DroneWatch: Roll-out für erste Drohne des NATO-Bodenüberwachungssystems AGS

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Die erste Riesendrohne für das neue NATO-System Alliance Ground Surveillance (AGS) hatte am (heutigen) Donnerstag beim Hersteller Northrop Grumman in Kalifornien ihren Roll-out. Die unbemannte Maschine, basierend auf den Global Hawk-Drohnen, soll mit weiteren baugleichen Fluggeräten einen wesentlichen Teil eines Bodenüberwachungssystems für das Bündnis bilden, analog zur bereits seit Jahrzehnten bestehenden Luftraumüberwachung mit AWACS-Maschinen. Deutschland wird sich an diesem System nach den bereits länger bekannten Zahlen mit etwa einer halben Milliarde Euro beteiligen. Ab 2017 sollen die ersten Drohnen, die in Sigonella auf Sizilien stationiert werden, einsatzbereit sein. weiterlesen

Exercise Watch: BALTOPS zwischen Gdingen und Kiel, mit sieben deutschen Einheiten (Update)

Fast zeitgleich zur Landübung Saber Strike im Baltikum und Polen beginnt am (morgigen) Freitag die multinationale Marineübung BALTOPS 2015 (Baltic Operations) in der südlichen Ostsee, ausgehend vom polnischen Hafen Gdynia (Gdingen) über Ravlunda in Schweden bis nach Kiel. BALTOPS ist eine der seit Jahren laufenden Übungsserien (The annual BALTOPS exercise is not held in response to any specific threat. The exercise has been held since 1971, and is now in its 43rd year, sagt die NATO).

Aber sie hat – wie manche andere – vor dem Hintergrund des gewandelten Verhältnisses der NATO zu Russland in der Ostseeregion neue Bedeutung bekommen.

Von der Deutschen Marine sind daran die Fregatte Lübeck, die Korvette Braunschweig und die Schnellboote Hermelin und Wiesel beteiligt. Update: Nach neueren Informationen der Marine sind an der Übung die Fregatte Lübeck, die Korvette Braunschweig, die Schnellboote Hermelin und Wiesel, der Tender Donau und das Hohlstablenkboot Auerbach/Oberpfalz beteiligt, außerdem ein Seefernaufklärer P-3C Orion.

Und erneut ist es keine NATO-Übung, sondern eine US-geführte – wenn auch das Kommando Naval Striking and Support Forces NATO (STRIKEFORNATO) in Lissabon die Oberhoheit hat. Zudem stellen auch wieder mit Schweden und Finnland zwei Nicht-NATO-Staaten Soldaten und Schiffe. weiterlesen

Fürs Archiv: Kabinett verlängert Bundeswehreinsatz im Kosovo und UN-Missionen vor Libanon und in Mali

Als Nachtrag zum gestrigen Mittwoch (da war ich unterwegs): Das Bundeskabinett hat beschlossen, das Parlament um eine Verlängerung der deutschen Beteiligung an drei Auslandsmissionen zu bitten. Im Einzelnen:

• Der älteste Auslandseinsatz der Bundeswehr, die seit Juni 1999 laufende Beteiligung an der NATO-Mission im Kosovo (KFOR), soll unverändert fortgeführt werden, mit maximal 1.850 Soldaten. Derzeit sind rund 680 Soldaten dort im Einsatz.

• Die Deutsche Marine soll auch weiterhin Schiffe und Boote in die UN-Mission UNIFIL vor der Küste des Libanon entsenden. Derzeit ist dort die Korvette Erfurt eingesetzt; zusammen mit Stabselementen an Land in Nikosia auf Zypern knapp 150 Soldaten. Korrektur: daneben das Stabs-, Logistik- und Systemunterstützungselement sowie der Schutzzug des Seebataillons in Limassol auf Zypern sowie ein Ausbildungskommando im Libanon selbst und einige Soldaten im UN-Hauptquartier in Nakura.

• Die Beteiligung an der UN-Mission in Mali (MINUSMA) wird fortgesetzt – das ist nicht die EU-Trainingsmission für die malische Armee, die ein eigenes Mandat hat. Unverändert sollen für die Blauhelmmission bis zu 150 Soldaten eingesetzt werden, allerdings sind es derzeit nur acht. Der Unterschied erklärt sich daraus, dass für MINUSMA bei Bedarf auch Transall-Flugzeuge zur direkten Unterstützung der UN-Mission sowie ein Tankflugzeug zur Unterstützung französischer Kampfjets im Einsatz für die UN-Operationen abgestellt werden können.

