Kasdorf rechnet ab

Zwei Monate vor seinem Ruhestand hat Heeresinspekteur Bruno Kasdorf in einem Interview der Süddeutschen Zeitung , nun ja, abgerechnet. Zwar betonte der Generalleutnant, beim Personal steht das Heer ausgezeichnet da. Doch beim Material sehe es doch deutlich anders aus.

Das Interview ist – bislang – nicht online, sondern nur in der Ausgabe vom 21. Mai zu lesen (jetzt schon elektronisch und am Donnerstag gedruckt). Deshalb hier ein paar Kernaussagen:

• Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage im Osten und den damit verbundenen veränderten Anforderungen an das Heer stellen wir nun fest, dass beim Material eine punktuelle Ausstattung nicht mehr ausreicht, dass wir bei der Modernisierung deutlich hinterher laufen und auch bei unseren Munitionsvorräten unbedingt zulegen müssen.

• Die Finanzausstattung ist heute nicht einmal im Ansatz ausreichend.

• Das Fehl zieht sich von den kleinen Ausrüstungsgegenständen wie einer zu geringen Anzahl an bestimmten Schutzwesten über stabilisierte, nachtsichtfähige Ferngläser, die Ausstattung unserer Infanteristen mit einer modernen Gefechtsausrüstung bis hin zu geschützten und ungeschützten Fahrzeugen und den dazugehörigen Anbaugeräten.

Es gäbe noch weitere Klagen des Inspekteurs, die hier hingehörten – von den Problemen mit der 80-Prozent-Ausstattung bei Großgerät bis zu durchhaltefähigen Munitionsvorräten in der derzeitigen sicherheitspolitischen Lage. Die SZ mag allerdings nicht, wenn man mehr als drei Sätze zitiert, deshalb muss hier erst mal Schluss sein – vielleicht lässt es sich später ja doch noch online nachlesen.

Auf jeden Fall relativiert das Kasdorfs wiederholte Aussage vom Weltklasseheer. Obwohl er das vermutlich in erster Linie aufs Personal bezogen wissen will. Das Material kann er nach diesen Worten nicht meinen – wobei das nicht wirklich eine Überraschung ist.

Nachtrag: Inzwischen ist zwar nicht das Interview im Wortlaut, aber eine umfangreiche Zusammenfassung online frei nachzulesen: „Der Investitionsbedarf ist riesig“

(Üblicherweise werden hier deutsche Verlagswebseiten nicht verlinkt; in diesem Fall ist eine Ausnahme gerechtfertigt.)

(Foto: Kasdorf am 10. März 2015 beim Panzergrenadierbataillon 371 in Marienberg)

100 Gedanken zu „Kasdorf rechnet ab

  1. Herr General, Donnerwetter, eine punktuelle Ausstattung reicht nicht aus? Welche Erkenntnis. Ich unterstelle, wagemutige GenstOffz haben (hätten) Ihnen dies schon vor einem Jahrzehnt gesagt?
    Unser Dank für beginnende Verbesserung gebührt also Wladimir Putin, na immerhin mal was Gutes aus dem Osten.

  2. @Klaus-Peter Kaikowsky
    1a++
    Warum machen diese „Generäle“ eigentlich erst den Mund auf,wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und sie eh nicht mehr relevant sind??
    Erbärmlich und eines Offiziers, schon als Vorbild nicht würdig!!
    Siehe auch die Beiträge zu Trall bis 2021 hier auf AG zu“ Inspekteur“ Müllner.Aber auch bei der Lw ist der Karren schon heftig an die Wand gefahren.
    In jedem Industriebetrieb wären diese „Führungskräfte“schon längst entsorgt.
    Mal sehen ob Hr.Krause bei der Marine mal das Ruder herumreisst und beispielsweise mal das noch zu gebrauchende S-Bootgeschwader erhält,in diesen Zeiten.

    Es gäbe noch so viele Beispiele,aber Entschuldigung Hr.Wiegold ist wohl OT

  3. @Alarich
    Das ist nichts Neues, sondern hat sich schon vor 39 Jahren, als ich zur BW kam, abgezeichnet.
    Nur die Stromlinienförmigen, die auch noch im richtigen Moment die Ohren anlegen konnten, wurden ge- und befördert.
    Diejenigen, die sich getraut haben befohlene Wahrheiten zu kritisieren, blieben irgendwo auf dem Weg nach oben hängen.
    Also, wer hat Kariere gemacht und ist jetzt oben?

  4. Jens Schneider | 20. Mai 2015 – 23:53

    das ist leider was 1940-1944 Eingeschlichen hat

    und von der Bw leider übernommen wurde

    das Merkt man Tag der offenen Tür leider wenn man was Fragt was von der Bw nicht gewollt ist , wie Unterof/Ofiz ganz schnell raus aus dem Thema wollen

  5. @Alarich:
    Stimmt! Heute vormittag im Deutschlandfunk gabs irgendwas längeres über die Bw (Innere Führung etc. im Wandel der Zeit, oder so). Und ein Lt sagte auf viele Fragen, dass er dazu keine Meinung kundtun möchte, weil ihm der nötige Dienstgrad fehle das öffentlich zu bewerten. Er wäre zwar Staatsbürger, aber….
    Naja. Da waren wir schon mal ein klein bisschen weiter. No offense. Aber die ganze Sendung (1-2h?) war so nichtssagend und verstockt…. Eine Aneinanderreihung von Nullaussagen. Quer durch alle Dienstgrade. Authentisch? Aufgenommen im Zentrum Innere Führung.

    Ist die Saat aufgegangen?

