Hybride Kriegführung: ‚Für uns Esten nichts Neues‘

12. HB Jahrestagung "Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie" (P1200626)

Die Esten haben, aufgrund ihrer Geschichte der vergangenen knapp 100 Jahre, einen sehr bestimmten Blick auf Russland – und einen sehr bestimmten Blick auf hybride Kriegführung. Schon der damals sowjetische Angriff auf das damals unabhängige Estland 1924 sei mit solchen Mitteln begonnen worden, schilderte der Chef der Streitkräfte, Generalleutnant Riho Terras, am (heutigen) Dienstag bei der Handelsblatt-Konferenz Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie in Berlin. Am Ende sei das Ergebnis hybrider wie konventioneller Kriegführung aber das gleiche: Wer von einem Auto überfahren werde, dem sei es ziemlich egal, ob es ein Hybridfahrzeug war oder ein normaler Benziner.

Terras sehr lebendiger Vortrag zum Nachhören:

 

erras_Handelsblatt_29sep2015     


(Foto: Dietmar Gust/Euroforum)

Lage in Kundus: Statement von der Leyens (Nachtrag: Bundespressekonferenz)

Nachdem die Bundesregierung noch gestern erklärte, von der Lage in Kundus in Nordafghanistan keine eigene Kenntnis zu haben, scheint sich das heute gewandelt zu haben. Jedenfalls hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen heute dazu Stellung genommen.

Außer die Lage ist besorgniserregend scheint mir allerdings so viel neue Erkenntnis nicht drinzustecken. Aber vielleicht sehen das andere ja anders.

Nachtrag: Ich konnte heute nicht in die Bundespressekonferenz, aber der Kollege Tilo Jung hat mir dankenswerterweise den Audio-Mitschnitt zur Verfügung gestellt. Hier der Ausschnitt zur Lage in Kundus – inzwischen gibt es ja doch Erkenntnisse auf Regierungsseite. Es sprechen BMVg-Sprecher Jens Flosdorff, Sebastian Fischer für das Auswärtige Amt und Benjamin Knödler für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit:

 

BPK_Kunduz_29sep2015     

 

 

Dokumentation: Verfassungsschutz-Chef und die Weltlage

12. HB Jahrestagung "Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie" (P1200626)

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, hat auf der Handelsblatt-Konferenz Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie am (heutigen) Dienstag in Berlin mal die Sicherheitslage insgesamt aus seiner Sicht geschildert. Ich will das hier nicht im Detail aufgreifen (eine Ausnahme – der interessante Hinweis: IS-Kämpfer haben es gar nicht nötig, mit dem Flüchtlingsstrom nach Europa einzureisen, die kommen auch so hierher), stelle aber zur Dokumentation mal Maaßens Rede zum Nachhören hier ein:

Maasen_Handelsblatt_29sep2015     

 

(Foto: Dietmar Gust/Euroforum)

Wie erwartet: Kampf um die Rückeroberung von Kundus begonnen

Wie erwartet, haben die afghanischen Sicherheitskräfte am (heutigen) Dienstagmorgen den Versuch gestartet, die am Vortag von den Taliban eroberte nordafghanische Provinzhauptstadt Kundus zurückzuerobern. Dabei griffen auch erstmals die US-Streitkräfte mit einem Luftangriff ein.

Der Sachstand am Vormittag, hier in der Zusammenfassung des Guardian:

Afghan troops have begun a counterattack against Taliban fighters who seized control of the northern provincial capital of Kunduz, as a US military plane hit a position on the outskirts of the city.
“Fresh troops have arrived in Kunduz and an operation has been launched,” the Afghan defence ministry said in a statement on Tuesday. (…)
Col Brian Tribus, a spokesman for the Nato-led coalition in Afghanistan, said: “US forces conducted an airstrike in Kunduz today to eliminate a threat to coalition and Afghan forces operating in the vicinity of Kunduz.”

Heute will auch der afghanische Präsident Ashraf Ghani in einer Pressekonferenz zur Lage im Land und im Norden Stellung nehmen – mal sehen, wie weit er da bereits Erfolge verkünden kann (oder auch nur will).

In Deutschland hat unterdessen die Debatte über einen längeren Afghanistan-Einsatz der NATO-geführten Mission Resolute Support und damit auch der Bundeswehr begonnen. Bislang sprachen sich SPD-Politiker dafür aus, den Einsatz über das geplante Enddatum 2016 hinaus zu verlängern. Angesichts der Lage wäre es falsch, die Afghanen völlig alleine zu lassen, sagte der sozialdemokratische Verteidigungsexperte Rainer Arnold. (Was natürlich die Frage offen lässt, was die Truppen erreichen können, die bereits jetzt nur auf eine beratende und beobachtende Rolle reduziert sind.)

Weiter nach Entwicklung, gerne in den Kommentaren (bin heute weitgehend unterwegs).

Nachtrag: Aus der Zusammenfassung der NYT vom Dienstagabend deutscher Zeit: weiterlesen