Die Übersicht über die Kabinettsbeschlüsse hier; die Mandatstexte trage ich nach, wenn sie als Bundestagsdrucksache vorliegen.

(Foto: Soldaten aus Niger und Bangladesch beim MINUSMA-Einsatz – MINUSMA/Marco Dormino)

G36-Sammler: Nachtwei-Kommission beginnt Arbeit, neuer Geschäftsführer bei Heckler&Koch

Um die Entwicklungen mitzuplotten… lohnt ein neuer Sammelthread zum Thema Sturmgewehr G36:

• Die Kommission um den früheren Grünen-Bundestagsabgeordneten Winfried Nachtwei nimmt ihre Arbeit auf: Zusammen mit dem ehemaligen Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus soll Nachtwei prüfen, ob möglicherweise deutsche Soldaten durch Mängel am G36 zu Schaden gekommen sind. Wie zuvor schon Königshaus in Medien-Interviews sagte auch Nachtwei den Bundeswehrmedien, dass er dafür keine Hinweise habe:

Bisher gibt es keine Hinweise darauf. Die konkreten Ermittlungen, ob Soldaten im Gefecht – also in einem hochkomplexen Szenario, von dem es keine Volldokumentation gibt – geschädigt oder gefährdet wurden, sind schwierig. Wir können uns nur der Gefechtssituation annähern, aber das ist meiner Meinung nach schon eine große Hilfe. Für Angehörige von gefallenen oder verwundeten Soldaten oder für Soldaten, die Kameraden verloren haben, ist es von großer Bedeutung, Sicherheit zu haben, ob da ein fehlerhaftes G36 eine Rolle spielte oder nicht.

Übrigens haben Nachtwei und Königshaus hochkarätige Zuarbeit: Das Verteidigungsministerium hat dafür einen Zwei-Sterne-General abgestellt. Generalmajor Johann Langenegger, Kommandeur der 1. Panzerdivision, steht der Kommission beratend zur Verfügung.

• Die G36-Herstellerfirma Heckler&Koch hat einen neuen Geschäftsführer fürs Operative. Aus der Mitteilung des Unternehmens vom (gestrigen) Mittwoch: weiterlesen

Ukraine: Jetzt doch wieder Einsatz schwerer Waffen

Im Osten der Ukraine sind am (gestrigen) Mittwoch die Kämpfe zwischen Separatisten und ukrainischen Truppen wieder aufgeflammt – und dabei wurden offensichtlich auch schwere Waffen eingesetzt, die nach dem Abkommen von Minsk abgezogen sein sollten. Die OSZE-Beobachter in der Osturkraine stellten fest, dass schwere Waffen vor allem von Ost nach West bewegt wurden. Aus ihrem Spot report vom (heutigen) Donnerstagmorgen:

Fighting erupted around the government-controlled town of Marinka (23km west-south-west of Donetsk city centre) in the morning of 3 June. The SMM observed the movement of a large amount of heavy weapons in “Donetsk People’s Republic” (“DPR”)-controlled areas – generally in a westerly direction towards the contact line – close to Marinka, preceding and during the fighting. Calm was restored by the early evening.

Der komplette Bericht zum Nachlesen hier.

Ein Bericht aus dem Kampfgebiet von der BBC: Ukraine crisis: Heavy fighting rages near Donetsk, despite truce

Nachtrag: NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erneuerte den Vorwurf an Russland, weiter schwere Waffen in die Ostukraine zu liefern, berichtet Reuters:

„We have precise information that Russia is present in eastern Ukraine and that it has delivered large quantities of heavy, advanced weapons to the separatists,“ NATO Secretary-General Jens Stoltenberg told reporters in Oslo.
„Artillery, anti-aircraft systems, advanced weapons systems. They have supplied more than 1,000 units of this kind to the separatists.“
„Russia has a particular responsibility (to end the conflict) because they back the separatists and supply them with heavy arms. They also have forces in eastern Ukraine,“ Stoltenberg added.

(Ich bitte, wie immer bei diesem Thema, um Sachlichkeit in den Kommentaren. Notfalls stelle ich diesen Thread auf moderierte Kommentare.)