  6. @ crm- moderator

    vor allem wenn man die heutige friedhofsruhe mit der „historisch nicht vorbildlichen“ vorgängerarmee vergleicht.

    die war im verhältnis zu heute ein regelrechter debattierclub. quer durchs ganze offizierscorps. selbst im OKW und gegen den obergrfreiten ging es teils hoch her. (bekanntlich war der aber beratungsresistent)

    die historische lektion müsste insofern MEHR professionelles selbstbewusstsein und öffentliches auftreten der militärischen führer ggenüber der politischen führung sein, nicht weniger.

    bei heutigen generalstäblern hat man allerdings eher den eindruck leitmotiv der der eigenen tätigkeit sei es sich irgendwie visions und besinnungslos in den ruhestand zu schleppen

  7. Wenn wundert es ??!!
    Dem DEU Offz ist es anerzogen Ja zu sagen.
    Ich erlebe es täglich im Dienst , nur wer nicht aneckt kommt weiter.
    Kritik oder gar Fehlstandsmeldungen sorgen meist für Stirnrunzeln.
    Jedoch gibt es auch mehr als genug Offiziere die nicht mit dem Strom schwimmen und auch bereit sind Klarstand zu melden.
    Die befinden sich meist aber in einer Ebene die abgewürgt wird und zwar von denen die was bewegen könnten.
    Der größte Feind der BW trägt Uniform!!!
    Wenn sich nicht in der Gen.St.Offz Ausbildung was ändert und hier nicht Politiker sondern Führer ausgebildet werden wird die BW weiter das sein was sie ist.
    Führen heißt dienen!!

  8. Na Mensch – das hörte sich alles letztes Jahr auf einer Tagung der Vertrauenspersonen des Heeres noch alles ganz anders an. Damals versuchte Herr Kasdorf uns deutlich auf dynamisches Verfugbarkeitsmanagement einzuschwören.
    Sogar einen deutlich aufgezeigten Hinweis in öffentlicher Runde, das weite Teile der Feuerunterstützungskräfte noch nicht mal gemäß SollOrgMat mit dem notwendigen Material zur Auftragserfüllung ausgestattet sind, wischte er mit einem saloppen: „im Heer stehen genug Geräte zur Verfügung, dann muss da eben ein Austausch Truppe/Depot – Truppe stattfinden“ vom Tisch.
    Diese Aussagen sind zu spät abgefeuerte politische Bomben. Und das ist der Opportunismus, der unser Offizierkorps so nachhaltig zerstört. Lieber nichts sagen, man will ja noch Karriere machen.
    Frei nach dem Motto: „Geh du-ich bin verheiratet“.
    Hm…

  9. Diese „Abrechnung“, Herr Kasdorf, hätten Sie eigentlich spätestens zwei Monate nach Antritt Ihres Postens als GI Heer führen müssen. Und zwar erst gegenüber dem GI, dann dem IBUK, dann zwingend vor Parlament und v.a. Kanzlerin und wenn sich dann immer noch nix bewegt hätte per Presse …

  10. Moin,
    „dem DEU Offz ist es anerzogen Ja zu sagen“
    Pardon dies halte ich für Quatsch, Bullshit.

    Ob jemand Ja oder Nein zu schwachsinnigen Anweisungen oder Befehlen sagt,
    ist einzig und allein seine Entscheidung. Gegen den Strom schwimmen erzeugt Wärme,
    ob ich oder meine Lieben damit und den daraus resultierenden Konsequenzen leben kann (können) ist eine Frage des Charakters und Leidensfähigkeit.
    Jeder macht dann für sich die Rechnung auf, ob Wiederstand lohnenswert ist.
    Nur gibt es hier unterschiedliche Wertesysteme.
    In meinen BU`s steht seit ca. 25 Jahren drin, „Soldat neigt zu Kritik“ mittlerweile steht sogar „konstruktiver oder verständlicherweise“ als Adverb drin.
    Jeder kann, sofern er gewillt ist, auf seiner Ebene etwas tun. Ob für oder gegen das System.
    Ja es gibt einen Zusammenhang zw. höheren Dienstgraden und Untätigkeit, Gleichgültigkeit, Resignation etc. Aber es gibt auch manchmal (selten) echte Diamanten unter Ihnen und die machen mir Hoffnung.
    Trotz des Sprichwortes das die A…. löcher nie aussterben und damit meine ich nicht nur die MENSCHEN in UNIFORM.
    Menschen führen zu können ist in erster Linie ein Hauptwesenszug, ein charakterliches Merkmal, die sogenannte Führerausbildung nur ein Hilfsmittel.

  11. Da der Mann ja nun nicht dämlich ist, (sieht eher so aus als ob seine Linientreue auf sein Denkvermögen bzw. aus dem Gedachten resultierende Handlungen einwirkt) müsste ihm doch auffallen wie merkwürdig seine Aussagen sind.
    Gerade mit Blick auf die Fürsorgepflicht.

    Wie sagte Trull? „Auf eine Diskrepanz zwischen Auftrag und Mitteln müssen Sie hinweisen, schon allein der Verantwortung der Truppe gegenüber.“

    Warum also erst jetzt? Jetzt, da mit Blick auf die Karriere keine schwerwiegenden Konsequenzen mehr zu befürchten sind….?
    Es scheint große Teile der Generalität nehmen das mit „abgerechnet wird zum Schluss“ etwas zu wörtlich.

  12. @all

    Das Wortlaut-Interview ist zwar nicht online, aber eine längere Zusammenfassung, die ich oben (abweichend von der üblichen Praxis) verlinkt habe.

  13. Vor ein paar Wochen hat er noch seinen Standardspruch vom „Weltklasseheer“ runtergeleiert …

  14. Wir.Dienen.Deutschland.
    So?
    Zur rechten Zeit das rechte sagen und danach handeln, das hieße Deutschland zu dienen.

