der Fliegerabwehr aller Truppen nach sich zieht? Quasi ein teilweiser Fähigkeitsverzicht? Dann müsste dem die Annahme zugrunde liegen, dass Putins Säbelrasseln nicht tatsächlich eskalationsfähig ist, weil in diesem Szenario wäre Flug- und Fliegerabwehr (über-)lebenswichtig…

  • FlexiblesDeutschland!   |   11. September 2015 - 7:32

    +1 Jugendoffizier!!!

  • T.Wiegold   |   11. September 2015 - 8:38

    @Hans

    Klick auf den Link zur Bw-Seite führt zu einer aktualisierten Tabelle, in der Diez auf einmal in Rheinland-Pfalz liegt ;-)

  • KeLaBe   |   11. September 2015 - 9:18

    @ Sachlicher

    Ja, das Thema ist sehr komplex. Und Antworten darauf sind es ebenso. Vielen Dank jedenfalls für Ihre Anmerkungen, denen ich auch mit Blick auf so manche praktische Schwierigkeiten durchaus folge.

    Ich wollte eigentlich auch nur mit dem Hinweis auf Reservisten einen Stein ins Wasser werfen. Und dies hauptsächlich aus 2 Gründen: Erstens, weil es sich um eine nationale Aufgabe handelt, die durchaus auch direkten sicherheitspolitischen Bezug besitzt. Und zweitens, weil ich hier eine Chance für den Reservistengedanken, der ja bekanntlich im letzten Jahrzehnt aus verschiedenen Gründen gelitten hat, sehe.

    Wie man diese beiden Motive miteinander verheiratet, ist natürlich sorgfältig abzuwägen. Zu viel darf man sicherlich nicht erwarten. Aber Ansatzpunkte dürfte es trotzdem geben, sei es auf „informeller“ Ebene der freiwilligen Reservistenarbeit unter dem Dach des Reservistenverbandes in der Fläche, sei es mittels fallweiser Einberufungen unter der offiziellen Flagge der Bundeswehr, oder sei es vielleicht sogar durch nicht-aktive Einheiten unter Führung der Landeskommandos. Rechtlich ist – wie Sie sagen – vieles möglich, und sachlich sehe ich große Anreize. Insbesondere der Reservistenverband kann sich m.E. durchaus mal etwas mehr aus der Deckung wagen, dies auch in seinem eigenen Interesse.

  • Stefan Büttner   |   11. September 2015 - 11:20

    Eine aktuelle Berichterstattung zum Thema bei http://www.luftwaffe.de
    „Ein Einsatz rund um die Uhr – Flüchtlinge in der Richthofen-Kaserne“ (Truppenunterkunft Fliegerhorst Wittmund)
    https://bw2.link/P3F0x

  • Axel_F   |   11. September 2015 - 12:23

    Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat für dieses Wochenende rund 4000 Bundeswehr-Soldaten in Rufbereitschaft versetzt. Sie sollten „im Notfall mit anpacken können“, sagte die CDU-Politikerin dem Magazin „Der Spiegel“. „Was personelle Hilfe angeht, haben wir noch Luft nach oben.“

  • Axel_F   |   11. September 2015 - 12:36

    Als Nachtrag der Link

    Flüchtlingskrise: Von der Leyen versetzt 4000 Soldaten in Rufbereitschaft http://spon.de/aezXn

  • T.Wiegold   |   11. September 2015 - 13:41

    @all

    Es gibt einen neuen Thread dazu, mit Stand Freitag – bitte dort die Debatte fortführen.