  15. Mag sein, dass die Personallage aus der Sicht des Insp Heer gut sein mag, aus Sicht der Truppe ist sie es nicht. Der Truppe reicht eben nicht wenn jede Stelle theoretisch besetzt sein könnte, sondern in sie besetzt sind und ob man den Grundbetrieb mit der zur Verfügung stehenden Zeit erfüllen kann. Die Lage wird ab 01.01.2016 evtl noch deutlicher für die Führung werden.

    Wann rechnen die anderen Inspekteure ab?

  16. Mal Butter bei die Fische, eine offizielle Stellungnahme als „Heeresinspekteur“ kann man im Allgemeinen eher am Ende als am Anfang der Laufbahn tätigen. Und Stellungnahmen von Unteroffizieren schaffen es eher selten in die Tagespresse.

    Interessanter wäre da schon ein Bericht über einen Unteroffizier der wegen sachlicher Kritik entsorgt wurde.

  17. Na, da hat Herr Kasdorf aber den richtigen Zeitpunkt für seine Äußerungen lange verpasst.

    Er passt damit aber sowohl zur heutigen Führungskultur der Bundeswehr, als auch zum gesellschaftlichen Zeitgeist. Wir leben in einer Zeit, die Konsens wünscht. Unsere Diskussionskultur hat arg gelitten, inhaltliche Auseinandersetzung wird mit „streitet doch nicht“ abgetan. Über jedem Argument schwebt das Schwert politischer Korrektheit, die Schere im Kopf hat Folgen. Dazu kommt die Etablierung der Vergiftung von Diskussionen durch wehleidiges Gejammer über die Form. Statt klarer Worte durch einen klaren Geist kommt nur noch weichgewaschenes Geschwurbel, was einer stringenten Entscheidungsfindung und Problemlösung nicht dienlich ist.

    In marktorientierten Unternehmungen werden die Tendenzen etwas abgebremst, da die damit einhergehenden Effizienzverluste zum Marktaustritt des Unternehmens führen. Bei staatlich alimentierten Entitäten wie der Bundeswehr findet diese „Auslese“ nicht statt. Das Ergebnis ist Inkompetenz und wenn es drauf ankommt, steht die Bundeswehr da, wie die Preußen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt.

  18. @ Zimdarsen
    Woher sollte ausgerechnet zwei Monate vor seiner Pensionierung der Erkenntnisgewinn kommen, den er jahrelang nicht wollte??

    Es ist überdies auch schön einfach alles auf die mangelnde Finanzausstattung zu schieben. Da ist man dann beim Finanzminister und der Regierung.

    Ich kann mich nur noch fremdschämen.

    @ STO
    Sie sind dann bestimmt jetzt schon General. Oder kommt das noch?

  19. @all

    Absehbar wird das in den Kommentaren zu einem reinen Kasdorf-Bashing. Ich würde gerne zur Sachlichkeit aufrufen… und will noch hinzufügen: Ich weiß nicht, ob (und wann) der InspH diesen Alarm auch intern schon länger ausgelöst hat, ohne dass es etwas genützt hätte.

  20. Es müßte mal thematisiert werden, warum unsere Generale sich erst im Ruhestand, oder kurz davor, trauen, Kritik zu üben. Welche Kultur herrscht hier, daß ein aktiver Soldat sich nicht traut. Kritk (zumindest deutliche) zu äußern.

    Aber auch unseren Generalen stünde etwas mehr Rückgrat gut zu Gesicht. Es gibt doch genügend Vorbilder in der Vergangenheit, die bereit waren ihre Meinung zu äußern, auch wenn es Unbill für sie bedeutete. Leider fehlen uns diese Führerpersönlichkeiten heute. Wir haben eben nur ein durchschnittliches Beamtenkorps, welches kritkloses Erfüllungsgehilfe der Politik ist.

  21. Damals vor langer Zeit hat mein Zugführer in der Grundausbildung gesagt „Wir/Ihr seid ein Spiegelbild der Gesellschaft“. Also warum der Aufruhr? Schaut Euch die Führungsriege in unserer Gesellschaft, der Industrie und in der Politik an! Uns regieren und führen die Auswüchse der 68er Generation, hemdsärmelig und ohne Rückgrat.
    Kennt Ihr das Buch von General Günzel „Und plötzlich ist alles politisch“? Alles über Kompaniechef ist Politik…..
    Mich wundert das alles nicht.

  22. Ich bin enttäuscht – allerdings weniger über Generale und Offiziere, sondern über die Kommentare. Falsch, unsachlich und in keiner Weise geeignet, eine vernünftige Diskussion über die sicherheitspolitischen Bedürfnisse der Bundesrepublik Deutschland anzustoßen.

    Ein Blick in die FR aus dem Jahre 2003: Wegen drohender dramatischer finanzieller Engpässe ist der Generalinspekteur mit dem dicken Rotstift über die von den Teilstreitkräften eingereichte Wunschliste gegangen. Zwischen 2005 und 2016 sollen so insgesamt knapp 26 Milliarden Euro eingespart werden.

    Der Bund stellt Streitkräfte auf, nicht die Soldaten. Die sind da gezwungen, mit dem zu arbeiten, was uns bereitgestellt wird. Fehl und Lücken wurden und werden aufgezeigt, das steht sogar im Artikel – haben Sie wahrscheinlich überlesen, ich wiederhole es gerne nochmal: bereits 2012 gesagt, dass wir pro Jahr 2,5 Mrd € brauchen, um das Heer runderneuert aufzustellen. Nichts gesagt? Es gibt andere Beispiele, gerade in jüngster Zeit. Und warum? Weil selbst der neue Wehrbeauftragte Anfang Mai im Handelsblatt festgestellt hat, man möge doch zur modernen Vollausstattung zurückkehren. Die Antwort darauf hat der Inspekteur des Heeres jetzt gegeben: das bedeutete nicht nur die 2,5 Mrd € pro Jahr, sondern 20 Mrd. € dazu. Wer hat das bisher so deutlich gesagt?

    In eigener Sache, bin ja Betroffener: in jedem Unternehmen – gerade in der Größe der Bundeswehr – gibt es Führungskräfte, die möglichst stromlinienförmig den Weg nach oben für sich gestalten. Das die in der freien Wirtschaft entlassen werden, möchte ich bezweifeln, eher abgefunden, um dann bei anderen Unternehmen genauso viel Geld zu verdienen. Ich gehe davon aus, dass alle Kommentare gegen Generale und Generalstabsoffiziere sich gegen solche Soldaten richten, die den Kommentatoren persönlich bekannt sind, so dass sie sich ein Bild darüber verschafft haben, was das für Menschen sind. Ich kenne sicherlich einige, die ich nicht gerne in der Bundeswehr sehe. Die große Masse hingegen, fällt sicherlich nicht in diese Kategorie.

  23. @ T.Wiegold
    Inhaltlich sind die Aussagen des Generals doch schon lange kommuniziert. Insbesondere hier in AG wurde es teilweise erschöpfend durchdiskutiert.
    Insofern können doch die Kommentare sich nur darauf beziehen, dass es jetzt nochmal in der SZ erscheint und durch wen.
    Damit bleibt nur die Frage:“ Warum jetzt?“ Denn was er intern kommuniziert und was er öffentlich kommuniziert hat war dann nach ihrer Vermutung in der Vergangenheit nicht identisch?

  24. @ T.W.

    Das Problem des Herrn Kasdorf ist aber die fehlende Glaubwürdigkeit. Wenn er sich schon 2012 hinstellt und de facto Thesen vertritt, die die ganzen (schon damals bekannten oder absehbaren) Probleme geflissentlich ignorieren (siehe Rede zum Thema Heer2011), dann stellt sich mir die Frage wieso sollte ich ihm abnehmen, daß er intern schon längst Alarm geschlagen hat? Vielleicht gehe ich ja von falschen Ansichten aus, aber wie hat er denn all die Jahre in der Öffentlichkeit einen Kurs vertreten können, von dem er selbst wußte daß er nicht realistisch und nachhaltig ist? Wie kann man etwas nach außen vertreten, was gegen grundlegende eigene Ansichten geht? Das ist schlichtweg eine Frage der Glaubwürdigkeit und die hat Herr Kasdorf durch seine Aussagen und Taten seit 2012 nachhaltig beschädigt.

    Was bitte ist mit der schönen alten preussischen Tradition von „Mut vor Königsthronen“ passiert?

  25. @schleppi
    Wollen Sie den werten STO (STO= Schiffstechnischer Offizier, und dieser hier ist ganz bestimmt auf Booten mit einem M vor der Hullnumber gefahren) beleidigen?
    Meine alten STO’s würden Ihnen allesamt mit dem nackten selbigen ins Gesicht springen und zum reinigen des Fettabscheiders einteilen. ;-))

    edit
    @STO
    Sie waren schneller…

  26. @ NMWC
    Nichts läge mir ferner! Es würde hier aber eine andere Diskussion entstehen, wenn wir das vertiefen. Karriere ist so ein Konditionierungsprozess.
    @ Schreiber
    Lesen sie einfach mal die Inspekteurbriefe und dann wiederholen sie den Vorwurf der Unsachlichkeit. Es geht hier auch weniger um eine sicherheitspolitische Diskussion als aus meiner sehr subjektiven Sicht um den Versuch die Verantwortung für einen schlechten Zustand einer schlechten Finanzauststattung allein zuzuschreiben. Oder haben Sie gelesen, dass er Verantwortung für die Entscheidungen übernimmt, die alle getroffen worden als er bereits an prominenter Stelle im Heer war? Und das was jetzt nicht funktioniert, funktionierte schon vor der Ukraine-Krise für den Auslandseinsatz nicht. (In den älteren Threads nachzulesen)
    .

  27. Davon gibts sicher noch mehr. Nicht nur als Inspekteur riskiert man nicht die Wahrheit vehement zu verteidigen. Karriere steht auf dem Spiel und wenn nicht das, eine unruehmliche eigene Position. Wer will schon Mitstreiter sein……..zu oft erlebt.

  28. Ich höre aus der Truppe nicht unbedingt, daß wir personell weltklasse da stehen. Wie ist denn die Befüllung der Kompanien mit Mannschaften? Und in der militärfachlichen Ausbildung unserer OA und UA kann man durchaus auch grundsätzliche Probleme finden.
    Schön ist allerdings, daß die Armee der Inneren Führung sich nicht von ihren Vorgängern unterscheidet, wenn es um das Verhalten gegenüber politischer Führung geht. Willkommen in der Realität außerhalb des ZInFü.

  29. @ Schwarz:
    Alles ist politisch – auch unterhalb der Ebene Kompanie. Der Wehrbeauftragte und mehrere hundert MdBs suchen geradezu danach bzw. haben das als ihr politisches Grundverständnis.

  30. Da ja die beliebte Rubrik: „Veränderung in militärischen Spitzenpositionen“ anscheinend zugunsten von „Bildterminen“ eingestellt wurde. Wer folgt eigentlich dem Gen. Kasdorf als Insp H? OT: Wer sich besser fühlen möchte schaue doch einfach mal in die BUNTE von heute. Da erfährt man wichtige Dinge wie die Konfektionsgröße der IBUK… und es gibt Bilder!

  31. @ Schreiber | 21. Mai 2015 – 9:31

    Wo und wann hat sich Herr Kasdorf als einer der CEOs der Bundeswehr hingestellt und hat den Agenten seiner Kunden (nennen wir den Bundestag mal so) klar gesagt, dass man mit dieser Finanzausstattung keine schlagkräftigen Streitkräfte aufstellen und unterhalten kann und so das abstrakte Gut Sicherheit nicht produziert werden wird?

    Auch Herr Kasdorf gehörte in meinen Augen zu den Führungskräften, die sich gemütlich in der Friedensdividende eingerichtet hatten. Die Fähigkeit zur ernsthaften Landesverteidigung hat man sehenden Auges vollkommen vernachlässigt.

    Die Erkenntnis, dass das Fundament für den nächsten Krieg in vorherigen Friedenszeiten gebaut wird, wurde vergessen. Grundsätze wie „Si vis pacem para bellum“ bekam man nicht mehr übersetzt. Man war so stolz auf sich, Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden, und vergaß dabei, dass das oft dazu führt, dass man zukünftig für die „pflügt“, die das nicht getan haben.

    Der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen sollte doch eigentlich so aussehen, dass man im Rahmen präventiver Systeme der Gefahr vor der Entstehung der Gefahr gewahr ist. Aktuell bricht es doch – wie 1914 – an allen „Fronten“ zusammen. Nicht einmal der Balkan bleibt ruhig. Und nun merkt man plötzlich, dass einem für kinetisches „tapfer verteidigen“ die Ausrüstung im Depot fehlt.

    Eigentlich hätten doch Leute wie Kasdorf seit dem Kaukasuskrieg 2008 den Alarmknopf drücken müssen. Dann wären wir vielleicht heute besser gerüstet.

  32. Entschuldigung, aber einige der obigen Kommentare sind an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten. Offenbar spricht da manchmal der Frust über entgangene persönliche Laufbahnziele aus jeder Zeile (ich weiß, das klingt jetzt nicht ganz fair und gilt auch nicht pauschal). Was aber nicht heißt, dass in der hier diskutierten Sache nicht ein Fünkchen Wahrheit an dem allgemeinen Unbehagen dran ist.

    Um es klar zu bestätigen: Es stimmt ja grundsätzlich, dass in der Bundeswehr oft (oder auch: meist?) zu wenig kritikbewusst und zu viel vorauseilend unterwürfig gedacht und gehandelt wird. (Das gilt auch für frühere deutsche Streitkräfte: Man kann ja nun nicht allen Ernstes behaupten, in der Wehrmacht durfte jeder Offizier – von einzelnen Ausnahmen, die im Nachgang allzu gern heroisiert werden – ungestraft etwa zu den Feldzügen im Osten oder zu den „Segnungen“ des Nationalsozialismus eine abweichende offene Meinung vertreten.) Keine Frage, dass man hier gegensteuern muss, was freilich nicht von heute auf morgen erfolgreich sein kann. Über diese Analyse brauchen wir nicht zu streiten.

    Aber umgekehrt: Eine Armee, in der jeder mit überbordendem Selbstbewusstsein nur das zu tun und zu respektieren bereit ist, was seiner individuellen Überzeugung aus der jeweiligen begrenzten Sicht vollauf entspricht, endet im Chaos. Das Schlüsselwort lautet daher (neben konstruktiver Kritik) vor allem auch Vertrauen über die Führungsebenen hinweg – wozu nicht zuletzt auch die Fähigkeit gehört, sich in die jeweils andere Perspektive mit ihren Freiheiten und zugleich all ihren Zwängen hineinzuversetzen gewillt und fähig zu sein. Nach unten wie nach oben. Und ich gebe zu: Auch hier gibt es eklatanten Verbesserungsbedarf in der Praxis – ebenfalls oben wie unten.

    Zum aktuellen Thema: Von einem Inspekteur einer TSK erwarte ich persönlich nicht, dass er in der Öffentlichkeit und auch vor der Truppe ständig nur rumheult und über mangelnde Rahmenbedingungen nörgelt. Sondern er muss vor allem – freilich einigermaßen glaubwürdig (!) – seinen Soldaten den Optimismus vermitteln, den man gerade in kritischer Lage nunmal braucht. Und er muss dabei sachgerecht einschätzen können, was machbar ist und was eher nicht. Was er im persönlichen Vortrag dem GenInsp und der politischen Leitung sagt und dabei für seinen Bereich einfordert, wissen wir ohnehin nicht. Darüber verbietet sich daher fairerweise auch jede Spekulation.

    Sorry, aber das musste mal raus.

  33. @Wiegold: das mit dem richtigen Zeitpunkt ist immer schwierig. Aus meiner Sicht gibt es zwei Auslöser: die Forderung der Politik nach Vollausstattung, und das nahende DZE des InspH, was zu einer Bilanz einlädt. Und natürlich gilt es zu bedenken, wie man in der heutigen Zeit den InspH in eine überregionale Zeitung bekommt.

    @Schleppi: den Vorwurf wiederhole ich gerne. Im Einzelnen:

    Sie sagen: „Woher sollte ausgerechnet zwei Monate vor seiner Pensionierung der Erkenntnisgewinn kommen, den er jahrelang nicht wollte??“

    Dazu hat der InspH 2012 (noch nicht im Amt) öffentlich kund getan: „Ich behaupte nicht, dass die Abkehr vom Prinzip der Vollausstattung ein „großer Wurf“ oder gar ein „Erfolg“ der Neuausrichtung ist. Das ist sie nicht. Im Gegenteil, sie schmerzt und ist eine tiefe Zäsur.“

    Sie sagen: „dies auch schön einfach alles auf die mangelnde Finanzausstattung zu schieben. Da ist man dann beim Finanzminister und der Regierung.“

    Daher wird ja auch erst mal versucht, es doch irgendwie möglich zu machen. Das Ergebnis ist dann Dynamisches Verfügbarkeitsmanagement, was übrigens nur im Pilotversuch existiert – und wirklich keiner will. Irgendwann ist dann aber auch dem letzten Soldaten klar: ohne eine vernünftige Finanzausstattung wird es nicht gehen. Und da muss natürlich die Bundesregierung (wer sonst?) abwägen, ob man eine moderne Armee, tolle Infra, das Berliner Stadtschloss, Bundespolizei bei Fußballspielen oder leistungsfähige Sozialsysteme will. Alles wird es nicht geben! Ich sage ja nicht, dass das einfach ist. Aber so hat eben jeder seine Last zu tragen.

  34. @Jan Hoffmann

    “ Schön ist allerdings, daß die Armee der Inneren Führung sich nicht von ihren Vorgängern unterscheidet, wenn es um das Verhalten gegenüber politischer Führung geht. Willkommen in der Realität außerhalb des ZInFü.“

    Mir ist nicht bekannt, woher sie diese Erkenntnis haben.
    Ich bin mir jedoch sicher, dass sie nicht wissen was die Inspekteure der Ministerin alles sagen.

  35. Interessanterweise gibt es mit GOSA Patschke einen Inspekteur, der die Probleme in seinem Aufgabenbereich vergleichsweise offen und öffentlich anspricht. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass über seine Aussagen großartig kommentiert bzw. diskutiert wurde. Vielleicht ist Heeres-Bashing dann doch populärer, oder einfach nur einfacher?
    Oder liegt es nur daran, dass sein OrgBer soviel kleiner ist, oder soviel neuer?
    An der Art und Anzahl der Probleme kann es wohl kaum liegen, die liegen in den selben Bereichen und sind auch nicht wirklich geringer.
    In jedem Fall scheint seine Kommunikationskultur erfolgreicher.

    Da Dr. Patschke ja auch schon die besondere Altersgrenze überschritten hat, dürfte sein Wechsel auch nicht mehr in allzu ferner Zukunft liegen. Ich bin gespannt, was es in diesem Zusammenhang für Äußerungen gibt.

  36. @ Schreiber

    Dazu hat der InspH 2012 (noch nicht im Amt) öffentlich kund getan:

    “Ich behaupte nicht, dass die Abkehr vom Prinzip der Vollausstattung ein “großer Wurf” oder gar ein “Erfolg” der Neuausrichtung ist. Das ist sie nicht. Im Gegenteil, sie schmerzt und ist eine tiefe Zäsur.”

    Womit sich für mich wieder die Frage stellt, warum er so wohlfeile Zurückhaltung an den Tag legt – auch nach Innen – und nicht stattdessen knallhart auflistet, warum diese Art der Denke nur gegen die sprichwörtliche Wand fahren kann? Warum hat er seine Stellung als General und dann als GI nicht dazu genutzt argumentativ gegen die verordnete finanzielle Hungerkur vorzugehen? Es war damals schon für ihn absehbar und ist doch jetzt sogar für jeden offensichtlich, welche Auswirkungen diese Art des Totsparens auf die Bundeswehr hatte. Ich kann einfach nicht begreifen wie man etwas das die Bundeswehr, in der Leute wie Kasdorf jahre- und jahrzehntelang gedient haben, an den Rand des Totalausfalls bringt nicht aktiv und wenn nötig sogar öffentlich zu verhindern sucht? Wie kann man etwas mittragen, was so offensichtlich selbst Herrn Kasdorf selber gegen den Strich geht?

    Hier in der Abteilung in der ich arbeite geht auch grad alles drunter und drüber und wir werfen Prozesse und Strukturen durcheinander. Ich habe hier, auch wenn ich nur ein ganz kleines Licht bin, meinen direkten Vorgesetzten so manche „Schnapsidee“ ausgetrieben indem ich denen die Folgen haarklein seziert und vorgestellt habe. Daß dabei so manches „drum herum“ mit zerplatzt ist wie eine Seifenblase (z.B. Planung Personal & Prozesse) habe ich in Kauf genommen und auch mal einen Anschnauzer von oben abbekommen, aber ich habe nicht mit angesehen wie manche „Prozesse“ am grünen Tisch zusammengestückelt worden sind ohne jedweden Bezug zur Realität und ohne Gedanken an Machbarkeit und Nachhaltigkeit. Sowas erwarte ich eigentlich auch von Offizieren der Bundeswehr. Und von Generälen sowieso. Dialog, Argumentation und Pragmatismus … alles Grundlagen in meinen Augen.

  37. Moin,
    @NMWC | 21. Mai 2015 – 9:41

    Danke
    AZM

    @schleppi | 21. Mai 2015 – 9:51
    Karriere war nie mein Ziel, wollte mitentscheiden und es besser machen.

  38. Es ist in der Bundeswehr für die Truppenführer (und deren Berater) oft ein Spagat: Zum einen der Gehorsam, insbesondere gegenüber der Regierung (Primat der Politik) und zum anderen das eigenene Wissen.
    Wenn die Politik – wider den Stellungnahmen der Truppenführer – das Geld soweit reduziert, dass nur noch 80% moderne Ausstattung und das auch nur für die Kräfte des „Level of Ambition“ angeschafft werden kann, aber alle Kräfte ausgebildet werden müssen, dann muss aus dieser schlechten Lage eben das Beste gemacht werden: eben das dynamische Verfügbarkeitsmanagement…
    Übrigens nutzte ich einmal die Gelegenheit und fragte vor einiger Zeit und vor großem Publikum den damaligen Herrn Generalinspekteur, warum er als höchster Soldat nicht eindeutiger gegen offensichtlich falsche Entscheidungen auftrete. Er antwortete: „Wie viele Generalinspekteure häten Sie denn gern pro Jahr?“ und führte aus, das er bei einer Verweigerungshaltung jeglichen Einfluss im Ministerium verliere…
    Generäle können übrigens ohne Begründung per sofort in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden…

  39. @ jan Hoffmann
    „Schön ist allerdings, daß die Armee der Inneren Führung sich nicht von ihren Vorgängern unterscheidet, wenn es um das Verhalten gegenüber politischer Führung geht. Willkommen in der Realität außerhalb des ZInFü.“

    Na, da habe ich anderes Bild der Vorgängerarmeen. Bpsw. das Marwitzsche „Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte“. Oder hier: …wagten ihn Offiziere noch im zweiten Kaiserreich. Ein Hanauer Infanteriehauptmann jener Zeit fühlte sich vor angetretener Truppe durch seinen Bataillonskommandeur gedemütigt. Mit gezogenem Säbel drang er auf den grobschlächtigen Vorgesetzten ein. Das Regiment maßregelte ihn, rasche Versetzung folgte, doch Kaiser Wilhelm I. erkannte in der Insubordination „ehrenhafte Motive“ und beförderte den Widerspenstigen. Als Generalleutnant und Exzellenz schied der impulsive Offizier, aus dem Heer.

    Das war natürlich alles vor den Zeiten der Inneren Führung.

  40. Einfach mal ein paar Gedanken (als kleiner angestellter in einem sehr großen Unternehmen der freien Wirtschaft

    – man bewegt manchmal mehr wenn man Themen bei den Verantwortlichen direkt anspricht als es mit großen Tamtam zu verkünden – wissen wir was General Kasdorf an weiteren Zumutungen abmoderiert hat?
    – es kann sinnvoll sein, wenn die richtige Grundstimmung herrscht das nötige konkret zu benennen ( genau das tut der General meiner Meinung nach)
    – das Interview (Volltext mit Testzugang zugänglich) macht deutlich, dass innerhalb des Systems er die Dinge bereits früher benannt hat

    Zu guter letzt – warum hat dieser Blog die Neigung alles runter zu ziehen, nur schwarz zu sehen anstelle sich zu freuen, dass jetzt Dinge benannt werden?

    Und: wir alle können etwas dazu beitragen, dass etwas daraus wird: geht Euern Bundestagsabgeordneten auf die Nerven, stellt Fragen, verlangt von den Parteien bevor Ihr sie wählt klare Aussagen! Das kostet Zeit und Nerven, zeigt aber den Abgeordneten, dass diese Themen nicht egal sind.

  41. @Zimdarsen

    Man muss ja garnicht die Ebene Insp oder höher betrachten. Sollte dieser Fisch „vom Kopf stinken“ dann nur, weil sein Rumpf samt Flosse schon abgefault ist.

    Hier mal meine Erfahrungen: 3 OrgB 2 TSK Ebenen Zg – Div/Kdo

    Honesty and integrity are rarely spoken and surely never heard.

    Die Bw ist wie ein Körper in der Physik: Er möchte seinen derzeitigen …-zustand nicht ändern. Und konstruktive Kritik oder gar ausgearbeitete Entwicklungsvorschäge sind lediglich Windmühlenkämpfe.

    Egal ob es um Prozesse, Vorhaben, SOPs, Vorschriften, Material etc geht. Sepbst mit Nachdruck und den richtigen Verfahren kommen ca 5% überhaupt mal zur Entscheidung einer Umsetzung.

    Warum? Angst vor Verantwortung – das ist meine Überzeugung aus all den Jahren. Bloß nicht meinen Namen unter ein Dokument setzen das Bedeutung hat, worauf man sich berufen könnte, das kommt nur als Boomerang zurück.

    Bloß nix entscheiden sonst trag ich ja die Verantwortung. Daher auch die Seuche, dass der erste Gedanke nicht einem selber gehört um als erfahrener Offizier und militärischer Führer eine Entscheidung zu treffen, sondern angestrengt versucht wird sich die Nummer vom Rechtsberater ins Gedächtnis zu rufen (wenn der eh nicht schon auf der 1 im speeddial ist)

    Hier reden viele von einer Masse von „guten“ Offizieren? Ich kenne lediglich eine Masse von echt netten.(und das mein ich ehrlich).

    Und um allen Bashings vorzubeugen: Nein ich laufe keinen verfehlten Laufbahnziel hinterher – im Gegenteil sitze ganz gut in der Pipeline die auch noch deutlich nach oben zeigt. Allerdings kann ich vielen die Angst nehmen: da kommt man auch eben als „Unbequemer“ hin wenn man es eben auch nachhaltig untermauern kann. An letzterem mangelts aber imho bei vielen. Motzen kann jeder (gerade unter 4 oder beim Essen) aber dann den Sprung machen und initiativ etwas aufzuarbeiten – da wirds schnell dünne im Korps. Dazu gesellen sich noch die „Aussitzer“ und dann haben wir den Salat. Wir haben eben ein einsträngiges Prinzip ohne große Redundanzen in der Führung. Versagt ein Glied wars das mit allen die dranhängen meist.

    Und mit diesen Möglichkeiten sitzen sie dann in der Runde: Kdr A – der Motzer. Kdr B – der fachlich Ahnungslose (Barett gabs von der LHBw), Kdr C – der Kämpfer und Kdr D – der Aussitzer. Na wie sowas ausgeht können sich auch die denken, die nicht dabei waren.

    Ich hab die Problematik auch aus sozialer Sicht in einem anderen Thread mal beschrieben. Da kommt alles zusammen. Für echten Progress müssten sie so viele Baustellen angreifen… Das hat die Bw in den letzten 25 Jahren Offizierausbildung einfach verschlafen – das kann sie nicht einfach so aufholen

  42. @STO

    Schade, dass wir nicht zusammen gefahren sind ;-) Kann aber sein, dass wir uns mal an Oberdeck eines M vor Beirut unterhalten haben (???)

    Zum Thema:

    Die Weichen, die zum heutigen Zustand der BW geführt haben, sind zu Zeiten gestellt worden, da hoppelten der Bruno und ich zwar schon als A16er durchs Streitkräftegelände, diese Weichenstellungen waren aber weit außerhalb der Einflußmöglichkeiten der Streitkräfte. Ich sage nur: MatKonz/CPM/Blankenese mod etc., Berliner Erlass und dann Dresdner Erlass und die jeweils daran angehängten, sehr tiefgreifenden aufbau-und ablauforganisatorischen Umstrukturierungen – per ordre de mufti politico.
    Man schaue sich die haushalterischen Verantwortlichkeiten (Mat, Per, Org) eines Inspekteurs 1995 an und vergleiche sie mit denen von heute—–fällt was auf ?
    Wenn man dann noch die unsäglichen Versprechungen der Wirtschaft und der Industrie dazu nimmt, die diese in Sachen Modernisierung und Innovation Richtung Bonn/Berlin geblasen haben, dann wird ein Schuh draus, und das Transformations-Gesülze des Großen Bruders will ich auch nicht unterschlagen.
    Wenn man – an ziemlich prominenten Stellen – diese Entwicklungen erlebt hat, dann kann man nur den Kopf schütteln wenn dann „das Publikum“ über einzelne Politiker, Beamte oder Soldaten herfällt, die das Pech haben unter dem Medienventilator zu stehen, wenn die Sch….von oben fällt. :-)

  43. @ Jas
    Ein Vorgesetzter muß sich über die Rechtmäßigkeit seiner Befehle im Klaren sein. Insofern wünschte ich mir, daß mehr Leute den Rechtsberater anrufen würden!
    In meiner Zeit als Disziplinarvorgesetzter und später als S1/InFü habe ich (leider) sehr häufig mit dem Rechtsberater telefoniert. Und danach auch noch oft Kameraden auf fragwürdiges Tun hingewiesen und ihnen den Anruf dort empfohlen, wenn sie meiner Einschätzung keinen Glauben schenken wollten.
    Heute hat der Rechtsberater – als Legal Adviser – „quasi seinen eigenen Stuhl“ in der Operationszentrale bzw. der Joint Fire Support Coordination Group.

  44. @O.Punkt
    Ob der InspZSan die Probleme innerhalb des Sanitätsdienstes wirklich offener kommuniziert, halte ich, aus meiner Sicht, für fraglich. Ich kann mich noch erinnern, als er vor ca. 200 SanOffz beteuerte, dass es keinen Ärztemangel in der BW gäbe. Es handle sich hierbei um ein Ammenmärchen. Und das nur, um kurz darauf von Seiten BAPersBW zu hören, dass in der Tat 305 Stellen nicht besetzt seien, weil die (geeigneten) Bewerber fehlten. SanOffz in Teilzeit, Elternzeit oder fehlendem BA 90/5 „Einsatzverwendungsfähigkeit“ noch gar nicht mitgerechnet. Jeder im Saal wusste von diesem Fakt, nur der Inspekteur sprach vorne von der heilen Welt. Glaubwürdigkeit sieht für viele anders aus.
    Dass die (vielen) Probleme des ZSanDst nicht in der Form zur Sprache gebracht werden, wie dies in der Truppe der Fall ist, könnte auch daran liegen, dass viele SanOffz und SanFw bereits demotiviert wurden, ihre Zeit absitzen und dann in die freie Wirtschaft gehen. „Geborene Soldaten“, die leidenschaftlich ihrem Beruf nachgehen, findet man in diesem OrgBereich ja durchaus seltener.
    Was die Nachfolge Patschkes angeht, so dürfte sein designierter Nachfolger GSA Dr. Tempel im Sommer das Amt übernehmen.

  45. Da es der klaubtermann oben schon angerissen hat, habe mal eine ganz naive Frage an die Experten.

    Wie oft sehen bzw. sprechen die Inspekteure die Ministerin überhaupt persönlich? Und sind es dann wirklich Besprechungstermine?

    Seit dem Dresdener Erlass sind die Inspekteure keine Abteilungsleiter im Bmvg mehr und sind rausgeflogen, richtig? Wenn gefordert wird,dass die Inspekteure bei der Ministerin mal auf den Tisch hauen und schonungslos auflisten sollen, dann impliziert das quasi eine Art Vorspracherecht. Haben die das überhaupt? Oder geht alles schön durch die Abteilung FüSK? Wenn der Apparat im Ministerium entsprechend eingestellt wurde, kann ich aucH Inspekteur und drei Sterne haben und laufe trotzdem ins Leere.

    Vllt kann mir jemand das erklären und darstellen wie sich das Ganze verhält.. Danke!

  46. @klabautermann:
    Ich wollte hier ja eigentlich nichts zum Thema beitragen, aber ihr Fazit (Schuld sind Politik, Wirtschaft, Strukturen) ist eben auch das übliche „Gesülze“.

    Die arme Generalität/ Admiralität.

    Trotz geringerer Kompetenzen sollte man sich an den Realitäten orientieren.

    Genau das hat Kasdorf über Jahre nicht getan.
    Siehe Nachwuchlage im Heer.

    Übrigens macht der Nachfolger genau da weiter wo Kasdorf bisher war:
    Alles super!

    Innere Führung, Reden an der OSH, Gedenken an den Widerstand – und der Alltag als Inspekteur.

    Aber das ist ja alles nur Generals-Bashing.

    Der Kahn sinkt eh schon – so langsam wird es sogar auf der Brücke an den Schuhen nass.

  47. Ich darf nochmal der Zwischenruf weiter oben von einem Kommentator aufrufen:
    Wer ist denn InspH, design.?

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